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C&C Fan Fiction – Die Zukunft Beginnt

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Verfasst von: [cnchq]Ghostwriter

Ghostwriter’s „Die Zukunft beginnt“ greift die Ereignisse nach dem Ende des zweiten Tiberiumkriegs und dem Sieg über die künstliche Intelligenz Cabal wieder auf. Im Jahre 2041 scheint die Menschheit vor dem Tiberium gerettet: mit der Hilfe des Tacitus hat die GDI endlich ein Mittel gegen die globale Bedrohung gefunden und ein „goldenes Zeitalter“ scheint für die Menschheit anzubrechen. Auch die Bedrohung durch die Bruderschaft von Nod scheint gebannt. Ohne Kane ist sie schwach geworden, nur noch kleine Splittergruppen bekämpfen sich inzwischen gegenseitig „im Namen von Kane“. Nun ruhen alle Hoffnungen für die Zukunft in der weiteren Entschlüsselung des Tacitus. Doch ungeahnt beginnt irgendwo dort draußen bereits die Zukunft…

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Kapitel 1

Persönliches Logbuch: General Solomon
Zugriffscode: Rot-9-Alpha-Alpha-6
14. Oktober 2041 

Die letzten Wochen gaben uns endlich einen Lichtblick, einen Grund weiterzukämpfen in dieser grausamen Zeit. Nach den beiden Tiberiumkriegen gegen die Bruderschaft und dem Sieg über Cabal können unsere Familien nun endlich wieder in Ruhe schlafen. Ohne Kane ist die Bruderschaft schwach geworden, nur noch kleine Splittergruppen bekämpfen sich inzwischen gegenseitig „im Namen von Kane“. An den letzten Angriff gegen unsere Basis kann ich mich kaum mehr erinnern, die vergangenen Monate brachten uns daher genug Zeit die Technologie des Tacitus zu entschlüsseln. Auf Basis unserer Erkenntnisse entwickelten wir neue Technologien um das Tiberium gezielt zurückzudrängen, erste Erfolge konnten wir bereits verbuchen: ganz Nordafrika und große Teile Europas sind nun vom Tiberium befreit und die irdische Vegetation scheint sich gut zu erholen. Erste Kolonisten aus den Flüchtlingslagern am Polarkreis wurden bereits in die gesäuberten Sektoren umgesiedelt. Nach beinahe 40 Jahren Krieg, Hunger und Verwüstung durch das Tiberium scheint nun ein „goldenes Zeitalter“ anzubrechen: die Menschheit hat eine der größen Bedrohungen in ihrer dokumentierten Geschichte überlebt, einen Feind, den man anfangs für das größte Geschenk an die Menschheit sah. Hätten wir damals gewusst, was die nächsten 40 Jahre bringen würden, hätten wir wohl diese anscheinend unerschöpfliche Rohstoff-Quelle bereits im Keim vernichtet. Doch der Tacitus, dessen Herkunft noch immer ungeklärt ist, enthält noch eine unendliche Menge an Daten, die bis heute nicht entschlüsselt werden konnten. Einige Terrabyte an Daten brachten uns in den letzten Monaten einen Schub in der Waffenforschung, der unsere Technologie in diesem Bereich um 30 Jahre Forschung und Entwicklung voranbrachte. Nun ruhen all unseren Hoffnungen für die Zukunft in der weiteren Entschlüsselung des Tacitus…

15. Oktober 2041 – Somalia: Verlassene Basis

„Hierher“, schrie ein Soldat in schwarz-roter Kleidung zu einer kleinen Gruppe weiterer Soldaten, „hier scheint der Eingang zu sein…“ Während die herbeigerufene Truppe sich langsam den steilen Hang hinaufquälte, hob der Soldat seine schwarz gepanzerte Hand und schob etwas Schmutz von einer Kontrolltafel. „Scheint noch intakt zu sein…“ Wenige Sekunden und einige Handgriffe später öffnete sich nur ein paar Meter entfernt mit einem lauten Ruck eine stark gepanzerte Doppeltür, auf dessen Mitte deutlich das Zeichen Nods zu sehen war: Der Schwanz eines Skorpions in einem verformten Sechseck.

