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C&C Fan Fiction – Die Erben der Bruderschaft Prolog

C&C Fan Fiction – Die Erben der Bruderschaft Prolog

Das Licht schien durch die Ritzen des Rollladens in das Fenster hinein. Gregor blinzelte in
den Lichtstrahl der in sein Gesicht fiel. Es war eindeutig zu früh, dessen war er sich sicher.
Gregor rieb sich seine verklebten Augen und versuchte sich aus dem Lichtstrahl zu drehen,
der ihn geweckt hatte.

Gestern war es spät geworden und er wollte nicht recht verstehen, warum ihm das Schicksal
einen so leichten Schlaf beschert hatte. Langsam schalteten sich seine Gehirnzellen hinzu. Im
Sekundentakt meldeten sie sich zurück und gingen wieder an die Arbeit. Viel zu früh, das war
allen hierbei klar. Ein leises Stöhnen entwich seinem Mund. Seine Gedanken wanderten im
Halbschlaf zurück an den gestrigen Abend. Nun, es war mit Sicherheit nicht seine Schuld
gewesen.

Das Hoverbike war nicht direkt durch seine Schuld zu einem Haufen
unbrauchbarem Schrott geworden. Allerdings sollte man solche Argumente nie einzusetzen
wenn man versucht seinem Vater solch eine Tragödie begreiflich zu machen. Es hatte lange
gedauert bis Kasian, Gregors Vater, sich gefasst hatte. Das ihre Familie viel Geld hatte
änderte nichts an dem Wutanfall seines Vaters. Erst nach einer Stunde hatte er sich soweit
beruhigt, um sich Gedanken über eine Strafe zu machen. Gregor kannte sie noch nicht,
rechnete aber mit dem Schlimmsten. Sein Vater war ein sehr herrische Mensch und hatte eine
Ader für Grausamkeiten an sich. Dies war im Grunde nötig, zumindest könnte man das
behaupten. Schließlich war Kasian einer der mächtigsten Anführer der Bruderschaft von
NOD. Er kontrollierte große Gebiete in Mitteleuropa. Gregor war beunruhigt. Bald würde es
sich zeigen, was er sich ausgedacht hatte.

Langsam kehrten die restlichen Sinne in den Körper von Gregor zurück. Er überlegte
krampfhaft, ob er am vergangenen Abend ein Stück totes Tier verspeist haben mochte.
Zumindest kam es ihm so vor, als sein Geschmackssinn zurückkehrte. Oder hatte er gestern
einen Marathonlauf gemacht? Seine Muskeln behaupteten dies. Mit einem lauten Ächzen, das
von einem sterbenden Rind hätte kommen können, stand er auf. Ein kurzes Taumel und dann
stand er sicher im düsteren Licht des Zimmers. Eine kleine Wolke Staub sank langsam durch
die Lichtstrahlen dem Boden entgegen um sich den Mikroben zum Fraß vor zu werfen.
Gregor zog sich ein T-Shirt über den Kopf und tappte dann über den Flur. Der Marmorboden
ließ die nackten Füße leise im Flur platschen. Der Marmor war kalt, also beeilte sich Gregor
zu Küche zu kommen. Der Flur war düster da die Rollläden herunter gelassen waren. Durch
einen Spalt vor Gregor fiel Licht in den Flur. Das war das Arbeitszimmer von Gregors Vater.
Als er dort entlang lief, sah er durch den Spalt in das Zimmer. Kasian stand dort vor einer
großen Videowand und diskutierte lautstark mit einem Mann auf dem Schirm. Kasian wirkte Seite 36
wütend, warf immer wieder die Arme in die Höhe und empörte sich in aller Kunst mit seiner
unvergleichlichen Körpersprache.

Er hob die Hände beschwichtigend. „Aber, aber General Hassan. Mir zu drohen dürfte nicht
die richtige Methode sein, sich ihrem Bündnis anzuschließen.“ Der Mann auf dem
Videoschirm nickte, wenn gleich er nicht gerade glücklich aussah. Dann zeigte er seine Zähne
und grinste. Dies gab ihm das Aussehen eines Schakals. Er schaute auf Kasian. „Nun, es
scheint, dass es trotz unserer Differenzen einige Dinge gibt, die unserer beider Interesse
verdient. Ich vermute also das wir eine enge Zusammenarbeit auf diesen Gebieten erreichen
können. Wäre das eine Option?“

Kasian hörte zu und nickte dann eifrig. Er stemmte die Arme in die fleischigen Hüften. „Ja
sicher. Diese Zusammenarbeit wird uns sicherlich zum Vorteil gereichen. Dennoch wird der
Status meiner Organisation der Selbe bleiben. Freundschaftlich aber kein Bündnis,“ Hassan
senkte langsam das Haupt und schien zuzustimmen. Kasian hob eine Hand in die Höhe, um
zu verhindern, dass Hassan die Verbindung unterbrach. „Dennoch denke ich sollten wir
unsere Freundschaft zementieren.“ Hassan schaute auf und ein Glitzern war in seinen Augen.
Das Schakallächeln war wieder in seinem Gesicht. „An was dachten sie?“ Kasian ging vor
dem Schirm auf und ab und verschränkte die Arme hinter dem Rücken. „Ich werde als
Unterpfand meiner Freundschaft, meinen Sohn zu ihnen schicken. Er wird sicherlich eine
Bereicherung ihres Stabes sein. Ja, ja bestimmt. Und Sie, General, schicken mir einen der
Prototypen die sie gerade in der Wüste testen.“

Das Grinsen verschwand für kurze Zeit aus dem Gesicht des Generals. Nach einem
Augenblick der Verwirrung fasste er sich und setzte sein Pokerface wieder auf, das er
normalerweise so sorgsam aufrecht erhielt.

Gregor dagegen war als hätte ihm jemand geohrfeigt. Wie gelähmt stand er in der Tür. Er
sollte in den Stab von Hassan? Als Unterpfand des Friedens?

Das Gespräch zwischen den beiden Anführern schien beendet und der Schirm wurde schwarz
um sich dann leise surrend hinter ein Bücherregal zu schieben. Gregor stürmte in das Zimmer
um seinen Vater zur Rede zu stellen. „Ich soll nach Ägypten zu Hassan?“ stieß er hervor.
Kasian drehte sich abrupt vom Panoramafenster zur Türe um. „Sohn! Was ist denn?“ Gregor
starrte seinen Vater mit bösem Blick an . „Ich bin für dich ein Unterpfand um neue
Technologien zu bekommen? Bin ich eine Ware, mit der man handelt?“ Kasian schaute
erschrocken drein und hob die Hände. „Nein, nein, nein. Ich habe den Entschluss gestern
Abend gefasst. Es ist Zeit für dich in den Dienst der Bruderschaft zu treten. Hassan, dieser
dreckige Wüstenfuchs, will sich meine Organisation einverleiben. Aber ich habe meine
Position verteidigen können. „Indem du mich als Pfand anbietest?“ fragte Gregor harsch.
„Als Pfand? Oh nein, du wirst mein Kontaktmann in Ägypten sein. Jemand in Hassans Stab,
der mir berichtet was dort vorgeht und meine Interessen vertritt.“ Gregor schaute erstaunt.
Dies klang schon etwas anders. „Also bin ich keine Geisel bei Hassan?“ Kasian lachte und
breitete die Arme aus. „Oh nein, natürlich nicht. Hassan mag mächtig sein, aber nie würde ich
ihm meinen Sohn zur Geisel geben. Diesem räudige Hund ist nicht zu trauen. Deshalb wirst
du zuerst ausgebildet werden. Als ein regulärer Soldat der Bruderschaft. Ja, ja du wirst
bestimmt ein gutes Bild machen in der Uniform.“ „Ich werde als Soldat ausgebildet?“ fragte
Gregor überrascht. „Oh natürlich. Zu deiner eigenen Sicherheit. Ich habe vor einigen Wochen
einen neuen Ausbilder angeworben. Er stammt aus Rumänien. Ich werde dich seinem neuen
Trupp unterstellen. Er beginnt gerade sie auszubilden.“ „Er ist aus Rumänien?“ „Oh ich habe
den Mann, Vlad Terag ist sein Name, von einer kleinen Splittergruppe in den Gebirgen
Rumäniens abgeworben. Nein, im Grunde habe ich ihm nur gezeigt, dass hier der WAHRE
WILLE KANES gewirkt wird. Das genügte. Er kam mit einigen seiner Kameraden, um uns
hier zu unterstützen.“ Kasian sah zufrieden aus, als er von seinem Erfolg erzählte. Gregor war Seite 37
unsicher was er von all dem halten sollte. Kasian schien aus seine Phase der Zufriedenheit zu
erwachen und fixierte seinen Sohn. „Nun? Wirst du der Bruderschaft dienen?“
Gregor nickte zögerlich.

Gregor hatte sich gerade angezogen und etwas gefrühstückt, da hörte er ein vertraue
Knirschen aus der Eingangshalle. Er wusste sofort, dass jemand die Tunnels unter dem Haus
benutzt hatte und nun über den schmalen Zugang ins Haus kam. Er hörte das Klappern von
Stiefeln auf Marmor, die in Richtung Küche gingen. Er drehte sich um und starrte zwei
Soldaten in schwarzer Uniform an. „Sir, würden sie sich bitte fertig machen. Wir bringen sie
in das Ausbildungsanlage. In zehn Minuten geht es los.“

Gregor schluckte ein Stück Brötchen hinunter und stand auf. „Äh ich müsste noch einiges
packen“ sagte er zu den Soldaten. Einer der Soldaten hielt ihm einen kleinen Seesack hin.
„Das muss genügen. Beeilen sie sich. Wir haben direkte Anweisungen von Kasian. Die
weiteren Instruktionen warten im BMT.“ Gregor war mehr als verstört. Er lief schnell die
Treppen zu seinem Zimmer empor. Sein Vater schien nicht in seinem Arbeitszimmer zu sein.
Vielleicht war er vor dem Haus. Er überlegte ob er sich verabschieden sollte, kam aber dann
zu dem Schluss, dass sein Vater wohl die eilige Abreise befohlen hatte und somit keinen
Abschied verlangte. Gregor öffnete die Tür zu seinem Zimmer und schaute sich um. Schnell
öffnete er die Schranktüren und warf einige Kleider in den Seesack. Andere Reiseutensilien
folgten. Er hatte keine Ahnung was er brauchen würde und so warf er von alle etwas in den
Seesack. Im Flur hörte man plötzlich einen der Soldaten. „Sind sie soweit?“ drängte er.
Gregor kam aus der Tür und nickte. Der Soldat machte auf der Stelle kehrt und lief im
Laufschritt zur Treppe. Gregor hatte Mühe mitzuhalten. Kaum eine Minute später kletterten
sie die Eisenleiter in den Tunnel hinunter. Über ihnen schloss sich knirschend die Luke zum
Haus. Die Statue in der Eingangshalle schob sich wieder über die Öffnung und nahm das
wenige Licht, dass in den Schacht gefallen war. Nur zwei kleine Lampen glommen rot in der
Dunkelheit, als sie schnell abwärts stiegen. Dann erreichten sie das Ende der Leiter und
folgten einem langen Tunnel, der in den Berg hinein führte. Der Tunnel war ebenso düster
wie feucht. Ab und an hörte man Wasser von der Decke Tropfen. Das Geräusch hallte in den
Seitengängen des Tunnels wieder um dann in der Dunkelheit zu verstummen. Die Soldaten
hatten Taschenlampen gezogen. Kleine Lichtkegel erhellten den Weg vor Gregor. Ein Soldat
lief vor ihm, der Andere war drei Schritte hinter ihm.
Gregor war schon oft diese Tunnels entlang gelaufen und kannte sie, dennoch schien dieser
Gang etwas neues für ihn zu sein. Die zwei Soldaten schienen das nicht zu bemerken, für sie
war so etwas ein Routinejob.

Leises Quieken aus einigen Seitenschächten ließ Gregor wissen, dass Ratten in der Nähe
waren. Ab und an glaubte er zwei Augenpaare in der Dunkelheit aufglimmen zu sehen. Er
hoffte nur, keinem der Nester zu begegnen bzw. in eines zu treten. Es war sehr ungesund die
Tiberiumratten zu stören. Sie hatten sich laut Ergebnissen von NOD Wissenschaftlern wie ein
Bienenstaat organisiert. Sie bauten kleine Nester und gruben darunter Gänge. Ein Weibchen
wurde zur Königin, andere Ratten wurden dank ihrer Tiberiumkristalle auf dem Rücken zu
Soldaten des Rattenstaats. Wirklich unangenehm.

Ein helles Licht flammte auf und riss Gregor aus seinen Gedanken. Einer der Soldaten hatten
einen Schalter umgelegt und nun standen sie in den Parkbuchten unter dem Haus. In der Ferne
hörte man das Grollen eines Untergrund BMTs, der durch die großen Tunnels neben den
Parkbuchten raste. Während sie sich ihrem BMT näherten wurde das Grollen lauter.
Gregor musterte den Transporter. Zum größten Teil mit mattem schwarzen Lack versehen,
schluckte er jegliches Licht das auf ihn fiel. Das Fahrzeug erinnerte ihn an einen Maulwurf. Seite 38
Allerdings passte die Spitze nicht in diesen Vergleich. Die Zacken des großen Bohrers
glitzerten wie Reißzähne. Gregor staunte bei dem Anblick des Bohrers. Mit diesem Werkzeug
konnten Truppen fast durch alle Gesteinsformen gelangen. Einer der Soldaten bedeutete
Gregor in den Mannschaftsraum zu steigen. Er nickte und stieg die Rampe empor. Das
Grollen im Tunnel wurde lauter und während sich hinter ihm das Schott schloss, drang eine
große Staubwolke hinter seinem Rücken in den Raum. Das Grollen und das leichte vibrieren
ließ ihn erkennen, dass der andere BMT gerade die Parkbuchten passierte.

Gregor schaute sich in dem Raum um. Eng war es hier. Er war für etwa fünf Leute ausgelegt.
Jedenfalls waren soviel Sitze eingebaut. Alles war in mattem Schwarz gehalten. Gregor setzte
sich und legte einige Gurte an. Sie sollten bei einem unerwarteten Ereignis die Leute auf ihren
Plätzen halten. Zumindest behaupteten das die Konstrukteure. Das schwarze Kunstleder
knarrte leicht, als Gregor sein Gewicht verlagerte um sich in einer bequemen Haltung zu
bringen. Dann wurde das Fahrzeug von einem Dröhnen erfasst. Die Motoren waren
angesprungen und dröhnten laut in den Ohren. Aus einem Lautsprecher ertönte die Stimme
des Fahrers. „Ok Kleiner, halt dich gut fest. Es geht los.“

Gregor spannte sich und spürte dann den Ruck, als sie sich in Bewegung setzten. Die Lampen
im Mannschaftsraum erloschen und auch die Sichtluken hielten das wenige Licht von draußen
ab. Zwei Lampen glommen rot am Schott welches zum Cockpit führte. Dann verließen sie die
Parkbucht und tauchten in die Tunnels ein. Diese Tunnels waren schon relativ alt. Einige von
ihnen waren noch vor dem Tiberiumkrieg erbaut worden. Dies erlaubte es der Bruderschaft so
effektiv zu operieren. Die einzelnen Anführer der Splittergruppen hatten das Netz der Tunnels
ausgebaut. Es gab zu jeder größeren NOD Basis in Europa einen oder mehrere Tunnels. Man
hatte sich darauf geeinigt, dass jede Gruppe diese Nutzen durfte. Gregors Vater war sehr
fleißig gewesen. In den wenigen Jahren nach seinem „Amtsantritt“ hatte er in Deutschland
viele Tunnel tief unter dem Boden graben lassen. Inzwischen gab es sogar einen
Hochgeschwindigkeitstunnel der bei Berlin begann und dessen Ende sich irgendwo in
Spanien befand. Kasian hatte großen Anteil an den Bauarbeiten gehabt. Dank den
Abzweigungen von diesem Tunnel war fast ganz Westeuropa sehr schnell und heimlich zu
erreichen. Auch wenn sich die einzelnen Gruppen ansonsten nicht sehr freundlich gesonnen
waren, hatten alle den Nutzen dieser Tunnels erkannt und zusammen gearbeitet.
Das Dröhnen der Motoren wurde in den Ohren von Gregor zu einem stetigen Rhythmus und
die wenigen Lichter die an der Sichtluke vorbei flackerten um dann wieder in der Dunkelheit
zu verschwinden taten ihr übriges. Er wurde nachdenklich und erkannte erst langsam was ihm
wohl bevorstand. Nicht einmal verabschiedet hatte er sich. Von Yeremi, seinem besten
Freund im Dorf. Von den anderen Freunden, der Steinbruch Clique. Das plagte sein
Gewissen, aber das war nun nicht mehr zu ändern. Er würde nun der Bruderschaft dienen.
Er erinnerte sich an die besagten Instruktionen seinen Vaters. Nach einigen suchen, entdeckte
er einen kleinen Datenblock auf einem anderen Sitz. Er schaltete ihn ein und ein Menü
tauchte auf. Alles war in roter Schrift gehalten und das NOD Symbol leuchtete in der rechten
oberen Ecke auf. Eine Stimme ertönte aus dem Lautsprecher des Blocks. „Cabal online. Öffne
verschlüsselte Nachricht“ Gregor erschrak, starrte aber weiterhin auf den Datenblock in
seinen Händen. Der Bildschirm flackerte kurz und ein Meer von Einsen und Nullen flossen
über den Bildschirm. Dann ebbte der Schwall an Zahlen ab und das Gesicht seines Vaters
erschien auf dem Bildschirm. In der oberen rechten Ecke war das Logo von Kasian
erschienen. Der Stachel eines Skorpions über das ein schwarzes „K“ gelegt war.
Gregor wusste, dass nur die mächtigen Splittergruppen in der Bruderschaft es wagten das
Wappen von NOD zu modifizieren. Nur drei Gruppen in Europa taten dies. Die Österreicher,
die Portugiesen und schließlich die Deutschen, Kasians Gruppe. Die Österreicher hatten einen
stilisiertes Raubtier als Wappen über den Stachel gelegt, die Portugiesen eine große Faust.
Diese Gruppen hatten die Macht, vielleicht eines Tages die Bruderschaft in Europa zur
Einigkeit zu führen Aber bisher bekämpften sie sich nur. Kleine Gruppen, so wie die Seite 39
Engländer oder Spanier beließen es dabei eine Gruppe zu unterstützen und sonst zu versuchen
mächtiger zu werden indem sie noch kleinere Stadtgruppen eroberten. Es war ein seltsamer
Kampf.

Nach einigen Sekunden begann Kasian auf dem Bildschirm zu reden. „Hallo Sohn. Ja ich
weiß, es ging sehr schnell, aber dein Ausbilder hat heute eine neue Gruppe übernommen. Ich
dachte mir, da wärst du am Besten aufgehoben wenn du von Anfang an der Gruppe angehörst.
So. Nun eines noch. Du wirst als Soldat ausgebildet, nicht als der Sohn von Kasian.
Verstanden? Du benutzt den Nachnamen deiner Mutter. Bis in einigen Wochen!.“ Dann
wurde der Schirm schwarz und die Stimme ertönte wieder. „Cabal Logout. Nachricht
gesendet.“

Gregor dachte über die Worte seines Vaters nach. Natürlich war es logisch, dass er nicht als
der Sohn von Kasian auftreten sollte. Alle würden ihm in den Arsch kriechen. So würde er
also den Namen seiner Mutter benutzen.

Gregor Gedanken wanderten umher und so verging die Zeit. Irgendwann wurde das Dröhnen
der Motoren leiser. Einige Sekunden später strahlte ein helles kaltes Licht durch die
Sichtluken. Gregor drehte sich wieder zu der Luke und schaute hinaus.
Die Hauptbasis seines Vaters war jedes Mal beeindruckend, wenn Gregor hierher kam. Die
Basis lag in einer großen Höhle. Sie war schon während des Tiberiumkrieges angelegt
worden. Kane selbst soll die Pläne entworfen haben. Die Höhlendecke war rau und grob
geformt und verlief zum Zentrum hin spitz zu. Es hatte Ähnlichkeit mit der Innenansicht einer
ägyptischen Pyramide. Nur die langen Reihen von Neonröhren passten dabei nicht ins Bild.
Sie zogen sich in hellen Streifen über die Decke und erhellten so die ganze Höhle. Das hatten
die Ägypter sicherlich nicht gekonnt. Der Aufwand war enorm, da war sich Gregor sicher.
Die Neonröhren tauchten die ganze Höhle in ein kaltes weißes Licht.
Der BMT drehte sich etwas um den Tunnel vollkommen zu verlassen und sich auf eine Straße
einzuordnen. Während der Drehung erhielt Gregor einen Panoramablick der ganzen Höhle.
Im Zentrum der fast zwei Kilometer langen und etwa 900 Meter breiten Höhle erhob sich die
schwarze Zitadelle seines Vaters. Der Turm stieß an die Decke der Höhle und gab der
Zitadelle den Anschein, sie diente als monumentale Säule um die Höhle zu stützen. Um die
Zitadelle herum erhoben sich mehrstöckige Wohnblocks. Eine kleine Stadt. Laut Gregors
Vater waren hier etwa 1800 Menschen beschäftigt. Nein besser gesagt sie lebten hier. Viele
die hier lebten hatten die Sonne bisher nur bei Einsätzen oder Ausflügen an die Oberfläche
gesehen. Er blickte in den Südteil der Höhle. Dort befanden sich die Fabriken und
Raffinerien. Ein dünne Wolke von Abgasen hing über diesem Teil der Höhle. Dort schien viel
gearbeitet zu werden stellte Gregor für sich fest. Im nördlichen Teil der Höhle waren andere
Einrichtungen gebaut worden. Kasernen lagen in flachen Reihen da und auf einem Areal
erhoben sich mehrere Forschungslabors. Um die Stadt herum, an den Wänden der Höhle
waren seltsame Gewächshäuser errichtet. Gregor wusste, dies waren Gewächshäuser für
Tiberium. Die Höhle wurde mit Rohstoffen versorgt, indem sie Tiberium an die Wände
gepflanzt hatten und so die Rohstoffe um die Höhle abbauten. Betonmauern hinderte das
Tiberium an der Ausbreitung in die Höhle. So blieb das Tiberium an der Wand und zog
Rohstoffe heraus. Gregor war beeindruckt. Eine Stadt der Jünger Kanes. Die Stadt der wahren
Bruderschaft von NOD!

Gregor wusste, dass es ähnliche Basen im kleinen Maßstab in ganz Deutschland gab. Sein
Vater hatte sie errichten lassen. So hatte er die kleinen NOD Zellen in diesen Gebieten an sich
gebunden und seinem Einflussbereich ausgeweitet. Gregor kannte nur einige Basen. Es gab
eine Basis nahe den Ruinen von Frankfurt. In einem Berg nahe der Zugspitze gab es einen
Vorposten unter Berlin soll sich ein Posten befinden, soweit Gregor gehört hatte. Viele andere
Stützpunkte waren weitab von Bevölkerungszentren um die GDI nicht aufmerksam zu
machen. Er war fasziniert über den Ausblick, während der BTM eine Rampe aus dem Tunnel Seite 40
herab fuhr. Dann wich der Panoramablick den Betonmauern um die Straßeneinfahrt. Er sah
Tunnels aus allen Richtungen in die Höhle münden und war sich sicher. Nun war er
angekommen. Im Zentrum der Bruderschaft.
Langsam fuhr der BMT durch die Stadt. Der Fahrer des BMTs öffnete eine kleine Luke und
ließ Frischluft in den Innenraum. Die Luft war nicht direkt Frischluft. Ein Schwall dicker,
warmer Luft blies Gregor ins Gesicht. Er roch die Abgase vieler Fahrzeuge und war froh über
die Luftzufuhr und die Aufbereitung welche rund um die Uhr ihre Arbeit verrichtete.
Die Versorgung der Höhle war ein große Aufgabe. Das wusste Gregor. Wasser musste
angepumpt werden, Luft wurde aus geheimen Schächten von der Oberfläche angesaugt. Aber
es schien alles zu funktionieren und Gregor war klar wie stolz sein Vater darauf war.
Während so Gregor seinen Gedanken nachhing, passierten sie die Fabrikanlagen und
Raffinerien. Kleine Versionen von Tiberiumsammlern kamen ihnen entgegen. Dieser Typ
Sammler war extra für de Höhlen konzipiert worden und nun waren sie auf dem Weg zu ihren
Ernteplätzen in der Höhle. Gregor schaute weiterhin aus der Sichtluke und bestaunte den
Einblick in die Werkshallen, der sich ihm bot. Funken stoben aus in den Werkshallen empor.
Es herrschte rege Betriebsamkeit und immer wieder erhellten die Funken der Schweißgeräte
die Hallen. Die Arbeiter schienen wie Ameisen um die halbfertigen Panzer herum zu laufen.
Vor der Halle standen auf einem Platz die schon fertiggestellte Panzer. Gregor erkannte sie
erst nach längerer Betrachtung. Es waren die neuen Modelle der Bruderschaft. Kasian rüstete
gerade damit seine Panzerverbände auf. Diese Panzer waren eine Eigenentwicklung. Alle
neuen Panzerfahrzeuge waren unter Kasians Schirmherrschaft konstruiert worden und so auch
dieser neue Typ. Gregor hatte Risszeichnungen davon gesehen. Der Panzer wurde
Maulwurfpanzer genannt. Dies zurecht! Konnte sich doch dieses Fahrzeug bis auf das Heck in
die Erde vergraben und dann den Geschützturm so verschieben, damit aus dem Fahrzeug
faktisch ein befestigter Geschützturm wurde. Eine Waffe die sich hervorragend für Vorstöße
eignet. Erst offensiv zuschlagen, dann defensiv eingraben und Stellung halten.
Während der BMT langsam weiter polterte, schweifte Gregors Blick weiter über den
Fuhrpark der Werkshallen. Die Basis schien produktiv zu sein. Etwa Zehn Kampfbuggys
lösten die Reihen der Panzer ab. Ebenso sah Gregor einige Untergrund-BMTs und Bikes.
Einige beachtliche Truppe, wenn sie bemannt sein würde. Er wollte gerade einen Blick in
einen Hangar werfen, da beschleunigte der BMT wieder und bog um eine Ecke. Staub
wirbelte auf der Straße auf und mischte sich mit der schon dicken Luft zu etwas, dass man als
Suppe bezeichnen konnte.

Die Produktionsstätten wurden von Wohnblocks abgelöst. Plattenbauten und Wohnkasernen
erhoben sich rechts und links von der Straße. Auch Apartmenthäuser gab es hier. Sie waren
für die Offiziere errichtet worden, denn der Rang bestimmte auch die Wohnung. Die Straßen
waren Menschenleer. Ein Seite einer alten Zeitung und ein Haufen Plastikbecher drehten sich
im Wind und wurden in die Luft gehoben als der BMT vorbei fuhr. Nun es war nichts
ungewöhnliches hier keine Menschen zu sehen. Die Einkaufspassagen und Unterführungen
zwischen den Häusern lagen alle unter dem Höhlenboden. Alles war verbunden. Die
Bewohner kamen so schnell zu ihrem Arbeitsplatz und zu Geschäften ohne Transporte auf
der Straße zu blockieren. Selbst die Vergnügungsviertel lagen unter der Erde. Auf einer
langen Geraden steuerten sie nun auf die Zitadelle zu. Der schwarzer Granit ließ das Gebäude
wie einen Zacken aus Vulkanstein erscheinen. Weit oben, fast unter der Höhlendecke befand
sich die Kommandozentrale. Das Herz dieser Basis und das Gehirn aller großen Basen von
Kasian. Die Zitadelle galt unter Experten als faktisch uneinnehmbar. Seite 41
Der BMT passierte den Turm und fuhr unter einem der Stützpfeiler des Gebäudes hindurch.
Die Architektur war an den großen Tempel von NOD angelehnt. So erhoben sich große
geschwungene Stützpfeiler links von der Straße um rechts in die Zitadelle über zu gehen. Die
Stützpfeiler waren aus geschwärztem Stahl welche von roten Schriftzeichen verziert waren.
Dünne Stachel aus Stahl erhoben sich aus den Stützpfeilern. Die Architektur des Tempels von
NOD war unverkennbar. Dann verschwand der Turm hinter ihnen und eine Gruppe von
Wohnhäusern trat an seine Stelle. Sie lagen in langen Reihen an den Straßenseite. Alle grau
wie die Höhlenwände und durch Tropfwasser von der Decke befleckt. Nach einiger Zeit kam
das Kasernengelände in Sicht. Dicke Betonwände zogen sich um das Gelände. Vor einem
großen Tor musste der BMT anhalten. Das System identifizierte den BMT und versank dann
mit einem Summen im Boden. Gregor schaute durch die Luke und sah das
Forschungsgelände, welches an die Kaserne angrenzte. Das Gelände war nicht wie die
Kaserne von Beton umgeben. Hier war ein Zaun installiert worden. Er strahlte in einem roten
Licht. Diese Zäune waren ebenfalls eine neue Erfindung der Bruderschaft. Es handelte sich
um Laserzäune, die neuste Entwicklung in Sachen Basisverteidigung. Gregor hatte
mitbekommen, welch einen Ärger es um diese Neuentwicklung gegeben hatte. Die Erfinder,
eine japanische Splittergruppe hatten offensichtlich die Ideale Kanes vergessen und hatten
versucht die Pläne an die GDI zu verkaufen. Nur eine große Allianz der einzelnen Anführer
der Bruderschaft hatte dies verhindern können. Auch sein Vater hatte zu dieser Allianz
Truppen beigesteuert. Bevor die Verräter bestraft werden konnten , hatte es Kasian geschafft
einige der Wissenschaftler in seine Basis zu bringen. Das war dreist gewesen, aber es hatte
ihm die Pläne der Laserzäune und die Risszeichnungen einiger anderer Entwicklungen
eingebracht. Aber auch die Feindschaft vieler Splittergruppen.
Das Summen des Tores verstummte und der BMT rollte in den Innenhof der Kaserne. Das
Fahrzeug stoppte auf dem Exerzierplatz. Kaum war der BMT angehalten, da öffnete sich auch
schon das Außenschott. Warme Luft quoll in das Innere das Fahrzeugs. Die rege
Betriebsamkeit in der Höhle hatte scheinbar einen hohen Anteil an dieser Wärme.
Als Gregor aus der Luke schaute stand plötzlich ein Mann auf dem Platz. Breitbeinig, die
Hände hinter dem Rücken verschränkt stand er da. Das musste der rumänische Ausbilder sein.
Er musterte den Ausbilder. Er schien mindestens zwei Meter groß zu sein und aus puren
Muskeln zu bestehen. Sein schwarzes Haar war sehr kurz geschnitten und von einigen grauen
Strähnen durchzogen. Dunkle Augen stachen aus dem Gesicht. Den Ausbilder schien eine
Aura zu umgeben. Gregor vermochte es sich nicht anders zu erklären. Es kam ihm so vor als
wuchs die Person vor ihm, um so länger er ihn musterte.
Eine hart akzentuierte Stimme riss ihn aus seinen Gedanken. „Willkommen, Rekrut Panterre!“
Gregor brauchte zwei Sekunden um zu begreifen, dass er mit dem Mädchenamen seiner
Mutter angesprochen wurde. Es schien alles zu funktionieren wie von seinem Vater geplant.
In Wirklichkeit hatte Gregor seine Mutter nie gekannt. Sie war kurz nach seine Geburt
gestorben. Zwar erzählte Kasian immer die Geschichte von einem Bomberangriff im
Tiberiumkrieg, aber er wusste, dass seine Mutter gestorben war, als die GDI ein Versteck der
Bruderschaft gestürmt hatte. Das war viele Jahre nach der großen Niederlage gewesen. Aber
Zeit für solche Gedankengänge hatte Gregor nicht. Schon wurde er von seinem Ausbilder zu
einer flachen Blechbaracke geführt. Das Heim der Rekruten. Einfach und spartanisch. Nichts
würde sie hier von den Lehren Kanes ablenken.

Mit einem lauten Quietschen öffnete sich die eiserne Tür zu der Baracke. Im Inneren war es
düster. Der Ausbilder ging voran. Man hörte einige Betten knarren und Stiefel poltern. Als
Gregor ein die Baracke trat standen dort bereits drei Rekruten kerzengerade vor ihren Betten.
Sie starrten nervös ins Leere als der Ausbilder an ihnen vorbei schritt. Gregor folgte ihm, bis
der Ausbilder plötzlich stoppte. Er drehte sich nicht einmal zu Gregor sondern hob einfach
seinen Arm und deutete auf ein leeres Feldbett. Gregor stellte seinen Seesack neben das Bett
und positionierte sich vor dem Bett. Er nahm schnell Haltung an als der Ausbilder sich Seite 42
plötzlich umwand und alle vier Rekruten musterte. Er schien tatsächlich von einer Aura
umgeben. Die fünf Rekruten schwitzten und standen nur mit Mühe still. Dann durchbrach
eine harte Stimme die Stille. „Damit ist die Truppe komplett. Morgen früh geht es für Euch
los. Im Namen von Kane!“ Alle vier Rekruten antworteten sofort. „Kane lebt im Tode!“
Der Ausbilder nickte nur und schritt dann aus der Baracke. Noch nachdem sich die Türe
geschlossen hatte standen die Rekruten stramm vor ihren Betten. Erst nach weiteren Sekunden
entspannten sie sich und setzten sich wieder auf ihre Betten. Leises Gemurmel begleitete sie.

Die Digitaluhr an der Wand besagte, dass der Abend begonnen hatte. Die Vier entspannten
sich langsam und gesellten sich in einer lockeren Runde. Gregor wusste worauf es hinaus lief.
Er mochte dieses „Und wer bist du?“- Spielchen nicht, aber er war dennoch interessiert wer
alles von nun an in seiner Gruppe war.

Es war noch nicht spät, aber alle waren sich sicher, den Rest des Abends frei zu haben. Die
Vermutung traf zu und dies überraschte Gregor sehr. Er hatte am ersten Tag so etwas wie eine
Sonderübung erwartet. Vielleicht war dieser Ausbilder doch nicht so schlimm wie es den
Anschein hatte. Zumindest waren die ersten Gespräche sehr interessant. Es stellte sich sehr
schnell heraus, dass alle Rekruten schon einmal in einer Militärschule gewesen waren. Gregor
hatte die kürzeste Zeit dort abgesessen, andere waren ihr halbes Leben in solchen Schulen
gewesen. Die Gruppe war gut ausgewählt worden. Alle hatten ähnliche Vorgeschichten was
ihre Ausbildung betraf.. Sie zählten wohl schon zu den eher fortgeschrittenen Rekruten. Nach
dieses ersten Aufwärmgesprächen wurde es schließlich etwas detaillierter.
Gregor schaute in die Runde und begann die Anderen zu mustern. Alle waren etwa im selben
Alter. Zwischen 17 und 18 Jahren. Er schaute zu dem großen Kerl der sich auf einem der
Feldbetten lümmelte und seine Geschichte erzählte. Seine Haare waren dunkel blond und er
war sehr schlank. Er war gleich sehr offen gewesen und hatte die erste Runde „Wer bin ich?“
eröffnet. Sein Name war Phillip Eichor. Er stammte aus Österreich. Allein diese Bemerkung
veranlasste ihn zu einem noch breiteren Grinsen, als ein Raunen durch die Runde ging.
Schnell war geklärt, dass seine Familie zu Kasian übergelaufen war. Die Österreicher
Bruderschaft hatte offensichtlich mehr den Kult um ihren Anführer Wulf im Kopf, als die
Lehren Kanes zu erfüllen. Dies war den Eltern von Phillip wohl bitter aufgestoßen und sie
kamen nach Deutschland. Diese Erklärung schien die restlichen Rekruten etwas zu beruhigen.
Phillip schaute plötzlich in die Runde und deutete auf einen der Anderen. „Was ist mit dir?
Woher kommst du!?“

Der Rekrut schaute auf und streckte sich etwas. Gregor schaute ihm direkt in die braunen
Augen. Sein Haar war rabenschwarz. Er stand auf und seine Miene blieb dabei ausdruckslos.
„Ich bin Samuel Urbas. Ich habe in Berlin gewohnt. Wir haben dort GDI Transporter
überfallen und ihre Logistik gestört.“ antwortete er. Phillip setzte sich aufrecht auf das Bett.
„Und deine Eltern?“ „Ich habe keine mehr. Die GDI hat sie bei einem Angriff getötet.“ Es
wurde stumm in der Baracke und die dicke Luft schien schwerer auf ihnen zu lasten. Samuel
stand noch immer und schaute in die Runde, dann deutete auf den Rekrut, welcher sich auf
einen Hocker gesetzt hatte. „Du bist dran“ durchbrach Samuel die Stille. Der schmächtige
Rekrut schien verlegen und blieb stumm. Nach einiger Zeit begann er den Mund zu öffnen.
„Ich heiße Christian Mensk. Keine Ahnung woher meine Eltern gekommen sind, aber mein
Lehrer sagte sie kamen aus der Ukraine.“ Dann verstummte er wieder. Samuel schaute ihn an
und fragte: „Was tun sie in der Bruderschaft?“ „Nichts. Sie haben mich vor einem Versteck
der Bruderschaft ausgesetzt und sind verschwunden.“ Gregor war bestürzt über diese
komprimierte Form der Schicksale die sich hier offenbarten. Doch nun war er an der Reihe. Seite 43
Er hatte schon lange gegrübelt was er den Jungs auftischen sollte, also erhob er sich schlicht
und begann einfach.

„Ich bin Gregor Panterre. Ich komme aus Ägypten, aber ich bin so etwa mit 4 Jahren nach
Deutschland gekommen. Meine Vater ist Wissenschaftler.“ Er wurde ebenso gemustert wie er
die Anderen gemustert hatte. Dann flog plötzlich die Türe der Baracke auf. Innerhalb von
wenigen Sekunden standen alle wieder vor ihren Betten. Stramm und mit eiserner Miene. Der
Ausbilder stampfte in den Raum. Ihm folgte ein älterer Mann mit einer Tasche und einem
kleinen Hocker in der Hand. „Die Zeit ist gekommen Euch von überflüssigem Ballast zu
befreien“ sagte der Anführer und stampfte sogleich wieder aus der Tür. Gregor sah aus den
Augenwinkel wie sich auf Christians Stirn ein dünner Film Schweiß bildete. Dann sagte der
alte Mann plötzlich in die Stille hinein. „Mit anderen Worten, ich bin der Friseur und ihr
verabschiedet Euch heute von diesen scheußlichen Föhnfriseuren.“ Er lachte laut und stellte
den Hocker auf den Boden.
Es war eine lange Nacht gewesen. Nachdem der Friseur sie fast aller Haare befreit hatte, war
es noch interessant geworden. Der Friseur hatte einige Geschichten über den Ausbilder, Vlad
Terag, erzählte. Er sollte angeblich aus Transsylvanien stammen und schon so manche blutige
Schlacht hinter sich haben. Weiter im Osten war die Bruderschaft noch stärker und kämpfte
teilweise offen gegen die GDI. So sollte er dort in einer Gruppe gedient haben, dessen
Anführer sich für einen direkten Nachfahren von Vlad Tepes hielt. Entsprechend sei es dort
zugegangen. Gefangene GDI Soldaten sollen angeblich gepfählt worden sein. Nach alter
Tradition und zwar die grausame Methode. Der Friseur schien sich damit auszukennen. Er
schilderte sehr genau wie dort gepfählt wurde. Die Stamme waren nur stumpf zugespitzt.
Darauf wurden die Gefangene gebunden. Mit dem Bauch auf der stumpfen Spitze. Nun trieb
sich der Gefangene durch sein Eigengewicht den Pfahl langsam und qualvoll durch die
Gedärme. Angeblich lebten einige Gefangene noch Tagelang bevor sich der Pfahl dann seinen
Weg durch das Rückrat brach.
Diese Geschichten hatten Mensk den Rest gegeben. Es schien als hätte er gar nicht
geschlafen. Dagegen hatten die restlichen Rekruten eher die Auffassung, einem Friseur nicht
alles zu glauben was er erzählte.
Es war Punkt 5 Uhr. Mit einem Krachen flog die Türe der Baracke auf. Ein ohrenbetäubendes
Brüllen durchquerte den Raum. Es dauerte keine zehn Sekunden, da standen alle Rekruten
wieder einmal vor ihren Betten in strammer Pose. Vlad Terag stand in der Tür. Von draußen
schien das künstliche Licht der Höhle grell in die Baracke. „Ihr habt zwei Minuten um Euch
fertig zu machen!“ brüllte er. Hecktisch begannen sie sich anzuziehen. Nicht nur noch Mensk
schien erschrocken zu sein über den Ausbilder.
Gregor erkannte schnell, dies würde die Hölle sein. Sie waren vor drei Minute aus der
Baracke gekommen. Sie hatten ihre neuen Uniformen angelegt. Komplett schwarze
Kampfanzüge aus robustem Material. Sie hatten sich zu einer größeren Gruppe von Rekruten
gesellt. Alle waren in Gruppen zu vier Mann aufgeteilt, also stellten sie sich auf zu einer
Gruppe. Vor jeder Gruppe stellte sich ein Ausbilder. Gregor vermutete zuerst es handle sich
um eine Zeremonie oder etwas ähnliches, doch er wurde eines besseren Belehrt. Plötzlich
begann die erste Gruppe ganz weit recht im Laufschritt hinter ihrem Ausbilder her zu laufen.
Sie liefen mit einem Schlachtgesang in die Richtung eines Tunnels. Nun setzte sich eine
weitere Gruppe in Bewegung. Alle sangen sie rhythmisch ein Lied, aber Gregor bezweifelte,
dass es wirklich einen inneren Rhythmus besaß. Er lauschte kurz dem Gesang. „Der Spieß der
lässt uns rennen …. selten dürfen wir richtig pennen …Hey Hey Hey! Wir kämpfen gegen
GDI. Wir zertreten sie wie ein faules Ei … Jaaa haaa! … die Lehre Kanes ist uns bewusst. Jaaa
Haaa Jaaa Haaa. .. NOD .. NOD … NOD…“ Der Text war einfach und einprägsam. Dann
setzte sich Terag vor ihnen in Bewegung. Sie liefen im Laufschritt hinter ihm her. Er stimmte Seite 44
mit schwerem Akzent das selbe Lied an. Es schien ihnen nichts übrig zu blieben als
einzustimmen.
Nach etwa einem Kilometer Lauf ging ihnen langsam die Puste aus. Der Gesang wurde
brüchiger und das Keuchen lauter. Gregor bemerkte wie sich sein Magen meldete und
erkannte, dass sie heute kein Frühstück bekommen hatten. Trotz des lauten Ächzen und
Keuchen hinter Terag blieb dieser nicht stehen. Er führte sie im Laufschritt in einen Tunnel.
Plötzlich blieb er stehen und drehte sich zu seinen vier Opfern um. Ein Grinsen huschte über
sein Gesicht. „Am Ende des Tunnel ist eine Höhle. Ich warte auf der anderen Seite auf Euch.“
Mit diesen Worten drehte er um und lief wieder zurück.
Die vier Rekruten schauten sich erstaunt an. Nach einer Minute zuckte Samuel die Achseln
und ging weiter in den Tunnel. Die Anderen folgten ihm hustend und schnaufend. Sie waren
noch lange nicht erholt von diesem Lauf. Das Keuchen hallte durch den Tunnel, der nicht
mehr als eine enge Röhre war. Sie waren nun tief in den Tunnel vorgedrungen, da erlosch das
Licht. Sie blieben stehen und es wurde still. Dann hörte man Phillip. „Scheiße noch mal. Das
ist ein Test, lasst uns weitergehen, die Höhle wird sicherlich interessant.“ Gregor schluckte
hart und ihm war so, als hörte er auch jemand anderen laut schlucken. Sand knirschte unter
ihren Stiefeln als sie sich weiter in die Höhle vortasteten. Sie hatten einige Meter vorher
beschlossen dem Vordermann die Hand auf die Schulter zu legen um sich nicht zu verlieren.
Alle Vier erwarteten jeden Augenblick eine Überraschung in diesem Tunnel, aber es geschah
nichts und sie erreichten einen Tunnelabschnitt in dem es wieder heller wurde. Ein matter
roter Schein empfing sie, als sie in die kleine niedrige Höhle traten. Sofort brach die Hölle los.
Ein lautes Krachen hallte durch die Höhle und Steinbrocken brachen aus der Decke. Hinter
ihnen brach der Tunnel zusammen. Die Rekruten drängten sich erschrocken gegen die Wand
neben ihrem verschütteten Tunneleingang. Dann rief Samuel: „Hey Leute denkt nach. Warum
sollte der blöde Tunnel einstürzen und das Ganze hier! Das gehört dazu. Wir sollen da durch,
rüber zu dem Tunnel auf der anderen Höhlenseite!“ „Hast du nen Dachschaden?“ stieß
Christian hervor. „Warum? Schau dir die Höhle an. Das riecht gerade zu nach einem
Testgelände“ sagte Phillip. Gregor mischte sich nicht ein und schaute sich nur um. Das
Donnern begann zum Dritten mal und wieder brachen Steine aus der Decke. „Die Lawinen
haben ein Muster“ stellte er fest.
Sie waren sich lange nicht sicher gewesen, aber dann hatten sie sich eine Stelle heraus gepickt
und sie beobachtet. Tatsächlich fielen die Steine in regelmäßigen Abständen. So begannen sie
die Abstände zu zählen und nach dem zehnten „Erdbeben“ hatten sie eine Route durch die
Höhle ausgemacht. Während sich Gregor und Phillip sicher waren die richtige Route
gefunden zu haben, zögerten Samuel und Christian. Aber sie waren schon jetzt ein Team, dies
stand außer Frage. Mit einem lauten Fluch stürmten Samuel und Christian den anderen
Beiden hinterher um das Zeitfenster zu erwischen.
Tatsächlich schafften sie es bis in die Mitte der Höhle, dann begann das Donnern erneut
unheilverkündend. Sie hatten drei Viertel des Weges im Laufschritt zurückgelegt, da
begannen die ersten Trümmer wieder von der Decke zu fallen. Doch die Route die sie
ausgetüftelt hatten, schien tatsächlich sicher zu sein. Phillip reif laut einen Countdown. „17,
16, 15 …“ Das war ihr Zeitfenster. Gregor sprang über einen Spalt im Boden und neben seinen
Kopf zischte plötzlich ein Steinbrocken zu Boden. Aber sie waren fast da. Das Zeitfenster das
sie ausgetüftelt hatten war vorbei, dessen war sich Gregor sicher als er mit einem Hechtsprung
den Tunneleingang erreichte. Seine Kameraden taten es ihm gleich und entgingen nur knapp
einem Hagel von kleineren Steinen.
„Das war knapp“ kommentierte Samuel und keuchte laut.
Ihre Uniformen hatten längst die erdige Farbe des Höhlenbodens angenommen als sie durch
den Tunnel krochen. Sie hatten erwartet einen richtigen Tunnel für aufrechten Gang
vorzufinden, aber nach einigen Meter hatte sich der Tunnel so sehr verengt, dass sie auf Knien Seite 45
durch den Schacht kriechen mussten. Gregor fluchte laut als er sich an einem Stein die Hand
schürfte. Es schien kein Ende in Sicht. Die Zeit schien langsamer zu werden als sie durch den
Schacht krochen. Das Kratzen und Scharren der Vier war der einzige Begleiter. Gregor fühlte
sich erschöpft und müde. Das möchte auch an der schlechten Luft in diesem Schacht liegen.
Er wusste, sie konnten noch nicht lange unterwegs sein. Höchstens eine oder zwei Stunden
und dennoch kam es ihm wie ein halber Tag vor. Phillip war zuerst in den Schacht gekrochen.
Gregor folgte ihm zusammen mit Christian. Die Nachhut bildete Samuel der lautstark fluchte
und sie antrieb. „Habt ihr ne‘ Ahnung wie lange das noch weitergehen soll? Ich dachte wir
werden Soldaten und keine Wühlmäuse.“

Gregor lachte und antwortete: “Ich denke das gehört einfach dazu. Erst machen sie uns fertig
und dann erzählen sie uns, dass wir nun das Rückrat der Bruderschaft sind.“ Alle fielen in das
Lachen ein. „He Christian. Immer noch so ängstlich? Leg mal nen‘ Zahn zu“ stieß Samuel
hervor . „Nennt mich Chris. Ach und hey, was heißt hier ängstlich? Uns sind gerade ein paar
Tonnen Gestein um die Ohren geflogen. Witzig, echt witzig.“ Samuel lachte und die anderen
stimmten ein. Nur Chris blieb stumm und kroch weiter. Nach einiger Zeit erreichten sie einen
Tunnelabschnitt, der wieder aufrechtes Gehen ermöglichte. Fluchend liefen sie ihn entlang
und stießen kurze Zeit später auf den Ausgang. Dort wurden sie von ihrem Ausbilder
erwartet. Das Licht in dieser neuen Höhle war weitaus heller und sie mussten sich die Hände
vor die Augen halten um besser sehen zu könne, bis sich ihre Augen an das Licht gewöhnt
hatten. Noch während sie versuchten sich an das Licht zu gewöhnen, hörten sie Schüsse in der
Nähe, aber sie berührte das nicht weiter. Dies hier war ein Ausbildungscamp. Sie stellten sich
vor dem Ausbilder auf. Dieser musterte sie und grinste breit. „Schön meine Herren. Sie haben
schneller begriffen als so manch andere Rekruten vor ihnen. Ich bin erfreut. Aber das muss
noch gar nichts bedeuten.“ Gregor lauschte den Worten und das angedeutete Lob ließ ihm die
Brust schwellen. Er bemerkte, dass es den anderen ebenso ging. Nach einer kurzen Pause fuhr
Terag fort. „In dieser Höhle werden sie an Waffen ausgebildet.“ Er drehte sich um und
deutete auf entfernte Schießstände an denen bereits einige Rekruten trainierten. „Heute
werden sie an Handfeuerwaffen ausgebildet. Ich werde ihnen eine kurze Erklärung geben,
aber es wird erwartet, dass ihr bereits wisst wie man Waffen dieser Art handhabt. Das
müssten sie in der Militärschule gelernt haben. Nun sehen wir was sie können.“ Er ging
voraus und die Vier folgten ihm.
Es war wohl eine Marotte von Terag sich vor seinen Rekruten aufzubauen und die Hände
hinter dem Rücken zu verschränken. Nun es war wieder soweit. Terag stand vor dem
Schießstand, der inzwischen leer war. „Die Bruderschaft verfügt über eine Vielzahl von
Waffengattungen. Viele davon basieren auf Laser- oder Impulsenergie. Trotz diesem
technologischen Fortschrittes sind die zuverlässigsten Waffen immer noch Projektilwaffen.
Handfeuerwaffen der altmodischen Sorte sind kleiner und leichter gebaut als ihre Nachfolger.
Sie überhitzen sich selten und der Energiebedarf beschränkt sich auf das Abrücken.“ Terag
grinste und fuhr dann nach kurzer Pause fort. „Daher verwenden Offiziere der Bruderschaft
die Glock 2010. Österreichisches Fabrikat. Kaliber 9mm. Das Gewicht liegt bei etwa einem
Kilo. Die Glock 2010 fasst ein Magazin mit 20 Patronen. Die Bruderschaft bevorzugt
Patronen mit Tiberiumfüllung, da die Herstellung jedoch teuer und gefährlich ist, müssen wir
die Standartmunition des Herstellers verwenden. Diese Munition durchschlägt lediglich die
normalen Schutzanzüge von Infanteristen. Der Herstellermunition wurde ein Prozentsatz
Quecksilber beigemischt. Der Hersteller legt großen Wert darauf zu behaupten, dass dank
dieses Zusatzes die Munition panzerbrechend wirkt. Das ist falsch. Das Quecksilber ist
allerdings ideal um Mutationen zu töten. Sie vertragen Quecksilber nicht. Eine
Tiberiumfüllungen würden dagegen die Panzerplatten eines Werwolfs durchdringen UND die
Mutation die hinter dem Werwolf steht.“ Seite 46
Nach diesem Schnellkursus standen allen vier Rekruten mehr oder wenig die Münder offen.
Das war etwas schnell gewesen und nun deutete ihr Ausbilder auch schon auf einen Tisch
hinter sich. Dort lagen fünf Pistolen. Er hob eine der Pistolen hoch. „Dies ist die Glock. Wir
verwenden keine Übungsmunition.“ Er machte eine kurze Pause um dann fortzufahren.
„Seihen sie also vorsichtig und wagen sie es nicht vorbei zu schießen.“ Mit diesen Worten
deutete er auf die Pappmaschee die in Form von GDI Soldaten weiter hinten im Schießstand
hing.
Alle vier Rekruten versuchten die richtige Haltung einzunehmen. Sie standen inzwischen
jeder vor einem Schießstand. Gregor vermisste irgendwelchen Schutz für seine Ohren,
welchen man aus den vielen Fernsehsendungen kannte, aber hier gab es so etwas nicht. Auf
die GDI Soldaten waren rote Kreise gemalt. Alle mühten sich ab sie zu treffen, aber der
Rückschlag der Waffe ließ oftmals den Schuss zu hoch aus der Mündung austreten und in den
Felsen weiter hinten in der Höhle zu krachen. Schweiß stand ihnen auf der Stirn, den alle
erinnerten sich an die Warnung ihres Ausbilders nicht zu versagen. Es ist Kanes Wille, dass
ich hier bin, dachte Gregor und zielte erneut. Jeder hatte ein Magazin um durch Treffer
Punkte zu sammeln. Die Bestenliste der Gruppe führte Phillip an. Er hatte von 20 Schuss 17
in die roten Kreise gebracht. Gregor folgte mit 14 Treffern. Samuel und Chris hatten beide
eine Trefferzahl von Zehn erreicht. Alles noch im grünen Bereich, soweit das Gregor das
einschätzen konnte. So beendeten sie ihre ersten Übungen. Gregor schmerzte das Handgelenk
vom Rückstoß der Waffe genauso wie die Ohren von dem grausam lauten Donnern der
Schüsse. Er rieb sich das Handgelenk, aber die Ausbildung wurde bereits fortgesetzt. Er kam
langsam zu dem Schluss, dass neue Truppen dringend gebraucht wurden, denn er konnte sich
sonst nicht vorstellen warum sie so im Akkord ausgebildet wurden.
„Das war gute Arbeit. Ich bin überrascht. Kasian, unser großer Anführer scheint diese Gruppe
persönlich zusammen gestellt zu haben“ sagte der Ausbilder und musterte sie ungläubig. Sie
mussten wohl etwas über dem normalen Schnitt liegen. Gregor grinste breit als er Terag über
Kasian reden hörte. Man sollte es nicht glauben, aber es war so. Diese Gruppe WAR von
Kasian selbst zusammengestellt worden. Terag riss Gregor wieder aus seinen Gedanken.
„Gut. Nehmt Eure Glock und zerlegt die Waffe. Da hinten in diesem kleinen Gebäude sind
Werkzeuge und Reinigungsmittel.“
Die Vier schauten etwas ratlos, als sie die Waffe zerlegt hatten. Jeder von ihnen hatte das ein,
zwei Mal in der Militärschule machen müssen, aber das war lange her. Die Glock bestand aus
einigen mehr Teilen als die Waffe die in Schulen verwendet wurde. Gregor begann den Lauf
mit einem kleinen Lappen zu reinigen. Nachdem er und seine Kameraden die Waffe gesäubert
hatten, war es an der Zeit Magazine nach zu füllen. Im Klartext hieß das die Patronen in das
Magazin pressen und dies bei ca. 30 Magazinen pro Mann. Samuel brummte etwas von
„Arschlochkarte gezogen.“ Und presste erneut einige Patronen in das Magazin. Allen knurrte
der Magen inzwischen enorm. Es musste bereits kurz vor Mittag sein. Ihre Finger fühlten sich
taub an und sie waren inzwischen sichtlich erschöpft. Doch sie beendeten ihren Auftrag und
gaben die Waffen und die Magazine in dem Gebäude bei einem anderen Ausbilder ab. Dieser
nickte und sagte: „Ok Leute. Raus mit Euch, Terag wartet nicht ewig.“ Schnell waren sie aus
dem Gebäude gelaufen und stellten sich vor Terag auf. Terag grinste und fragte: „Sind die
Herren müde?“ Keiner der Rekruten antwortete. Terag lachte und begann im Laufschritt in
Richtung eines Tunnels zu laufen. Die Vier folgten ihm und stimmten wieder das Lied an,
dass sie am Morgen gelernt hatten. So erreichten sie nach einiger Zeit die Baracken wieder.
Terag führte sie jedoch in eine größere Halle. Sie bestand aus schlichtem Wellblech, so wie
ihre eigene Baracke. Im Inneren standen in langen Reihen große Tische. Dies war also der
Speisesaal, stellte Gregor fest, als seine Nase einen wohligen Geruch von warmen Essen
erfasste. Die Tische waren fast alle leer. Nur eine anderen Gruppe schien noch zu essen. Sie
sahen ähnlich müde aus wie sie selbst. Vermutlich hatten sie die Hauptstoßzeit verpasst. Aber
trotz ihrer Müdigkeit schlangen sie das erste Essen an diesem Tag herunter, als hätten sie Seite 47
schon Tagelang kein Essen mehr gesehen. Auch Terag nahm sich an der Gulaschkanone einen
Teller und setzte sich zu seinem Kollegen an einen extra Tisch.
Kasian stellte den Soßentopf wieder an seinen Platz auf der langen Tafel. Der Rehbraten sah
vorzüglich aus und die pikante Pilzsoße gab dem Ganzen den letzten Schliff. Ein leichter Duft
von Knoblauch und frischen Pilzen vermischte sich mit dem Duft des Bratens. Kasian
beschloss dem Koch für dieses Mahl eine Sonderprämie zukommen zu lassen. Er schnitt ein
Stück vom Braten ab und steckte es sich genüsslich in den Mund. „Ah, vorzüglich,
vorzüglich“ murmelte er leise und kaute weiter auf dem Braten. Die Kartoffeln die den Braten
garnierten leuchteten goldgelb und die Petersilie stach sattgrün aus der kleinen Ansammlung
Kartoffeln.
Leise trat jemand an Kasian heran und räusperte sich. Kasian sah auf und erkannte seinen
Adjutanten. „Was gibt es Sander?“ fragte Kasian. „Verzeihen sie die Störung, aber
Hochgeneral Wulf möchte sie sprechen“ antwortete Sander. Kasian fluchte leise und legte
sein Besteck ordentlich neben den Teller.
Kasian konnte diesen Wulf nicht ausstehen. Er wischte sich die Hände an einer Serviette und
machte sich auf den Weg zu seinem Arbeitszimmer. Die Österreicher wollten wahrscheinlich
wieder irgendetwas. Seitdem Wulf dort Anführer geworden war, wurden sie zunehmend
aggressiver. Mit einigen Winkelzügen hatte er es geschafft einen Teil von Norditalien zu
erobern. Die kleinen Gruppen dort standen nun unter seinem Befehl. Damit hatte er sich noch
größere Unterstützung verschafft und nun versuchte er seit einiger Zeit Kasians Leute zu
überzeugen auf seine Seite zu wechseln. Wulf hatte bisher nie genügen Ressourcen gehabt um
ihm bedrohlich zu werden. Das Land war viel zu dünn besiedelt um genügen Anhänger NODs
zu finden und sie in den Basen von Wulf dienen zu lassen.
Kasian trat in sein Arbeitszimmer. Der große Bildschirm war angeschaltet und das große
Gesicht von Wulf war zu sehen. Kasian musterte das Gesicht. Wulf hatte eine Halbglatze. Das
verbliebene Haar war schwarz, welches von grauen Strähnen durchzogen war. Tiefe Falten
zogen sich durch das frisch rasierte Gesicht. Unter dicken Augenbrauen lugten grüne Augen
hervor. Trotz der Tränensäcke machten diese kaum den Anschein müde zu sein. Hellwach
und flink schossen sie umher um alle Details des Arbeitszimmers aufzunehmen. Der Mund
verzog sich zu einem oberflächlichen Lächeln als Kasian eintrat.
„Kasian! Schön sie zu sehen.“ Kasian lächelt und antworte ebenso freundlich. „Die Freude ist
ganz meinerseits. Sie haben ein Anliegen?“ Wulf versuchte beleidigt zu wirken und
antwortete dann: „Aber, aber mein Freund. Denken sie ich rufe sie nur an, wenn ich etwas von
Ihnen will?“ Kasian lächelte wieder und zeigte seine Zähne. „In gewisser Weise schon.“ Das
Lächeln wich aus Wulfs Gesicht und wurde durch ein Pokerface ersetzt. „Schön sie haben
mich ertappt, Kasian. Ich brauche Ihre Hilfe.“ Kasian beließ es bei dem Lächeln. „Worum
geht es, Mein Freund?“
„Es gibt gewisse Gruppierungen in der Bruderschaft, die es nicht gerne gesehen haben, dass
ich meinen Einfuß in die Po Ebene ausweiten möchte. Man hat mir gedroht. Aber ich folge
nur dem Willen Kanes, wenn ich die Bruderschaft unter einem Dach einen will.“ Kasian hob
die Hände und seufzte. „Schön, schön kommen sie zur Sache Wulf!“ Wulf nickte schlicht. „Ja
natürlich. Eine Kommandoeinheit dieser Gruppe drang in eines meiner Depots ein. Zu
meinem Unglück befanden sich in diesem Depot gerade etwa die Hälfte meines Sammler
Fuhrparks zur Wartung. Sie haben das Depot vernichtet….“ „… und nun sitzen sie ganz schön
tief im Dreck“ beendete Kasian den Satz. „So könnte man es sehen“ stimmte Wulf zu. „Und
welche Rolle haben sie mir bei ihrem Debakel zugedacht?“ fragte Kasian ungeduldig. „Ich
möchte sie bitten mir einige Sammler zu borgen, mein Freund“ antwortete Wulf.
Es wurde still im Raum. Kasian starrte erstaunt auf das Bild von Wulf. Dann begann Kasian
leise zu lachen. Schließlich wurde das Lachen laut und dröhnend. „Sie wollen meine
Erntemaschinen, obwohl sie schon nicht fähig waren ihre eigenen zu schützen?“ Kasian Seite 48
beruhigte sich wieder und schaute amüsiert in das wütende Gesicht von Wulf. „Sehr witzig
Wulf.“ Das Gesicht von Wulf wurde von Wut verzerrt. Die blasierte Freundlichkeit war wie
weggewischt. „Dieser Engpass ist nur kurzfristig. Mit ihren Sammlern würde es bedeutend
schneller gehen.“ „Ich kann leider keinen meiner Sammler entbehren. Ich habe selbst einige
Engpässe zu überwinden, seitdem eine belgische Gruppe versuchte meine Außenposten zu
übernehmen. Das verstehen sie doch sicher“ entgegnete Kasian und lächelte.
„Ja. Sicher verstehe ich sie“ antwortete Wulf wütend und griff zu einer Konsolen außerhalb
des Bildschirmes. „Sie werden von mir hören.“ Dann wurde der Bildschirm schwarz. Kasian
stand im Raum und wurde sich seines Adjutanten in seinem Rücken bewusst. „Haben sie das
gehört Sander?“ fragte Kasian und drehte sich zu ihm um. „Äh ja ,Sir. Er scheint große
Schwierigkeiten zu haben, wenn er sich an uns wendet.“ „Das sehe ich auch so und Wulf ist
unberechenbar“ dachte Kasian laut nach. „Aber er wird uns doch nicht angreifen, geschwächt
wie er ist?“ fragte Sander beunruhigt. „Ein tödlich verwundeter Tiberiumteufel wird nach
allem in seiner Nähe beißen“ philosophierte Kasian und schaute nachdenklich aus dem
Fenster.
Gregor war entsetzt über das Mittagessen. Es sah genauso aus wie es schmeckte und er wollte
im Grunde gar nicht genau wissen, welche besonderen Ingredienzien der verfluchte Koch
alles hineingemischt hatte. Dennoch hatte er seinen Teller leer gegessen. Die Ausbildung
machte hungrig. Aber die Mittagspause hatte nicht lange gedauert. Schon nach einer halben
Stunde waren sie wieder im Laufschritt in die Richtung eines Tunnels aufgebrochen. Es stellte
sich als Trainingshöhle heraus. Als sie in diese Höhle traten sah man den Vier an, wie
ungemein erfreut sie über diese Höhle sein würde. Über hundert Meter erstrecke sich die
ovale Höhle. In ihr war ein Circle aufgebaut. Aber natürlich kein normaler Circle. Nein
normale Sportgeräte fand man hier natürlich nicht. Die erste Station bestand aus einer hohe
Wand. Sie musste bezwungen werden und zwar ohne jegliches technisches Hilfsmittel. Es
wurde offensichtlich öfters Einfallsreichtum von den Rekruten erwartet.
Die zweite Station bestand aus einem breiten Graben. Der Graben war mit braunem Morast
gefüllt. Nur ein Seil war stramm über den Graben gespannt. Es erübrigte sich, darüber
nachzudenken, was hier zu tun war. Dem Graben folgte ein Gestell aus Balken über das ein
Netz gespannt war. Diesem Hindernis folgte eine Kletterwand aus Seilen und ein Weg aus
Autoreifen. Es schien als müsste man immer so laufen, dass ein Fuß immer in einen Reifen
landete. Gregor schluckte schwer und blickte zur nächsten Station. Über den morastigen
Boden waren mehrere Stränge Stacheldraht gespannt. Da würde man wohl drunter durch
kriechen müssen.

