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C&C Fan Fiction – Drei Skorpione

C&C Fan Fiction – Drei Skorpione

Prolog
Ein leises Surren lag in der Luft über dem kleinen betonierten Exerzierplatz. Alles war in ein
mattes rötliches Licht getaucht. Die Stealthgeneratoren hatten über der kleinen Basis ein
Tarnfeld erzeugt und niemand würde erkennen können, was sich hier versteckte.

Die Generatoren benötigten immer noch eine Unmenge an Energie, aber die Techniker waren
sich sicher, auch diesen Störfaktor noch reduzieren zu können. Auch das leise Surren und den
rötlichen Schein des Tarnfeldes würde man noch in den Griff bekommen. Doch hier, in
diesem abgelegenen Tal würde sowieso niemand auf die Basis aufmerksam werden.

Die Basis, die sich unter dem Tarnfeld versteckte, war relativ klein, aber darauf kam es nicht
an. Es war der Erfolg an sich, unter den Augen der GDI Satelliten zu operieren und eine Basis
zu errichten.

Kasian trat aus einem flachen Gebäude, dem Kommandobunker. Er lächelte
zufrieden und musterte die kleine Basis. Heute würden sie diesen Erfolg noch einmal steigern
und unter den Augen des Feindes eine Parade abhalten.

Vielleicht sollte er General Solomon später ein Band von diesem Ereignis schicken. Aber nein, dachte Kasian und lächelte. Nicht
unnötig die Aufmerksamkeit der GDI auf sich ziehen. So hatte er schon immer gehandelt und
es hatte ihm nicht geschadet.

Irgendwie fand es Kasian auch enttäuschend dem Gegner nicht offen gegenüber zu treten.
Aber er schüttelte den Kopf. Nein, dafür würde noch Zeit sein. Wichtiger war die Einigung
der Bruderschaft.

Langsam schritt er aus dem Schatten des Gebäudes. Sein Adjutant Sander folgte ihm und hielt
eine Schatulle bereit. Kasian ging zielstrebig auf in zwei Reihen stehenden Soldaten zu. Er
korrigierte sich, dies waren noch Rekruten, doch bald würden sie vollwertige Soldaten der
Bruderschaft sein.

Kasian musterte die jungen Gesichtszüge der Rekruten und erkannte eine gewisse Reife in
ihren Gesichtern. Sie hatten mit Sicherheit ihre Jugend hinter sich. Ihre Ausbildung war hart
gewesen und nur die Besten hatten sie überstanden.

Zwei Kameras schwenkten auf Kasian und er setzte sein politisches Lächeln auf. Es war Zeit
für eine weitere Folge der Serie: „Die Erfolge der vereinten Bruderschaft“. Die Rekruten
standen nun noch strammer in Habachtstellung da, den Blick starr nach vorn gerichtet. Kasian
lächelte in die Kamera und ein Techniker liess das Bild auf den Führer der Bruderschaft in
Europa zoomen. Kasian holte tief Luft und begann seine vorbereitete Rede.
„Heute ist ein besonderer Tag für die Bruderschaft! Wir haben Großes vollbracht und sind

trotz aller Widrigkeiten weit gekommen. Wir, die Koalition, haben Europa unter unserem
Banner vereint. Eine Bruderschaft! Ein Wille! Eine Vision!
Der Skorpion wurde von Kanes Hand geführt. Er hat seine Feinde in den Staub geworfen und
sie besiegt. Wir alle gehören zu diesem Skorpion. Wir, die wir nun vereint sind. Eine
Bruderschaft! Ein Wille! Einigkeit!

Heute ist der Tag gekommen, an dem wir die Saat ernten. Der mächtige Skorpion der
Koalition hat seine Kinder geformt. Die Jünger Kanes, die Kinder des Skorpions. Hier sind
sie!“ Er wies mit dem Finger auf die Rekruten. „Schaut sie an! Diese 20 Brüder werden die
neuen Skorpione der Bruderschaft sein.“ Kasian machte einen Schritt zu den Rekruten und
holte Luft.

„Skorpione! Ja bei Kane, sie sind wahrlich würdig diesen Titel zu tragen! Im Namen von
Kane haben sie die härteste Ausbildung durchlaufen, kämpften gegen Verräter in der
Bruderschaft. Schon wenige Tage nach Beginn ihrer Ausbildung trugen sie zu Siegen über die
Verräter und Lügner bei. Sie sind die Besten und sie dienen unserer Sache. Kanes Wille ist
mit uns meine Brüder. Diese Skorpione werden nun zu richtigen Soldaten befördert. In
meinen Augen sind sie bereits mehr. Sie sind die Elite! Sie sind Kanes Hand. Sie dienen
einem Ziel!

Eine Bruderschaft! Ein Wille! Eine Vision! Im Namen von Kane!“ Die letzten Worte
hämmerte Kasian regelrecht in die Kamera und die 20 Rekruten antworteten mit donnernden
Stimmen. „Kane lebt im Tode! Kane lebt im Tode! Kane lebt im Tode!“
Sander öffnete die Schatulle und Kasian griff hinein. Jeden einzelnen der Rekruten zeichnete
er mit dem roten Streifen aus. Durch diesen Streifen am Kragen ihrer schwarzen Uniform
wurden sie zu vollwertigen Soldaten der Bruderschaft. Die ganze Zeremonie wurde
aufgezeichnet und einige Stunden später in ganz Europa verbreitet.
1 Seite 139

Deutschland, Im Hauptquartier von Kasian
Kasian saß in seinem schwarzen Ledersessel und betrachtete die Wand die ihm gegenüber lag.
In die graue Betonwand war ein großes Fenster eingelassen. Es gewährte einen guten
Ausblick auf die Höhle. Seine Höhle. Das Hauptquartier der Koalition. Er richtete sich ein
wenig auf und nahm einen Stein von seinem Schreibtisch. Die Glas-Keramik Beschichtung
schimmerte rötlich im Licht der Schreibtischlampe. Kasian drehte den Stein in der Hand hin
und her. Der Stein stammte von den Ruinen des Tempels. Im Grunde war es eine Reliquie der
Bruderschaft. Viele getreue Anhänger hatte es das Leben gekostet diesen kleinen Stein aus
der Abschirmungszone bei Sarajevo zu schmuggeln.

Kasian schüttelte den Kopf. Hätte er den Befehl zu jener Zeit gehabt, wären diese Leute nicht
gestorben. Für so ein Souvenir riskierte er nicht das Leben seiner Leute. Aber Wulf hatte es
getan. Kasian hatte er nach einer gründlichen Durchsuchung der Datenbanken im Berg von
Wulf davon erfahren. Kasian legte den Stein zurück und stand auf.

Aber auch er hatte solche Aktionen gestartet. Die Tafeln von NOD waren sein Makel. Er hatte
damals in Kairo einigen seiner Männer befohlen sie unter allen Umständen zu erbeuten. Mit
dieser Last musste er wohl leben. Nicht, dass er ein schlechtes Gewissen haben würde. Es war
notwendig, da war er sich sicher. Die Tafeln würden die Bruderschaft vereinen. Auch hatte er
kein schlechtes Gewissen, den Berg von Wulf mittels Giftgases zu erobern. Nur ab und zu
quälten ihn des Nachts Träume, die ihn daran erinnerten. Kasian seufzte und aktivierte ein
Display. Leise murmelte er: „Aber es war notwendig und nur ich konnte es tun.“

Hassan hieb auf den Aus-Knopf und der Bildschirm wurde schwarz. Er ballte seine Hände bis
die Fingerknöchel weiß hervortraten. Wieder hatte es Kasian sehr gut verstanden, die
geheimen NOD Sender für sich zu benutzen. Nur selten wurden darüber wirkliche NOD
Sendungen ausgestrahlt und dann auch nur verschlüsselt. Man konnte es sich nicht leisten sich
zu offen zu zeigen, aber das würde sich bald ändern. Die Macht der wenigen verbliebenen
Splittergruppen wuchs.

Die Rede von Kasian war perfekt gewesen. Schon jetzt konnte Hassan sich ausmalen, welche
Wirkung solch eine gut ausgefeilte Rede auf die Moral seiner Truppen wirken würde.
Sicherlich hatte dessen Adjutant Sander die Rede verfasst oder zumindest überarbeitet, denn
Sander schien ein äußerst befähigter Mann zu sein. Bisher hatte Hassan keinen solchen
Adjutanten gefunden. Nur einmal hatte es ein Adjutant geschafft ihn wirklich zu Frieden zu
stellen.

Hassan schüttelte enttäuscht den Kopf. Es war wirklich ein Jammer um Mu-Berek. Seine
Fehler bei der Suche nach den Tafeln von NOD hatten dazu geführt, dass er bestraft werden
musste. Nun war er wieder ein einfacher Feld Commander in den Truppen. Hassan hatte ihm
die Hand abgeschlagen und ihm damit regelrecht vergeben. Andere Adjutanten hatten stets
mit dem Leben bezahlt.

Hassan ging auf seinen Taktik-Tisch zu und betrachtete die Karte. Er beschloss Mu-Berek
eine zweite Chance zu geben und gab ihm über das Cabal-Net den Befehl, das Kommando
über den Irak Feldzug zu übernehmen. Hassan lächelte verschlagen und betrachtete weiter die
Karte. Seine Gegner waren fast alle ausgeschaltet. Nur die Wenigsten wagten es gegen ihn zu
agieren. Es würde nicht mehr lange dauern, dann konnte er sich wieder gegen die GDI stellen.
Lange hatten sie ihn benutzt, aber er hatte immer seine eigenen Ziele verfolgt. Er würde die
GDI vertreiben und über die Welt herrschen.

Langsam umkreiste er den Tisch und betrachtete die taktische Situation aus allen
Blickwinkeln. Der Einmarsch im Irak war gewagt gewesen, aber bei Kane, es würde klappen.
Wenn Mu-Berek seine Arbeit gründlich machte, würden in vier Wochen die Besahi aus der
Region vertrieben sein. Hassan rieb sich das unrasierte Kinn. Rasieren war auch eine Sache,
welche er in den letzten Tagen vernachlässigt hatte, aber dieser Feldzug war wichtig. Der Iran Seite 140
unterstand seinem Handlanger, dort war alles ruhig. Seine offizielle Organisation, die
Association lenkte im Grunde auch den Irak, die Regierung dort war auch unter seiner
Kontrolle, aber dann hatte sich viele Unterkommandeure plötzlich zu den Besahi bekannt. Es
war lange geplant gewesen und so war im die Kontrolle über das Land entglitten. Seine
Handlanger in der Hauptstadt hielten immer noch die Stellung. Dank einigen Elitetruppen
waren wichtige Städte und Regionen noch in seiner Hand, aber die Bevölkerung lehnte sich
auf und unterstütze die Besahi. Er hoffte, mit seinem Feldzug nicht zuviel Aufmerksamkeit
auf sich zu ziehen. Nicht, dass dieser aufgeblasene GDI General sich doch noch für einen
kleinen Befriedungsfeldzug entschied.

Hassan rieb sich nochmals das Kinn und beschloss, sich zu rasieren bevor er weiter machte.
Die Motoren des leichten Kampfpanzers heulten auf und sie flogen regelrecht über die Ebene.
Der M1A3-N war zwar nicht mehr der beste Panzer auf dem Markt, aber in ihrer Lage waren
solche Panzer wie ein Goldschatz. Ihre Lage war nicht gut, da waren sich alle einig. Erst vor
wenigen Tagen hatte der geheimnisvolle neue Commander den Oberbefehl über die NOD
Besahi übernommen und gleich die gesamte Struktur der Truppe umgestaltet. Einige alte
Hasen behaupteten, man würde wieder in Kampfgruppen aufgestellt wie zu Zeiten Kanes.
Wie schnell sich doch Gerüchte und Geschichten verbreiten können, dachte Faisal und
schaute auf seinen Datenblock. Er rief die aktuelle Lage ab.

Für den heutigen Tage hatten sie sich nicht schlecht geschlagen. Nach den verlustreichen
Rückzugsgefechten der letzten Wochen hatten sie nun das erste Mal ihre Stellungen halten
können. Ob dieser Erfolg an dem Kommandowechsel lag, wusste er nicht. Er hatte nur das
Kommando über diesen einen altersschwachen Panzer. Bevor Hassan mit seiner Offensive auf
das Territorium der Besahi begonnen hatte, war er Teil einer kleinen Einheit aus PanzerErsatzkräften gewesen. Eine Reserveeinheit in der frische Rekruten an älteren Modellen
ausgebildet wurden. Zu dieser Zeit hatte man sich noch so etwas wie eine Ausbildung leisten
können. Die schweren Gefechte an den Grenzen und gegen die Elitetruppen waren meist
erfolgreich und Nachschub konnte geruhsam herangeführt werden. Genau in dieser Zeit hatte
er seine theoretische Prüfung bestanden und war zu jener Reserve- und Ausbildungseinheit
versetzt worden.

Kaum zwei Wochen nach Beginn seiner praktischen Ausbildung waren sie als Reserve an die
Front beordert worden. Dort sollten sie einen Versorgungsstützpunkt im Hinterland sicher.
Die Offensive Hassans hatte gerade begonnen und die Front lag etwa 60 Kilometer vor AlAmarah. Niemand machte sich wirklich Sorgen um die feindlichen Einheiten, aber man hatte
auch nicht mit so einem massiven Angriff gerechnet. Laut Faisals Daten waren die befestigten
Stellungen an der Grenze direkt nach Beginn der offenen Kampfhandlungen durchbrochen
worden. Das Oberkommando hatte es nicht für nötig gehalten, sie zu benachrichtigen. Am
nächsten Morgen stand eine komplettes Panzerregiment vor ihrer Stellung bei Al-Halfáyah
und nahm sie unter Feuer. Im Grunde hatten sie dabei noch Glück gehabt, denn Al-Halfáyah
war von Südosten durch ein Moor geschützt. Zwar gab es dort wenig wirkliche Wasserläufe,
aber der unbeständige Boden hatte ein weiteres Regiment feindlicher Panzer aufgehalten.
Faisal fand, dass sie sich gut geschlagen hatten. Gegen einen überraschenden Angriff eines
ganzen Panzerregimentes im Morgengrauen, hatten sie allerdings nicht viel entgegen zu
setzen. Zwar zerlegten sie einige Panzer des Feindes, aber dann hatte sich die überlebenden
Truppen zurückziehen müssen. Nach kurzer Zeit war der geordnete Rückzug
auseinandergefallen. Der Volltreffer auf den Panzer des Kommandanten hatte ihr übriges
getan.