Ein stechender Gestank entwich aus der unendlich scheinenden Dunkelheit des Gebäudes. „Kommt mir nicht gerade sehr einladend vor, Lieutenant Papow. Sind sie sicher, dass wir hier richtig sind?“, fragte ein Soldat aus der hinteren Reihe. Unkommentiert schaltete Papow die beiden Taschenlampen an seinem Arm ein und verschwand in der Dunkelheit. „Das ist wohl ein ja…“, stellte einer aus der Truppe fest, als alle langsam mit der Waffe im Anschlag das Gebäude betraten.

Nach einiger Zeit unkoordinierter Unterschungen weckte ein pulsierendes rotes Licht in der Ferne Papows Aufmerksamkeit, als mit einem leisen Knall langsam die Lichter und Bildschirme nach und nach aktiviert wurden. „Hm… die Delta-Gruppe muss das Kraftwerk wieder in Gang bekommen haben…“, kommentierte er das Geschehen, schaltete seine Lichtquellen ab und vergab weitere Befehle: „Gruppe Alpha! Gebäude sichern! Gruppe Beta! Informationen sammeln!“

Papow setzte sich auf einen Stuhl vor einem Datenterminal und began seine Sicherheitscodes einzugeben, während sich die restlichen Soldaten langsam im Gebäude verstreuten. „Statistiken… Konstruktionspläne… Taktische Karten…“, Papow stockte, „das könnte uns weiter bringen… Logbücher und Aufzeichnungen vor dem Angriff durch Cabal auf den Stützpunkt…“ Papow rief einen Soldaten zu sich: „Downloaden Sie diese Logbücher. Melden Sie, wenn Sie fertig sind.“ Ein kurzes Nicken bestätigte den Befehl.

„…Lieutenant? Können Sie mich hören? Wir haben hier unten etwas entdeckt… das könnte es sein… Ebene U2, Sektion 32 Alpha… erwarten weitere Befehle…“, knirschte es aus dem Funkgerät, als sich Papow gerade wieder dem pulsierenden Licht zuwenden wollte. „Unternehmen Sie keine weiteren Handlungen. Ich bin bereits auf dem Weg zu Ihnen…“, meldete er zurück und begab sich hastig auf den Weg zu Ebene U2.

Bei Papows Ankunft warteten bereits einige Soldaten vor einer schwer gepanzerten Tür auf ihn. Neben dieser befand sich eine Kontrolltafel, an der bereits jemand versucht hatte die Türkontrolle zu überbrücken. „Sagte ich nicht, dass Sie auf mich warten sollen?“, fragte Papow mit energischer Stimme durch die Menge. „Lieutenant…“, ein Soldat trat an ihn heran, „wir haben nichts damit zu tun. Als wir hierher kamen war die Türkontrolle bereits defekt.“ Papow stellte seine Waffe neben der Kontrolltafel ab: „Versuchen Sie die Tür zu öffnen. Ich werde oben die Logbücher überprüfen lassen…“ Plötzlich erschütterte eine Explosion den gesamten Gebäudekomplex. „Was ist da oben los?“, schrie Papow in sein Funkgerät als er sich langsam wieder aufrichtete. „…wir werden angegriffen… Gruppe Gamma meldet massive Luftangriffe… Angreifer nicht identifiziert… Sie sollten besser hierhoch kom…“ Eine weitere Explosion beendete den Funkverkehr. Papow rannte zurück zu seiner Waffe: „Alle aus Gruppe Alpha kommen mit mir nach oben! Der Rest versucht diese verdammte Tür zu öffnen!“

Die Gruppe bahnte sich ihren Weg durch die Gänge der unteren Ebenen als mit einer größeren Erschütterung der Strom und damit alle Lichtquellen im gesamten Komplex ausfielen. Die Scheinwerfer der Soldaten tauchten die teilweise eingestürtzten Verbindungsgänge in ein gespenstisches Licht.

„Wir müssem einen Weg nach oben finden…“, spornte Papow seine unruhige Gefolgschaft an. Unter weiterem heftigem Bombardement kam die Gruppe nur langsam vorwärts; jede Explosion erschütterte den gesamten Komplex.

„Was ist das? Lieutenant!“, schrie plötzlich einer der Soldaten auf. Ein menschengroßer Schatten huschte durch den Lichtkegel seiner Waffe. Papow bewegte sich langsam mit dem Rücken an der Wand und mit der Waffe im Anschlag weiter nach vorne bis zur nächsten Abbiegung. Mit einer schnellen Bewegung stand er nun an der Stelle, an der gerade noch der Schatten zu sehen war. Vorsichtig leuchtete er die Wände der Gänge ab: „Hier scheint nichts zu sein…“ Eine Handbewegung signalisierte den Soldaten zu ihm aufzuschließen. „Dieser Gang sollte uns endlich nach oben führen.“, meinte Papow, der sich nun deutlich vorsichtiger bewegte.