All seine Vermutungen sollten sich bestätigen. Mit einem sadistischen Grinsen zeigte Terag
auf den Parkur. „Ich will Euer bestes sehen! Bewegt Euch!“
Die Vier schauten sich an und Phillip zuckte die Achseln. Dies war das Zeichen und sie liefen
in den Parkur hinein. Die Wand stellte sogleich ein Hindernis dar, welches nur mit Grips
überwunden werden konnte. Aber es schien als wäre das ganze Team schnell zur selben
Entscheidung gekommen. Phillip ging in die Knie und faltete die Hände zusammen, so dass
die Anderen ihn als Steigbügel benutzen konnte. Zuerst wuchtete er Gregor empor. Gregor
erreichte die obere Kante und klammerte sich an sie. Mit einem lauten Ächzen zog er sich auf
die Mauer. Sie war etwa zwanzig Zentimeter breit und sehr rau. Gregor hatte sich gleich die
Finger aufgeschürft. Dann kam Chris an die Reihe. Er hatte mehr Probleme nach oben zu
kommen. Er brauchte zwei Anläufe und er schaffte es dann den ausgestreckten Arm von
Gregor zu fassen. Er zog sich ebenfalls auf die Mauer. Zusammen zogen sie dann Samuel auf
die Mauer. Dieser sprang leichtfüßig die Mauer auf der anderen Seite hinunter. Nur um laut
fluchend festzustellen, dass er die Höhe falsch eingeschätzt hatte. Phillip war groß, aber
dennoch war es schwer ihn nach oben zu bekommen. Chris und Gregor lehnten sich so weit Seite 49
wie möglich nach unten und erreichten schließlich die gestreckten Arme von Phillip. Mit
vereinten Kräften zogen sie ihn nach oben. Dieser stöhnte nur und meinte: „Toll, das war die
erste Station, richtig?“
Das Seil war straff gespannt. Gregor hatte die Ehre zuerst zu gehen. Er schwang sich
rückwärts vom Rand des Grabens und klammerte sich an das Seil. Er hob seine Beine an und
kreuzte sie über dem Seil, um sein Gewicht zu verteilen. Wie ein nasse Sack hing er nun am
Rand des Grabens. Er konnte den fauligen Geruch des Schlammes im Graben riechen. Ok,
dachte Gregor, man konnte nicht erwarten, dass die Ausbilder jede Woche den Schlamm
frisch einfüllten, damit er gut duftete. „Beweg dich. Spiel ein wenig Affe“ sagte Samuel hinter
ihm. Gregor murmelte eine Verwünschung und bewegten sich über den Graben. Er lockerten
den Griff einer Hand und schob sie weiter vor. Dann zog er seinen Körper nach. Nach einigen
Schrecksekunden, in denen er glaubte, er verliere den Halt, begann er rhythmisch zur anderen
Seite zu zuckeln. Bald war er über den Graben hinweg und stand schwitzend auf der anderen
Seite.
Seine Kameraden taten es ihm gleich. Langsam folgten sie. Phillip verlor tatsächlich den Halt.
Nur die verkrampften Beine hielten ihn noch am Seil. Aber er schien gut in Form. Mit einem
lauten Stöhnen zog er sich wieder empor, nachdem er mit dem Haaransatz den Schlamm
gestreift hatte.
Das Netz aus Seilen, welches zu überqueren war, stellte nicht annähernd solch eine
Herausforderung dar, dennoch dauerte es seine Zeit, bis sie alle auf der anderen Seite
angekommen waren. Die Kletterwand war da schon von anderem Kalieber. Etwa fünf bis
sechs Meter hoch ragte die Mauer senkrecht in die Höhe. Nur kleine Einbuchtungen konnten
als Kletterhilfe genutzt werden. Als alle Vier diese Hürde genommen hatte, waren sie kaum
noch in der Lage durch die Autoreifen zu springen. Langsam und erschöpft krochen die
Rekruten schließlich durch die Stacheldrahtbarriere. Ihr Ausbilder hatte sich nicht einmal zu
Wort gemeldet. Gregor hatte im Grunde von einem Ausbilder erwartet, brüllend neben ihnen
her zu laufen. Aber Terag stand wie eine Statue auf einer kleinen Anhöhe und beobachtete sie.
Voller Schlamm und außer Atem erreichten sie wieder ihren Ausbilder. Er musterte sie
abschätzig. „Das war erbärmlich… Noch mal!“ So endete der Tag mit unzähligen
Durchgängen des Circels. Voller Schlamm und mit schmerzenden Muskeln erreichten sie
irgendwann die Baracke. Sie waren total geschafft. Keiner konnte glauben, dass dies erst der
zweite Tag ihrer Ausbildung war. Nach einer Dusche lagen sie alle erschöpft auf ihren Bette.
Es hatte kein Abendessen gegeben.
„Das war der zweite Tag, richtig?“ wollte Phillip wissen. Samuel nickte mit säuerlicher
Miene. „Ich fühle mich wie nach zwei Wochen Wandern.“ Chris schlief bereits und
schnarchte laut. Das Schnarchen hallte leise von den Metallwänden wieder. Gregor kam aus
dem Waschraum und rubbelte sich kurz die kurzen Haare mit einem Handtuch. „Hmm Leute
ich glaube wir sollten auch pennen. Morgen machen wir bestimmt keinen Ausflug nach
Disneyland“ meinte Gregor und warf sich auf sein Bett. „Jo, denke auch“ antwortete Samuel
und drehte sich in seinem Bett um und machte eine Lampe aus. Phillip tat es ihm gleich und
knipste seine kleine Bettlampe aus und legte sich schlafen. Es dauerte keine zwei Minuten bis
alle tief und fest schliefen.
Das laute Brüllen von Terag weckte sie. „Was glaubt Ihr wo wir hier sind?“ brüllte er in die
Baracke. „Glaubt Ihr wir veranstalten ein Pfadfinderlager? Bewegt Eure Ärsche!“ Es dauerte
keine zwei Sekunden bis alle auf den Beinen waren und keine fünf Minuten später standen sie
auf dem Exerzierplatz. Terag hatte sich wieder vor ihnen aufgebaut.
Andere Gruppen waren schon zu unterwegs zu anderen Tunnels. Laut und vielstimmig klang
das Lied der Rekruten über den Platz. Dann drehte sich auch Terag um und begann zu laufen.
Die vier Rekruten folgten ihm. Bald stimmten auch sie das Lied der Truppe an und fielen in
den Chor der anderen Gruppen ein. Terag steuerte auf einen neuen Schacht zu und Gregor Seite 50
war sich sicher, dass sich dahinter eine neue Folterkammer befand. Er spürte wie seine
Muskeln unter der Belastung des schnellen Trabs laut protestierten und er wusste, den
anderen Drei ging es genauso. Terag wechselte kurz vor dem Schacht, den er angesteuert
hatte die Richtung. Gregor war verwirrt, bis er begriff, dass Terag nur die Strecke durch einen
kleinen Umweg etwas verlängert hatte. Nun steuerten sie auf den Schießstand-Tunnel zu.
Gregor war überrascht, als sie tatsächlich in den Tunnel eintauchten und dann zum
Schießstand gelangten. Alle schnauften leicht als sie schließlich zu stehen kamen.
Der Ausbilder schritt zu einem Schrank der neben den langen Reihen von Schießständen
aufgebaut war. Er schob eine Magnetkarte in das Schloss und dieses piepte bestätigend. Die
Schrankflügel schwangen zur Seite und gaben den Blick auf etwas frei, mit dem keiner der
Vier gerechnet hatte. Terag nahm eines der Maschinengewehre heraus und hielt es quer vor
der Brust, damit es alle betrachten konnten. „Dies ist das M16 MK II. Die Universalwaffe der
Infanterie. Sowohl NOD als auch GDI benutzen diese Waffe. Eine Hochenergiezelle liefert
die Munition. Die Geschosse bestehen aus Impuls-Energiestößen. Mit dieser Waffe kann man
Schäden an jeder noch so starken Panzerung anrichten.“ Terag sah in die Runde und ein
Lächeln stahl sich auf sein Gesicht. „Im Klartext: Wenn mir der Feind die Zeit lässt,
bekomme ich alles damit klein, selbst einen Titanen.“ Terag drehte sich halb von seinen
Rekruten weg und zog einen Tisch näher an sich heran. Fachmännisch zerlegte er das Gewehr
in seine Einzelteile. Er nahm das Magazin heraus, welches leicht bläulich leuchtete und hielt
es den Rekruten hin. „Um so heller es leuchtet, um so voller ist es. Ist es Grau, braucht man
ein neues Magazin. Aber das merkt man auch ohne nachzusehen, wenn man den Gegner
plötzlich nur noch mit kleinen Lichtstrahlen blenden kann, sollte man nach laden. Sollte das
Magazin rot leuchten, werft es weg und zwar schnell. Denn dann habt ihr einen ‚Blinden‘
erwischt. Wenn ihr das nicht mitkriegt, dann fliegt es Euch um die Ohren. Klar?“ Die Vier
antworteten: „Jawohl, Sir!“ Terag nickte und zog an zwei Klammern. Dann löste er mit einem
Klicken den Magazineinschub ab und deutete auf die Öffnung. „Wenn sich hier Ruß oder
Erde ansetzt, seit ihr tot. Dann bekommt ihr ein rotes Magazin.“ Er legte den
Magazineinschub zum Magazin auf den Tisch und zerlegte den Lauf. „Angeblicher Vorteil
einer Energiewaffe. Man muss den Lauf nicht reinigen. Die Energie tut dies laut Hersteller
selbst beim Abfeuern der Waffe.“ Er hob den zerlegten Lauf in die Höhe. „Das stimmt. Aber
verlasst Euch nie auf den Hersteller. Die Verschmutzung des Laufs wird durch den ersten
Schuss gereinigt. Dies erzeugt eine Schwächung des Impulsgeschosses und der Lauf erhitzt
sich. Außerdem säubert der Schuss nie den ganzen Lauf. Also vergesst den Hersteller. Bis ihr
den Gegner ernsthaft erwischt, ist Eurer M16 heißgelaufen.“ Mit diesen Worten setzte Terag
die Waffe wieder zusammen. Dies tat er in einer unglaublich schnellen Geschwindigkeit.
Gregor war sich sicher, Terag konnte diese Übung mit verbundenen Augen und halb
bewusstlos in totaler Präzision vollführen.
Dann sah der Ausbilder auf. „Jetzt ihr!“
Es dauerte einige Zeit, bis sie die Kniffe heraus hatten, wie man das Gewehr schnell zerlegte
und wieder zusammen setzte. Terag zeigte ihnen noch einmal auf welche Stellen sie achten
mussten um eine Überhitzung zu vermeiden. Nach etwa zehn Durchgängen war Routine in
die Übung gekommen. Magazin entfernen, Magazin überprüfen, Magazineinschub entfernen,
Verschmutzungen entfernen, Lauf zerlegen, reinigen. Lauf zusammen setzten,
Magazineinschub nochmals kontrollieren und einsetzten. Magazin einschieben und wieder auf
den Tisch ablegen.

Terag verfolgte das Schauspiel. Nach einiger Zeit schaute er auf seinen Datenblock und
notierte sich etwas. Dann sah er auf. „Ihr lernt schnell. Wir liegen vor dem Zeitplan.“ Gregor
befürchtete, dass nun die Zeit für das Magazin aufladen gekommen sei. Er konnte sich nicht
vorstellen wie das bei diesen Magazinen bewerkstelligt wurde, aber es gab immer einen Weg,
da war er sich sicher. Doch es folgte etwas anderes. Terag zeigte auf die Schießstände. „Gut Seite 51
dann machen wir weiter. Nehmt ein M16 und versucht einmal damit zu treffen.“ Er grinste
verstohlen als alle vier etwas unbeholfen mit ihren Gewehren hantierten und Richtung
Schießstand gingen. Chris war der erste Schütze. Der Rückstoß ließ ihn beinahe das
Gleichgewicht verlieren und die erste knatternde Garbe von Geschossen prasselte gegen die
Höhlendecke. Terag kam näher. „Benutze deine Schulter um die Wucht abzufangen. Haben
alle seinen Fehler gesehen? Er versuchte aus der Hüfte zu schieße. Damit brecht ihr Euch
höchstens das Kreuz. Einen GDI Soldaten erwischt ihr so nie. Noch mal Mensk!“
Chris legte diesmal richtig an und die Geschosse rissen große Löcher in die Pappmänner,
welche GDI Soldaten darstellten. „Ganz gut“ sagte Terag. „Zielt auf den Torso des Gegners.
Auch wenn das Gewehr noch so bockt, ihr werdet irgendetwas vom Feind treffen. Diese
Waffe ist nicht für Kopfschüsse gedacht. Obwohl …“ er verstummte und nahm Gregor das
M16 aus der Hand. Er legte an und schoss. Zwei kleine Löcher im Kopf des Soldaten zeigten
sich. Er reichte das M16 wieder Gregor und schaute auf seine Rekruten. „… Obwohl es
möglich ist.“
Die vier Rekruten starrten auf die zwei Löcher, bis der Ausbilder sie aus ihrer Trance holte.
„Panterre, nun mach schon.“ Gregor zuckte zusammen und legte dann ebenfalls an. Das leise
Summen, das mit dem Auswechseln der Pappsoldaten einher ging, war gerade verstummt, da
schoss Gregor. Er spürte das Hämmern des Gewehres in seinem ganzen Körper. Die Stöße
hämmerten gegen seine Schulter, aber er hatte den Soldaten getroffen. Nicht immer, aber er
hatte seine Schussbahn immer wieder korrigieren können. Dann setzte er das Gewehr ab. Der
Ausbilder nickte knapp. „Etwas mehr Konzentration und du triffst öfter.“ Gregor nickte
stumm und versuchte den Schmerz in seiner Schulter zu unterdrücken. Phillip und Samuel
erzielten ähnlich gute Ergebnisse, aber auch ihnen war der Schmerz anzusehen, der in ihrer
Schulter pochte.
Der Ausbilder baute sich wieder vor ihnen auf und schaute auf seinen Datenblock.
„Erstaunlich“ murmelte er und schaute auf seine Armbanduhr. „Meine Herren. Ich sehe
gerade, dass wir immer noch 30 Minuten vor der Zeit sind. Sie dürfen zur Kaserne
zurückkehren und in die Kantine gehen. In einer Stunde sind sie wieder auf dem
Exerzierplatz.“
Freudig machten sich die Vier auf den Weg durch den Tunnel. Es war noch ein weiter Weg,
aber sie würden ihn schnell zurück gelegt haben. Sie hatten alle großen Hunger. Gregor
fluchte laut als der Schmerz in seine Schulter noch zunahm. „Bei Mordechai*. Das tut echt
weh.“ Die Anderen stimmten ihm zu. „Ich vermute das gibt sich mit der Zeit“ bemerkte
Phillip, nur um ein schnauben von Chris zu ernten. „Das hoff‘ ich doch!“
(*Mordechai: Legendärer General unter Kane. Sein Ruf ist vergleichbar mit dem Rommels)
Der Speisesaal war noch relativ leer. Einige ältere Rekruten standen beisammen und schauten
erstaunt zu den Grünschnäbel, sie so früh hier auftauchten. Die Vier störte das wenig. Sie
aßen einen seltsamen Eintopf, der heute auf der Karte stand. Die Karte behauptete es wäre
Nudeleintopf, aber das konnte nicht stimmen. Gregor war sich sicher, so eine Farbe bisher nur
von Erbrochenem kannte. Aber da es heute höchstwahrscheinlich nichts anderes mehr gab,
aßen sie so viel wie möglich davon. Während sie mit dem Eintopf beschäftigt waren,
unterhielten sie sich über die Schießübungen.
„Ich kann es nicht glauben. Wie kann man so gut schießen. Man hat nur zwei Einschusslöcher
gesehen“ begann Samuel. „Hmm … so wie sich meine Schulter anfühlt, braucht man eine
Menge Konzentration und Kraft um das M16 überhaupt ruhig zu halten. Aber dann auch noch
den Kopf zu treffen. Ich bin total platt“ stellte Phillip fest. Die Unterhaltung drehte sich noch
einige Zeit um das M16 Gewehr, aber dann war es Zeit wieder auf dem Exerzierplatz zu
erscheinen.
Ihr Ausbilder wartete schon auf sie und studierte einen Datenblock. Als sich die Vier vor ihm
aufstellten, schaute er auf und lächelte. „Schön. Dank ihrer außergewöhnlich guten Leistung Seite 52
wurde ihr Ausbildungsprogramm gestrafft. Ich denke es wird für sie Zeit wieder einmal die
Oberfläche zu sehen.“ Gregor schluckte schwer als er das hörte. War das sein ernst? Sie
sollten schon jetzt an die Oberfläche? Das Ausbildungsprogramm schien tatsächlich für sie
sehr gestrafft worden zu sein
Terag schaute befriedigt auf die eingeschüchterten Rekruten. Schließlich drehte er sich um
und sie trabten zu einem größeren Tunnel. Dieser Tunnel stellte sich als Depot heraus. Man
ging von Schalter zu Schalter und nahm seine Einsatzausrüstung entgegen. Sie stellten sich in
einer Reihe auf und liefen an den vergitterten Schaltern entlang. Zuerst wurde jedem ein
Anzug ausgehändigt. Er war robuster als ihre Ausbildungsanzüge. Der Anzug war dick und
Gregor spürte die dünnen Kevlarplatten im Futter des Anzuges. Zum Anzug gab es einen
Helm. Dieser hatte eine integrierte Funkeinheit und eigene Luftzufuhr, falls die Truppe durch
verseuchtes Gebiet musste. Schließlich händigte man ihnen am zweiten Schalter Gürtel,
Rucksäcke und ähnliche Dinge aus. Darunter auch Tiberiumbrandsalbe und Notrationen. Nun
erreichten sie einen Umkleideraum. Alle legten ihre Anzüge an und klemmten sich die Helme
unter den Arm. Terag wies auf die Helme. „Aufsetzten und Kommunikation testen!“ Alle
schoben sich die Helme über den Kopf. Dann erklang die Stimme von Terag aus einem
kleinen Lautsprecher im Helm. „Im Namen von Kane!“ Einer nach dem Anderen antwortete.
„Kane lebt im Tode!“ „Gut, nehmt die Helme ab“ sagte Terag. Er erklärte nun die
Einzelheiten des Anzuges und des Helmes. „Der Anzug wird Titanpanzer genannt. Aber im
Grunde besteht fast komplett aus Kevlar. Nur ein kleiner Prozentsatz ist aus Titan. Der Anzug
würde schlicht zu schwer. Kevlar wurde entwickelt um Projektilgeschosse abzuwehren und
das Opfer mit Prellungen davon kommen zu lassen. Es stellte sich heraus, dass auch
Impulsgeschosse das Kevlar nicht leicht durchdringen können. Das Kevlar leitet die Energie
ab. Allerdings verbrennt dabei immer ein Teil der Panzerung. Also dauert es nicht lange bis
ihr wirklichen Schaden nehmt. Niemand ist Unverwundbar!“ Der Ausbilder schaute jedem
einzeln ins Gesicht und wartete auf ein Nicken, dann fuhr er fort. „Der Helm ist Luftdicht und
wird Euch vor allen Giften in der Luft schützen. Aber der Luftfilter hat zwei Schwächen.
Längerer Aufenthalt im Tiberium lösen ihn ebenso auf wie das Tiberiumgas mancher
Mutationen. Also haltet Euch von beidem fern. Ok, weiter!“
Die Gruppe ging durch eine Tür am Ende des Umkleideraumes und hinterlegte dort ihre
Sachen. Jeder bekam eine Metallmarke ausgehändigt. Gregor wog die Metallplatte an seiner
Kette in der Hand. Das Metall war matt schwarz lackiert. Eine Reihe gestanzter Löcher teilte
das Metall in zwei Hälften. Jede Seite trug die selben rote gestanzte Kennziffer. Er ballte die
Hand zur Faust und hängte sich die Hundemarke dann um den Hals. Nach einigen Schritten
waren sie an der Waffenausgabe angekommen. Gregor war überrascht, als jeder von ihnen ein
M16 Gewehr erhielt. Zudem drei Reserve Magazine, die sie in ihrem Gürtel verstauten. Terag
nahm sich mehr als nur ein M16 Gewehr. Der alte Mann hinter dem Schalter drückte ihm
zusätzlich noch eine Glock 2010 in die Hand. Ebenso hierfür zwei Reservemagazine. Dann
murmelte der alte Mann zu Terag: „Hmmm. Sind die nicht noch zu grün für die Oberfläche
Terag?“ Terag schüttelte den Kopf. „Sie sind bereit, da bin ich sicher.“ Der alte Mann nickte
nur und drehte sich um. Er stand auf und enthüllte dabei eine Beinprothese aus schwarzem
Metall. Sie surrte leise als er auf ein Regal zuging. Dort blieb er stehen und runzelte die Stirn.
Nach einigen Sekunden hatte er gefunden was er suchte und zog eine Schachtel aus dem
Regal. Er kam mit zwei schwarzen Eiern zurück. „Ich denke die nimmst du besser. Nur für
alle Fälle“ sagte er zu Terag. Dieser nickte widerwillig und hängte sich die Handgranaten
ebenfalls an den Gürtel.

Die Waffen geschultert stapften sie durch einen langen breiten Gang. Der Gang war sauber
und aus Beton. Auf dem Boden waren verschiedenfarbige Linien angebracht die ab und an in
einen Seitengang abzweigten. Die Ausrüstung klapperte leise als sie so in Formation auf eine Seite 53
dicke Türe zusteuerten. Auf der Tür war das Logo der Bruderschaft angebracht. Nur eine
farbige Linie verschwand unter der Tür. Der Ausbilder zückte wieder seine Magnetkarte und
schob sie in eine Kontrollbox. Eine Bestätigung piepte und ein leises zischen erklang, als sich
die Tür öffnete.
Gregor staunte über den Anblick, der sich ihnen hier auftat. Ein großer Hangar lag vor ihnen.
Etwa zwanzig Parkbuchten umfasste der Hangar durch den sich ein Tunnel zog. Jeweils zehn
Parkbuchten befanden sich auf jeder Seite des Tunnels. Hoch über ihnen verliefen schmale
Stege über die Straße in der Mitte. Überall war geschäftiges Treiben zu beobachten.
Mechaniker warteten zwei BMTs auf der anderen Seite. Eine andere Gruppe schien gerade
angekommen zu sein. Sie waren verschmutzt und sahen müde aus. Einer der Soldaten wurde
gestützt und als sie näher kamen, sah Gregor warum. In seiner Schulter klaffte ein großes
Loch. Der Medipack der auf die Schulter gepresst wurde, war durchweicht von Blut und
einige Tropfen platschten auf den Betonboden. Terag schien das nicht zu beeindrucken. Er
steuerte auf einen weiteren BMT in den Buchten zu. Seine Rekruten folgten ihm, aber ihre
Blicke waren auf den Verwundeten gerichtet, der von seinen Kameraden an ihm vorbei
getragen wurde. Als sie ihn passierten schaute der Soldat auf und lies seine Zähne sehen. Sie
waren rot vom Blut und gaben seinem seltsamen Blick noch mehr Wirkung. „Für Kane!“
stieß er hervor und sackte dann wieder etwas zusammen. Gregor schluckte hart und zwang
sich weiter zu gehen.
Sie bestiegen den BMT und warteten auf ihren Ausbilder. Er besprach gerade den Zielort mit
dem Fahrer. Dieser schien wenig begeistert darüber zu sein sie an diesen Ort zu bringen.
Leise vibrierte der BMT als er durch die Tunnels fuhr. Terag hatte sich auf den fünften Sitz
im Mannschaftsraum gesetzt und sein Datenblock gezückt. Dieser Sitz war ihnen gegenüber
und so saß Terag mit dem Rücken zum Cockpit. Er machte einige Notizen und schien sich
etwas durchzulesen. Dann schaute er plötzlich auf und musterte seine Rekruten die ihn
gespannt ansahen. Er nickte und sagte: „Gut, alles herhören. Einsatzbesprechung. Wir werden
in etwa fünfzehn Minuten aus dem Tunnel in eine Seitenbucht ausweichen. Von dort an wird
es etwas ruppiger. Der BMT wird sich durch Gestein bohren müssen um uns nach oben zu
bringen. Wenn wir dort sind, steigen wir unverzüglich aus. Die GDI hat keine Ahnung von
unseren Untergrund Einheiten und so soll es auch bleiben. Wir landen in einer kleinen Ebene.
Im Norden befindet sich ein kleiner GDI Außenposten, der einen Wald beobachtet, der
mutiert ist. Wir sehen uns die Sache ebenfalls an. Wir werden dabei lernen wie man sich
verhält, wenn man auf Tiberium trifft und was noch wichtiger ist, wir werden sehen wie sich
Tiberiummutationen verhalten, wenn auf sie geschossen wird. Alles weitere vor Ort.“ Dann
schaute er wieder auf seinen Datenblock und studierte irgendeinen Text.
Gregor musste seinem Ausbilder recht geben. Es wurde tatsächlich ruppig. Mit lautem
Dröhnen bohrte sich der BMT durch eine Felsschicht. Sie wurden durch die
Aufwärtsbewegung des BMT in ihre Sitze gepresst. Terag hatte seinen Sitz kurz vorher von
ihnen weg gedreht und sich ebenfalls in eine bequemere Lage gebracht. Sonst hatte er wie ein
Sack Sand in den Haltegurten gehangen, aber die Konstrukteure hatten auch an den
Kommandeur einer Gruppe mit seinem Sitz gedacht. Erst als das Fahrzeug lockeres Erdreich
erreichte ebbte das Dröhnen etwas ab. Das schütteln wurde merklich weniger und dann bockte
das Fahrzeug plötzlich auf, als die Grabwerkzeuge ins Leere griffen. Mit einem weiteren
Ruck kam das Fahrzeug wieder in normale Lage. Sie lösten ihre Gurte und setzen sich die
Helme auf. Dann nahmen sie ihre Gewehre aus den Haltern an der Wand. Während sich
zischend die Luke öffnete und einen ersten Schwall Luft von außen in den Raum ließen,
kontrollierten sie ihre Waffen. Überall klickte es leise, als nochmals die Magazine überprüft
wurden. Gregor roch die frische Luft und rammte freudig das Magazin in das Gewehr. Er
hatte nicht gedacht, dass er die frische Luft so vermisst hatte. In Formation schritten sie aus
der Luke. Gregor schaute in die Eben die sich vor ihnen auftat. Sanfte Grashügel erstreckten Seite 54
sich über einige Kilometer um dann in höhere Berge überzugehen. In der Ferne glitzerte etwas
grünlich in der Nachmittagssonne. Gregor konnte sich denken, dass es Tiberium war. Das
Komm knisterte. „So meine Herren. Nur weil sie gut sind, sollte keiner glaube, unsterblich zu
sein. Alles hört genau auf mein Kommando. Niemand tut auch nur einen Schritt ohne meine
Erlaubnis! Ist das Klar?“ Die Bestätigungen kamen im Sekundentakt. Auch Gregor antwortete
mit einem: „Ja Sir!“
Kasian stand vor seinem Panoramafenster und schaute in das Tal. Die Nachmittagssonne lies
die Bäume des Waldes in all seinen grünen Facetten aufleuchten. Er lies seinen Blick über das
Dorf schweifen, welches sich so friedlich in dem kleinen Tal versteckte. Hier war die Welt
scheinbar noch in Ordnung, stellte Kasian fest. Als er leise Schritte auf dem Marmorboden
näher kommen hörte, schaltete er die Übertragung ab und das Bild verschwand. An dessen
Stelle trat der Blick auf die Höhlenstadt unter ihm.
Er drehte sich um und setzte sich wieder an seinen Schreibtisch. Nach einigen Sekunden
klopfte es an der Tür. „Kommen sie rein Sander“ rief Kasian und startete eine Kalkulation auf
seinem Display. Die Kalkulation befasste sich mit der Tiberiumförderung der Hauptbasis.
Kasian runzelte die Stirn und studierte die Zusammenfassung der letzten zwei Monate. Sie
waren ertragreich gewesen. Ein Plus von zehn Prozent in der Produktivität. Es schien keiner
auch nur den Hauch einer Vorstellung zu haben wie kompliziert es war, all die Zahnräder im
Getriebe seiner Organisation am laufen zu halten. Überall gab es Probleme und nun schien
auch noch Wulf Ärger zu machen.
Sander kam an den Arbeitstisch und brachte einen Stapel Datenblöcke. „Was haben wir heute
alles Sander?“ Sander räusperte sich und sah dann auf seinen Notizblock. „Nun, wir haben
eine Übertragung aus Österreich erhalten, Sir. Einer unserer Spione scheint etwas
ausgegraben zu haben. Dann haben wir hier den Wochenbericht der Technologie Zentren.
Hmm mal sehn, ah hier ist der erste Report des Ausbilders Terag den sie angefordert haben
und hier ist eine Petition des Basiskommandanten aus Frankfurt.“ Sander legte den Stapel auf
den Tisch und wartete. Kasian griff nach dem obersten Datenblock. „Interessant“ murmelte er
und überflog erneut den Bericht des Spions. „Sander, ich denke Wulf hat ernsthafte Probleme.
Es hat den Anschein, als würden einige seiner Vorposten kaum noch Ressourcen bekommen.“
Er machte eine kurze Pause und runzelte die Stirn. „Ach sieh an. Eine kleine Gruppe, die ihm
Feindlich gesinnt ist. So, so. Unser Spion behauptet, dass Wulf sich in der Po Ebene schwere
Kämpfe mit einigen anderen Gruppen liefert. Selbst die GDI scheint inzwischen aufmerksam
geworden zu sein und verlegt Einheiten in das Gebiet. In Pressemitteilungen heißt es, einige
verfeindete Familien würden sich bekämpfen. Na wie äußerst elegant umschrieben.“ Er legte
den Datenblock wieder auf den Tisch und schürzte nachdenklich die Lippen. „Kein Wunder,
dass er unsere Hilfe wollte.“
„Sir, wenn ich mir die Bemerkung erlauben dürfte…“ Kasian hob den Kopf und sah Sander
an. „Aber natürlich. Was denken sie?“ Sander schien unruhig zu werden dann fasste er sich.
„Nun Sir. Ich könnte mir vorstellen, dass Wulf sich seinen Mangel an Ressourcen anderweitig
ersetzten will und nun, wir wären wohl sein Ziel.“ Kasian musterte seinen Adjutanten und
nickte dann. „Da könnten sie recht haben. Ich denke aber, alle unsere Transporte und Depots
werden ausreichend bewacht. Er kann sich keine großen Einsatzgruppen leisten. Die
Mehrzahl seiner Verbände sind in Italien gebunden.“
Der Adjutant nickte stumm, auch wenn er eine andere Meinung zu haben schien. Er reichte
Kasian die Petition des Basiskommandanten. Dieser überflog den Datenblock und lächelte
dann. „Helmer bittet also darum, dass ihm mehr Panzer zugeteilt werden. Natürlich die neuen
Maulwurfpanzer.“ Sander nickte eifrig. „Ja Sir, er befürchtet einen Angriff der GDI auf seine
Sammler.“ Kasian lächelte nur und drehte seinen Sessel zu Sander um. „Sie müssen noch viel
lernen mein Junge. Helmer hat mehr als genug Truppen um seine Sammler vor einer kleinen
GDI Patrouille zu schützen. In seinem Areal gibt es nicht annähernd genug GDI Soldaten um Seite 55
ihm Angst zu machen.“ Sander schaute verwirrt auf den Datenblock. „Aber warum will er
dann mehr Truppen?“ Kasian schüttelte leicht den Kopf. „Ach Helmer war noch nie der
treuste Gefolgsmann der Organisation. Es ist eine Schande, wie manche Menschen an der
kurzen Leine gehalten werden müssen, damit sie die Lehren Kanes befolgen.“ Sander schaute
erstaunt auf den Datenblock und dann wieder in das Gesicht von Kasian. „Glauben sie er
versucht sich selbständig zu machen Sir?“ Kasian setzte wieder ein Lächeln auf und nickte.
„Ich denke mehr als die Hälfte meiner Kommandanten würde gern ihr eigener Anführer sein,
aber sie brauchen jeweils die anderen und MICH. Ich halte den Laden zusammen und das
wissen sie. Alleine wären sie schwach und würden gegen die GDI nichts ausrichten können.“
Dann drehte Kasian seinen Sessel wieder zum Schreibtisch und betrachtete den Report von
Terag. Die Augen von Kasian weiteten sich. „Haben sie das schon gelesen Sander?“ fragte er
leise. „Äh nein. Es kam gerade erst herein. Warum Sir?“ Kasian lehnte sich in seinem
schwarzen Sessel zurück. Der Sessel knarrte leicht unter der Belastung, hielt aber der
plötzlichen Verlagerung stand. „Terag unternimmt mit seinen Rekruten einen
Oberflächenlehrgang.“ Sander schaute erstaunt auf den Datenblock. „Aber ist das nicht viel
zu früh? Das steht doch erst nach zwei Wochen auf dem Plan.“ Kasian nickte und lehnte sich
wieder nach vorn. „Ich wies ihn an, meinen Sohn und diese Gruppe etwas schneller
auszubilden. Aber ich wusste nicht, dass er unter schnell, rasant versteht.“ Sander studierte
den Text genauer. „Sir hier steht, dass die Leistungen der Gruppe außergewöhnlich seien.
Sowohl im Teamgeist wie auch in den Meisten anderen bisher absolvierten Tests.“ Kasian
runzelte die Stirn und betrachtete den Text abermals. „Unglaublich“ murmelte er
nachdenklich. Nach einigen Minuten der Stille räusperte sich Sander. Kasian schreckte aus
seinen Gedanken. „Ach ja, der Wochenbericht.“
Er ging den Wochenbericht der Wissenschaftler durch und schüttelte den Kopf. „Sie haben
immer noch keine Ergebnisse erzielt. Was für ein Sauhaufen“ fluchte er. „Es scheint
zumindest, dass sie Fortschritte mit der Stealthtechnologie gemacht haben“ bemerkte Sander
und deutete auf ein Diagramm. „Ja das haben sie. Aber es ist nicht zu gebrauchen. Was nützt
es mir wenn ich meine Waffenfabrik vor dem Radar tarnen kann, aber neben der Fabrik
zwanzig Kraftwerke benötige um die Energie zu liefern?“ Sander nickte. „Sie werden sehen,
in einigen Monaten werden wir ein Tarnfeld errichten und auf der Oberfläche operieren ohne
die Aufmerksamkeit der GDI zu erregen.“ Kasian lächelte und schaute Sander in die Augen.
„Im Endeffekt sollten sie aber auf uns Aufmerksam werden.“
Gregor schob einen großen Büschel Gras aus dem Weg und richtete seinen Blick auf das
Tiberiumfeld vor ihnen. Sie waren mehrere Kilometer gelaufen bis sie in die Nähe des Feldes
gekommen waren. Als sie sich dem Feld näherten, waren sie nur noch auf dem Boden entlang
gerobbt. Nun erkannte er den Grund für das Anschleichen. Eine kleine Herde Tiberiumteufel
befand sich im Feld und schien sich zu Sonnen. Einige lagen müßig auf den Kristallen und
verschwanden so fast völlig. Ihre von Kristallen bedeckten Rücken tarnten sie vorzüglich.
„Das sind Tiberiumteufel. Sie sind aggressiv, wenn sie ihren Wurf verteidigen, wenn es um
ihr Revier geht und im Grunde immer wenn man sich ihnen nähert“ erklärte Terag. Gregor
konnte das sadistische Lächeln beinahe durch den Helm scheinen sehen. Er wusste,
irgendetwas hatte Terag vor.
Dann hob Terag die Hand. Seine Handfläche war ausgestreckt und wies damit alle an unten
zu bleiben. Nach einigen Minuten glaubte Gregor in seinem Anzug zu ertrinken. Er schwitzte
in der Nachmittagssonne und die schwarzen Anzüge waren dabei nicht unbedingt eine Hilfe.
Große Schweißtropfen versuchten sich ihren Weg über die Augenbrauen in Gregors Gesicht
zu bahnen. Dies trieb ihn fast in den Wahnsinn. Gregor fluchte in sich hinein und überlegte
sich eine Möglichkeit ohne den Helm abzunehmen, den Schweiß aus dem Gesicht zu
bekommen. Aber es fiel ihm kein möglicher Weg ein und so war er all die Minuten damit
beschäftigt sich zu beherrschen und nicht einfach aufzuspringen und sich der verfluchten Seite 56
Helm vom Kopf zu reißen. Irgendwann vernahm er in der Ferne ein leises Brummen von
Motoren. Terag hatte es offensichtlich längst lokalisiert als Gregor versuchte die Richtung des
Lärms auszumachen. Der Ausbilder hatte sich auf die Ellbogen gestützt und hob ein Fernglas
an sein Gesicht. Gregor schaute ungläubig. Terag hatte sein Visier die ganze Zeit offen
gehabt. Kein Schweißtropfen war in seinem Gesicht. Er schaute sich nach seinen Kameraden
um, aber die sahen genauso verschwitzt und belämmert aus wie er. Dieser Mistkerl hatte sie
reingelegt.
Sie beobachteten einen kleinen Konvoi der GDI. Ein alter BMT mit dem Schwenk-MG auf
dem Dach, sowie zwei LKWs. Ein kleinen Jeep eskortierte den Konvoi. Die polterten über
einen Feldweg nahe dem Tiberiumfeld. Terag drehte sich zu seinen Rekruten um und das
breite Grinsen auf seinem Gesicht verhieß nichts gutes. Er klappte sein Visier herunter und
verstaute das Fernglas wieder in einer Tasche. Dann erklang seine Stimme über das Komm.
„So meine Herren. Jeder gibt einen Feuerstoß auf die Teufel im Feld ab. Ich möchte sehen,
dass jeder Teufel getroffen wird. Aber tötet sie nicht, wir wollen nur ihre Reaktion
beobachten und daraus lernen.“
Alle Vier kontrollierten ihr M16 Gewehr nochmals. Der kleine Schlitz im schwarzen Magazin
leuchtete blau und gab so die Meldung ab, dass es voll sei. Sie visierten die Mutationen an.
Terag hob ebenfalls sein Gewehr und zielte. Schließlich, nach nervenaufreibenden Sekunden
kam der Befehl aus dem Komm. „Feuer!“
Fünf kurze Feuerstöße lösten sich aus den kleinen Hügeln neben dem Tiberiumfeld und trafen
einige Teufel. Eines der Tiere brach zusammen, die restliche Herde brüllte panisch auf. Der
GDI Soldat auf dem Jeep drehte gerade sein MG in die Richtung der Tiere, als diese wie wild
auf den Konvoi zu stürmten. Er rief panisch etwas in sein Komm und der Jeep versuchte
auszuweichen. Doch die Tiere waren zu schnell und griffen an. Große Tiberiumkristalle
prasselten gegen die Fahrzeuge des Konvois. Ein Tiberiumteufel rammte auf seiner wilden
Flucht den BMT und warf diesen um. Der Teufel war bis zu den Schultern in die Karosserie
eingetaucht und sein Hinterteil ragte nun schlaff in die Höhe.
Ein Geschoss der Teufel musste etwas explosives erwischt haben, denn plötzlich detonierte
einer der LKWs in einem großen Feuerball. Als sich der Feuerball wie in Zeitlupe ausbreitete
erfasste er auch den anderen LKW welcher von der Fahrbahn abkam und im Graben liegen
blieb. Der Jeep versuchte immer noch zu fliehen und sein Motor heulte laut auf, als der Fahrer
versuchte Gas zu geben. Der GDI Soldat am MG des Jeeps fiel schlaff herunter, als sich ein
großes Geschoss tief in seine Brust bohrte. Der Jeep kam ins schlingern und fuhr dann gegen
einen der wenigen Bäume am Wegrand. Auch er explodierte beim Aufprall in einem kleinen
Feuerball.
Die Rekruten duckten sich tiefer in das Gras, als einige Splitter von der Explosion herüber
flogen. Zwei große Metallfragmente landeten knapp neben Phillip. Er schnappte erschreckt
nach Luft um sich dann fester auf den Boden zu pressen. Dann erklang die Stimme des
Ausbilders im Komm. „Das hätten wir. Die Exkursion: Tiberium Mutationen ist hiermit
beendet. Rückzug.“
So robbten sie wieder zurück zu ihrem Ausgangspunkt. Nach einigen hundert Meter auf dem
Boden gab Terag den Befehl zum Aufstehen. Nun liefen sie sehr schnell über die Ebene in die
Richtung aus der sie gekommen waren. In der Ferne hörten sie bereits das typische Geräusch
von Rotoren, welche von einem Helikopter stammen mussten. Gregor vermutete, dass es sich
um einen Rettungsheli handelte, der zum Unglücksort unterwegs war.
Nach einiger Zeit erreichten sie den Ort, an dem sie ausgestiegen waren. Die Erde war dort
aufgewühlt, aber der BMT war nirgends zu sehen. Terag zog ein kleines schwarzes Kästchen
aus dem Gürtel und drückte einige Tasten. Nach drei Minuten spürten sie ein leichtes
Vibrieren in der Erde. Dies verstärkte sich von Sekunde zu Sekunde und ein Dröhnen kam Seite 57
hinzu. Dies musste der BMT sein. Tatsächlich brach plötzlich das Fahrzeug aus der Erde.
Gregor schien sich an Bilder aus dem Fernsehen erinnert. Bilder von ausgestorbenen Tieren.
Das Fahrzeug erinnerten ihn an Wale die wie große Raketen aus dem Meerwasser brachen um
dann platschend wieder in ihr zu versinken. Nur diese Fahrzeug wurde von der Oberfläche
getragen und öffnete sogleich seine Einstiegsluke. Aus dem Inneren hörte man den Fahrer.
„Man macht schon, ich hab mehr Signale von GDI Truppen auf dem Schirm, als ihr Euch
Zecken eingefangen habt. Was zum Teufel habt ihr angestellt?“
Sie sprangen schnell in den BMT und noch bevor sie alle richtig saßen, bohrte sich der BMT
wieder in die Erde.

Die Fahrt zurück in den Tunnels verlief still. Niemand sagte etwas. Der Ausbilder hatte
wieder seinen Datenblock gezuckt und notierte etwas. Die vier Rekruten starrten stumm auf
den Boden. Alle machten sich ihre Gedanken über das Vergangene. Gregor konnte sich
denken was Phillip als nächstes sagen würde, wenn er sich trauen würde die Stille zu
durchbrechen. Dies ist der vierte Tag, richtig? Ein Kampfeinsatz am vierten Tag. Gregor
verzog sein Gesicht zu einem Lächeln. Sie waren nicht mehr so grün wie er gedacht hatte.
Als sie den Hangar erreichten, hatte sich das Adrenalin aus ihrem Blut zurück gezogen und
nur die Müdigkeit zurückgelassen, die solch einem Einsatz folgte. Im Grunde hatten sie Glück
gehabt dachte Gregor, als er sich an den verletzten Soldaten erinnerte, den sie bei ihrer
Abfahrt gesehen hatten. Keiner hatte sich verletzt. Der Feind hatte einen Totalverlust erlitten
und sie hatten auch noch gelernt was es bedeutete einen Tiberiumteufel wütend zu machen.
Sie stiegen aus dem BMT und gingen auf die Stahltür mit dem Logo der Bruderschaft zu. Nun
wiederholte sich ihr Gang vor der Abfahrt in umgekehrter Reihenfolge. Sie gaben ihre Waffen
und Magazine ab. Der alte Mann hinter dem Schalter lächelte Terag an und nickte ihm zu.
Nachdem sie Anzüge wieder gegen ihre normalen Rekrutenanzüge getauscht hatten, bemerkte
Gregor, dass sie immer noch die Hundemarken trugen. Diese Marken würden wohl von nun
an ihr ständiger Begleiter werden. Es war spät als sie schließlich in der Baracke ankamen.
Allen wollten nur noch schlafen und so dauerte es auch nicht mehr lange, bis Stille in der
Baracke herrschte. Keine Unterhaltung über das Erlebte, keine Verwunderung mehr über
Terag, ihren Ausbilder. Nur Müdigkeit.
4
Es war unfair. Schlicht unfair, dachte Gregor als ihn die Alarmglocken aus dem Schlaf rissen
und das Trommelfell strapazierte. Er drehte sich noch einmal auf seinem Feldbett um und
versuchte wieder einzuschlafen. Dann registrierte er, dass der Alarm kein Traum war.
Sogleich sprang er auf. Er schaute in die Runde. Die Anderen waren ebenfalls aufgesprungen
und zogen sich bereits an. Gregor begann das Selbe zu tun.
Die Alarmglocken plärrten noch einige Zeit weiter. Gregor und seine Kameraden waren zu
dieser Zeit allerdings längst aus der Baracke gestürmt. Es musste ein echter Alarm sein, da
waren sich alle sicher. Soviel wussten sie inzwischen von Ausbildungsverfahren. Würde es
eine Probe sein, würde ihr Ausbilder vor der Baracke auf sie warten. Aber dies war nicht der
Fall. Ganz im Gegenteil.
Terag rannte zusammen mit seinen Kollegen aus den Unterkünften der Ausbilder, etwa zur
selben Zeit wie die Rekruten aus ihren Baracken stürmten. Das Chaos schien perfekt. Alles
lief durcheinander und überall wurden Befehle gebrüllt. Aber dem war nicht so. Alle Rekruten
waren inzwischen so geübt, dass sie ihren Platz auf dem Exerzierplatz kannten und sich dort
aufstanden. Die Ausbilder standen kurz in einer kleinen Gruppe zusammen und starrten auf
eine Kommunikationseinheit. Jeder hob einen Datenblock in der Hand und schien sich Seite 58
Informationen zu übertragen, während sie jemandem lauschten. Dann schwärmten sie aus und
bellten ihren Rekruten Befehle zu.
Auch Terag lief schnell auf seine Truppe zu. „Gefechtsalarm. Jemand greift die
Versorgungstunnels im Westen an. Mitkommen!“ Es blieb ihnen keine Zeit sich näher
Gedanken über die Worte ihres Ausbilders zu machen. Sie folgten ihm als er auf einen
Truppentransporter zusteuerte. Diese Fahrzeuge wurden nicht in Kampfeinsätzen verwendet.
Sie wurden ausschließlich zum Transport von Nachschub benutzt. Sie sprangen zusammen
mit zwei oder drei anderen Gruppen auf die Ladefläche. Kaum hatte der letzte Rekrut unter
den bellenden Befehlen seines Ausbilders die Laderampe erreicht, da gab der Fahrer des
Wagens Gas. Ein Ruck ging durch das Fahrzeug und schüttelte sie alle durch, dann waren sie
auf dem Weg. Nach kurzer Zeit erreichten sie einen Tunnel, der in den Höhlenboden führte.
Das Fahrzeug bremste ab und die gesamte Truppe sprang herunter. Mit eiligen Schritten
liefen sie hinter ihren Ausbildern her, welche sie in den Tunnel führte.
Es stellte sich schnell heraus, dass es ein Depot war. Innerhalb von wenigen Minuten steckten
sie alle in Kampfanzügen und hatten ein M16 Gewehr geschultert. Andere Gruppen eilten
bereits wieder nach draußen, aber Terag hielt seine Rekruten auf. „Stopp! Kein Einsatz ohne
die Lage zu kennen.“ Er trat an die graue Betonwand des Depots und zog aus irgendeiner
versteckten Tasche ein kleines Stück Kreide. Er umriss mit der Kreide einen Tunnel. Auf
einer Seite stellte er den Ausgang zur Basis dar. Dann runzelte er die Stirn und blickte auf
seinen Datenblock. Er drückte zwei Tasten und zeichnete fünf Rechtecke ein und versah sie
mit einem Pfeil der in Richtung Basis deutete. „Achtgeben meine Herren. Ich wiederhole
mich nur ungern. Dies ist der Versorgungstunnel Beta3. Ein Konvoi von Sammlern wird
gerade durch diesen Tunnel in die Basis gebracht um sie einer Routinewartung zu
unterziehen. Jemandem ist es offensichtlich gelungen die Bordmannschaften auszuschalten
und versucht die Sammler unter Kontrolle zu bringen.“ Terag lächelte. „Nun wir können uns
etwas Zeit lassen. Unser Angreifer muss die Sammler zuerst im Tunnel wenden, um sie
möglichst zügig zu entwenden.“ Er hob abermals die Kreide und zeichnete zwei Schächte ein,
die parallel zu dem Versorgungstunnel verliefen. Jeweils ein Schacht auf jeder Seite. „Dies
sind kleine Schächte, welche die Energieversorgung der umliegenden Tunnelbeleuchtungen
gewähren. Meine Kollegen haben diesem Detail keine Beachtung geschenkt. Ich denke das ist
ein Fehler.“ Er hob den Blick und schaute seinen Rekruten in die Augen. „Meine Herren. Dies
wird hart werden. Wir werden durch einen dieser Tunnel in den Rücken des Feindes gelangen
und den Versuch die Sammler zu entwenden im Keim ersticken.“ Er schwieg einen Moment.
„Im Namen von Kane!“ stieß er hervor. „Kane lebt im Tode!!!“ echote die Antwort von den
Wänden.
Gregor rutschte erneut von einem dicken Kabelstrang ab und verkniff sich einen Fluch. Sie
waren nun seit etwa zehn Minuten durch diese engen Schächte gekrochen. Nun zumeist hatten
sie geduckt laufen könne, aber an einigen Stellen hatte sich der Schacht durch Kabelbündel
dermaßen verengt, dass er sich schlecht vorstellen konnte, wie hier eine Technikercrew ihre
Arbeit tun konnte. Die Kabel schienen gut isoliert. Gregor hoffte dies zumindest, denn überall
drang Sickerwasser in den Schacht ein und machte die dicken Kabelstränge zu einer
rutschigen Angelegenheit. Wieder kam eine enge Biegung vor ihnen in Sicht und Gregor
fluchte leise über die sperrigen M16 Gewehre. Sie waren für ihr Vorwärtskommen sehr
hinderlich. Aber er wollte lieber keinen Gedanken daran verschwenden, was geschehen
würde, wenn sie hinter dem Feind auftauchten und ihn versuchten mit ein paar Kieseln aus
dem Tunnel zu bewerfen.
Sie schafften es dann doch ohne große Verzögerung durch die enge Kehre und durch die
dünne Wand zum Tunnel hörten sie Schüsse. Diese wurden immer lauter. Sie mussten bald in
der Gefechtszone sein. Terag, der die Spitze übernommen hatte schwenkte seinen kleinen Seite 59
Leuchtstab. Er hatte verboten die Schachtbeleuchtung zu aktivieren, was die Sache nicht
unbedingt leichter machte. Vor allem da nur er so einen Leuchtstab mitgenommen hatte.
Der Stab leuchtet in mattem roten Schein und erhellte den Schacht ein wenig. Immer wieder
spähte Terag durch kleine Schotts, die in den großen Tunnel führten. Gregor erkannte nun,
wie praktisch es war, dass jedes Schott eine kleine Sichtluke besaß, die sich von innen öffnen
lies. Nach weiteren fünf Minuten waren sie soweit vorgedrungen, dass sie neben sich im
Tunnel, dass laute Hämmern von Maschinengewehren hören konnten. Mehr konnten beide
Seiten nicht einsetzen. Eine Granate oder ein Sprengsatz hätte womöglich die Sammler zu
unnutzem Schrott verwandelt. Also lief das Gefecht auf einen Kampf, Mann gegen Mann
heraus.
Phillip glitt von wieder einmal von einem Kabel ab und knallte mit einem dumpfen Schlag
seitlich gegen den Fels. Terag drehte sich um und sein Gesicht zeigte wenig Begeisterung.
Phillip dagegen kämpfte mit sich, nicht vor Schmerz aufzuschreien. Sein Gesicht war verzerrt,
aber er rappelte sich auf und nickte zu seinen Kameraden. „Weiter, es geht schon“ presste er
heraus und hielt sich seine Schulter. Nach einigen Metern, hörten sie das laute Dröhnen der
großen Sammlermotoren. Sie schienen zum Teil in Bewegung, aber das Feuergefecht
übertönte alles und lies keine genauen Rückschlüsse zu. Terag stand inzwischen vor einem
weiteren Schott und schaute nach draußen. Er winkte seine Rekruten heran. „Sie benutzen den
vordersten Sammler als Deckung und Blockade. Er steht quer im Tunnel, damit die restlichen
Sammler ohne Gefahr abgeholt werden können. Wenn sie erst einmal aus den Tunnel um die
Basis raus sind, wird es schwer sein sie im Labyrinth der Tunnels zu lokalisieren. Sie werden
in Kürze dieses Schott passieren.“ Der Ausbilder zeigte seine Zähne, doch Gregor wollte nicht
glaube, dass dies ein Lächeln sein sollte. „Sie werden es zumindest versuchen.“
Kasian stürmte im Schlafmantel in sein Arbeitszimmer. Sein Adjutant sah müde aus, hatte es
aber offenbar geschafft in seine Uniform zu schlüpfen. Dennoch sah diese zerknittert und
faltig aus. „Was ist hier los?“ bellte Kasian. Sander schien schon eine Minute früher im Büro
eingetroffen zu sein. Er hatte den Videoschirm bereits aktiviert und einige Daten auf den
großen Schirm geholt. Als Kasian durch die Türe stürmte, drehte er sich zu ihm.
„Eindringlinge im Versorgungstunnel Beta3, Sir.“ Er drückte auf der Konsole und eine
Risszeichnung der Basis erschien. Dann zoomte das Bild auf den westlichen Rand der Höhle
und einen Tunnel. Rote Punkte zeigten an, dass schon fünf Einsatzgruppen vor Ort waren.
Fünf Rechtecke blinkten blau auf, schienen sich aber nicht viel zu bewegen. „Ist das einer
unserer Sammlerkonvois?“ stieß Kasian hervor. „Ja, Sir. Laut dem bisherigen Bericht wurde
die Eskorte sowie die Mannschaft der Fahrzeuge ausgeschaltet. Die Eindringlinge versuchen
derzeit die Fahrzeuge zu wenden und die Einsatztruppen in Schach zu halten“ beantwortete
Sander die Frage. Kasian betrachtete die Einsatztruppen genauer. Er drückte eine Taste und
sagte: „Cabal! Zeig mir die einzelnen Soldaten als Punkte.“ Eine mechanische Stimme
erklang und antwortete auf eine seltsame melodische Art: „Sofort Kasian.“
Das Bild zoomte noch näher an das Geschehen heran und die Punkte die Gruppen dargestellt
hatten, lösten sich in kleine Häufchen Punkte auf. Die Aufstellung der Gruppen war zumeist
schlecht gewählt, da einige der Soldaten hektisch ihre Position wechselten. Ein weiteres
Problem wurde Kasian bewusst, als er die Gruppen kurz überflog. Alle Einsatzgruppen
besaßen etwa fünf Soldaten. „Was sind denn das für Einsatzgruppen? Wer hat solch eine
schwache Gruppenzahl angeordnet?“ brüllte Kasian wütend. Sander beugte sich über die
Konsole und drückte einige Tasten. Auf dem Schirm erschien ein Fenster mit weiteren Daten.
„Nun, Sir. Ich denke das liegt daran, dass es Rekruten sind, wie es scheint.“ Kasian stampfte
wütend auf und starrte auf den Schirm. „Was im Namen Kanes, machen meine Rekruten da
draußen?“ Sander schaute von der Konsole auf. „Laut dem diensttuenden Offizier waren dies
die einzigen Truppen die auf die Schnelle am Einsatzort sein konnten. Verstärkung ist
unterwegs und sollte bald eintreffen.“ Sander betätigte eine weitere Taste und eine Seite 60
Ankunftscountdown erschien auf dem Schirm. Kasian starrte weiterhin auf den Schirm. „Das
ist zu lange. Bis dahin haben sie die Sammler längst in das Tunnellabyrinth gebracht.“
Terag versetzte dem Schott einen festen Tritt. Diese sprang mit einem metallenen Klirren auf
und gab den Weg in den Tunnel frei. Der Ausbilder sprang in den Gang und gab eine Salve in
Richtung der Angreifer ab. Die Geschosse leuchteten gelb im Tunnel, als sie in einer kurzen
Salve in die Richtung der Sammler rasten. Samuel stürmte hinter Terag aus der Tür. Beide
warfen sich auf den Boden und robbten auf die andere Seite des Tunnels. Die Sammler
stoppten aufgrund des plötzlichen Geschosshagels. Die Sammler hatten noch nicht
vollkommen gewendet und die Mannschaften versuchten nun fieberhaft Deckung zu finden.
Ein mutiger Soldat der Gegenseite raffte sich auf und kletterte auf das Dach des ersten
Sammlers. Er gab zwei Feuerstöße ab, die auf das Schott zielten, bevor Samuel ihn mit einer
Salve wieder vom Dach holte. Der Soldat knickte zuerst ein um dann seitwärts vom Dach des
Sammlers zu rollen. Dies war das Zeichen für die restlichen Rekruten. Sie stürmten aus dem
Schott und gaben kurze Feuerstöße ab. Sie suchten sogleich Deckung hinter einigen
Stützpfeilern des Tunnels, als ihr Feuer erwidert wurde. Gregor schaffte dies nur mit einem
großen Hechtsprung, da er sich zu weit hinaus gewagt hatte. Er fiel mit dem Kopf zuerst in
den staubigen Sand des Tunnelbodens. Aber dies rette ihm das Leben, denn dort wo er noch
eben gestanden hatte, schlugen die Geschosse des Gegners ein und der Tunnelboden glühte
matt. „Keiner spielt hier den Helden! Sonst erschieße ich ihn eigenhändig“ brüllte Terag zu
Gregor.
In Deckers Magen bildete sich ein Knoten. Wulf hatte gesagt, es würde keinerlei Probleme
geben. Es wären keinerlei Truppenverbände in der Nähe. Wulf hatte sich offensichtlich geirrt.
Decker lugte über seine Deckung und beobachtete wie die kleine Gruppe Soldaten einen
seiner Untergebenen vom Dach des Sammlers schossen. Sie waren genau in ihrem Rücken
aufgetaucht. Sie hatten keinerlei Fluchtmöglichkeit.
Decker wusste wie dringend sie die Sammler benötigten und nun schien alles wegen diesem
kleinen Hindernis zusammen zu brechen, was sie aufgebaut hatten. Natürlich stimmte es, sie
hatten Probleme. Der Griff nach der Po Ebene war ein Desaster gewesen und hatte sie sehr
viel gekostet, aber noch war es nicht vorbei. Sie hatten noch immer großen Einfluss in
Europa. Decker gab einen kurzen Feuerstoß ab und duckte sich abermals. Diese Aktion um
die Sammler zu entwenden, war schon die ganze Zeit mehr eine Verzweiflungstat gewesen,
aber nie hätte er gedacht, dass es so schief laufen konnte. Er schluckte schwer und gab dann
neue Befehle an seine Einsatzgruppe.
Gregor kauerte hinter einem dicken Stützpfeiler. In kurzen Abständen hämmerten immer
wieder Geschosse gegen den Betonpfeiler. Er hoffte nur, dass die Konstruktion solide war,
denn sonst würde dieser Tunnel ein sehr unangenehmer Ort sein. Abermals kontrollierte er
sein Magazin. Es leuchtete in einem matten Blau und schien förmlich danach zu schreien, an
dem Feuergefecht teil zu nehmen. Gregor gab dem Magazin nach und lehnte sich etwas vor
und hob sein M16. Er lies eine kurze Salve gegen die Deckung der Diebe prasseln und zog
sich dann wieder zurück. Es geht lediglich darum sie aufzuhalten, rief er sich ins Gedächtnis.
Die Verstärkung sollte bald eintreffen.
Staub und kleine Splitter flogen an ihm vorbei, als die Geschosse wieder seinen Pfeiler
bearbeiteten. Er blickte auf die andere Seite des Tunnels. Terag und Samuel duckten sich tief
hinter die Pfeiler. Meist war es Terag der einen gezielten Feuerstoß abgab um dann schnell
wieder in Deckung zu gehen. Ein weiterer Dieb fiel im Kreuzfeuer der Belagerer. Seine
Schreie erfüllten den Tunnel und Gregor lief es kalt den Rücken herunter. Ein einzelner
Schuss hallte durch den Tunnel und der schwer verwundete Soldat verstummte. Seite 61
Gregor drehte sich um als er Chris keuchen hörte. Chris hing im Versorgungsschacht und
klammerte sich an ein Kabel während er sich übergab. Gregor drehte sich schnell wieder um
und lenkte seine Aufmerksamkeit auf den Gegner. Er wollte nicht, dass sie durch seine
Unachtsamkeit einen Ausbruch nicht abwehren konnten. Es war, als hätte der Kommandant
der Angreifer eben diesen Gedanken gefasst. Fünf seiner Männer versuchten langsam vor zu
pirschen und sich gegenseitig Feuerschutz zu geben. Doch anders als Gregor hatte Terag diese
Aktion schon erwartet und in dem Moment als die Angreifer versuchten zu ihnen
vorzustoßen, spuckte sein Gewehr tödliche Fracht. Drei der Soldaten fielen im Kugelhagel
von Terag. Die Rekruten feuerten nun ebenfalls. Sie wechselten sich ab und immer einer
sprang vor die Deckung und gab einige Schüsse ab. So verwandelte sich ihre Blockade durch
ihr Dauerfeuer in eine unüberwindliche Mauer. Die Rekruten der anderen Gruppen schienen
die Angreifer ebenso zu bedrängen. Einer der Angreifer stürmte blind vor. Er schrie etwas
undeutliches und feuerte blindlings in die Richtung von Gregor.