Faisal hatte sich mit zwei weiteren Panzern in Richtung Jurayt zurückgezogen. Er selbst hatte
das Kommando übernommen, da er der Dienstälteste war, was als Rekrut in der sechsten
Woche aber nicht viel hieß. Seite 141

Die feindlichen Truppen hatten bei Al-Halfáyah halt gemacht um nachgetankt zu werden und
Munition zu fassen. Die zum größten Teil unversehrten Depots, welche Faisals Panzerverband
hatte bewachen sollen, war ihnen dabei von großen Nutzen. Allein diese Tatsache ärgerte
Faisal schon ungemein. Auf dem Rückzug hätte er eine Salve auf die Treibstoffsilos abfeuern
sollen, aber in diesem Moment war er darauf leider nicht gekommen. Ihre Flucht war mehr als
Kopflos gewesen. Auf halben Weg hatten sich die kleine Dreiergruppe getrennt. Faisal hatte
dem leichten Schützenpanzer vom Typ Marder 1A3-N befohlen, zurück zu bleiben und die
feindlichen Bewegungen zu beobachten. Vom Oberkommando war nichts zu hören, wie sich
schnell herausstellte. Keine Antwort auf die Anfragen der beiden Panzer, welche sich weiter
zurück zogen. Als sie in der kleinen Stadt Jurayt ankamen, war die örtliche Basis nicht in
Alarmbereitschaft. Sie wussten schlicht nichts über eine richtig große Offensive. Das
Oberkommando hatte sich nicht gemeldet. Der Basiskommandant war aus allen Wolken
gefallen als die zwei verschrammten Panzer in den Ort einrollten. Nach kurzem Lagebericht
hatte auch er versucht das Oberkommando zu erreichen, kam aber nicht durch. Faisal hatte
einen der Panzer abgestellt, um der Infanterie der Stadt Rückendeckung zu geben. Der
Basiskommandant hatte sofort damit begonnen die Stadt für einen Angriff vorzubereiten.
Immerhin würde dieser Ort nicht überrascht werden, hatte sich Faisal gedacht und seinen
Fahrer angewiesen, mit Vollgas nach Al-Amarah zu fahren. Die dortigen Truppen mussten
genauso ahnungslos sein und da die Kommunikation fast total zusammengebrochen zu sein
schien, musste jemand dorthin. Die Strecke war weit, aber nachdem sie den Panzer aufgetankt
hatten, glaubte Faisal es schaffen zu können.

Er irrte sich. Schon von Weitem sah er dicke Rauchschwaden aus dem Tal aufsteigen. Das
feindliche Panzerregiment hatte bereits die halbe Stadt eingenommen. Nur der Tigris, welcher
die Stadt teilte hielt sie noch davon ab, auch den Rest der Stadt einzunehmen. Offensichtlich
hatte der Kommandant der Basis geistesgegenwärtig die Brücken der Stadt sprengen lassen.
Zumindest sah es danach aus, als Faisal die Schlacht um die Stadt von einem Hügel
beobachtete. Sein Fernglas zeigte einen Panzerverband, welcher aus dem eroberten Viertel
kam und auf eine Brücke außerhalb der Stadt zuhielt. An jener Brücke gruben sich eilig zwei
Schützenpanzer ein und einige Infanteristen legten offensichtlich Minen. Dieser Schauplatz
war nur eine Facette bei dieser großen Schlacht gewesen, aber Faisal hatte die Gefahr erkannt,
sollte diese Brücke in die Hände des Feindes fallen. Die Verteidiger hatten vermutlich keinen
Sprengstoff mehr, aber Faisals Panzer hatte genügend Feuerkraft um die Brücke zum Einsturz
zu bringen. Die zwei Schützenpanzer hätten das in der kurzen Zeit nicht erreichen können.
Sie waren genau richtig gekommen und sahen die feindlichen Panzer auf die Brücke zurollen.
Die Schützenpanzer wehrten sich verzweifelt, hielten aber nicht lange stand. Nur vier
feindliche Panzer waren durch Beschuss und die schwachen Minen zerstört worden. Faisal
hatte sofort das Feuer auf die Brücke eröffnet und einen der Pfeiler zum Einknicken gebracht.
Der erste feindliche Panzer wagte sich trotzdem auf die Brücke. Aber diese hatte der
Belastung nicht mehr Stand gehalten und war unter ihm zusammen gebrochen. Ein kleiner
Erfolg, welcher aber nicht viel bewirkt hatte, wie Faisal nun im nachhinein feststellte. Nach
diesem kleinen Erfolg hatten sie sich weiter zurückgezogen und bei Suwaylim mit einigen
überlebenden Verteidigern getroffen. Der kleine Ort, etwa 5 Kilometer von Al-Amarah
entfernt, entwickelte sich schnell zum Sammelpunkt für den Rückzug. Gegen Abend stand
fest, Al-Amarah war gefallen. Aber immerhin hatte sich das Oberkommando wieder
gemeldet. Ein neuer Mann hatte das Kommando und hatte den sofortigen Rückzug für eine
Neuformierung befohlen. Am nächsten Morgen waren sie zu verschiedenen Sammelpunkten
aufgebrochen. Nur eine Rumpfmannschaft blieb zur Verteidigung von Suwaylim zurück.
Der Sammelpunkt für die restlichen Panzerverbände war zehn Kilometer hinter Suwaylim
gewesen. Ein kleiner Ort namens Mizhán diente als Kommandoposten. Dort waren die Seite 142
wenigen Panzer dann neuen Gruppen zugewiesen worden. In den folgenden Tagen hatten sie
hart um jeden Meter gekämpft, aber die Truppen von Hassan waren in der Übermacht.
Sie rumpelten über einen Graben und das riss Faisal aus einen Gedanken. Sie befanden sich
30 Kilometer hinter Al-Amarah. Suwaylim war gestern Nacht nach schweren Kämpfen
gefallen. Die Front verlief nun an den Ufern des Tigris. Aber nur hier hatten es Hassans
Truppen bisher geschafft über den Fluss zu kommen. Zum Glück war es bisher gelungen, die
feindlichen Verbände im Norden aufzuhalten. Dort verlief die Front noch nicht am Tigris,
aber das war auch gut so, denn sollten es Hassans Truppen schaffen, den Kessel um Bagdad
zu sprengen, würden die regierungstreuen Elitetruppen aus ihren Löchern kriechen und
ebenfalls wieder angreifen. Zur Zeit verschanzten sie sich nur noch in der Hauptstadt und
hielten so die Marionettenregierung Hassans an der Macht. Bisher war es nicht, geglückt die
Stadt zu erobern, aber derzeit hatten sie auch andere Probleme.
Das Hinterland von Al-Amarah musste unter allen Umständen gehalten werden. Der Feind
massierte nun bei Suwaylim seine Panzerverbände. Sollte es Hassan schaffen, hier weiter
vorzurücken, konnte es böse ausgehen, für die Besahi.

N-TV – 21 Uhr – „Das Thema“
„Willkommen zum Thema am Abend, meine Damen und Herren. Unser erster Bericht kommt
aus dem Irak. Vor fast 30 Jahren wurde das Land von den Überresten der Bruderschaft von
NOD gesäubert. Doch die neue Regierung schafft es nicht dem Land Frieden zu bringen.
Immer wieder erhalten wir Berichte von Aufständen und Gefechten mit unbekannten
Rebellengruppen. Nach Gerüchten sollen viele dieser Rebellen ehemalige Anhänger der
Bruderschaft von NOD sein. Nun ist dieser Konflikt entgültig eskaliert. Die Regierung des
Iraks hat den Beitritt zum Bund der arabischen und afrikanischen Staaten nochmals bestätigt.
Schon länger gehört der Irak trotz Proteste in der Bevölkerung zu diesem Staatenbund. Nun
hat die irakische Regierung die Association um Hilfe bei den Aufständen gebeten.
Landesweite Ausschreitungen und Angriffe der Rebellen im großen Stil waren die Folge.
Während der Bund der arabischen und afrikanischen Staaten, die Association, ihre Kontrolle
auf den Irak ausweitet, versuchen kleine Gruppen von Rebellen gegen diese vorzugehen. Zur
Stunde marschieren Truppen der Association im Irak ein. Zwei Panzer Brigaden befinden sich
laut Berichten eines Reporters bereits kurz vor Bagdad.
Die Bevölkerung steht diesem Kampf gespalten gegenüber. Zum einen alte Treue zu den
Rebellen, welche vermutlich aus der Bruderschaft hervorgingen, zum anderen der Wunsch
nach Frieden, welche die Association verspricht, scheinen die Bevölkerung zu spalten. Doch
die Beteiligung von NOD Anhängern wirft neue Fragen auf. Ist dies ein Kampf zwischen den
immer noch vorhandenen Splittergruppen der einstigen Bruderschaft?
Ihre Existenz ist bewiesen. Kämpfe in Portugal zwischen zwei NOD Splittergruppen
bestätigten dies unlängst. Ist der irakische Bürgerkrieg also nur ein Stellvertreterkrieg?
Die Pressesprecherin der GDI, Samantha Garden dementierte dies vehement. Die GDI sehe in
diesem Konflikt ein regionales Problem und überlässt es der irakischen Regierung, die Lage
zu entschärfen. Zwar verurteile man jegliche Kampfhandlungen, aber man wolle sich nicht
ohne ausdrücklichen Wunsch der irakischen Regierung einmischen.

Eine andere Quelle lies verlauten, dass der GDI auch gar kein anderes Statement übrig blieb.
Die Truppenstärke im nahen Osten ließe eine Intervention derzeit nicht zu. Das Tiberium
Problem laste die GDI völlig aus.“
„Wir halten Sie natürlich auf dem Laufenden über dieses brisante Thema. Bleiben sie dran.
Nach der Werbung berichten wir über vermehrte Kampfhandlungen an der östlichen Küste
des schwarzen Meeres.“ Seite 143
2
Ächzend kam Gregor auf die Beine und wischte sich einen Klumpen Schlamm aus dem
Gesicht. Der letzte Einschlag war verdammt nah gewesen. Im Stillen verfluchte Gregor seinen
Vater. Warum hatte er nicht einfach alle Splittergruppen überzeugen können. Aber nein,
natürlich waren einige sogenannte Hochgeneräle oder was für irrsinnige Namen sie sich sonst
gegeben hatten, gegen die Einheit der Bruderschaft. Natürlich, dies hätte eine Schmälerung
ihrer Macht bedeutet.

Wieder schlug eine Granate bei Gregors Schützengraben ein und er musste sich in den Dreck
werfen um Splittern zu entgehen. Ein Mörser auf ihrer Seite antwortete, schien aber ebenfalls
nur Schlamm und Dreck aufzuwirbeln, denn der Gegner feuerte weiter.
Gregor schüttelte den Kopf. Die Koalition seines Vaters hatte ganz Osteuropa als Verbündete
gewonnen, aber je weiter man nach Osten vorstieß, desto schwieriger war es, die Leute zu
überzeugen. Nun war man an einen Punkt gekommen, an dem Überzeugungskraft nicht mehr
zu helfen schien. Gregor legte sein Impulsgewehr an und gab eine Salve auf die Feindlichen
Stellungen am anderen Ende der Ebene ab. „So wird das nichts!“ murmelte er und lief
geduckt zum provisorischen Kommandoposten dieses Abschnittes. Die GDI kümmerte sich
derzeit nicht um diese Region. Nein besser gesagt, ihnen war das ganze Land hier scheißegal.
Hier gab es nicht mal Tiberium, also auch kein Problem für die GDI. Mehr tat sie zum Glück
nicht mehr. Antiterror Einsätze gab es nur in den sogenannten zivilisierten westlichen
Ländern. Wenn es hier Kämpfe gab, wurden sie meist als Bürgerkriege deklariert. Trotzdem
würde ein ausufernder Stellungskrieg, wie er hier gerade entstand, wohl das Objektiv des
einen oder anderen Satelliten auf sich ziehen. „Mal sehn, was der Feldhauptmann dazu sagt,“
murmelte Gregor und betrat das große Loch, welches als Kommadoposten diente. Einst war
das hier ein einsames Jägerhäuschen gewesen, aber nun standen nur noch die Kellerwände.
Lehm und Dreck klebte überall, dennoch hatte sich der Feldhauptmann hier eingerichtet. Zwei
dicke Betonplatten hatte man über die Kellerdecke in die Ruinen gelegt. Laut einiger Soldaten
war es eine verdammte Plackerei gewesen, bis ein völlig veralteter Kran und zehn Mann die
Betonplatten verlegt hatten. Große Haufen Sandsäcke sicherten die Kellerfenster. Einem
direkten Treffer würde es wohl standhalten, aber ab dann sollte sich keiner mehr hier
aufhalten, dachte Gregor. Seiner Meinung nach war dieser Kommandoposten eh zu auffällig.
Wer verlegt schon Betonplatten zum Spaß mit einem Kran. Natürlich, die Front lag noch ein
gutes Stück weiter, aber sollte der Feind die Mittel besitzen und ein größeres Geschütz
aufstellen, dürfte dies hier sein erstes Ziel werden. Vielleicht war es wirklich gut, sich hier
nicht lange aufzuhalten.