Ohne weitere Zwischenfälle erreichen sie nach kurzer Zeit die obere Etage. Das Eingangstor, durch das die Soldaten vor zwei Stunden den Gebäudekomplex betraten, stand offen. Durch das Tageslicht und die Scheinwerfer der Soldaten bot sich ein grausames Bild: Überall im Raum lagen die Körper toter Soldaten. „Seltsam…“, Papow schaute sich kurz um, „es sind nirgends Kampfspuren zu sehen…“ Die Soldaten begannen damit die Leichen genauer zu untersuchen, während Papow nach den Logbüchern sehen wollte. Neben dem Datenterminal lag die Leiche des Soldaten, der mit dem Download beauftragt war. Papow bückte sich um den Datenspeicher aus der Hand des Toten zu nehmen, auf dessen Display jedoch deutlich ‚Memory Error‘ zu sehen war.

Mit dem Fuß schob Papow die Leiche zur Seite um sich auf den Stuhl vor dem Datenterminal setzen zu können. Aus einer seiner Taschen zog er einen weiteren Datenspeicher um einen neuen Download der Logbücher zu starten, als einer der Soldaten von hinten an ihn herantrat. „Lieutenant? Wir haben die Leichen untersucht…“, der Soldat stockte kurz, „wir konnten an keiner Spuren einer Eintrittswunde finden. Ich schlage vor eine Leiche für weitere Untersuchungen mit in die Basis zu nehmen.“ Vertieft in seine Arbeit zeigte er nur mit einem Nicken seine Zustimmung an.

„Gelöscht?“, schrie Papow plötzlich auf, „wer auch immer hier war, hat alle Daten aus dem Hauptcomputer gelöscht…“ Mit den Händen vor dem Gesicht versuchte er sich wieder zu beruhigen. „…kann mich jemand hören?“, unterbrach das Funkgerät die Stille, „wir haben hier ein Problem… irgendjemand muss uns helfen… wir wissen nicht wer oder was…“ Ein lauter Schmerzschrei beendete den Notruf. Papow sprang auf und sammelte seine Soldaten um sich: „Ihr habt es gehört. Wir müssen unser Primärziel erfüllen!“

Die Truppe bahnte sich wieder den Weg zurück zur Ebene U2. Jeder Versuch jemanden per Funk zu erreichen blieb erfolglos.

„Da ist es wieder…“, meinte Papow. In der Ferne war wieder ein pulsierendes rotes Licht zu sehen. Mit langsamen Bewegungen näherte sich die Gruppe der Quelle bis auf wenige Meter. Im Licht der Waffen konnte man nur wenig erkennen: Ein schwarzes, ca. 40 cm langes, kegelförmiges Gerät mit seltsamen Beschriftungen lag auf dem Boden und strahlte ein unglaublich helles Licht ab. Papow wollte sich gerade bücken um das Gerät genauer zu untersuchen, als in einiger Entfernung Schüsse zu hören waren. Blitzartig richtete er sich wieder auf: „Das muss die Beta-Gruppe gewesen sein! Sofort folgen!“

Mit schnellen Schritten suchte die Truppe ihren Weg nach unten. Nach wenigen Feuersalven herrschte jedoch wieder Stille in der Dunkelheit, nur der Atem der Soldaten war noch zu hören.

Am Ziel angekommen herrschte das gleiche grausame Bild wie im Eingangsbereich: Auch hier lagen alle Soldaten ohne erkennbare Gewaltanwendungen tot auf dem Boden. Papows Lichtkegel wanderte über die Leichen und durch den gesamten Raum bis zur gepanzerten Tür. „Hatte Gruppe Beta gemeldet, dass sie die Tür geöffnet haben?“, fragte er durch die Reihen seiner Soldaten. Kollektives Schweigen beantwortete seine Frage.