Der Pfeiler musste abermals für seine unglückselige Position büßen und große Stücke wurden
aus ihm heraus gerissen, dann sprang Phillip in den Tunnel. Er rollte sich ab und lag auf dem
Bauch, als er sein Gewehr hob und auf den herausstürmenden Soldaten schoss. Der Soldat
blieb in Bewegung als in die Impulsgeschosse durchschlugen. Er zuckte als einige seiner
Muskel den Dienst verweigerten, aber er lief noch einige Meter weiter und feuerte auf Phillip.
Dieser rollte sich gerade wieder in Deckung als der Soldat zwei Meter vor den Pfeilern zum
stehen kam und mit dem Gesicht nach vorn in den Staub fiel. Phillip ächzte als er den
Streifschuss betrachtete, den er sich eingefangen hatte. An seiner Schulter klaffte die Uniform
auf. Eine kleine Rauchwolke stieg von den Rändern der Uniform auf, die unter dem
Streifschuss geschmolzen war. Die Schulter selbst war relativ intakt. Ein kleines Stück des
Fleisches schien verbrannt, aber es blutete nicht. Trotzdem wurde Phillip leichenblass.
Decker schaute auf den verbliebenen Soldaten seiner Truppe. Sie waren noch zu sechst. Er
schluckte hart, nein nun waren sie noch zu fünft. Neben ihm brach gerade einer seiner
Soldaten zusammen. Leise röchelnd hob er eine blutige Hand zu seinem Kommandanten.
Decker schloss die Augen und fragte sich, ob all diese Kämpfe überhaupt Sinn machten. Er
öffnete die Augen und dann stand sein Entschluss fest. „Feuer einstellen. Es hat keinen Sinn.
Wir ergeben uns“ rief er seinen verbliebenen Soldaten zu. Diese nickten nur und senkten die
Waffen. Sie waren zusammen einen langen Weg gegangen. Decker und seine Leute hatten so
manches Gefecht überlebt und nun hatte sie es doch erwischt. Er hasste den Gedanken sich
ergeben zu müssen, aber es gab keinen Ausweg. Er zog seinem toten Kameraden ein kleines
weißes Taschentuch aus der Tasche. Er hatte es immer bei sich gehabt. Irgendein
Glücksbringer von seiner Frau. Decker hoffte, dass er damit mehr Glück haben würde. Er
hängte das Taschentuch an sein Gewehr und hob die Waffe. Er schwenkte die kleine weiße
Flagge und wartete ab. Innerlich fluchte er. Es war erniedrigend, bei Kane, aber es sah keinen
anderen Ausweg.
Sie hatten die Diebe aufgehalten. Gregor war stolz auf ihren Einsatz und die anderen Rekruten
bewunderten sie. Am Ende hatten nur fünf der Diebe überlebt. Sie hatten sich schließlich
ergeben und sich gefangen nehmen lassen. Die Abwehr, die so schnell aus den Rekruten
gebildet worden war hatte allerdings auch Verluste zu beklagen. Von den fünf Gruppen die
mit ihnen ausgerückt waren, kamen vier zurück. Was nicht heißt, dass sie gesund zurück
kamen. Gregor fragte sich ob es diesen Einsatz wert gewesen war. Er wunderte sich über die
gesamte Sache sehr. Bei dem großen Feldherrn Mordechai, wer gab den Befehl grüne
Rekruten in eine Schlacht zu schicken.
Nachdem Terag mit ihnen wieder zurück zur Baracke gefahren war, kümmerte er sich
zusammen mit einem Sanitäter um Phillips Wunde. Sie schien nicht all zu schlimm zu sein,
dennoch setzte es der ganzen Gruppe zu. Durch die Verwundung ihres Kameraden wurde Seite 62
ihnen bewusst, wie nahe sie dem Tod gewesen waren. Es hätte jeden von ihnen erwischen
können.
Sie saßen still auf ihre Betten und starrten ins Leere. Gregor wusste nun, was es hieß den
Rekrutenstatus hinter sich zu lassen. Es hatte nichts damit zutun, seine Ausbildung
abgeschlossen zu haben. Entscheidend war es, dass man sein erstes Gefecht überlebte. Das
gab ihm zu denken, genauso wie den Anderen der Gruppe. Als Phillip zurück kam, war er
nicht mehr blass. Er lächelte sogar ein wenig. „Kommt Leute, Kasian hält eine Rede. Alle
sollen sie hören!“
So gingen sie also in die Baracke, die normalerweise die Kantine beherbergte. Als sie die
Türe öffneten und hindurch schritten, glitten sie ein in den Schwall aus Gemurmel und
Gelächter. Alle Rekruten und ihre Ausbilder waren versammelt. Offenbar gab es zur Feier des
Tages eine Sonderration. Als sie sich ihren Weg durch die Menge bahnten, um ebenfalls ihre
Sonderration abzuholen, drehten sich viele Rekruten um und klopften ihnen auf die Schulter.
Die Ausbilder der anderen Gruppen nickten anerkennend. Phillip hatte die meisten Probleme
damit. Er trug einen Verband, aber er verbarg diesen unter seiner Uniform und so klopften
immer wieder einige Rekruten auf seine Wunde. Aber er riss sich offenbar zusammen und
lächelte seinen Kameraden zu.
Die Sonderration war wirklich eine Belohnung. Es gab Fisch. Etwas, was viele der Rekruten
noch nie zuvor gesehen hatten. Nur der göttliche Kane konnte wissen woher Kasian diese
äußerst wertvollen Nahrungsmittel beschafft hatte. Selbst Gregor war überrascht über die
Qualität des Fisches und er kannte sich mit delikaten Essen relativ gut aus. Dann wurde es
still als ein großer Videoschirm von der Decke gelassen wurde. Er war riesig und hing so in
der Luft, dass jeder in der Baracke den Schirm sehen konnte. Als sich der Schirm vollständig
ausgerichtet hatte, aktivierte er sich.
Ein kleiner roter Punkt erschien auf einem schwarzen Hintergrund. Dieser begann zu leuchten
und der rote Punkt breitete sich aus. Er wurde immer größer und erreichte bald die Ränder des
Schirms. Dort blieb der rote Lichtschein beständig und breitete sich nicht mehr weiter aus.
Ein großen Logo der Bruderschaft erschien auf dem Schirm und drehte sich langsam. Dann
bildeten sich Worte auf dem Logo der Bruderschaft:
>> EINHEIT << ….
>>EINE BRUDERSCHAFT<< …
>>IM NAMEN VON KANE<< …
>>FÜR DIE TECHNOLOGIE DES FRIEDENS<<
Dann wurde das Bild schwarz um kurz darauf den Buchstaben „K“ in Runenschrift
darzustellen. Das „K“ bette sich ein eine modernere Version des Wappens der Bruderschaft
ein. Die Rekruten in der Baracke riefen nach ihrem Anführer. „KASIAN! KASIAN!
KASIAN!“
Plötzlich erschien das Gesicht von Kasian auf dem Schirm und alle im Raum jubelten laut.
Kasian lächelte. Gregor konnte sich denken weshalb. Sein Vater hatte viele Kameras mit
denen er alle Versammlungsorte genau einsehen konnte. Den Jubel der Massen genoss er.
Immer noch lächelte er. Doch schließlich wurde das Lächeln von einer finstereren Miene
verdrängt. Der Jubel verebbte und Kasian begann zu reden.
„Brüder!… Schwestern!… Anhänger der Bruderschaft von NOD!!. Hört mich an!
EINHEIT ist es wonach wir streben. Die Technologie des Friedens, KANES Erbe!
WIR sind die Kinder seiner Gedanken. WIR sind seine Hand. WIR vollenden SEIN Werk!“
Kurz brach wieder ein lautstarker Jubel aus, der aber schnell verebbte als Kasian den Mund
öffnete um weiter zu sprechen.
„ABER …“ er schüttelte den Kopf. „Aber es gibt Brüder und Schwestern, die von diesem
Weg abgewichen sind. Allein das Streben nach Macht lässt sich Kanes Willen vergessen. Sie Seite 63
stellen sich gegen die Bruderschaft, sie kämpfen gegen ihre Brüder und nicht gegen die
wirklichen Feinde.
Nein, sie kümmern sich nicht um die Fortführung von Kanes Willen. Sie treten seine
Gedanken, seine Visionen mit Füßen.“
Er senkte die Stimme ein wenig und er wirkte bestürzt.
„Nun hat sich uns so ein verräterischer Bruder offenbart! Diese Aufzeichnungen zeigen es…“
rief er und eine kleine Einblendung erschien. Dort wurde eine Aufnahme des Gefechtes um
die Sammler abgespielt. Kasian sah mit steinerner Miene auf die Einblendung um dann weiter
zu sprechen.
„Dies sind die Verräter. Sie griffen uns an, doch WIR, die wahren Diener von Kanes Visionen
haben sie zurück geschlagen. Unsere tapferen Rekruten haben sie in blutigen Kämpfen
vernichtend geschlagen.“ Er schwieg kurz und ließ das Jubeln verklingen, dann verzerrte sich
sein Gesicht leicht und es zeichnete sich Wut darin ab. „Aber die Schuld ist nicht gesühnt!
Wir werden uns Rächen! Die Angreifer gehörten zu einer Gruppe um den Verräter Wulf. Er
hat viele ahnungslose Brüder unter seiner Kontrolle und benutzt sie um die GDI zu
unterstützen! JA meine Brüder, er ist ein Handlanger der GDI!!“ Bösartiges Gebrüll erfüllte
den Raum und die Wut über Wulf wuchs in den jungen Rekruten als Kasian weiter sprach.
„EINHEIT … BRÜDERLICHKEIT … IM NAMEN VON KANE!!!“
Die Masse der Rekruten antworteten donnernd: „KANE LEBT IM TODE!“ „Ja meine
Brüder. Wir werden unsere gefallenen Brüder rächen. Schon bald werden die Verräter
gerichtet werden!“ Kasian hatte die Hand drohend zu einer Faust geballt und reckte sie nach
oben. „FÜR KANE!“
Die Rekruten waren wie gebannt von Kasian und reckten die Fäuste in die Höhe. „FÜR DIE
BRUDERSCHAFT! FÜR KANE! FÜR DIE TECHNOLOGIE DES FRIEDENS!“ dröhnte es
durch die Baracke, dann wurde der Schirm schwarz.
Sander bediente die Konsole und schaltete die Übertragung ab. Kasian betrachtete die
Bildschirme die seine jubelnden Anhänger zeigten. „Das war astrein“ murmelte Kasian und
lächelte. Sander blickte auf und nickte. „Ich muss ihnen gratulieren. Diese Rede schien von
Kane selbst zu kommen.“

Kasian lächelte breit und musterte Sander. „Und doch stört sie etwas. Habe ich recht,
Sanders?“ Der Adjutant nickt leicht und schwieg dann um die passenden Worte zu finden.
„Nun, Sir, sie haben behauptet Wulf wäre ein Handlanger der GDI“ begann er. Kasian zog
fragend eine Augenbraue nach oben. „Was stört sie daran?“ Sander fühlte sich sichtlich
unwohl. „Äh na ja, sie haben sie angelogen. Wulf mag zwar gegen Brüder aus Italien
kämpfen, aber er würde sich nie mit der GDI einlassen.“
Kasian zeigte die Zähne und sein Grinsen schien wölfisch. „Ach mein guter Sanders. Sich
gegen seine Brüder wenden, ist als ob man der GDI selbst in die Hände spielt. Ich habe dies
lediglich anders ausgelegt.“ Er deutete auf eine Wiederholung der Szenen die sich in der
Baracke der Rekruten abgespielt hatte. „Sehen sie nur! Sie brennen vor Zorn. Nur so werden
sie in der kommenden Schlacht wirklich fähig sein Wulf zu schlagen.“ Sanders nickte. „Ich
verstehe, Sir.“ Kasian musterte Sander. „Ich bin mir da nicht so sicher. Beobachten und lernen
sie! Worte sind mächtiger als jede Waffe auf dieser Welt.“ „Ich werde es mir merken, Sir“
bekräftigte Sanders.
Kasian sah nochmals von seinen Bildschirmen auf und blickte Sanders direkt in die Augen.
„Bedenken sie… Die Gegenwart gehört dem, der bereit ist zu handeln!“
5 Seite 64
Nach der großartigen Rede von Kasian pulsierte die Höhle geradezu. Die Euphorie war
spürbar und hatte alle gepackt. Gregor war beeindruckt. So hatte er seinen Vater noch nie
erlebt. Diese Rede hätte ebenso von Kane selbst stammen können, da war er sich sicher.
Den restlichen Tag hatte sie frei bekommen, aber es wurden aufgrund der erhöhten
Alarmbereitschaft keine Ausflüge an die Oberfläche gestattet. Dies wäre allerdings auch keine
gute Idee gewesen. Alle Rekruten waren dermaßen motiviert, sie hätten sich wohl blind auf
den nächsten GDI Posten gestürzt, sobald sie an die Oberfläche gelangt wären. Da aber diese
Ausflüge verboten worden waren, verbrachten sie ihre Zeit in der kleinen Baracke. Sie
schauten sich einige Filme auf einem kleinen Datenblock an. Alles NOD Material. Etwas
anderes gab es hier natürlich auch nicht. Nur Gregor erkannte, dass es sich öfters um
Propaganda handelte. Allerdings hatte er schließlich auch andere Facetten der Medien kennen
gelernt, als NOD TV und DNN. Gerade startete Phillip einen neuen Beitrag. „Willkommen
Rekruten. Dies ist die digitale Form von Kanes Visionen. In diesem Bericht werden sie nicht
nur alle Beweggründe Kanes kennen lernen, sondern auch genauere Informationen über
seinen Werdegang. Seine treusten Anhänger schildern ihre Begegnungen mit dem göttlichen
Kane. Ebenso werden wir uns mit der ominösen Garde der Kerubim befassen. Wir wünschen
viel Spaß.“
Der Nachmittag verging somit relativ schnell. Der Film über Kane hatte enorme Überlänge
und ließ sehr viele alte NOD Veteranen auftreten. Alle waren fasziniert von der Aura Kanes
und der Anziehungskraft dieses Mannes, welche noch nach fast 30 Jahren wirkte. Der Film
ließ sich über die edlen Beweggründe Kanes sehr lange aus. Theatralisch wurde dabei sein
Weg beschrieben. Die vielen Opfer die er bringen musste. Die vielen grausamen Kämpfen,
bei denen er Seite an Seite mit den einfachen NOD Soldaten gegen die verlogene GDI
gekämpft hatte.
Schließlich befasste sich der Kommentator mit den mysteriösen Kerubim. Sie waren der
Schatten hinter Kane. Offensichtlich waren sie die Leibwächter des großen Anführers. Auch
wies die Stimme, die durch die Flut von Bildern und Informationen führte auf einige große
Taten der Kerubim hin. „…die Kerubim haben immer Spezialaufträge für den göttlichen Kane
erfüllt. Sie töteten verlogene GDI Funktionäre und andere Individuen die sich der
Technologie des Friedens entgegen stellte. Die Kerubim waren die rechte Hand Kanes.“
Dennoch schien es Zweifel an ihnen zu geben. Andere Gruppen der Bruderschaft
bezeichneten die Kerubim als Verräter. Sie sollen sogar die GDI unterstützt haben, als diese
auf den Tempel von NOD vorrückten. Aber der Kommentator mutmaßte, dass solche Helden
der Bruderschaft nie Kane verraten würden und dies sicherlich nur Gerüchte seien. Gerüchte
welche von der bösartigen GDI gestreut wurden um die Bruderschaft weiter zu spalten.
Als der Film endlich endete war der Tag schon fast zu Ende. Sie waren überrascht, wie lange
sie dieser Film gefesselt hatte. Alle Vier waren fasziniert vom großen Tiberiumkrieg. In jener
Zeit, als sich die Bruderschaft als die Rache der armen Länder erhob und den westlichen
Länder Paroli bot. Nun dürstete sie es nach aktuellem Wissen, so wurde Samuel auserkoren in
die Baracke der Ausbilder zu gehen und nach noch einem Film zu bitten. Dieses mal sollte es
ein Film über die aktuelle politische Lage sein. Es dauerte nicht lange, da kehrte Samuel
zurück. Er hatte neben einem neuen Datenblock auch einen kleinen Minifernseher bei sich.
Zuerst sahen sie sich den Datenblock an. Es war unbequem, da sie sehr eng zusammenrücken
mussten, aber alle waren gespannt, was sich auf dem Datenblock befand. Phillip drückte zwei
Tasten und der Bildschirm klappte auf. Der Bildschirm dieses Spezialmodells war immer
noch recht klein, aber es war besser als die kleinen Handdatenblöcke. Alle reckten sie Köpfe
als Chris auf PLAY drückte.
„Willkommen Soldaten der Bruderschaft. Wir befinden uns in einer schweren Zeit. Die
Bruderschaft von NOD ist gespalten und viele Anführer versuchen Macht um sich zu Seite 65
sammeln. Nicht um Kanes Visionen zu verwirklichen. Sie suchen persönliche Macht und den
Reichtum der ihnen von der hinterlistigen GDI geboten wird!
In diesem Film wurden alle verfügbaren Informationen zusammengefasst um den treuen
Soldaten der Bruderschaft von Nutzen zu sein. Wir werden uns im ersten Teil des Beitrages
primär die verschiedenen Splittergruppen behandeln, welche sich gegen ein einige
Bruderschaft stellen. Gegen Ende des Beitrages werden dann die wenigen verbliebenen
Führer der Bruderschaft vorgestellt, denen es wirklich um Kanes Vermächtnis geht.“
Sie starrten gespannt auf das kleine Display und lauschten der Stimme des Kommentators.
Phillip griff nach einem kleinen Kopf und drehte daran. Sogleich wurde die Stimme noch
lauter und tönte durch die Baracke.
„Die Bruderschaft hat sich in den vergangenen Jahrzehnten so oft gespalten, dass kaum
jemand genau sagen kann wie viele Gruppe es inzwischen sind. Wir werden in diesem Film
jedoch die wichtigen und einflussreichen Gruppen behandeln. Doch zuerst behandeln wir die
kleinen Gruppen in der Bruderschaft. Die sogenannten Stadtgruppen der Bruderschaft von
NOD stammen noch aus der Zeit vor dem großen Tiberiumkrieg. Kane organisierte die
Bruderschaft so, dass sie wie einzelne kleine Terrorzellen agierten und nach außen hin wie
einzelnen Terrororganisationen wirkten. Somit waren in den großen Städten jedes Landes
NOD Zellen gegründet worden. Diese relativ kleinen Gruppen führten den Untergrundkampf
gegen die GDI. Sie waren die Soldaten welche in der vordersten Reihe kämpften. Auf ihr
Konto gehen so spektakuläre Anschläge wie die Zerstörung des östlichen Flügels des
Reichstages und deren Kuppel in Berlin.
Diese Organisation machte es den Nachfolgern Kanes schwer sie zu kontrollieren. Viele
Gruppen sagten sich los und agierten nur noch als eine Zelle ohne Verbindung zum
Oberkommando. Die GDI verbrachte über 15 Jahre damit kleine Terrorzellen auszuräuchern
und doch hat sie nicht einmal die Hälfte dieser Gruppen entdeckt. Dies beweist wie effektiv
Kane alles geplant hatte. Nach seinem unglücklichen Verschwinden jedoch brach die
Bruderschaft auseinander.
Viele Führer in der Bruderschaft versuchten die Macht an sich zu reißen oder mit der GDI zu
arbeiten. Wichtigstes Zeugnis solchen Verrates war eine japanische Gruppe. Sie versuchte
NOD Technologie an die GDI weiter zu geben. Doch Kanes Zorn erreichte sie und sie wurden
vernichtet!

Doch diese Warnungen hat bis heute nicht alle NOD Gruppen überzeugt. Während einige
wenige Generäle und Anführer der Bruderschaft die Einigkeit suchen, werden ihnen immer
wieder Steine in den Weg gelegt. Besonders hat sich in Europa hierbei Wulf hervor gehoben.
Er sieht sich als direkter Nachfolger Kanes und hat große Teile der Alpen unter seiner
Kontrolle. Deswegen wird seine Gruppe auch NOD Österreich genannt. Wulf stammt aus der
Wiener Zelle von NOD, welche 2017 für den Bombenanschlag auf den UN Diplomaten
Steuer verantwortlich ist. Dieser Anschlag war der größte taktische Fehler der letzten
Jahrzehnte, setzte sich Steuer doch für die Auflösung der GDI ein. Noch heute sind die
Beweggründe der Wiener Zelle unbekannt. Wulf dagegen stieg auf und errichtete eine große
Organisation, welche das große Hindernis zur Einigkeit der Bruderschaft in Europa darstellt.
Nicht nur seine Weigerung mit seinen Brüdern zu agieren sind sehr wohl bekannt. Ebenso
berichten kleine Gruppen in Norditalien von Angriffen Wulfs. Es scheint, dass er nach der
Macht in Europa greifen will. Nach Berichten unserer Informanten plant Wulf sogar eine
Offensive in die Po Ebene. Das Ziel ist klar. Einen Brückenkopf schlagen um das Mittelmeer
zu kontrollieren.“
Chris runzelte die Stirn und murmelte: „Nicht mehr so aktuell Hmm?“ Samuel nickte: „Jeep,
die Offensive ist ja offensichtlich daneben gegangen.“ Phillip stieß die Beiden an und
schimpfte: „Psst ihr Tratschtanten!“ Sie Beiden waren wieder still und folgten dem Bericht
über NOD Europa. Seite 66
Zur selben Zeit öffnete sich leise die Barackentüre und Terag trat ein. Leicht schmunzelnd
betrachtete er seine Rekruten. Er nickte anerkennend, als er sah, dass sie keine Propaganda
Filme anschauten, sondern sich über die aktuelle Lage in ihrer Umgebung informierten.
Natürlich waren diese Informationen nicht brandaktuell. Er selbst hatte weit besser
Lageberichte, aber diese Filme waren für den einfachen Soldaten genau die richtige Dosis an
Information um ihn auf seine Gegner vorzubereiten. Er betrachtete sie noch eine Weile, dann
drehte sich plötzlich Samuel um. Er stieß die Anderen an und alle sprangen von dem
Datenblock auf und salutierten. Terag nickte nur und lächelte. „Steht bequem! Ich überbringe
Euch nur eine gute Nachricht. Aufgrund Eures besonderen Mutes und Eurer Fähigkeiten
werdet ihr morgen an einem Kampfeinsatz teilnehmen.“
Auf den Gesichtern der Vier spiegelte sich von Überraschung bis Angst alles wieder. Terag
nickte nur und fuhr fort. „Ihr seit noch nicht ausgebildet, daher werden wir lediglich als
Nachhut fungieren und den Kampfverbänden den Rücken decken. Mehr wäre auch zu
gefährlich.“ Er blickte in die Runde und erkannte, dass sie verstanden, worauf er hinaus
wollte. „Wir werden jetzt in die Waffenkammer gehen und dort mit einigen
Ausrüstungsgegenständen Bekanntschaft machen, welche sie noch nicht gesehen haben.
Allerdings brauchen wir sie morgen früh und ich möchte nicht, dass ihr ins Sperrfeuer lauft
nur weil einer von Euch die Karte falsch herum gehalten hat.“ Er drehte sich um und rief:
„Mitkommen!“
Sie standen in einer Reihe. Vor ihnen waren auf einem großen Metalltisch einige Geräte
ausgebreitet. Terag befand sich hinter dem Tisch und hob eines der Geräte hoch. „Ihr kennt
Euch ja mit Datenblöcken aus. Dies ist ein Gefechts-Datenblock. Man könnte meinen, diese
Datenblöcke wären über Satelliten mit dem Kommandozentrum verbunden. Allerdings ist das
Falsch. Die Bruderschaft hat es schon lange nicht mehr geschafft einen Satelliten im Orbit zu
halten. Nach einigen Umdrehungen wurden sie alle von der GDI ausgemacht und von ihrer
Orbitalstation ausgeschaltet. Ein Netz von Satelliten wie es nötig wäre um Globale Einsätze
zu koordinieren ist damit unmöglich. Natürlich haben wir hierfür eine Lösung gefunden.
Während das EVA-Netzwerk sich primär auf orbitale Informationsversorgung verlässt und
daher relativ anfällig ist, haben wir das Cabal-Net nach dem Vorbild des Internets des
vergangen Jahrhunderts gestaltet. Autonome Computerkerne gleichen immerzu ihre Daten ab
und stellen diese den einzelnen Gruppen zur Verfügung. Im Gegenzug verpflichten sich die
User des Cabal-Net das Netz zu pflegen und auszubauen. Glasfaserleitungen verbinden die
großen Gruppen miteinander. Die Bandbreiten sind enorm. Kleine Posten werden per Funk
mit Informationen versorgt. Das birgt zwar die Gefahr der Entdeckung, aber das nimmt man
gerne in Kauf. Ein großer Nachteil bringt dieses System aber für die kämpfende Truppe mit
sich.“
Er schaute auf den Datenblock, welcher sich in einer schwarzen Tarntasche befand und nur
den Blick auf einige Knöpfe und das Display frei ließ. „Im Gefecht können wir nicht taktische
Daten so schnell übermitteln wie die GDI. Die Lösung dieses Problems sind kleine
Sendeanlagen. Sie werden am Sammelpunkt der Kampfverbände installiert bevor der Einsatz
beginnt. Sie stellen dann Kontakt zum nächsten NOD Stützpunkt her und versorgen die
Truppen während des Angriffen mit Daten.“ Terag deutet auf das Display. „Lest Euch die
Anleitung durch. Ich erkläre nicht alle Funktionen. Auf dem Display wird das Einsatzgebiet
dargestellt. Das Gelände, sowie Gebäude und feindliche Truppen, falls bereits lokalisiert.
Solltet ihr im Einsatz auf feindliche Truppen stoßen, so wird einer von Euch diese Daten
eingeben. Somit erhalten alle Verbände die Information.“ Er schwieg kurz und wartete das
Nicken jedes Rekruten ab. „Gut, Mensk sie sind der Funker vom Dienst. Unter normalen
Umständen geben NUR SIE Daten an die Sendeanlage weiter. Ich will keiner Verwirrung, nur
weil alle an ihre Datenblöcke greifen, klar? Mensk schickt die Daten, analysiert sie und Seite 67
berichtet. Der Rest gibt Feuerschutz oder was sonst notwendig ist. Alles klar?“ „Sir, Ja Sir!“
antwortete die Vier.
Terag legte das Gerät zur Seite und hob ein einen kleinen Kasten in die Höhe. „Ein schwarzer
Metallblock. Nichts weiter. Man sieht ihn. Er ist hart und stabil. Aber nun seht Euch das an.“
Er drückte einen Knopf in seinem Datenblock. Erst jetzt sah man, dass es mit einem der
Geräte auf dem Tisch verbunden war. Ein kleiner Generator mit einer darauf montierten
Halbkugel begann zu brummen und leicht zu leuchten. „Ich lege diesen Block nun neben das
Gerät,“ sagte Terag um dann auf seinem Datenblock zwei Tasten zu drücken. Das Gerät fing
an lauter zu summen und die Luft zitterte leicht. Der Metallblock wurde schemenhaft und
verschwand dann. Ein lautes Keuchen ging durch den Raum. Gregor runzelte die Stirn. Nur
wenn er sich schwer konzentrierte erkannte er noch feine Linien die von den Rändern des
Blocks herrührten. „Dies ist ein Stealth-Generator. Er tarnt unsere Einheiten wie den alten
Panzertyp „Mantel des Schweigens“. Inzwischen haben unsere Techniker Experimente
gestartet um ganze Basen damit zu tarnen. Bisher ohne großen Erfolg soweit ich weiß. Aber
es gibt nützliche Nebenprodukte. Eines dieser Nebenprodukte sind getarnte Drohnen.“ Terag
wies mit der Hand auf ein kleines eiförmiges Gebilde. Es war schwarz lackiert und etwa so
groß wie ein echtes Hühnerei. Aber an diesem Ei aus Metall blinkten zwei kleine Dioden rot
auf. „Ihr habt sicher schon von den GDI Drohnen gehört. Auch sie nutzen eine Art von
Stealthtarnung um sich unsichtbar zu machen. Fährt ein Fahrzeug über die Haftdrohne, so
greift sie das Fahrzeug an und beschädigt es. Elektronik und Fahrwerk werden geschädigt.
Und was noch schlimmer ist, die GDI kann so unsere Basen orten.“ Die Vier hatten noch
nichts von solchen Drohnen gehört. Sie waren schockiert über die Gefahr, welche sich in
diesen Dingern barg. Terag dagegen schien das nicht sehr zu beeindrucken. „Aber das ist ein
Problem der Panzerkommandeure,“ sagte er und grinste. „Für uns ist diese neue Erfindung
sehr nützlich. Die Granat-Drohnen. Sie können in die feindlichen Linien geworfen werden.
Sie fungieren wie Abhörwanzen. Wir haben dann alle Informationen über
Truppenbewegungen und Stellungen des Gegners. Die ersten Tests haben gezeigt, dass sie
mehr als nur nützlich sind. Vor allem wenn man sie im Kommandoposten deponiert und vor
den GDI Truppen ihre Befehle kennt.“ Ein wölfisches Grinsen zog sich über sein Gesicht und
er deutete auf die Granat-Drohne. „Aber man kann die Dinger auch anders verwenden.“ Er
öffnete die Drohne und zog ein Teil heraus. „Das hier ist das Lauschmodul. Das brauchen wir
morgen nicht. Wir werden Giftgaspatronen einsetzen.“
Es war lange still gewesen, nachdem Terag ihnen die Giftgasdrohne gezeigt hatte. Alle
wussten, dass ihre Luftfilter in den Helmen kein Giftgas völlig filtern konnte. Es war
schrecklich zu wissen, solche Methoden ein setzen zu müssen.
Aber Terag störte all das nicht. Er demonstrierte noch einige Einzelheiten der Drohne und
auch die Gefechtsdatenblöcke wurden abermals besprochen. Dann begann die große
Lagebesprechung. Gregor war erstaunt, wie perfekt ihr Ausbildung ihre kleine Exkursion
geplant haben musste, damit sie bis zur Lagebesprechung fertig waren. Man hatte eine große
Zahl an Truppen in einem Raum versammelt. Gregor und sein Kameraden standen weiter
hinten. Sie waren die Deckung, sie waren noch grün und so hörten sie nur zu. Die Veteranen
unter den Soldaten, besprachen mit dem Adjutanten von Kasian, er hieß Sander, die
Einzelheiten des Einsatzes. Gregor war sehr überrascht, dass sie ein Mitspracherecht
erhielten. Aber es machte Sinn, so entschied Gregor. Manche dieser Soldaten hatten schon
vieles gesehen und achteten vielleicht auf etwas, was der Adjutant übersehen hatte.
„Kasian ist sehr ungehalten über Wulfs Aggressionen gegenüber unserem Versorgungsnetz.
Wir werden ihm eine Lektion erteilen,“ begann Sander den eigentlichen Vortrag. „Wir haben
schon vor der Besprechung mit den Gruppenkommandanten kurz die Lage besprochen und
sind zu dem Schluss gekommen, dass diese Operation Wulf sehr schwächen wird.“ Sander Seite 68
drehte sich um und aktivierte ein Cabaldisplay an der Wand. Eine dreidimensionale Karte
entstand auf dem Schirm. Es stellte einen hohen Berg dar und die umliegenden Hügel. „Meine
Herren, dies ist das Hauptquartier von Wulf. Sein Kommandobunker ist sehr exzentrisch auf
dem Gipfel des Berges gelegen. Er nennt es selbst das Rabennest. Wie amüsant. Der richtige
Basis liegt aber im Berg selbst.“ Sander wies auf eine Risszeichnung einzelner Höhlen und
Tunnels die erschienen. „Die Basis gilt als uneinnehmbar. Es gibt drei Eingänge. Alle auf der
selben Höhe gelegen und schwer gesichert. Wir können nicht durch den Untergrund in die
Basis selbst eindringen. Hartes Gestein und Betonmauern haben diesen Weg gesperrt, so das
uns nur der Weg über die Eingänge bleibt.“ Sanders drückte eine Taste und eine taktische
Karte erschien.
„Prägen sie sich das gut ein. Wir werden um genau 0500 MEZ in den umliegenden Gebieten
eintreffen. Der Wachwechsel an den Eingängen wird im 4 Stunden Takt vollzogen. Die
Wachen werden um 0500 sehr unaufmerksam sein. Es ist die dritte Stunde ihrer Schicht und
dies wird sie sicherlich etwas ermüdet haben. Wir werden alle drei Eingänge angreifen. Aber
Tunnel eins und zwei werden wir nur unter Feuer nehmen. Diese Angriffe müssen zeitgleich
um 0515 beginnen. Sie werden dafür einen Mörser einsetzen. Der Effekt der Verwirrung
dürfte genügen um unseren Truppen am Tunnel drei den Zugang zu erleichtern.“ Er
vergrößerte die Karte auf den Schirm und Tunnel drei wurde deutlicher dargestellt.
„An jeder Seite sind zwei Bunker in den Fels eingelassen. Aber sie haben Schwachpunkte.
Die Luken des Bunkers sind vor ein paar Wochen bei einem Gegenschlag der Italiener
beschädigt worden. Beide Bunker sind nur provisorisch repariert worden. Daher sind die
Sichtluken sehr groß und ohne Titanblenden um vor Beschuss zu schützen. Ein offenes Tor
für unsere Scharfschützen. Unsere Scharfschützen werden die Wachen um 0517 ausschalten.
Eine Minute später möchte ich das Angriffsteam am Eingang haben. Wir rechnen zwar mit
einem offenen Tunneltor, da Tiberiumsammler die Basis versorgen, aber vielleicht reagieren
sie auf den Angriff schneller als erwartet. Egal ob es ihnen gelingt direkt in den Tunnel
vorzudringen oder ob sie sich einen Weg sprengen müssen. Alle sollten ab diesem Zeitpunkt
auf die Harpyen achten. Der Rabenhorst besitzt einige Landeplätze für diese
Kampfhubschrauber. Sollten sie zufällig vor Ort sein, muss die Rückendeckung diese
ausschalten. Um jeden Preis.“ Sander drückte erneut eine Taste und bewegte das Bild noch
etwas näher an den Tunnel drei. „Das Tor selbst ist zu stark gepanzert um es zu sprengen. Das
Angriffsteam wird am rechten Bunker einen Durchgang sprengen. Unsere Spionen berichten
von großen Schäden an dieser Stelle, welche bisher nicht behoben werden konnten. Sie haben
zu großen Rohstoffmangel und haben so nur kosmetische Arbeit geleistet. Der Fels sollte so
rissig sein, dass eine mittlere Ladung Sprengstoff einen Durchgang sprengt.“ Sander wies auf
einen Kreis welches auf dem Schirm erschien und den Durchgang symbolisierte.
„Angriffsteam zwei wird nun in den Tunnel eindringen. Ich erwarte von ihnen, dass sie sich
bis zur Basis kämpfen. Dort legen sie Sprengsätze an den drei nächsten Gebäuden. Dann
ziehen sie sich so schnell wie möglich zurück. Tunnel ein und zwei werden ab 0525 nicht
mehr unter Feuer genommen. Ihr Zeitfenster ist also sehr klein. Vergessen sie nicht die
Granat-Drohnen auszulegen. Ich möchte in jeder Nische und in jedem Eck eine Drohne. Wir
werden ihnen übrigens neue Drohnen ausgeben. Sie werden dann selbstständig wie kleine
Käfer weiter in die Basis vorrücken. Aber um den Schein zu wahren ist es wichtig die
Gebäude zu sprengen. Um 0530 sollten alle Mann wieder aus dem Tunnel sein. Die Truppen
an Tunnel eins und zwei ziehen sich zu diesem Zeitpunkt zu ihren BMTs zurück. Um 0535 ist
die Aktion abgeschlossen. Ich wünsche viel Erfolg.“ Sander nickte. „Wegtreten!“
Sie sollten sich noch mal ein paar Stunden aufs Ohr legen hatte man ihnen gesagt. Aber wer
konnte schon wenige Stunden vor einem Einsatz schlafen? Gut, dachte Gregor, die Profi und
Veteranen vielleicht. Aber nicht sie. Vier noch grüne Rekruten vor ihrem ersten Einsatz. Seite 69
Gregor schaute sich in der Baracke um. Da Terag befohlen hatte, dass sie sich nur in voller
Montur schlafen legen durften, standen überall in der Baracke M16 Impulsgewehre. Phillip
hatte es tatsächlich geschafft einzunicken. Man konnte ihn wirklich bewundern. Chris
dagegen schien hellwach. Er nahm seine neue Aufgabe sehr ernst und studierte seinen
Datenblock. Sein Gesicht spiegelte matt die roten Schriften wieder, die er über den
Bildschirm laufen lies. Er schien sich die Funktionen des Datenblocks von der
Autoeinführung erklären zu lassen.
Samuel saß auf seinem Bett. Er schien äußerlich ruhig, aber da er sein M16 zerlegt hatte und
es reinigte, konnte man nur vermuten, dass er ebenso nervös war. Auf Samuels Nachttisch
waren die Magazine und einzelne Patronen aufgereiht. Er kontrollierte sogar ob die Magazine
richtig gefüllt waren.
Die letzten Stunden schliefen sie schließlich doch alle. Sie zwangen sich regelrecht in den
Schlaf und irgendwie schienen ihre Körper zu akzeptieren, dass ihnen ein harter Morgen
bevorstand und es Zeit war ein paar Stunden zu ruhen.
Gregor ächzte und rieb sich die Augen. Terag brüllte durch den Raum und zog ihnen die
Decken weg. Er brüllte und Gregor fragte sich ob man einen Ochsen mit einem Menschen
kreuzen konnte, aber für solche Gedanken blieb ihm keine Zeit. „Verdammt… Aufstehen ihr
Würmer!!! Eine Minute bis zum Abmarsch!“
Alle Vier sprangen aus ihren Betten und antworteten: „Sir, JA, Sir!“ Es dauerte tatsächlich
nur eine Minute, bis alle in eine Reihe in der Baracke standen. Gregor war froh, dass sie alle
in voller Montur geschlafen hatten. Anderes falls hätte sie das nie geschafft.
Es dauerte nur wenige Minuten bis nach kurzem Lauf die Hangars erreichten. Dort war bereits
geschäftiges Treiben zu beobachten. Die ersten Angriffsteams bestiegen gerade ihre BMTs.
Techniker liefen durcheinander. Eines der Angriffteams verstaute Raketenwerfer und Mörser
im Mannschaftsraum. Überall hörte man das Klappern von Waffen. Gregor staunte über die
Anzahl der mobilisierten Truppen. Bei der Besprechung schienen es weniger gewesen zu sein.
Lautes Dröhnen füllte den Hangar und die ersten drei BMTs bewegten sich in Richtung eines
Tunnels.
Erst jetzt fiel Gregors Blick auf ihren Ausbilder Terag. Er hatte bereits sein Gesicht mit einem
Muster schwarzer Farbe bemalt. Im Dunkel würden er so nicht zu sehen sein. Gregor
erinnerte sich an eine Lektion auf der Militärschule. Man hatte schon im zweiten Weltkrieg
herausgefunden, dass komplett schwarz lackierte Flugzeuge sich vom Nachthimmel abhoben
und leichter abgeschossen wurden. So tarnte man sich nun mit einem Muster aus grünen,
braunen und schwarzen Tönen. Dies stand zwar im Widerspruch zu den Standartuniformen
von NOD, aber wenn man dafür weniger leicht erschossen wurde, nahm man dies in Kauf.
Terag hielt den Farbtopf mit der Mischung auch Gregor hin und dieser griff schnell zu. Das
Zeug klebte eklig fest im Gesicht, es lies sich nur schwer verteilen, aber immerhin schien es
tatsächlich das helle Gesicht in die Nachtschwärze eintauchen lassen.
Nach wenigen Minuten waren sie angeschnallt in ihrem BMT auf dem Weg durch die
Tunnels. Terag studierte einen Datenblock. „Herhören! Wir landen nach neuen Befehlen nicht
im Wald bei Wulfs Festung, sondern in einer nahen Siedlung. Ist ein kleines Dorf namens
Albeins. Nur noch wenige Einwohner. Wir sollen dort die alte Kirche besetzten. Im
Glockenturm haben wir guten Sicht und sehen was auf dem Rabennest passiert.“
Samuel runzelte die Stirn. „Äh, Sir. Wie sollen wir den Angriffstruppen Deckung geben,
wenn wir so weit entfernt sind?“ Terag nickte. „Wir haben den Auftrag feindliche Helikopter
abzuwehren und Verstärkung vor dem Dorf zu binden, falls sie die Straße hochkommen
wollen. Durch das Dorf verläuft die einzige Straße zum Berg. Es könnte sein, das einige
Kampfbuggys diesen Weg wählen.“ Seite 70