Der Feldhauptmann beugte sich über den Kartentisch. Auf ihr konnte man die Situation gut
erkennen. Bisher waren sie zügig voran gekommen. Nur eine Splittergruppe hatte sie etwas
aufgehalten, aber sonst war man auf wenig Widerstand gestoßen. Und bei Kane, die
Bevölkerung hatte sie meist als Befreier gefeiert, denn die Machthaber, ob NOD Anhänger
oder nicht, waren allesamt Tyrannen gewesen. So hatten sie die Krim befreit, waren als
gefeierte Helden in Sevastopol einmarschiert, aber ab dort war es hart geworden. Sie waren
über die Krimhalbinsel, am schwarzen Meer entlang weiter vorgestoßen. Aber ab Anapa,
einer kleinen Hafenstadt, war man auf eine gar nicht bekannte Splittergruppe von NOD
gestoßen. Die Bevölkerung war dem Gegner nicht unbedingt loyal, aber sie fürchteten sie und
so kam man schwer voran. Das Oberkommando hatte sich in Anapa eingerichtet und das Ziel
dieses Feldzuges festgesetzt. Etwa 65 Kilometer weiter lag die Stadt Novorossijsk, das
Zentrum der Splittergruppe. Die Stadt besaß ebenfalls einen Hafen und hatte einen gewissen
Stellenwert in dieser Region. So etwas wie eine Regionalhauptstadt, könnte man sagen. Nur
eine große Straße führte zu dieser Stadt. Enge Gebirgspässe und ebenso enge Straßen
behinderten den Vormarsch. Nun steckten sie etwa 30 Kilometer vor Novorossijsk in einer Seite 144
Ebene fest. Vor ihnen, 6 Kilometer weiter lag die Stadt Niznebakarskij. Sollte sie diese Stadt
erobern, wäre der halbe Weg nach Novorossijsk geschafft. Aber der Gegner hatte sich
eingegraben und es schien wenig Möglichkeiten zu geben, durchzubrechen. Das Tal war hier
eng und die kleine Ebene war übersät von Gräben und Bunkern. Sogar einige Panzersperren
waren vom Feind errichtet worden.
Gregor trat an den Tisch und salutierte. „Sir?“ Der Feldhauptmann sah auf und nickte. „Was
gibt’s Panterre?“ Gregor wischte sich seine schmierigen Hände an seiner Uniform ab. „Sir,
der Gegner belegt uns zur Zeit mit Dauerfeuer und wir haben nur zwei Mörser. Wir kommen
nicht voran, wenn uns nicht ein paar Panzer abgestellt werden.“
Das Gesicht des Feldhauptmanns spannte sich an. „Sagen sie das nicht mir, sondern dem
Oberkommando in Anapa. Die Panzerkräfte sind angeblich weiter nördlich bei Kievskoe
gebunden. So bald wie möglich werden sie versuchen uns von Norden her zu entlasten. Das
sagte man mir zumindest.“ Gregor runzelte die Stirn. „Kievskoe? Sir das ist aber noch ein
ganzes Stück. Bis dahin haben die uns zu Klump geschossen.“ Der Feldhauptmann nickt nur
und deutete auf die Karte. „Nehmen sie sich ihr hochgelobtes Team und versuchen sie die
Stellungen zu umgehen. Die können gar nicht so viele Leute haben um die ganze Strecke von
hier bis zur Küste ab zu decken. Irgendwo müssen die Lücken haben. Wenn sie da durch sind,
möchte ich, dass sie die Versorgungsstraße nach Novorossijsk angreifen und so ihren
Nachschub binden. Ein paar Minen auf der Straße und die haben bald nichts mehr womit sie
schießen können. Dann können sie ja mal versuchen etwas Verwirrung in Niznebakarskij zu
stiften. Ein paar Depots sprengen und so weiter. Sie wissen was ich meine. Das sollte auch
einige Entlastung bringen und das Ganze auch leichter für unsere Panzer machen.“ Gregor
betrachtete die Karte, dann seinen Datenblock und glich in Gedanken die Daten ab. Dann
nickte er langsam. „Wird erledigt, Sir.“ Er salutierte und stampfte aus dem Keller.

CNN Special: „Der neue Bürgerkrieg im Irak“
„Guten Abend meine Damen und Herren. Wir werden in der kommenden Stunde über die
aktuellen Ereignisse im Irak berichten. Im Anschluss an den Bericht werden wir die
Gelegenheit haben mit General Solomon, Oberbefehlshaber der GDI Streitkräfte zu sprechen.
Doch zuerst eine kurze Zusammenfassung der letzten Ereignisse.“
Brett Grown, exklusiv aus Kuwait.

„Es sind fast 30 Jahre vergangen seit die Bruderschaft hier ihren Feldzug begann, doch noch
immer bestimmen Kriege und Aufstände das Bild. Nach der Niederlage der Bruderschaft von
NOD schlossen sich eine große Anzahl von arabischen und afrikanischen Ländern, welche
unter dem Regime der Bruderschaft gelitten hatten zu einem Staatenbund zusammen. Die
sogenannte Association.

Allerdings kann man diesen Bund als sehr aggressiv bezeichnen. Immer wieder rügte die GDI
ihr Vorgehen. Nun ist es wieder zu solch einem Konflikt gekommen. Auch die irakische
Regierung hat vor einigen Monaten einem Beitritt zur Association zugestimmt. Dies geschah
gegen den Willen der Bevölkerung und unter dem ständigen Druck der sogenannten Garde,
einer Elitetruppe der Regierung. Dennoch kam es nach dieser Entscheidung zum offenen
Aufstand. Die Lage wurden in den letzten Wochen immer schlechter für die
Regierungstruppen. Rebellen kontrollieren die meisten Ölfelder und haben angeblich damit
begonnen die Hauptstadt Bagdad einzukesseln. Aus diesem Grund hat nun die irakische
Regierung um militärische Hilfe der Association gebeten. In dieser Stunde stehen mehrere
Panzerbrigaden der Association am Tigris. Die Gefechte sollen sich um die Großstadt AlAmarah konzentrieren. Detaillierte Angaben über die Geschehnisse sind wegen der
Nachrichtensperre nicht zu bekommen. Keine Partei lässt Reporter Kampfeinheiten begleiten. Seite 145
Die GDI greift derweil nicht ein. Einzige Reaktion war eine Protestnote und die Forderung die
Konflikte friedlich zu lösen. Aus Fachkreisen ist diese Reaktion nicht überraschend.
Angeblich hat die GDI für eine Intervention im Irak nicht die nötigen Truppen. Die wenigen
Stützpunkte im Nahen Osten konzentrieren sich im Moment voll auf die Bekämpfung des
Tiberiums. Einige Gerüchte lassen verlauten, dass die Kämpfe in der Region immer noch von
NOD Splittergruppen angezettelt werden. Der Wahrheitsgehalt dieser Meldung wird
allerdings bezweifelt. Wir halten Sie auf dem laufenden. Das war Brett Grown für CNN.“
„Wir haben nun im Anschluss an die Kurznachrichten die Gelegenheit mit General
Solomon zu sprechen. Bleiben Sie also bei uns!“
„Hier ist Kent Greens von der Raumstation Philadelphia, dem GDI Hauptquartier. Neben mir
sitzt General Solomon, Oberbefehlshaber der GDI Streitkräfte.“
Kent: „General, die GDI ist die größte Organisation der Welt und seit ihrer Loslösung vom
UN-Sicherheitsrat wohl auch die Mächtigste. Ist dies keine Gefahr?“
Solomon: „Es wäre eine Gefahr wenn die GDI ein Regime begründen würde, aber wir halten
uns strikt an Regeln. Wir sichern den Frieden soweit möglich und versuchen der
Tiberiumbedrohung zu begegnen. Zu unserer Löslösung von der UNO möchte ich anmerken,
dass dies der Beschluss des Rates selbst war um uns effizienter zu machen. Wir legen immer
noch Rechenschaft ab und begründen jeden unserer Einsätze.“
Kent: „Die Finanzierung der Streitkräfte obliegt weites gehend ihnen?“
Solomon: „Ja, das Tiberium hat uns eine Einnahmequelle eröffnet und so können wir weitaus
besser Problemen begegnen, da wir nicht auf Gelder einzelner Staaten angewiesen sind.“
Kent: „Kommen wir zu unserem aktuellen Thema, General. Was geht im Irak vor sich?“
Solomon: „Im Grunde ist es ein Bürgerkrieg. Zwei Parteien des Landes versuchen die Macht
an sich zu reißen und die Ölvorkommen zu kontrollieren. Wir wissen schließlich alle wie
wertvoll sie für die Weltwirtschaft sind.“

Kent: „Aber die Association greift inzwischen in diesen Konflikt offen ein. Schwere
Verbände kämpfen laut einigen Berichten im Irak. Ist dies nicht mehr ein Stellvertreterkrieg?“
Solomon: „Stellvertreter von wem? Mag sein das die Association eine Partei unterstützt, aber
es ist immer noch ein Bürgerkrieg.“

Kent: „Die Association ist eine geheimnisvolle Vereinigung. Niemand kennt ihren
Vorsitzenden und meist handeln sie sehr irrational. Können sie uns näheres sagen?“
Solomon: „Dieser Staatenbund gleicht in vielen Punkten der Europäischen Union. Ein
Staatenbund um wirtschaftliche Vorteile zu nutzen. Sie schützen ihren Vorsitzenden, da sie
Angst haben, dass es in diesen unruhigen Zeiten Anschläge geben könnte.“
Kent: „Ist es normal für einen Staatenbund welcher wirtschaftliche Einigkeit und Vorteile
anstrebt ihre Ziele im Bezug auf Ölressourcen mit Gewalt durchzusetzen?“
Solomon: „Ich möchte noch einmal betonen, der gegenwärtige Konflikt im Irak ist ein
Bürgerkrieg, kein Eroberungsfeldzug. Die kulturellen Unterschiede dieser Region sind im
Westen weitest gehend unbekannt. Religiöse Aspekte spielen hierbei ebenso eine Rolle wie
der Streit der Staaten um Trinkwasser.“

Kent: „Es gibt Gerüchte, dass der genannte Staatenbund eine Ansammlung treuer NOD
Staaten sei. Was sagt die GDI dazu?“ Seite 146
Solomon: „Dies ist absolut falsch. Die Bruderschaft von NOD besteht nicht mehr. Aber wie
es heute auch immer noch Nationalsozialisten gibt, so gibt es auch Anhänger dieser
Terrororganisation. In den letzten Jahrzehnten haben wir die größten Teile dieser Gruppen
ausgelöscht. Es gibt keine geschlossene Gruppierung mehr, nur noch kleine Splittergruppen
und diese haben keinen Einfluss auf Staaten.“
Kent: „Was werden sie aufgrund dieser Ereignisse tun?“
Solomon: „Zuerst werden wir versuchen zu vermitteln. Der diplomatische Weg muss immer
zuerst gegangen werden.“
Kent: „Aber viele Seiten fordern einen Einsatz der GDI? Wie schnell können wir damit
rechnen?“
Solomon: „Wir sind durch die von der UN verabschiedeten Weltordnungsresolution 3115
damit beauftragt, den Frieden zu sichern und wieder herzustellen falls er gefährdet ist. Auch
mit Waffengewalt. Dennoch werden wir in den nächsten Monaten sicherlich nicht im Irak
einmarschieren und dort mit Gewalt Frieden schaffen.“
Kent: „Liegt der Grund für dieses Zögern in der Unterbesetzung der GDI, von der man hört?“
Solomon: „Wir haben nicht mehr die Sollstärke wie gegen Ende des Tiberiumkrieges, das ist
wahr. Viele Soldaten aus dieser Zeit wurden in den Ruhestand entlassen, aber wir haben
erstklassige junge Nachfolger und sind daher für jedes Problem gerüstet.“
Kent: „Also werden sie auch das Problem mit dem Tiberium lösen?“
Solomon: „Das ist eine Frage an die Wissenschaft, ich bin ein Soldat.“
Kent: „Ich danke ihnen für die Einschätzung der Lage General Solomon.“
„Das war Kent Greens von der Raumstation Philadelphia, für CNN!“

Südlich von Al-Amarah
Die Sonne brannte gnadenlos auf die eingegrabenen Panzer nieder und marterte die
Mannschaften im Inneren der Fahrzeuge. Mu-Berek wischte sich mit einem inzwischen
grauen Tuch den Schweiß von der Stirn. Seine mechanische Hand surrte bei dieser Bewegung
leise und erinnerte ihn wieder an seine Bestrafung durch Hassan. Ihm war für das Versagen
bei dem Kommandounternehmen im Kongo die linke Hand abgeschlagen worden. Hassan
hatte die Bestrafung eigenhändig durchgeführt.

Das war noch nicht all zu lange her und nun übergab Hassan ihm wieder ein Kommando. Er
sollte den Feldzug im Irak leiten. Mu-Berek verzog das Gesicht säuerlich. Wie
außerordentlich freundlich von ihm. Es gab nur eine Option für ihn, den Sieg. Sollte er hier
abermals versagen, bedeutete dies seinen Tod, da war er sich sicher. Bis zum Tigris hatten
seine Panzerverbände ohne große Verluste vorstoßen können. Doch nun standen sie an den
östlichen Ufern des Tigris und fast alle Brücken waren gesprengt worden. Die
Pioniereinheiten waren spärlich gesät und mussten nun erst angefordert werden. Nur hier, bei
Al-Amarah war der Durchbruch gelungen, aber was hieß schon Durchbruch. Nun saßen sie
einige Kilometer hinter Al-Amarah fest. Der Gegner hatte offensichtlich gerade rechtzeitig
einige falsche Kommandeure ersetzen können und die neuen Befehlshaber schienen
wesentlich effektiver zu arbeiten. Gestern hatten zusammengewürfelte Verbände aus alten
Bradley und BMP-3 Panzern ihren Feldzug ins Stocken gebracht. Heute morgen hatten sie
sogar einen Gegenangriff gewagt und hatten Mu-Berek gezwungen in die Defensive zu gehen.
Sein Plan schnell nach Bagdad vorzustoßen war zunichte. Nun würde viel Blut im
Wüstensand versickern, bevor eine Seite diesen Kampf für sich entschieden haben würde. Seite 147
Wieder wischte er sich über die Stirn und blickte über die langen Reihen von Panzern. Es war
eine beachtliche Streitmacht aus BMP-3 Panzern, aber nun waren sie in die Defensive
gezwungen und hatten sich in den Sand verkrochen. Einige Spähpanzer fuhren zwischen den
Stellungen auf und ab und wirbelten eine Menge Staub auf. Mu-Berek lächelte und nickte.
Sollte der Gegner nur fürchten, er würde noch heute zu einem Angriff ansetzten, das würde
die Wachposten des Feindes ermüden. Mit einem leises Piepsen machte der Datenblock auf
sich aufmerksam. „Oh wie schön, ich habe Post,“ murmelte Mu-Berek und schaltete das
Display ein. Ein schlichter Text baute sich auf.