„Dann lasst uns reingehen.“, versuchte Papow ein letztes Mal seine Truppe zu ermutigen. Nachdem der kleine Raum gesichert wurde ging Papow vorsichtig auf eine Art Tisch in der Mitte des Raums zu. Es dauerte nicht lange bis er den Ernst der Lage erkannte: „Sie haben es mitgenommen… Commander Slavik wird nicht erfreut sein…“

Kapitel 2

Logbucheintrag 2156 – Slavik, Anton – Commander
Tag der Eintragung: 16. Oktober 2041
Zeit: 19:45
Zugriffsebene: Gold-7-Epsilon-Gamma-62866

Zum Teufel mit ihnen! Nun, da Kane seit mehr als zehn Jahren von uns gegangen ist und dieser GDI-Abschaum immer mehr die Kontrolle über diesen Planeten erringt, haben wir nun auch noch das außerirdische Artefakt in Somalia verloren! Und wir wissen nicht einmal wer oder was es war. War es eine Spezialeinheit der GDI? Eine weitere Splittergruppe unserer einst so mächtigen Bruderschaft? Oder waren es gar diese nichtsnützigen Mutanten, von denen sich immer mehr mit unserem Todfeind verbünden?

Auch wenn Lieutenant Papow bei dieser Mission von Grund auf versagte, so spricht doch die von ihm überführte Leiche aus Somalia kaum für einen uns bekannten Feind. Unsere Wissenschaftler sind noch bei der Untersuchung, doch bereits der erste Bericht wirft Fragen über Fragen auf. Der Soldat starb durch eine uns unbekannte Technologie. Vermutlich wurde er durch eine Art Plasmakugel, versetzt mit angereichertem Tiberium und weiteren uns unbekannten Stoffen, aus kurzer Entfernung getroffen. Das Plasma durchschlug die Rüstung ohne großflächigen Schaden zu verursachen und das Tiberium reagierte augenblicklich mit den Chemikalien, welche innerhalb von Sekunden das zentrale Nervensystem des Opfers zerstörten…

Ich kenne niemanden, der in der Lage wäre eine solch tödliche und wirkungsvolle Waffe zu entwickeln, nicht einmal die GDI mit der Hilfe des Tacitus. Könnten unsere Wissenschaftler diese Technologie kopieren, so könnten wir endlich wieder aus dem Chaos schreiten und uns im Namen von Kane unserem Feind stellen und diesen ein und für alle mal in seine Schranken weisen. Wir wären stärker denn je – ich wäre stärker denn je! Doch es liegt noch ein weiter Weg vor uns…

17. Oktober 2041 – Weißrussland: Unterirdische Basis der Bruderschaft

Papow öffnete langsam seine Augen. Sein Kopf schmerzte noch immer. Mit langsamen Blicken versuchte er sich zu orientieren. „Wo… Wo bin ich?“, fragte er, während er langsam zu sich kam und sich aufrichtete. Ein junger Mann in weißem Kittel stand vor ihm: „Da haben Sie aber nochmal Glück gehabt, Lieutenant. Wäre sie näher an der Bombe gewesen, wäre Sie wohl nicht…“ – „Bombe? Was für eine Bombe?“, unterbrach Papow den jungen Arzt. „Nun, die Bombe die vermutlich in Ebene U2 der Basis in Somalia explodierte und den ganzen Komplex zum Einsturz brachte… Können Sie sich an etwas erinnern?“, erwiderte er. „Ich war… in der Artefaktkammer… ich kann mich kaum daran erinnern… das Artefakt war verschwunden… meine Männer waren tot… plötzlich war da dieses rote Licht und dann… dann wurde mir plötzlich schwarz vor Augen…“, versuchte Papow seine letzten Erinnerungen an seine Mission zu beschreiben. „Sonst noch etwas? Irgendetwas?“

Papows Verstummen reichte dem jungen Arzt als Antwort. „Ihr Gedächtnisschwund scheint von der Tiberiumvergiftung zu stammen, die Sie…“ – „Tiberiumvergiftung?“, unterbrach Papow erneut. „Diese Bombe in der Basis… es war eine schmutzige Bombe. Sie war mit Tiberium angereichert, welches Sie durch die Atemwege aufgenommen haben und von dort gelangte es in Ihren Blutkreislauf.“ Papow verstummte wieder. Tiberiumvergiftung? Was würden das für Ihn bedeuten? Würde seine DNS mutieren und ihn langsam dem Tod näher bringen? Oder würde die Bruderschaft ihn von seinen kommenden Qualen mit einer Kugel erlösen? Seine Augen wanderten durch den Raum und wieder zurück zu dem jungen Arzt. Dort stand er in seinem weißen Kittel und notierte sich jedes noch so unwichtige Wort. Vor seiner linken Brust hing ein großes Namensschild: „Dr. med. Y. Sanowich“. An seinem Oberarm trug er eine schwarze Armbinde mit dem Zeichen der Bruderschaft in der Mitte.