„Aber wir werden die Harpyen des Gegners wohl höchstens beschädigen können. Wir haben
nur M16 Gewehre,“ wand Phillip ein. Terag grinste. „Diesen Teil übernehme ich. Ich bin
auch an anderen Waffen ausgebildet“ Er griff neben den Sitz und hob etwas aus eine Nische.
Es war ein langes schwarzes Rohr. Gregor musste lächeln. Eine neue Version der
altbewährten Stingerraketenwerfer. Bestens für den Partisanenkampf geeignet. Er erinnerte
sich, dass der CIA vor etwa 60 Jahren diese Waffengattung an Rebellen geliefert hatte um den
Kommunismus zu schwächen. Diese Waffe brach in Afghanistan die Lufthoheit der Russen.
Zumindest glaubte Gregor dies einmal gehört zu haben, aber er konnte sich auch irren.
Das Dröhnen der Motoren wurde zu einer dumpfen Hintergrundmusik. Langsam gewöhnte sie
sich an die Art, wie sie zum Einsatzort gelangten. Die Vier schwiegen und hatten die Augen
halb geschlossen. Terag war stolz auf seine Rekruten. Dies war ihr erster richtiger Einsatz und
sie verhielten sich schon wie richtige Soldaten. Die Entspannung und das loslassen der
Gedanken war sehr wichtig vor einem Einsatz. Stress würden sie noch früh genug erleben, da
war es sehr gut, dass nicht nur der Körper sich ausruhte, sondern auch die Gedanken etwas
schweiften. Terag wunderte sich immer mehr über diese Gruppe von jungen Rekruten. Alle
waren sie speziell für dieses Team ausgesucht worden. Man hatte offensichtlich eine gute
Wahl getroffen. Aber ihr Anführer Kasian schien etwas mit ihnen vor zu haben. Die
Anweisung täglich Bericht zu erstatten war mehr als ungewöhnlich und dann sollten die
Berichte auch noch direkt zu Kasian geschickt werden, nicht über seine Vorgesetzten. Er
runzelte die Stirn und grübelte. Erst jetzt kam er auf die Idee sich zu frage, warum er seine
Rekruten schon so früh in eine Schlacht führen sollte. Sicher sie hatten viel geleistet, indem
sie den Überfall vereitelt hatten, aber das war auf Grund seiner Anweisungen geschehen.
Alleine wären sie wahrscheinlich ebenso wie die Rekruten kaum von Nutzen gewesen. Sicher,
sie waren nur eine Nachhut, aber solche Erfahrungen waren wertvoll. Terag war sich sicher,
dass er so eine Chance nicht bekommen hatte. Seine ersten Kampferfahrung hatte er in einem
blutigen Nahkampf erfahren. Seine Gedanken schweiften zurück.
Sie hatten ihr Lager in einem alten Kellergewölbe aufgeschlagen und versteckten sich vor
einer GDI Patrouille. Doch die Soldaten waren nicht so dumm gewesen. Sie hatten auch die
Keller aller Häuser durchsuchen lassen. Einer dieser GDI Soldaten erreichte schließlich ihr
Versteck. Nur um direkt über Terag selbst zu stolpern. Terag war erst vor ein paar Tagen zur
Bruderschaft gekommen und sah zum ersten Mal einen GDI Soldaten aus dieser Perspektive.
Die Augen des GDI Soldaten hatten sich geweitet, aber trotz der Überraschung riss er sein
Gewehr hoch. Doch Terag hatte schneller reagiert. Er erinnerte sich noch genau wie die
Augen des Mannes sich noch mehr geweitet hatten und sein Mund sich zu einem lautlosen
Schrei geöffnet hatte. Das Messer von Terag steckte bis zum Knauf im Brustkorb seines
Gegners. Dunkles Blut quoll aus der klaffenden Wunde, als Terag sein Messer herauszog. Der
Geräusch erinnerte an einen nassen Waschlappen, welcher auf den Boden fällt. Der GDI
Soldat hatte erstaunt an sich herab geblickt und seine Wunde befingert. Schließlich sackte er
mit einem leisen Röcheln zusammen. Danach war alles sehr schnell gegangen. Um sie herum
brach die Hölle los. Seine Brüder hatten begonnen die GDI unter Beschuss zu nehmen. Sie
erhielten Hilfe von den Bürgern des Dorfes. Keiner der GDI Soldaten hatte überlebt.
Sie erreichten ihren Einsatzort. Es dauerte keine zwei Minuten, da waren sie auf dem Weg in
Richtung des kleinen Dorfes. Sie mussten wachsam sein. Dieses Gebiet war so etwas wie das
Kerngebiet von Wulf. Seine Hauptstadt lag unter dem Berg und seine Anhänger lebten in den
Städten und Dörfern in der Umgebung. Anders konnte es auch hier nicht sein. Die Bewohner
Albeins würde sicherlich nicht begeistert sein über die Truppe im Kirchenturm.
Sie erreichten schnell den Rand des Dorfes. Es war gut zu sehen, dass trotz der wenigen
Einwohner, das Dorf sehr gut gepflegt wurde. Es gab kaum verfallene Häuser und verwilderte
Wege. Alles schien, als ob ein Gärtner hier seine Arbeit tat. Gregor war sofort an den Garten Seite 71
seines Vaters erinnert. Sein Vater hatte extra einen Gärtner eingestellt um seinen Garten zu
pflegen. Nur des Aussehens wegen. Nur um die Nachbarn zu beeindrucken.
Terag gab Handzeichen und bedeutete ihnen sich langsam und geduckt durch die Nebenstraße
zu bewegen, welche sie zur Kirche bringen sollte. Es war relativ dunkel. Das wenige Licht
von den zwei Straßenlaternen im Dorf wurde jedoch von den geweißten Wänden reflektiert
und machte aus dem Fünf eine Gruppe schwarzer Schatten an den Wänden der Häuser. Leise
huschten sie an verlassenen Gebäuden entlang. Trotz der Pflege die hier jemand dem Dorf
angedeihen ließ, waren viele Fenster leer und ohne Fenster. Schwarze Augen in der Nacht.
Geduckt bewegten sie sich auf den Dorfplatz zu. Typisch für kleine Dörfer. Dorfplatz und
Kirche waren wie eine Einheit gebaut. Gregor lehnte sich an eine kleine Mauer. Das Haus
dahinter schien bewohnt. Sie rückten bis zum Gartentor vor und Gregor deckte ihnen den
Rücken. Der Eingang zu diesem kleinen Anwesen war durch ein altes Tor aus Eisen
abgesperrt. Aus einem Fenster schien rotes Licht. Gregor dachte zuerst an ein Bordell, bis er
realisierte, dass es hier kaum genügend Kunden geben konnte. Das Tor rahmte mit seinen
eisernen Ranken die Initialen des Hausbesitzers ein. P.J. war im Tor eingelassen. Gregor
wunderte sich über diese Initialen. Welcher Name verbarg sich wohl hinter diesen
Buchstaben, aber dies war unwichtig. Viel schlimmer war es, dass die Bewohner des Gebäude
sie entdecken konnten. Schnell huschten sie die Mauer entlang und erreichten den Dorfplatz.
Das M16 im Anschlag sondierten sie die Umgebung. Chris beobachtete den Aufmarsch der
Angriffsgruppen um den Berg. Sein Gefechtsdatenblock lieferte Daten von jeder Einheit und
der Kommandozentrale. Sie mussten in 5 Minuten in Position sein, aber das schien alles leicht
machbar zu sein. Terag zog sein Nachtsichtgerät über und spähte in die dunklen Gassen um
den Dorfplatz. Innerlich verfluchte er sich. Sie hatten keine schallgedämpften Waffen bei
sich. Das konnte sich als großen Nachteil erweisen. An so etwas würde er das nächste Mal
denken. Wenn es ein nächstes Mal gab.
Gregor bemerkte wie nervös sein Ausbilder war, aber er konnte sich nicht erklären warum.
Nun wahrscheinlich war er letztendlich genauso aufgeregt wie sie. Gregor hob ebenfalls sein
Nachtsichtgerät und staunte. In grünen Licht filterte das Gerät jegliches Restlicht aus der
Finsternis. Es war verblüffend. Man konnte wirklich viel mehr erkennen und sollte dies
einmal nicht reichen gab es noch andere Optionen. Gregor schaltete auf Infrarot um. Die
wenige Restwärme des vergangenen Tages tauchte alles in ein mattes Licht. Gregor grinste
und schaltete auf die nächste Option, welche man über die beiden anderen legen konnte. Ein
Herzschlagsensor. Wie das Ding genau funktionierte hatte man ihnen nicht erklärt, aber es
soll angeblich schon Ende des letzten Jahrhunderts entwickelt worden sein. Jetzt erschien im
Nachtsichtgerät ein weißes Kreuz für jede Person, welche das Gerät ortete. Dumm nur, dass
man nicht erkennen konnte ob es Freund oder Feind war. Aber dafür gab es schließlich die
Gefechtsdatenblöcke.
Ihr Ausbilder hob die Hand und deutete in eine Richtung. Schnell erkannten sie dort ein
kleines MG Nest weiter unten in der Gasse. Also war dieses Dorf doch nicht unbefestigt.
Terag hob die Hand und zeigte an, dass drei Personen in dem von Sandsäcken umgebenen
Unterstand sein mussten. Sie würden keine Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Sie waren nicht
ausgerüstet um sie still und leise auszuschalten und wenn diese Wachen eine Ablösung
besaßen, würde die ganze Operation scheitern. Sie legten sich flach auf den Boden und
robbten über den Dorfplatz. Gregor dankte Kane dafür, dass der Dorfplatz an dieser Seite
schmal zu einer anderen Gasse zusammen lief und ihnen so schnell wieder Deckung bot. Es
war immer noch stockfinster, ein kühler Wind blies nun pfeifend durch die Gassen. Gregor
fand das nicht schlecht. So würde das Knirschen ihrer Stiefel weniger zu hören sein.
Leise arbeiteten sie sich vor. Terag hatte wieder die Spitze übernommen und lief geduckt an
der Kirchenmauer entlang. Seine vier Rekruten folgten in einer Reihe. Seite 72
Die Stufen zu der kleinen Kirche waren ungepflegt. Steinplatten waren locker und an
manchen Stellen fehlten sie ganz. Die ganze Kirche wirkte verlassen. Offensichtlich hatten
sich Kanes Lehren hier durchgesetzt. Die schweren Holztore waren nur angelehnt und als
Terag mit dem Fuß gegen einen Türflügel stieß öffnete sie sich knarrend.
War es vor der Kirche noch möglich gewesen ohne Nachtsicht zu sehen, so öffnete sich für
die Truppe selbst mit Nachtsicht die Kirche als dunkler Schlund. Leise traten sie ein. Alle
hatten ihre Nachtsichtgeräte auf Infrarotsicht gestellt. Terag gab Handzeichen und ließ Gregor
und Samuel die linke Seite der Kirche sichern. Er selbst und Phillip liefen geduckt die rechte
Seite ab. Chris kniete hinter dem Tor und beobachtete durch den Türspalt den Dorfplatz. Ein
zweites Stockwerk oder einen Balkon gab es nicht und so konnte nur am Boden ein Hinterhalt
gelegt werden. Die Bänke standen noch zum größten Teil in Reih‘ und Glied. Viel Spielraum
für einen Hinterhalt. Doch es dauerte nicht lange, da waren alle Bankreihen abgesucht. Chris
hob die Hand mit dem Daumen nach oben und signalisierte, dass es vor der Kirche nichts
neues gab.
Terag und Phillip öffneten die Tür der Sakristei. Leise knarrend gab sie nach und öffnete den
Blick in ein leeres Zimmer. Ein alter Schrank und ein Schreibtisch standen noch im Zimmer.
Ansonsten schien die Sakristei geplündert, genauso wie der Rest der Kirche. Am Ende befand
sich der Zugang zum Turm. Samuel winkte die Anderen herein. Samuel und Phillip bezogen
hinter dem Schreibtisch Posten. Sie hatten Befehl ihnen den Rücken zu decken. Die
Restlichen erklommen die schmalen Stufen im Glockenturm.
Das Dach des Turmes war verfallen. Viele Schindeln lagen auf dem Boden und es knirschte
laut als sie an das Geländer traten. Das Geländer war ebenfalls mit schwarzen Schindeln
verkleidet, aber die Fensterläden, welche bei Unwetter geschlossen werden konnten, waren
nicht mehr vorhanden. Eine Ruine in diesem gepflegten Dörfchen.
Gregor schaute auf seinen Gefechtsdatenblock. Es war 05:15 Uhr. Plötzlich wurde der Berg in
einiger Entfernung des Dorfes in ein infernales Licht getaucht. Eine schwere Explosionen
donnerte durch das Tal. Zwei weitere folgten. Dann begannen man aus der Ferne
Sturmgewehre hämmern zu hören. Es war die erste Angriffswelle an den Eingängen eins und
zwei.
Terag kniete im Schutt auf dem Turm und hob sein Fernglas. Unter ihnen im Dorf war
inzwischen Chaos ausgebrochen. Die Bewacher des Dorfes hatten einen Buggy bestiegen und
rasten den Weg zum Berg hinauf. Terag beobachtete dies und wartete bis sie das Dorf
verlassen hatten. Das Gelände hob sich nach dem Dorf und der Buggy kam nur langsam
vorwärts. Sie schlängelten sich die Serpentinen empor. Terag richtete den Blick auf Gregor.
„165 Meter. Ziel auf den Tank.“
Gregor dachte nicht nach, sondern legte an. Terag dagegen dachte bereits nach. Sollte sein
Schützling nicht gut genug zielen, musste er es versuchen. Er hoffte es blieb genügend Zeit.
Aber er wollte wissen, wie gut seine Rekruten waren und dieser Buggy mit drei oder vier
Soldaten war keine große Gefahr für die Angriffstruppen am Berg. Terag lächelte. Es war gut,
dass die neuen M16 Gewehre mit Impulsenergie arbeiteten. Energie konnte nicht so extrem
durch Wind seine Flugbahn verändern.
Gregor zielte mit seinem M16 auf den Buggy. Er fuhr gerade langsam eine Kurve, das
Fahrzeug war wohl einfach zu alt für solche Touren. Gregor hatte bisher nicht nachgedacht,
aber in dem Moment, in dem er feuerte, fragte er sich, warum Terag ihn das erledigen lies.
Dieser jedoch verfolgte seelenruhig mit dem Fernglas die Flugbahn der hellen gelben
Geschosse. Sie zischten durch die düstere Nacht, waren aber kaum zu erkennen. Auch zu
hören war kaum etwas. Immerhin hämmerten weiter oben am Berg die Mörser und Gewehre
ihre Geschosse in den Fels.
Terag lächelte. Sein Rekrut hatte die Entfernung und die Bewegung des Ziels gut
abgeschätzt. Er vermutete, dass Panterre auf den Bug des Buggys gezielt hatte. Zwar schlugen Seite 73
die Geschosse im Heck ein, aber das war zu verschmerzen. Ein Kampfbuggy war nicht sehr
solide. Den Tank traf Rekrut Panterre trotzdem. In einer lauten Detonation ging der Buggy in
Flammen auf. Terag nickte: „Ganz gut Panterre.“
Gregor bemerkte erst jetzt wie sehr er schwitzte. Er hatte es geschafft und den Buggy aus
dieser großen Entfernung erwischt. Er war sich sicher, dass dies mehr als nur ganz gut
gewesen war. Für diese Entfernung benutzte man im normal Fall Scharfschützen. Chris hatte
bisher still dagesessen. Jetzt meldete er leise: „05:17, Sir. Bisher kaum Gegenwehr.“
Terag nickte stumm und schulterte dann den Raketenwerfer. Es war an der Zeit, dass die
Harpyen starteten, sollten sich einige auf dem Stützpunkt befinden. Gregor beobachtete die
Umgebung. Im Dorf waren alle Lichter ausgegangen. Die Bewohner waren offensichtlich an
solche Umstände gewöhnt.
Dreimal hörten die Männer des Angriffsteams eins es leise Plomben. Sie konnten sehen wie
die Wachen in den Bunkern zusammen sanken. Zwei im rechten Bunker und einer im Linken.
Sie hatten vor zwei Minuten die Hälfte der Wachen abgezogen um die anderen zwei Eingänge
zu verteidigen. Die Scharfschützen hatten leichtes Spiel.
Der Anführer des ersten Teams hob die Hand. Sie war kaum zu erkennen, aber seine Männer
waren bestens ausgebildet. Sie rückten vor. Das Tor schloss sich tatsächlich schon. Nur noch
etwa einen Meter betrug der Freiraum zwischen dem Tor und dem Boden. Aber das Tor war
träge und senkte sich sehr langsam. Trotzdem entschied sich der Anführer die Wand zu
sprengen. Das zweite Team musste auch wieder raus kommen können. Sie legten den Weg
zwischen den Felsen, hinter denen sie gelauert hatten und dem Eingang schnell zurück. Einer
seiner Männer gab der Wache im linken Bunker einen Gnadenschuss.
Hoffentlich hatte er nicht Alarm geschlagen. Der Sprengstoffexperte heftete ein Paket an die
Wand im inneren des Bunkers, welches auch gleichzeitig die Wand neben dem Tor war. Man
konnte sehen, wie schlecht die Schäden hier behoben worden waren. Trotzdem war es nötig
zu sprengen. Der Sprengstoffexperte drückte zwei Drähte in das Paket und deutete auf den
Bunkerausgang. Ein leises Piepen ertönte und sie rannten aus dem Bunker. Kaum waren sie
einige Meter entfernt hörten sie die dumpfe Detonation im Bunker. Der Bunker selbst hielt
stand, aber als der Anführer mit seinen Männern das Innere betrat, war außer dem harten
Bunkerwänden nicht viel übrig. Ein großes Loch klaffte in der Wand. Der Rauch und Qualm
verzog sich und gab den Blick auf den Tunnel frei. Zweimal feuerte Team eins noch in den
Tunnel, dann schien der Weg frei. Team zwei stürmte in den Tunnel und begann
vorzudringen.
Team zwei bestand aus Elitetruppen von Kasian. Sie bewegten sich wie Schatten. Lautlos und
tödlich. Nur ab und zu hörte man das leise Rattern eines schallgedämpften Gewehres. Es gab
kaum Gegenwehr. Der Anführer war stolz auf seine Truppe, aber dieser Einsatz würde die
Krönung ihrer Laufbahn werden. Sie waren bereits in der uneinnehmbaren Festung und durch
sie würde sie auch zu Fall kommen. Bald würde hier wieder Kanes Willen Gesetzt sein und
nicht die Machtgelüste von Wulf.
Der Anführer feuerte drei Salven auf einen Wachposten ab. Dieser sackte zusammen und ließ
eine Salve aus seinem Gewehr gegen die Tunneldecke rattern. Damit war das lautlose
Vorrücken vorbei. Alle wussten dies. Sie erhoben sich aus den Schatten der Stahlträger des
Tunnels. Ein Stakkato aus Gewehrsalven hallte durch den Tunnel. Alle Salven waren leise,
schallgedämpft, aber die reine Anzahl der Schüsse ließ es laut durch den Tunnel hallen. Der
Anführer machte sich deswegen keine Sorgen. Sie hatten den Tunnel fast hinter sich. Vor
ihnen öffnete sich schon die Höhle mit den Einrichtungen, welche sie sprengen sollten.
Ebenso wenig vergaß er den anderen Auftrag. Sein Leute hatten schon den Tunnel hinter
ihnen großzügig mit den Giftgas Drohnen bestückt. Seite 74
Terag wollte schon den Raketenwerfer absetzten und Mensk anweisen, dem
Kommandozentrum zu melden, dass keine Helikopter auf der Basis stationiert zu sein
schienen, als er die erste Harpye erblickte. Schwarz lackiert schwebte sie mit dem leisen
schrappen der Rotoren über dem Rabennest. Ein zweiter Helikopter hob sich in die Lüfte und
stabilisierte sich neben dem Ersten. Schwarz lackiert dachte Terag und schüttelte den Kopf.
Die Lackierung hob sie perfekt vom grauen Nachthimmel ab und seine Zielerfassung schien
über das gefundene Fressen zu frohlocken. Ein leises Pfeifen ertönte, als der kleine
Gefechtscomputer in dem Raketenwerfer das Ziel als erfasst protokollierte. Terag wartete
noch eine Sekunde und gab der Rakete in der Röhre Zeit sich auf das Ziel zu programmieren.
Natürlich konnte man auch ohne diesen Zusatz die Rakete ins Ziel bringen, aber wozu hatte
man diesen neuen Typ Raketenwerfer entwickelt? In der Zielerfassung wurde das Fadenkreuz
grün. Terag drückte ab und an seinem Ohr zischte es laut.
Die Rakete zog einen hellen roten Schweif hinter sich her, bevor sich genau in die Mitte des
Helikopter einschlug. Der zweite Helikopter drehte ab. Man konnte erkennen wie überstürzt
dies geschah. Beinahe hätte der Pilot seinen Helikopter in eine so missliche Lage gebracht,
dass er ohne eine Rakete zu einem Wrack wurde. Doch Terag war nicht untätig gewesen. Eine
zweite Rakete war bereits in die Röhre eingeführt worden und die Zielerfassung arbeitete. Das
ganze war Lasergestützt um die Entfernung zu messen. Der Pilot schien ein Frühwarngerät an
Bord zu haben und versuchte ab zu drehen. Aber der Raketenwerfer hatte sein Ziel erfasst und
die Rakete selbst war programmiert. Die Entfernung war kurz und so brauchte die
Zielerfassung Faktoren wie Wind und Böen nicht ein zu berechnen. Auch der zweite
Helikopter verging in einem großen Feuerball. Seine Reste stürzten auf den Rabenbunker
nieder und brachten dort etwas zur Explosion. Vermutlich ein dritter Helikopter, dachte
Terag. Das musste es gewesen sein. Er wies Mensk an die Meldung vom Abschuss
durchzugeben. Nicht das es zu übersehen war, aber Meldung machen war ein wichtiger Faktor
für alle Teams des Einsatzes.
Sie hatten bereits an vier Gebäude Sprengladungen angebracht, als sie auf ernste Gegenwehr
stießen. Einige Soldaten der Gegenseite hatten sich in einem Depot verschanzt und setzten
nun schwere Waffen ein. Es war Zeit für den Rückzug. Die Drohnen waren ausgesetzt, der
Schaden durch die Sprengungen würde enorm sein. Der Anführer gab den Befehl zum
Rückzug.
Er selbst zog zwei Handgranaten aus seinem Gürtel und warf sie in Richtung des Depots. Eine
davon schaffte es bis zum Eingang bevor sie detonierte. Es war ein Munitionsdepot.
Zumindest war es das gewesen bevor es die Handgranate in einen waschechten Krater
verwandelt hatte. Der Anführer verzog sein Gesicht zu einem Grinsen. Zumindest hielt er dies
für ein Grinsen. Mit Humor hatte er noch nie viel anfangen können, aber solche Effizienz
machte ihm doch Freude.
Die Explosionen konnte man selbst im Dorf spüren. Vier kurz hintereinander liegende
Detonationen schienen den Berg in seinen Grundfesten zu erschüttern. Dann kehrte Stille ein.
Nur noch vereinzelt vernahm man Gewehrfeuer. Mensk meldete einen erfolgreichen
Abschluss der Aktion. Sein Datenblock gab keine Details preis, aber sie hatten ihre Aufgabe
ebenfalls getan. Terag gab den Befehl zum Rückzug.
6
Kasian studierte die ersten Berichte über den Einsatz. Er war für seine Verhältnisse früh
aufgestanden und hatte den Einsatz verfolgt. Laut den ersten Meldungen hatten seine
Angriffskommandos 10 Mann verloren. Die Ablenkungstruppen hatte es schwerer getroffen. Seite 75
Etwa 45 Soldaten waren gefallen. Zumeist durch die Schützen in den Bunkern. Aber dies war
unvermeidlich gewesen. Sie hatten einen Täuschungsangriff starten müssen. Sonst wäre Wulf
ihnen auf die Schliche gekommen.
Der Erfolg des Einsatzes war dennoch unverkennbar. Die Infrastruktur von Wulf lag am
Boden, da war sich Kasian sicher. Vier wichtige Versorgungsgebäude und ein Depot
vernichtet. Zwei oder drei Helikopter, wohl die Reste seiner kleinen Luftstreitmacht
ausgeschaltet und im angeschlagenen Herz seines Reiches eine Unzahl an Drohnen. Es würde
nicht mehr lange dauern, bis die Reste von Wulfs kleinem Alpenreich ausgeweidet würden.
Kasian hoffte nur, dass er den größten Brocken erwischen würde. Er hasste es den
Handlangern von Hassan auch nur einen Quadratmeter in Europa abgeben zu müssen. Wulf
war nur Machtgierig, aber Hassan hatte mehr im Sinn, das stand für Kasian fest.
Sander betrat das Büro. „Sir, es kommt eine Nachricht herein.“ Kasian schaute auf und
runzelte die Stirn. Sein Adjutant schien leicht nervös. Zwar war Sander noch jung, aber er
würde einen hervorragenden Nachfolger abgeben, sollte sein Sohn diese Aufgabe nicht
übernehmen. Es musste etwas wichtiges sein. Ansonsten würde sein so perfekt gekleideter
Adjutant nicht nervös werden.
„Was haben wir denn Sander?“ fragte Kasian. „Sir, Wulf hat in seinem Territorium den
Angriff auf seine Festung gemeldet.“ Kasian lächelte. „Nun verschweigen konnte er diesen
großen Knall ja auch nicht.“ „Das stimmt, Sir. Aber er hat alle Getreuen zu einem generellen
Krieg gegen uns aufgerufen. Er benutzte sogar diese alte Redewendung des ‚Totalen
Krieges‘.“ Kasian schwieg einen Moment. „Kann er uns gefährden?“ Sander trat an die
Konsole und rief eine Karte auf. „Sehen sie Sir. Hier treffen sich die Tunnels, welche von
unserem Gebiet in ihre führen. Dort sind Truppen aufgezogen. Unsere Aufklärung hielt es
nicht einmal für möglich, dass er noch so viele Soldaten aufbringen kann.“ Kasian studierte
die Karte auf dem Bildschirm und rief dann eine Überwachungskamera auf. Sie zeigte einen
Tunnel der im Grunde schon zu Wulf gehörte. Die Wunder der Spionagetechnik. „Dieser
Wahnsinnige. Das sind keine Soldaten. Schauen sie Sander. Das sind treue Bürger der
Bruderschaft, Wulf hat ihnen einfach Gewehre in die Hand gedrückt.“ Sander war sprachlos.
Kasian brannte vor Wut. Soldaten in den Krieg zu schicken war eine Sache, aber Zivilisten
mit einem Gewehr in den Tod zu hetzen eine Andere. „Ich will diesen Wahnsinnigen
sprechen. Sofort!“
Die Rekruten waren zusammen mit den anderen Truppen zurückgekehrt. Man hatte ihnen
befohlen sich auszuruhen, da eine weitere Aktion in den nächsten 24 Stunden geplant sei.
Gregor und seine Kameraden bemerkten wie die Erschöpfung über sie kam. Nach der vielen
Aufregung und dem Stress war dies die natürliche Reaktion des Körpers. Er verlangte nach
Entspannung und Schlaf.
Sie gehorchten und legten sich nach einer kurzen Dusche sofort auf ihre Feldbetten. An ein
Essen dachte niemand. Auch Terag legte sich auf sein Feldbett in der Ausbilderbaracke. Doch
bei ihm wollte sich der Schlaf nicht einstellen. Er stellte sich immer wieder die selben Fragen
und fand darauf keine Antwort. Warum wurden sie bevorzugt behandelt. Seine Rekruten
hatten bereits den ersten Kampfeinsatz hinter sich bevor sie ihre Ausbildung abgeschlossen
hatte. Jemand schien ein besonderes Interesse an seinen Rekruten zu haben. Sicher, sie waren
gut. Mehr noch, sie waren das Ergebnis einer besonderen Auslese, aber trotzdem war dies
nicht die normale Vorgehensweise. Mangel an Soldaten bestand in Kasians Territorium auch
nicht. Sie hatten zwar heute morgen eine große Anzahl an Leuten verloren, aber Kasian hatte
genügend Reserven. Terag würde aufmerksam beobachten müssen um zu erfahren was
dahinter steckte. Mit diesem Gedanken drehte er sich um und versuchte einzuschlafen. Seite 76
„Kasian, sie Hurensohn, was wollen sie noch von mir?“ Kasian lies ein kaltes Lächeln um
seine Mundwinkel spielen. „Welch freundlich Begrüßung, Wulf. Ich denke wir sind uns über
unsere Beziehungen im klaren. Und wir wissen beide, dass sie verloren haben.“
„Glauben sie wirklich ihr kleines Feuerwerk unten in meinem Keller hat mir geschadet? Nicht
mehr lange und sie werden mir zu Füßen liegen. In Ketten und um Gnade winselnd,“ spie
Wulf wütend aus. Kasian lächelte abermals. „Wie gesagt, wir wissen beiden wie es um sie
steht. Ich empfehle ihnen diese Zivilisten zurück zu ziehen. Ein Massaker wäre das
Schlimmste was der Bruderschaft passieren könnte.“ „Meine Heimwehr der Bruderschaft
handelt nach eigenem Ermessen. Ich kann und will sie nicht aufhalten wenn sie ihre Heimat
vor Aggressoren wie ihnen verteidigen wollen,“ antwortete Wulf. „Gut, versuchen wir es
anders mein Lieber,“ begann Kasian, „sie ergeben sich innerhalb der nächsten fünf Stunden.
Ihre Heimatwehr würde nie ohne ihren Befehl ausrücken, das weiß ich. Sie pfeifen diesen
Pöbel zurück und retten damit das Leben dieser Brüder. Sie werden ein ruhiges Leben in
meiner Organisation führen und die Bruderschaft wird in Europa wird wieder stark sein.“
Kasian wusste selbst, dass er darauf nicht eingehen würde. Aber er hoffte zumindest mit
diesem Ultimatum den Angriff dieser lächerlichen Heimwehr aufzuschieben. Sie hatten keine
Chance gegen seine Panzer und Kasian wollte ein Gemetzel unter Anhängern der
Bruderschaft verhindern.
Kasian wurde aus seinen Gedanken gerissen, als er das irre Lachen von Wulf hörte. „Ich
ergebe mich nicht. Ihr Ultimatum wird mein Ultimatum sein. In fünf Stunden werden meine
Anhänger sie überrenne!“ Damit unterbrach Wulf die Verbindung. Kasian ballte die Hand zur
Faust und fluchte: „Bastard! Verfluchter irrer Bastard!“
In den nächsten 24 Stunden? Von wegen. Sie hatten zwei Stunden geschlafen. Gregor
verfluchte seinen Vater. Was hatte er denn nun schon wieder für einen Konflikt angezettelt?
In einer Stunde würden sie ausrücken. Ziel und Auftrag war bisher unbekannt. Terag hatte sie
geweckt und sah zum ersten Mal selbst nicht sonderlich fit aus. Sie hatten sich in die Kantine
begeben. Dort sammelten sich jetzt auch die anderen Rekruten. Die fluchten über
Ausbildungseinheiten und diskutierten über verschiedene Waffengattungen, aber Gregor
erkannte, dass sie bereits weiter waren. Der Kampfeinsatz hatte alles verändert. Nach einem
kurzem Essen begaben sie sich wieder ins Waffendepot. Es kam was kommen musste. Sie
wurden wie schon einmal an diesem Tag vollgestopft mit Waffen, Munition und HiTech. Die
volle Kampfausrüstung eben.
Es dauerte keine zehn Minuten mehr, da saßen sie bereits wieder in einem BMT und näherten
sich ihren Einsatzort. Erst jetzt übermittelte man ihnen ihren Auftrag.
Terag überflog seinen Datenblock und runzelte kurz die Stirn. „Gut. Wir spielen wieder die
Rückendeckung. Aber dieses Mal sind wir nur hundert Meter hinter den Angriffstruppen. Das
wird kein Kommandoeinsatz wie heute Morgen. Das ist ein Frontalangriff. Der Chef will
Wulf tot sehen. Wir greifen den Berg an. Sie sind geschwächt, könnten aber laut diesem
Bericht neue Truppen herangezogen haben. Das wird ihnen im Übrigen aber wenig nützen.
Natürlich werden sie sich im Berg verschanzen. Ein offener Kampf im Tal kommt in ihrer
Lage nicht mehr in Frage.“ Terag schwieg kurz. „Ihr erinnert Euch an die Giftgas Drohnen?
Das wird uns den Weg bahnen.“
Gregor schluckte hart. Er konnte sich lebhaft vorstellen wie die ganze Basis in den toxischen
Dämpfen unterging. Terag schaute seinen Rekruten in die Augen. „Wir warten ab bis die
Dämpfe abgezogen sind. Es wird nur wenig Widerstand geben. Dann übernehmen wir die
Basis.“
Sie hatten den Rest des Weges geschwiegen. Keinem war danach zumute über irgend etwas
zu reden. Alle hingen ihren Gedanken nach. Auch Terag. Er stellte sich zum hundertsten Mal,
warum er schon wieder im Einsatz war. Seine Truppe hatte sich noch nicht mal erholt, da Seite 77
wurde sie wieder in den Kampf geschickt. Die restlichen Truppen für den Angriff waren bis
auf wenige Ausnahmen aus frischen Reserven zusammen gestellt worden.
Truppenaufstellungen wurden vom Oberkommando organisiert. Also lag das Interesse an
seinen Rekruten im Führungskader um Kasian. Aber wem waren vier Rekruten so wichtig?
Wer lies durch solche Einsätze aus naiven Rekruten in kurzer Zeit stahlharte Soldaten
werden? Fragen, die sich Terag nicht beantworten konnte.
Kasian trank seinen brasilianischen Kaffee und genoss den herben Geschmack auf der Zunge.
Er liebte Kaffe und gerade wenn er im Stress war, gönnte er sich einen dieser wertvollen
Tassen. Es war nicht leicht, an solch guten Kaffee heran zu kommen. Im Grunde war es
unmöglich überhaupt Kaffee zu bekommen, aber Unmöglich gab es für Kasian nicht.
Sander stand an der Konsole und überwachte den Aufmarsch der Truppen. Zwei Generäle
hatten sich ebenfalls eingefunden und diskutierten über den Verlauf der Operation. Kasian
plante seine Einsätze ungern mit seinen Untergebenen. Nur Sander war immer als Ratgeber
bei ihm, aber in diesem Fall musste er die wichtigsten Stellvertreter einladen. Sie waren in
seiner Organisation zu mächtig um übergangen zu werden. Aus ihren Außenposten bezog
Kasian die meisten Truppen um die zivilen Truppen von Wulf in Schach zu halten, also hatten
sie auch das Recht, zu erfahren was vor sich ging. Politik musste man auch in der
Bruderschaft zu spielen verstehen.
„Sir, die Truppen sind in Position,“ meldete Sander. Kasian nickte und stand auf. „Gut.
Verbinden sie mich mit Wulf.“ Die Überraschung der beiden Generäle war ihnen ins Gesicht
geschrieben. Sie waren es nicht gewöhnt, dass man mit dem Feind erst ein Gespräch führte,
bevor sie ihn vernichteten.
„Ah Kasian, haben sie sich entschlossen sich zu ergeben?“ Wulf grinste und in seinen Augen
war etwas verrücktes. Kasian fragte sich wann Wulf diesen Zustand erreicht hatte. Es war
erschreckend wie sich dieser Mann verändert hatte. Wulf war schon immer impulsiv und
brutal vorgegangen. Aber nicht schizophren. Kasian vermutete einen Zusammenhang mit den
vielen Niederlagen und dem Machtverlust. „Ach Wulf. Sie haben den Zorn Kanes auf sich
gezogen und ich bin sein Vollstrecker!“
Mit diesen Worten trat Kasian an die Konsole und drückte zwei Tasten. Zuerst geschah
nichts. Wulf starrte in den Bildschirm und wartete. Er wusste nicht wie ihm geschah bis eine
Meldung irgendwo im Hintergrund erschien. Kasian konnte nicht erkennen wo Wulf sie ablas,
aber er wurde leichenblass. „Sie hinterhältiger Drecksack,“ spie er aus, „Giftgas…“
Kasian lächelte kalt und nickte. „Kanes Zorn ist grausam.“
Wulf verzog das Gesicht zu einer wütenden Grimasse und schrie laut. „Oh nein! Mich kriegen
sie nicht. Das Rabennest ist abgeschottet. Mich bringt ihr verdammtes Gas nicht um. Sie
müssen mich schon holen!“ Dann wurde der Bildschirm kurz schwarz um dann wieder das
taktische Schlachtfeld darzustellen. Sander fluchte. „Mist. Ein extra Bereich im Rabennest.
Der Kerl ist noch paranoider als ich gedacht hatte.“ Kasian nickte und dachte laute nach. „Ja,
damit haben wir nicht gerechnet. Hmmm … aber ich glaube das macht wenig Unterschied. In
zehn Minuten wird die chemische Reaktion abgeschlossen und das Giftgas harmloser Dampf
sein. Die wenigen Überlebenden der Basis werden sicherlich besseres zutun haben, als sich
uns in den Weg zu stellen. Wulf entwischt uns nicht mehr.“
Sie warteten etwas länger als die empfohlenen zehn Minuten, dann führte der Major seine
Truppe in den Tunnel. Man hatte sich nicht die Mühe gemacht das Tor zu sprengen. Das Loch
des gestrigen Einsatzes war noch offen und so drangen sie schnell in die Basis ein. Was sie
vorfanden war im Grunde zu erwarten gewesen. Überall lag das Personal und die Soldaten der
Basis verstreut. Nur einmal trafen sie auf einen Techniker. Er hatte eine Atemmaske in seiner
Nähe gehabt, ergab sich aber widerstandslos den Truppen. Der Major machte Meldung beim
Oberkommando. Kasian selbst erschien auf dem kleinen Gefechtsdatenblock. Dem Major Seite 78
schwoll die Brust auf doppelten Umfang als er seine Meldung machte. „Sir. Die Basis im
Berg ist gesichert. Bisher ein Überlebender.“ Kasian nickte. „Rücken sie zum Rabennest in
der Bergspitze vor. Sie werden dort auf mehr Widerstand treffen!“ Der Major salutierte. „Sir,
Ja, Sir!“
Wulf lief in seinem Kommandoraum auf und ab. Immer wieder stieg er über die Leiche seines
Basisgenerals hinweg. Er hatte versagt und hatte dafür seine Belohnung erhalten. Wulf war
außer sich vor Wut. Die letzten Meldungen die ihn erreichten sprachen von einem
Totalverlust der Basis. Die Italiener nutzen dies ebenfalls aus. Außenposten überall in seinem
Territorium wurden übernommen. Zumeist schlossen sich seine Untergebenen freiwillig
anderen Fraktionen an. Verräter. Allesamt.
Nun war die Kommunikation zusammengebrochen und der Wille seiner Leute ebenso. Sie
taten noch ihre Arbeit, aber wie lange noch? Dabei war er kurz vor dem Sieg gestanden. Die
ersten Niederlagen in der Po-Ebene hatte er verschmerzen können, aber die letzten Angriffe
auf seine Hauptbasis waren wie ein Todesurteil. Wurde erst die Hauptbasis angegriffen galt
man als so gut wie Tod. Er sollte seine Heimwehr gegen Kasian schicken. Sie könnten noch
den ersten Außenposten bei Obersdorf vernichten bevor sie geschlagen würden. Aber er
konnte sie nicht mehr erreichen. Vermutlich schworen sie längst den Eid auf Kasian. Er
fluchte lautstark, als die Stahltüre des Kommandobunkers durch eine laute Detonation ins
Innere flog. Zwei seiner Untergebenen wurden von der Türe erschlagen. Nur einer seiner
Offiziere eröffnete durch den Qualm das Feuer auf die Truppen vor der Türe. Seine Pistole
hämmerte ein ganzes Magazin in den Türrahmen, bevor eine Gewehrsalve von außen ihn
niederstreckte. Die restlichen Soldaten im Kommandobunker lagen flach auf dem Boden, ihre
Pistolen weit von sich geworfen. Verräter, dachte Wulf und zog seine Pistole.
Der Major wurde von einem Streifschuss erwischt. Irgend ein Fanatiker feuerte noch.
Unglaublich im Grunde. Es mussten tatsächlich noch Anhänger von Wulf geben. Der Major
staunte über solche Loyalität gegenüber einem Verrückten. Er hielt sich die Wunde und
befahl seinen Leuten kurzen Prozess mit dem Idioten zu machen. Sein Adjutant gab eine
Salve durch den Qualm ab und das Sperrfeuer des Idioten verstummte. Der Major nickte, hob
aber die Hand. Es konnte eine Falle sein. Die Türe lag sehr exponiert, wenn sie nun einfach
hinein stürmen würden, konnte das sehr blutig werden. Handgranaten kamen auch nicht in
Frage. Die Kommandozentrale sollte möglichst unbeschädigt übernommen werden.
Plötzlich hallten aus dem Kommandobunker drei Schüsse. Zwei schnell hintereinander
abgefeuerte und ein Schuss folgte kurz darauf. Sie waren nicht auf die Truppen vor der Türe
gerichtet.
Sander überflog den ersten Bericht des Majors vor Ort. „Sir, der Kommandobunker ist unter
unserer Kontrolle.“ Kasian stand auf und trat an die Konsole. „Und Wulf?“ „Tja Sir. Laut
dem Major hat sich Wulf das Leben genommen, Sir. Nicht ohne noch die Hälfte seines Stabes
vorher mit sich zu nehmen.“ Kasian nickte säuerlich. „Überlebende des Stabes?“ „Zwei
Adjutanten hatten offensichtlich genügend Grips und haben sich uns ergeben. Sie haben
bereits die Treue auf sie geschworen.“ Kasian lächelte. „Geben sie dem Ranghöheren das
Kommando über die Basis. Er soll sich um neues Personal kümmern. Solange stehen ihm die
Invasionstruppen zur Verfügung. Der Major vor Ort wird seine Arbeit überwachen.“ Sander
nickte langsam. „Wenn sie das für richtig halten, Sir.“
„Oh ja das tue ich. Man sollte solche neu gewonnene Loyalität doch belohnen. Meinen sie
nicht?“ Kasian lies ein eisiges Lächeln um seinen Mund spielen.
Hassan beugte sich über seinen Bildschirm. Das konnte unmöglich wahr sein, Wulf war tot?
Hassan drückte eine Taste und rief eine Europakarte auf. Das Cabal-Net aktualisierte Seite 79
stündlich Veränderungen der Machverhältnisse. Hassan verzog wütend sein Gesicht. Kasian
hatte große Teile von Wulfs Territorium übernommen. Ihm hatten sich sogar einige kleine
Gruppen in Frankreich angeschlossen. Leise murmelte Hassan: „Kasian beherrscht Europa.
Verfluchter Dreckskerl.“
Damit änderte sich eine Menge. Bisher hatte er die verschiedenen Gruppen gegeneinander
ausgespielt. Die Kämpfe waren immer vorteilhaft gewesen. Die GDI hatte die Kämpfe in
Italien unterbinden müssen. Die Rivalitäten hatten alle Parteien geschwächt und hier in Kairo
hatte er seine Macht weiter ausbauen können. Es hatte nicht mehr viel gefehlt und er wäre der
alleinige Anführer der Bruderschaft geworden. Aber das hatte sich nun geändert. Kasian war
ihm ebenbürtig geworden. Hassan ballte die Faust und zerschlug die Konsole vor sich.
Hassan rief seinen Stab zusammen. „Kasian wird bald über ganz Europa herrschen, wenn wir
nichts unternehmen.“ Ein General räusperte sich. „Sir, wollen sie ihn angreifen? Unsere
Truppen scheinen ebenbürtig.“ Hassan lächelte. „Ich werde nicht ihn angreifen. Oh nein.
Bisher stehen wir immer noch Neutral zu ihm. Ich will einen Brückenkopf in Europa. Einen
Ort an dem wir unsere Truppen sammeln können ohne sie jedes Mal unter dem Mittelmeer
durch zu schicken.“
Einer seiner Adjutanten wies auf eine Statistik. „Sir viele unsere Truppen sind noch in
Kämpfe am Jordan verwickelt. Auch an den Nil Quellen gibt es Ärger. Wir können kein
großes Angriffskontingent entsenden.“ Hassan hob die Hand. „Ich weiß selbst wie es um uns
steht. Viele Splittergruppen versuchen unsere Macht zu brechen. Die Truppen bleiben wo sie
sind.“ Er schwieg kurz, dann rief er eine Karte des Mittelmeeres auf. „Hannibal kam über die
Meerenge von Gibraltar und wanderte bis vor Rom. Dann sollte es uns doch möglich sein an
der Meerenge einen Brückenkopf zu schlagen.“
Der General runzelte die Stirn. „Das ist das Territorium von Hermandes. Er kontrolliert ganz
Portugal und einige Gebiete in Spanien. Darunter auch Andalucia, die Küste an der Meerenge.
Er pflegt eine enge Freundschaft mit Kasian.“ Hassan rieb sich die Hände. „Nun das stört uns
wenig. Wir werden mit Schiffen übersetzten und an der Küste landen.“ Der Kopf des
Generals ruckte hoch. „Mit Schiffen?“ Hassan runzelte die Stirn. „Sind sie so dumm oder tun
sie nur so? Wir brauchen Panzer dort. Ein mobiles Baufahrzeug und genügend Truppen um
die Küste zu halten. Wie soll das sonst von statten gehen als mit Schiffen? Mit kleinen
Untergrund-BMTs? Oder sollen wir die GDI um ein paar CarryAlls bitten?“ Er schnaubte
wütend. Im Grunde sollte er seinen Stab wieder ein wenig erneuern. Es gab offensichtlich
einige Schwachköpfe, welche ausgesondert gehörten. Aber jetzt hatte die Planung der
Invasion Vorrang. Über seinen Stab konnte er sich später Gedanken machen.
Gregor zerrte an einer Leiche. Er hatte sich dreimal übergeben, bevor es geschafft hatte eine
der Leichen zu dem Laster zu schaffen. Nun war sein Magen leer, aber er würgte immer
wieder wenn sein Blick auf die Gesichter der Toten fiel. Sie hatten alle eine grünliche Farbe,
die Augen waren aufgequollen und den meisten hing die Zunge dick und grünlich aus dem
Mund. Gregor fragte sich was für ein Gift das gewesen sein mochte. Sein Magen rebellierte
wieder und er spuckte Galle.
Sie arbeiteten schon sehr lange, aber immer noch schleppten er und seine Kameraden aus den
Seitengängen neue Leichen. Die Basis war voll besetzt gewesen. Gregor schätzte die
Besatzung ähnlich ein wie die Hauptbasis von Kasian. Mit dem Unterschied, dass hier die
Stadt nicht integriert lag. Das Personal hatte trotzdem um die 300 Mann umfasst. Zumindest
schätzte Gregor die Zahl aufgrund der vollen Ladenflächen der LKWs.
Der neue Kommandant der Basis lies in mit einem unglaublichen Tempo alle Schäden
beheben und er benutzte dafür alle verfügbaren Mittel. Nun da ihm wieder eine große Anzahl
an Material zu Verfügung stand, waren die größten Schaden bald behoben und der Berg
wieder sicher. Eine Alpenfestung, welche man nur mit schweren Geschützen knacken konnte. Seite 80
Sie verbrachten noch zwei weitere Stunden damit, Leichen ein zu sammeln, bevor sie sich in
der Kantine versammelten. Es fand eine informelle Lagebesprechung statt. Laut dem neuen
Kommandanten des Rabennestes war fast das gesamte Territorium von Wulf an Kasian
übergegangen. Der Jubel der Truppen war laut und donnernd. Sie alle wussten, dass sie nun
dem Anführer der mächtigsten Gruppe in Europa dienten. Als der Jubel verebbte teilte der
neue Kommandant die Truppen neu ein. Einen Teil der Invasionstruppen blieben als
Besatzung im Berg. Die restliche Besatzung wurde von anderen Außenposten gestellt, welche
einen Trupp entsannt hatten. Es musste kompliziert sein in so kurzer Zeit die Basis wieder
voll in Betrieb zu nehmen, dachte Gregor, aber es schien als ob allein die Euphorie die Truppe
zu Meisterleistungen beflügelte. Der Gedanke einer vereinten Bruderschaft in Europa schien
Berge zu versetzen. Gregor und seine Kameraden wurden allerdings zur weiteren Ausbildung
zurück beordert.
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Kasian stand vor dem Videoschirm und begrüßte seinen Freund Hermandes am anderen Ende.
Er hatte wenige Freunde in der Bruderschaft, aber Antonio Hermandes gehörte definitiv dazu.
Sie hatten schon sehr oft zusammen Schlachten geschlagen und beide ihren Nutzen daraus
gezogen. Der gebbürtige Spanier herrschte inzwischen über große Teile von Spanien und
Portugal. Ein wichtiger Verbündeter.
„Buenas dias Kasian,“ begrüßte ihn Antonio. Kasian lächelte. „Hola, mein Freund. Was gibt
es neues bei dir?“ Antonio grinste. „Die GDI hat Portugal fast vollkommen verlassen.
Lisabon ist ihr letzter Stützpunkt. Ich glaube sie haben keine Lust mehr wegen den wenigen
Einwohnern einen Krieg gegen mich zu führen. Ist ihnen zu verlustreich.“ Kasian nickte.
„Das ist gut.“ Antonio blickte auf etwas neben der Kamera. „Si amigo. Aber wie ich sehe,
sind deine Erfolge weitaus größer. Ich gratuliere!“
Kasian verschränkte die Arme hinter dem Rücken. „Es war riskant aber nötig. Wulf ist
verrückt geworden.“ Hermandes nickte. „Si, ich habe mit ihm gesprochen. Er bat um Hilfe,
aber seine Wortwahl war etwas, nun sagen wie unhöflich.“ Kasian lachte und sagte: „Oh bei
dir auch? Nun das hat sich jetzt ja erledigt. Aber ich hätte da eine Bitte.“
Hermandes lächelte. „Ah Amigo, für dich immer, worum geht es?“
Der Schlamm spritzte rechts von Gregor auf. Verflucht, er hatte wieder eine Falle übersehen
und somit einen der Ausbilder auf sich aufmerksam gemacht. Gregor warf sich in den
knöcheltiefen Schlamm und feuerte auf die computergesteuerten Gegner. Zielscheiben mit
echten Gewehren. Die Ausbilder steuerten sie von einer Konsole aus. Sein Glock hustete drei
Schüsse aus dem Lauf und lies die Zielscheibe am Hals zersplittern. Gregor spielte den
Anführer ihrer kleinen Truppe. Ihm folgten seine Kameraden. Sie wurden auf
Dschungelkampf trainiert. Guerillataktiken waren für die Bruderschaft sehr wichtig, vor allem
falls sie jemals in Sümpfen oder dichten Wäldern operieren mussten.
Samuel deckte ihm den Rücken und als sein M16 plötzlich hinter ihm hämmerte, duckte sich
Gregor schnell. „Heckenschützen!“ zischte Samuel. Gregor hob die Hand und befahl langsam
vorzurücken. Er war wirklich überrascht wie viel man in einer flachen Höhle alles bauen
konnte. Diese kleine Höhle war zu einem Urwald Parkuhr geworden. Gregor erspähte aus den
Augenwinkeln eine Bewegung und feuerte in die Richtung vier Geschosse ab. Mit Sicherheit
hatte er nicht getroffen, daher deutete er auf das Gebüsch und seine Kameraden eröffneten aus
drei M16-Impulsegwehren das Feuer. Der Busch brannte innerhalb kurzer Zeit und dahinter
kam eine verkohlte Zielscheibe zum Vorschein.
Eine weitere Bewegung lies Gregor herumfahren und seine Pistole Marke Glock auf das neue
Ziel auszurichten. „Stopp!“ echote es aus einem versteckten Lautsprecher und Gregor hielt Seite 81
sich zurück um nicht abzudrücken. „Danke das sie eine gute Reaktion haben Panterre,“ sagte
Terag. Er war das neue Ziel gewesen, dass unverhofft aufgetaucht war. „Sir?“ fragte Gregor
überrascht. Dieser nickte nur. „Ihre Übungen in diesem Bereich sind für heute Beendet. Sie
haben sich gut geschlagen für den Anfang, Auch wenn ich nichts davon halte wie sie das Ziel
hinter dem Busch erledigt haben. Das lenk doch etwas viel Aufmerksamkeit auf sie.“ Er
schmunzelte. „Aber gut, das Ziel haben sie ausgeschaltet, daran kann keiner rütteln.“
Die Dusche war ungemein erfrischend gewesen, stellte Gregor fest, auch wenn es ewig
gedauert hatte den Schlamm abzuwaschen. Samuel hatte bereits die Theorie aufgestellt, dass
der Schlamm der Grundstoff für die Titanplatten sein könnte, so wie er an einem klebt.
Phillip dagegen favorisierte eine Rekrutenversion, nachdem der Schlamm aus den
Essensresten der Kantine gewonnen wurde. Alle Theorien die im Umlauf waren, schienen
ungemein geschmackvoller Natur zu sein.
Nach einer Stunde versammelten sie sich in einem Besprechungsraum in der
Ausbilderbaracke. Terag stand breitbeinig vor ihnen. Sein Grinsen war seltsam. Alle
befürchteten schon eine neue Ausbildungsmethode. Vielleicht hatten irgendwelche
sadistischen Wissenschaftler etwas neues entdeckt, um Rekruten auf Trapp zu bringen. Doch
es schien etwas anderes im Busch zu sein. Terag schien wirklich erfreut über die Neuigkeit,
die er verkünden wollte.
Seine Stimme war laut und fest. „Rekruten. Ihr habt einen Günstling im Stab von Kasian.
Anders kann ich es mir nicht erklären!“ Gregor konnte sich denken wer dieser verdammte
Günstling war. Vermutlich würde die Neuigkeit sie wieder in irgendeinen Kampf bringen. Als
Rekruten, um mehr Erfahrung zu sammeln. Als Bonus, für den Sohn von Kasian. Gregor
schluckte und harrte der Dinge die da kommen mochten.
Terag grinste breit, breiter als er jemals zuvor gegrinst hatte. „Rekruten. Wir werden einige
Zeit im Ausland trainieren.“ „Im Ausland?“ stieß Chris hervor. Der Blick des Ausbilders
brachte ihn gleich wieder zum schweigen. „Wir wurden abkommandiert um ein Training an
der Küste von Portugal zu absolvieren. Kommandant Hermandes wird uns nach dieser kleinen
Ausbildung für einige Zeit in seine Truppen integrieren um Erfahrungen auszutauschen.“
Gregor schnaubte erstaunt durch die Nase. Samuel und Phillip standen die Münder offen und
Chris war erst recht sprachlos und unsicher was hier vorging. „Macht Euch bereit. Wir
werden in vier Stunden die Basis verlassen. Ihr könnt wegtreten!“
Sander trat auf den graue Korridor. Er fühlte sich immer ein wenig unbehaglich wenn er diese
Gefängnis besuchte. Er folgte dem roten Strich auf dem Boden. Dieser würde ihn direkt zu
den gefangenen Wissenschaftlern bringen. Schon längere Zeit hielten sie diese Gruppe von
Wissenschaftlern hier fest. Man erzählte ihnen, wenn sie nicht kooperierten, würde man ihre
Familien töten. Da den japanischen Wissenschaftlern viel an ihren Frauen und Kindern lag,
arbeiteten sie hart an der Stealthtechnologie. Sander erinnerte sich noch, an das Kommando,
welches sie aus ihrem Labor entführt hatte. Er war der Major der Truppe gewesen. Die
Wissenschaftler waren Verräter gewesen, genau wie ihr Kommandant. Ihre
Neuentwicklungen auch der GDI anzubieten war ihr Untergang gewesen. Bevor eine alliierte
Streitmacht der Bruderschaft ihre Basis dem Erdboden gleich gemacht hatte, war Sander und
sein Trupp in die Labors eingedrungen. Sie hatten die Wissenschaftler entführt um sie für
Kasian arbeiten zu lassen. Das war ein großer Fang gewesen. Sander hoffte nur, dass die
Gefangenen nie die Wahrheit über ihre Familien erfuhren. Der Zorn Kanes war grausam und
allumfassend.
Aber heute gab es mehr zutun als das Stealthprojekt voran zu treiben. Einer der
Wissenschaftler hatte den Auftrag bekommen, eine alte Tafel zu entziffern. Diese Tafel
stammte aus dem Stammland der Bruderschaft und war schon über 1000 Jahre alt. Dumm nur,
dass selbst die Anführer der Bruderschaft nicht mehr das Wissen hatten um sie vollständig zu Seite 82
entschlüsseln. 1000 Jahre, dachte Sander. So lange hatte Kane schon die Bruderschaft gelenkt
und was war nun? Kleine Gruppen kämpften gegen einander anstatt gegen die GDI. Er
verabscheute all diese Ränkespiele und Intrigen.
Mit diesen Gedanken erreichte er das Ende des Korridors. Ein Wachposten stand vor der
Türe. Sander legte seine Hand auf ein schwarzes Feld in der Wand. Ein roter Stahl tastete
seine Hand ab um dann mit einem leisen Piepton sein „OK“ zu geben. Die Wache nickte nur
und die schwere Stahltüre öffnete sich knirschend. Einer der Wissenschaftler, ganz
offensichtlich kein Japaner stand vor ihm. Er schien auf ihn zu warten. Sander überlegte kurz,
bevor er dem Gesicht den richtigen Namen zuordnen konnte. Natürlich, dies war Karjiditsch.
Der Wissenschaftler war natürlich kein Japaner, aber auch er war hier Gefangener. Der Mann
kam aus Belgrad. Aber in ganz Jugoslawien und den Nachbarstaaten wie Kroatien war die
GDI sehr stark vertreten. Allein um zu verhindern, dass NOD Jünger in die Nähe des Tempels
kamen. Sander war immer wieder überrascht welche Mittel man dafür einsetzte. Es war
unglaublich. Die Dichte von GDI Posten war im Balkan nach fast 30 Jahren immer noch
dreimal so hoch wie sonst in der Welt. In Belgrad hatte man Karjiditsch dann auch erwischt.
NOD Aktivisten hatten dort ein schweres Leben. Kasian hatte ihn befreien lassen, aber dieser
Kerl hatte seine Loyalität nicht Kasian unterstellen wollen. Nun so endete er eben bei den
Japanern. Sander staunte immer wieder über die Sturheit des Serben. Warum schwor er nicht
Kasian die Treue? Nur Kasian hatte es bisher geschafft die Bruderschaft in Europa merklich
zu einen. Kasian würde in einigen Jahren die Bruderschaft anführen und Kanes Wille
ausführen.
Kanes Wille. Das brachte Sander wieder zurück zu seinem Auftrag. „Na, sind sie voran
gekommen mit der Tafel?“ Der Serbe nickte. „Deswegen habe ich sie rufen lassen. Ich habe
eine Passage entziffern können.“ Er winkte Sander zu und bedeutete ihm zu folgen. Nach
einigen Metern gelangten sie an die Arbeitsnische des Serben. Die Tafel stand in der Mitte auf
einem Sockel. Der Computer in der Ecke entzifferte gerade eine weitere Passage nach
Karijditschs Eingaben.
„Hier dieser Abschnitt handelt vom Tiberium.“ Sander staunte. „Diese Tafel ist gut und gern
1000 Jahre alt. Sind sie sicher?“ Der missbilligende Blick des Serben erübrigte eine Antwort.
„Diese Tafel ist laut dem na ja … sagen wir Impressum am Ende der Tafel von einem
Kerubim gefertigt worden. Er hat diese Tafel von einer älteren Schriftrolle oder Schrifttafel
kopiert. Anscheinend sind es die Prophezeiungen Kanes, welche hier enthalten sind.“ Sander
keuchte laut. „Unglaublich.“
Der Serbe strahlte förmlich. „Ja, aber es kommt noch besser. Ich konnte einige Zeilen aus
einer alten Kerubim Schriftrolle übersetzten und diese Buchstaben auch auf die Tafel
übersetzten. Die Kerubim benutzen einen eigenen Dialekt der ältesten Sprache der
Bruderschaft. Sie scheint auf einer Mischung von Alt-Ägyptisch und Persisch zu sein. Aber es
gibt auch Einflüsse von anderen Kulturen. Hebräisch und Syrisch ist ebenso enthalten wie
einige afrikanische Einflüsse….“ Sander runzelte die Stirn. „Kommen sie zum Punkt, ich bin
fasziniert, kann ihnen aber mit Sicherheit nur bedingt folgen!“
Der Serbe sah enttäuscht aus, seine Erkenntnisse niemandem präsentieren zu können, fuhr
aber fort. „Nun gut. In der Zeile der Übersetzung steht etwa: Kane sprach in seiner großen
Rede vor den Brüdern im Tal der Mihraj von den großen Dingen, die da kommen sollen. Von
magischen Pflanzen welche Gold und Edelsteine aus der Erde ziehen werden und die Welt
verändern wird, wie wir sie kennen. Die Bruderschaft würde sich dieser Pflanze annehmen
und sie verbreiten über die ganze Welt……“ Sander brummte nachdenklich. „Wir sollen das
Tiberium verbreiten? Das ist Kanes Wille?“
Der Serbe nickte eifrig. „Das ist nur eine Passage. In einer anderen geht es offensichtlich um
einen geheimen Tempel in Zentralafrika. Ich habe noch viel Arbeit vor mir, aber ich dachte
das wäre wichtig.“ Sander nickte. „Das war es. Ich danke ihnen. Machen sie so weiter und in
nicht all zu ferner Zeit werden die nach Hause zurückkehren können.“ Sander lächelte. „Mit Seite 83
Dutzenden Panzerdivisionen um ihr Land von der GDI zu befreien.“ Der Serbe antwortete
nicht.
Sander verließ die Räume der Gefangen und begab sich auf den Korridor. Das waren wirklich
große Neuigkeiten. Das musste Kasian sofort erfahren, beschloss er und sein Schritt
beschleunigte sich.
Die vier Rekruten packten ihre Rucksäcke. Viel konnten sie nicht mitnehmen, aber zumindest
würden sie nicht in voller Kampfausrüstung reisen. Sie würden etwa drei Tage brauchen um
nach Portugal zu kommen. Kommandant Hermandes hatte seine derzeitige Kommandobasis
etwa 100 Kilometer von Lisabon entfernt aufgeschlagen. Der einzigen noch richtig
bevölkerten Stadt in ganz Portugal. Dort war noch die GDI schwer präsent und Hermandes
versuchte sie zu vertreiben. Jedenfalls hatte man das ihnen gesagt.
Gregor war fasziniert wie schnell man unterirdisch reisen konnte. Sie würde drei Tage mit
einem speziellen Untergrundzug brauchen. Dieser Zug verband wichtige Zentren der
Bruderschaft durch Hochgeschwindigkeitstunnels. Natürlich führte der Zug nur bis etwa die
Mitte Spaniens, aber ab da würden sie dann durch kleiner Tunnels reisen. Das war sicherlich
auch nicht so schlimm.
Ihr Gepäck geschultert machten sie sich auf den Weg zu den Hangars. Zum Glück war diese
Basis direkt an die Zugstrecke angeschlossen. Ein kleiner Bahnhof war errichtet worden und
fertigte nun die Züge ab. Zumeist natürlich Güterzüge. Der Tunnel war für Nachschub in
Europa konzipiert worden und so wurde er nun auch genutzt. Täglich wurden durch ihn und
seine Nebenstrecken große Mengen an Gütern zwischen den einzelnen Gruppen in der
Bruderschaft verschoben. Nur so war es möglich, dass alle genügend Rohstoffe und Güter wie
Nahrung besaßen. Natürlich gab es das eine oder andere Embargo, wenn eine Feindschaft die
Beziehung zweier Gruppen strapazierte, aber der Güterverkehr war meist zu wichtig um ihn
zu unterbrechen.
Gregor und seine Kameraden stapften in den Personenbereich des Bahnhofes. Sie waren etwa
eine viertel Stunde unterwegs gewesen um ihn zu erreichen. Die Wartehalle schien selten
benutzt zu werden. Aber das war auch kein Wunder. Im Normalfall war es sehr teuer Leute in
den Zügen mit zu schicken. Es gab spezielle Sicherheitsprotokolle. Zuggäste durften eine
Lounge nicht verlassen. Man befürchtete, dass eine kleine Splittergruppe vielleicht den
Zugverkehr sabotieren würde. Gregor wusste, dass man den Gästebereich nicht verlassen
durfte. Nun und es war auch sehr ungesund. Bei einem solchen Vergehen wurde die Lounge
und der Rest des Zuges mit Giftgas geflutet. Die Franzosen hatten darauf bestanden.
Selbstschussanlagen würden nur das Material selbst schädigen, argumentierten sie.
In der Wartehalle wurden sie von zwei weiteren Soldaten empfangen. Sie würden mit ihnen
reisen. Der Eine stellte sich Max Schleif vor. Er war eine Art Diplomat, offensichtlich sollte
er in Spanien einen Besuch bei einer Madrider Gruppe machen. Der Andere hieß Andrew
Pochrow. Er machte hier nur einen Zwischenstopp wie er kurz erzählte. Gregor vermutete,
dass er aus Russland kam. Dort war die Bruderschaft weitaus stärker. Zwar fehlte es ihnen an
Mitteln und Ausrüstung, aber die Anhängerschaft war weitaus größer. Das lag wahrscheinlich
auch daran, dass die GDI dort bisher wenig Leute evakuiert hatte. Nun, zuerst kamen die
Länder, welche die GDI finanziert hatten und dazu gehörte mit Sicherheit nicht Russland.
Gregor spürte einen starken Luftzug, dann fuhr der Zug ein. Der Zug war ganz in schwarz
gehalten. Alle schien aerodynamisch gebaut zu sein. Die Spitze des Zuges hatte mehr das
Aussehen eines Flugzeuges. Die Güterwagen waren in den Zug angepasst und
Gummischleusen dichteten die Lücke ab. Dieser Zug war auf Geschwindigkeit ausgelegt. Es
konnte gar nicht anders sein, dachte Gregor. Schon war in Gedanken und sah sich mit diesem
Gefährt durch die Tunnels rasen. Erst da bemerkte er, dass der Zug keine Fenster hatte und
auch ohne jegliche Lichter fuhr. Nur der rote Schein der Computersensoren war zu sehen. Seite 84
Sie stiegen schnell ein und machten es sich in der komfortablen Lounge bequem. Die
Rekruten und ihr Ausbilder waren mit den zwei Diplomaten allein. Anscheinend hatte dieser
Zug selten Gäste. Alles sah brandneu und fast unbenutzt aus. Gregor lies sich auf einem der
gepolsterten Sitze nieder. Alles war sehr bequem eingerichtet stellte er fest. So schlimm
würden die nächsten Tage nicht werden. Gregor verstellte seinen Sitz und erkannte, dass man
in ihnen relativ gut schlafen konnte. Samuel hatte inzwischen den Speisebereich gefunden.
Eine kleine Nische in der man aus einem Kühlfach drei verschiedene Speisen auswählen
konnte. Ein Mikrowellenherd erledigte den Rest der Arbeit. Sie deponierten ihre Ausrüstung
in einem Schrank am Ende der Lounge. Sie würden ihre Rücksäcke genauso wenig benötigen
wie die M16 Gewehre.
Nachdem einige Güter vom Basispersonal entladen worden waren, setzte der Zug seinen Weg
fort. Gregor spürte wie der Zug beschleunigte. Sie nahmen Kurs auf Frankreich. Es gab nur
drei oder vier dieser Güterzüge und so konnten die Strecken je nach Bedarf sehr flexibel
genutzt werden. Sie würden einen Zwischenstopp bei Straßburg machen und dann weiter
Richtung Paris fahren. Schließlich würde man noch in der Gegend der Mittelmeerküste von
Frankreich gelangen. Die Strecke steuerte zwar immer die Metropolen der jeweiligen Länder
an, aber nie führten sie direkt zu ihnen. Die Gefahr einer Entdeckung war zu groß. Schon
öfters waren GDI Spähtrupps in die Tunnel eingedrungen, aber bisher hatte man sie immer
erwischt. Da man ihre Leichen auf der Oberfläche in entsprechender Entfernung abgeladen
hatte, war die GDI bisher nicht hinter dieses Versorgungsnetz gekommen. Gregor fragte sich,
wie lange das noch gut gehen konnte. Die neuen Sensoreinheiten der GDI spürten
Untergrundbewegungen in einem Umkreis von einigen Kilometern auf. Das konnte eine
ernsthafte Gefahr für die Züge darstellen. Die GDI war schließlich nicht dumm und wenn ein
Signal alle paar Tage die selbe Strecke nahm, würden sie sicher misstrauisch. Aber immerhin
lagen die Tunnels sehr tief unter der Erde. Der Aufwand zu ihnen zu graben war enorm und
reguläre Eingänge gab es wenige.
Gregor schloss die Augen und beschloss zu schlafen. Was sollten sie auch sonst tun. Drei
Tage würden sie hier in dem Abteil gefangen sein. Zum Glück gab es eine Toilette dachte
Gregor und musste unwillkürlich lächeln.
Kasian studierte die ersten übersetzten Passagen. Er war wirklich überrascht. So schnell hatte
er gar nicht mit Ergebnissen gerechnet. Bisher hatte der Wissenschaftler allerdings nicht viele
Zeilen übersetzten können. Die Mischung der Sprache wäre zu komplex war seine
Begründung. Dieser Kerubim Dialekt war interessant. Kasian war der alten Sprache der
Bruderschaft zu weiten Teilen mächtig, aber seine Tafel hatte er nie lesen können. Seit er sie
in Kairo erworben hatte. Nur die Begriffe Bruderschaft von NOD und Kane waren ohne
spezielle Kenntnisse lesbar.
Die Übersetzung machte Kasian stutzig. Die Passage berichtete von großen Reichtümern
welche aus dem Boden wuchsen. Damit konnte nur Tiberium gemeint sein. Dies schien eine
Prophezeiung zu sein. In alter Sprache geschrieben, wurde hier über die 90iger Jahre des
letzten Jahrhunderts berichtet. Über ein mächtiges Bündnis, welches die Bruderschaft
bedrohen würde und einen großen Krieg in deren Mittelpunkt die wertvollen Gewächse
stehen würden. Dann brach der Text ab. Der Wissenschaftler war sehr langsam bei seiner
Arbeit, aber Kasian würde dies in Kauf nehmen.
Er stand auf und schaute aus seinem Fenster. Eine Prophezeiung von Kane. Es war
unglaublich. Vielleicht würde ihm diese Tafel den Weg weisen.
Gregor hatte den ersten Tag fast komplett verschlafen. Nun aber war er hellwach und ihm war
entsprechend langweilig. Das Abteil im Zug gab wenig an Beschäftigung her und verlassen
durfte man es nicht. So sehr langweilte sich Gregor dann doch nicht, dass er sich in
Luftanhalten üben wollte. Seite 85
Die zwei Diplomaten Schleif und Pochrow unterhielten sich über die Lage in Ost Europa.
Dort war einiges in Bewegung. Zwei größere Gruppen der Bruderschaft hatten sich vereinigt
und versuchten nun ihre Macht in Polen zu festigen. Pochrow berichtete auch, dass Hassan
versuchte seine Macht weiter auszuweiten. Hassan kontrollierte weite Teile Ägyptens und des
Nahen Ostens. Auch Teile von Asien schienen sich mit ihm verbündet zu haben. Der
Diplomat befürchtete schwere Kämpfe in seiner Heimat, wenn Hassan das Schwarze Meer
überqueren sollte. Deshalb suchte er auch Verbündete. Gregor lauschte dem Gespräch, aber
bald schon wurde es ihm zu kompliziert. Die zwei Diplomaten besprachen verschiedene
Probleme in einer Fachsprache, welcher er nur schwer folgen konnte.
Samuel und Chris spielten mit ihren Datenblöcke. Als ihr Techniker hatte Chris es geschafft
einige simple Spiele auf die Datenblöcke zu übertragen. Gregor grinste. Viele Soldaten
würden ihm dafür dankbar sein. Phillip schien zu schlafen, wenn auch sehr unruhig. Gregor
schaute sich weiter um und fand seinen Ausbilder hinter ihm in einem etwas abseits stehenden
Sessel. Terag studierte etwas auf seinem Datenblock. Gregor konnte nur mutmaßen, aber
vielleicht plante Terag bereits die nächsten Tage. Vermutlich würden sie einige
Oberflächentrainings machen. Da Portugal ziemlich verlassen war, schien ihm die Gegend in
der sie Trainieren sollten ideal. Um die GDI würden sie sich nicht viel Sorgen machen
müssen. Das war ein großer Vorteil.
Der zweite Tag verlief ruhig. Der Zug gab ein leises Hintergrundgeräusch ab, aber der Wagon
schien bestens isoliert. Trotzdem setzte sich das Geräusch in den Ohren fest und animierte
zum Schlafen. Was auch viel getan wurden. Gregor las eine der Zeitungen. Er hatte sie auf
dem Weg zur Toilette entdeckt. Sie lagen in einer kleinen Nische aus. Die „Brotherhood Post“
und das „Allgemeine NOD Magazin“ waren die Highlights. Gregor schmökerte im
„Allgemeinen NOD Magazin“. Das Magazin befasste sich mit den vergangenen Kriegsjahre
gegen die GDI. Was dort geschrieben stand, war mit Sicherheit nicht für den einfachen
Frontsoldaten bestimmt. Die Propaganda welche normalerweise in solchen Magazinen zu
finden war fehlte fast gänzlich. Die Autoren der Artikel analysierten sehr objektiv. Nun dies
war eine Zeitung welche in der ganzen Welt von hohen Offizieren gelesen wurde. Für dumm
verkaufen konnte man die gebildete Elite der Bruderschaft schließlich nicht.
Das Magazin erschien zweimal im Jahr. Ein Teil behandelte die jüngsten Entwicklungen in
der Bruderschaft, der zweite Teil warf einen kritischen Blick auf Schlachten und kleine
Aktionen der Bruderschaft in den letzten Jahrzehnten.
Sie hatten Straßburg zwar angefahren, aber nicht gehalten, fiel Gregor auf. Nun erreichten sie
gerade Paris, doch hier schien der Zug einen Stopp zu machen. Zumindest drosselte er
merklich seine Geschwindigkeit.
Der Aufenthalt war kurz. Basispersonal füllte den Vorratsschrank wieder auf und leerte die
Mülleimer. Die Passagiere durften das Abteil derweil verlassen und sich die Beine vertreten.
Die Basis 30 Kilometer vor Paris war klein. In Frankreich hatte die GDI saubere Arbeit
geleistet. Nur wenige Basen der Bruderschaft überlebten den Anti-Terror Feldzug von 2014.
Inzwischen hatten sich die Franzosen wieder erholt, aber noch immer, 15 Jahre danach liefen
die Uhren hier etwas anders.
Waren in den Basen von Kasian wenig Wachen postiert, so war dies hier anders. An jeder
wichtigen Türe, welche in die Basis hinein führte waren zwei Wachposten aufgestellt. In
voller Kampfmontur. Ein Eindringen von GDI Commandos würde sehr schwer werden.
Besser gesagt, es würde ein Blutbad geben.
Gregor steuerte auf einen der Terminals im Bahnhof zu. Er wollte versuchen einige News aus
dem Cabal-Net aufzurufen. In diesem Punkt hatte ihn der Zug nämlich enttäuscht. Zwar war
der Zug Computergesteuert, aber es gab keine direkte Verbindung zum Cabal-Netzwerk der
Bruderschaft. Seite 86
Gut, vielleicht war das auch zur Sicherheit vor Hackerangriffen geschehen, trotzdem war es
nicht gerade komfortabel. Eine Wache versperrte ihm allerdings sofort den Weg. „Non
monsieur, vous n`avez pas la permission faire ca!“ Gregor blinzelte verwirrt. Er verstand kein
Französisch. In der Bruderschaft war die Standart Sprache Englisch. Einfach aus praktischen
Gründen. Erst als die Wache den Finger hob und auf das Terminal zeigte und dann eine Geste
für „Nein“ machte, verstand Gregor. Die Uhren liefen hier tatsächlich anders. Man durfte
nicht einmal ein Terminal benutzte.
Er beobachtete die Franzosen wie sie eine große Anzahl Güter aus den Wagons ausluden. Sie
waren immer noch auf die Unterstützung anderer Gruppen angewiesen. Deshalb betätigten sie
sich auch so wenig im großen Machtpoker in der Bruderschaft. Sie konnten es sich nicht
leisten jemanden auf die Füße zu treten.
Nachdem alle Gäste wieder eingestiegen waren, setzte der Zug seine Reise fort. Laut einem
kleinen Terminal, welches Chris entdeckt hatte, würde der Zug erst wieder in Spanien
stoppen. Andere Basen auf dem Weg würden sie umgehen, da keine Waren für sie im Zug mit
geführt wurden. Gregor machte es sich wieder bequem. Das Basispersonal hatte sogar die
Zeitungen ausgetauscht. Die neue „Brotherhood Post“ meldete neue Massaker der GDI.
Der Rest der Fahrt verlief ereignislos. Viele Stunden lang konnte man nichts anderes tun als
schlafen.
Die Stunden vergingen langsam und doch, irgendwann erreichten sie Spanien.
Sie waren verspannt und verschlafen. Die Diplomaten schafften es irgendwie ihre Würde zu
behalten. Sie stiegen als erstes aus dem Zug und wurden von spanischen Würdenträgern der
Bruderschaft empfangen. Dem kleinen Trupp hinter ihnen beachtete man kaum. Entweder
wurden sie für eine Leibwache gehalten oder man hielt sie einfach für zu unwichtig um sie zu
begrüßen.
So standen sie etwas verwirrt auf dem kleinen Bahnhof. Erst nach zehn Minuten näherte sich
ein Offizier und brachte sie zu einem kleinen Hangar. Gregor erkannte schnell, dass hier alles
in einem etwas kleinerem Maßstab gebaut worden war. Sein Vater hatte doch eine etwas
größere Anhängerschaft. In Spanien hatte es die Bruderschaft zwar geschafft die ETA unter
ihre Fittiche zu nehmen, aber ansonsten hatten sich recht wenig Anhänger gefunden, welche
die Ziele der Bruderschaft vertraten. Gregor überlegte. In der ganzen Welt hatte die
Bruderschaft die Terrorgruppen unter sich vereint. In Spanien war es die ETA. Sie hatten
inzwischen ihren eigenen Staat. Besser gesagt, Staaten gab es ja in Europa nur noch auf den
Papier. Alles wurde von der GDI geleitet. Die ETA hatte ihr neues Ziel, die GDI gefunden
und sie aus ihren Gebieten meist vertrieben. Sie wollten die GDI nicht in ihren
Angelegenheiten pfuschen sehen und nun unterstützen sie weiter die Bruderschaft. Immerhin
hatte die Bruderschaft jahrelang Waffen und Geld bereitgestellt.
Der Offizier war tatsächlich auch in der ETA. Ein extra Abzeichen mit dem Slogan der
Terrorgruppe zierte seine Uniform. Der Baske geleitete sie zu einem kleinen U-BMT. Er
wechselte kaum ein Wort mit seinen Gästen und kaum 20 Minuten später waren sie bereits
wieder unterwegs. Ein weiterer Tag würde wahrscheinlich vergehen bevor sie Portugal
erreichten.
Die Fahrt war noch langweiliger als im Zug. Hier gab es keine Lektüre, das Licht schien nur
matt aus dem Lampen und es gab weder Toiletten noch Raum um sich groß zu bewegen. In
der Frage der Toiletten machten die Rekruten Bekanntschaft mit den Astronautentoiletten.
Kleine Plastiktüten für die kleinen Geschäfte. Gregor war regelrecht begeistert. Die
Entsorgung wurde durch eine kleine Luke bewerkstelligt. Keiner wunderte sich mehr über die
interessanten Gerüche die in manchen Tunnels zu finden waren.
8 Seite 87
Der BMT setzte sie in einer öden Landschaft ab. Die Sonne brannte vom Himmel obwohl es
schon Nachmittag war. Kaum waren sie im Freien, da brach ihnen der Schweiß aus. Die
trockene Luft tat ihr übriges. Schnell sehnten sie sich nach etwas zu trinken.
Terag sondierte das Gelände. Er schien zu wissen wo sie sich befanden. Die Hügel waren
steinig und dünn bewachsen. Ein graues Grün füllte die hügelige Landschaft um sie. Kleine
Baumhaine reckten sich in den Himmel. Große schwarze Stellen auf den Hügel wiesen auf
Buschfeuer hin. Dies war wahrlich ein Trainingsgelände dachte Gregor.
Der Himmel war klar und leuchtet in einem hellen Blau. Terag studierte kurz seinen
Datenblock, dann begann er im Laufschritt einem kleinen Pfad zu folgen. Den Rekruten
schwante schlimmes, aber sie folgten ihrem Ausbilder. Die Landschaft änderte sich nicht.
Steine überall. Viel Staub und wenig Vegetation. Und was ihnen auffiel. Keinerlei
Tiberiumfelder. Anscheinend war das Klima hier schon wieder zu heiß und trocken um die
Ausbreitung des Tiberiums zu begünstigen. Gregor hatte nichts dagegen. Immerhin war es
sehr ungesund durch solche Tiberumfelder zu joggen. Ihm rann der Schweiß vom ganzen
Körper. Seinen Kameraden ging es genauso. Lange würden sie dieses Tempo nicht mehr
durchhalten, aber ihr Ausbilder schien gnadenlos und trieb sie immer weiter an.
Erst als die Kühle der Dämmerung ihre Schweiß ein wenig trocknete erreichten sie ein kleines
Dorf. Sie waren die letzten zwei Stunden durch ein langes Tal gewandert und waren dem
Atlantik näher gekommen. Das machte sich durch den kühleren Seewind bemerkbar der hier
ab und zu blies.
Das Dorf schien noch bewohnt. Zwar waren viele Häuser und Gehöfte verfallen, aber das
Zentrum des Dorfes schien noch gepflegt. Sie marschierten in das Dorf. Ihr Ausbilder schien
zwar keine Gefahr zu erwarten, aber trotzdem sah man, wie er jedes verfallene Haus musterte.
Jedes Gebäude bedeutete einen potentiellen Hinterhalt. Erst als sie den Dorfplatz erreicht
hatten, entspannte er sich ein wenig. Vor einem großen Haus auf der anderen Seite des
Dorfplatzes stand ein Mann. Er wischte sich die Hände an seiner Hose ab und ging dann auf
die Soldaten zu. „Ahhh … hola amigos! Willkommen. Sie sind die Gäste, die mir angekündigt
wurden?“ Seine Aussprache war nicht besonders gut, aber man konnte ihn verstehen, stellte
Gregor fest. Terag nickte nur und übergab ihm einen zweiten Datenblock aus seiner Tasche.
Der alte Mann studierte den Datenblock und lächelte dann. „Kommt mit.“
Portugal war offensichtlich ein sehr gastfreundliches Land. Sie wurden gut bewirtet und ihnen
wurde eine angemessene Übernachtungsmöglichkeit bereitgestellt. Das hieß sie wurden in
einen alten Stall geführt. Das Stroh war weich und laut Terag war das im Feld der reinste
Luxus. Die Meinung der Rekruten war etwas anders, aber sie beschwerten sich nicht. Gregor
und Phillip hatten einen Blick auf die Tochter ihres Gastgebers geworfen. Beide fanden sie
sehr attraktiv. Die Tochter hatte ihren Namen nicht genannt, sie aber sehr freundlich beim
Abendessen bedient. Sie hatten langes schwarzes Haar und ein zierliches Gesicht welches zu
ihren eher kleinen Statur passte. Gregor und Phillip fanden auch den übrigen Körperbau als
sehr interessant. Aber Terag hatte die Blicke seiner Rekruten bemerkt und wies sie darauf hin,
dass keinerlei Kontakte im Feld erlaubt seien. Die mürrischen Blicke seiner Rekruten lies in
laut Lachen. Er zwinkerte ihnen zu und erklärte, dass diese Regel nicht für die freien Tage
galten. Das baute die zwei Rekruten zwar nicht viel auf, lies sie aber zumindest die Disziplin
einhalten, welche man von ihnen erwartete.
Terag selbst lächelte noch lange während sie sich zum Schlafen fertig machten. In Gedanken
war er offensichtlich irgendwo anders. Gregor glaubte fast, eine menschliche Seite an seinem
Ausbilder erblickt zu haben, als dieser die neugierigen Blicke seiner Rekruten bemerkte und
sein Gesicht sich wieder verhärtete. Seite 88
Der Morgen kam schnell und nach Meinung der Rekruten viel zu früh. Kaum zehn Minuten
nach dem Weckruf ihres Ausbilders machten sie sich wieder auf den Weg und ließen das Dorf
hinter sich. Laut Terag hatten sie fast noch einen Tagesmarsch vor sich bevor sie die Basis
von Hermandes erreichen würden. Die Begeisterung war riesig. Nicht zum ersten Mal fragten
sich die Rekruten warum sie keinen BMT gestellt bekommen hatten. Aber sie wie sie schon
vermuteten hätten sie diesen bekommen, aber Terag hatte dies abgelehnt. Er hatte sich dafür
ausgesprochen eine kleine Exkursion durch das Gelände zu machen.
Sie kamen hier nur langsam voran. Sie hatten einen kleinen Wald erreicht. Die Bäume waren
allerdings nicht das Problem. Aber der Boden war über und über mit einer seltsamen Pflanze
bewachsen. Ein Geflecht aus fleischigen Blättern bedeckte den Boden und lies sie bei jedem
Schritt einige Zentimeter einsinken. Zuerst befürchteten die Rekruten es handle sich um eine
Tiberiummutation. Die Mutation welche der Venusfalle ähnlich seine Opfer fing. Aber der
Bewuchs stellte sich als ungefährliche Vegetation heraus. Dennoch mussten sie sich sehr
vorsichtig bewegen um sich keinen Knöchel zu verstauchen. Als sie den Waldrand erreichten
blickten sie auf eine weite freie Fläche. Terag schien darüber nicht glücklich zu sein.
Keinerlei Deckung würde sie hier schütze.
Zu allem Unglück sah man in der Ferne Staubwolken aufsteigen. Terag führte seine Rekruten
wieder zurück in den Wald und lies sie sich hinter kleinen Büschen verbergen. Er wies seine
Rekruten an sich kleine Zweige abzureisen und damit die Uniformen zu spicken. Damit
würden sie noch mehr mit dem Wald verschmelzen.
In der Ferne erblickten sie plötzlich einen Koloss von Kampfläufer. Ein mächtiger Titan
marschierte mit stampfendem Schritten auf sie zu. Vielleicht war es nur eine normale
Patrouille, aber sie konnten auch entdeckt worden sein. Gregor blickte sich um und überlegte
fieberhaft. Das große Geschütz des Kampfläufers konnte ihnen wenig anhaben. Es war für
Panzerschlachten und Angriffe auf Basen konzipiert. Nicht für den Kampf gegen wenigen
Infanteristen. Gregor blickte zu Terag und erkannte was dieser vor hatte. Er schluckte schwer
und entsicherte sein M16. Sie hatten alle zwei Handgranaten bei sich. Das sollte die
Panzerung durchschlagen können. Gregor war sich nur nicht sicher ob sie dann noch am
Leben waren. Das Geschütz war zwar nicht für den Kampf mit Bodentruppen gebaut,
trotzdem konnte es beachtliche Löcher in den Boden reißen. Und natürlich in die Soldaten
welche auf dem Boden standen.
Auf seinem Gefechtsdatenblock erschienen erste Anweisungen. Samuel und er sollten das
Feuer auf die Kanzel des Titanen eröffnen, wenn Terag den Befehl geben würde. Er schickte
sie ein paar Meter weiter nach rechts in den Wald. Er brauchte eine Ablenkung um die
Handgranaten anzubringen. Gregor gefiel das ganz und gar nicht. Phillip bewegte sich
zusammen mit Terag an den Rand des Waldes. Sie versteckten sich hinter einem großes
Busch und warteten ab. Chris sollte das Feuer eröffnen wenn etwas schief gehen sollte, damit
sie womöglich einen Fluchtweg fanden. Gregor fand den Plan unter den gegebenen
Umständen für machbar. Der Titan hatte eine große Kanzel und dank seiner Höhe konnte man
ihm schwer entfliehen. Zumindest zu Fuß und ohne Rückendeckung.
Ein grünes Licht leuchtete auf den Datenblock. Gregor hatte das Datenblocksignal auf ein
kleines Display in seinem Helm gelegt. Er holte tief Luft und sah zu Samuel. Dieser legte
gerade das Gewehr an und zielte. Gregor drehte sich zu dem Titan um und legte ebenfalls an.
Der Titan war noch weit weg und sie lagen auf einer kleinen Anhöhe. Das war gut, denn sonst
hätten sie die Kanzel gar nicht anvisieren können. Der Koloss stampfte unbeirrt in ihre
Richtung weiter. Der Boden zitterte leicht und den Schritten des Kampfläufers und große
Staubwolken wurden aufgewirbelt.
Gregor schluckte hart und krümmte den Finger am Abzug. Sein M16 begann eine Sekunde
nach Samuels Gewehr zu rattern. Die Energie der Magazine entlud sich aus den Läufen und
raste in Richtung der Kanzel. Bei der ersten Salve hatten sie den Überraschungsmoment auf Seite 89
ihrer Seite. Gregor hatte verfehlt und die Flanke des Läufers erwischt. Geschosse schlugen
dumpf auf die Panzerung und brachten die Panzerung des Läufers zum glühen. Samuel
dagegen schien besser gezielt zu haben. Er traf die Kanzel genau in der Mitte. Panzerglas
tropfte glühend von der Kanzel. Die hellen Blitze mussten den Piloten des Kampfläufers
geblendet haben, denn für einige Sekunden stand der Läufer still. Doch dann dröhnte seine
Motoren auf und der Läufer richtete sein Geschütz auf die Angreifer.
Gregor wollte im Boden versinken als um ihn die ersten Gechosse einschlugen. Erde spritzte
auf und dicke Staubwolken hingen in der Luft. Doch Samuel und er feuerten weiter. Sie
hatten sich nun auf die Kanzel eingeschossen. Sie erzielten einigen Schaden an der
Frontscheibe, aber dies würde den Läufer nicht zu Fall bringen. Gregor und Samuel
wechselten ihren Standort. Auf dem Bauch robbten sie weiter den Waldrand entlang und
eröffneten dann wieder das Feuer aus dem neuen Versteck.
Terag beobachtete den Kampf hinter seinem Busch. Er runzelte die Stirn. Der Pilot des
Kampfläufers war kein Anfänger. Er hielt sich von den Wäldern fern. Wahrscheinlich erahnte
er den Hinterhalt. Vielleicht hatte die Bruderschaft diesen Trick aber auch nur einmal zuviel
angewendet. Er fluchte leise in seiner Muttersprache und befahl Phillip sowie Chris ihm zu
folgen.
Sie erhoben sich und liefen geduckt den Waldrand entlang. Terag führte sie aus dem Blickfeld
des Titanen. Er hoffte den Kampfläufer von der Flanke her angreifen zu können. Die Zeit
drängte. Zum einen würden seine Rekruten nicht lange dem Granathagel des Titan standhalten
und zum anderen konnte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis Verstärkung der GDI
eintraf. Im Laufschritt bahnten sie sich ihren Weg durch den Wald. Dann hob Terag die Hand
und bremste ab. Er zog seine Handgranaten aus dem Gürtel. Seine Rekruten taten das Selbe.
Gregor hörte Samuel leise stöhnen. Als er sich umsah, lag Samuel auf dem Rücken. Ein
Splitter hatte sich in seine Schulter gebohrt. Gregor hörte auf zu feuern und lief zu seinem
Kameraden. Samuel zog sich bereits den Splitter aus der Schulter. „Nur ein Holzsplitter…“
presste er hervor und hob wieder sein Gewehr. Gregor sah das Blut. Ein dunkler Fleck bildete
sich um die Wunde. Eine Granate schlug einige Meter neben ihnen ein und warf sie zu Boden.
Beide eröffneten wieder das Feuer.
Gregor glaubte sein Ende sei Nahe, als plötzlich etwas aus dem Wald hervorkam. Er konnte
sich ein bösartiges Lächeln nicht verkneifen. Drei Gestalten rannten aus dem Wald. Genau in
der Flanke des Gegners. Der Pilot würde die Anderen nicht sehen. Sofort feuerte Gregor noch
eine Salve genau auf die Pilotenkanzel, damit seine Sicht eingeschränkt war. Dann gab es
sechs schnell aufeinander folgende Detonationen. Der Kampfläufer drehte sich noch halb in
die Richtung der neuen Bedrohung, dann knickte sein eines Bein ein. Es war am Fußgelenk
zerstört und hatte ihn stolpern lassen. Eine lange Sekunde wankte der Titan unsicher, dann
senkte er sich dem Boden entgegen. Zuerst langsam, schließlich mit großer Geschwindigkeit.
Der Aufschlag des Koloss war atemberaubend. Eine große Staubwolke wurde aufgewirbelt
und ein ohrenbetäubendes Krachen hallte durch die Ebene. Zwei kleine Detonationen
erhellten das Innere des zerquetschten Cockpits. Die Kanzel war gesprungen. Der Titan war
nur noch ein großer Haufen Schrott. Gregor und Samuel liefen auf den Titanen zu. Ihre
Kameraden waren bereits vor Ort. Die Waffen im Anschlag.
Leise knisterten offen liegende Kabel. Funken sprühten aus Energieleisten. Stahl ächzte unter
der Belastung für die sie nicht gebaut war. Terag näherte sich der Kanzel. Mit Sicherheit hatte
ein Teil der Besatzung den Sturz überlebt. Etwa drei Mann dürften sich im Läufer befunden
haben.
Er suchte mit dem Gewehr im Anschlag nach einem Ziel, doch als er in die Kanzel sah,
entdeckte er nur die zerschmetterten Körper zweier GDI Soldaten. Leise knurrte Terag in sein Seite 90
Helmmikro: „Da fehlt einer!“ In diesem Moment sprang eine Luke am Heck des Titanen auf
und ein Soldat sprang hervor. Chris fuhr herum und feuerte eine Salve in seine Richtung. Er
verfehlte und schmolz einen Teil der Luke. Der GDI Soldat ging in Deckung. Auch die
Rekruten hechteten hinter Trümmerstücke. Terag dagegen blieb stehen und zielte auf die
Luke. Sie konnte nicht sehr dick sein wenn die Fehlschüsse sie schon zum Schmelzen
gebracht hatten. Er kniff die Augen zusammen und versuchte zu erahnen an welcher Stelle der
Soldat wohl sitzen mochte. Nach zwei Sekunden hatte er sich entschieden und eröffnete das
Feuer. Es dauerte nicht lange, da öffnete sich ein kleines Loch in der glühenden Luke. Er hatte
sich geirrt. Der Soldat versteckte sich nicht an diesem Punkt. Das Terag mit dieser
Feststellung recht hatte, merkte er schnell. Drei Schüsse aus einer Pistole flogen ihm um die
Ohren und ließen ihn wieder das Feuer eröffnen.
Mit knatterndem Gewehr bewegte er sich nach Links um die Deckung der Luke zu Nichte zu
machen. Die Geschosse schlugen immer näher bei dem Soldaten ein. Terag ging in die Hocke
und feuerte aus seiner neuen Position. Drei weitere Schüsse antworteten. Seine Rekruten
hatten die Luke ebenfalls umgangen. Allerdings von der anderen Seite. Er war überrascht wie
schnell sie begriffen hatten. Eine Salve aus vier Gewehrläufen streckte den Soldaten von
hinten nieder. Mit einem lauten Aufschrei fiel er in den Staub und blieb liegen.
„Gute Arbeit. Wir verschwinden jetzt von hier. Der Titan hat sicherlich Verstärkung
angefordert“ sagte Terag.
Sie durchquerten die Ebene im Laufschritt und erreichten wieder ein kleines Wäldchen auf
einer Anhöhe. Gerade als sie unter den Baumkronen des Laubwaldes eintauchten hörten sie in
der Ferne einen Orca-Jäger über dem Schauplatz ihres Kampfes kreisen. Sie beeilten sich und
rannten durch den Wald. Sie waren bei diesem Klima schnell außer Atem. Gregors Lunge
brannte und sein trockener Mund sehnte sich nach Wasser. Irgendwann verklangen die
Geräusche des Orcahelikopters langsam und sie machten eine kurze Pause. Selbst Terag war
erschöpft, dennoch untersuchte er Samuels Wunde. Er riss die Uniform um die Wunde ein
Stück auf und begutachtete sie. “Sieht schlimmer aus als es ist.“ Er zog aus einer kleinen
schwarzen Tasche an seinem Gürtel einen Mini-Verbandskasten. „Ich bin froh, dass ich das
mitgenommen habe“ meinte Terag und trug aus einer kleinen Tube etwas Salbe auf. Es war
eine relativ oberflächliche Fleischwunde. Ihr Ausbilder klebte sie mit einer Art Pflaster ab
und stand auf. „Aufstehen! Oder wollt ihr hier übernachten?“ rief er laut.
Laut stöhnend kamen sie auf die Beine. Gregor war als seien seine Beine aus weichem
Wachs. Langsam wankte er ein paar Schritte und schulterte seinen Rucksack. Terag kannte
keine Gnade. Seine Marschgeschwindigkeit war trotz des langen Tages enorm. Nach einem
weiteren Kilometer erreichten sie eine Anhöhe und blickten in ein Tal.
Kasian studierte einen weiteren Bericht über die geheimnisvolle Tafel. Seine Übersetzer
waren sich nicht sicher ob alles was der Computer ihnen ausspuckte auch der Wahrheit
entsprach. Andererseits hatte das Cabal-Netzwerk die umfangreichsten Datenspeicher zu
diesen Themen. Kasian hatte zusätzlich einen Deal mit einigen arabischen Nod-Zellen
eingefädelt. Sie lieferten ihm einige Schriftrollen aus einem alten Tempel in Jemen. Die
Schrift der Rollen sollte bei der Übersetzung der Tafel helfen. Kasian wollte diese Tafel
übersetzten. Um jeden Preis wollte er die Prophezeiung Kanes lesen. Dafür nahm er auch die
Gefahr in Kauf, die heimliche Geschäfte mit Untergebenen von Hassan zu führen.
Sander betrat das Arbeitszimmer. „Sir, die Forschungslabors haben äußerst überraschende
Ergebnisse erzielt!“ Kasian sah auf und lächelte. „Geht es um meine Tafel?“ Sander schüttelte
den Kopf. „Nein Sir, ihr Stealthprojekt.“ Kasian schaute überrascht. „Was für Ergebnisse?“
Sander lächelte. „Nun Sir, die Techniker haben einen Weg gefunden den Energiebedarf des
Tarnschildes in einen Vernünftigen Rahmen zu senken.“ Kasian grinste breit. „Großartig!
Also können wir den Generator bauen?“ Sander nickte langsam. „Es wäre möglich. Aber die Seite 91
Techniker würden zuerst gern noch ein paar Tests durchführen. Es gab Schwankungen im
Feld, welche sich manchmal durch teilweises Auflösen des Feldes bemerkbar machten.“
Kasian runzelte die Stirn. „Gut, gut. Hier können wir so eine Testanlage nicht errichten. Die
GDI wäre sofort nach einem dieser Schwankungen über uns. Das ist der Fluch dieses Landes.
Flächendeckender Radar und ständige Verfügbarkeit von GDI Bombern.“ Er lächelte und
trommelte auf seinen Schreibtisch. „Ich denke wir schicken Hermandes die Pläne. Er wird sie
für uns testen.“ Sander schaute überrascht. „Sie wollen diesen Vorteil aus der Hand geben?
Sir, ich halte das für …“ Kasian schnitt ihm das Wort ab indem er die Hand hob. „Ich vertraue
Antonio. Er ist der einzigste Anführer der Bruderschaft, für den ich meine Truppen ins Feld
schicken würde. Wir werden beide von dieser Technologie profitieren. Außerdem ärgern wir
so Hassan ein wenig. Er wird mir langsam etwas zu arrogant!“
Gregor und seine Kameraden standen auf dem Berg und bestaunten das beschauliche Tal. Ein
kleines Tiberiumfeld schimmerte in der Abendsonne nahe eines Flusses. Überall im Tal war
die Vegetation wesentlich üppiger. Ab und zu konnte man einen Bewässerungskanal
ausmachen. Vermutlich der Grund für das üppige Grün im Tal. In der Mitte des Tals erhob
sich ein Berg. Gregor bestaunte diesen ungläubig. Der Berg oder eher ein flach abfallender
Felsbrocken lag in der Mitte des Tales und damit strategisch Günstig für die ganze Region.
Auf dem Bergrücken erhob sich eine Stadt. Sie musste schon im Mittelalter gebaut worden
sein. Die Altstadt war durch eine große Mauer geschützt. Sie sah selbst aus der Ferne sehr alt
aus. Auf dem höchsten Punkt des Berges erhob sich eine kleine Burg. Wie die Stadtmauer
selbst war auch sie mit Wehrtürmen bestückt. Auf der Bergrücken selbst drängten sich die
Wohnhäuser eng zusammen. Nur ab und zu stachen moderne Wohnhäuser aus dem Wald von
Dächern.
Terag wischte sich den Schweiß von der Stirn und befahl dann den Abstieg ins Tal. Sie alle
schnauften bereits schwer als sie die Talsohle erreichten. Nun erhob sich die Stadt über ihnen
wie eine majestätische Festung. Nach einigen Minuten erreichten sie eine alte Straße, welche
zur Stadt zu führen schien. Auf dieser marschierten sie weiter. Sie waren noch nicht weit
gekommen, da hörten sie aus der Ferne Motorenlärm. Gregor und die anderen wollten sich
bereits in die Büsche schlagen, aber Terag hielt sie auf. „Bleibt! Das sind die Motoren von
Buggys. Wir werden abgeholt.“
Es dauerte nicht lange, da bremsten zwei Buggys vor ihnen ab. In der großen Staubwolke
welche die aufwirbelten waren sie kaum zu sehen. Die traditionelle schwarze NOD
Lackierung war einer gelben Wüstentarnfarbe gewichen. Ein Offizier stieg aus dem ersten
Buggy und ging auf Terag zu. „Hola! Sie sind unsere Gäste nehme ich an?“ Terag nickte.
„Das hoffe ich doch.“ Der Offizier grinste und entblößte dabei seine gelben Zähne. Er hatte
anders als die normalen Soldaten eine schwarze Uniform. Die Fahrer der Buggys trugen
Uniformen welche den Farben ihrer Fahrzeuge glichen. „Ich bin Commander Cid. Ich bringe
sie zu unserem Anführer. Er wartet schon auf sie.“ Gregor runzelte die Stirn. Cid war
sicherlich nicht der richtige Name des Offiziers. Er hatte von einem El Cid gehört. Der Mann
hatte im Mittelalter Spanien von den Mauren befreit und war so zum Nationalhelden des
christlichen Spaniens geworden. Vermutlich wollte dieser Offizier das selbe mit der GDI tun
und hatte sich diesen Künstlernamen gegeben. Seltsamer Mann. Er grübelte. Oder lag es
einfach daran, dass er hier alles sehr fremdartig fand.
Sie bestiegen die Buggys und wendeten in Richtung Stadt. Der Mut der Fahrer war
außerordentlich. Die Straße war kaum mehr als ein Feldweg und dennoch benutzten sie ihre
Buggys als Rennwagen. Nach kurzer Fahrt im erfrischendem Fahrtwind erreichten sie die
Stadttore. Wenn auch mit etwas flauem Magen. Seite 92
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Sie fuhren durch die engen Gassen der Stadt. Es war erstaunlich Kühl. Die Sonne ging bereits
unter und eine Wolkenfront näherte sich vom Atlantik her. Die Nacht würde angenehm
werden, dachte Gregor. Die Motoren mühten sich unter ihrer Last ab und bald stoppen sie vor
der kleinen Burg.
Ein großer Toreingang führte ins Innere. Das Tor war flankiert von Wachen. Aus der Nähe
erkannte man nun auch, dass die Wehrtürme eine Verwandlung durchgemacht hatten. Aus
jeder Schießscharte sah man den harten Stahl von Vulcan Kanonen glänzen. Auf den flachen
Dächern der Türme waren flache Flugabwehrraketen installiert worden. Selbst moderne Jäger
mochten ihre Probleme mit einem Angriff haben.
Commander Cid ging ihnen voraus und führte sie in das Innere. Der Baustil hatte mit
Sicherheit einige orientalische Einflüsse bemerkte Gregor. Die Schießscharten waren zum