Bruderschaft von NOD: Hassan Association
Nachschubmeldung 413Mu-Berek-CABAL-EGYPT-X/2078/0312/7H
Ihrer Anfrage auf Lieferung der neuen Maulwurf-Panzer wird entsprochen. Der erste
bemannte Verband wird in einer Woche in ihren Kommandobereich eintreffen.
Der Verband besteht aus 25 Maulwurf-Panzer und 5 Versorgungsfahrzeugen. Zusätzlich
werden ihnen zwei Trupps Cyborgs zur Verfügung gestellt.
Hassan Association, Kairo
Mu-Berek lächelte zufrieden und blickte auf die feindlichen Linien hinter den Dünen. „Bald
schon,“ murmelte er, „bald werde ich in Bagdad sein!“
Eine Ebene südöstlich von Anapa
Gregor blickte von einem Hügel auf die Frontlinie hinab. Überall hoben ihre Truppen weitere
Schützengräben aus und befestigten Anhöhen. Man richtete sich auf einen Stellungskrieg ein.
Ab und zu schlug eine Granate auf einer Seite ein und die Soldaten antworteten aus ihren
Gräben mit einer oder zwei Salven aus ihren Gewehren. Er schüttelte den Kopf und dachte
kurz daran, was nur vier oder fünf Marder Panzer hier anrichten könnten. Die vereinzelten
Panzersperren würden sie nicht lange aufhalten und die Soldaten in den Gräben schon gar
nicht.

Gregor zog ein letztes mal an seiner Zigarette und warf sie dann in den Schlamm zu seinen
Füßen. Er atmete nach einigen Sekunden den inhalierten Rauch aus. Ein Krieg wie dieser war
geradezu prädestiniert um sich schlechte Angewohnheiten anzueignen dachte er und stampfte
den noch glühenden Zigarettenstummel mit den Stiefel tief in den Schlamm. Gregor drehte
sich um und kletterte den Hügel hinab. Es wurde Zeit sein Team zusammen zu suchen und
aufzubrechen.

In einem Depotzelt saßen Philipp, Samuel und Chris auf leeren Kisten und lauschten Gregors
Erklärungen. Er wies auf eine Karte, die er an einer großen Kiste befestigt hatte. „Tja, ich hab
ne tolle Neuigkeit für Euch. Unser holder Feldhauptmann hat uns befohlen, die feindlichen
Stellungen zu umgehen und die Versorgungsstraße zwischen Novorossijsk und
Niznebakarskij ein wenig zu verminen,“ sagte Gregor und lächelte. Samuel hob leicht den
Kopf. „Nett, wo wir doch so’ne ganze Kompanie dabei haben. Ist der noch ganz bei Trost?“
Gregors Grinsen wurde noch breiter. „Hab ich gesagt, dass ich fertig bin? Wir dürfen dann als
Bonbon noch nach Niznebakarskij und uns dort erholen. Sprengung einiger Depots
eingeschlossen.“ Phillip stöhnte auf und stand auf. „Ach, ich glaube ich bin morgen krank,“
bemerkte er trocken.

„Ich denke das wird dir nicht viel bringen mein Freund. In einer Stunde geht’s los. Also packt
Eure Sachen und nehmt anständig Minen und C-4 mit,“ sagte Gregor. Phillip blickte zu
Samuel und Chris, diese nickten nur, dann drehten sie sich um und hoben die Hand. „Sir?“
Gregor rollte die Augen. „Was?“ Phillip setzte ein Grinsen auf: „Sir, ich muss leider Seite 148
vermelden, dass die gesamte Truppe an plötzlichem Durchfall leidet.” Gregor lachte: „Oh
schön, dann brauchen wir gar keine Giftgasdrohnen mitnehmen.“ Die Drei grinsten und
verließen murmelnd und fluchend das Zelt. Gregor stellte sich vor die Karte und studierte
einige Details. Die kleinen Späße konnten nicht über die Gefahr hinweg täuschen. Dieser
Einsatz war mehr als gefährlich, im Grunde konnte es zu einem Selbstmordkommando
werden. Allein das Fehlen ihres Führungsoffiziers Terag war schon ein großes Manko. Nach
den Grundregeln für den Ausfall eines Offiziers, musste der älteste Soldat des Trupps das
Kommando übernehmen. In diesem Fall war das Gregor, was aber nicht viel bedeutete. Er
war gerade mal mit einigen Monaten mehr auf dem Buckel der Älteste. Im Stillen verfluchte
er seinen Vater und dessen Adjutanten Sander, für die Abkommandierung von Terag. Bei
diesem Einsatz und gerade in diesem Gelände wäre Terag wirklich das Beste gewesen was
ihnen hätte passieren konnte. Aber er war auf irgendeiner anderen Mission und erfüllte einen
Auftrag für seinen Vater. Na danke, dachte er und zündete sich eine Zigarette an. Das würde
seine Letzte für längere Zeit sein. Er war sich sicher, dass er im Feld keiner Zeit hatte, zu
rauchen. Vermutlich wäre das auch nicht sehr ratsam gewesen. Das glühen einer Zigarette
konnte man sehr weit sehen und auf so eine Gelegenheit warteten die feindlichen
Scharfschützen gerade zu. Erst gestern Nacht hatte das zwei Soldaten das Leben gekostet.
Samuel steckte ein zweites Magazin für sein M16 Impulsgewehr in den Gürtel und zog diesen
dann nochmals fest. „Ich glaube das wird hart werden,“ sagte er zu Chris und schaute
grimmig drein. Chris, als Funker der Truppe schob einen frischen Speicherchip in seinen
Datenblock und nickte stumm. Einige Zeit starrte er auf sein Display und betrachtete die
taktische Karte, dann schaute auf. „Das wird mehr als hart. Wir müssen weiter südlich eine
Lücke finden und über die Ebene kommen. Dann geht’s bergauf durch den Wald. Wird
bestimmt lustig, selbst wenn da nur einige wenige Patrouillen wären, aber ich glaub’ ja mehr,
dass wir auf richtig schöne Bunker und einen befestigen Bergkamm stoßen.“ Phillip packte
einige Minen in seinen Rucksack und kontrollierte noch einmal die Sicherungen der Zünder.
Dann zog er die Riemen des Rucksacks fest zusammen und warf ihn sich über die Schulter.
„Wo ist Gregor?“ fragte er dann. Chris steckte seinen Datenblock in eine spezielle Tasche an
seinem Kampfanzug und antwortete: „Der Herr Panterre holt gerade das C-4 für das
Feuerwerk.“ „Als Sohn von Kasian, sollte er einfach mal bei Daddy anrufen und ne
zusätzliche Division Panzer bestellen oder nicht?“ meinte Samuel. Phillip schaute säuerlich.
„Na seitdem er uns erzählt hat, wer sein Vater ist, sind solche Witze ja an der Tagesordnung.
Ich glaub leichter hatte er es bestimmt noch nicht. Eher das Gegenteil. Der einzige Sohn des
großen Kasian. Also darauf könnt ich verzichten.“ Samuel nickte. „Stimmt, war auch mehr
auf das hier bezogen. Schon seltsam, warum schickt Kasian seinen Sohn auf solche
Missionen?“ Phillip zuckte die Achseln. „Vielleicht will er einen gut ausgebildeten Soldaten
als seinen Sohn und nicht irgendein verhätscheltes Muttersöhnchen.“ „Das wird es wohl
sein,“ sagte Chris und rammte ein Magazin in sein Gewehr. „Wollen wir?“ Phillip verzog den
Mund. „Ooohh nichts lieber als das meine holde Maid.“ Chris grinste breit. „Sack!“
3

Südlich von Al-Amarah
Die Sonne war untergegangen und ein letzter warmer Wind trieb den Sand in Faisals Zelt. Der
vergangene Tag war mehr als ruhig gewesen. Die Linien hatten sich verhärtet und keine Seite
wagte es einen richtigen Durchbruch zu starten. Auf beiden Seiten standen
Panzerabwehrgeschütze bereit um einen Vorstoß abzuwehren, Panzer waren eingegraben und
die Infanterie begann Gräben auszuheben. Welche Ironie, die Kavallerie des 21. Jahrhunderts
eingegraben im Sand zu sehen, dachte Faisal und trat aus dem Zelt. Seite 149

Es war ungemein schnell gegangen, nachdem der neuen Commander den Oberbefehl über die
Besahi NOD übernommen hatten. Sie hatten den Feind sogar ein wenig zurücktreiben können
und dann die Stellung gehalten. Auch für Faisal selbst hatten die letzten Tage einige
Überraschung bereit gehalten. Nach seinem tapferen Vorgehen an der Tigris Brücke nahe AlAmarah hatte man ihn gleich befördert und das Kommando über einen Panzer gegeben. Faisal
war noch immer überrascht wie schnell seine Ausbildungszeit nach diesem Angriff von
Hassan zuende gegangen war. Er sah einige Meter weiter rechts eine Zigarette aufglühen und
nickte dem Wachposten zu. Es war Zeit für eine Einsatzbesprechung mit dem Feldhauptmann
dieses Abschnitts. Lange konnten sie so nicht eingegraben bleiben. Sicherlich hatte der Feind
bald die ersten schweren Geschütze an die Front verlegt und würde ihre Stellungen knacken
können. Schwere Geschütze war etwas, was sie an diesem Abschnitt zur Zeit nicht hatten. In
diesem Moment blitzte der Nachthimmel auf de Feindseite kurz auf, dann erreichte Faisals
Ohr das Donnern von einigen schweren Geschützen. Einen Kilometer weiter nördlich
schlugen mindestens vier große Granaten ein. Die Explosionen waren unter dem
Nachthimmel gut zu sehen und einige ausgebrochene Feuer beleuchteten die schwarzen
Rauchschwaden in einem unheimlichen Licht. Faisal fluchte laut und rannte zu dem
Kommandofahrzeug des Feldhauptmanns. Inzwischen wehte der Wind aus der Richtung, in
der die Granaten eingeschlagen waren. Der Geruch vom brennendem Plastik und Benzin
mischte sich mit schwachen Anzeichen von verbrannten Fleisch.

Faisal stieg in den Kommandowagen und salutierte kurz. „Sir, haben sie das gehört?“ Der
Feldhauptmann verzog sein Gesicht zu einer Grimasse. „War nicht zu überhören. Was dort
brennt ist der Kommandowagen von Abschnitt 4. Ich glaube wir wechseln jetzt die Position,
ich habe ein ungutes Gefühl.“ Mit diesem Worten klopfte er gegen die Trennwand, welche
zur Fahrerkabine führte. Kurz darauf bebte der Wagen leicht und setzte sich in Bewegung.
„Wollen sie nicht auf die anderen Panzerkommandanten warten, Sir?“ fragte Faisal. Der
Feldhauptmann schüttelte den Kopf. „Nein, ich brauche nur Sie!“ Faisal schluckte hart und
starrte den Feldhauptmann überrascht an. „Vor zwei Stunden hat ein Scharfschütze von
Hassan Leibgarde ihren Vorgesetzten erwischt. Ich weiß noch immer nicht wie sie so nah an
unsere Stellungen rangekommen sind, um ihn zu treffen. Er war nur kurz aus dem Zelt, da
hörten wir auch schon den Schuss. Nun, sie sind zwar erst befördert worden und noch sehr
grün, aber ich habe keine andere Wahl. An diesem Frontabschnitt haben sie mit ihrer Aktion
an der Brücke noch den meisten Schneid gezeigt.“ Er schüttelte den Kopf. „Verdammt Faisal,
wir haben an diesem Abschnitt nur noch ein Haufen Rekruten in alten Panzern. In zwei Tagen
hat uns der Feind zu Klump geschossen und rückt auf Bagdad.“
Faisal starrte immer noch den Feldhauptmann an, doch dann gelang es ihm wieder zu
sprechen. „Und was soll ich nun tun, Sir?“ Der Feldhauptmann rieb sich die Stirn und starrte
auf eine Karte an der Wand des Wagens. Ein leichtes Rumpeln erinnerte sie, dass sie immer
noch in Bewegung waren.

„Wir werden angreifen. Noch hat der Gegner keinen Nachschub erhalten. Es fehlt ihnen an
Munition und Benzin und außerdem warten sie auf neue Panzerverbände. Wenn wir sie jetzt
nach Suwaylim zurückdrängen können, haben wir bessere Karten. Wir könnten uns im Ort
eingraben, was uns wesentliche Vorteile bringen könnte.“ Faisal nickte: „Wann sollen wir
losschlagen?“

Der Feldhauptmann starrte noch einmal auf die Karte, dann runzelte er die Stirn. „Sie arbeiten
bis morgen früh um 0800 Uhr einen Angriffplan aus. Bringen sie ihn mir und wir sehen
weiter, richten sie sich aber auf die Abenddämmerung ein, da haben wir die Sonne im
Rücken, vielleicht bringt uns das einen kleinen Vorteil.“
Faisal schluckte sichtlich und salutierte knapp. „Sir, Ja, Sir!“
In den Bergen südwestlich von Niznebakarskij Seite 150
Der Wind war abgeflaut und es kehrte Stille ein. Alles lag da wie eingefroren. Nur ein
Schmetterling, der über die Waldwiese flatterte, zerstörte das Bild vom zeitlosen Wald.
Gregor schüttelte den Kopf und fragte sich woher er plötzlich so poetische Bilder nahm.
Vielleicht war es die Sehnsucht. Er dache oft an Dyszara und sein Versprechen sie aus dem
Palast von Hassan zu retten. Aber war er in sie verliebt, fragte er sich. Sicher wusste er es
nicht, aber er hatte zumindest das Gefühl sie zu vermissen und was viel wichtiger war, er
hatte ihr ein Versprechen gegeben. Irgendwie war er sich sicher, dieses Versprechen würde er
irgendwann einlösen können.