„Ist alles in Ordnung?“, wurde Papow aus seinen Gedanken gerissen, „Haben Sie noch Fragen?“ Dr. Sanowich stand mit wartendem Blick neben Papows vermutlich improvisierten Krankenbett. „Meine… Meine Tiberiumvergiftung? Wie schlimm ist es? Was wird mit mir passieren? Werde ich…“, immer hektischer stellte Papow seinen Fragen, bis ihn der Doktor unterbrach: „Ihre Vergiftung unterscheidet sich von denen uns bekannten Arten in bestimmten Bereichen. Das Tiberium hat sich bereits an ihre DNS angehäftet, doch es scheint in einer Art Tiefschlaf zu sein… Wir konnten bisher keine Mutationen entdecken, doch ich kann für nichts garantieren. Von einem solchen Krankheitsbild nach einer Vergiftung habe ich noch nie gehört. Sie sind ein medizinisches Wunder! Übrigens, ich habe Ihnen während Sie bewusstlos waren eine Reihe Blutproben für weitere Untersuchungen entnommen. Wenn Sie also keine weiteren Beschwerden oder Fragen haben, dann sind Sie hiermit vorerst entlassen, Lieutenant.“

„Nein, Dr. Sanowich…“ Mit diesen Worten setzte sich Papow an den Rand des Bettes und stand noch etwas benommen von der Offenbarung auf. Langsam ging er in Richtung Tür, als plötzlich ein Soldat in voller Uniform in die Krankenstation stürzte. „Doktor. Lieutenant.“, begrüßte er die beiden Männer, „Commander Slavik schickt mich. Ich soll den Lieutenant sofort zu ihm geleiten. Er will mit ihm unter vier Augen sprechen.“

17. Oktober 2041 – Unterirdische Basis: Commander Slaviks Befehlsstand

Slavik wartete bereits allein in seinem Befehlsstand. Er hatte am Kopf des großen Tisches in der Mitte des Raums platzgenommen. Auf der Oberfläche des Tisches war eine Karte zu sehen, die die aktuellen Frontverläufe in Südasien und dem Indischen Ozean zeigte. Es stand schlecht für Slaviks Truppen. Zwei Splittergruppen der Bruderschaft hatten sich gegen ihn verbündet und griffen nun seine Stützpunkte am indischen Ozean aus zwei Richtungen an. Aus dem Süden drängten erste Spähschiffe der 3. globalen GDI-Flotte in Richtung Küste…

Slavik schaute angestrengt und in Gedanken verloren auf die ständig aktuellen Informationen zum Schlachtverlauf, als sich ihm gegenüber langsam die Tür öffnete. „Commander? Lieutenant Papow ist hier. Sie wollten mit ihm sprechen.“, versuchte der eintretende Soldat vorsichtig Slavik auf ihn aufmerksam zu machen. Dieser richtete langsam seinen Blick zu Papow, der in der Tür stand. Eine Handbewegung genügte und der Soldat trat zwei Schritte zurück, um die Tür von aussen zu schließen.

„Ich hatte großes Vertrauen in Euch, Lieutenant.“, unterbrach Slavik die drückende Stille und ging mit ernstem Gesicht den Tisch entlang, „Doch ich habe mich wohl geirrt. Wie schon so oft in letzter Zeit…“ Slavik stand nun direkt vor Papow und schaute diesem tief in die Augen: „Wie wollen Sie mir das erklären? Ich entbehrte für Sie in diesen chaotischen Zeiten 200 Männer für diese Mission, mehr als genug, sollte man denken… Und was wollte ich dafür? Nur dieses außerirdische Artefakt! Und was bekomme ich? Nichts! Überhaupt nichts! Dazu kam dieser Angriff angeblich so überraschend, dass nur 34 meiner Soldaten dieses Massaker überlebt haben! Wie… Ich frage Sie… Wie wollen Sie mir das erklären? Wäre Kane noch unter uns, dann… aber die Bruderschaft ist schwach geworden, der innere Zirkel existiert nicht mehr… Vor zehn Jahren hätte ich Sie augenblicklich exekutieren lassen!“