Teil mit Ornamenten verziert und viele Arten von Bögen unterteilten den Gang hinter dem
Tor. Ihm entging aber auch die verborgene Technik nicht. Selbstschussanlagen und Sensoren
flankierten den Gang. Cid blieb vor einer schweren Stahltüre stehen und betätigte ein
verborgenes Sensorfeld. Seine Hand wurde kurz abgetastet, dann leuchtete das Feld grün auf.
Die Türe öffnete sich und gab den Blick auf eine geschäftige Basis frei. Ein Kreuzgang führte
um einen kleinen Garten. Früher war er sicherlich nach oben hin offen gewesen, aber heute
war ein Glasdach eingezogen worden und schloss so den Innenhof von der Witterung aus. Der
Kreuzgang mit seinen orientalischen Bögen diente als Verbindungsgang zu verschiedenen
Räumen der Kommandozentrale. Während sie den Gang entlang gingen spähte Gregor ab und
zu in die Räume. Zuerst sah er einen Funkraum, später einige Labor und Waffenkammern.
Terag schien sich auch sehr genau um zu sehen. „Eine interessante Basis. Sie haben sich hier
hübsch eingerichtet.“ Cid nickte. „Oh ja. Wir sind zwar noch nicht fertig mit dem Ausbau.
Unsere Mittel sind etwas begrenzt zur Zeit, aber dieser Ort ist perfekt für unsere Operationen.
Sie müssen wissen, dass wir Zentralspanien befreit haben, aber hier in Portugal gibt es ebenso
viele Anhänger der Bruderschaft, dass wir uns genötigt sahen, die GDI in ihre Schranken zu
verweisen.“ Terag blickte weiterhin neugierig umher. „Die Stadtbevölkerung ist also Loyal?“
„Si! Das macht diese Burg erst richtig nützlich. Offiziell ist dies das neue Rathaus. Und da die
GDI der Bevölkerung den Selbstschutz mittels schwerer Waffen nicht verbieten kann, spüren
uns die Kommandos der GDI nicht auf.“ Terag lächelte. „Interessant.“
Hermandes stand hinter seinem Schreibtisch. „Ahhhh Amigos! Willkommen!“ Terag und
seine Rekruten salutierten. „Sir, wir danken ihnen für die Gastfreundschaft“ sagte Terag.
Hermandes hob die Hände. „Ah Amigo! Kasian tu ich gern den Gefallen. Immerhin kann ich
immer Soldaten gebrauchen. Aber keine Sorge ich werde sie nicht an die heißen Örtlichkeiten
schicken.“ Er grinste breit.
Terag nickte knapp. „Sehr freundlich. Haben sie einen Auftrag oder kann ich meine Rekruten
ein wenig in ihrem Tal trainieren?“ Hermandes schwieg einen Moment. „Nun ich denke sie
können sich zuerst einmal einquartieren und dann ihre Rekruten weiter ausbilden. Kasian hat
mir vor einigen Stunden eine interessante Erfindung zukommen lassen. Er will das ich einige
Feldversuche mache. Nun ich denke dafür werde ich sie später abstellen.“ Terag nickte
abermals knapp. „Wie sie wünschen!“ Hermandes ging auf ein Terminal an der Wand zu und
blickte dann nochmals auf. „Oh si, wegtreten!“ Er lächelte kurz und drehte sich dann zu den
Bildschirmen an der Wand.
Hassan stand vor einer großen taktischen Karte. Er liebte diesen Computertisch. Es war eine
Nachbildung des großen Tac-Tischen des Tempels von NOD. Der Raum war gänzlich
abgedunkelt und Hassan hatte alle Untergebenen und Speichellecker vor der Tür gelassen. Er
wollte in Ruhe seinen nächsten Zug planen. Ein großer Teil der Truppen stand inzwischen Seite 93
bereit. In versteckten Basen an der afrikanischen Seite der Meerenge von Gibraltar hatten sie
Stellung bezogen.
Er überflog noch einmal die Daten. Die erste Gruppe von Landungsboten umfasste 20 Panzer
und 400 treue Soldaten. Sie würden still und leise an Land gehen. Die GDI MittelmeerPatroulien würden durch einen fingierten Angriff in Sizilien abgelenkt werden. Es war gut,
wenn man Kontakte zu allen Gruppen hatte. Aber es war ein teurer Handel gewesen um die
Gruppe in Sizilien zu einem Angriff auf den großen Militärhafen zu bewegen. Aber es war
nötig für seine Pläne. Von diesem Ablenkungsmanöver hing sehr viel ab. Zum einen waren
die Landungsbote nicht bewaffnet. Die Landungsgruppe war ein beachtlicher Teil seiner
Nord-Afrikanischen Streitmacht. Ihr totaler Verlust wäre schrecklich. So konnte er sich einen
Zerstörer zwischen seinen Landungsbooten nicht leisten. Aber auch die Versorgung musste in
den ersten Stunden nach der Landung reibungslos verlaufen. Weitere 24 Buggys, 35 Panzer
und 450 Soldaten sollten in zwei Nachschubwellen übersetzen. Als letztes sollte schließlich
ein mobiles Baufahrzeug eine Basis am Strand errichten. Der Brückenkopf wäre dann
befestigt und einsatzbereit.
Er hatte den Landungsplatz sorgfältig ausgewählt. Eine kleine Bucht umgeben von
Felsklippen. In den Dünen hinter dem Strand wuchs ausreichend Tiberium als erste
Versorgung. Die Felsklippen bargen zwar einige Wachposten, aber diese sollten schnell
ausgeschalten sein. Zuerst sollten zwei Landungsboote mit Fußtruppen landen und den Strand
sichern. Sie sollten auch die Wachposten ausmachen und sie ausschalten. Hassan wusste von
keinen großen Verbänden in der Nähe und so sollte sich seiner Streitmacht nichts entgegen
stellen können, aber Hermandes war schon immer für eine Überraschung gut. Er verschob
einige Icons auf dem Tac-Tisch und ging die Schritte nochmals durch. Hassan fuhr sich durch
die Haare und grübelte weiter.
Die nächsten Tage waren geprägt von Oberflächentrainings. Tunnels schien es hier nur
wenige zu geben. Es war geradezu auffällig wie wenig die GDI hier Präsenz zeigte. Terag
nahm seine Rekruten hart ran. Lange Läufe durch die staubigen Täler der Umgebung.
Schießübungen und sogar Tauchen im Atlantik. Aber die Befehle von Hermandes trafen
schneller ein als erwartet. Sie wurden in einem alten Militärlaster in ein Nachbartal gebracht.
Dort baute ein großes Heer von Soldaten eine versteckte Basis in Mitten eines verlassenen
Dorfes.
Der Laster brachte neben den Soldaten auch neues Baumaterial. Drei große Kraftwerke
wurden unter Tarnnetzen errichtet. Sie waren tief in den Erdboden eingelassen, aber ganz
hatte man sie nicht vergraben. Vereinzelt standen Maulwurfpanzer eingegraben im Tal. Das
geschäftige Treiben an sich konnte man aber nicht gänzlich tarnen. Gerade sprengten einige
Soldaten das alte Rathaus des Dorfes und schufen Platz für ein neues Gebäude. Sie stiegen am
Rand des Dorfes ab. Commander Cid erwartete sich bereits. „Terag! Schön das sie so schnell
gekommen sind. Ich brauche sie auf dem Hügel da im Westen. Die Posten dort sind nicht alle
besetzt. Das übernehmen sie und ihre Jungs.“ „Wie sie wollen,“ antwortete Terag und blickte
sich nach seinen Rekruten um. „Ihr habt es gehört. Im Laufschritt nach oben ihr Faulpelze!
Los, Los, Los!!“ Sie waren schnell auf dem Berg. Ihre Kondition hatte sich in den letzten
Tagen noch einmal verbessert. Bald schon hatten sie die Schützengräben erreicht und die MG
Nester besetzt. Eine dicke Reihe Sandsäcke schützte die Löcher in der Erde zusätzlich.
Trotzdem kam sich Gregor auf dem Bergkamm sehr unwohl vor. Ein guter Scharfschütze
konnte sie ebenso schnell ausräuchern wie eine Salve aus einem Mörser. Gregor fragte sich
wie man diese großen Arbeiten der GDI erklärte. Aber offensichtlich waren die GDI Truppen
hier nicht so aufmerksam. Er hatte ja schon gehört, dass die GDI sich hauptsächlich auf das
Gebiet um Lisabon konzentrierte. Samuel neben ihm beobachtet durch ein Fernglas die
Umgebung. Gregor drehte sich zum Tal um. Sie kamen gut voran. Inzwischen konnte man
bereits erkennen welche Ausmaße das Gebäude im Zentrum des Dorfes haben sollte. Die Seite 94
Schnellbauweise der NOD Truppen war bemerkenswert. Eine Basis konnte mit ausreichenden
Mittel innerhalb von 35 Stunden errichtet sein, hatte er sich einmal sagen lassen. Aber das
Gebäude hier schien komplexer zu sein. Ein großer Haufen Techniker schraubte an allen
Ecken und Enden. Gregor fragte sich was das wohl für eine Erfindung sein konnte, die sein
Vater Hermandes zum Testen überlies.
Cid klopfte kurz an und betrat dann das alte Audienzzimmer. Hermandes war gerade dabei zu
Abend zu essen. Leicht verärgert sah er von seinem Teller auf. „Was gibt es Cid?“ Cid
schluckte sichtlich und stand stramm da. „Einige unserer Freunde an der Meerenge von
Gibraltar berichten von Bewegungen auf der afrikanischen Seite.“ Hermandes sah nun besorgt
aus. „Was für Bewegungen?“ Cid zog einen Zettel aus der Tasche und schaute kurz darauf.
„Gestern Mittag sah ein Fischer einige Panzer am Strand auf und ab fahren. Dann in der
Nacht machten andere Fischer einige ungewöhnliche Lichter am Ufer aus. Ich würde sagen
Hassen zieht dort Truppen zusammen. Sonst wird dort schließlich nur alle zwei Wochen mal
ein Panzer gesehen.“ Hermandes sprang auf uns fluchte. „Warum erfahre ich erst jetzt davon
wenn gestern die erste Meldung reinkam?“ Cid wurde einige Zentimeter kleiner. „Sir, ich
hielt es nicht für so wichtig. Es hätten auch dir normalen Panzerfahrten wie alle paar Wochen
sein können.“ Hermandes fluchte noch lauter. „Inkompetenter Idiot! Ab jetzt berichten sie mir
von allem noch in der selben Stunde. Hassan spielt dort bestimmt nicht nur Golf. Und jetzt
alarmieren sie endlich die Truppen an der Küste!“ Cid lief aus dem Raum. „Sofort Sir.“
Im Grunde hatten sie hier einen echt gemütlichen Posten, dachte Aturo. Alle paar Tage fuhren
hier an der Meerenge einige Frachter durch. Ab und zu ein Konvoi der GDI mit dicken
Zerstörern als Geleitschutz. Aber die kümmerten sich nicht um sie und genauso taten es die
NOD Soldaten. Sie waren auf Horchposten. In kleinen Spionagebunkern versuchten sie in
Hassans Gebiet zu lauschen. Ansonsten gab es hier kaum etwas zutun. Sie waren an der
gesamten Meerenge nur 200 Soldaten. Ein kleines Bataillon Panzer hatte es sich im
Hinterland gemütlich gemacht. Im Gegensatz zu anderen Verbänden, welche jeden Tag mit
der GDI kämpften eine echte Alternative.
Er ging gerade die Ergebnisse der letzten Nacht durch. Die letzten Tage hatten ihnen eine
Menge neues Material geliefert. Vermutlich organisierte der Gruppenleiter auf der anderen
Seite wieder eine Waffenschau für seinen Chef Hassan. Das hatte es letztes Jahr zweimal
gegeben. Die Funksprüche welche sie abgefangen hatten waren seltsam. Teilweise waren sie
verschlüsselt, manche handelten dann wieder von Truppenbewegungen ohne verschlüsselt zu
sein. War das wieder ein Trick ihrer Gegenspieler auf der anderen Seite, fragte sich Aturo, als
eine neue Nachricht aus dem Hauptquartier eintraf. Aturo schlenderte zum Bildschirm und
entschlüsselte die Nachricht.
Seine erste Reaktion war ein lauter Fluch. Seine Zweite war ein noch saftigerer Fluch, dann
lief er eilig aus seinem Büro in Richtung Kommandobunker.
Gregor beobachtete die Bauarbeiten. Gerade hatte ihre Schicht begonnen und sie hatten ihren
Posten bezogen. Die Nacht war hereingebrochen und der Himmel klar und wolkenlos. Das
Gebäude im Tal war fast fertig gestellt. Es sah seltsam aus. Einer Techniker hatte es einen
Generator genannt. Eine große Kuppel lag auf dicken Verstrebungen. Überall lagen dicke
Leitungen welche am Fuß der Kuppel zusammen liefen. Ein fahles Licht drang durch die
Abdeckplatten der Kuppel.
Der Techniker hatte von den ersten Test am nächsten Morgen gesprochen. Das würde sich
Gregor ansehen nahm er sich vor und drehte sich wieder um. Sein Nachtsichtgerät tauchte die
Umgebung in fahles grünes Licht und offenbarten ihm einige Feldhasen, welche auf einer
Wiesen entlang hoppelten. Seite 95
Hermandes stand vor einer großen Karte. Neben ihm hatte sich Cid gestellt und musterte
ebenso die Karte auf dem Tisch. Schließlich sah er auf und blickte seinen Anführer an. „Sir,
glauben sie wirklich an einen Angriff von Hassan?“ Hermandes schaute auf und runzelte die
Stirn. „Durch meinen Pakt mit Kasian schwindet sein Einfluss in Europa. Dabei war er gerade
dabei über Verbündete in Russland seinen Hand nach Europa auszustrecken. Nachdem Wulf
ausgeschaltet wurde, ist Kasian zu mächtig für einen direkten Angriff. Aber wir sind es
nicht.“ Er schaute wieder auf die Karte. „Es gibt drei mögliche Orte, welche Hassan zur
Landung benutzen kann. Er hat mit Sicherheit keine Truppen um mehrere Strände zu
attackieren. Nun stellt sich die Frage welchen Strand er nehmen wird.“ Cid deutete auf den
östlichsten Strand. „Ich würde hier landen. Die Hügel hinter dem Strand könnte ich als
Deckung für meine Truppen verwenden wenn sie aus dem Boden auftauchen.“ Hermandes
lächelte. „Nein, nein. Hassan wird keine Untergrund-BMTs einsetzten. Fußtruppen alleine
nützen ihm nichts. Er wird mit Booten übersetzten und am Strand eine Basis errichten. Die
Frage ist nur an welchem Strand. Alle drei sind gut für die Aktion geeignet.“
Plötzlich sah Hermandes wieder auf. „Cid, wir haben hier zwei Truppenverbände etwa 120
km entfernt. Sie könnten in 24 Stunden bei unserem Panzerverband im Hinterland sein.“ „Si,
der eine Verband ist mit BMTs ausgerüstet. Er wird die Strecke in Tunnels sogar noch
schneller zurück legen. Der andere Verband wird die Zeit benötigen. Die Kettenfahrzeuge
brauchen ihre Zeit über die Landstraßen wenn sie nicht auffallen sollen.“ Hermandes lächelte.
„Über die Autobahn können wir sie leider nicht schicken. Bueno, schicken sie die Verbände
los und versuchen sie aus den Fischerdörfern Freiwillige zu gewinnen. Hassans Truppen
sollen von mir aus landen, aber ins Inland wird er nicht vorstoßen! Wir werden sie ins Wasser
zurück treiben!“
Gregor erwachte durch ein lautes Summen. Zuerst dachte er es handelte sich um eine
besonders große Stechmücke, welche hier sehr oft Nachts auftauchten, aber dann wurde er
gänzlich wach. Seine Kameraden waren ebenfalls wach geworden. Sie stürmten schnell aus
dem Zelt. Der Generator leuchtete in der Morgendämmerung und summte laut. Der Test
schien gerade zu beginnen. Ein Techniker am Generator gab ein Zeichen. Gregor sah wie eine
Art Welle über das Dorf schwappte, dann war es vorbei. Chris und Phillip sahen sich um.
„Und?“ sagte Samuel überrascht. „War das alles?“ Nichts schien sich verändert zu haben,
trotzdem schienen sich die Techniker zu gratulieren. Einer kam begeistert auf sie zu gelaufen
und rief. „Unglaublich. Es funktioniert perfekt. Das Feld steht!“ Gregor und Samuel sahen
sich an. Samuel zog eine Augebraue in Höhe und machte. „Ah…“
Der Techniker schien völlig begeistert. „Los Leute wir schauen uns das vom Hügel aus an.“
Die Rekruten zuckten die Achseln und bestiegen einen LKW. Als sie sich in Bewegung
setzten, waberte um sie herum kurz etwas. Gregor vermutete das dies wohl das Feld sein
musste. Der Techniker plapperte begeistert vor sich hin. Nur Chris konnte teilweise den
Ausführungen des Technikers folgen. Als sie das Dorf verließen spürten sie ein leichtes
Zerren an ihren Uniformen. Samuel drehte sich zuerst nach dem Dorf um. Mit offen
stehendem Mund tippte er Gregor an. Als Gregor sich auf dem LKW umdrehte hatte dieser
schon den halben Berg erklommen. Im Grunde sollte man einen guten Blick auf das Dorf
haben. Das hatte man auch. Aber die Einrichtungen fehlten. Die Kraftwerke und der
Generator ebenso wie die Panzer und die Truppen im Dorf. „Scheiße Mann. Unglaublich. Ein
Tarnfeld,“ keuchte Gregor und starrte fassungslos ins Tal.
Aturo fluchte immer noch. Sie hatten Invasionsalarm. Alle Mann waren in den
Schützenbunkern. Verstärkung war unterwegs, aber sollte tatsächlich heute eine Invasion
stattfinden, waren sie aufgeschmissen. Der Panzerverband musste sich im Hinterland halten
um schnell jeden möglichen Landungspunkt zu erreichen. Ein freiwilligen Korbs stand 10
Kilometer entfernt, aber Aturo dachte besser nicht darüber nach, was sie ihnen im Seite 96
kommenden Kampf helfen würden. Der Kampf schien auf jeden Fall zu kommen. Da waren
sich die Herren im Hauptquartier einig. Nur wo, wussten sie nicht.
Wieder fluchte er lautstark und schwenkte seine Vulcankanone zum Test von Links nach
Rechts. Er hatte sich zum Glück diesen Posten in den Klippenbunkern sichern können. Die
zwei Läufe der Kanone zielten auf den Strand. Es gab leider nur wenige Bunker dieser Art.
Die meisten seiner Kameraden harrten in Schützengraben und MG Nestern aus. Im Grunde
waren sie zu wenige um den Strand zu verteidigen. Aber Aturo hoffte darauf die
Landungsboote zu erwischen bevor die Soldaten ausgestiegen waren. Das würde ihre Zahl
sicherlich erheblich verringern. Dann waren da noch die heißen Meter am Strand. So wurde
der Abschnitt genannt der sich von der Wasserlinie bis zu den ersten Dünen erstrecke. Dort
würde seine Vulcan Kanone wüten. Da war sich Aturo sicher. Er blickte auf den
Munitionsvorrat neben sich. Dicke Patronenketten hingen aus den Kisten. Zwei waren an die
Kanone angeschlossen. Er konnte einige hundert Schuss pro Minute nach unten schicken,
aber man musste darauf achten, dass die Waffe nicht heißlief. Aturo hoffte genügend
Munition zu haben. Zur Beruhigung griff er an seinen Gürtel nach seiner Pistole. „Im Notfall
habe ich ja noch dich,“ knurrte er.
Hermandes lief nervös auf und ab. Sein Adjutant Cid hatte ein freiwilligen Korb aufgestellt.
200 Bauern und Fischer. Nicht mehr als Kanonenfutter. Hermandes wollte vermeiden sie
einsetzen zu müssen. Es war schlicht Verschwendung. Der Panzerverband war auf dem Weg,
würde aber erst am nächsten Morgen im Hinterland eintreffen. Sie mussten als kleine
Verbände über Schleichwege herangeschafft werden. Die GDI sollte schließlich nichts davon
mitbekommen. Die Fußtruppen dagegen würden in wenigen Stunden eintreffen. Sie würden
im Hinterland auf Marschbefehl warten. Natürlich hätte man den Verband auch auf alle drei
Strände verteilen können, aber Hermandes hielt dies für sinnlos. Sollte Hassan ruhig
anlanden. Lieber drängte er ihn wieder ins Wasser zurück, als seine Soldaten in aussichtlosen
Scharmützeln am Strand zu verheizen.
Egal wo Hassan landen würde, der Strand würde sich nicht lange halten können. Da war sich
Hermandes sicher. Er blickte wieder auf die Terminals. Die Truppen an der Küste hatten
schnell reagiert. Sie hatten sogar ein paar alte Panzerwagen aufgetrieben und sie auf einer
Straße nahe den Stränden postiert. Hermandes würde nach all dem nachprüfen müssen, woher
diese Fahrzeuge stammten. Eine unbekannte Materialquelle vielleicht? Oder hatte ein
Untergebener vielleicht ein kleines Waffenlager angelegt. Insgeheim war er aber froh über
dieses Glück. Vielleicht konnten sie die Landungstruppen doch schon am Strand festnageln.
Er betätigte einige Tasten und beorderte zwei Panzerverbände aus dem Norden zum
vermeintlichen Schauplatz. Sie würden erst in einer Woche eintreffen, aber konnte schon
wissen, auf wessen Seite sich die Kriegsgötter schlagen würden. Bei diesen Gedanken
beorderte er noch einen gemischten Kampfverband nach Süden. Mehr konnte er nicht tun. Es
war mit Sicherheit auch so schon auffällig genug. Solche massiven Truppenbewegungen hatte
es hier nicht mehr gegeben seit Hermandes seinen letzten Gegenspieler ausgeschaltet hatte.
Gregor und seine Kameraden waren gegen Mittag in einen Untergrund BMT gesteckt worden.
Ein Notfall wie man ihnen sagte. Terag war kein bisschen schlauer als sie und das ärgerte ich
ungemein. Erst auf dem Weg erfuhren sie worum es ging. Sie würden in sechs Stunden im
Hinterland der Meerenge von Gibraltar ankommen. Dort wurde eine Invasion erwartet und es
fehlte an Truppen. Sie sollten die Invasoren wieder ins Wasser zurück treiben wenn möglich.
Gregor fühlte sich dabei nicht gerade gut. Seine Kameraden trugen einen Gesichtsausdruck
zur Schau, welcher ähnliches besagte. Selbst Terag sah wenig begeistert aus.
Aturo bis in sein Weißbrot und kaute darauf herum. Es war das einzige was er zu Abend
bekommen hatte. Weißbrot, ein Stück Käse und eine Flasche Wasser. Nun nicht schlecht bei Seite 97
der allgemeinen Lage, aber zu trocken für Aturos Geschmack. Er spähte durch sein Fernglas
auf das Meer.
Ein matter Mond beschien das Meer. Ab und zu reflektierten die Wellen das Mondlicht und
ließen ihn hochschrecken. Es könnte auch das Glänzen eines Schiffes sein. Wieder überprüfte
er die Ladung seiner Kanone. Der Junge, der ihm das Essen gebracht hatte, erzählte etwas von
gepanzerten Fahrzeugen welche auf der Straßen stünden. Das hellte seine düsteren Gedanken
etwas auf. Es waren sicherlich leichte Flakpanzer. Auf den Straßen der Klippen würden sie
genauso effektiv sein wie seine Vulkan Kanone wenn sie auf den Strand feuerten. Vielleicht
würde die Woche doch noch ein angenehmes Ende nehmen. Er schluckte das Weißbrot
herunter und spülte mit einem Schluck Wasser nach. Wieder suchte er den Horizont nach
Schiffen ab. Nichts war zu sehen. Vielleicht landeten sie wirklich am östlichen Strand. Dann
hätte er den Ärger vorerst vom Hals.
Plötzlich blitzte etwas im Mondlicht auf. Aturo wusste nicht ob er sich freuen sollte, dank des
Mondes eine bessere Sicht zu haben. Immerhin hielten ihn diese Mondschimmer auf den
Wellen wach. Er hob erneut das Fernglas vor die Augen und erstarrte.
Hermandes schlug mit der Faust auf den Tisch. Sein Adjutant zuckte unwillkürlich
zusammen. „Ich wusste es! Er kommt tatsächlich, verdammter Hurensohn. Wie weit sind die
Panzer noch entfernt Cid?“ Der Adjutant, welcher auch sein oberster Commander war lief zu
einem Monitor. „Sie brauchen noch fünf Stunden, Sir.“ Hermandes biss sich auf die Lippe.
„Die Fußtruppen?“ Cid fluchte leise. „Sie sitzen fest. Sie mussten sich wegen einer GDI
Patrouille ruhig verhalten.“ Hermandes stand auf. „Sie sind doch in Untergrund BMTs
unterwegs. Warum verstecken?“ Cid deutete auf den Monitor. „Die GDI hat eine
Sensoreinheit auf dem Weg installiert. Sie haben halt gemacht.“ Hermandes ging zu dem
Monitor. „Befehlen sie dem Hauptmann des Verbandes die Sensoreinheit zu umgehen und
richten sie ihm aus, wenn er nicht in vier Stunden am Einsatzort ist, werde ich ihn erschießen
lassen.“ Cid nickte knapp. „Sí!“
Aturo wischte sich den Schweiß von der Stirn. Die Kanone hämmerte laut. Sie strahlte große
Hitze aus, aber Aturo hatte nicht den Wunsch mit dem Feuern aufzuhören. Er hatte die
Landungsboote zuerst entdeckt und sie sofort unter Feuer genommen. Aber sie waren schon
so gut wie in Ufernähe. Es würde wohl doch nicht so laufen wie gedacht. Er fluchte laut über
den Lärm der Kanone hinweg. Neben ihm bildete sich ein Haufen von Patronenhülsen und
jede Sekunde fielen klappernd weitere auf den Haufen. Seine Salven durchpflügten den
Strand und das Wasser. Er versuchte das Feuer auf die fünf Landungsboote zu konzentrieren
welche gerade versuchten anzulanden. Schon sprangen die ersten Soldaten ins Wasser und
erwiderte das Feuer. Seine Kameraden auf den Klippen feuerten nun auch aus allen Rohren.
Die Panzerwagen waren sicherlich auch schon auf dem Weg.
Die ersten Soldaten die gelandet waren wurden von den Salven der Verteidiger umgemäht.
Doch dann erreichten die ersten Soldaten mit Raketenwerfern und Mörsern das Ufer. Die
erste Rakete schlug einige Meter neben dem Bunker von Aturo ein. Er antwortete darauf
prompt und jagte eine große Salve in die Gruppe Soldaten um den Raketenschützen.
Aturo sah wie schlecht es um sie stand. Viele Verteidiger waren sie nicht mehr. Die Bunker
boten einigen Schutz, aber auf Dauer konnte man selbst hier nicht dem Feuer der Invasoren
standhalten und als ob das nicht genug wäre näherte sich bereits die zweite Angriffswelle.
Hassan stand über seinen Tac-Tisch gebeugt und beobachtet den Schlachtverlauf. Die erste
Welle an Landungstruppen war viel zu früh entdeckt worden. Die Gegenwehr war für einen
Überraschungsschlag enorm. Sie hatten ihn also erwartet und nun versuchten sie die
Landungstruppen fest zu nageln. Seite 98
Neue Icons erschienen auf der Karte. Vier Panzerwagen erreichten die Schauplatz. Hassan
runzelte die Stirn. Dieser kleine Verband gehörte nicht zu den Panzerverbänden im
Hinterland. Die Meldungen seiner Soldaten waren nicht gut. Die Bunker hatten sie schon vor
dem Anlanden unter Feuer genommen. Viele waren schon auf den ersten Metern des Strandes
gefallen. Aber einige hatten es in die Dünen geschafft und bekämpften nun die Bunker. Zwei
Kampfverbände saßen am Strand fest. Aber da erschienen die Icons für die Panzertruppen auf
dem Schirm. Gleich würde sich das Blatt wenden. Hassan lächelte.
Aturo wollte fluchen, doch er hatte dazu keine Zeit. Diese Mistkerle versuchten ihn aus den
Dünen heraus anzugreifen. Immer wieder gingen bei seinem Bunker Granaten nieder. Aber er
konnte sich nicht wehren. Er feuerte immerzu auf den Nachschub, welcher gerade anlandete.
Nun gelang im ein Fluch um dann nur noch ungläubig zu stöhnen: „Panzer! Verfluchte
Scheiße, die haben Panzer dabei.“
Damit war seine Aufgabe hier getan. Er musste raus aus dem Bunker. Einem Panzerbeschuss
würde er nicht lange standhalten. Gerade wollte er zum Ausgang laufen, da kam ihm eine
Idee. Mit einem breiten Grinsen zog er das restliche Weißbrot aus seinem Beutel und klemmte
es in den Abzug der Kanone. Als er losließ begann die Kanone unablässig zu feuern und wild
zu rotieren. „Ich hoffe diese Streuwirkung gefällt Euch!“ rief er laut lachend und rannte aus
dem Bunker.
Hassan sah zufrieden den Rückzug der Verteidiger zu. Seine Truppen hatten noch Probleme
mit einem Bunker, in dem sich offensichtlich ein Fanatiker befand, aber bald schon würde der
Strand gesichert sein. Er befahl der Nachschubwelle anzulanden und die Mobile Bauanlage
gleich mit zu bringen. Die Basis musste schnell errichtet werden, da sie offensichtlich schon
vor Beginn der Aktion erwartet worden waren.
Hassan rieb sich besorgt den Dreitagebart und beorderte einzelne Verbände in die Dünen um
sich dort einzugraben.
Cid beobachtete den Schlachtverlauf. Hermandes hatte sich in den Burghof begeben um sich
zu entspannen. Jetzt konnten sie eh nichts mehr tun. Ihre Truppen waren gesprengt worden.
Nur zwei lose Verbände meldeten sich überhaupt noch. Sie hielten die Versorgungstrasse
hinter den Dünen. Eine Spionagekamera an der Küste lieferte Bilder von den angelandeten
Truppen. Cid stöhnte bei den ersten Hochrechnung laut auf. Mindestens zwei
Panzerverbände. Eine Gruppe Buggys und etwa 500 Soldaten. Die eigenen Truppen hatten
ihnen beachtliche Verluste beigefügt. Cid schätze, dass 100 Soldaten am Strand ihr Leben
gelassen hatten. Zwei Panzer waren zerstört worden. Nicht schlecht für eine Verteidigertruppe
von 55 Soldaten an diesem Abschnitt. Davon lebten noch etwa die Hälfte. Die hielten
zusammen mit zwei Panzerwagen die Straße besetzt, aber angesichts dieser Streitmacht war
dies mit Sicherheit vergebens.
Hermandes betrat wieder den Raum und studierte die Berichte. Schließlich sah er auf. „In
zwei oder drei Stunden hat Hassen am Strand seine Basis errichtet und kann sich dort
festsetzen. Aber wir haben nicht genügend Panzer in der Umgebung um das zu verhindern.
Dann müssen wir uns wohl damit zu abfinden.“ Er seufzte laut. Cid sah erstaunt auf. „Aber
Sir, wir haben zumindest einen Panzerverband im Hinterland. Sie sind spätestens in einer
Stunde bei den restlichen Verteidigern. Damit könnten wir ihren Basisaufbau behindern. In
zwei Stunden haben wir einen großen Verband Fußtruppen im Hinterland stehen. Plus den
Freiwilligen. In drei Stunden erreichen wohl dann auch die frischen Panzerverbände die
Schlacht. Wäre das nicht eine Möglichkeit?“ Hermandes schüttelte den Kopf. „No, Cid! Ich
opfere keinen Panzerverband um Hassan nur zu behindern. Wir kesseln sie ein. Soll er den
Strand behalten. Dort hat er weder genügend Tiberium noch einen guten Verteidigungsposten.
Wir drängen sie mit dem gesamten Panzerverbänden zurück. In einer Woche hat er sich Seite 99
freiwillig zurückgezogen.“ Cid runzelte die Stirn. „Oder er ist bereits ins Inland vorgestoßen.“
Hermandes nickte. „Sí, oder das.“
Aturo lag in einem Graben neben der Straße. Er war selbst überrascht es aus den Bunkern
geschafft zu haben. Die Invasoren waren schnell vorgerückt und hatten die Posten
übernommen. Er hatte sich nur mit Mühe und Not in die Büsche schlagen können. Einen
Kilometer hinter dem Strand hatten sie sich dann wieder formiert. Zwei Panzerwagen hatten
es geschafft zu entkommen. Zusammen mit etwa 20 Verteidigern. Sie hatten sich hier bei
einem alten Bauernhof verschanzt. Die Straße führte direkt an diesem Hof vorbei und so stand
nun ein Panzerwagen neben dem Hof, der andere wurde auf der anderen Seite der Straße
eingegraben. Ein paar Soldaten hatten eine provisorische Straßensperre errichten indem sie
einen alten Traktor auf die Straße gestellt hatten.
All das würde nichts bringen sollten die Panzerverbände jetzt vorstoßen. Ihre kleine
Straßensperre würde sie nicht lange aufhalten. Aber trotzdem fühlte Aturo sich hier
wesentlich sicherer als an der Küste. Inzwischen hatte ihm jemand ein M16 in die Hand
gedrückt. Immerhin besser als seine Pistole. Neben einem Paket Magazinen hatte man auch
gute Nachrichten mitgebracht. Verstärkung würde in einer Stunde bei ihnen sein. Aturo
hoffte, dass sich die Invasoren bis dahin gedulden würden.
Hassan war sauer. Er fluchte laut und scheuchte seine Adjutanten herum. Ein Panzerverband
steckte in den Dünen fest. Der andere Verband kam nur langsam voran, da man Minen
befürchtete. Die Fußtruppen waren bis auf hundert Mann mit der Befestigung der Basis
beschäftigt. Aber sie mussten vorrücken. Lange würde der Gegenschlag von Hermandes nicht
auf sich warten lassen.
Er befahl den hundert Mann in den Dünen die Versorgungsstraße ins Hinterland zu sichern.
Hassan schickte zehn Buggys mit. Mehr waren nicht bereit ohne Minenräumung die Straße
entlang zu fahren. Die Panzer hatten das Recht vorsichtig zu sein, sie waren wertvoll, aber
Kampfbuggys waren entbehrlich. Das sie das nicht begriffen versetzte Hassan in Rage.
Aturo sah am Rand der Dünen einige Buggys auftauchen. Seine Kameraden sahen sie
ebenfalls. Kurz nach den Buggys tauchten vereinzelt Fußtruppen aus den Dünen auf. Die
Ebene war etwa einen Kilometer breit, bevor die Truppen den alten Bauernhof erreichen
würden.
Zumindest keine Panzer, dachte Aturo und entsicherte sein Gewehr. Er schluckte dennoch
hart. Da kamen vielleicht hundert Soldaten auf sie zu. Er zahlte zehn Buggys die sich langsam
über die Eben bewegten. Sie würden von dieser Übermacht auf jeden Fall überrollt werden.
„Wo bleibt bloß die Verstärkung!“ fluchte er laut. Neben ihm drehte sich ein Kamerad um
und lächelte gezwungen. „Sie sollen noch eine halbe Stunde entfernt sein, heißt es!“ Aturo
schüttelte den Kopf. „Die sollen mal Gas geben, in zehn Minuten ist hier die Hölle los.“ Der
Andere nickte nur und legte sich zwei Handgranaten auf den Rand des Grabens. Er lächelte
und warf Aturo auch zwei zu. „Ich denke die werden unseren Freunden da drüben
schmecken.“ Aturo fing die Granate auf und wog sie in der Hand. Dann lächelte er. „Das wird
ein Fest“ sagte er grinsend bevor er sein Gewehr anlegte.
Hassan hatte einen seiner Adjutanten hinrichten lassen. Der Idiot hatte die Baupläne für die
Basis so entwickelt, dass die Bauzeit sich glatt um zwei Stunden in die Länge zog. In dieser
Situation untragbar. Hassan bestrafte Versager und dies ohne lange Verhandlungen.
Er rieb sich erneut den Dreitagebart und studierte die Karte. Seine Truppen hatten Verteidiger
ausgemacht. Eine kleine Gruppe hatte sich bei einem Bauernhof eingegraben. Sie würden
seine Truppen nicht lange aufhalten, aber Spione berichteten von großen Panzerverbänden,
welche sich der Küste näherten, daher war Geschwindigkeit gefragt. Seite 100
Aturo und sein Kamerad feuerten unablässig auf die nahenden Buggys. Zwei waren bereits in
Flammen aufgegangen, aber dafür hatten die restlichen Buggys auch die eine Flanke des
Bauernhofes in Schutt und Asche gelegt. Nur noch der eingegrabene Panzerwagen feuerte.
Der andere lag auf dem Dach und brannte. Aturo küsste seine zweite Handgranate und warf
sie nach einem heran rasenden Buggy. Er stieß eine lauten Fluch aus und hob sein Gewehr
und feuerte weiter. Die Handgranate traf den Buggy voll. Die Explosion hob den Buggy in die
Luft und schleuderte ihn über den Graben von Aturo hinweg. Er duckte sich tief in seinen
Graben als hinter ihm der Buggy explodiert, doch keine zwei Sekunden später hob er wieder
das Gewehr und eröffnete erneut das Feuer.
Sie hielten sich gut, dafür, dass sie nur 20 Soldaten gewesen waren. Inzwischen waren es
sicherlich etwa die Hälfte. Ein paar hielten immer noch das Bauernhaus besetzt. Einige andere
saßen in einer Scheune und dann gab es noch vereinzelte Soldaten welche in den
Schützengräben ausharrten.
Der Vormarsch der Invasoren kam ins stocken nachdem die ersten Buggys in Flammen
aufgegangen waren. Hassans Soldaten hatten keine Mörser bei sich und so mussten sie sich
langsam über die Ebene an den Bauernhof heran tasten.
Aturo blickte zur Seite als etwas feuchtes in sein Gesicht spritzte. Erschrocken schloss er kurz
die Augen. Ihm drehte sich innerlich alles. Sein Kamerad neben ihm hatte es erwischt. Eine
Kugel hatte seinen Schädeldecke durchschlagen und die Gehirnmasse im Graben verteilt. Es
war Zeit zu verschwinden beschloss Aturo eilig und rannte durch den Graben Richtung
Bauernhaus.
Die ersten Soldaten erreichten die Gräben und fanden sie zumeist leer vor. Die Verteidiger
mussten tatsächlich enorm unterlegen gewesen sein. Um so erschreckender waren die
Verluste gewesen. Vier Kampfbuggys waren vernichtet worden und man hatte sie nur aus den
Gräben vertrieben. Immer noch feuerte ein Panzerwagen aus seiner Deckung und aus Haus
und Scheuen wurde ebenfalls geschossen.
Autor wischte sich die Reste seines Kameraden aus dem Gesicht und lud sein Gewehr nach.
Er hatte noch mal Glück gehabt. Irgendwie hatte er es ins Haus geschafft. Nun stand er auf
dem Dachboden mit vier seiner Kameraden und feuerte auf die anrückende Übermacht.
Überall schlugen Kugeln ein. Jemand schrie nach Munition. Ein anderer Soldat schrie den
Schmerz seiner Schussverletzung aus sich heraus. Aturo schluckte schwer und setzte eine
weitere Salve ab. Zwei Soldaten fielen zu Boden. Auch ihm ging die Munition aus. Sie waren
noch zu dritt auf dem Dachboden. Der Panzerwagen war eben in einer großen Detonation
vergangen und in der Scheuen schien es ähnlich aus zu sehen. Aturo warf sein Gewehr weg
und zog die Pistole. Er feuerte auf die Soldaten unter seiner Schießscharte. Bald würden sie
im Haus sein. Er nahm sich vor, noch so viele von den Arschlöchern mit zu nehmen wie
möglich.
Eine Handgranate flog ins Erdgeschoss und detonierte. Die Bretter des Dachbodens bebten
und ächzten. Jetzt ist es soweit, dachte Aturo und kauerte sich hinter einen Stapel alter
Kartons und zielte auf die Treppe zum Dachboden. Seine Kameraden taten das Selbe, als zwei
laute Detonationen in der Nähe den Schlachtenlärm übertönte. Aturo runzelte unbewusst die
Stirn. „Kommen jetzt ihre Panzer?“ fragte er leise. Einer seiner Kameraden spähte aus einer
Dachluke und grinste. „No amigo! Das sind unsere!“
Hassan lies gerade einen weiteren Adjutanten abführen. Dieses kleine Widerstandsnest hatte
ihren Vormarsch zum stocken gebracht. Sie hatten die Hälfte der Buggys verloren und eine
beträchtliche Zahl Soldaten. Nun hatten Panzerverbände der Verteidiger in den Hügeln hinter Seite 101
der Ebene Stellung bezogen und feuerten. Hassan musste seine Truppen in die Dünen zurück
ziehen.
10
Kasian machte gerade eine Inspektion seiner Basis als Sander sich über seinen Datenblock
meldete. „Sir, es gibt Neuigkeiten.“ Kasian blieb stehen und bedeutete seinen Untergebenen
schon zum nächsten Besichtigungspunkt weiter zu gehen. „Was gibt es?“ Sander setzte eine
säuerliche Miene auf. „Nun Sir, Hassan hat Hermandes attackiert.“ Kasian schnaubte laut.
„Was hat er?“ Sander rieb sich abwesend die Augen. „Äh vor ein paar Stunden gelangten
Truppen über die Meerenge von Gibraltar. Hermandes konnte sie zwar einige Kilometer
hinter der Küste abfangen, aber nun besitzt Hassan dort einen Brückenkopf. Warten sie ich
rufe ihnen die Karte auf.“ Das Bild von Sander wurde kleiner und eine taktische Karte der
Meerenge erschien. „Hassans Angriff war nicht vollkommen erfolgreich. Die Verteidiger
müssen bis zum letzten Mann gekämpft haben. Die Verstärkung traf erst spät an der Küste ein
um die Invasoren zurück zu drängen.“ Kasian grübelte. „So wie das aussieht hat Hassan
immer noch mehr Panzer und Truppen an der Küste als mein Freund Antonio aufbieten kann.
Was meinen sie Sander. Wie wird das ausgehen?“
Sander räusperte sich und blickte auf die Karte. „Nun, die Verteidiger sind unterlegen, aber
Hassans Panzer müssen eine Ebene überqueren bevor sie die Hügel hinter der Küste
erreichen. Daher hat sich Hassan auch zurück gezogen. Die Panzerverbände würden auf der
Ebene aufgerieben werden ehe sie die Ebene überquert hätten. In einigen Stunden treffen
weitere Verbände ein. Dann wird die Lage ausgeglichen sein.“ Kasian lächelte. „Gut, gut.
Also wird es auf ein Patt herauslaufen. Ich bin mir sicher, Antonio wird diesen dreckigen
Wüstenfuchs wieder nach Afrika treiben. Etwas anderes Sander, wie sieht es mit der
Übersetzung der Tafel aus?“
Sein Adjutant beugte sich über etwas und erschien dann wieder im Blickfeld der Kamera. Nun
hielt er ein Blatt Papier in der Hand. „Nun der Computer und die Wissenschaftler sind einen
Schritt weiter gekommen, aber nichts verwertbares bis jetzt. Die Passagen sind immer noch zu
kurz. Ich denke morgen werden wir die ersten Passagen ganz übersetzt haben.“ Kasian nickte.
„Gut, gut. Ich werde dann meine Inspektion beenden. Wir sehen uns heute Abend. Sie essen
doch auch in der Villa?“ „Natürlich, Sir“, antwortete der Adjutant.
Gregor und Phillip schwitzten in der Mittagssonne. Sie hoben einen neuen Schützengraben
aus. Sie waren vor ein paar Stunden angekommen und sofort zu allen möglichen Arbeiten
abkommandiert worden. Zur Zeit richteten sich ihre Truppen in der Hügelkette um den
Landeplatz von Hassans Truppen ein. Gräben wurden gezogen. Panzer eingegraben. Es schien
als bereitete man sich auf einen Angriff des Gegners vor. Auf der anderen Seite der Ebene
war man mit ähnlichem beschäftigt. Dort wurden in den Dünen Gräben ausgehoben und
Panzer eingegraben. Ab und zu schoss ein Buggy aus der Deckung der Dünen und versuchte
vorzustoßen. Aber die Antwort der Panzer war überzeugend genug für den Lenker des
Buggys wieder in Deckung zu fahren.
Auf dem Bauernhof auf halbem Weg zu den Dünen brannten immer noch einige Fahrzeuge.
Im Morgengrauen hatten sich von dort ein paar überlebende Verteidiger zu den Hügeln
gerettet. Nur acht Soldaten hatte es geschafft. Sie waren durch frische Truppen ersetzt
worden, welche jetzt das Bauernhaus besetzt hatten. Die Scheuen war beim Rückzug von
Hassans Soldaten in Flammen aufgegangen und sandte schwarze Wolken zum Himmel. Drei
Panzer hatten es mit einem Blitzmanöver geschafft zum Bauernhof zu kommen und wurden
dort nun eingegraben. Gregor vermutete, dass dieser Vorposten die Speerspitze für eine
Gegenoffensive sein würde. Auf jeden Fall würde Hassan ziemlich aufgebracht sein. Das war Seite 102
sicherlich nicht das Ziel der Operation gewesen. Für den schmalen Küstenstreifen lohnte sich
so eine Invasion sicherlich nicht. Gregor grinste breit. Und nun standen all die Truppen kaum
einen Kilometer hinter der Küste und kamen keinen Meter mehr voran.
Kasian erreichte seine Villa kurz vor dem Abendessen. Sein Adjutant hatte bereits seine Gäste
empfangen. Nun betrat auch Kasian den Speisesaal und begrüßte seine Gäste. „Ahh verzeihen
sie mir meine Verspätung. Aber die Geschäfte, sie verstehen!“
Er machte eine kurze Bestandsaufnahme seiner Gäste. Sie waren alle gekommen. Fünf
insgesamt. Alles kleinere Anführer in der Bruderschaft. Sie kamen aus Russland, Polen, dem
Baltikum und anderen Regionen die sich vor dem neuerlich starken Griff Hassans fürchteten.
„Meine Freunde, setzten sie sich doch. Mein Koch ist ein Meister seines Fachs. Ich bin
gespannt was er uns zubereitet hat. Im Anschluss können wir uns bei einem Glas Wein ein
wenig über unsere künftige Zusammenarbeit unterhalten.“
Das Abendessen war tatsächlich vorzüglich. Der Koch hatte sich sein horrendes Gehalt
wirklich verdient. Die Vorspeise bildete eine Pilzsuppe aus Pfifferlingen. Eine
Zwischenmahlzeit vor dem Hauptgang beinhaltete ein paar Scheiben Brot und geschmolzenen
Käse aus einem kleinen Topf. Nachdem der Wein nachgeschenkt worden war, wurde das
Hauptgericht serviert. Es wurde ein Teller mit Schweinebraten und ein Teller mit
Rinderbraten aufgetragen. Zu dieser Wahl konnte man zwischen vier verschiedenen gegarten
Gemüse und Beilagen wählen. Kasian lächelte zufrieden, als er die begeisterten Gesichter
seiner Gäste sah. So etwas sah man nicht alle Tage. Aber schließlich war dies auch der Sinn
und Zweck dieses Gelages. Als Nachtisch wurden schließlich kleine Becher mit Eis serviert.
Zusammen mit einem milden Schnaps zur Verdauung.
Als alle zuende gegessen hatten führte Kasian seine Gäste in einen Nebenraum. Er war mit
großen bequemen Sesseln bestückt. Sie Sessel waren um einen kleinen Tisch angeordnet, auf
welchem bereits Wein bereit stand. „So, nehmen sie Platz. Kommen wir zum geschäftlichen
Teil unseres Treffens.“
Nachdem es sich alle in den Sesseln bequem gemacht hatten, begannen die Gäste ihre
Probleme zu schildern.
„Hassan versucht uns unter seine Kontrolle zu zwingen. Er droht jedem mit totaler
Vernichtung, sollten wir uns Europa zuwenden,“ berichtete ein Gast. Kasian lächelte. „Im
Klartext, ein Bündnis mit meiner Gruppe würde ihre Auslöschung bedeuten. Hassan wird
wirklich arrogant.“ „Nun wir sind trotzdem gekommen. Sie haben den Ruf ihren Verbündeten
zu helfen. Hassans despotische Herrschaft zu akzeptieren ist für uns nicht die Alternative die
wir uns wünschen.“
Kasian nickte zustimmend und schwenkte sein Weinglas. „Sie wollen ein Bündnis mit mir.
Aber sie fürchten Strafmaßnahmen von Hassan falls sie dieses Bündnis schließen würden.“
Einer der Gäste hob sein Weinglas. „Sie bringen es auf den Punkt. Natürlich gibt es noch eine
weitere Partei in Russland. Sie gehen keine Bündnisse ein und handeln nur nach dem Willen
Kanes, wie sie sagen. Sie kooperieren nicht mit anderen Anführern der Bruderschaft.“ Kasian
verzog den Mund. „Sie sprechen von den sogenannten „Besahi NOD“? Hat diese Gruppe so
viel Einfluss?“ Einer der älteren Gäste schüttelte den Kopf. „Nein, aber ihr Anführer ist ein
kluger Kopf.“ Ein anderer Gast nickte zustimmend. „Und seine Tochter ist mindestens so
schön wie er klug.“ Kasian grinste. „Oder beides. Oxana ist ihr Name wenn ich mich recht
entsinne.“ Seine Gäste stimmten ihm zu. Kasian nippte nachdenklich an seinem Wein. Das
Wort „Besahi“ kam ihm bekannt vor, er wusste nur nicht woher. Dann blickte er wieder auf.
„Gut, kommen wir zurück zum Thema. Ich biete ihnen meine Bündnistreue an. Soll Hassan
doch versuchen sie anzugreifen. Was will er angreifen, wenn er sie nicht findet?“
Die Gäste schauten ungläubig. „Wie meinen sie das?“Seite 103
Kasian gab seinem Adjutanten ein Zeichen. Sander betätigte einen Knopf und eine
Videowand kam von der Decke herab. Die Videowand zeigte die Versuche des
Stealthgeneratoren in Portugal. Stille breitete sich über den Raum aus. Kasian erhob sich und
wies auf den Videoschirm, auf dem gerade die Basis verschwunden war. „Diese Technologie
können sie als Teil unseres Bündnisses betrachten. Von nun an können sie ganze Basen an der
Oberfläche errichten, ohne das Hassan oder die GDI es je bemerken würde. Nur genügend
Strom benötigen sie.“ Er schwieg eine Sekunde. „Oh, und natürlich meinen neu entwickelten
Stealthgenerator!“
Hassan war unzufrieden. Äußerst unzufrieden. Seine Invasion bei Gibraltar war nicht
geglückt. Eine Anzahl von Splittergruppen schienen sich in Russland und Polen mit Kasian zu
verbünden. Trotz seiner Warnungen. Es lief alles andere als gut. Zumindest hatte er die
Splittergruppe namens „die wahre Bruderschaft“ fast völlig ausgelöscht und durch einige
geschickte Schachzüge kontrollierte er nun auch Indien. Aber während sich in Asien kaum
noch Widerstand regte, formierte sich in Europa weiterhin ein mächtiger Block und er hatte
dies nicht verhindern können.
Immer neue Hiobsbotschaften trafen ein. Kasian hatte offensichtlich die Stealthtechnologie
erfolgreich weiterentwickelt. Zu was, wusste er nicht. Als ob dies nicht genügen würde schien
Kasian auch in den Besitz einer der alten Tafeln gekommen zu sein. Er selbst hatte zwei
Tafeln in seiner Schatzkammer. Aber die Übersetzung schien unmöglich, ohne zusätzliches
Material. Mehrere Expeditionen hatte Hassan nach Zentralafrika geschickt. Aber sie waren
nie fündig geworden. Dabei schienen die Hinweise auf den uralten Tempel von NOD im
Kongo sehr stichhaltig zu sein. Das Cabal-Netzwerk hatte mehrere Indizien überall auf der
Welt ausgegraben. Zuletzt im Tempel in Südafrika. Nachdem sich die Anführer im Süden sich
ihm angeschlossen hatten, war er zumindest einen Schritt weiter gekommen. Hassan sah die
Tafeln als eine Art Trumpf an. Die Worte Kanes würden ihn zum mächtigsten Mann auf der
Welt machen. Nur noch wenige Hindernisse standen ihm im Weg. Die GDI war nicht das
Größte. Um den alternden General auf seiner Raumstation würde er sich später kümmern.
Vielleicht lies sich über den Sohn von Kasian etwas herausfinden. Möglich sollte es sein,
überlegte Hassan. Er rief nach einem seiner neuen Adjutanten. „Mu-Berek, wann soll dieser
Abgesandte von Kasian eintreffen?“ fragte er. „Sie meinen den Sohn von Kasian? Er wird im
Laufe der nächsten Tage erwartet. Er scheint sich gerade in Portugal aufzuhalten, wie uns
Spione berichtet haben. Er schließt dort seine Ausbildung ab.“ Hassan runzelte die Stirn.
„Davon erfahre ich erst jetzt? Wir hätten ihn während der Invasion sicherlich in der
allgemeinen Verwirrung durch ein Kommando entführen können!“ lies Hassan leise
verlauten. Die leise Stimme lies den Adjutanten schrumpfen. „Äh Sir, ich kann das
erklären…“ Hassan nickte nur. „Nun?“ „Sir, sie haben meinen Vorgänger töten lassen bevor er
ihnen die Berichte der letzten Spionageeinsätze bringen konnte.“ sagte er kleinlaut.
Hassan zeigte ein kaltes Lächeln. „Das erklärt natürlich einiges. Lassen sie es nicht noch mal
soweit kommen Mu-Berek.“ Der Adjutant salutierte eilig und versuchte sich schnell aus der
Gegenwart von Hassan zu stehlen. Dieser lächelte nur. „Bald wird der Bote des Friedens
kommen. Kasians Sohn in meinem Stab. Das wird sicherlich amüsant“, murmelte er leise
während das Lächeln erstarb.
Terag und seine Rekruten waren zurück in die Basis von Hermandes beordert worden. Seine
Rekruten hatten ein wenig Fronterfahrung sammeln können, damit war Terag zufrieden. Bald
würde ihre Ausbildung abgeschlossen sein. Vermutlich würde man sie gleich bei der
Beförderung zum Soldaten mit Orden behängen. Vielleicht würden sie auch gleich den Rang
eines Leutnant erhalten.
Terag war stolz auf seine Jungs und hoffte, dass die Truppe zusammen blieb. Seite 104
Als Terag nach dem Abendessen in sein Quartier zurück kam, lagen dort neue Marschbefehle
auf dem Tisch. Er studierte die Befehle lange bevor er begriff was dort stand. Rekrut Panterre
wurde in einer Sondermission nach Kairo aufbrechen. Die restlichen Rekruten sollten sich
bereit machen in die Heimatbasis zurück zu kehren. Nun wusste er warum seine Rekruten
diese ganze Sondertour erhalten hatten. Jemand im Oberkommando wollte einen erstklassig
ausgebildeten Rekruten. Vermutlich sollte er als diplomatischer Soldat an Hassans Hof. Ein
diplomatischer Soldat. Welch ein Unwort, dachte Terag. Soldaten welche sich in Diplomatie
üben mussten. Er hoffte Panterre würde öfter an Gefechten teilnehmen können als an den
langwierigen Verhandlungen verschiedener Splittergruppen. Dennoch schien etwas noch
immer im Dunkeln zu liegen. Panterre mochte gebildet sein, das hatte er bemerkt und ein
guter Soldat noch dazu, aber als Diplomat oder Spion an Hassan Hof geschickt zu werden,
wäre doch riskant. Dafür war er schließlich nicht ausgebildet worden. All diese Intrigen und
Ränkeschmiederei bereitete ihm Kopfweh. Terag legte den Marschbefehl wieder auf den
Tisch und ging sich duschen. Er war ein Soldat, kein Denker. Vielleicht würde sich alles
aufklären, irgendwann.
Gregor hatte es sich in einem Sitz des Untergrund BMT bequem gemacht. Sein Ausbilder
Terag hatte ihn ohne viel Worte die neuen Marschbefehle übergeben und ihm befohlen zu
packen. Er musste so schnell aufbrechen, dass er sich nicht einmal von seinen Kameraden
verabschieden konnte. Nun las er abermals den neuen Marschbefehl auf seinem Datenblock.
Das Wappen seines Vaters in der oberen rechten Ecke der Datei kennzeichnete die Herkunft
der übermittelten Nachricht. Ein im Hintergrund eingelassenes Wasserzeichen bestätigte dem
Datenblock die Echtheit des Dokumentes. Die Befehle waren nüchtern und militärisch.
Bruderschaft von NOD: Koalition Kasian
Marschbefehl 00P-CABAL-D-6/2028/0712/1
Rekrut Panterre (G.P.23658), sie brechen umgehend nach Kairo auf. Ein BMT samt
Besatzung wird ihnen von lokalen Streitkräften zur Verfügung gestellt. In Kairo werden sie
bereits erwartet. Sie werden dem Stab von Hassan zugeteilt und unterstehen seinen Befehlen
bis auf weiteres.
Im Namen von Kane!
Gez.
F. Sander
i.a. von Kasian
Gregor war enttäuscht. Sein Vater hatte ihm nicht einmal eine persönliche Nachricht
geschickt. Er wusste zwar, dass er als eine Art Friedenssymbol geschickt wurde, aber die
Wahrheit sah anders aus. Hassan hatte versucht in Spanien und Portugal Fuß zu fassen. Er
hatte einen direkten Verbündeten von seinem Vater angegriffen. Sein Marschbefehl und die
Arbeit im Stab von Hassan waren nicht mehr als pure Heuchelei.
Gregor schaltete seinen Datenblock ab und bückte sich nach seinem Rucksack. Er wühlte kurz
darin und zog dann eine Packung der Notration heraus. Er hatte Hunger und mit Sicherheit
würde er die nächste Zeit wenig zu Essen bekommen. Dieser BMT würde ihn zwar nur bis
zum nächsten Bahnhof der Untergrundbahn bringen, aber auch das konnte seine Zeit dauern.
Er zog an einer kleinen blauen Lasche und sah der Packung zu wie sie sich erhitzte. Diese
Notrationen gehörten noch zu den modernen Versionen. Eine chemische Reaktion in zwei
kleinen Taschen in der Plastikverpackung lies die Mahlzeit schnell heiß werden. Aber Gregor
hatte leider nur zwei solche Mahlzeiten bekommen. Ansonsten hatte man ihm die
Standartrationen ausgehändigt. Trockene Müsliriegel und ähnlichen Fraß. Gregor schüttelte Seite 105
sich unwillkürlich und riss dann die Plastikverpackung der Ration ab. Der warme Duft von
Gulasch strömte Gregor in die Nase. Gregor zuckte die Achseln und grinste. Welche
Überraschung. Er hatte schon befürchtet die Ration würde etwas anderes enthalten.
Sander studierte eine neue Auswertung der Schrifttafel. Die neuen Informationen aus dem
Jemen hatten die Übersetzer etwas weiter gebracht. Offensichtlich lag der Schlüssel
tatsächlich in einer Mischung verschiedener arabischer Sprachen aus den unterschiedlichsten
Epochen. Er blickte fasziniert auf den Computerbildschirm. Der Computer hatte einige
Vokabel dieser Sprache übersetzt. Die entsprechenden Schriftzeichen waren blau unterlegt.
Am Rand wurde die Herkunft der Sprachen aufgeführt. Sander schüttelte den Kopf. Die
Schriftzeichen hatte der Computer nun zu 54 Prozent übersetzt, aber selbst dann benötigte er
Unmengen anderer Schriften um den richtigen Wortlaut heraus zu finden. Er blickte noch eine
Weile auf die Ansammlung von Alt-Ägyptischen Wörtern in der Datenbank und sah zu wie
der Computer eine neue Unterdatei anlegte. Sumerische Vokabeln, laut der Anmerkung des
Computers. Sander schüttelte den Kopf und stand auf. Er schaute auf seine Uhr und stellte
erschrocken fest, dass er vor einer Minute Kasian hätte wecken sollen. Schnell lief er aus dem
Arbeitszimmer. Zum Glück lag Kasians Zimmer auf dem selben Gang. Nach wenigen
schnellen Schritten stand Sander vor der Türe des Schlafzimmers. Er klopfte sachte an. „Sir?“
Kasian antwortete nicht sofort. Schließlich hörte man ein leises Stöhnen aus dem Zimmer
dringen. „Haben wir schon sechs Uhr Sander?“ Sander lächelte. So ging das fast jeden Tag.
Es war zu einem Ritual geworden. „Ja Sir, es ist drei Minuten nach. Der Butler hat das
Frühstück bereits in der Küche serviert.“ Nach einem lauten Seufzer aus dem Zimmer
antwortete Kasian. „Gut, danke Sander. Frühstücken sie mit?“ „Nein danke Sir, ich bin bereits
seit einer Stunde auf den Beinen.“
Kasian lachte. „Sehen sie, deswegen habe ich sie ausgewählt. Sie sind nicht nur fleißig,
sondern essen mir auch nicht meine Brötchen weg.“ Er öffnete die Türe und trat auf den
Gang. Er war in einen teuren Morgenmantel gehüllt und lächelte verschlafen. Sander nickte
ihm zu. „Guten Morgen, Sir.“
Gregor hatte unruhig geschlafen. Er war bisher drei mal umgestiegen. Das bedeutete er war
entweder von der Crew aus dem Schlaf gerissen worden, oder eine Computerstimme hatte ihn
geweckt. Sein ordentliches Essen war ihm schon lange ausgegangen, aber immerhin hatte er
nun wieder in einem Untergrund Schnellzug Platz genommen und hier gab es schließlich
Verpflegung.
Die anderen Fahrgäste stellten sich dem einfachen Soldaten nicht vor. Vermutlich hielten sie
ihn für einen Wartungstechniker welcher während der Fahrt etwas überprüfen wollte.
Nach einem kurzen Aufenthalt begann sich der Zug wieder in Bewegung zu setzten und nahm
Kurs auf Norditalien.
Kasian trank gerade seine zweite Tasse Kaffee als Sander zu ihm in die Küche kam. Kasian
biss in sein Brötchen und schaute zu ihm auf. „Haben sie doch Hunger bekommen?“ Sander
schüttelte den Kopf. „Sir, ich habe hier die neusten Auswertungen über die Schrifttafel.“ Er
legte einen Computerausdruck auf den Tisch. Kasian legte sein Brötchen zur Seite und schob
die Tasse zur Seite. Lange studierte er die übersetze Passage um sich schließlich in seinem
gepolsterten Stuhl zurück zu lehnen. Er spitzte die Lippen und kratze sich nachdenklich an der
Stirn. „Die Worte Kanes,“ sinnierte er. Kasian lächelte und griff wieder nach seiner Tasse. Er
trank einen Schluck Kaffee, dann schaute der zu Sander auf. „Die Worte Kanes! Wir haben
seine Prophezeiungen. Das wird die Bruderschaft vereinen.“
Sander nickte. „Ja Sir, ich denke das dürfte hilfreich sein. Aber wir sollten noch die komplette
Übersetzung abwarten.“ Kasian trank einen weiteren Schluck und rieb sich das Kinn. „Wenn
sie meinen. Aber beeilen sie sich!“ Sander nickte und ging wieder in den ersten Stock. Seite 106
Kasian blickte aus dem Fenster. Ein weiterer Schluck Kaffee brachte seine Gedanken in
Schwung. Lange überdachte er die Möglichkeiten der Übersetzung.
Terag und seine Rekruten erreichten die Hauptbasis nach der abermals langen Fahrtzeit. Terag
rieb sich die müden Augen als er von seinem Datenblock aufsah. Er hatte bis vor einigen
Minuten die letzten Ausbildungseinheiten seiner Truppe geplant. Im Grunde völlig unnötig,
wie Terag festgestellt hatte. Seine Jungs hatten Fronterfahrung, sie hatten ihre ersten Gefechte
mit der GDI bestens überstanden. Den kleinen Kratzer den sich sein einer Rekrut bei dem
Angriff auf den Titanen zugezogen hatte, war kaum der Rede wert gewesen.
Terag blickte ein letztes Mal auf die Trainingseinheiten. Verdecktes Vorgehen in gemäßigten
Regionen. Das hieß soviel wie ein kleiner Angriff auf eine Basis der GDI. Er hoffte nur, diese
Attacke von Kasian genehmigt zu bekommen. Daran schloss sich ein Leergang über die neue
Stealthtechnologie an. Im Grunde ebenso unnötig, da sie als erste Soldaten die Auswirkungen
des Tarnfeldes beobachtet hatten, aber Terag legte viel Wert darauf die Hintergründe zu
kennen. Er selbst musste sich eingestehen bei dieser neuen Erfindung einige Defizite zu
besitzen, daher würde er ebenso an diesem Lehrgang teilnehmen. Er runzelte die Stirn.
Bedienung von Artillerie und schweren Geschützen. Dieser Punkt war wichtig. Im Normalfall
würden seine Rekruten nie mit solchen Waffengattungen in Kontakt kommen, aber im
Schützengraben gab es keinen Normalfall. Er hatte schon oft genug mit angesehen wie hinter
seinem Posten eine Pak-Einheit das Feuer einstellen musste, nur weil keiner der Soldaten
wusste, wie sie die Waffe bedienen mussten. Natürlich waren die neuen PAKs
Computergesteuert und mit Lasertechnologie ausgestattet, aber das hieß nicht, dass seine
Rekruten nicht auch irgendwann altes Material verwenden mussten. Terag drückte auf das
Display und beendete den Datenblock. Mit einem leisen Seufzer stand er auf und holte seine
Ausrüstung. Er war weit herum gekommen, seit er für Kasian kämpfte. Irgendwann würde er
ihm dafür danken müssen, dachte er und trat auf den Bahnsteig.
Gregor war vor zehn Minuten von der neuen Crew informiert worden. Sie erreichten bald das
Tal des Tibers. Jenem legendären Fluss der ersten Tiberium Funde. Das Gebiet wurde zwar
von GDI Truppen und Heerscharen von Wissenschaftlern umlagert, aber immer noch gab es
eine kleine versteckte NOD Basis auf einem Berg über dem Tal. Dort würde der Untergrund
BMT auftanken müssen, hatte der Pilot gesagt. Es würde eine Weile dauern und so nahm sich
Gregor vor einen der versteckten Beobachtungsposten zu besuchen und sich das legendären
Fluss anzuschauen.
Er war regelrecht aufgeregt. Nur wenigen Soldaten wurde dieses Privileg zuteil. Die Basis im
Berg wurde nur selten angesteuert um die Entdeckung so gering wie möglich zu halten. Es
dauerte noch weitere fünf Minuten bis sie in einen kleinen Hangar eintrafen und stoppten.
Während Gregor aus dem BMT ausstieg, machte sich eine Wartungscrew bereits an die
Arbeit. Ein dicker Schlauch wurde angebracht und zwei Datenkabel eingestöpselt. Man hörte
den Treibstoff in den Tank des BMT fließen. Die Datenkabel würden wohl das interne Netz
des BMT auf den neusten Stand bringen. Gregor nahm sich vor später die neusten
Nachrichten aus dem Cabal-Net zu laden, sicherlich wurde auch diese mit in den BMT
übertragen.
Er schaute sich in dem kleinen Hangar um. Die Höhle war nur für maximal vier Fahrzeuge
ausgelegt. Die Crew war so klein, dass sie immer nur ein Fahrzeug betreuen konnte. Alles ein
etwas kleinerer Maßstab als bei den Basen seines Vaters. Gregor vermutete, dass es nicht
allen Gruppen so gut ging, wie der Koalition um seinen Vater. Er ging einige Stufen empor
und erreichte einen langen Gang. Gregor lächelte, in einigen Punkten ähnelten sich wohl alle
Basen. Auf dem Betonboden konnte man die typischen Wegemarkierungen erkennen. Er
folgte einem der Markierungen und erreichte bald eine enge Treppe. Die Treppe schraubte
sich in die Decke. Er stieg sie empor und erreichte ein höheres Level. Ein enger Gang aus Seite 107
Beton verlief hier. Gregor entschied sich dem Flur nach links zu folgen. Nach hundert Metern
zweigte rechts von ihm ein Gang ab und endete zehn Meter weiter in einer Leiter. Gregor hielt
auf die Leiter zu. Sie führte in einen kleinen Bunker. Er war gerade nicht besetzt, also
kletterte er die Leiter empor in den Bunker. Das Tageslicht blendete ihn zuerst. Er schloss die
Augen und verweilte einen Augenblick. Dann öffnete er sie und blickte durch einen kleinen
Spalt in der Mauer ins Freie. Gregor war überwältigt.
Die Sonne spiegelte sich tausendfach in den Kristallen der Tiberiumfelder. Die Hänge waren
über und über mit grünem und blauem Tiberium überwuchert. Große Bäume ragten vereinzelt
aus den Feldern und spieen unentwegt neue Kristalle aus. Ein glitzernder Schimmer lag über
dem Tal und die Luft zitterte in der Mittagshitze. Kleine Kristallwolken schwebten über den
Tiberiumbäumen. Eine Herde mutierter Tiere stand am Ufer des Tiber und suhlte sich im
Schlamm. Aber der Schlamm selbst schien fast völlig aus Tiberium Kristallen zu bestehen.
Kleine zermahlene Stückchen ließen das Wasser grün glitzern. Der Fluss schwemmte immer
neue Kristalle Flussabwärts. Gregor war fasziniert. Das laute Dröhnen eines OrcaTransporters schreckte ihn auf. Der Transporter der GDI flog den Fluss entlang. Gregor
wusste nichts über die Sensoren dieser großen Schiffe und ebenso wenig kannte er sich mit
diesen Bunkern aus. Er beschloss schnell wieder in den Gang zurück zu kehren. Er hatte
gesehen weswegen er gekommen war.
11
Hassan studierte die neuen Forschungsberichte seiner Abteilungen. Die kleine Station am
Tigris hatte sich bezahlt gemacht. Die Forschungseinrichtung war sehr entlegen und so waren
seine Wissenschaftler durch keinerlei GDI Interventionen gestört worden. Die dort
entwickelte Cybertechnologie eröffnete gänzlich neue Möglichkeiten. Eine Verschmelzung
von Mensch und Maschine. Hassan war begeistert.
Nach der misslungen Invasion der iberischen Halbinsel hatte sich doch einiges wieder zum
guten gewendet. Er hatte Hermandes noch zwei Kilometer mehr abgejagt und nun hatten
seine Truppen dort wieder Zugang zu neuen Tiberiumfeldern. Vielleicht würde er Hermandes
doch noch schlagen. Es würde seine Zeit brauchen, aber es war möglich.
Hassan kontrollierte weitere Berichte seiner Untergebenen. Natürlich erreichten ihn nicht nur
offizielle Berichte aus den jeweiligen Gebieten. Er hatte überall seine Spitzel um seine
Kommandanten zu kontrollieren. In diesem Fall wunderte sich einer seiner Informanten über
einen Neubau auf dem Privatanwesens des Kommandanten im Jemen. Womöglich war
Material und Geld unterschlagen worden. Hassan würde dem nachgehen müssen.
Er erhob sich aus seinem großen schwarzen Ledersessel und ging auf den Taktik Tisch zu.
Der große Bildschirm, welcher die Tischplatte darstellte war nie ausgeschaltet. Im Stand-by
Modus zeigte er eine Holzmaserung welcher eine normale Tischplatte darstellte. Der
Bildschirm war am Rand in echtes Tropenholz gefasst. Nur eine kleine Konsole an jeder Seite
durchbrach das antike Design des Tisches. Hassan drückte auf einige Knöpfe. Es ärgerte ihn,
dass die Sprachsteuerung des Cabal Netzwerks noch nicht ausgereift war. Zu oft hatte der
Computer die Befehle missverstanden. Seither bediente er den Computer lieber wieder mit
einer Konsole. Das Bild der Holzplatte verschwand und eine taktische Karte formte sich rot
auf schwarz. Die neusten Daten aus aller Welt erschienen in kurzer und schneller Abfolge und
aktualisierten die Karte. Hassan blendete Amerika und Australien aus und zentrierte dann die
Karte auf Kairo. Kairo. Dies war seine Stadt und würde bald schon der Mittelpunkt der Welt
sein. Aber auch in seinem Einflussbereich gab es Veränderungen.
In Europa hatte er alle Verbündeten verloren. Selbst auf Sizilien und im Süden von Italien
waren Splittergruppen der Koalition von Kasian beigetreten und akzeptierten ihn als obersten
Befehlshaber. Hassan kochte innerlich vor Wut, studierte die Karte aber weiter. Der Seite 108
Machtblock Europa war immer noch nicht so stark wie er. Er kontrollierte die weitaus freieren
Regionen der Welt. Es gab Länder, in denen es nur noch in den Hauptstädten GDI Posten gab.
Dagegen war die GDI in Europa sehr stark vertreten. Das war sein Vorteil.
Hassan richtete seine Aufmerksamkeit auf Südafrika. Wieder waren zwei Gruppen
zerbrochen. Das war ärgerlich, denn bisher waren sie ihm treu ergeben. Nun kümmerten sie
sich nur noch um ihre Probleme. Sie wurden auf der Karte als neutral eingestuft. Es sah zwar
nach einigen Eroberungen in Russland wieder besser für ihn aus, dennoch musste er sich in
Acht nehmen. Er würde seine nächsten Schritte überdenken müssen. Die Gerüchte um die
Tafel brachte Kasian immer mehr Macht ein. Hassan entschied ebenfalls bekannt zu geben,
dass er zwei Tafel besaß. Seine Fernsehstation sollte noch heute Abend darüber berichten.
Später würde er Mu-Berek die entsprechenden Befehle dafür geben.
Hassan schaltete die Karte weg und spielte eine Aufzeichnung seiner neuesten Erfindung ab.
Einen Prototypen hatten seine Wissenschaftler bereits gebaut. Er wusste nicht wer ihre
Versuchperson war, aber in seinen Gefängnissen gab es sicherlich genügend Versuchsobjekte
für solche Zwecke.
Er blickte fasziniert auf die Aufzeichnung. Die Person war zu großen Teilen mit
kybernetischen Ersatzgliedern durchdrungen. Seine rechte Hand war durch eine schweres
Maschinengewehr ersetzt worden. Schwere Panzerung machten den Soldaten gegenüber
normaler Infanterie fast unbesiegbar. Hassan studierte neue Werte. Die modifizierten Glieder
und die Versuche mit Tiberium hatten dazu geführt, dass sich die Versuchperson in
Tiberiumfeldern heilen konnte. Hassan war begeistert. Aber was wohl der entscheidenste
Punkt dieser neuen Erfindung war, war die Funkkontrolle. Dieser Cyborg hatte keinen
eigenen Willen mehr. Der zuständige Feldkommandant konnte diese Truppen einsetzten wie
er wollte. Keine Befehlsverweigerung, keine Fehler und gnadenloses Vorgehen. Hassan
lächelte kalt.
Mu-Berek ordnete die neuen Berichte und verstaute sie in einem Ordner. Die
Spionageberichte der letzten Zeit waren äußerst beunruhigend. Kasian und seine Verbündeten
versuchten an den Rändern von Hassans Gebiet Vorposten aus zu kundschaften. Es wurde
sogar von Verhandlungen mit einzelnen Gruppen berichtet. Aber das war nicht das einzige
Problem. In den letzten Wochen hatte es vermehrt auch Kontakte zum Informationsaustausch
gegeben. Mu-Berek musste wohl die Loyalität einiger Kommandanten überprüfen. Hassan
hatte die neuen Spionageberichte noch nicht eingesehen. Bis dahin sollten ihm besser
genauere Informationen vorliegen.
Mu-Berek setzte sich an seine Konsole und gab entsprechende Anweisungen an eines der
Teams, welche für solche Anlässe ausgehoben worden waren. Nachdem er den Befehl
abgeschickt hatte rief er die taktische Karte auf seinen Bildschirm. Besonders beobachtete er
die neusten Aufklärungsberichte über die Front in Spanien. Nur etwa vier Kilometer waren sie
vorgedrungen. Nun massierten sich Truppen der Koalition hinter der Front. Das konnte
Probleme geben, entschied er und schickte die Aufklärungsberichte zu Hassans Gemächern.
Aber nicht alles durfte man über die elektronischen Leitung versenden. Dem war sich MuBerek bewusst. Also packte er die Berichte über den geplanten Einsatz im Kongo in eine
Mappe und machte sich auf den Weg zu Hassan.
Es war ihm immer wieder ein Rätsel warum Hassan das Büro des Adjutanten so weit von
seinen Gemächern weg einrichten lies. Aber Hassan liebte seine Privatsphäre und es war
äußerst ungesund ihn zu stören. Das hatten schon einige Vorgänger von Mu-Berek erfahren
müssen. Vor allem die delikaten Ausschweifungen ihres Herrn mussten die Palastwachen und
Adjutanten übersehen.
Mu-Berek durchquerte den Nebenflur und erreichte den großen Gang zum Audienzzimmer
Hassans. Sein Anführer lebte hier wie ein Kalif. Der Vergleich war nicht einmal so weit Seite 109
hergeholt. Hassans Plänen und Eroberungszügen nach konnte man ihn gut mit dem arabischen
Kalifen des frühen Mittelalters vergleichen. Nur der Luxus war noch größer. Der Gang war
mit teuerstem Marmor ausgelegt. Kleine Mosaike zierten den Boden. Schwere, kunstvoll
gewobene Teppiche bedeckten die Wände. Mu-Berek schüttelte verwunderte den Kopf. Er
hatte es weit gebracht.
Vor dem großen Tor des Audienzzimmers blieb er stehen. Ein Soldat der Ehrengarde nickte
ihm kurz zu. Darauf hatte er gewartet. Hätte er keine Reaktion von den Wachen erhalten wäre
er schleunigst umgedreht. Dieses Abkommen kostete ihm viel Geld, lies ihn aber die
Peinlichkeit vermeiden in eine der Ausschweifungen seines Herrn zu geraten. Eine teure,
wenn auch lebensverlängernde Investition. Er klopfte kurz an und betrat dann den Raum ohne
auf eine Antwort zu warten. Ein großes Privileg, welches nur der erste Adjutant inne hatte.
Hassan drehte sich um. „Ich habe mir die Aufklärungsdaten aus Spanien angesehen. Sehen
Sie darin eine Gefahr?“ Mu-Berek nickt und kam näher. „Ja Sir, ich halte diesen Aufmarsch
für beunruhigend.“ Hassan runzelte die Stirn. „Aber wohl kaum eine Gefahr. Sie verstärken
ihre Truppen, aber das haben wir gestern auch getan.“ „Ja Sir, wie sie meinen,“ antwortete der
Adjutant. Wiederspruch war hier fehl am Platz und er wollte eine neuerliche Exekution des
ersten Adjutanten tunlichst vermeiden.
Hassan nickte. „Aber ich bin froh, dass sie mich darauf hingewiesen haben. Auch ich
übersehe ab und zu ein Detail. Dafür habe ich schließlich meinen Adjutanten.“
Mu-Berek überspielte das kleine Kompliment und reichte Hassan die Mappe. „Die ersten
Konzepte für die Kongo-Mission. Kartenmaterial, Hinweise auf den Tempel und
Logistikplanungen.“ Hassan nahm die Mappe an sich und überflog die Konzepte. Er brummte
nachdenklich. „Sieht gut aus. Da wir schon beim Thema Tafeln sind. Gibt es etwas neues von
Kasian?“ „Nun Sir, eine etwas unzuverlässige Quelle lies verlauten, Kasian würde bald einen
entschlüsselten Text verbreiteten.“ Hassans Augen blitzen wütend auf. „Das darf nicht
passieren!“ brüllte er und hieb nach einer großen Vase. Nachdem das Klirren der
zerbrochenen Vase verklungen war antwortete sein Adjutant. „Sir, ich wüsste nicht wie wir
das Verhindern könnten.“ Hassan blickte auf die Vase, um dann plötzlich den Kopf hoch zu
reißen. „Doch! Wenn wir den verschollenen Tempel von NOD finden. Wenn wir einen der
alte Tempel finden werden sich uns alle Geheimnisse Kanes offenbaren. Bereiten sie alles vor
Mu-Berek. Ihr Leben hängt vom Erfolg dieser Mission ab.“ Mu-Berek schluckte schwer.
„Natürlich Sir. Aber was soll ich derweil mit dem Sohn von Kasian machen? Er wird in vier
Stunden Kairo erreichen.“
Hassan sah in durchdringend an. „Beschäftigen sie ihn einfach.“ „Wie sie wünschen, Sir.“
Mu-Berek versuchte schnell den Raum zu verlassen, doch da ertönte hinter ihm Hassans
Stimme. „Warten Sir. Ich weiß etwas besseres.“ Mu-Berek drehte sich um, erste
Schweißperlen auf der Stirn. „Sir?“ Hassan lächelte kalt. „Sie werden ihn mit auf die KongoMission schicken.“ Mu-Berek ächzte leise. „Wie sie wünschen, Sir.“
Gregor war mit dem BMT direkt in die Katakomben unter dem Palast von Hassan gebracht
worden. Der Palast lag am Rande des Stadtzentrums. Um die GDI schien man sich hier keine
Sorgen zu machen, denn viele BMTs fuhren ein und aus. Das Ganze erschien Gregor
chaotischer als er aus dem BMT stieg. Weniger geordnet als zuhause, aber dennoch um
einiges größer. Aber wen wunderte dies. Hassan herrschte absolutistisch über große Teile des
Nahen Ostens, Afrikas und Asiens. Zumindest in jenen Gebieten, in denen die GDI nicht
präsent war. Aber um die GDI schien man sich hier wenig Sorgen zu machen. Gregor
überraschte dies sehr. Kairo war im großen Tiberiumkrieg schwer umkämpft gewesen. Um
jeden Meter und um jedes Haus war verbittert gekämpft worden. Beide Seite hatten große
Verluste hinnehmen müssen. Seite 110
Gregor zog den Riemen seines Rucksacks enger und ging langsam auf das nächste Schot zu.
Das ihn niemand abholte irritierte ihn etwas, aber er wertete es als erste Geste der
Missachtung gegenüber seinem Vater. Er hatte das Schot fast erreicht, da öffnete sich dieses
und ein kleiner schlanker Mann trat eilig heraus. Seine Haare waren schwarz und sein Gesicht
schien aus gegerbten Leder zu sein. Er hatte den Blick eines Wiesels und mit selbigem suchte
er den Hangar ab. Aber die schweren Säulen, welche den Hangar stützten, behinderten seine
Sicht. Das lies Gregor genügend Zeit den Mann zu mustern. Seinen Abzeichen zufolge war er
der erste Adjutant Hassans. Sein Empfang.
Gregor setzte sein liebstes „Hallo Tante“-Lächeln auf und ging auf den Adjutanten zu. Nicht
dass er je eine Tante gehabt hätte, aber Yeremi hatte das schleimige Lächeln jedes
Diplomaten oder taschengeld-gierigen Kindes immer so genannt.
„Ahhh willkommen! Verzeihen sie meine Verspätung, aber es gibt sooo viel zutun.“ Er hob
theatralisch die Hände. Dann ging er einen weiteren Schritt auf Gregor zu und schüttelte ihm
die Hand. Gregor lächelte immer noch. „Oh ich kenne sie, aber sie kennen meinen Namen
noch gar nicht!“ Gregors bereitete die überzogene Freundlichkeit bereits jetzt Kopfschmerzen.
„Nennen sie mich Mu-Berek. So nun, sie sind sicherlich erschöpft und wollen ein Bad
nehmen, habe ich recht?“ Gregor grinste. „Oh ein Bad? Das ist mehr als das womit ich
gerechnet habe.“ Mu-Berek schüttelte pikiert den Kopf. „Ach Gregor, ich darf sie doch so
nennen. Sie dürfen nicht glauben, die arabischen Staaten seien immer noch Rückständig.
Natürlich gibt es gewissen Defizite, aber ich versichere ihnen, hier im Palast wird es ihnen an
nichts fehlen! Folgen sie mir!“ Er winkte Gregor zu sich und deutete auf das Schott.
Kasian stand vor seinem Panoramafenster. Sander wartete vor dem Schreibtisch. Nach einigen
Augenblicken bewegte sich Kasian wieder und zupfte an seinem Anzug. „Sander, wurden die
Tiberiumkristalle ausgesetzt?“ Sander blickte auf eine Liste. „Ja Sir, wir haben bereits an
zwanzig Orten kleine Felder angelegt.“ Kasian nickte. „Gut, erfüllen wir die Prophezeiung.
Hier und in jedem anderen Tal.“
Gregor lehnte sich seufzend zurück. Damit hatte er nun wirklich nicht gerechnet. Das ihm
zugewiesene Zimmer war sehr luxuriös. Die Badewanne übertraf vieles was Gregor gesehen
hatte. In die flache Wanne aus Marmor passten bestimmt vier Personen. Nun war sie bis zum
Rand mit herrlichem heißen Wasser gefüllt. Gregor genoss die Entspannung. Wann er zuletzt
ein Bad genommen hatte wusste er nicht mehr. Die kalten Duschen in den Baracken erfüllten
zwar immer ihren Dienst, aber eine volle Wanne, war Gregor doch am Liebsten.
Nachdem er sich etwas entspannt hatte, ordnete er seine Gedanken. Bisher wusste er immer
noch nichts über seine Aufgaben hier. Mu-Berek hatte ihn einfach in seinem Quartier
abgesetzt und ihm die Abendnachrichten empfohlen um sich über die aktuelle Lage zu
informieren. Gregor hatte sich tatsächlich einen Teil der Nachrichten angetan. Aber nach etwa
der Hälfte der Berichterstattung hatte er den Fernseher kopfschüttelnd abgeschaltet. Gregor
wusste was Propaganda war, aber die Berichterstattung dieses NOD Senders war schlimmer.
Das Fernsehen war ein machtvolles Medium und die Bruderschaft hatte es benutzt um
Anhänger um sich zu scharen. Aber vor allem wurde es immer dazu benutzt gegen
gewalttätige GDI zu kämpfen. Ihre Verbrechen auf zu decken und ihre Lügen zu offenbaren.
Der Sender von Hassan kämpfte hauptsächlich gegen die Gruppen in der Bruderschaft.
Teilweise wurden Bilder von Angriffen gezeigt, die für einen Soldaten sofort als Standart
Strategien der GDI entlarvt wurden. Aber der Kommentator, ein schmieriger Kerl, behauptete
abtrünnige NOD Soldaten wären für die Übergriffe verantwortlich. Nur selten hörte man
Propaganda gegen die GDI. Das ganze Programm war darauf ausgerichtet die Heiligkeit
Hassans zu zeigen. Nur er könne die Bruderschaft vor dem Untergang bewahren hieß es. Seite 111
Gregor verzog den Mund. Nur Kane konnte die Bruderschaft wieder einen. Nicht dieser
Wüstenschakal Hassan. Sein Vater versuchte sich an solchen Zielen erst gar nicht. Natürlich
versuchte auch er die Bruderschaft zu einen, aber er stellte sich nicht als Messias dar. Als
Retter in der Not. Dieser Palast roch gerade zu nach Lügen und Intrigen. Hassan hatte es
geschafft so ziemlich jeden hinterhältigen Menschen der Bruderschaft an seinem Hof zu
versammeln. Zumindest erschien es Gregor nach einem ersten Rundgang so. Der kleinen
Umweg den Mu-Berek gemacht hatte, war informativ gewesen. Überall lungerten
Speichellecker und Adjutanten fünften Grades herum und warteten auf ihre Chance.
Ein Diener hatte ihm kurz vor dem Bad das Abendessen gebracht. Gebratener Hammel mit
irgendeinem Gemüse. Als Nachtisch hatte es Datteln gegeben. Das Essen war ausgezeichnet
gewesen und offensichtlich nicht vergiftet. Immerhin ging es Gregor gut.
Gregor grübelte immer noch wie er sich verhalten sollte. Sicherlich würde man ihn nicht
wirklich in den Stab von Hassan aufnehmen. Er war Zaungast und durfte vielleicht ab und zu
so tun als ob er an einer Operation teilnahm. Er würde sich in Acht nehmen müssen.
Mu-Berek beobachtete den Sohn von Kasian auf seinem Bildschirm. Er dankte jenem seiner
Vorgänger, der diese Videoüberwachung installiert hatte. Ohne Wissen von Hassan. Auch
Mu-Berek hatte seine Trümpfe und dessen war er sich bewusst. Vor allem nun, da sein Leben
auf dem Spiel stand. Die Mission in den Kongo würde mit großer Wahrscheinlichkeit ein
Fehlschlag werden. Schließlich waren die letzten Fünf es auch gewesen. Um genau zu sein
hatten es gerade einmal zwei Kommandos geschafft zurück zu kehren. Oder das was von
ihnen übrig geblieben war. Die Eingeborenen in dieser Gegen waren äußerst Aggressiv.
Aber um die weitere Planung des Einsatzes würde er sich später kümmern. Vielleicht brachte
ihm die Überwachung einige nützliche Informationen. Das konnte ihm unter Umständen
sogar das Leben retten. Während der Computer alles im Quartier mit schnitt, ging Mu-Berek
seinen Datenblock durch. Morgen Abend gab Hassan zu seinen Ehren einen weiteren
Empfang. Zumindest nannte er das Gelage einen Empfang. Im Grunde stellte er damit nur all
die Speichellecker zu frieden, die ihm in irgend einer Form nützlich erschienen. Aber auch
einige wichtige Gäste waren zumeist anwesend. Es gab fast immer irgendeine kleine Gruppe
in der Bruderschaft, die mit seinem Herrn verhandelte.
Er dachte gerade darüber nach die restliche Arbeit auf morgen Früh zu verschieben, als
Hassan auf seinem Bildschirm erschien. „Mu-Berek! Sind sie müde?“ Er nickte knapp. „Ein
wenig, Sir.“ „Nun wenn sie fleißig sind, kommen sie bald zum Schlafen. Benachrichtigen sie
meine Crew. Ich möchte morgen früh in den Jemen aufbrechen!“ Mu-Berek blinzelte zweimal
bevor er antwortete. „Äh Sir, und der Empfang?“ Hassan schien amüsiert. „Spielen sie den
Gastgeber. Ein Adjutant kann diese Horde Arschkriecher genauso im Zaum halten wie ich.“
Er schwieg kurz um dann wieder an zu setzen. „Um 6 Uhr möchte ich aufbrechen!“ Damit
unterbrach Hassan die Verbindung. Der Bildschirm wurde kurze Zeit schwarz, dann füllte das
Bild der Überwachungskamera wieder den Schirm aus.
Mu-Berek schüttelte den Kopf. Das hatte ihm gerade noch gefehlt. Er und ein Gastgeber. Nun
zumindest schien kein wichtiger Gast geladen zu sein. Er tippte kurz einen Marschbefehl ein
und schickte diesen an die BMT Crew von Hassan. Dann hielt er nachdenklich inne.
Vielleicht, nur vielleicht eröffnete ihm dieser Empfang eine neue Möglichkeit. Nachdenklich
blickte er auf den Bildschirm und beobachtete wie der junge Mann sich abtrocknete.
Der Morgen kam viel zu schnell für Gregors Geschmack. Geregelte Weckzeiten schien es
allerdings in diesem Palast nicht zu geben. Nur der Tumult auf den Straßen um den Palast
herum weckte seine Bewohner falls es der Lärm durch die dicken Mauern schaffte. In Gregors
Fall schaffte es der Lärm. Es musste etwa zehn Uhr sein. Gregor blickte aus seinem Fenster.
Auf den Straßen unter ihm konnte man geschäftiges Treiben beobachten. Er hatte gar nicht
damit gerechnet, dass sein Quartier so hoch lag. Er hatte es zuerst im ersten Stock vermutete. Seite 112
Aber in diesem Palast verlor man schnell die Orientierung. Auf den Straßen unter ihm
drängten sich Autos, Eselskarren und eine große Anzahl Radfahrer. Gregor bemerkte schnell
wie heiß es ohne die Klimaanlagen in Kairo war. Kaum hatte er sich aus dem Fenster gelehnt,
da brach ihm auch schon der Schweiß aus. Schnell zog er sich wieder in die Kühle seines
Quartiers zurück und schloss das Fenster. Die warme Luft konnte getrost draußen bleiben.
Er hatte sich kaum frisch gemacht und sich angezogen, da tauchte auch schon ein Diener auf
und brachte das Frühstück. Gregor runzelte die Stirn. Einen sehr guten Riecher hatte dieser
Bedienstete offensichtlich, dachte er. Der Diener verschwand so schnell wie er aufgetaucht
war. Nach einem kurzen Frühstück versuchte Gregor mit Mu-Berek Kontakt auf zu nehmen,
aber dieser war nicht zu erreichen. Es blieb ihm also nichts anderes übrig als zu warten.
Gregor versuchte auf seinem Fernseher CNN oder einen etwas unabhängigeren Sender als die
Hassan Programme einzustellen. Aber es schien alles gesperrt zu sein, also musste Gregor die
Propaganda über sich ergehen lassen. Er lauschte dem Nachrichtensprecher:
„Guten Morgen liebe Zuschauer. Es ist elf Uhr, hier die aktuellen Meldungen.“
Ein kurzer Vorspann wurde abgespielt und zeigte Bilder einer Schlacht.
„Während die GDI weiterhin die Bevölkerung der Industrienationen evakuiert, sind in vielen
Regionen der dritten Welt Kämpfe ausgebrochen. Überall flammen Aufstände auf. Die Wut
richtet sich gegen die GDI und ihre unmoralische Politik. In einigen Regionen wird bereits
von einem offenen Aufstand geredet. Die Bruderschaft unterstützt allerorts die Bemühungen
der Bevölkerung sich von den Besatzern zu befreien.“
Weitere Bilder wurden eingeblendet und zeigten eine Gruppe von Freischärlern, welche GDI
Truppen von einem Berg angriffen. Gregor erkannte schnell, dass diese Freiheitskämpfer
ausgebildet waren. Sie handhabten ihre Waffen wie Profis und auch sonst sah man ihnen an,
dass sie keine echten Bauern waren, die gerade aus Wut die GDI angriffen. Aber der
Nachrichtensprecher klang anders.
„Diese armen Bauern aus dem Sudan haben zu den Waffen gegriffen. Sie wollen nicht weiter
einer Scheinregierung unterstehen, welche von der GDI geführt wird. Die GDI beutet die
Ressourcen des Landes aus. Beutet die Felderträge der Bauern aus um die westliche
Bevölkerung in der Antarktis zu versorgen. Solch eine Willkürherrschaft akzeptieren sie nicht
länger! Natürlich hat Hassan im Namen der Bruderschaft seine Unterstützung zugesagt.
Während andere Gruppen der Bruderschaft sich distanzieren und so ihre Nähe zur GDI
beweisen, stellt sich Hassan der GDI in den Weg. Eine Vision, eine Bruderschaft. Hassan
wird uns die Technologie des Friedens bringen.“
Mit diesem Satz endete die kleine Ansprache. Gregor schüttelte über diese Inszenierungen
den Kopf und schaltete den Fernseher ab.
Kaum war Gregor aufgestanden, da klopfte es an der Türe. Gregor zögerte zuerst, dann ging
er auf die Türe zu. „Ja?“ Eine gedämpfte Stimme erklang. „Sir, ich habe eine Nachricht von
Adjutant Mu-Berek.“ Gregor öffnete die Türe und fand einen älteren Soldaten vor. Seine
Uniform wies in als Palastwache aus. Er hielt Gregor einen Datenblock vor die Nase. Gregor
nahm ihn und nickte dem Mann zu. „Danke,“ sagte er und schloss die Türe.
Gregor drückte ein paar Knöpfe, dann erschien auf dem kleinen Display das Gesicht des
Adjutanten. „Hallo Gregor. Ich hoffe Sie hatten eine angenehme Nacht. Ich werde sie morgen
dem Stab zuteilen. Heute haben sie noch frei. Schauen sie sich Kairo an. Es ist eine schöne
Stadt, seit wir sie wieder aufgebaut haben.“ Es gab eine kurze Pause. „Ach und heute Abend
findet ein kleiner Empfang statt. Sie sollten natürlich auch zugegen sein. Es werden einig
Würdenträger anwesend sein. Ich wünsche ihnen einen angenehmen Tag mein Freund.“ Dann
wurde das Display schwarz. Seite 113
Mu-Berek ging die Liste der Gäste des heutigen Abends durch. Es waren kaum wichtige
Personen geladen. Kein Wunder das Hassan ihm die Leitung überlassen hatte. Hauptsächlich
Würdenträger aus Kairo und Umgebung. Trotzdem durfte man auch diese Leute nicht
vernachlässigen.
Er würde ihnen einen schönes Fest liefern. Sie sollten ihn wohlwollend in Erinnerung
behalten, denn solch eine Sympathie konnte einem eines Tages das Leben retten. Mu-Berek
lächelte. Er hatte schon die Nacht über an einem Plan gefeilt, nun wusste er was er tun würde.
Er gab dem Koch die Anweisungen für das kleine Festmahl. Nachdem er diese Anweisungen
verschickt hatte, verwandt er viel Zeit darauf für seinen Plan das richtige Werkzeug zu finden.
Die Informationen über Kasian würden seine Lebensversicherung sein. Mit diesen Gedanken
scrollte er die Liste seiner Kontakte auf seinem Bildschirm herab.
Kasian und Sander studierten einige Dateien. Sander deutete auf eine Kurve. „Die neuen
Tiberiumkristalle breiten sich schneller aus. Dieses Tal wird bald völlig überwuchert sein.
Genau wie die anderen Zielorte.“ Kasian nickte. „Ja ich denke wir werden bald dieses Haus
aufgeben. Wir ziehen dann in die Zitadelle der Hauptbasis.“ Sander nickte und machte sich
einige Notizen. „Sir, warum haben sie eigentlich vor unsere Haustür mit der Verbreitung des
Tiberiums begonnen?“ Kasian rieb sich das Kinn und schwieg. Nach einer kurzen Pause
deutete er auf die Übersetzung der Tafel, welche auf einem anderen Bildschirm zu sehen war.
„Was für ein Diener Kanes wäre ich, wenn ich nicht bei mir beginnen würde seine
Prophezeiungen zu erfüllen?“
Sander nickte unsicher. „Ich hoffe nur wir haben die Tafel korrekt Übersetzt.“ Kasian
lächelte. „Oh natürlich. Dies sind die Worte Kanes.“ Er erhob seine Stimme und las eine der
Passagen vor.
„Das wundersame Kristall. Die grünen Diamanten welche auf dem Wiesen und in den
Bäumen wachsen werden, sind unsere Zukunft.“ Kasian deutete auf die zweite übersetzte
Passage. „Und dies hier Sander.“ Er zitierte wieder. „Das Kristall wird die Zukunft
beherrschen und wir werden mit ihm herrschen. Verbreitet es meine Brüder, sobald es unter
uns ist.“ Sander hob die Hände. „Ich würde mich trotzdem besser fühlen, wenn wir warten
würden, bis wirklich der gesamte Text übersetzt wurde. Es könnte noch eine Menge mehr
darin stecken, Sir.“ Kasian rief eine weitere Statistik auf und schüttelte dann den Kopf. „Ich
bin mir sicher. Kanes Wille wird ausgeführt werden. Kümmern sie sich inzwischen um den
Umzug. Ich werde mit meiner Kunstsammlung in die Basis fahren und später zurückkehren
um die restlichen Dinge zu holen.“ Sander packte seine Datenblöcke zusammen und nickte.
„Wird gemacht, Sir.“
12
Gregor wanderte ziellos durch die Stadt. Schon länger schlenderte der durch einen großen
Basar. Der Basar war in Innenhöfen und flachen Hallen angebracht. Viele kleine Geschäfte
versuchten Kunden anzuziehen und das sehr lautstark. Eine Vielzahl von Marktschreiern
kämpften gegen einander an und boten ihre Waren feil. Gregor bahnte sich seinen Weg durch
die Masse. Es war immer noch sehr warm. Wäre er nicht aus Portugal gekommen, würde er
wahrscheinlich zerfließen, aber so hatte er sich schon ein wenig an die Hitze gewöhnt.
Die Düfte von fremden Gewürzen, seltsamen Speisen und verschiedensten Tabakarten
drangen auf ihn ein. Nur selten blieb er an einem Stand länger stehen. Er hatte schnell gelernt,
dass dies für die Händler fast schon einem Kauf gleichkam. Er schob sich eine weitere
getrocknete Dattel in den Mund und kaute darauf. Für mehr als diese kleine Nascherei hatte er
kein Geld bei sich. Er bekam schließlich keinen Sold, wie es hier offensichtlich üblich war. In
Europa lebten und arbeiteten die Anhänger der Bruderschaft in den Basen und wurden dafür Seite 114
versorgt. Hier hingegen schienen viele Soldaten besoldet zu werden. Zumindest vermutete er
dies. Überall schlenderten Soldaten offen in Uniformen der Bruderschaft umher und betraten
das eine oder andere Geschäft. Es war eine seltsame Stadt. Immer wieder fragte sich Gregor,
wie Hassan es anstellte, dass ihn die GDI in Ruhe lies. Vor allem in Kairo. In dieser Stadt
hatten mehr Soldaten ihr leben gelassen als vor dem Tempel von NOD in Sarajevo. Die
Häuserkämpfe waren mörderisch gewesen und der Guerillakampf nach dem Tod von Kane
hatte ähnlich ausgesehen. Die GDI gab so einen Ort nicht einfach auf.
Gregor wanderte weiter durch den Basar und lies sich von der Menge treiben. Nur ab und zu
schlug er eine neue Richtung ein um sich nicht zu weit vom Palast zu entfernen. Schließlich
kannte er sich in dieser Stadt nicht aus und der Stadtplan auf seinem Datenblock war im
Grunde nutzlos. Schon nach den ersten zehn Minuten hatte Gregor den Stadtplan deaktiviert.
Diese Stadt schien ein lebender Organismus zu sein. Ständig änderten sich Wege und Straßen.
Häuser wurden abgerissen und neue Wege frei. Alte wurde gesperrt. Kairo litt immer noch
unter den Zerstörungen der vielen Kämpfe. Oft waren über den Trümmern einfach neue
Häuser entstanden. Ein gravierender Fehler, denn jetzt gaben an einigen Stellen die Trümmer
nach. Alte Keller stürzten ein und rissen ganze Häuser einige Meter mit in die Tiefe. Aber das
schien hier an der Tagesordnung zu sein und es interessierte niemanden. Gregor schaute auf
seine Uhr und stellte fest, dass bald der Empfang beginnen musste. Langsam aber sicher
steuerte er wieder die Richtung des Palastes an.
Dyszara stand vor ihrem Spiegel und legte ihr Kleid an. Heute war es wieder soweit. Die
schleimigen Diener Hassans baten zum Tanz. Besser gesagt sie baten sie zum Tanz. Sie
wiegte kurz ihre Hüften und hörte die kleinen Goldplättchen an ihrem Rock klimpern. Sie
lächelte sich kokett im Spiegel an. Nur um ihr Lächeln zu trainieren. Nach einer kurzen Pause
begann sich dann zu schminken.
Sie hatte noch über eine Stunde Zeit bis der Empfang überhaupt begann und auch dann blieb
ihr noch viel Zeit, bis ihr Auftritt kommen würde. Mu-Berek hatte ihr gesagt, dass er sie an
seiner Seite wünsche. Mu-Berek widerte sie an, er passte bestens zu Hassan. Dyszara hörte
die Worte ihrer Mutter. „Tanzen ist kein guter Beruf. Nicht im Palast. So gut wie Hassan auch
für das Land sein mag, er ist ein Mann. Ein mächtiger Mann. Nimm dich vor ihm in Acht!“
Sie seufzte. Wie immer hatte sie recht behalten. Sie gehörte nun ganz dem Palast. Sie war
noch nicht lange im Palast, als sie vom Tod ihrer Eltern erfahren hatte. Man hatte sie getötet,
nachdem sie mehrmals die Einladungen von Hassan abgelehnt hatte. Der ganze Palast schien
ihr von einer Duft des Todes überdeckt. Sie und dir anderen Mädchen im Palast wussten mehr
über Hassan als selbst sein Adjutant. In seinen Ausschweifungen lies er sich mit Ramses
vergleichen. Er hielt sich für einen der alt-ägyptischen Herrscher. Aber keiner durfte von
solchen Dingen etwas erfahren. Das hatte sie schmerzlich erfahren. Sie durften noch nicht mal
den Palast verlassen. Nun, sie war eine Gefangene. Aber schon andere vor ihr hatten es
geschafft sich frei zu kaufen. In diesen Gemäuern schien alles möglich. Eine schwerwiegende
Information an der richtigen Stelle angesetzt und es dauerte nicht lange bis irgendjemand sich