Erst jetzt begann er sich zu wundern, warum in diesem Wald keine Vögel sangen. Das letzte
Wäldchen das sie passiert hatten war voll von Federvieh gewesen, doch hier schien sich nichts
zu regen. In Zukunft musste er aufmerksamer sein, schalt sich Gregor, denn als
Gruppenführer hatte er Verantwortung. Mit diesem Gedanken hob er die Hand und lies seine
Kameraden anhalten. Eine weitere Handbewegung lies sie alle hinter ein paar Büschen in
Deckung gehen. Gregor flüsterte in sein im Helm eingebautes Mikrofon: „Chris wie weit sind
wir?“ Nach einer kurzen Pause kam die Antwort von seinem Funker, welcher auch am Besten
mit Karten umgehen konnte. Die taktischen Karten, welche die Truppe von den
Gefechtsrechnern hinter der Front geliefert bekam, waren oft sehr schwer zu lesen, so das
zumeist die Funker einen Zusatzkurs belegen mussten um sie zu verstehen. Gregor nahm sich
vor, seinen Vater darum zu bitten, wieder eine einfache Version in den Gefechtsdatenblock zu
implementieren. Auch einfache Soldaten sollten nach Hause finden dürfen, fand Gregor.
„Hmm wir sind jetzt etwa hundert Meter unter der Bergkuppe. Auf der anderen Seite des
Berges geht’s dann Richtung Versorgungsstraße. Wir können sie gar nicht verfehlen. Sie teilt
das Tal wie ein Band, wir sollten sie auf dem Berg oben sehen können,“ erläuterte Chris. „Ok
Chris. Leute was denkt ihr? Warum ist es hier so still?“ fragte Gregor seine Kameraden. „Also
wenn wir die Vögel oder anderes Viehzeug aufgescheucht hätten, wären die uns aufgefallen
denk ich,“ antwortete Samuel. Gregor nickte und lies seinen Blick durch den Wald schweifen.
„Also war hier vor kurzem jemand oder ist noch da.“ Er zog ein kleinen Fernglas aus der
einer Tasche am Gürtel und zoomte auf die etwas steileren Stellen weiter oben am Berg.
Nichts war zu sehen, trotzdem mussten sie jetzt erst recht auf der Hut sein. Mit zwei
Handgriffen hatte das kleine Fernglas wieder in der Gürteltasche verstaut und hob die Hand
zum Abmarsch. „Haltet ab jetzt die Augen offen!“ mahnte er seine Kameraden nochmals
eindringlich und begann geduckt aus seiner Deckung zu gleiten.

Sie kamen nun weitaus langsamer voran, da sie jeden möglichen Hinterhalt überprüften bevor
sie sich weiter wagten. Immer wieder suchte Gregor mit seinem Fernglas die Hänge des
Berges ab, aber nichts war zu sehen. Entweder hatten sie sich geirrt, was ihre Vermutung
anging, oder die Stellungen des Feindes waren verdammt gut versteckt.

Gregor wollte bereits das Fernglas absetzten und weiter marschieren, da sah er hinter einem
Felsen kaum fünfzehn Meter über ihnen eine kleine Rauchwolke aufsteigen. Er zoomte näher
an die kleine Rauchfahne heran und sah die linke Hälfte eines Kopfes am Rand des Felsens.
Er lächelte und bedeutete mit ein paar Handzeichen seinen Kameraden auch auf den Punkt zu
achten. „Ich sag’s ja immer wieder, rauchen gefährdet die Gesundheit,“ flüsterte Phillip, nach
dem auch er den rauchenden Feind entdeckt hatte. Gregor mahnte sie barsch: „Funkstille!“
Nun waren sie also doch auf feindliche Stellungen gestoßen, dachte Gregor und überdachte
die Lage. Solche Felsen gab es in gewissen Abständen den ganzen Hang entlang. Man musste
davon ausgehen, dass hinter jedem dieser Felsen ein kleiner Bunker oder zumindest ein
Schützengraben lag. Aber da der Feind hier offensichtlich keine richtige Verteidigungslinie
unterhielt und sich auf Posten verließ, konnten sie durchbrechen. Ein leiser Angriff auf einen
dieser Felsen konnte sie relativ unbemerkt durch die Linie bringen, dachte Gregor. Natürlich
würde es schnell auffallen, wenn sich ein Posten nicht mehr meldete, aber man konnte Seite 151
annehmen, dass hier die Protokolle relativ lasch eingehalten wurden. Immerhin gab es hier
keine Feindberührung. Bisher!

Leise flüsterte Gregor ein seinen Helm: „Wie viel Leute können da hinter dem Felsen sein?“
Chris versuchte es mit ein paar Sensoren an seinem Datenblock, schüttelte aber den Kopf als
Gregor sich zu ihm umdrehte. „Ich denke zwei Mann pro Posten ist das Maximum, „
vermutete Samuel. „Sie haben nicht die Leute um so unwichtiges und schwer zugängliches
Gelände zu schützen.“ Gregor nickte zustimmend. „Denke ich auch. Aber wie schalten wir sie
aus?“ Während er diese Frage stellte, bewegte sich der Kopf hinter dem Felsen und tauchte
nach einer Minute wieder auf. Ein neues Rauchwölkchen stieg empor. „Mini-TerrorDrohnen?“ fragte Phillip. Gregor überdachte diesen Vorschlag. Die neuen Mini-TerrorDrohnen waren eine neuer Typ der Drohnengattung, der auch Lausch- und Giftgasdrohnen
entstammten. Wie kleine Käfer schlichen sie sich an den Gegner heran. Die neuen TerrorDrohnen waren in zwei Kategorien unterteilt. Sprengdrohnen und die weitaus schrecklicheren
Attentatsdrohnen. In diesem Fall kamen keine Sprengdrohnen in Frage. Der Lärm wäre zu
groß gewesen. Also mussten sie auf die Attentatsdrohnen zurückgreifen. Kleine Käfer welche
sich an den Feind heranschleichen und ihn so anspringen dass sie zuerst die Kehle
zerfleischen, damit er nicht Alarm schlagen kann. Natürlich konnte der Feind seine Waffe
abfeuern, aber perfekte Waffen gab es eben nicht.

Also die Attentatsdrohnen, dachte Gregor und wurde sofort mit einem Problem konfrontiert.
Natürlich waren diese Neuentwicklungen sehr spärlich gesät. So hatte ihr Trupp auch nur eine
dieser technischen Wunderwerke dabei. Aber sie rechneten mit zwei Soldaten in der
feindlichen Stellung. Er biss sich auf die Lippe und erst nach einigen Sekunden gab er dann
die Befehle. „Samuel du schaltest den Raucher am Felsen mit deinem Gewehr aus. Das kann
Aufmerksamkeit auf uns lenken, aber wir haben keine Wahl. Chris du wirst die
Attentatsdrohne per Datalink steuern. Ich traue der automatisierten Steuerung nicht, da gab es
schon zuviel Unfälle. Ist die Reichweite ausreichend für den Datalink?“ Chris nickte. „Das
reicht noch, aber viel weiter kann ich die Drohne nicht steuern, dann verliere ich den
Kontakt.“ Gregor richtete seinen Blick nochmals auf die feindlichen Stellung. Alles schien
ruhig zu sein. Hoffentlich ahnten sie nichts, dachte Gregor und hob die Hand. „Ok. Bringt die
Drohne und Samuel ich möchte einen sauberen Schuss, möglichst zeitgleich mit dem
Drohnenangriff.“ Samuel murrte etwas von überzogenen Ansprüchen, ging aber in Stellung
und wartete das Ok von Chris ab.

Pawel hockte in seinem Unterstand und reinigte sein altes Gewehr. Es schien ihm ein
aussichtloser Versuch zu sein, das Gewehr in dieser Witterung funktionstüchtig zu halten. Es
wurde wirklich Zeit, dass auch ihr Abschnitt mit neuen Waffen ausgestattet wurden. Natürlich
war hier noch nie ein Feind aufgetaucht, aber der Führer ihres kleines aber dennoch
glorreichen Landes musste wissen, dass sie auch hier die neuen Waffen benötigten. Sicherlich
würden über kurz oder lang diese europäischen Aggressoren auch hier angreifen und dann
hatten sie nicht viel um sie abzuwehren.

Pawel zuckte die Achseln. Trotz der schlechten Ausrüstung würde der Gegner hier nicht
durchkommen. Der Bergkamm war bestens gesichert, wenn auch nicht voll besetzt. Trotz
seiner erst kurzen Laufbahn als Soldaten, man hatte ihn vor vier Monaten eingezogen, als der
Feind Nachbarstaaten erobert hatte, war er sich sicher, nur sie konnten gewinnen. Bisher lief
auch alles recht gut. Zwar hatten sie eine Niederlage bei Anapa einstecken müssen, aber das
war nur eine Schlacht gewesen. Nun steckte der Feind fest und bald würde das Volk diesen
Feind vertrieben haben. Pawel nahm den Lauf und reinigte ihn von Schmutz, der sich in
diesen schlammigen Löchern oft in die Gewehre verirrte. Seinen Vater verstand er immer
noch nicht. Zu oft hatte er davon gesprochen, wie schlecht es ihnen durch ihren Anführer ging
und das er nichts weiter als ein Diktator sei. Pawel hatte zuerst das geglaubt, was ihm sein
Vater erzählt hatte, aber in der Ausbildung hatte man ihnen die Taten des Präsidenten Seite 152
Asijenko gezeigt und daher glaubte er an ihre Republik. Ihr Präsident war ein Held, der mit
einer Hand voll Soldaten die Mafia und Banden aus dem Land vertrieben und dann eine neue
Republik ausgerufen hatte. Mit diesen Gedanken blickte er zum Himmel und auf das kleine
Stückchen Himmel, welches durch die Bäume zu sehen war. Der Rauch seines Kameraden
trübte den Blick ein wenig, aber nicht sehr. Sein Kamerad gab fast seinen halben Monatssold
für die Qualmerei aus, nur um sich zu entspannen. Pawel dagegen hatte sich vorgenommen zu
sparen. Vielleicht für später oder für den nächsten Urlaub in der Stadt. Dort gab es ein
Stadtviertel, welches den Wünschen der Soldaten in jeder Hinsicht entsprach. Er lächelte
versonnen, bei dem Gedanken an die Tänzerinnen in der Bar „Zum roten Morgen“ als ein
Zischen durch die Luft hallte. Sein Kamerad kippte von dem Stein, auf dem er zu rauchen
pflegte, herunter und fiel kopfüber in das Schützenloch. Wobei kopfüber vielleicht nicht der
richtige Ausdruck war, selbiger fehlte nämlich weitgehend. Pawel blickte erschrocken und
umklammerte die Einzelteile seines Gewehr. Ein seltsames leises Surren an seinem linken
Ohr lies ihn herumfahren und auf eine spinnenartige Konstruktion auf seiner Schulter
erblicken. Das war das Letzte was er sah, bevor ihn die Drohne ansprang und mit einem
kleinen, aber dennoch sehr effektiven Laser den Kopf abtrennte.
Gregor blickte verärgert zu Samuel. Doch dieser zuckte nur die Achseln und murmelte „Ups.“
Chris fluchte leise. „Mann, beinahe wäre das schief gegangen. Ich war noch nicht soweit! Die
Typen waren zum Glück nicht besonders schnell.“ Gregor nickte. „Trotzdem hätte erst die
Drohne zuschlagen sollen.“ „Mich hat ne Ameise gezwickt, da ist mir der Finger
abgerutscht,“ antwortete Samuel. „Na wunderbar. Ne’ Ameise,“ kommentierte Phillip und
schaute Gregor an. Dieser nickte und hob die Hand zum Vorrücken.

Südlich von Al-Amarah, 3 km hinter der Frontlinie
Faisal blickte auf die Karte und rieb sich die müden Augen. Einen Angriffsplan zu erarbeiten
war kompliziert und es musste jede Einzelheit, jede Eventualität bedacht werden. Faisal griff
nach seinem Glas und trank einen Schluck Tee. Der Tee erfrischte ihn wieder ein wenig und
im Gegensatz zu Kaffee machte er Faisal nicht nervös. Er konzentrierte sich wieder auf die
Karte und schob, in Gedanken, einzelne Panzergruppen wie Schachfiguren über das Feld. Im
Grunde war er der Meinung, solch eine große Aufgabe sollte jemand mit einer richtigen
Ausbildung ausführen, aber anscheinend gab es solche Leute nicht mehr, also musste er es
tun.
Nachdem er einige Dinge überdacht hatte, gab er seine neuen Parameter in den Computer ein
und lies eine Simulation laufen. Natürlich versuchte der Computer die Bewegungen des
Feindes vorherzusagen, aber was der feindliche Kommandant in Wirklichkeit tun würde,
stand in den Sternen. Der Computer errechnete eine Erfolgschance von 45 Prozent, dass die
Besetzung von Suwaylim gelang. Das war zwar besser als bei der letzten Berechnung, aber
mit Sicherheit kein Optimum. Faisal blickte auf die Karte, dann wieder auf den
Computerbildschirm. Bisher hatte er sein Augenmerk darauf gelegt, die feindlichen
Stellungen an der Front zu zerstören und jede Gegenwehr zu ersticken. Aber dies entsprach
nicht dem Einsatzziel, überlegte er und streckte seinen Zeigefinger aus und bohrte ihn über
Suwaylim in die Karte. Sollte ein Vorstoß in einem Sektor die Lösung sein, fragte er sich und
schob in Gedanken verschiedene Panzergruppen hin und her.
Wieder griff er nach seinem Tee und stellte fest, dass sowohl Glas als auch die kleine
blecherne Kanne leer waren. Also stand er ächzend auf und streckte sich einen Augenblick.
Faisal schaute auf die Uhr und stellte fest, dass er trotz der vielen Fehlversuche am Computer
immer noch die halbe Nacht Zeit hatte um eine Lösung zu finden. Also trat er an seinen
kleinen Gaskocher und setzte Wasser auf. Der Tee würde heute Nacht noch ein wichtiger
Treibstoff sein. Seite 153

Deutschland, Hauptquartier der Koalition
Kasian studierte die neusten Berichte aus den Gebieten die er mehr oder weniger kontrollierte.
Natürlich war die GDI vielerorts vertreten, aber das schreckte ihn nicht. Er verhielt sich
vorerst still und verfolgte sein großes Ziel. Die Einigung der Bruderschaft.
Kasian blickte auf die Stapel von Ausdrucken und Kopien. In den letzten zwei Jahren waren
die Verwaltungsarbeiten ins Unglaubliche angewachsen. Jede einzelne Basis wollte wie ein
kleines Unternehmen geführt werden. Stützpunkt Berlin produzierte in einer kleinen Fabrik
die Munition für die neuen Maulwurfpanzer. Aber die wurden vor allem in Italien gebraucht.
Dort glaubte eine kleine Splittergruppe, sie könnte ihr eigenes kleines Süppchen kochen und
griff GDI Posten an. Die Aufmerksamkeit die dadurch wieder auf Südeuropa gelenkt wurde,
war nicht gerade willkommen. Kasian und seine Verbündeten hatten beschlossen sie
auszulöschen. Nun musste also diese Munition und möglichst auch die Maulwurfpanzer,
welche größtenteils in Bern hergestellt wurden, aber auch nach Italien kommen. Es war schier
eine Mammutaufgabe alles am Laufen zu halten. Aber bisher klappte die Arbeitsteilung
besser, als wenn jede Basis versuchte alles herzustellen. Die großen Verbindungstunnel und
die geheimen Untergrundbahnen machten es möglich und so wurden Güter ausgetauscht als
ob es die GDI nie gegeben hätte. Aber natürlich ging immer wieder etwas schief, wie sich
Kasian ins Gedächtnis rief. Der Nachschub für seine Befreiungstruppen in Russland steckte
noch in der Ukraine, bei Odessa fest. Um so schlimmer, dass sein Sohn dort unten kämpfte.
Aber da in der Ukraine und überhaupt in der ganzen Region keine Tunnel vorhanden waren,
musste jegliches Versorgungsgut heimlich überführt werden. Keine leichte Aufgabe unter den
Augen der GDI und eben solch eine Kontrolle hatte den Zug mit Nachschub auch in Odessa
aufgehalten. Kasian lächelte beim Gedanken an die armen Kontrolleure der GDI. Sie würden
den Konvoi schließlich passieren lassen müssen. Die Güter waren als Waffenlieferung an
einen der kleinen Staaten in der Region getarnt. Die Bevölkerung war für die Befreiung von
ihrem Diktator so dankbar gewesen, dass der Staat nun völlig loyal hinter der Bruderschaft
stand. Die neue Regierung war natürlich nur eine Fassade und diente dazu, die GDI zu
täuschen.
Noch in Gedanken fiel sein Blick auf ein offizielles Papier eines seiner Verbündeten. Das
Schreiben machte den Vorschlag eine Art inneren Zirkel von NOD zu begründen. Einen Rat
in dem sowohl die einzelnen Vertreter der Gruppen in der Koalition, als auch anderer großer
Gruppen vertreten sein sollten. Kasian hielt den Vorschlag für sinnvoll, konnte es doch
seinem Ziel dienen, die Bruderschaft zu vereinen. Er nahm sich vor den Antrag zu
unterstützen und ihn auch anderen seiner Verbündeten zu unterbreiten.