Papow wurde sichtlich nervöser, doch Slavik ließ ihn kaum zu Wort kommen: „Sehen Sie das?“, er zeigte auf die Karte auf dem Tisch, „diese Generäle handeln angeblich im Namen von Kane, doch in Wirklichkeit herrscht Bürgerkrieg in der Bruderschaft. Die ehemaligen Mitglieder des inneren Zirkels bekämpfen sich seit Jahren in blutigen Machtkämpfen… doch ich werde nicht zulassen, dass Kanes Werk zerstört wird! Unsere Tiberiumraffinerien an der Küste des Indischen Ozeans stehen unter Beschuss und müssen um jeden Preis gehalten werden! Im Namen von Kane!“

Papow versuchte seine Gedanken zu ordnen und blickte auf die Karte mit den Frontlinien. Kleinere Truppenverbände näherten sich mit Artillerieunterstützung einer Basis aus allen Himmelsrichtungen. Sein Blick schweifte ab. „Data903-Cabal2-tr56-nod“, stand über der Basis. “Cabal 2? Ich dachte die neue KI ware noch in der Probephase?”, wandte sich Papow fragend an Slavik. „Das ist die Propephase!“, erwiderte Slavik, „und mit der Hilfe Cabals werden Sie diesen Abschaum in Asien bis zum letzten Mann vernichten! Truppenverbände sammeln sich bereits in Hangar 3-b und warten auf die Verladung in die Transportschiffe. Um 0900 werden Sie mit ihnen starten. Enttäuschen Sie mich nicht wieder, Lieutenant! Ich weiß nicht, ob ich noch einmal so gnädig zu Ihnen sein kann…“

Kapitel 3


Logbucheintrag 546 – Papow, Iwan – Lieutenant
Tag der Eintragung: 18. Oktober 2041
Zeit: 04:45
ZZugriffsebene: Gamme-9-Alpha-Omega-56445

Die Mission in Somalia war die größte Niederlage, die ich je in meiner Laufbahn unter Commander Slavik erleben musste. Viele meiner besten Freunde starben dort, und ich weiß bis heute nicht einmal durch wessen Hand… das Vertrauen von Slavik, dass ich mir in all den Jahren müßsam aufgebaut habe, ist mit einem Schlag zerstört worden.

Er schickt mich mit unseren letzten Truppenverbänden an den Indischen Ozean um einen Großangriff von feindlichen Splittergruppen abzuwehren… in meinen Augen gleicht dies einem Himmelsfahrtskommando! Doch das alle geschieht natürlich „im Name von Kane“… langsam kommen mir Zweifel auf… Ich kenne diesen Kane doch eigentlich überhaupt nicht! Alle im Stützpunkt reden immer von ihm, als wäre er der Messias oder ein Gott, doch die meisten Männer hier kamen erst während des Krieges gegen Cabal zur Bruderschaft. Sie kamen um für Slavik zu kämpfen, nicht für Kane! Kane ist für viele von uns nur ein alter Mann aus einer Zeit, als die meisten gerade mal in der Lage waren eine Waffe zu halten… Doch Slavik… er war einst die rechte Hand Kanes und predigt jeden Tag davon, dass „der Messias“ wieder zu uns kommen wird und die Bruderschaft erneut einen wird. Doch was haben uns die letzten zehn Jahre gebracht? Die Bruderschaft ist nicht mehr das, was sie früher einmal war. Anstatt gemeinsam gegen die GDI vorzugehen, verkriechen wir uns wie Tiere in Löchern und schlachten uns vor lauter Verzweiflung gegenseitig ab. Selbst Slavik scheint langsam sich von diesem Mythos abzukehren.

Ich sah die Verzweiflung auch in seinen Augen… Die Bruderschaft, wie sie sich Slavik vorstellt, ist schon lange Geschichte… Es sind nur noch wenigen Stunden bis zu meiner Abreise an den Indischen Ozean, doch ich kann nicht mit dem Gedanken schlafen, dass in mir eine Zeitbombe ruht… die Tiberiumvergiftung mag zwar in einer Art Tiefschlaf sein, doch Dr. Sanovich meinte, dass meine DNA jederzeit mit der Mutation beginnen könnte. Wer weiß… vielleicht ist die Küste Asiens das letzte vor mir liegende Schlachtfeld und ich muss nicht mehr länger in diesem dreckigen Loch auf die Rückkehr einer Märchenfigur warten…