gezwungen sah sie zu befreien um sich selbst zu schützen. Sie schminkte sich weiter und
betonte ihre Augen. Was man durch schminken alles erreichen konnte, hatte sie schnell
gelernt. Viele Männer ließen sich schon allein von einem geschickt geschminkten Lächeln
betören. Sie schüttelte den Kopf. Männer konnten so töricht sein. Aber solange es ihren
Zwecken diente war das in Ordnung. Mit jedem Tanz, mit jedem Dienst, den sie jemandem
erwies, kam sie der Freiheit näher.
Mu-Berek hatte alle Hände voll zutun. Die Diener stellten sich wie immer dumm, die Musiker
waren am falschen Platz, es lief alles wie immer. Nur hatte er keinen Adjutanten zur
Verfügung. Er musste den Laden nun alleine am Laufen halten. Mu-Berek blieb in der Mitte Seite 115
des Festsaales stehen und stemmte die Arme in die Hüfte. Er musterte die Dekoration und
brüllte einige Diener an, um sie zum schnelleren Arbeiten zu bewegen.
Dann begab er sich schnell in den Flur der Tänzerinnen. Fast hätte er vergessen Dyszara zu
besuchen. Diese Frau hatte es ihm wirklich angetan, aber heute Abend würde er sie für andere
Zwecke benötigen, als ihm im Moment vorschwebte.
Er blieb vor der massiven Holztüre stehen und klopfte an. „Dyszara? Ich bin es Adjutant MuBerek. Ich müsste mit ihnen sprechen.“ Innerlich wappnete er sich. Er hoffte, dass sie noch
nicht völlig angekleidet war. Als sich die Türe einen Spalt öffnete, wurde er allerdings
enttäuscht. Sie hatte bereits ihr Tanzkleid angezogen. Aber auch dieses lies viel Haut sehen.
Nur ein Band aus Seide umschlang ihre Brüste und verbargen kunstvoll das, worauf es seine
Blicke abgesehen hatte. Der Bauch lag frei, nur verhüllt von einem dünnen, leichten Schleier,
den sie bereits in ihr Haar geflochten hatten. Der Schleier reichte in seinen einzelnen Fransen
zum Teil bis an die Hüften. Mu-Berek leckte sich über die Lippen. Ihr Hüfte war ebenfalls nur
von einem Band Seide verhüllt, aber er war sich sicher, dass es sehr fest saß um beim Tanz
nicht zuviel zu enthüllen.
„Adjutant? Was kann ich für sie tun?“ flötete Dyszara. Ihr Lächeln war umwerfend wie MuBerek fand. „Darf ich herein kommen? Es geht um eine äußerst wichtige Angelegenheit. Es
wäre nicht ratsam dies auf dem Flur zu erörtern.“ Sie neigte den Kopf leicht nach vorn, trat
zurück und öffnete die Türe ganz. Mu-Berek trat ohne zögern ein.
Hassan blickte von einem nahen Hügel auf die kleine Basis seines Kommandanten. Er hatte
ihn zum Herrn über den ganzen Jemen gemacht und nun betrog er ihn. Hassan hob das
Fernglas und zoomte auf die Basis. Ein heißer Aufwind blies ihm eine Böe Sand ins Gesicht,
aber er tat so, als ob es ihm nichts ausmachen würde. Haltung vor den Untergebenen war ein
wichtiger Faktor. Auch wenn man der Anführer war, musste man sich den Respekt der
Truppen erst verdienen.
Die Luft flimmerte in der Hitze, aber es war deutlich zu sehen, dass sich sein Kommandant
ein sehr schönes Haus gebaut hatte. Hassan hatte die Geldflüsse überprüft. Sein Verdacht der
Untreue hatte sich nicht bestätigt. Er verzog sein Gesicht zu einer wütenden Grimasse. Sein
Untergebener hatte Gelder von Kasian erhalten. Das war also der Dank für seine
Großzügigkeit ihn über den Jemen herrschen zu lassen. Hassan lies das Fernglas sinken und
drehte sich um. Hinter ihm standen zehn seiner besten Elitesoldaten. Seine Leibgarde. Sie
nannten sich selbst die Horus Garde. Den Grund für die Wahl des Namens hatten sie ihm nie
genannt, aber Hassan vermutete, dass sie sich von dem Götterstreit zwischen Horus und Seth
inspirieren ließen. Trotz ihres Namens waren sie doch in den typischen Uniformen der
Bruderschaft gekleidet. Aber sie lehnten es ab die Wüstentarnfarben zu tragen. Sie kleideten
sich immer in schwarze Uniformen und verzichteten sogar auf die roten Rangstreifen an
Kragen und Schulter.
Hassan winkte sie zu sich. Er zeigte auf die Basis im Tal. „Er hat uns verraten. Doch jetzt ist
der Zeitpunkt der Vergeltung gekommen!“ Hassan zog seinen Datenblock aus dem Gürtel und
kontrollierte Daten der Basis im Tal. „Er ahnt wohl, dass wir kommen. Ich möchte dieses
Basis weiterhin nutzen, nur der Verräter soll büßen!“ Der Leutnant der Horus Garde nickte.
„Wir werden ihn zu Euch bringen.“ Hassan lächelte kalt. „Lasst ihn unverletzt. Ich habe eine
ganz besondere Überraschung für ihn.“ Der Leutnant neigte den Kopf. „Wie ihr wünscht.“
Dann drehte er sich zackig um und hob die Hand. Er ging auf den großen Transporter von
Hassan zu und seine Soldaten folgten ihm.
Es dauerte keine zwanzig Minuten, da hatten sie sich in die Basis eingeschlichen. Bisher
hatten sie keine Wache töten müssen. Zweimal waren sie auf Wachposten gestoßen, aber
gezielte Schüsse aus dem Toxingewehr machten sie für die nächsten Stunden unschädlich. Seite 116
Der Leutnant hatte sich mit vier seiner Männer eingeschlichen. Die restliche Garde wartete
außerhalb der Basis um bei einem Fehlschlag eingreifen zu können. Der Leutnant spähte um
eine Ecke und fand eine weitere Wache vor. Schnell zog er sich wieder zurück. Er war stolz in
der Horus Garde zu dienen. Erst vor einigen Wochen hatte man ihn befördert und ihm ein
Kommando unterstellt. Ihre Tradition reichte weit zurück. Über 20 Jahre. Nur wenige konnten
aus dieser Zeit noch berichten, aber die wenigen Großmeister der Garde behaupteten, dass
ihre Lehrer die letzten Kerubim gewesen seien. Der Leutnant wollte dieser Tradition alle Ehre
machen. Eines Tages würden sie, ähnlich den Kerubim, dem neuen, alleinigen Anführer der
Bruderschaft beistehen. Er fragte sich ob es vielleicht doch noch Kerubim geben konnte, aber
für solche Gedanken hatte er jetzt nicht die Zeit. Er zog seine Toxinpistole aus dem Holster.
Bisher hatten sie alle Wachen aus der Distanz unschädlich machen können. Dieses Mal
musste es aus nächster Nähe geschehen.
Er spannte seine Muskeln und atmete noch einmal scharf ein. Nach zwei Sekunden
Anspannung sprang er um die Ecke und hob die Pistole. Die Wache reagierte kaum auf die
Gefahr. Viel zu schnell steckte in seinem Hals ein kleines Geschoss und die Wirkung des
Toxins entfaltete sich. Noch halb in der Drehung zu dem Leutnant knickten seine Beine ein
und er fiel mit erstaunten Augen zu Boden.
Der Leutnant lud die Pistole neu. Sein Kommando war ihm gefolgt und deckten seinen
Rücken. Sie hatten jetzt fast das Haus erreicht. Der Anstrich war neu und auch der Vorgarten
schien gerade erst angelegt. Der Leutnant schüttelte den Kopf über solche Verschwendung.
Allein das Wasser für den Garten würde auf einem Feld viel nützlicher sein. Er sondierte noch
einmal das Gelände. Das Areal um das Haus schloss sich direkt an die kleine Basis an. Von
ihrem Standort konnten sie sich dem Haus unbemerkt nähern. Er gab seinem Kommando
Handzeichen und lief los. Kaum zehn Sekunden später waren sie über die kleine Gartenmauer
und hinter einer Anzahl Büschen verborgen.
Ihre Zielperson sollte unbeschadet bleiben. Also pirschten sie sich an das Haus heran. Ein
Anschlag wäre sicherlich leichter gewesen, aber dies war zumindest eine Herausforderung.
Der Leutnant näherte sich einer kleinen Veranda, zwei Wachen standen am Fuß der schmalen
Treppe und beobachteten die Umgebung. Das Kommando hinter den Büschen schienen sie
nicht zu bemerken. Auf der Veranda selbst saß die Zielperson und trank Tee.
Der Leutnant zeigte ein schmales Lächeln und bedeutete seinem Scharfschützen die zwei
Wachen auszuschalten. Zweimal war ein leises Plopp zu hören, dann brachen die Wachen
zusammen. Die Zielperson verharrte kurz und schaute erstaunt auf die Wachen, dann sprang
sie auf. Aber es war bereits zu spät. Der Leutnant stand bereits auf dem Absatz der Treppe
und hob die Pistole. Er lächelte und sagte: „Ich habe eine Einladung zu überbringen und ich
bin mir sicher sie schlagen sie nicht aus!“
Mu-Berek hatte sich auf dem Platz von Hassan nieder gelassen. Heute gebührte ihm diese
Ehre. Er schüttelte unwillkürlich den Kopf. Manchmal fragte er sich, wofür sich Hassan hielt.
Für einen Gott? Der Respekt und die Verehrung die man ihm teilweise entgegenbrachte waren
übertrieben. Vor allem aber standen sie im grotesken Gegensatz zu dem Theater, welches
sich hier gerade abspielte.
Er war der Gastgeber für eine kleine Schar von Speichelleckern und Arschkriechern. Sie alle
tanzten auf dem glatten Parkett der Machtspiele am Palast. Heute versuchten sich eben diese
Leute bei ihm einzuschmeicheln. Schließlich wusste man nie was die Zukunft brachte. Er
lächelte verschlagen und nickte einem weiteren eintreffenden Gast zu. Er persönlich würde es
vorziehen, dass sie traditionell auf Kissen am Boden speisten, aber im Palast war es üblich
nach westlicher Manier an einer langen Tafel zu speisen. Mu-Berek akzeptierte dies.
Schließlich wurde die Tafel nach dem Essen weggetragen und Diener machten Platz für die
Tanzfläche. Seite 117
Mu-Berek beobachtete seine Gäste. Sie schüttelten Hände. Jeder hatte ein besonders
herzliches Lächeln für seinen Gegenüber übrig. Er lies seine Blicke schweifen und fand
schließlich seinen speziellen Gast. Gregor stand abseits und sprach mit einem der wenigen
ausländischen Diplomaten. Offensichtlich ging der Junge in der Rolle des Diplomaten auf.
Sein Gegenüber lauschte ihm gespannt. Vielleicht würde sein Plan doch schwerer
durchführbar sein als erwartet. Er klatschte zweimal in die Hände und forderte damit die
Gäste auf Platz zu nehmen.
Er stand auf und räusperte sich. „Meine Freunde und Verbündete. Liebe Gäste. Ich begrüße
sie nochmals im Namen von Hassan. Er lässt ihnen die besten Wünsche überbringen. Leider
ist er verhindert. Es gibt gewissen Angelegenheiten im Jemen, die seine Aufmerksamkeit
verlangen. Daher werde ich heute als ihr Gastgeber fungieren.“ Er machte eine kurze Pause
und lächelte in die Runde. „Genießen sie das Bankett. Ich danke ihnen.“ schloss er und setzte
sich wieder. Ein kurzer Applaus erklang, dann trugen die Diener auch schon den ersten Gang
auf.
Gregor hatte sich so einen Empfang komplizierter vorgestellt. Aber sein erstes Gespräch mit
den sogenannten Diplomaten war relativ gut über die Bühne gegangen. Natürlich war es nicht
viel mehr als ein Austausch von Höflichkeit gewesen, aber dennoch hatte Gregor den
Diplomat dazu bewegen können, nicht nur mit Hassan Kontakt aufzunehmen. Er hatte die
Vorstellungen seines Vaters geschildert, wie die Bruderschaft weiter vorgehen sollte. Der
Diplomat schien nach den Erfolgen der Koalition um Kasian schon geschwankt zu haben.
Schließlich lies er sich überzeugen, nicht nur mit Hassan Gespräche aufzunehmen. Er
versprach auf seiner Rückreise nach Russland einen Abstecher zu Kasian zu machen.
Gregor war mit sich zufrieden. Er lies sich das gebratene Hammelfleisch schmecken. Er hatte
keine Ahnung, was für Beilagen das Fleisch dekorierte, aber sie schmeckten ebenfalls
vorzüglich.
Das Bankett zog sich hin und immer neue Speisen wurden aufgetragen. Gregor hatte schon
längere Zeit aufgehört zu essen, aber es schien immer noch Gäste zu geben, welche kräftig
zugriffen. Gregor dagegen versuchte sich mit ein wenig Small Talk. Sein Nachbar ging
allerdings nicht voll darauf ein. Er berichtete nur, dass er sich besonders auf die Vorstellungen
im Anschluss freue. Gregor hatte keine Ahnung was damit gemeint war. Erst als das Essen
beendet war und Diener die lange Tafel aus dem Saal trugen, dämmerte ihm, was nun folgen
würde. Eine große Anzahl Gäste schienen nur wegen diesem Programmpunkt gekommen zu
sein. Zumindest schien das aus ihren Gesprächen hervor zu gehen. Die Diener brachten große
weiche Kissen herein und reichten jedem Gast eines davon. Nachdem sie sich niedergelassen
hatten, trugen die Diener Tee und Wasserpfeifen herein. Gregor musste unwillkürlich an
einige Partys seiner Clique denken und lächelte. Aber natürlich wurde hier nur Tabak
geraucht. Ganz sicher war sich Gregor aber nicht. Er beugte sich zu seinem Nachbarn und
fragte nach dem Grund des ganzen Aufwandes. Dieser lächelte nur und hieß in noch einen
Moment abzuwarten.
Plötzlich wurde das Licht gedämpft, ein Vorhang hob sich und Musiker kam zum Vorschein.
Sie begann sofort zu spielen. Zuerst leise, dann mit der Zeit etwas lauter. Handtrommeln
gaben den Grundrhythmus an. Eine Art von Flöte gab die Melodie. Es war eine seltsame
Musik. Gregor hatte solche Musik bisher nur aus dem Fernseher gekannt. Doch alle Blicke
richteten sich nicht auf die Musiker sondern auf einen weiteren Vorhang neben den Musikern.
Der Vorhang schien sich in der Musik zu wiegen. Doch dann zeichnete sich durch den
Vorhang eine Person ab. Sie bewegte sich in der Musik und glitt an dem Vorhang entlang.
Die Musik wurde etwas lauter und rhythmischer. Die Trommel traten in den Vordergrund und
steigerten die Spannung. Schließlich glitt aus einer Falte im Vorhang ein langes Bein. Gregor Seite 118
hob die Augenbraue. Sein Nachbar stieß in nur lachend an und flüsterte ihm zu jetzt genau
aufzupassen.
Eine junge Frau kam langsam zum Vorschein. Sie bewegte ihre Hüften im Takt der Musik.
Gregor lächelte. Ein Bauchtanz also.
Die Frau wiegte sich mit dem Flöte und schien geradezu in der Musik zu schwimmen.
Langsam machte sie einen Schritt nach dem anderen und tanzte in die Mitte des Saales. Erst
jetzt tauchte sie richtig in das spärliche Licht. Gregors Kinn klappte schlicht nach unten.
Die Frau hatte ein blaues Band aus Seide um ihren Körper geschlungen und verhüllte sich so
geschickt. Sie zeigte viel Haut und in ihrem Bauchnabel glänzte ein kleiner silberner Ring.
Die verhüllten Stellen ließen viel Platz für Phantasien, stellte Gregor fest. Der Schleier der in
ihre langen schwarzen Locken geflochten war, unterstrich dies nur zusätzlich.
Sie bewegte sich mit voller Hingabe und wirbelte nun zu einer schnelleren Musik umher. Oft
verweilte sie vor einem der Gäste. Es schien in diesem Moment als ob sie sich nur für jenen
Gast bewegte. Die Hüften kreisten vor den Köpfen der Gäste und ließen sie schließlich
begeistert zurück. Auch vor Gregor machte die betörende Tänzerin halt. Länger als bei den
anderen Gästen wiegte sie sich vor ihm und lächelte in an. Als sie sich schließlich umdrehte
fühlte sich Gregor sehr flau.
Mu-Berek beobachtete das Schauspiel und lächelte versonnen. Sie machte ihre Sache gut. Als
Tänzerin war sie unschlagbar. Hoffentlich würde sie auch seine restlichen Erwartungen
erfüllen. Sie hatte hohe Forderungen gestellt für die Dienste die er ihr aufgetragen hatte, aber
er hatte keine Wahl. Das hatte sie schnell erkannt.
Er grübelte über seine Lage nach. Der Einsatz in den Kongo stand bevor. In drei Tagen
würden sie aufbrechen. Bis dahin musste er verwertbare Informationen gefunden haben. Sein
Leben war ihm lieb und teuer. Nein, er würde Erfolg haben, auf die eine oder andere Weise.
Hassan würde ihn weiterhin als Adjutanten behalten.
Er nickte den Musikern zu und beendete so die Darbietung. Tosender Applaus war die Folge.
Mu-Berek grinste zufrieden und wies die Diener an die Teegläser der Gäste nachzugießen.
Die Tänzerin hatte ihn wirklich betört. Gregor fühlte wie sein Bauch Luftsprünge vollzog.
Immer noch war der Empfang nicht zu Ende. Man war wieder zu Einzelgesprächen
übergegangen. Auch ein paar kleine Gruppen fanden sich zusammen. Die aktuelle Politik in
der Bruderschaft bestimmte wieder alles Denken. Gregor stand etwas abseits und beobachtete
die Menge. Nur selten konnte er ein paar Gesprächsfetzen aufschnappen. Die Afrikaner
dachten offensichtlich darüber nach sich nicht länger Hassan zu unterstellen. Zumindest
forderten sie Zugang zu den neuen Tarnfeldern, welche die K- Koalition einsetzte. Gregor
lächelte. Natürlich würde sich sein Vater hüten, ihnen diese Technologie zu übergeben. Nicht
ohne gewisse Versicherungen und was noch wahrscheinlicher war, ein Angriff auf Hassan.
Für seinen Vater schien sich selbst hier, im Herzen des Feindeslandes einiges sehr positiv zu
entwickeln. Gregor lehnte sich gegen einen der großen Säulen des Saales und trank ein weites
Glas Tee. Ihm wäre ein Bier lieber gewesen, aber bei seinem Ausflug in die Stadt hatte er
begriffen warum die Bevölkerung hier lieber keinen Alkohol trank. Bier und eine halbe
Stunde Sonne konnten einen hier regelrecht umhauen.
Während Gregor seinen Blick durch den Saal schweifen lies trat einer der Diener auf ihn zu.
Er verneigte sich. „Verzeihen Sie Herr. Sind Sie Gregor Panterre?“ Gregor schaute etwas
überrascht und nickte. „Ja, worum geht es?“ Der Diener lächelte. „Eine Dame am Hof hat mir
aufgetragen ihnen eine Botschaft zu überbringen.“ Er drückte Gregor einen Zettel in die
Hand, dann verneigte er sich kurz und verschwand wieder. Gregor schaute erstaunt auf den
Zettel in seiner Hand. Eine schöne Handschrift hatte dort einige Zeilen hinterlassen. Seite 119
Sie haben mehr von mir gesehen als ich von Ihnen. Ich glaube aber wir könnten das ändern.
Um Mitternacht werde ich im östlichen Garten auf sie warten.
Dyszara
Gregor las den Zettel noch ein Mal und dann ein drittes Mal. Dann lächelte er und verließ den
Festsaal. Er wollte sich ein wenig frisch machen bevor er dieses Date hatte.
Mu-Berek verabschiedete sich gerade von seinen letzten Gästen. Nur wenige übernachteten
im Palast und so war der Empfang relativ früh beendet. Zufrieden mit dieser zur
Schaustellung von Hassans Reichtum begab er sich in sein Büro. Noch immer gab es offene
Fragen bei der Planung des Kongo Einsatzes. Mu-Berek plante dieses Einsatz besonders
sorgfältig. Schließlich war ihm sein Leben lieb und teuer. Seitdem Hassan den Gerüchten der
vier Tafeln von NOD nachging hatte es viele Fehlschläge gegeben. Doch seit einiger Zeit
schien man sich auf einer heißen Spur zu befinden. Alte Datensätze in verschiedenen
Speichern auf der Welt berichteten von einer Basis im Bergdschungel des Kongo. Kane selbst
soll diese Basis vor dem Afrikafeldzug eingerichtet haben. Doch nach der Niederlage bei
Sarajevo war das Signal aus der Basis abgebrochen. Außer einigen ungenauen
Beschreibungen war offensichtlich nichts geblieben. So entstanden die wildesten Gerüchte.
Einige sahen darin das geheime Versteck Kanes. Andere vermuteten dort die vier großen
Tafeln der Bruderschaft. Die Niederschriften von Kanes Worte aus vergangener Zeit. Einige
glaubten diese Tafeln wären die Sicherheit Kanes gewesen, da er gewusst hatte, dass er als
Märtyrer sterben würde. Seinen Nachfolgern hatte er angeblich auf diesen Tafeln
Anweisungen hinterlassen. Es gab auch eine Fraktion die behauptete diese Basis wäre die
wahre Hand von NOD. Der Prototyp einer neuen Version ihrer alten Ausbildungscamps.
Vielleicht eine Anlage um Truppen zu klonen. Die ultimative Geheimwaffe gegen die GDI.
Das Vermächtnis Kanes.
Hassan war allen diesen Gerüchten nachgegangen. Sollte sich nur eines dieser Gerüchte
bewahrheiten, musste Hassan die Geheimwaffe oder diese Tafeln besitzen. Im Kampf um die
Macht in der Bruderschaft zählte jeder Erfolg. Im Laufe der Suche hatte Hassan zwei der
Tafeln gefunden. Damit bestätigte sich eines Gerüchte im Prinzip. Aber die Wissenschaftler
hatten es nicht geschafft sie zu entschlüsseln. Nun war eine dritte Tafel aufgetaucht. Kasian
hatte sie an sich gebracht und sogar damit begonnen sie zu entschlüsseln. Offensichtlich hatte
er neue Programme in das Cabal-Netzwerk übertragen und so die Leistungsfähigkeit
gesteigert. Aber nur seine Anhänger hatten Zugang zu diesen besonderen Ressourcen. MuBerek stellte sich immer wieder die Frage wie er das wohl bewerkstelligt hatte. Aber selbst
ohne den Zugriff schien das Cabal-Netzwerk in der Leistung gewachsen. Der Computer
begann die einzelnen Computerkerne zusammen zu schalten um so besser arbeiten zu können.
Mu-Berek war höchst erfreut und gab die letzten Befehle für den Einsatz. Nun war die
Planungsphase abgeschlossen. Sobald Hassan zurückkehrte würde die Mission beginnen. Er
rieb sich das müde Gesicht und schaltete die Videoüberwachung ein. Einige Szenen sollte er
vielleicht noch beobachten. Man wusste nie wozu die Vorlieben der einzelnen Bewohner des
Palastes zu gebrauchen waren.
Dyszara kämmte sich ihre Haare und musterte sich dabei im Spiegel. Bald würde sie sich zu
ihrem kleinen Treffen aufmachen. Endlich konnte sie es schaffen. Mu-Berek hatte ihr die
Möglichkeit eröffnet, einen Fluchtweg zu finden, sollte sie es schaffen, die gewünschten
Informationen zu beschaffen. Sie legte den Kamm beiseite und zog mit einem Lippenstift ihre Seite 120
Lippen nach. Sie wählte extra den Lippenstift aus, welcher ihr feuchte Lippen verleite. Der
Bursche, mit dem sie sich treffen sollte würde sicherlich darauf anspringen. Dyszara war froh,
dass ihre Zielperson wenigstens gut aussah. Wie hasste sie es doch die meist alten und fetten
Kerle zu becircen um ihnen etwas wertvolles zu entlocken. Sie schüttelte sich bei der
Erinnerung, was sie dafür schon alles getan hatte. Vermutlich war der Bursche auch nicht
pervers, wie die alten Kerle. Ein weiter Pluspunkt. Sie lächelte Testweise in den Spiegel und
machte sich bereit zum gehen.
Gregor war nervös. Er hatte eine frische Uniform angelegt und sich mindestens zehn Minuten
im Spiegel betrachtet bevor er aus dem Quartier aufgebrochen war. Nun ging er unsicher über
den Flur in die Richtung des östlichen Gartens. Natürlich war er geschmeichelt, dass ihn
jemand zu so einem Treffen lud, aber eine innere Stimme in ihm verstummte nicht. Er hatte
ein ungutes Gefühl. Konnte es eine Falle sein um ihn aus dem Weg zu schaffen. Kurz hielt er
inne und überdachte diese Option. Sicherlich würde so ein Vorfall zum offenen Konflikt
zwischen den beiden großen Machtblöcken kommen. Das würde Hassan sicherlich nicht
riskieren wollen. Gregor zuckte die Achseln. Er wollte es einfach darauf ankommen lassen.
Als er den Garten erreichte, war er leer. Die kleine Anlage war im Grunde nicht mehr als eine
rechtwinkliger Innenhof den man bepflanzt hatte. Aber die Gärtner hatten ihr ganzes Können
eingesetzt und die Illusion eines großen Gartens geschaffen. Die Luft war kühl, als Gregor auf
den kleinen Kiesweg trat. Die Öffnung über dem Garten lies den Blick auf den schwarzen
Nachthimmel zu. Vereinzelt blitzen Sterne durch die Dunkelheit. Der Mond bildete eine
schmale Sichel am Himmel und beschien den Garten ein wenig. Gregor wanderte über den
kleinen Kiesweg auf einen Pavillon zu. Erst als er kurz vor der Treppe stand, entdeckte er eine
Gestalt im Inneren des Pavillon.
Langsam und etwas nervös ging er auf die Gestalt zu. Nach kurzer Zeit hatte ihn auch die
Gestalt entdeckt und richtete sich ein wenig auf. Gregor lächelte erstaunt als er die Gestalt als
die Tänzerin wiedererkannte. „Gregor, schön dich zu sehn. Ich wusste du würdest kommen.“
Sie lächelte und nahm seine Hand. Gregor schaute verwirrt. „Nun, bei dieser Einladung fällt
es schwer widerstehen.“ Sie zog ihn in den Pavillon und schob ihn auf einen der Sitzbänke.
„Du bist die Tänzerin von heute Abend nicht wahr?“ Sie nickte und schenkte ihm ein weiteres
Lächeln. „Ja die bin ich. Mein Name ist Dyszara,“ antwortete sie. „Woher kennt du meinen
Namen?“ wollte Gregor wissen. Sie nahm seine Hand in ihre und streichelte sie. „Ich habe die
Diener gefragt. Du hast mir gefallen. Was machst du bei diesen Empfang von schleimigen
Diplomaten?“ Er schaute etwas verlegen zu Boden. „Ich glaube ich gehöre eben zu diesen
schleimigen Diplomaten,“ antwortete er. Sie schüttelte den Kopf. „Nein, nein. Das glaube ich
nicht. Die Diener haben gesagt, dass viele Gäste über dich als Soldaten gesprochen haben.“ Er
nickte langsam. „Na ja, ich bin eigentlich noch Rekrut, aber mein Vater hat mich an den Hof
geschickt.“ Leises Keuchen war die erste Antwort. „Dann stimmt es also? Du bist der Sohn
von Kasian?“ Gregor lächelte matt. „Ja bin ich.“
Dyszara streichelte weiterhin seine Hände. „Du gefällst mir trotzdem. Du passt nicht zu
diesem Hof.“ Gregor schaute ihr in die Augen. „Du aber auch nicht. Warum tanzt du hier?“
Es schien ihm so, als ob er gerade einen wunden Punkt getroffen hätte, denn sie schaue abrupt
weg. Nach einer Sekunde des Schweigens antwortete sie. „Man hält uns hier gefangen. Wir
sind praktisch Hassans Harem.“ Gregor schaute nachdenklich drein. „Das ist ja Schrecklich!“
Dyszara nickte langsam. „Wir können den Palast nicht verlassen. Wir leben wie in einem
goldenen Käfig.“
Plötzlich schmiegte sich Dyszara an Gregors Schulter. Er schaute zuerst überrascht, legte
dann aber einen Arm um sie, als sie leise zu schluchzen anfing. „Warum bist du zu mir
bekommen? Nur weil ich dir gefalle?“ Mit wässrigen Augen schaute zu ihm auf. „Ich weiß
nicht genau.“ Sie stockte und begann wieder leise zu schluchzen. „Du erschienst du mir Seite 121
irgendwie anders.“ Ein weitere Schluchzer entfuhr ihr. „Vielleicht suche ich nur jemanden in
diesem Hof, der in mir nicht nur die Tänzerin sieht.“
Sie schwiegen lange. Gregor streichelte sie langsam und zärtlich. Zuerst das Haar, dann die
Arme und das Gesicht.
Mu-Berek beobachtete die Szene im Garten genau. Leider gab es für den Garten keine
Mikrophone. Leise verfluchte er seine Nachlässigkeit bei der Nachrüstung des
Aufzeichnenssystems. Trotzdem schien ihm, als ob Dyszara ihre Sache gut machte. Schnell
hatte sie an ihn geschmiegt und er begann sie zu streicheln. Mu-Berek lies ein breites Grinsen
sehen und gab dann dem Computer die Anweisung die Personen zu verfolgen. Er musste sich
etwas ausruhe. Der Tag war sehr lang gewesen. Die restlichen Aufzeichnungen würde er sich
morgen in aller Ruhe ansehen.
Gregor öffnete die Türe zu seinem Quartier. Dyszara hatte nicht länger im Garten bleiben
wollen, als zwei Palastwachen dort routinemäßig ihren Kontrollgang beendeten und eine
Pause einlegten. Aber sie wollte auch nicht zurück in ihr Quartier. Sie sagte, dort würde
sicherlich einer der Gäste des abendlichen Festes auf sie warten. Gregor hatte ihr also
angeboten sie erst mal in sein Quartier mit zu nehmen. Er führte sie hinein und begab sich
kurz ins Bad um sich die Hände zu waschen. Während er seine Hände unter das kühle Wasser
hielt, betrachtete er sich im Spiegel. Er schnaufte lautstark und erfrischte sich mit einem
Schub Wasser ins Gesicht.
Als er wieder aus dem Bad kam fand er Dyszara zuerst nicht. Erst als er seinen Blick
nochmals durch das Zimmer schweifen lies, fand er sie. Sie lag ausgestreckt auf den großen
Bett. Gregor blinzelte kurz bevor er erfasste wie sie dort lag. Während er im Bad gewesen
war, musste sie sich entkleidet haben. Nun räkelte sie sich auf dem großen Bett. „Ich glaube
ich möchte heute Nacht bei dir bleiben,“ sagte sie und lächelte ihn an. Gregor zog eine
Augenbraue hoch und ging auf sie zu.
Es war spät, aber Hassan war hellwach. Sein „Gast“ war sehr ungehalten gewesen. Seine
Einladung hatte er allerdings nicht ablehnen können. Würde die Horus Garde Geschenke
annehmen, so würde Hassan sie ihnen jetzt gewähren. Aber sie waren bescheiden und das
schätze er an ihnen sehr. Sein „Gast“ und ehemaliger Kommandant war nicht so bescheiden
gewesen. Nun würde er seine gerechte Strafe erhalten. Hassan ging vor dem Zelt der
Chirurgen auf und ab. Bald würde er die Ergebnisse der Forschungen von Angesicht zu
Angesicht beurteilen können.
Wie aufs Stichwort traten die Wissenschaftler und Chirurgen aus dem Zelt. „Sir, wir haben
ihn fertiggestellt.“ Hassan nickte nur und drehte sich zu einer Konsole neben dem Zelt um.
Ein neues Signal wurde nun von der Konsole eingefangen. Hassan gab einige Befehle und
übertrug sie. Gespannt beobachtete er das Zelt. Kurz darauf schob sich am Eingang die
Zeltplane zur Seite und ein großer Soldat stampfte nach draußen. Die rechte Hand war durch
eine Waffe ersetzt worden. Ein schwere Brustpanzer war mit dem Körper verschmolzen und
machte die Gestalt noch massiger. Durch die Uniform konnte man sehen, dass auch Arme und
Beine nicht mehr gänzlich aus Fleisch und Blut bestanden. Dicke Adern bestehend aus
Kabeln und Hydraulik durchzogen den Körper. Der Kopf war auf einer Seite durch eine
Metallprothese ersetzt. Ein rot glimmendes Auge stach aus dem Metall hervor. Der Soldat
stampfte auf die Konsole zu. Seine mechanische Stimme begann zu sprechen: „Erwarte Input,
Sir!“ Hassan klatschte die Hände. „Gratulation meine Herren,“ sagte er zu den
Wissenschaftlern gewandt. Schnell drehte er sich wieder um und ein kaltes Lächeln durchzog
sein Gesicht. „Nun, was halten sie von ihrer neuen Aufgabe mein lieber Kommandant? Sie
sind sicher stolz darauf, mein erster Cyborg zu sein, oder nicht?“ Der Cyborg starrte nur ins
Leere und einige seiner Geräte summten leise. Hassan lachte leise. „Meine Herren, bitte Seite 122
nehmen sie noch ein paar Feineinstellungen vor. Für einen Feldeinsatz sind seine Implantate
noch etwas zu geräuschvoll. Wenn sie das geschafft haben, dann beginnen sie mit der
Serienfertigung.“ Die Wissenschaftler machten sich eiligst an die Arbeit, während Hassan das
Zeltlager neben der ehemaligen Basis seines ersten Cyborgs verließ und in seinen Transporter
stieg.
Gregor fluchte innerlich, als er bemerkte, dass er gestern Nacht nicht die Fensterläden
geschlossen hatte. Es war kurz nach Sonnenaufgang und schon schien ihm die Sonne direkt
ins Gesicht. Unglaublich, dachte Gregor, da baut jemand so ein prunkvolles Zimmer und stellt
das Bett genau in den Einfallswinkel der Morgensonne. Er drehte sich etwas aus dem
Sonnenstrahl und stieß auf einen anderen Körper. Gregor blickte lächelnd auf den zarten
Körper von Dyszara und legte einen Arm auf sie, um ihre zarte Haut zu streicheln. Im Grunde
wusste er gar nicht mehr, wie es dazu gekommen war, aber nun war er keine Jungfrau mehr.
Sie hatte schnell bemerkt, dass er in manchen Dingen noch kaum Erfahrung hatte, aber sie
verstand es dies wett zu machen. Während er sie so zärtlich streichelte begann auch sie zu
erwachen.
„Guten Morgen,“ flüsterte sie leise. „Gut geschlafen?“ Er grinste breit. „Wie ein Stein.“ Sie
schmiegte sich an ihn und döste noch ein Weile. Erst eine halbe Stunde später regte sie sich
wieder. „Gregor?“ Er drehte den Kopf zu ihr und schaute ihr in die Augen. „Was?“ Sie holte
kurz Luft. „Wird dein Vater Hassan angreifen?“ Überrascht schaute er sie an. „Warum fragst
du das?“ Sie schaute verlegen auf die Bettdecke. „Ich dachte, vielleicht würdest du dann
kommen und mich aus diesem Gefängnis befreien.“ Sie schaute ihn wieder an und ihre Augen
schienen ein wenig wässrig. Gregor streichelte sie und schaute ihr in die dunklen Augen. „Ich
werde dich hier raus holen. Ganz sicher. Aber mein Vater wird deswegen sicherlich keinen
Krieg gegen so einen mächtigen Gegenspieler beginnen.“ Er lächelte matt. „Aber mir wird
schon etwas anderes einfallen.“ Sie sah nachdenklich aus und spielte mit einer ihrer
Haarsträhnen. „Ich habe einmal gehört dein Vater würde eine der legendären Tafel Kanes
besitzen. Wird er die Prophezeiung Kanes verkünden?“ Gregor zuckte die Achseln und setzte
sich auf. „Ich weiß es nicht. Als ich meine Ausbildung begonnen habe, da stand die Tafel
meistens bei uns in einem Saal. Mein Vater sammelte Gegenstände aus der frühen Zeit der
Bruderschaft. Ich glaube nicht das er damit etwas anfangen kann.“ Dyszara schüttelte den
Kopf. „Vorgestern habe ich gehört wie einer der Soldaten erzählt hat, dass dein Vater die
Tafel entschlüsseln lässt.“ Gregor schaute überrascht. „Ist wohl ne Menge passier, seit ich
weg bin. Aber ich glaube nicht, dass es viel bringen wird, diese Schrifttafel zu übersetzen.
Hassan hat doch auch zwei Tafeln oder? Zumindest habe ich das gehört.“ Sie nickte und
schob sich ein paar Strähnen aus dem Gesicht. „Ja, ich glaube er hat sie, weiß aber damit
nichts anzufangen. Aber las uns nicht von solchen Dingen reden. Ich habe eine bessere Idee.“
Sie lächelte und räkelte sich. Dann schlängelte sie sich auf Gregor und begann ihn zu küssen.
Mu-Berek beobachtete die Szene wieder in seinem kleinen Büro. In Zukunft sollte er sich
angewöhnen mehr zu schlafen. Aber die Aussicht auf den Fehlschlag der Kongo Mission lies
ihn wach bleiben. Albträume hatten die Nacht über geplagt. Schließlich hatte er sich
entschlossen wieder an die Arbeit zu gehen. Nach einem heißen Mokka und einer
Viertelstunde Schmökern in der „Brotherhood Post“ hatte er sich an seinen Schreibtisch
gesetzt. Die Videoüberwachung war die ganze Nacht gelaufen. Schnell spulte er die Nacht
durch. Der Computer hatte mögliche interessante Stellen markiert. Zumeist war nichts
verwertbares dabei. Erst als sie das Quartier betraten schaltete er auf normale
Geschwindigkeit. Schnell stellte er fest, Dyszara ging die Sache wie ein Profi an. Mu-Berek
beobachtete zuerst amüsiert Panterre, aber schließlich spulte er weiter. „Nichts!“ stieß er
hervor. Er fluchte leise und schaltete die Echtzeitüberwachung ein. Seine Laune besserte sich
schlagartig, als er beobachtete wie Panterre erwachte. Vielleicht ergab sich doch noch etwas. Seite 123
Für dieses Quartier hatte er auch ein Mikrophon installiert und so könnte nicht nur sehen,
sondern auch hören. Etwas, was ihm bei der Beobachtung des Gartens, letzte Nacht sehr
gefehlt hatte.
Er beobachtete wie auch Dyszara erwachte. Mu-Berek konnte nur hoffe, dass sie noch einen
Plan hatte. Diese Informationen waren wichtig. Er fragte sich, wie weit wohl Kasian mit
seiner Entschlüsselung gekommen war. Gespannt verfolgte er das Gespräch. An wichtige
Geheiminformationen würde Dyszara in dieser kurzen Zeit nicht kommen. Das war ihm klar,
aber er setzte auf ihr Talent, doch noch etwas zu erfahren. Und das tat er auch.
Lange saß er einfach nur da und beobachtete das erneute Liebesspiel der Beiden. Schließlich
schlug er mit der Faust auf den Tisch und stand auf. Keine Informationen. Er wusste nicht
einmal genau was sein Vater mit den Tafeln trieb. Langsam ging er um den Tisch und
betrachtete eine Karte an der Wand. Mit dem Finger tippte er auf den Kongo und flüsterte.
„Dann muss es wohl doch ein Erfolg werden.“
13
Kasian schaute wütend auf die Bilder der Überwachungskameras. Sein Haus war gestürmt
worden. GDI Sonderkommandos waren in das Haus eingedrungen und hatten alles
durchsucht. Sie hatten die geheimen Zugänge nicht entdeckt. Das wunderte ihn nicht
sonderlich. Diese GDI Soldaten mochten gut sein, aber ihm gegenüber waren sie nicht
gewachsen. Kasian stemmte die Hände in die Hüfte und beobachtete die Durchsuchung. Er
hatte sein Hauptquartier in die Zitadelle seiner Hauptbasis verlegt. Leise dankte er Kane
seiner Eingebung das Haus zu verlassen. Die Tiberiumausbreitung hatte doch einige Leute
Misstrauisch gemacht. Die Übersetzter waren immer noch nicht weiter gekommen. Kasian
war nicht erfreut. Seine Spione hatten aus Ägypten schlechte Nachrichten gebracht. Vor
kurzem sollen die Truppen von Hassan eine neue Waffengattung bereitgestellt bekommen
haben. Eine Verschmelzung von Mensch und Maschine. Ein Cyborg Soldat. Schlagkräftiger,
widerstandsfähiger und vor allem gehorchte er immer. Jeglicher eigener Wille war
ausgeschaltet. Aber dies war nicht die einzige schlechte Nachricht. Hassan plante etwas.
Einen neuen Einsatz, so hatte man berichtet. Aber worum es ging, konnte ihm niemand sagen.
Kasian machte sich Sorgen. Die Koalition die er geschmiedet hatte war stark geworden. Nicht
mehr lange und es würde wohl doch zum offenen Konflikt mit Hassan kommen. Der
Schlüssel in diesem Konflikt lag in zwei Punkten. Den unentschlossenen Gruppen im fernen
Osten und der Masse des Volkes. Den NOD Anhängern. Die unentschlossenen Gruppen
konnte man vor allem mit neuer Technologie überzeugen. Aber das Volk musste man anders
gewinnen. Erfolge auf allen Ebenen. Die Tafeln würde der Schlüssel sein, da war er sich
sicher.
Unruhig ging er auf und ab. „Sander, kommen sie mal her,“ rief er. „Sir?“ Der Adjutant trat
an ihn heran. „Ich glaube ich habe meine sumerische Vase im Haus vergessen. Aber sie ist
mir lieb und teuer. Wir sollten diesen GDI Soldaten einmal zeigen, wie schnell die
Bruderschaft zurück schlägt. Selbst wenn es nur um eine Vase geht.“ Er lächelte und drehte
zu den großen Fenstern um, welche den Blick auf die Höhle freigaben, in der die Basis lag.
Sander antwortete erst gar nicht, sondern begann sofort die Befehle auszuführen und einen
Einsatztrupp zusammen zu stellen. Kasian lächelte versonnen während er seine Basis
betrachtete.
Hassan inspizierte den Palast. Solche Rundgänge pflegte er stets nach einer Reise zu machen.
Mu-Berek folgte ihm und berichtete über die letzten Ereignisse. Hassan kontrollierte gerade
das Waffenlager des Palastes. Bedächtig spielte er mit einer großen Patrone und drehte sich zu
Mu-Berek. „Sie haben also jemanden auf Panterre angesetzt?“ Der Adjutant nickte eifrig. „Ich Seite 124
dachte es könnte wertvolle Informationen zu Tage fördern. Aber er scheint gut ausgebildet zu
sein.“ Hassan zog eine Augenbraue in die Höhe und lächelte kalt. „Hat er sich so gut
geschlagen?“ Mu-Berek wurde nervös. Diese Befragung ging ihm viel zu sehr ins Detail.
Kleine Schweißperlen begannen sich auf seiner Stirn zu bilden. Unbewusst zupfte er sich am
Kragen seiner Uniform. „Auf dem Bankett hat er als Diplomat brilliert. Trotz seiner
Unerfahrenheit schien er keine Probleme zu haben.“ Hassans Lächeln verschwand. „Wer
waren seine Gesprächspartner?“ Mu-Berek runzelte die Stirn. „Ich kann das nachprüfen
lassen.“ Hassan nickte. „Und was ergaben nun ihre Nachforschungen?“
Mu-Bereks säuerliche Miene sprach Bände. Hassan aber wartete gelassen auf eine Antwort,
ohne damit aufzuhören die Patrone zwischen den Fingern kreisen zu lassen. „Nun Sir, mein
Spion hat versucht Panterre über die Tafel seines Vaters auszufragen. Aber er tat so als wüsste
er nichts.“ Mu-Berek zupfte sich erneut am Kragen. Hassan legte die Patrone zur Seite und
setzte seinen Rundgang fort. „Schade, ich dachte es würde sich etwas ergeben. Nun wir
werden sehen was sich aus der Expedition in den Kongo ergibt. Panterre soll ein guter Soldat
sein. Ich denke er wird eine Hilfe sein.“ Er steuerte den nächsten Raum an und hielt vor
einigen Kisten mit Gebrauchsgütern an. „Mu-Berek?“ Der Adjutant eilte schnell herbei.
„Sir?“ Hassan deutete auf eine leere Stelle im Lagerraum. „Wurden wirklich zehn Kisten
während meiner Abwesenheit verbraucht?“ Wieder zog er eine Augenbraue hoch und schaute
seinen Adjutant fragend an. Mu-Berek wurde ganz übel. Er begann zu stottern und zerrte an
seinem Kragen. „Oh äh Sir, ich denke nicht. Auf meiner Liste stehen vier Kisten. Ich werde
das überprüfen.“ Hassan nickte und winkte seinen Adjutanten weiter. „Sie sollten so etwas in
Zukunft früher entdecken,“ bemerkte er. „Natürlich, Sir! Wird nie wieder vorkommen,“
antwortete Mu-Berek. Er schwitzte inzwischen richtig. Seine Uniform fühlte sich klebrig an
und von seinen Schläfen rann der Schweiß.
Hassan steuerte sein Lieblingszimmer an. Während er die Palastwachen ihn ehrfurchtsvoll
grüßten und ihm die Türe öffneten, schien Hassan nur Augen für den Taktiktisch zu haben.
„Ich glaube ich bringe mich erst einmal auf den neusten Stand,“ murmelte er und winkte
wieder nach Mu-Berek. „Ist die Expedition vorbereitet?“ Mu-Berek lächelte und entspannte
sich etwas. „Natürlich Sir, ich habe sie bis ins kleinste Detail geplant.“ Hassan trat vor den
großen Tisch und lies eine Verbindung zum Cabal Netzwerk herstellen. Nach zwei Minuten
war er wieder auf dem aktuellen Stand. Erst jetzt antwortete Hassan. „Gut, sie wissen ja wie
sehr mir der Erfolg dieser Mission am Herzen liegt,“ sagte er und lächelte kalt.
Gregor saß allein in seinen Quartier. Nach den Erlebnissen der letzten Nacht rang er um einen
klaren Kopf. Er musste zugeben, dass er wohl irgendwie in Dyszara verliebt war. Aber konnte
er wirklich sein Versprechen einlösen? Konnte er eine Tänzerin aus der Höhle des Löwen
befreien?
Gregor setzte sich vor den Fernseher und schaltete auf den Computer Modus um. Eine
praktische Erfindung. Gregor plante das Cabal Netzwerk nach Informationen über den Palast
zu durchsuchen. Er hatte sich entschlossen, dachte er, wenn sich eine Möglichkeit bot, wollte
er Dyszara befreien. Doch bevor er die Suche nach Informationen starten konnte, begann ein
kleines Feld auf dem Bildschirm zu blinken. Gregor runzelte die Stirn. Dies war das Postfach
des Quartier. Neugierig öffnete er den elektronischen Briefkasten und rief die Nachricht ab.
Gregor war sehr überrascht. Innerlich hatte er auf einen Brief von Dyszara gehofft. Aber seine
Hoffnungen wurden nicht erfüllt. Was dort im Briefkasten lag, stammte vom Oberkommando
der Bruderschaft. Zumindest vom Oberkommando, welches von Hassan gelenkt wurde. Es
war ein Marschbefehl.
Bruderschaft von NOD: Hassan Association
Marschbefehl 01PANT-CABAL-EGYPT-X/2028/0812/2H Seite 125
Rekrut Panterre (G.P.23658), Sie werden an einer Expedition in den Kongo teilnehmen. Sie
werden hiermit dem Feldhauptmann Baaht unterstellt und werden ihm als Adjutanten zur
Seite stehen. Der Auftrag der Mission unterliegt strengster Geheimhaltung. Details werden
ihnen in einer Lagebesprechung an Bord des Transporters übergeben
Im Namen von Kane!
Gez.
Adj. Mu-Berek
Hassan Association, Kairo
Gregor blinzelte überrascht als er den Marschbefehl las. Nun war er also doch für eine
Operation abberufen worden. Eine Mission in den Kongo mit höchster Geheimhaltungsstufe.
Er war sehr neugierig wohin diese Mission ihn führen würde. Zumindest würde er etwas
gegen Stechmücken einpacken müssen, beschloss er und begann zu packen.
Kasian betrat den Kommandoraum der Zitadelle. Nach einem kurzen Rundblick steuerte er
den großen taktischen Bildschirm an der Wand an. Einer der Offiziere lies gerade die ersten
Aufzeichnungen des Gegenschlages über den Schirm laufen. Kasian lächelte zufrieden und
beobachtete seine Soldaten bei der Gefangennahme der GDI Soldaten und dem kleine
Häufchen Zivilisten, welche sich in seiner Villa einquartiert hatten. Nachdem die
Tiberiumverseuchung des Tales so stark gestiegen war, hatten sich diese Zivilisten dummer
Weise in seine Villa verzogen. Nun besser gesagt hatte die GDI sie dort einquartiert.
Schließlich hatte sie das Gelände gesichert und nun war es nach Militärrecht in den Besitz der
GDI übergegangen. Kasian lächelte immer noch. Der Gegenschlag war ein voller Erfolg
gewesen. Auch wenn er nur noch einige Sachen aus seinem Haus holen wollte. Dieser
zusätzliche Bonus der gefangenen Soldaten gefiel ihm. Nur die Zivilisten bereiteten ihm
Sorgen. Natürlich hätte er sie im Grunde wie die Soldaten töten müssen. Andere hätten dies
sicher getan, aber er hatte einen von Gregors Freunden unter den Flüchtlingen erkannt und er
war sich sicher, dass sein Sohn über die Exekution seines Freundes mehr als ungehalten wäre.
Nun stellte sich die Frage, was er mit all den Gefangenen anstellen sollte. Vorerst lies er sie in
einer kleinen Fabrik am Rande der Basis arbeiten. Er hatte ein provisorisches Lager einrichten
lassen. Er dachte einen Moment über die Möglichkeiten nach und entschied dann die
Gefangenen vorerst bei dieser Arbeit zu belassen. Vielleicht war es doch ein Zeichen, dachte
Kasian. Es war schon sehr lange her, dass in seinem Gebiet Gefangene gemacht worden
waren. Meist hieß die Devise, nicht auffallen, um jeden Preis. Doch war nun die Zeit
gekommen, fragte sich Kasian. War die Stunde der Bruderschaft nahe? Würden sie aus dem
Schatten treten? Ihre Höhlen verlassen und die GDI stürzen? Kasian war sich sicher, Kane
würde mit ihnen sein.
Er lief nachdenklich vor dem großen Bildschirm auf und ab. Noch war die Stunde nicht
gekommen. Die Bruderschaft musste sich vereinigen. Die verblendeten Führer der
Splittergruppen liquidiert werden. Kasian überdachte seine Chancen und lächelte. Die
Ausbildung seines Sohnes würde sich bezahlt machen. Nun, da die Zeit nahe war, brauchte er
ihn hier in seiner Basis. Seine Kameraden waren bereits vor einiger Zeit eingetroffen. Dieser
kleine Trupp Infanteristen würde seine Speerspitze sein. Die neue Elite der Koalition. Die
Phalanx der Bruderschaft. Er blickte auf und wand sich um. „Sander! Schicken sie einen
Marschbefehl nach Kairo. Unser Diplomat soll zurückkehren.“ Sander nickte und trat an eine
Konsole. „Ja, Sir.“ Kasian schwieg kurz und trat dann neben Sander. „Ach und sorgen Sie
dafür, dass mein Sohn bequem nach Hause kommt.“ Sander nickte nur und gab die
entsprechenden Anweisungen ein. Kasian lächelte und begab sich zu dem großen Fenster des
Kommandoraums und beobachtete das geschäftige Treiben in der Basis. „Bald schon wird die
Stunde kommen, meine treuen Freunde,“ murmelte er. Seite 126
Gregor hatte nur leichtes Gepäck, aber selbst dieses musste er noch einmal reduzieren. Er war
am Sammelpunkt des Einsatzes. Aus einer Kammer wurden den Soldaten die Ausrüstungen
ausgegeben. Sie unterschied sich etwas von der normalen Ausrüstung der Soldaten. Die
Uniformen waren in satten Tarngrün gehalten. Sie erhielten keine Vollhelme sondern alte
Helme. Sie sahen irgendwie wie Suppenschüsseln aus. Aber Gregor war sich sicher, dass sich
das Oberkommando etwas dabei gedacht hatte. Vermutlich war es in den schwülen
Bergdschungeln des Kongo unmöglich mit Vollhelmen zu agieren. Aber auch die
Bewaffnung unterschied sich von der normalen Feldausrüstung. Neben den normalen M16
Impulsgewehren erhielt jeder eine Pistole Marke Glock 2000 und ein Buschmesser. Ebenso
wurden Handgranaten ausgegeben. Doch es handelte sich nicht um normale Granaten. Sie
waren mit einer Substanz gefüllt, welche dem Napalm ähnelte. Eine Neuentwicklung für den
Dschungelkampf. Keine Chance für Heckenschützen. Im Notfall sprengten und brannten die
beschossenen Truppen die Verstecke der Angreifer einfach weg. Wie diese Granaten sich in
der Praxis bewähren war allerdings fraglich.
Nach dieser Ausgabe begab sich Gregor und einige andere Soldaten zu einem Transporter.
Ein Offizier hatte sie hier her gelotst. Nun saßen zehn Mann in dem Transporter und wartete
in voller Kampfausrüstung auf ihren Feldhauptmann. Dieser lies dann auch nicht lange auf
sich warten. Feldhauptmann Baath war eine imposante Person. Breite Schultern, Hände wie
Bärenpranken und ein kantiges Gesicht. Er sah wie die meisten Soldaten im Transporter
arabisch aus. Die dunkle Haut war von vielen Narben durchzogen und die Oberlippe war auf
der rechten Seite leicht gespalten. Baath stellte einen grimmigen Gesichtsausdruck zur Schau
und lief langsam an den Soldaten vorbei und musterte sie eindringlich. An zwei Soldaten
blieb er stehen und begrüßte sie persönlich. Ein kurzes Händeschütteln und eine Begrüßung
seiner alten Kampfgefährten, dann ging er auf den nächsten Soldaten zu. Schließlich gelangte
Baath auch zu Gregor. Vor ihm blieb stehen und musterte ihn schweigend. Dann richtete sich
seine eindringlichen Augen auf das Gesicht von Gregor. „Sie sind mein neuer Adjutant?“
Gregor stand stramm auf und antwortete: „Sir, Ja, Sir!“
Der Feldkommandant lächelte und nickte. „Entspannen Sie sich und kommen folgen Sie mir.“
Er drehte sich um und stellte sich vor die sitzenden Soldaten. Gregor postierte sich neben ihm.
Baath nickte den Soldaten zu. „Einige kennen mich bereits, andere haben von mir gehört. Ich
bin Feldhauptmann Baath. Ich führe das zweite Mal eine Expedition in diesen verfluchten
Dschungel. Es ist die Hölle!“ Betretenes Schweigen trat ein, während Baath die Soldaten
musterte. „Wir suchen in dieser grünen Hölle nach einer verschollenen Basis oder einem alten
Tempel. Die letzten Expeditionen haben ein großes Gebiet abgesucht. Es bleiben nunmehr
noch zwei mögliche Orte übrig. Jeder von ihnen hat auf seinem Datenblock eine Karte. Rufen
sie diese bitte auf.“ Er machte eine kurze Pause und schaltete seinen eigenen Datenblock ein.
„Sie sehen hier diese markierten Gebiete sind erkundet. Uns bleibt also nur noch das Areal im
Osten dieses Berges und am Südhang des Berges zu suchen. Aber es gibt einen Grund, warum
wir diese Gebiete nicht schon beim letzten Mal erkundet haben.“ Er betastete unbewusst eine
lange Narbe auf der linken Gesichtshälfte. „Wir wurden von Eingeborenen angegriffen.
Warum weiß ich nicht, aber bis auf vier Mann wurden wir völlig aufgerieben bis wir den
Helikopter erreichen konnten.“ Wieder schwieg er kurz. „Womit wir zu einem weiteren Punkt
kommen. Wir werden mit zwei Transporthubschraubern fliegen. Diese werden an dem mit
einem X markierten Punkt landen. Dort werden wir ein Basislager errichten. Ich mochte nicht
noch einmal ohne Rückendeckung aus dem verdammten Dschungel flüchten müssen. Gut,
alles weitere vor Ort.“ Er drehte sich um gab einen Befehl an den Fahrer des Transporters. „In
fünf Minuten sind wir am Flughafen. Dann erwarten sie einige Stunden Flug.“ Er lächelte.
„Ich wünsche angenehme Reise!“ Mit diesen Worten setzte er sich auch und schnallte sich an.
Die Fahrt zum Flugplatz dauerte wirklich nicht sehr lange. Der Transporter fuhr direkt auf das
Rollfeld und steuerte die Helikopterlandeplätze an. Zwei große Transportmaschinen standen
dort bereits mit laufenden Motoren und erwarteten die Soldaten. Als der Transporter stoppte, Seite 127
öffneten von außen eine Flughafencrew die Türe und die Soldaten begaben sich im
Laufschritt zu den Hubschraubern.
Kaum hatte der letzte Soldat seine Ausrüstung verstaut, da hoben sie auch schon ab. Gregor
entspannte sich ein wenig und dachte an Dyszara. Die anderen Soldaten verkrochen sich
ebenfalls in ihre Gedanken und schwiegen. Nur das monotone Geräusch der Rotoren hallte
ihnen in den Ohren während sie auf direktem Kurs in Richtung Kongo flogen.
Nach langem Flug erreichten sie das Zielgebiet. Alle hatten inzwischen die Daten genau auf
ihren Datenblöcken studiert. Sie würden im Zielgebiet Tango landen. Während ihres langen
Fluges musste noch ein weiterer Transporthelikopter zu ihnen gestoßen sein, denn auf dem
Einsatzplan erschien der Vermerk, dass ein Versorgungstransporter das Material für die Basis
bringen würde.
Der Pilot meldete: „Wir erreichen Tango. Helikopter Alpha wird nun das erste Kommando
absetzten.“ Gregor straffte sich und überprüfte zum dritten Mal das Magazin seines
Impulsgewehres. Baath neben ihm wetzte sein Buschmesser an einem Schleifstein und trug
eine eiserne Miene zur Schau. Kurz bevor sie auf dem Boden aufsetzten, lies er das Messer in
die Schneide zurück gleiten und stand auf. „Raus mit Euch! Sichert die Lichtung!“ brüllte er
über den Lärm hinweg. Gregor sprang als Dritter aus dem Helikopter. Erst als er längere Zeit
benötigte als erwartet um den Boden zu erreichen, erkannte er, dass der Helikopter gar nicht
gelandet war, sondern etwa einen Meter über dem Boden schwebte. Zum Glück war das Gras
relativ hoch und Gregor landete weich. Sofort legte er sein Impulsgewehr an und suchte die
Umgebung ab. Das Gras stand hoch auf der Lichtung und nur durch den Wind der Rotoren
wurde es zu Boden gedrückt. Die Lichtung war nicht besonders groß, Gregor schätzte ab, dass
er innerhalb von 15 Minuten am Waldrand entlang um sie herum laufen konnte. Während
Gregor sich von der Landestelle entfernte und den Waldrand absuchte, landete das zweite
Kommando im Gras. Sie kümmerten sich auch um die zwei großes Container welche der
dritte Helikopter an einer Seilwinde nach unten lies. Während die Container langsam zu
Boden schwebten und einige Soldaten sich bemühten den Piloten per Handzeichen zur Seite
zu stehen, erreichte Gregor den Waldrand.
Bisher hatte er gar nicht darauf geachtet, aber jetzt wurde ihm bewusst wie undurchdringlich
dieser Dschungel war. Dicke feuchte Flechten hingen von den Bäumen. Wurzeln ragten
teilweise einen halben Meter aus dem Boden um anschließend wieder darin zu schwinden.
Umgestürzte Bäume und Unterholz beschränkte die Sicht auf etwa fünf Meter. Fünf Meter
wenn man eine gute Stelle erwischte.
Er schob einige Zweige aus seinem Gesichtsfeld und versuchte das Dickicht zu durchdringen.
Plötzlich ruhte eine Hand auf seiner Schulter. Er fuhr herum und zog dabei sein Messer,
erkannte aber noch schnell genug, dass es sich um seinen Feldkommandanten handelte.
Dieser sprang schnell einen Schritt zurück und hob abwehrend die Hände. Gregor schnaufte
erschrocken und steckte das Messer schnell in seine Schneide. Baath nickte. „Gute Reaktion,
mein Junge.“ Er deute auf den Wald. „Das
viele grüne Zeug verwirrt, nicht wahr?“ Gregor nickte langsam. „Ja Sir, es erscheint wie eine
Mauer. Als ob uns die Natur auf dieser Lichtung einsperren will.“ Baath rieb sich seine
Narben im Gesicht und lies den Kopf sinken. „Ich fürchte,“ setzte er an. „Ich fürchte es ist
schlimmer als ein Gefängnis.“ Er blickte Gregor ins Gesicht. „Es ist wie eine Venusfalle.
Schön und doch tödlich!“ Mit diesen Worten drehte er sich um und ging zurück zum
Landeplatz. Gregor folgte ihm langsam.
Das Basislager war wie geplant innerhalb von vier Stunden errichtet. Die beiden Container
waren ausgeräumt worden. Ein Soldat hatte kleine Schlitze in die Wände geschnitten. Sie
sollten wohl im Falle eines Angriffes als Schießscharten dienen. Andere Soldaten hatten um
die Container Schützengräben ausgehoben. Mit der aufgeworfene Erde hatten sie Sandsäcke Seite 128
gefüllt und weitere Barrieren errichtet. Stacheldraht sicherte die äußere Linie des Camps ab.
Während all dieser Arbeiten hatte Gregor daran gearbeitet, die Satellitenverbindung zum
Hauptquartier her zu stellen. Aber das war schwere als gedacht. Die hohen Berge störten das
Signal. Erst nach langem hin und her beim Ausrichten der Schüssel erreichte er Kairo. Gregor
war sehr amüsiert über die Tatsache, dass die Signale über einen GDI Satelliten geschaltet
wurden. Ein fähiger Hacker hatte diese Verbindung extra für den Einsatz erstellt.
Als der Abend herein brach, war das Lager gesichert, ungünstig gewachsene Bäume am
Waldrand gefällt und die Gräben befestigt. Die Container dienten vor allem als Lager und
Kommandobunker. Schlafplätze gab es hier nicht genügend. Nur die Offiziere fanden hier
Platz. Die restlichen acht Soldaten des Kommandos hatten sich kleine Zelte aufgestellt,
welche sich nun dicht an die Container schmiegten. Für die Nacht war jegliches Lagerfeuer
verboten. Selbst das Rauchen war untersagt. Nur im Kommandobunker brannte Licht. Die
Schießscharten waren mit dickem schwarzen Stoff abgedeckt worden, um kein Licht nach
außen dringen zu lassen. Baath, Gregor und der andere Offizier standen dort um einen kleinen
wackeligen Tisch herum und sahen sich eine Karte der Region an.
Baath nahm einen Filzstift zur Hand und zeichnete ein X in ein kleines Tal. „Hier waren wir
noch nicht. Wir sind auf dem Flug hier her über das andere Zielgebiet geflogen. Einer der
Piloten hatte Scanner an Bord. Ich hab bis vor kurzem nichts davon gewusst. Mir wurde es
eben aus Kairo mitgeteilt. Der Pilot hat den Scanner laufen lassen. Offensichtlich fürchtete er
Raketen aus dem Dickicht.“ Baath grinste breit und zog einen Computerausdruck hinzu. Er
blickte darauf. „Keinerlei Gebäude unter dem Blätterdach. Nichts was uns interessieren
könnte. Schön, das spart und viel Zeit.“
Der Offizier studierte die Karte und runzelte die Stirn. „Das Zielgebiet ist über einen
Tagesmarsch von hier entfernt. Wir müssen also unser Lager etwa auf halben Weg
aufschlagen. Im Grunde sind es nur ein paar Kilometer. Aber der Dschungel ist hier
unglaublich dicht. Wir werden die Zeit brauchen.“ Gregor verhielt sich ruhig und beobachtete
die zwei bei ihren Planungen. Er selbst hatte keinerlei Erfahrung und wollte sich deswegen
nicht einmischen. Baath nickte und zog mit einem Lineal eine Linie von der Basis bis zum
Zielgebiet. „Wenn der Weg doch nur so gerade verlief,“ seufze er und begann
voraussichtliche Marschroute auf der Karte einzuzeichnen. „Die letzte Mission kam bis hier
her auf diesen Berg,“ erklärte er und deutete auf eine Erhebung auf der Karte. „Dort wurden
wir angegriffen.“ Er vollzog mit dem Stift einen schwungvollen Bogen um den Berg. „Ich
habe nicht das Bedürfnis nochmals auf diese Eingeborenen zu treffen. Wir werden sie
umgehen.“
Es dauerte noch eine Stunde bis sie die Marschroute endgültig festgelegt hatten. Baath
stemmte die Hände in die Hüfte und betrachtete die Karte. In seinem Gesicht formte sich
grimmige Entschlossenheit. „Das dürfte es gewesen sein.“ Er schüttelte den Kopf. „Hoffen
wir mal auf freundliche Eingeborene. Vielleicht haben sie ja gerade eine Blumenwochen
eingelegt.“ Er nickte seinen Untergebenen zu. „Wegtreten!“
Man mag glauben in dieser gottverlassenen Gegend ist es still und ruhig. Auch könnte man
vermuteten hier sehr gut zu schlafen. Aber es war genau das Gegenteil. Gregor wälzte sich
von einer Seite auf die Andere. Lange Zeit konnte er nicht einschlafen. Den anderen Soldaten
ging es nicht anders. Die Geräusche des Dschungels waren sehr ungewöhnlich. Lautes
Brüllen war ab und an vom Waldrand zu hören. Laut den zwei erfahrenen Dschungelkämpfer
der Expedition waren dies nur Berggorillas. Das Männchen hatten das Eindringen in sein
Revier als Bedrohung aufgefasst. Nun versuchte es die Eindringlinge durch sein Grollen zu
beeindrucken. Ab und an schlug er sich scheinbar mit den Pranken auf die Brust. Zumindest
klang es so. Erst als eine der Wachen entnervt eine Salve in den Himmel jagte verschwand der
Gorilla. Aber ruhiger wurde es dadurch auch nicht. Seltsame Schreie hallten aus dem Wald.
Gregor wusste nicht was für Tiere das sein konnten. Vielleicht Vögel, welche hier nisteten. Seite 129
Erst spät in der Nacht gelang es ihm die Geräusche des Waldes zu ignorieren und ein wenig
Schlaf zu finden. Doch der Morgen kam viel zu früh.
Zu seinen Pflichten als Adjutant gehörte es, noch vor dem Feldhauptmann aufzustehen. Es
handelte sich dabei mehr um die Pflicht den Kaffee zu kochen, als die Geschäfte des Tages
vorzubereiten. Das hässliche Piepen seines Datenblocks weckte Gregor. Er stöhnte leise und
versuchte sich aufzurichten. Seine Augen klebten und nur langsam schaffte er es aus seinem
Schlafsack zu kriechen. Doch nach den langen Wochen der Ausbildung schaltete sein Körper
schneller hoch als es früher der Fall gewesen wäre. Wenige Minuten später roch es im
Basislager nach frischem Kaffee. Die erste heiße Tasse gebührte dem Feldkommandanten.
Wie auf Abruf erschien er, als der Kaffee aufgebrüht war. Er lächelte und trank einen ersten
Schluck. „Ohne diese Zeug würde ich hier keinen Tag überleben,“ kommentierte er die
Geräusche der letzten Nacht. Er begab sich zu dem kleinen tragbaren Computer und rief die
aktuellsten Nachrichten ab. Die Satellitenübertragung dauerte nicht lange und schon bald
waren Feldhauptmann und Adjutant in den Nachrichten vertieft. Baath brummte verdrießlich
und deutete auf den Bildschirm. „Die „Besahi NOD“ hat uns bei Bagdad schwer zugesetzte.
Ich dachte wir hätten sie längst vernichtet.“ Er schüttelte den Kopf. „Diese Jungs sind echt
Fanatiker. Ihr Anführer ist ein echter Meister der Taktik. Schon mehrmals hatten wir sie fast
völlig ausgelöscht, doch immer wieder schafft er es neue Bündnisse zu schmieden, in
Unterlegenheit unsere Truppen zu besiegen und dann wieder zu verschwinden.“ Baath rieb
sich die Augen und wies auf den Namen der Splittergruppe. „Haben Sie eine Ahnung was
„Besahi NOD“ bedeutet?“ fragte er. Gregor schüttelte den Kopf. „Den Namen habe ich noch
nie gehört, dabei dachte ich fast alle Splittergruppen zu kennen.“ Baath lächelte. „Ihr Vater
scheint ein guter Lehrer zu sein.“ Gregor nickte nur. „Man hält sich zwangsläufig auf dem
Laufenden wenn man mit ihm zusammen lebt.“
Sie brachen noch am selben Morgen auf. Sie waren fünf Mann. Baath führte die Gruppe an.
Er hatte seine zwei alten Kameraden des letzten Einsatzes mitgenommen. Auch Gregor und
ein weiterer Soldat begleitete ihn. Als sie den ersten Schritt in den Wald machten, öffnete sich
für sie eine gänzlich neue Welt. Die aus dem Boden ragenden Wurzeln der Bäume
verlangsamten sie ungemein. Dicke feuchte Flechten hingen in großen Stücken von den
Ästen. Sie hatten sich über Nacht mit Tau gefüllt und troffen nun von Feuchtigkeit. Schon
bald war der kleine Trupp aufgrund des Unterholzes und der Flechten größtenteils nass. Baath
führte sie mit Hilfe des Datenblocks Richtung Norden. Nur die Funkverbindung zum
Basislager half ihnen bei der Orientierung. Der kleine Datenblock war nun die einzige
Verbindung zur Außenwelt. Gregor beunruhigte diese Tatsache mehr als die Berichte über die
aggressiven Eingeborenen. Alle hatten die M16 Impulsgewehre im Anschlag. Nur Baath hatte
sein Gewehr umgehängt. Das Holster mit der Glock 2000 war dagegen geöffnet und eine
Hand lag zumeist auf dem Holster. Schon bald begann der Boden unter ihren Füßen mehr und
mehr anzusteigen. Sie hielten sich zwischen zwei Bergen und folgten einem trockenen
Flussbett. Gregor konnte kaum fassen, dass es in dieser feuchten Landschaft trockene
Flussbetten gab. Aber vermutlich hatte sich das Wasser einen anderen Weg gesucht oder die
Quelle war schlicht versiegt und irgendwo anders zum Vorschein gekommen. Die Vegetation
hatte das trockene Flussbett mit seinem nahrhaften Schlamm schon fast völlig vereinnahmt.
Nur ein schmaler Steifen Himmel war noch zu sehen und spendete etwas Licht.
Je weiter sie in den Dschungel eindrangen, desto öfter stöberten sie Tiere auf. Baath war
darüber nicht sehr erfreut. Jedes Mal wenn ein Schwarm bunter Vögel gackernd Aufflog
verzog er sein Gesicht verdrießlich.
Es war etwa zwei Uhr Nachmittags als sie die ersten Pause einlegten. An einer Stelle im
Flussbett waren sie auf Steintrümmer gestoßen. Es waren nur noch wenige Brocken
vorhanden. Vieles war offensichtlich weg geschwemmt worden, aber man erkannte noch, dass Seite 130
es einst eine Brücke gewesen war. Baath vermutete, es handle sich um eine Brücke, welche
zur Versorgung gebaut worden war. Vielleicht sogar für einen alten Versorgungsweg welcher
für den Bau der Basis verwendet wurde. Nur von dem Versorgungsweg war nichts mehr zu
sehen. Die Bäume und Sträucher wuchsen überall gleichmäßig dicht. Während Baath die
Brücke genauer untersuchte, lies er den Trupp eine Mittagspause einlegen.
Gregor stellte wieder einmal fest wie scheußlich die Notrationen schmeckten. Krampfhaft
zwang er sich die Rationen zu kauen und später sogar zu schlucken. Während der ganzen Zeit
beobachteten die Soldaten den Dschungel um sie herum. Die Angst vor einem Angriff aus
dem Hinterhalt wuchs von Stunde zu Stunde. Dennoch trieb sie Baath nach dieser kurzen
Pause wieder gnadenlos an. Sie legten noch ein großes Stück des Weges zurück bevor die
Nacht herein brach. Sie errichtete ihr Lager unter einem mächtigen Baum. Gregor schätze sein
Alter auf über 70 Jahre. Der Stamm war massiv und mit den Wurzeln, welche teilweise aus
dem Boden ragten, umspannte er etwa eine Fläche von 4 Metern. Die Soldaten benutzten zwei
große Wurzeln um eine Zeltplane darüber zu legen. Nachdem die Schichten für die
Nachtwache verteilt waren, begaben sich die Ersten in ihre Schlafsäcke. Die Nachtwache
hatte sich auf einem Knollen, welcher aus Wurzeln und Teilen des Stamms gebildet wurde
bequem gemacht. Er sondierte die Umgebung um Angreifer aufzuspüren. Eine Brille, welche
Wärmespuren in der Nacht sichtbar machte, war ihm dabei von großen Nutzen. Doch die
ganze Nacht über blieb es ruhig. Nur die Geräusche der Tiere waren zu hören.
Der nächste Morgen war sehr unangenehm für die kleine Gruppe Soldaten. Es zog dichter
Nebel auf und durchnässte sie völlig. Gregor wischte sich regelmäßig den Tau aus dem
Gesicht. Baath fluchte leise und versuchte den Datenblock vor der Feuchtigkeit zu schützen.
Natürlich waren alle Modelle des Datenblocks wasserdicht, aber eine gewisse Sorgfalt war bei
diesem feuchten Klima trotzdem geboten. Nach einem dürftigen Frühstück brachen sie auf um
weiter nach Norden zu marschieren. Sie folgten immer noch dem alten Flussbett und
erreichten schließlich ein hoher gelegenes Tal. Es war dicht mit Bäumen bewachsen und nur
mittels der Macheten kamen sie voran. Das Tal lag eingekesselt von hohen Bergen. Ab und zu
konnte man durch das dichte Blätterdach einen Blick auf sie erhaschen. Dicke Wolken hingen
an ihren Gipfeln. Gregor konnte sich vorstellen wie feucht es erst dort oben sein musste, wenn
schon hier die ganze Uniform zu schwimmen begann wenn man durch ein paar
Nebelschwaden ging. Er hoffte nur, dass sein M16 Impulsgewehr nicht durch die hohe
Feuchtigkeit beeinträchtigt wurden. Zwar hatte er empfindliche Stellen vor dem Abmarsch
noch einmal eingefettet, aber sicher konnte man schließlich nicht gehen, dass es doch ein
Wassertröpfchen zu einer Komponente geschafft hatte. Zum dritten Mal an diese Morgen
kontrollierte er das Magazin. Immer noch schien alles in bester Ordnung.
Etwa gegen Mittag hörten sie aus der Ferne das Rauschen eines Baches. Schnell wurde ihnen
klar, dass sie offensichtlich den neuen Verlauf des Baches gefunden hatten. Der Boden wurde
von Meter zu Meter schlammiger und sie kamen nun noch schwer vorwärts. In diesem kleinen
Tal schien sich das Wasser von den Berghängen zu sammeln. Große Scharen von Insekten
schien dies sehr zu erfreuen. Nach wenigen Minuten wurden sie von großen Schwärmen
belagert und gepiesackt. Gregor hoffte darauf nicht zuviel Blut zu verlieren. Er fragte sich ob
diese Insekten wohl auch Krankheiten übertrugen. In diesem Schwarm von Insekten war es
unvermeidlich, befürchtete er. Der kalte Stahl seines Impulsgewehrs erinnerte ihn an ihre
Aufgabe. Sie suchten sich einen Weg durch den Sumpf und erreichten bald den Fluss selbst.
Im Grunde war es an dieser Stelle nicht mehr als ein Band braunem Wassers. Der Sumpf
behinderte hier den Abfluss und das Wasser floss nur sehr langsam. Baath hob einen lange
Ast vom Boden auf und stocherte im Wasser um die Tiefe festzustellen. Nach einigen
Minuten schüttelte er den Kopf. „Es ist seicht, aber sehr schlammig. Wir werden weiter unten
versuchen den Fluss zu überqueren.“ Er blickte in das braune Wasser und brummte abfällig. Seite 131
„Oder was auch immer das hier sein soll.“ Er hob die Hand und gab das Zeichen zum
Abmarsch. Die kleine Gruppe folgte ihm. Die Waffen im Anschlag.
Nach einer weiteren Stunde Fußmarsch erreichten sie eine besonders enge Stelle. Große
Felsblöcke behinderten den Verlauf des Wasser und stauten es auf. Konnte dies hier einer der
Gründe für den Sumpf sein, fragte sich Gregor. Das Wasser war hier ebenso braun wie weiter
oben im Sumpf. Baath stellte schnell fest, dass hier das Wasser sehr viel tiefer war. Die
Stauung hatte eine Menge Wasser angesammelt. Dennoch erkannte Gregor am
Gesichtsausdruck des Feldhauptmanns, dass hier ein Übergang gefunden werden musste.
Einer der Soldaten kam schließlich auf die Idee einen der Bäume am Ufer zu fällen. Wenn er
richtig fiel, könnte er als Brücke dienen. Baath nickt zustimmend und lies seine Männer ans
Werk gehen. Der zweite Versuch hatte Erfolg. Während der erste Baumstamm schräg ins
Wasser gekracht war, schafften die Soldaten es beim zweiten Mal den Stamm im richtigen
Winkel zu fällen. Der Baum senkte sich majestätisch zu Boden und die höchsten Äste
erreichten das andere Ufer. Baath stieg als Erster auf den Stamm und prüfte den Halt. Er nickt
zufrieden und hob die Hand und gab wieder das Zeichen zum Abmarsch. Als sie alle am
anderen Ufer angekommen waren machten sie eine kurze Rast. Kaum hatten es sich alle
halbwegs bequem gemacht, da trat Baath vor sie. „Wir haben nun das Gebiet erreicht in dem
wir bei unserem ersten Einsatz angegriffen wurden. Die Zone des Angriffs haben wir
umgangen. Wir wurden direkt auf dem Berg attackiert. Aber ich bin mir sicher, dass es hier
auch Gefährlich wird. Halten Sie die Augen offen und hoffen wir das Beste.“ Er nickte knapp.
„Ruhe Sie sich aus!“ Mit diesen Worten drehte er sich weg und suchte sich einen Sitzplatz.
Mu-Berek beobachtete die Berichte der Expedition genau. Die letzte Meldung handelte vom
Aufbruch des einen Teams zur Erkundung des letzten Gebietes in diesen Bergen. Er war sich
sicher, dass hier etwas zu finden war. Aber es konnte sich dennoch als Fehlschlag erweisen
und das würde ihm das Leben kosten. Als seine Lippe zu schmerzen begann erkannte er wie
fest er auf sie gebissen hatte. Er sehnte sich nach neuen Berichten aus dem Kongo. Es war die
Chance für Hassan und damit für ihn. Sollte das Unternehmen aber fehlschlagen, dann kostete
dies wahrscheinlich nur ihn den Kopf.
Er beschloss dem kleinen Trupp Verstärkung zu schicken. Dies war ein direkter Verstoß
gegen Hassans Befehle, aber er hatte sich bereits eine Begründung ausgedacht. Es gab
Informationen, dass eine kleine Gruppe von NOD Abtrünnigen ebenfalls in dieser Gegend
suchten. Schnell war der Gedanke gesponnen es könnte sich um einen Trupp der „Besahi
NOD“ handeln. Damit würde er Hassan nachträglich zu einer Zustimmung bewegen können.
Mu-Berek beorderte einen Transporthelikopter in die Region. Ein flüchtiges Lächeln zog über
sein Gesicht, dann konzentrierte er sich wieder auf reale Berichte von der Front. In Russland
und Indien kämpfen „Besahi Verbände“ gegen die Verbündeten Hassans. Die Kasian
Koalition schien sich aus dem Konflikt heraus zu halten. Nur im westlichen Teil des
ehemaligen Ostblockes hatte die Koalition viele Verbündete gefunden. Um so weiter man
nach Osten kam, desto stärker wurden die anderen Gruppen. Mu-Berek überdachte die
neuerlichen Entwicklungen. Drei Machtblöcke kämpften nun um die Herrschaft in der
Bruderschaft. Die Europäer unter Kasian, die Hassan Association und die „Besahi NOD“.
Alle drei Gruppen hatten es durch geschicktes taktieren zu ihrer jetzigen Macht gebracht.
Dabei sah es vor noch nicht all zu langer Zeit viel besser für Hassan aus. Er hatte den einzigen
großen Bund unter den Splittergruppen geschmiedet. Kasian wurde durch Wulf gehindert
Europa zu einen. Die „Besahi NOD“ war verfolgt worden. Sie hielten sich offensichtlich für
etwas besseres und so konnte Hassan viele Verbündete für die Jagt auf sie gewinnen. Doch
offensichtlich hatten sie viele Basen versteckt gehalten. Aus einem unbekannten Grund
begannen sie nun wieder den Kampf offensiver zu führen. Mu-Berek wusste nur nicht warum.
Aber trotz ihrer neuen Stärke waren sie nur eine zeitweilige Gefahr. Ihre Truppen waren Seite 132
unterlegen und so lange sich Kasian nicht einmischte war es nur eine Frage der Zeit. Kasian
als Zünglein an der Waage. Dieser Aspekt gefiel Mu-Berek ganz und gar nicht.
Gregor schnaufte schwer und wischte sich den Schweiß aus dem Gesicht. Der Aufstieg war
sehr beschwerlich. Baath hatte eine neue Richtung eingeschlagen und erklomm nun einen
steilen Berg. Der schlammige Boden und die viele Vegetation machten den Aufstieg nicht
einfacher. Schon mehrmals waren Teilnehmer der Gruppe viele Meter nach unten gerutscht
und hatten den Aufstieg weiter verzögert. Aber der Berg flachte sich ab der Hälfte etwas ab.
Gregor nahm diese Erleichterung dankend hin. Ihre Stiefel waren inzwischen nur noch
schlammige Klumpen. Sie erreichten gerade eine kleine Lichtung als plötzlich Schüsse durch
den Wald hallten. Es dauerte keine zwei Sekunden bis alle am Boden Deckung suchten. Keine
Sekunde zu spät wie sich zeigte. Über ihnen splitterte Holz aus den Bäumen. Salve auf Salve
schlug in die Bäume ein. Baath fluchte laut und zog seine Glock 2000 aus dem Halfter.
Gregor erkannte das Mündungsfeuer zweier Maschinengewehre älterer Bauart. Neue Modelle
würden nie solchen großen Mündungsfeuer aus dem Lauf speien. Die anderen Soldaten hatten
ebenfalls auf die helle Punkte im Zwielicht des Waldes gezielt und helle Energie aus dem
M16 Impulsgewehren raste durch den Wald. Kurze Zeit später verstummte das Feuer auf
gegnerischer Seite. Sie robbten sich langsam vor und hielten nach einem weiteren Hinterhalt
Ausschau. Aber als sie den Punkt des Hinterhaltes erreichten, fanden sie nur zwei Leichen
vor. Beide hatten mit uralten AK-47 auf die Truppe geschossen. Nach kurzer Musterung
stellte Baath fest. „Das sind welche von den herzlichen Eingeborenen. Kaum Kleidung am
Leib, aber Waffen haben sie.“ Er schüttelte den Kopf und gab das Zeichen zum Abmarsch.
Schnell waren sie wieder auf dem Weg zum Gipfel. Wenn auch wesentlich vorsichtiger.
Immer nach einem erneuten Hinterhalt Ausschau haltend.
Kasian war beunruhigt. So hatte er sich die Mission seines Sohnes nicht vorgestellt. Es war
bei weitem nicht üblich einen Abgesannten auf eine geheime Mission zu schicken. Sie würde
noch ein paar Tage andauern. Mehr hatte man ihm nicht verraten. Kasian fürchtete zum ersten
Mal um das Leben seines Sohnes. Würde dies der Auslöser für den Krieg zwischen ihm und
Hassan sein. Legte es Hassan darauf an und suchte einen Kriegsgrund? Nein, stellte er fest.
Hassan hatte genügend mit diesen „Besahi NOD“ zutun. Es war seltsam, aber trotz ihrer
Schwäche schlugen sie sich gut. Sie tauchten wie aus dem Nichts auf und vernichteten, dann
verschwanden sie wieder. Sie folgten den alten Taktiken der Bruderschaft. Kasian fand dies
sehr interessant. Inzwischen beobachtete er die Entwicklungen zwischen Hassan und den
Besahi genau. Auch wenn sie auf lange Sicht wenig Chancen hatten, konnte sich doch eine
Möglichkeit ergeben.
Kasian überdachte seine eigenen Projekte. Er erfüllte die Worte Kanes. Noch wussten nur
wenige davon. Nur wenige durften wissen warum das Tiberium gezielt verteilt wurde, doch
schon bald konnte er damit vor alle Anhänger der Bruderschaft treten. Kanes Worte würden
die Bruderschaft einen. Aber er musste sich gedulden. Noch war wenig von der Tafel
übersetzt und Teilpassagen zu veröffentlichen würden ihm wenig nützen. Erst wenn er den
gesamten Text entschlüsselt hatte würde es der Bruderschaft nützen.
14
Sie standen auf der Bergkuppe und blickte in das Tal, welches sie erforschen sollten. Die
Bergkuppe war felsig und somit etwas spärlicher bewachsen. Nach einiger Zeit hatte die
kleine Expedition einen Ort gefunden, von dem sie ohne Behinderung in das Tal blicken
konnten. Seite 133
Das dichte Blätterdach des Tales lies wenig Rückschlüsse zu. Doch während sie ihre Blicke
schweifen ließen, blieb der Blick jedes Einzelnen an einem Ort hängen. Schweigend starrten
sie in die Mitte des Tales. Baath atmete laut aus und hob sein Fernglas.
Das Zentrum des Tales lag bedingt durch ihren Aussichtspunkt etwas links von ihnen. Als sie
dorthin geblickt hatten, bot sich ihnen eine unglaubliche Aussicht. Ein kleiner Platz im
Zentrum des Tales war vom Urwald gesäubert. Kleine Hütten gruppierten sich darin zu einem
Dorf. Zwei dünne Rauchfahnen stiegen empor. Das Imposanteste an diesem Tal jedoch erhob
sich genau in der Mitte des Dorfes. Die Soldaten der Bruderschaft erkannten es sogleich als
„Die Hand von NOD“ jenes Gebäude, welches im Tiberiumkrieg von der Bruderschaft
verwendet wurde. Eine steinerne Hand ragte hier empor und hielt die Erdkugel. Doch dieses
Gebäude war doppelt so groß wie vergleichbare Gebäude dieses Typs. Die dicken grauen
Fingern ragten wie kleine Türme in den Himmel. Das Gebäude dominierte das Tal völlig. Erst
nachdem sich die Gruppe von diesem Anblick losgerissen hatten, erkannten sie unter der
„Hand von NOD“ weitere alte Gebäude. Baath lächelte. „Schaut es Euch an. Die verschollene
Basis Kanes.“
Sie begann Fotos zu schießen und Daten zu sammeln. Doch einigen war das nicht genug.
Zwei der Soldaten hatten euphorisch vorgeschlagen die Basis zu besetzen und Verstärkung
anzufordern. Erst als Baath einschritt ließen sie diese Gedanken wieder fallen. Also blieben
sie auf ihrem Posten und beobachteten das Tal.
Es war ein relativ großes Dorf, welches um die Basis herum gebaut worden war. Teilweise
hatten die Dorfbewohner auch alte Basisgebäude repariert und umgebaut. Es handelte sich
eindeutig um die Eingeborenen, die den Hinterhalt gelegt hatten und die vorherigen
Expeditionen attackiert hatten.
„Sie schützen die Hand, oder?“ fragte Gregor und blicke fasziniert auf die Hand. Baath nickte
nachdenklich. „Es scheint mir auch so. Vielleicht gibt es einen Kult, in dem die Hand eine
Rolle spielt. Aber ich denke das wird sich bald erledigt haben. In wenigen Wochen wird das
hier wieder in unserer Hand sein.“
Die Aufzeichnung der Daten war fast abgeschlossen, als einer der Soldaten plötzlich
aufschrie. Er taumelte einige Meter und brach dann zusammen. Ein kleiner Pfeil ragte aus
seinem Genick. Baath fluchte etwas von Giftpfeilen und hechtete in Deckung. Schnell griffen
die übrigen zu ihren Waffen. Doch in diesem Augenblick begannen von der Talseite her,
Gewehre zu feuern. „Wir ziehen uns zurück. Die sind sauer!“ brüllte Baath und beantwortete
die Salven mit einer der neuen Handgranaten. Er zog den Ring ab und warf sie den Hang
hinab. Nachdem sie einige Male aufgeschlagen und weiter gehüpft war, detonierte sie. Die
Wirkung war verheerend. Die Explosion selbst war klein und riss nur zwei Büsche aus dem
Hang. Aber mit der Schockwelle der Explosion verteilte sich auch der zweite Inhalt der
Granate. Das leicht brennbare Gemisch entzündete sich und der kleine Hang begann zu
lichterloh zu brennen. Vereinzelt hörte man Schreie von unten.
Baath lächelte und zog sich unter den wütenden Salven der Eingeborenen mit seinem Trupp
zurück.
Sie rannten den Hang hinab. Gregor war dabei schon zweimal gestürzt, aber nach einigen
Metern unkontrolliertem Abwärtsrollen hatte er sich wieder aufrappeln können. Bäume und
Büsche bremsten ihre Flucht. Die Verfolger schlossen schnell auf, denn sie kannten Wege die
den Soldaten verschlossen blieben und feuerten erneut auf den kleinen Trupp.
Die Soldaten stoppten so oft wie möglich und erwiderten das Feuer. Aber nur selten konnten
sie behaupten einen der Verfolger getroffen zu haben. Während sie so den Hang hinter sich
ließen, begann die Dämmerung herein zu brechen. Baath führte sie immer noch sicher durch
den Dschungel ohne die Geschwindigkeit zu mindern. Im Laufschritt versuchten sie die
Eingeborenen abzuschütteln. Nun, da sie wieder in den Sümpfen waren, schien dieser Seite 134
Versuch aussichtslos. Doch nach einiger Zeit wurden sie nicht mehr beschossen und als sie
den Fluss erreichten, hatten die Eingeborenen offensichtlich die Verfolgung abgebrochen.
Baath führte sie im Mondlicht über den Fluss und befahl am anderen Ufer an den
Baumstümpfen ein Lager aufzuschlagen. Durch das Fällen der Bäume hatten sie hier ein
kleines freies Stück geschaffen und Baath wollte sich hier wohl für die Nacht verschanzen.
Während die Soldaten das Lager errichteten und versuchten eine Deckung aus Ästen und
dünnen Stämmen zu bauen, feuerte Baath einige Salven aus seinem Gewehr auf den Stamm,
der über das Ufer führte. Nach einigen Einschlägen begann das Holz zu brechen und die
Brücke war zerstört.
Die Nacht war still. Die Dschungeltiere waren durch das Feuergefecht am Hang geflohen. Nur
ein paar Mal meldeten sich Waldtiere mit ihren Rufen zu Wort. Ansonsten blieb es still und
nur das Summen der Insekten war zu hören. Gregor konnte trotz dieser Still nicht schlafen.
Vielleicht war es aber auch genau diese Stille die ihn beunruhigte. Waren die Tiere vor den
Eingeborenen geflohen, die auf das Lager zurückten um es mitten in der Nacht zu überfallen?
Er wusste es nicht, aber er machte in dieser Nacht kein Auge zu. Seine Hände umklammerten
das Gewehr als wäre es die einzige Rettung.
Der nächste Morgen begann mit einem Aufschrei. Der wachhabende Soldat war von drei
Pfeilen in die Brust getroffen worden. Die Spitze eines Pfeiles ragte aus seinem Rücken, die
anderen waren durch Knochen abgefangen worden. Die Eingeborenen warteten also auf sie.
Baath feuerte mit seinen übrigen Soldaten lange Salven ins Unterholz. Dann verließen sie das
Lager und versuchten sich weiter durch zu schlagen. Immer wieder zischten Pfeile an ihnen
vorbei und blieben in Baumstämmen stecken. Bald darauf hämmerten auch Ak-47 durch das
Unterholz und ließen von Stämmen das Holz splittern. Die letzten drei Soldaten der
Expedition liefen so schnell sie konnten. Sie legten die Strecke über die Sumpfebene in
Rekordzeit zurück. Dieses Mal verschwendeten sie keine Zeit mehr, Salven nach ihren
Verfolgern abzufeuern. Sie wussten, dass sie so niemanden erwischen würden.
Gregor zog eine Handgranate aus seinem Gürtel. Er riss den Ring heraus und machte sie
scharf. Ohne zu zögern lies er sie einfach fallen und rannte weiter. Kurze Zeit später erblühte
der Wald hinter ihm in grellen Feuer der Granate. Gregor rang sich ein Lächeln ab, während
er einem Baumstamm auswich. „Das hat gesessen ihr Wichser.“
Sie erreichten das ausgetrocknete Flussbett und gewannen noch an Geschwindigkeit als sie
abwärst auf das Basislager zusteuerten. Der Geruch von brennendem Wald verfolgte sie.
Dicke Rauchschwaden stiegen inzwischen aus den Wäldern auf. Erst jetzt genehmigten sie
sich eine Verschnaufpause. Sie fielen fast auf alle Viere, als sie stoppten. Gregor rang nach
Atem. Jeder Atemzug stach ihm in der Lunge, als ob er eiskalte Luft einatmen würde. Baath
hustete und stützte sich an einen Baum. Doch ihre Pause sollte nicht lange dauern. Nach fünf
Minuten verschnaufen schlugen wieder Kugeln um sie im Boden ein. Neues Adrenalin schoss
Gregor in die Adern und er raffte sich auf. Baath hatte sein Gewehr weggeworfen und hielt
nur noch die Pistole in der Hand. Gregor und der andere Soldat warfen ihre letzten Granaten
hinter sich in den Wald. Sie entfachten damit ein wahres Inferno, doch die Eingeborenen
näherten sich inzwischen auch von den Seiten. Sie mussten sie überholt haben. Vielleicht
lauerten sie hier schon länger. Ihre Nachtruhe hatte ihnen die Zeit dazu gegeben. Gregor
setzte zu einem weiteren Sprung an um eine kleine Mulde zu überspringen. Erde spritze um
ihn auf und ein Pfeil verfehlte ihn nur um Millimeter. Er versuchte auszuweichen und knickte
dabei ein. Der andere Soldat rannte fast auf ihn und bremste ab. Der Soldat zog Gregor nach
oben und stieß ihn weiter. Doch dieser Stopp hatte die Eingeborenen wieder näher heran
rücken lassen. Der Soldat wurde an der Schulter getroffen und ging zu Boden. Gregor hielt an
und legte sein Gewehr an. Sein M16 hämmerte Salve um Salve in das Unterholz. Blätter
begannen zu brennen und Rauch stieg auf. Der Soldat wollte sich aufraffen, doch ein Pfeil traf
ihn in den Schenkel. Er drehte sich zu Gregor um und winkte ab. „Geh! Ich mach sie fertig!“ Seite 135
rief er und griff nach seinem eigenen Gewehr. Gregor zögerte kurz und nickte dann. Er lief als
ob ihm der Teufel auf den Fersen war und versuchte Baath einzuholen.
Hinter ihm hörte Gregor das Hämmern eines M16. Jemand schrie seinen Zorn heraus. Dann
verstummte das Feuer. Gregor rannte weiter und das Lager kam in Sicht. Baath schien bereits
auf der Lichtung die Soldaten aufgescheucht zu haben. Als er die Lichtung erreichte feuerten
sie aus allen Rohren auf den Waldrand. Er musste sich flach hinwerfen um nicht selbst
getroffen zu werden.
Nach einigen Sekunden erkannten sie ihn und gaben ihm Deckung. Mit einem letzten großen
Hechtsprung schaffte es Gregor in die Gräben und brach dort erst einmal mehr oder weniger
zusammen.
Der Pilot hatte im Grunde nur den Befehl gehabt einen kleinen Trupp Soldaten in die Berge
des Kongo zu bringen. Höchste Geheimhaltungsstufe. Aber er war noch auf dem Flugfeld, da
wurden seine Befehle wieder geändert. Hassan persönlich annullierte den Befehl und schickte
ihn nur mit schweren Waffen los. Der Pilot schüttelte den Kopf. Dem Adjutanten von dem der
ersten Befehl ausgegangen war würde es wohl jetzt schlecht ergehen, dachte er. In Hassans
Pläne zu pfuschen war wirklich ungesund. Er war wirklich gespannt, ob man den Namen des
Adjutanten jemals wieder unter einem Marschbefehl finden würde.
Inzwischen hatte er mit seiner Fracht den Kongo erreicht. Sein Copilot bemannte das BordMG wie man es befohlen hatte. Es sollten sich in diesem Bergen „Besahi NOD“ aufhalten.
Man konnte also nicht vorsichtig genug sein. Als sie sich den Zielgebiet näherten brannte dort
an den umliegenden Bergen an einigen Stelle große Feuer. Dicke Rauchschwaden stiegen
empor und behinderten die Sicht des Piloten. „Ach du scheiße, was geht denn hier ab?“
murmelte er nur und steuerte die Lichtung „Tango“ an. Das Bild dort erschreckte ihn.
Mehrere kleine Gruppen versuchten das provisorische Basislager zu stürmen. Noch hielten
sich einige Soldaten wacker. Leuchtspuren zeigten die Salven der M16 an. Aber es waren
höchstens noch vier Soldaten, welche sich verschanzt hatten. Er drehte sich zu seinem
Copiloten um. „Mach das M60 klar, wir holen die da raus“ rief er über den Rotorenlärm. Der
Copilot hob den Daumen und gab sein OK.
Sie flogen eine enge Schleife über der Lichtung und das M60 des alten Helikopters begann zu
hämmern. Das schwere Bord-MG fräste sich durch das Gras der Lichtung und erwischte die
ersten Angreifer. Überrascht durch die Attacke des Helikopters zogen sich die Restlichen in
den Wald zurück um den Helikopter unter Beschuss zu nehmen. Doch der Pilot lies seine
Maschine weiter im Sinkflug. Er ging weiter nach unten, während die wenigen Überlebenden
auf die Maschine zurannten.
Schon trafen den Helikopter die ersten Geschosse. Der Pilot schaute ungläubig als zwei Pfeile
gegen seine Frontscheibe prallten. „Hä? Was spielen wir hier Indianer? Los rein mit Euch!“
brüllte er und winkte den Soldaten zu.
Gregor rieb sich das Gesicht und versuchte die Schlammkrusten zu entfernen. Der Helikopter
war ihnen wie ein Engel vorgekommen als er über der Lichtung schwebte. Das M60 BordMG war die heilige Hand Kanes gewesen. Zumindest kam es ihnen so vor. Baath, Gregor und
ein weiterer Soldat hatten den Hubschrauber erreicht. Ein letzter Blick hatten ihnen gezeigt
wie sie im Wald gewütet hatten. Überall waren Feuer ausgebrochen und dicke
Rauchschwaden stiegen empor. Die Handgranaten waren wirklich sehr effektiv gewesen.
Baath hatte dieser Anblick ein kaltes Lächeln abgerungen.
Der Flug dauerte lange und das monotone Dröhnen der Rotoren lies Gregor einnicken. Es war
lange her, seitdem er ruhig geschlafen hatte, nun übermannte ihn die Erschöpfung. So schlief
er fast den restlichen Flug über. In seinen Träumen verfolgten ihn Eingeborene durch dichten
Dschungel, immer wieder stand er auf dem Hügel und betrachtete die geheime Basis. Immer
wieder hallten die selben Fragen durch seinen Kopf, während er die „Hand von NOD“ Seite 136
betrachtete. War dies Kanes Vermächtnis? Verbarg sich in diesem Monument einstiger Macht
das große Geheimnis der Bruderschaft? Die sagenhaften Tafel Kanes? Eine großartige Waffe?
In seine Träumen fand er keine Antwort darauf, denn seine Gedankengänge wurden durch die
Angriffe der Eingeborenen gestört.
Erst als er erwachte und unter sich den Nil erblickte, wusste er wieder, dass er in Sicherheit
war. Doch die Fragen blieben in seinem Kopf.
Mu-Berek kniete vor Hassan. Dieser hatte den gesamten Hof versammelt und stand nun auf
einem Podest. Mu-Berek wusste was ihm nun kommen musste. Er hatte die direkten Befehle
seines Herrn missachtet. Das hatte zwar einigen Soldaten das Leben gerettet, aber unter ihnen
war auch Panterre. Die Mission war ein Fehlschlag gewesen. Es gab nur wage
Beschreibungen dreier verwirrter Soldaten über eine große steinerne Hand. Hassan war
wutentbrannt. Nun stand er über seinem Adjutanten. In der Rechten einen großen Säbel. Der
scharfe Stahl glänzte im Zwielicht des Festsaales. Zwei Diener trugen einen Block Holz
herein. Das Holz war sehr teuer und mit kunstvollen Schnitzereien verziert. Vereinzelt
glitzerten kleine Tiberiumkristalle im Holz. Nur die Oberseite des Blockes sah ungepflegt aus.
Viele Scharten und Risse waren darin. Mu-Berek kannte den Zweck dieses Blockes. Hassan
lächelte kalt. „Nein mein guter Adjutant, sterben werden sie jetzt noch nicht. Mein Zorn wird
sie strafen und mit dieser Schande leben lassen.“
Die Schreie von Mu-Berek hallten durch den Saal. Zwei Diener bemühten sich bereits das
Blut, welches aus Mu-Bereks Handgelenk spritzte vom Boden aufzuwischen. Ein Dritter
unternahm den Versuch die Blutung zu stoppen. Mu-Berek wusste nicht ob er Glücklich
darüber sein sollte, dass Hassan ihm nur die linke Hand genommen hatte. Die Schmerzen
waren unerträglich. Wimmernd kauerte er im Festsaal. Die Gäste waren Hassan bereits in
einen anderen Saal gefolgt um zu Feiern.
In diesem Augenblick begann Mu-Berek, Panterre zu hassen. Es hatte ihm seine linke Hand
gekostet, nur weil dieser Bursche sich nicht bezirzen lies. Es hatte ihm die Hand gekostet, nur
weil er mitverantwortlich für das Scheitern der Expedition war. Die Soldaten sollten eine
Hand verlieren nicht er. Schlimmer noch, Panterre hatte den Fehlschlag auch noch überlebt
und nun kehrte er als Held zurück zu seinem Vater. Der Marschbefehl lag bereits auf Hassans
Schreibtisch.
Mu-Berek richtete sich mühsam auf. Der Schmerz machte seine Augen glasig. „Wir werden
uns wieder sehn, Panterre!“ murmelte er leise.
Gregor war kurz nach der Rückkehr nach Kairo nach Hause aufgebrochen. Er war froh zurück
zu dürfen und nicht dem Zorn von Hassan ausgesetzt zu werden. Der Marschbefehl von
seinem Vater kam ihm da wie gerufen. Während er auf ein Fahrzeug für seine Rückkehr
wartete betrachtete er die Berichte des Hassan TV. Der Bildschirm in diesem Bahnhof war
groß und überdimensional. Die ersten Bilder von Mu-Bereks Bestrafung schockierten Gregor.
Die Bruderschaft hier unterschied sich in vielen Dingen von der Europäischen. Er schüttelte
den Kopf und rückte sein Gewehr auf dem Rücken zurecht. Nach kurzer Zeit wurde er von
einem Offizier zu seinem BMT gebracht. Gregor verstaute sein Gebäck und blickte ein letztes
Mal zurück. Seine Gedanken waren bei Dyszara. Fest nahm er sich vor, zurück zu kehren und
sie zu befreien. Während er sich anschnallte murmelte er: „Ich werde dich aus diesem Moloch
befreien meine Dyszara. Das schwöre ich.“ Die letzten Worte gingen im Dröhnen der
Motoren unter. Gregor Panterre war wieder auf dem Heimweg.