4
Südlich von Al-Amarah, 3 km hinter der Frontlinie
Müde blickte Faisal auf den ausgearbeiteten Plan und rieb sich wieder die Augen. Er hatte die
ganze Nacht getüftelt und Szenarien durchgespielt, doch nun war er sich sicher, das
bestmögliche Ergebnis erzielt zu haben. Ein weiterer Blick zeigte ihm, dass auch sein Tee leer
war. Eine neue Kanne aufzusetzen lohnte nicht mehr, beschloss Faisal und speicherte den
Plan für die Gegenoffensive noch einmal zur Sicherheit auf einem zweiten Datenträger.
Natürlich hatte man ihnen im theoretischen Teil der Ausbildung Lektionen in Taktik verpasst,
aber nie waren sie ausführlich auf solche Probleme vorbereitet worden. Wozu auch? Sie
waren schließlich nur Soldaten, Schlachten zu planen überlies man den Generälen. Im
Normalfall, jedenfalls, dachte Faisal. Sein Vorgesetzter im Feld hatte den Auftrag ihm
übertragen. Er selbst wollte sich wohl nicht damit herumschlagen und lieber die Truppen im
Feld kommandieren. Eine kluge Entscheidung wie Faisal fand. Einen Schlachtplan konnte
dank der Hilfe der Cabal-Computer relativ gut berechnet werden. Den Programmierern des Seite 154
Cabal-Betriebssystems war es zu verdanken, dass Cabal ihn bei seinen Planung unterstützt
hatte. Mit genügend Zeit konnten sogar unausgebildete Soldaten einen Plan entwerfen.
Vielleicht stammten die Grundrisse von Cabal noch aus den Zeiten Kanes, dachte Faisal.
Damals hatte Kane viele Terrorgruppen und Bauerntölpel, die es sein wollten für seine
Zwecke benutzt. Er hatte sie angeblich, so erzählten es die Soldaten, mit Waffen und Technik
ausgestattet und überall auf der Welt gegen die GDI gehetzt. Die ersten Versionen von Cabal
waren wahrscheinlich schon damals zur Berechnung von Anschlägen und Angriffen benutzt
worden.

Faisal trank den letzten Schluck Tee und schüttelte diese Gedanken ab. Kane gab es nicht
mehr und nun herrschten Andere über die Reste von NOD. Sie wurden nicht wie Kane von
einer Vision angetrieben, sondern von purer Machtgier. Aber das würde sich ändern, dachte
Faisal und blickte auf seinen Schlachtplan. Mit Kanes Willen, mit seiner Entschlossenheit und
seinem Mut konnten sie die Bruderschaft wieder vereinen. Dann würden sie seine Vision
ausführen, da war er sich sicher.

Er trat aus seinem Zelt und steuerte auf einen der Kampfbuggys zu, die immer noch ihren
Dienst für NOD verrichteten. Natürlich waren es nicht mehr die selben Fahrzeuge wie im
großen Tiberiumkrieg, aber das Modell und die Ausrüstung war die Selbe geblieben. Nur die
Maschinenkanone auf dem Fahrzeug war gegen eine Impulskanone ausgetauscht worden.
Schnell zuschlagen und wieder verschwinden, dachte Faisal und lächelte. Jene Tugend hatte
die Bruderschaft von NOD die letzten 30 Jahre der GDI Verfolgung überleben lassen und
eben diese Taktik hatte Faisal bei seinem Plan berücksichtigt. Er nickte dem Fahrer zu und
stieg auf den Sitz mit dem Geschütz im hinteren Teil des Fahrzeuges. „Zum Feldhauptmann
und zwar schnell!“

Während der Buggy durch die Wüste zum derzeitigen Kommandoposten rauschte, ging Faisal
nochmals den Schlachtplan durch. Nun gut, dachte er. Der Gegner hat schwere Geschütze in
Stellung gebracht, aber sie haben wenig Munition, das ist sicher, denn sonst hätten sie uns
längst zu Klump geschossen. Der Grossteil der Panzer war eingegraben worden, wenn auch
nicht komplett. Um ein möglichst großes Maß an Mobilität zu bewahren hatte der Gegner
seine Panzer hinter Sandwällen eingegraben. So waren sie besser geschützt und hielten die
Stellung effektiver. Aber sie konnten sich im Notfall auch schnell zurückziehen, da sie nach
Hinten keine Sandwälle aufgeworfen hatten. Ein Manko jedes Panzerregimentes oder wie
auch immer der Gegner seine Abteilung nennen mochte, war der Mangel an Infanterie. Dies
war immer der wunde Punkt der Stahlkolosse gewesen. Die Späher hatten nur von
vereinzelten MG-Nestern zwischen den Stellungen der Panzer berichtet. Es gab keine
durchgehenden Gräben mit Schützen darin. Der feindliche Feldhauptmann versuchte dies
mittels Schützenpanzern und Kampfbuggys zu kompensieren, welche er etwas versetzt hinter
Front patrouillieren lies. Faisal nickte, seinen Gedanken zustimmend. Die Schwachstelle
konnte er unmöglich mit den wenigen Schützenpanzern und Buggys kompensieren und dies
würden sie ausnutzen. Eine komplette Offensive wäre Selbstmord, das war sicher, aber wenn
genügend Infanterie die Linien knacken konnten und nach Suwaylim durch kamen, dann hatte
der Feind ein echtes Problem. Feinde im Rücken und eine lückenhafte Linie. Er würde sich
wahrscheinlich zurückziehen. Zumindest hoffte das Faisal, immerhin war er kein General.
Sein Plan zeigte einen Weg durch die feindlichen Linien. Späher hatten die Abstände
zwischen den Patrouillen halbwegs beobachtet und eine Lücke in der Linie gefunden. Die
Übertragung von Feindpositionen mittels der Datenblöcke machte es möglich. Dort hätte der
feindliche Feldhauptmann besser ein MG-Nest gesetzt, aber vielleicht waren ihm die Truppen
ausgegangen. Er war auf einen Blitzkrieg eingestellt gewesen. Wahrscheinlich hatte er geplant
schnell vorzupreschen und Bagdad zu befreien, ohne sich lange aufzuhalten. Nun, dachte
Faisal, beinahe wäre es ihm auch gelungen. Zurück zum Plan besann er sich, während sie über
eine Düne holperten. Seite 155

Drei Züge aus je zehn Soldaten sollte in diese Lücke stoßen und hindurchschlüpfen. Sie
würden den Befehl erhalten sich hinter den feindlichen Linien zu verteilen und so viele
Panzer zu sprengen wie möglich. Die Ausrüstung dazu hatten sie, denn letztendlich waren die
Panzer gegen einen Angriff eine einzelnen Soldaten hilflos. Jedenfalls in diesem Fall. Alle
Augen würden auf die Front gerichtet sein. Ein Mörserangriff etwas entfernt würde sie
ablenken und so konnten die Soldaten Sprengladungen an den Panzern anbringen. Diese
würden dann zeitgleich gezündet werden und eine Bresche in die feindliche Linie schlagen.
Kurz nach den drei Zügen, welche die Panzer vernichten sollten, würden sechs weitere Züge
versuchen so weit wie möglich in Richtung Suwaylim vorzurücken. Sie würden es
wahrscheinlich zu Fuß nicht bis zur Stadt schaffen, aber sie waren nötig um Minenfelder
ausfindig zu machen und den Weg frei zu räumen. Denn sobald die Panzer in die Luft flogen
würden die wenigen Reservetruppen durch die Lücke stoßen und Suwaylim einnehmen. Ihm
standen dafür zehn schwere Panzer zu Verfügung. Sieben Schützenpanzer und eine Horde von
Kampfbuggys, zwanzig an der Zahl. Ihnen würden noch sieben Truppentransporter mit
ebenso vielen Zügen Soldaten folgen. Für mehr Soldaten war nach dem Beladen von
Munition und Ausrüstung kein Platz gewesen. Aber wichtig war nicht direkt die Zahl der
Soldaten sondern ihre Ausrüstung. Panzerfäuste und Minen würden ihre Waffen sein um
Suwaylim zu halten.

Der Kampfpanzer holperte wieder über eine Düne und machte einen Satz durch die Luft um
dann scharf abzubremsen. Vor ihnen stand ein Kommandowagen begeleitet von einem
Schützenpanzer. Faisal stieg aus dem Buggy und begab sich auf den Wagen zu. Zeit, meinen
Plan dem Feldhauptmann zu unterbreiten, dachte er.

Deutschland, Ein Gefangenlager in der Zentral-Höhle der Koalition
Yeremi blickte wieder zur Höhlendecke. Es war unglaublich, immer wieder wenn er sich hier
umblickte. Trotz der langen Zeit, in der er schon hier war, schien es ihm immer noch
unglaublich was geschaffen worden war. Eine ganze Stadt war in einer Höhle untergebracht
worden. Eine ganze Basis der Bruderschaft von NOD. Er begriff zwar immer noch nicht was
hier vor sich ging, aber eines war ihm klar. Der Vater von seinem Freund Gregor war der Herr
dieser Basis. Nach den Ausmaßen der Basis zu schließen war er wahrscheinlich noch mehr.
Gregors Vater hatte sie gefangen genommen und hier her gebracht. Aber von Gregor hatte
Yeremi bisher nichts gesehen. Einmal war ein Offizier, er hieß Sander, vorbei gekommen und
hatte sich nach ihm erkundigt. Aber auch er hatte auf die Fragen der Gefangen nicht
geantwortet.

Immer wieder fragte sich Yeremi, warum Gregor ihn hier nicht rausholte. Sein Blick
schweifte zu der großen Zitadelle in der Mitte der Höhle. Wie eine stützende Säule ragte sie
empor. Von dort aus kommandierte Gregors Vater Kasian wohl NOD, dachte er. Aber konnte
Gregor nicht ein gutes Wort für ihn einlegen? Oder war er ein fanatischer NOD Anhänger
geworden. Schon in den Tagen, als sie noch in ihrem kleinen Tal gewesen waren, hatte
Gregor ab und zu verlauten lassen, dass er die Ziele und Visionen der Bruderschaft gut fand.
Das hatte regelmäßig zu Diskussionen geführt, aber meist hatte man es dann dabei belassen.
Nun fragte sich Yeremi, ob Gregor wohl schon für NOD kämpfte. Tötete er GDI Soldaten.
Der Vater von Yeremi war ein solcher GDI Soldat gewesen. Aber zum Zeitpunkt ihrer
Gefangennahme war er nicht im Tal gewesen. Man hatte ihn sozusagen zurück geholt und als
Augenzeuge der Erstürmung des Tempels von NOD in Sarajevo einem Expertenteam
zugeteilt. Was tat er nun, fragte sich Yeremi. Suchte sein Vater nach ihm, oder arbeitete er
immer noch in den Trümmern des Tempels und man hatte ihm überhaupt nichts von der
Gefangennahme gesagt?

Nein das glaubte er nicht. Sein Vater würde außer sich vor Wut sein. Wahrscheinlich war er
wieder den regulären Streitkräften der GDI beigetreten und hatte ein Kommando
übernommen. So wie er es immer aus den Tagen des Tiberium Krieges erzählt hatte. Seite 156
Sicherlicht suchten sie bereits nach ihnen und diese Tunnel sollten doch auch nicht so schwer
zu finden sein. Bei ihrer Gefangennahme hatte er einen Blick darauf werfen können und war
regelrecht erschrocken gewesen. Es schien ein ganzen Tunnelsystem unter Deutschland zu
geben. Dicke, breite Tunnels in welchen seltsame Fahrzeuge Güter und Truppen
transportieren konnten.

Im Grunde unglaublich, aber diese Tunnels waren genauso Realität wie diese Stadt unter der
Erde. Wieder wanderten seine Gedanken zu Gregor und er fragte sich, ob sein Freund ihn
vergessen hatte.