18.Oktober 2041 – Ostküste Indiens: Fliegender Truppentransporter
„13:34:45“, stand auf der Uhr. Papow blickte durch den Truppentransporter. In mehreren Reihen drängten sich dort junge Soldaten und versuchten ihre Nervösität auf die eine oder andere Art unter Kontrolle zu bringen. Weiter hinten konnten man die Konturen eines Stealth-Panzers erkennen. „Das ist es also…“, dachte sich Papow, „das soll die Macht der Bruderschaft sein? Das sind keine Soldaten, das sind alles noch Kinder… die meisten von ihnen waren wohl noch nie auf dem Schlachtfeld oder wissen auch nur im Geringsten, was es bedeutet einen Menschen zu töten. Sie mögen zwar im Training gewesen sein, doch Krieg kann man nicht trainieren. Soll mein Leben etwa so enden?“ Ein Sergeant neben ihm riss ihn aus seinen Gedanken: „Sir? Wir erreichen in wenigen Minuten das Zielgebiet. Die Basis steht unter heftigen Artilleriebeschuss aus dem Norden.“ Mit einem leichten Nicken bestätigte Papow still die Information: „Artillerie? Wie viele dieser jungen Männer werden wohl den Tod finden für jemanden, der seit mehr als zehn Jahren tot ist…“

Eine laute Explosion erschütterte plötzlich den Transporter. „Was war das?“ – „Wir haben Feindkontakt, Sir!“, meldete sich der Pilot über die Komm-Anlage, „zwei Banshees haben unseren Konvoi entdeckt und haben das Feuer eröffnet. Unsere Banshees sind bereits auf Abfangkurs gegangen, doch wir müssen so schnell wie möglich landen. Ich kann für nichts garantieren…“ Sofort sprang Papow auf und wandte sich an die Soldaten: „Ihr habt es gehört, Leute! Macht euch bereit diesen Typen da unten in den Arsch zu treten! Das ist eure Chance, im Name von Kane!“ Normalerweise nahm er diesen Spruch nie in den Mund, doch bei diesen jungen Rekruten wirkte er immer noch wie ein Wunder. Es dauerte nur wenige Sekunden und alle standen mit voller Kampfausrüstung und mit der Waffe im Anschlag auf ihrer Position. „Bereit in die Schlacht zu ziehen.“, scherzte ein Soldat aus einer der hinteren Reihen. Eine weitere Explosion erschütterte den Transporter und ließ einige Lampen ausfallen. „Seid ihr alle bereit?“, versuchte Papow ein letztes mal die Truppe aufzumuntern, deren Kampfeswille durch die starken Erschütterungen langsam zu verblassen schien.

Mit einem lauten Knall striff der angeschlagene Transporter eine Hügelkuppe und krachte wenige Sekunden später auf einem freien Feld südlich der Basis in den Boden. Sofort sprangen die mechanischen Türen auf und die meist unverletzten Rekruten strömten hinaus auf das Schlachtfeld. Papow blickte sich langsam um. Der Himmel war durch die großflächigen Explosionen mit tiefschwarzen Wolken verhangen und tauchte das Geschehen in ein gespenstiches Licht. Am Waldrand lag ein weiterer Truppentransporter, der vermutlich beim Aufschlag in zwei Teile zerbrochen war und nun lichterloh ausbrannte. Man konnte noch vereinzelte Schmerzschreie von dort vernehmen, doch auch diese verstummten nach kurzer Zeit. Einige hundert Meter entfernt im Norden lagen die Mauern der Basis, die aus dieser Entfernung noch realativ intakt schienen. „Wir haben wohl Glück im Unglück.“, kommentierte der Sergeant hinter Papow, „Hier scheint es noch relativ ruhig zu sein. Die feindlichen Verbände konzentrieren ihre Truppen am westlichen und nördlichen Wall der Basis, Lieutenant!“ – „Dann sollten wir so schnell wie möglich in die Basis vordringen und mit der neuen Cabal-KI Kontakt aufnehmen.“, erwiderte Papow und gab den verbliebenen Soldaten ein Handzeichen zum Aufbruch.