Das Lager für die Gefangenen in der Höhle war eng. Yeremi hatte heute den Befehl erhalten
den kleinen Hof zu kehren. Nach einigen Sabotageakten hatte man ihnen sie nicht mehr zu
Arbeiten an Anlagen oder Geräten heran gezogen. Jetzt durften sie das kleine Lager nicht
mehr verlassen.

Yeremi dachte an das Tal. Nun würde es bereits völlig verseucht sein und von Tiberium
überwuchert. Wehmütig dachte er an seinen Vater. Er fragte sich wo dieser wohl gerade war.
Sam trat aus der kleinen Baracke und betrachtete die Basis durch den Zaun. Yeremi sah ihm
an, dass auch er daran dachte, wie man von diesem Ort fliehen konnte. Aber Beide sahen
keinen Möglichkeit.

Immer wieder fragte sich Yeremi, warum er nie bemerkt hatte, was hinter Gregor steckte. Ein
Anhänger der Bruderschaft. Er konnte es immer noch nicht fassen. Gregors Vater war
offensichtlich ein mächtiger Mann. So eine Höhle war laut Sam wirklich eine große Basis.
Aber auch von Gregor hatte er schon lange nichts mehr gehört. Kämpfte er irgendwo gegen
die GDI, fragte Yeremi sich. Er könnte auch bereits gefallen sein. Über all diesem Gedanken
hatte er vergessen weiter zu kehren. Eine Salve aus einem Gewehr, welche den kleinen
Dreckhaufen neben ihm aufwirbelte erinnerte ihn daran. Er blickte wütend zu den Wachen auf
ihrem Turm und machte sich an die Arbeit.