Am Fuß der Bergen südwestlich von Niznebakarskij
Sie hatten die Stellung auf dem Bergkamm unbeschadet hinter sich gelassen. Es schien ihnen
als ob sie noch nicht entdeckt worden waren, denn sie hatten keinen Alarm gehört. Sie waren
auch nicht von feindlichen Truppen verfolgt worden. Inzwischen waren sie weit genug
entfernt um sich darüber keine Gedanken mehr zu machen. Sie waren weit hinter den
feindlichen Linien und etwa einen Kilometer und zwei Hügel weiter verlief der dunkle
Streifen, welcher die Versorgungsstraße nach Niznebakarskij bildete. Der Weg bis zur Straße
war relativ gut zu passieren. Der Wald endete hinter ihnen und nun erstreckte sich ein Tal vor
ihnen. Gregor machte sich ein Bild von dem Verlauf der Straße und plante das weiteres
Vorgehen mit seinen Kameraden. Er wies mit der Hand auf die Straße im Tal. „Wir müssen
eine gute Stelle finden um unsere Minen auszulegen, damit der Nachschub auch länger
unterbrochen ist,“ stellte er fest. Samuel nickte. „Oder wir wandern neben der Straße entlang
nach Niznebakarskij und legen auf dem Weg immer ein, zwei Minen. Also alle paar
Kilometer. So haben sie echt lange zutun.“ Gregor schüttelte den Kopf. „Ne, das geht nicht.
Wir brauchen die Straße ja später selbst und auch wenn wir die Minenstandorte kenne, dauert
es ewig bis wir die Straße dann wieder frei haben. Außerdem haben wir nicht genügend
Minen.“

Chris studierte seinen Datenblock und deutete dann auf die angezeigte Karte. „Wie wäre mit
den zwei Kurven hier. Die liegen etwas auseinander, was nützlich sein kann. Der erste Laster,
der um die Kurve rauscht, lernt fliegen und dann werden sie jeden Zentimeter absuchen
müssen. Aber sie werden nichts finden. Erst hinter der nächsten Kurve und wenn wir Glück
haben sind sie dann schon wieder nachlässig oder sie haben es eilig mit dem Nachschub.“
Gregor nickte zustimmend. „Könnte klappen. Wie weit ist das von hier entfernt?“ Chris
blickte auf seinen Datenblock. „Drei Kilometer bis zur ersten Kurve, dann noch mal zwei bis
zur zweiten Kurve.“ Gregor hob die Hand. „Ok, Abmarsch.“

Sie setzten sich in Bewegung und marschierten am Rand des Waldes in Richtung ihres Zieles.
Im Tal unten bahnte sich derweil ein kleiner Konvoi von Lastern seinen Weg. Gregor
beobachtete die Bewegungen des Konvois genau. Sie konnten es sich nicht leisten entdeckt zu
werden. Der Konvoi selbst war nicht sehr gut bewacht, wie Gregor feststellte. Zwei
Kampfbuggys hatten die Führung, gefolgt von fünf Lastern. Der erste Laster war modifiziert
und hatte eine Art Drehturm mit einem festen Maschinengewehr. Ein Schütze saß in dem
offenen Turm und schwenkte sein Gewehr ab und zu lässig von einer Seite zur Anderen. Die
restlichen Laster waren unbewaffnet und mussten sich auf den Schutz ihrer Begleiter
verlassen. Ein alter Schützenpanzer bildete den Schluss. Nach einigem Überlegen konnte
Gregor auch den Typ des Schützenpanzers identifizieren. Zumindest glaubte er es, denn
dieser Typ Schützenpanzer wurde nicht mehr produziert. Es schien ein Panzer aus deutschem
Fabrikat zu sein, ein Marder. Diese Panzer waren bis etwa 2019 produziert worden, glaubte
Gregor sich zu erinnern. Ab und zu blieb eben doch etwas aus der trockenen Theorie über
Erkennung feindlicher Fahrzeuge hängen, dachte Gregor und lächelte. Anscheinend hatte der
Feind nicht all zu viele Transportfahrzeuge, denn selbst der Marder war außen über und über
mit Kisten und Fässern beladen, die man festgezurrt hatte. Die Fässer waren eindeutig mit
Diesel gefüllt und die Kisten schienen Munition zu beherbergen. Im Grunde sehr nachlässig, Seite 157
dachte Gregor. Ein einziger Schuss genügte um den Schützenpanzer in die Luft zu jagen.
Wozu dann noch Geleitschutz abstellen, fragte er sich. Aber trotz der Versuchung, den
Konvoi auszuschalten, entschied sich Gregor dagegen. Die zwei Kampfbuggys und der MGLaster konnten durchaus eine Gefahr werden, wenn sie seinen Trupp aufs Korn nahmen. Er
glaubte zwar nicht, dass die Buggys tief in das Gelände vorstoßen konnten, da es hier recht
steil zuging, aber im Gegenzug hatten sie auch keine schweren Waffen bei sich. Also würden
sie den Konvoi ziehen lassen und dem nächsten Konvoi eine nette Überraschung bereiten.
Gregor freute sich bereits darauf.

N-TV – 21 Uhr – „Das Thema“
„Willkommen meine Damen und Herren. Heute in „Das Thema“: Die Tiberiumseuche. Ist
Deutschland noch zu retten?

Um diese Frage zu klären, werden wir uns mit dem Tiberium Experten des Max-PlanckInstitutes Prof. Dr. Friedrich Hohenstein unterhalten. Die GDI Pressesprecherin für den
mitteleuropäischen Raum Ute Trendiski steht uns ebenfalls Rede und Antwort und wird uns
erklären, wie die GDI der Tiberiumseuche entgegenwirken will. Doch zuerst ein Bericht von
Thomas Grenz über die letzten Jahre im Tiberium-Deutschland.

„Ist Deutschland noch zu retten? Diese Frage stellte sich der Bundestag letzte Woche wieder
einmal in einer außerordentlichen Sitzung. Anlass zur äußersten Sorge bereiten die immer
größeren Tiberiumfelder in einigen Regionen Deutschlands. Dabei begann alles ganz anders.
Im Jahre 1992 schlug ein Meteorit am italienischen Fluss Tiber, bei Rom auf, der die
Wissenschaft der Welt in Aufruhr versetzte. Bis heute gibt es Gerüchte über ein abgestürztes
Raumschiff an dieser Stelle. Aber die GDI beteuert, dass es ausschließlich ein kleiner Meteor
gewesen sein. Dennoch war die Wirkung dieses Steins auf die Welt immens. Wissenschaftler
untersuchten Fragmente des Materials und entdeckten eine Art von kristalliner Lebensform.
„Im Grunde verhält es sich wie Unkraut“, hatte Dr. Moebius, führender Tiberium Forscher
einmal gesagt. Nach bisherigen Ergebnissen bildet sich aus den kleinen Kristallen, es genügt
ein Splitter in der Größe von etwa einem Zentimeter, eine Art von Wurzelknollen. Dieser
Hybrid aus Pflanze und Kristall breitet dann ein Wurzelgeflecht über einen Radius von etwa
einem Quadratmeter aus. Wie andere Pflanzen entzieht das Tiberium dem Boden
Mineralstoffe um sich zu versorgen. Aber Tiberium geht in diesem Punkt einen Schritt weiter
und saugt jegliche Mineralstoffe aus dem Boden und wandelt die überschüssigen Mineralien
in grüne Kristalle um. Diese Kristalle fungieren sozusagen als Sporen oder Samen. Die
äußerst wertvollen Kristalle können so neue Wurzelknollen bilden, sobald das Kristall auf
irgendeine Art und Weise mit dem Erdboden in Kontakt kommt. Aber dies ist nicht die
einzige Ausbreitungsart des Tiberiums, wie sich in den letzten Jahrzehnten gezeigt hat. Die
Wurzelknollen bilden unter der Erde Ableger. Die Knolle bildet an den Enden ihrer
Wurzelflechten neue Knollen und so erwächst in kürzester Zeit ein Tiberumfeld. Das
Tiberium birgt aber neben seinem äußerst großen Nutzen für die rohstoffgewinnende
Industrie, auch sehr große Gefahren. Das Tiberium schädigt bei Einatmung nachhaltig die
Lungen und Blutgefäße. Durch längere Einwirkung von Tiberium kann es auch zu Mutationen
kommen. Inzwischen bildet sich sogar in manchen Ländern wie Südamerika eine
Bevölkerung aus Mutanten heraus, welche man als autonomes Volk bezeichnen kann.
Die Auswirkungen sind ebenfalls in der Pflanzen- und Tierwelt zu beobachten. Tiberium
gelingt es, Pflanzen als Sporenträger zu verwenden. So entstanden in kürzester Zeit Abarten
wie der Tiberiumbaum. Ein Aufragendes Gewächs, mit den selben Eigenschaften wie
normales Tiberium, aber mit einer großen Sporen Ausschüttung und einem weitaus größeren
Radius. Pferde mutierten zu sogenannten Tiberiumteufeln und tragen nun Kristalle auf den
Rücken, welche sie sogar abschießen können. Ein wirklich erschreckendes Resultat.
Allerdings sind viele Experten der Meinung, dass sich die Seuche Tiberium einzig und allein Seite 158
durch die Terroristen der Bruderschaft von NOD so weit ausbreiten konnte. Berichten der
GDI zufolge haben Anhänger der Bruderschaft, verblendet von der Demagogie ihres
Anführers, große Landstriche mit dem Tiberiumsporen bepflanzt um die Visionen ihrer Sekte
zu erfüllen. Durch diese Verbreitung in aller Welt konnte die Seuche nie effizient eingedämmt
werden, oder auf einen Kontinent begrenzt werden.

Anlässlich erneuter Meldungen über das Wuchern von fast zwanzig neuen Tiberiumfeldern in
den Bundesländern fragen sich Experten, wie sich die Seuche auf bisher unberührte Regionen
ausbreiten konnte. Der Abgeordnete Graf Karl von Hohenfalk, FDP, gab zu bedenken, dass
die Vermutung, ein weiterer terroristischer Akt sei für die Seuchenausweitung verantwortlich,
nahe läge. Der Tiberium Beauftragte der CDU sprach bereits von einer neuen verblendeten
Serie von Terrorakten, ewig gestriger NOD Anhänger und kritisierte die Regierung, nichts
gegen diese Extremisten zu unternehmen.

Ob es nun tatsächlich Extremisten sind, die das Tiberium ausbreiten oder ob das Kristall
selbst eine neue Möglichkeit der Ausbreitung gefunden hat, ist unklar. Eins ist jedoch sicher,
das Gesicht Deutschlands wird nie mehr so sein wie vor dem Jahre 1992!

Das war Thomas Grenz für N-TV“
„Willkommen zurück im Studio, meine Damen und Herren. Bei uns nun die Expertenrunde zu
diesem Thema. Der mehrfach ausgezeichnete Tiberium Experten des Max-Planck-Institutes
Prof. Dr. Friedrich Hohenstein und die GDI-Pressesprecherin für den mitteleuropäischen
Raum Ute Trendiski. Guten Abend. Beginnen wir doch mit ihnen Frau Trendiski und gehen
auf die im Bericht angemerkten Vermutungen ein. Hat die GDI Grund zur Annahmen, eine
neue Sekte vom Kaliber der Bruderschaft von NOD oder eben diese selbst, verbreitet das
Tiberium?

Trendiski: „Ich kann diese Vermutungen nicht ganz abstreiten, denn auch die GDI geht
solchen Hinweisen seit einigen Monaten nach. Aber bisher haben wir keinerlei Hinweise
gefunden, dass jemand die Verseuchung künstlich vorantreibt.
NTV: Dann ist es also vermutlich eine natürliche Tiberiumausweitung? Professor Hohenstein,
was sagen Sie?

Hohenstein: Nun man sagt niemals nie in meinem Fachbereich. Das Tiberium wird von
manchen meiner Kollegen als regelrecht einfallsreich bezeichnet. Aber unsere
Untersuchungen haben keinerlei neue Übertragungsarten aufgezeigt und daher möchte ich
mich vorwagen und behaupten, diese neuen Felder, vor allem das Feld südlich von Berlin,
welches ich selbst beobachte, ist mit Sicherheit künstlicher Natur.
Trendiski: Das können Sie so aber nicht in den Raum stellen, Herr Professor. Wir wollen hier
keinen neuen Hexenwahn provozieren. Fakt ist, dass niemand sich sicher sein kann, wie diese
neuen Ausbreitung zu Stande kam. Ich möchte nochmals betonen, die Anzeichen sprechen
nach GDI Untersuchungen absolut gegen eine geplante Anpflanzung der Kristalle.
Hohenstein: Sie können aber doch wohl kaum behaupten eine große Anzahl von Tiberium
Kristallen habe sich aus unerklärliche Weise in entlegenste Gebiete bewegt und dort an
äußerst günstigen Stellen zu wuchern begonnen?
Trendiski: Das will ich nicht behaupten, aber noch ist nichts bewiesen ….
Hohenstein: Bewiesen ist es sehr wohl. Aber die GDI nimmt Studien von unabhängigen
Instituten nicht an und somit betreibt die GDI Desinformation!
NTV: Sie sagen also die GDI vertuscht etwas? Etwa ein neues Aufflammen der Kämpfe
gegen NOD?

Hohenstein: Nein nicht direkt, aber zumindest behindert die GDI viele meiner Kollegen bei
eigenständigen Forschungen in diesem Bereich. Außerdem werden Forschungsergebnisse
meiner Kollegen in der Regel in Frage gestellt um sie in Misskredit zu bringen.
Trendiski: Das ist eine unerhörte Unterstellung! Die GDI tut alles um dem Tiberium Einhalt
zu gebieten! Seite 159

NTV: Äh danke Frau Trendiski. Wir sprechen uns gleich nach der Werbepause wieder. Dann
geht es um die Arbeitsweise der GDI und erste Lösungsansätze … Bleiben Sie dran!
Deutschland, Die Forschungslabors in der Zentral-Höhle der Koalition

Adjutant Sander marschierte an den Wachposten vorbei, ohne sie auch nur eines Blickes zu
würdigen. Natürlich hielten sie ihn auch nicht auf. Jedem in der großen weiten Höhle war das
Gesicht von Sander bekannt. Als rechte Hand ihres Anführers hatte er uneingeschränkten
Zugang zu allen Anlagen, ohne sich in irgendeiner Form ausweisen zu müssen. Im Grunde
war dies eine der höchsten Ehren in der Bruderschaft. Ein Vorgesetzter traute im Regelfall
niemandem, schon gar nicht der Nummer zwei in der eigenen Organisation. Aber Sander hatte
sich diesen Posten verdient und er war äußerst loyal. Ihm würde im es nicht einmal im Traum
einfallen, sich gegen Kasian zu stellen. Sie hatten ein gemeinsames Ziel. Die Einheit der
Bruderschaft hatte höchste Priorität, außerdem diente Sander wesentlich lieber und besaß
somit keinerlei Ambitionen auf Macht.