Wenige Minuten später standen die Verstärkungstruppen vor dem Südtor der Basis. Das Tor hatte nur wenige Schäden abbekommen. „Corporal!“, Papow ging ein paar Schritte auf einen Soldaten zu, „Nehmen Sie ein paar Männer und versuchen Sie das Tor zu öffnen.“ Es war still geworden, zu still für Papows Geschmack. Aus der Ferne waren nur noch wenige Gewehrsalven zu hören. Er wollte gerade etwas zu trinken zu sich nehmen, als ein schwarzer Schatten am Horizont seine Aufmerksamtkeit erregte. Er schien näher zu kommen, doch durch die schwarze Wolken der brennenden Basis konnte man nur wenig erkennen. „Was zum Teufel…“, plötzlich erkannte Papow die Konturen am Himmel, „Alle Mann in Deckung. Orca-Bomber sind im Anflug. Sofort zurückziehen!“ Doch die Warnung kam zu spät. Mit einer lauten Explosion erschütterten die ersten Bomben den Boden rund um Papows Truppen. Staub wurde aufgewirbelt.

In letzter Sekunde konnte er zusammen mit einigen Soldaten Schutz hinter einem nahegelegenen Hügel suchen. Eine ganze Staffel Bomber warfen unter unvorstellbarem Lärm einen Bombenteppich nach dem anderen über der Südseite der Basis ab. Vereinzelt waren die Schreie verletzter Rekruten zu hören. Es dauerte einige Minuten bis sich der gröbsten Staub wieder gelegt hatte. „Was sucht dieser dreckige Abschaum von GDI hier!?“, schrie Papow seine ganze Wut hinaus. Langsam robbte er den Hügel nach oben, um sich ein Bild machen zu können: „Mein Gott…“, mehr brachte Papow momentan nicht aus seinem Mund. Die Landschaft war nicht mehr zu erkennen. Der nun schwarze Boden war von Einschlagskratern übersäht. Überall lagen die zerfetzten Körper seiner Rekruten.

Einige von ihnen lebten noch und versuchten sich unter qualvollen Schmerzschreien die stark blutenden Wunden zuzuhalten. Andere suchten nach ihrer Waffe um ihren Schmerzen ein Ende zu bereiten. „Was habe ich nur getan…“, Papow hielt sich die Hände vor das Gesicht als neben ihm Sergeant Jelvin auftauchte. „Lieutenant? Sind Sie verletzt? Ist alles in Ordnung?“ Papow versuchte sich wieder zu sammeln. „Die Orca-Bomber scheinen weg zu sein… Ich lasse gerade die verbliebenen Truppen sammeln. Sehen Sie? Bei diesem Angriff wurde fast der gesamte Südwall der Basis dem Erdboden gleichgemacht, wir sollten also unsere Mission fortsetzen, bevor die GDI noch mehr Truppen schickt!“ Papow nickte zur Bestätigung, stand langsam wieder auf und ging den Hügel hinunter.

Die Truppen waren erheblich dezimiert worden. Nur 45 unverletzte und leicht verletzte Soldaten konnte Papow noch zählen. Dieser unerwartete Angriff hatte mehr als 150 Männer den Tod gebracht. „Auch unter diesen erschwerten Bedingungen müssen wir unsere Mission ausführen!“, versuchte Papow die Moral wieder aufzubauen. Und dann musste er es wieder sagen: „Im Name von Kane!“ Es zeigte sich wieder einmal wie diese Parole selbst im Angesicht des Todes unter diesen Rekruten für Mut sorgte. „Sie wollen für Kane kämpfen… doch wollen sie auch für Kane sterben?“, fragte sich Papow.

Auch wenn man die Gesichter der Soldaten unter ihren schweren Helmen nicht erkennen konnte, so merkte man doch ihre Angst, als sich die Kompanie durch die Krater und abgerissenen Leichenteile einen Weg in die Basis bahnte. „Die Splittergruppen müssen es gewusst haben… sie müssen es gewusst haben…“, unterbrach einer der Soldaten die Stille, „diese Ruhe vor dem Bombenhagel… sie müssen es gewusst haben…“ – „Denken Sie darüber jetzt nicht nach, Soldat. Konzentrieren Sie sich auf die Mission.“, erwiderte Papow, doch innerlich merkte auch er, dass hier etwas nicht stimmen konnte. Innerhalb der Mauern zeigte sich ein ähnliches Bild. Vermutlich durch den Artilleriebeschuss klafften auch hier überall große Löcher im Boden. Viele der Gebäude waren bereits zu großen Teilen eingestürzt. „Lieutenant? Ich empfange hier ein Signal… es kommt von dort drüben… aus dem Bauhof!“, meldete Sergeant Jelvin.

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