Epilog
Gregor wurde durch die Stimme des Computers geweckt. Die Stimme machte ihn darauf
aufmerksam den Zug zu verlassen. Also stand er auf und nahm seine Sachen. Eine
Wartungscrew kam ihm bereits entgegen und füllte den Zug wieder mit Vorräten. Auf der
Rückreise hatte er nur einmal umsteigen müssen. Trotzdem fühlte er sich matt und
verschlafen als er den Zug verlies.

Nach einem kurzen Blick in die Runde erkannte er das ganz normale Trieben auf einem
Bahnhof. Irgendwie hatte er sich dies schon gedacht. Genauso wie in Kairo wurde er nicht
abgeholt. Er schüttelte enttäuscht den Kopf als sich eine Türe öffnete.
Sein Vater stand lächelnd darin. Er breitete die Arme aus und ging auf seinen Sohn zu. Ihm
folgten Sander sein Adjutant und Terag. Auch sie konnten sich ein Lächeln nicht verhindern.
Kasian rief schon aus einigen Meter Entfernung: „Sohn! Endlich habe ich dich wieder!“
Gregor zog lächelnd eine Augenbraue nach oben. Sollte er sich Sorgen gemacht haben. Nun
in diesem Fall wohl zurecht.

„Hallo Vater. Tag Sander, Tag Terag. Ich hoffe ich habe nicht all zuviel verpasst“ sagte
Gregor. Kasian lachte laut und legte einen Arm um seinen Sohn. „Oh es gibt einiges was ich
dir erzählen sollte. Sicherlich wirst du sehr überrascht sein!“ Gregor lächelte. „Ich denke, ich
habe auch ein paar interessante Geschichten für dich.“ Kasian wies auf die Tür und grinste.
„Na dann ab nach Hause!“