Bevor er die letzte Türe zu den neuen Forschungslabor mit der vielsagenden Bezeichnung
„Projekt Tafel“ passieren konnte, wurde er dann doch von einer Wache aufgehalten. Der
Soldat baute sich vor Sander auf und zwang ihn anzuhalten. Man konnte dem Soldaten direkt
ansehen, dass er wusste mit wem er es zutun hatte, aber er schien ein sehr korrekter Soldat zu
sein. Nun, dachte Sander verärgert, damit musste man leben, wenn man ein sicheres Labor
haben möchte. „Weisen Sie sich bitte aus, Sir“ bat der Soldat. Sander schaute ihn säuerlich an
und baute sich auf. Das gelang ihm mit seinen 1,90 Meter recht gut und auch in diesem Fall
blickte der Soldat eingeschüchtert an ihm hinauf. Aber es war schließlich der Job des Soldaten
und daher drückte er seine Handfläche auf eine Glasplatte und lies sie dort einige Sekunden
verweilen. Dann blickte er in ein kleines Okular oberhalb der Glasplatte, was ihm mit seinen
1,90 Meter einige Mühe bereitete. Sander entging nicht, dass die Wache dies mit einem
Hauch von Genugtuung beobachtete. Von dem Okular gingen dünne rote Strahlen aus und
tasteten das Auge von Sander ab. Nicht nur die Iris wurde überprüft, sondern auch die
Oberfläche der Augen, welche ebenfalls bei vielen Menschen unterschiedlich waren. Ebenso
wurde anhand der kleinen pulsierenden Adern im Auge festgestellt, dass dem Okular nicht ein
totes Auge vorgehalten wurde. Schließlich musste man jegliche Möglichkeiten ausschließen
und solche Aktionen wie eine Kontaktlinse oder gleich den ganzen Augapfel entfernen und
vor die Kontrolle halten, hatte schon vor über 30 Jahren eine Menge Romanautoren
beschäftigt. Nach einigen Sekunde war das Abtasten abgeschlossen und die Daten
abgeglichen.

Eine Lampe, welche in die Labortüre eingelassen war wechselte von rot auf grün. Eine
Stimme ertönte aus einem versteckten Lautsprecher: „Treten Sie ein Adjutant Sander!“ Dies
lies Sander leicht zusammenfahren. Die Computerstimme war neu eingebaut worden, nach
dem man das interne Cabal-Netzwerk um einige Programme aufgerüstet hatte. Hoffentlich
waren die anderen Updates in Sachen Leistung genauso erfolgreich gewesen, dachte er. Aber
er kam zu dem Schluss, dass gerade diese Updates wohl die benötigte Leistung gebracht
hatten um die Tafeln weiter zu übersetzen. Aus keinem anderen Grund war er nämlich hier
her geeilt. Der Projektleiter Karjiditsch, ein Serbe, erwartete ich bereits hinter der Türe, als
sich diese zischend öffnete. Der Serbe war wie viele andere Wissenschaftler mehr oder
weniger ein Gefangener hier. Trotz des großzügigen Aktes von Kasian, der ihn aus einem
GDI Lager hatte befreien lassen, war der Mann nicht vollkommen loyal zur Koalition. Sander
verstand seine Beweggründe nicht, aber der Serbe war schon immer ein undurchschaubarer
Mensch gewesen. Die Übersetzung der Tafeln beschäftigte ihn nun schon sehr lange Zeit und
er befasste sich damit, als ob es kein Morgen geben könnte, aber das änderte nichts daran,
dass er sich oft ungehorsam zeigte und auch schon so manchen Verstoß gegen die Seite 160
Vorschriften begangen hatte. In solchen sensiblen Bereichen konnte man dies natürlich nicht
dulden, dachte Sander. Andererseits, vielleicht war der Serbe auch nur exzentrisch.
Karjiditsch straffte sich etwas, als Sander eintrat. Der Serbe war ebenfalls nicht gerade klein
und Sander überragte ihn nur um ein paar Zentimeter. Man sah ihm seine slawische
Abstammung auf den ersten Blick an und stellte so einen seltsamen Gegensatz zu Sander da,
den man im Ausland sicherlich als den typischen Deutschen beschrieben hätte. Es war
wirklich schade, wie sehr Menschen andere Mitmenschen auf diese wenige Äußerlichkeiten
reduzierten, stellte Sander in Gedanken fest. Aber die Geschichte lastete auf jeder Nation,
besonders natürlich auf Deutschland. Es war nun hundert Jahre her, dass Deutschland in seine
schwärzeste Zeit hinein trudelte und den letzten großen Weltkrieg vor dem Tiberiumkrieg
entfachte. Hundert Jahre hatten kaum etwas geändert an den Ansichten vieler Menschen, dies
bedauerte Sander sehr, allein wenn man sich im Hauptquartier von Kasian umsah, wurde man
eines Besseren belehrt. Internationaler konnte es kaum gehen. Selbst die GDI, als
multinationale Truppe, mochte Schwierigkeiten haben mit der internationalen
Geschlossenheit der Bruderschaft von NOD mitzuhalten. Das war Kanes Vision, dachte
Sander und nickte dem Serben zu. „Nun was gibt es? Fortschritte?“
„Ja das kann man sagen. Ich denke, ich habe die Tafel nun vollständig übersetzt,“ antwortete
Karjiditsch und wies auf einen großen flachen Bildschirm an der Wand. Über diesen
wanderten in kurzen Abständen Schriftzeichen und wurden vom Computer erfasst. Dieser
ordnete sie dann dem aktuelle Alphabet zu und in einem kleinen Fenster am unteren Rand des
Bildschirms sah man, wie der Computer die Schriftzeichen zu einem vollständigen Text
zusammen setzte.

Karjiditsch ging auf den Bildschirm zu und deutete darauf. „Das neue Computerprogramm ist
wirklich wesentlich effizienter. Ich lasse gerade alles noch mal übersetzen um die früheren
Übersetzungen zu überprüfen. Nicht, dass uns ein Fehler unterlaufen ist und wir verstehen
dann einen Zusammenhang falsch,“ führte er aus. Sander runzelte die Stirn. „Ist der
Übersetzung abgeschlossen? Kasian wird sich sicherlich dafür interessieren.“ Der
Wissenschaftler nickte und ging zu seinem Arbeitsplatz. „Noch eine Minute, dann ist der
Computer fertig. Um ehrlich zu sein, habe ich nicht so schnell mit ihnen gerechnet.“ Sander
lächelte kurz dann stellte er sich hinter den Wissenschaftler und blickte auf den Bildschirm. In
diesem Augenblick wurden die letzten Zeilen des Textes übersetzt und zauberten dem
Wissenschaftler ein zufriedenes Lächeln auf sein Gesicht. Auch wenn Sander dies nicht sehen
konnte, erkannte er es doch an der Haltung des Wissenschaftlers, dass sie nun etwas Großes
vollbracht hatten.

„Drucken sie mir einmal aus, die Daten kommen in den Computerkern. Im Labor bleiben
keinerlei Daten bestehen, ist das klar?“ befahl Sander. Der Wissenschaftler nickte. „Einen
Moment bitte, ich gebe den Druckauftrag.“

Kurze Zeit später summte der Drucker am Arbeitsplatz von Karjiditsch und spuckte einige
Seiten aus. Sander griff danach und überflog sie. „Das ist nicht nur eine Aufzeichnung über
eine Rede oder?“ Der Wissenschaftler nickte wieder. „Der erste Teil, den wir ja schon länger
übersetzt haben, ist tatsächlich eine Rede. Ich möchte behaupten sie stammt von Kane, auch
wenn wir nicht wissen wie dies auf einer so alten Tafel der Fall sein kann.“ Er schwieg einen
Moment und ergänzte dann. „Zumindest vom wissenschaftlichen Standpunkt gesehen. Kane
ist für uns gestorben und er wird wiederkehren, da sind wir uns schließlich alle einig.“ „Kane
lebt im Tode,“ bestätigte Sander die Ausführungen des Wissenschaftlers. Dann blätterte er zu
den letzten vier Seiten und blickte auf unendliche Reihungen von Einsen und Nullen. „Ist das
ein Druckfehler?“ fragte er. Karjiditsch verneinte. „Dies ist korrekt übersetzt, ich weiß aber
nicht was es sein soll.“ Sander runzelte die Stirn. „Einsen und Nullen, dass sieht mir nach
einem Computerprogramm aus,“ vermutete er. Egal wie weit der Fortschritt sie gebracht
hatte, immer noch basierten Computer und ihre Programme auf dem Prinzip von Einsen und Seite 161
Nullen. Richtig und Falsch, um es zu übersetzten. Aus diesen Reihung von Einsen und
Nullen, setzte der Computer seine Aktionen zusammen, das funktionierte heute genauso wie
vor 60 Jahren, als die ersten richtigen Computer aufgekommen waren. Sander zuckte die
Achseln. „Stellen sie mir fest was das ist. Ich bringe den Ausdruck zu Kasian.“ Der
Wissenschaftler nickte und machte sich an die Arbeit. Zu diesem Zweck verfolgte er zuerst
seine These, die er gerade aufgestellt hatte. Vielleicht handelte es sich um eine Form von
Koordinaten und würden den Weg zu etwas weisen. Aber auch die Vermutung des Adjutanten
behielt er im Hinterkopf und nahm sich vor diese in den nächsten Tagen einmal zu
überdenken.

Sander verließ die Laboreinrichtungen und setzte sich in einen der Transportwagen, die man
in der Höhle einsetzte. Ihm stand zwar auch ein Jeep zur Verfügung und im Grunde hätte er
den Weg allein zurück legen können, aber er zog es vor, sich fahren zu lassen. Das hatte
allerdings nichts mit irgendwelchen Allüren oder etwas ähnlichem zutun, sondern machte es
Sander schlicht möglich, sich Akten und Dokumente auf der kurzen Fahrt zur Zitadelle kurz
anzusehen. Einer der Gründe warum Kasian ihn so schätzte, war die Tatsache, dass er ihm
viel Arbeit abnahm und über alles Bescheid wusste, um Kasian als Berater zur Verfügung zu
stehen. Natürlich benötigte man für solche Vorbereitungen Zeit und die nahm sich Sander
durch solche Dinge wie einen Fahrer. Auch in diesem Fall gab er dem Fahrer des kleinen
Wagens die Anweisung zum Hauptquartier zu fahren und vertiefte sich in die nun
vollständige Übersetzung der Tafel. Es dauerte keine Minute bis Sander wieder aufblickte und
tief einatmete. Nach einer kurzen Pause entfuhr im ein lauter Fluch.
Wieder blickte er auf die Papiere und murmelte: „Bei Kane, das ist eine absolute
Katastrophe!“

5
Am Fuß der Berge südwestlich von Niznebakarskij
Das dichte Unterholz oberhalb der Straße brachte ihnen einen ungeheuren Vorteil. Vor zehn
Minuten war ein zweiter Konvoi an ihrem kleinen Kommando vorbei gerauscht und hatte sie
nicht bemerkt, obwohl sie nur wenige Meter neben der Straße in Deckung gegangen waren.
Es war guter Vorschlag von Samuel gewesen, erst den nächsten Konvoi abzuwarten, bevor sie
die Minen legten. Seine Befürchtung genau in den nächsten Konvoi zu geraten, hätte sich
bestätigt, aber Gregor hatte seinen Vorschlag angenommen und abgewartet. Natürlich war
keineswegs sicher, dass nicht kurz nach diesem Nachschubkonvoi noch eine Kolonne Laster
mit Begleitschutz die Straße entlang kommen würde, aber das hielten alle für sehr
unwahrscheinlich. Schließlich besaß der Gegner nur eine begrenzte Anzahl an Fahrzeugen
und wenn er schon uralte Schützenpanzer einsetzte um Munition und Treibstoff zu
transportieren musste das alles sein was sie hatten.

Mit einer Handbewegung schickte er Chris auf einen Beobachtungsposten um sie vor
eventuell doch noch anrückenden Feinden zu warnen. Dieser robbte auf eine kleine Anhöhe
und verbarg sich hinter einem Busch. Von dort hatte er einen relativ guten Überblick über das
Gelände, aber die Kurve wirkte sich nun auch als Nachteil aus. Die scharfe Kurve in der die
Straße an dieser Stelle verlief machte es Chris auch unmöglich die Straße richtig zu
überwachen, aber er rechnete mit keinen Problemen. Trotzdem hielt er das Fernglas von
Gregor vor die Augen und suchte das Gelände entlang der Straße ab.

Phillip war mit Samuel und Gregor geduckt auf die Straße gelaufen. Jeder von ihnen hatte
zwei kleine Tellerminen im Rucksack, nur Chris hatte wegen seiner Funkerausrüstung keine
Minen mehr aufnehmen können. Auch bei den unendlich zahlreich erscheinenden Taschen an
einem Kampfanzug und dem zugehörigen Rucksack gab es irgendwann eine Grenze. Seite 162
Schließlich mussten die Soldaten auch beweglich bleiben für den Falle eines Gefechts, sie
waren ja keine Packesel.

Sie legten drei Minen aus. Zwei direkt hinter der Biegung der Straße auf jeder Straßenseite
eine Mine. Die dritte Mine platzierte Samuel etwas weiter die Straße hinunter. Die
Räumkommandos sollten schließlich für ihre Bemühungen auch belohnt werden und
weiterhin vorsichtig sein. Das würde die Versorgung erheblich stören. Vor allem da es keine
Möglichkeit gab die Straße zu umfahren, etwa über Felder oder Wiesen. Teilweise zu hügelig,
teilweise von kleinen Hainen niedriger Bäume bewachsen war es unmöglich neben der Straße
zu fahren. Zwar waren die Minen mattschwarz gestrichen, aber dennoch hoben sie sich von
dem relativ trockenem und somit grauen Asphalt ab, aber irgendein findiger Soldat hatte auch
hierfür eine Lösung gefunden. Die drei Soldaten packten kleine Rollen Teerpappe aus und
klebten sie über die Minen. Farblich hoben sich die Minen nun nicht mehr von der Straße ab
und man musste schon genau auf die entsprechende Stelle schauen um die kleine Erhebung
als versteckte Mine zu erkennen. „Oh wird das ein Bums,“ kommentierte Phillip die
vollbrachte Arbeit und grinste.

Gregor hielt sich aber nicht lange mit Witzen auf und gab sofort den Befehl zum Abmarsch.
„Los, los, los! Wir haben noch was zu tun.“ Alle nickten und verschwanden wieder im
Unterholz neben der Straße um im schnellen Schritt auf die zweite scharfe Wendung der
Straße zuzuhalten. Etwa auf halben Weg stoppte Gregor und legte eine der übrig gebliebenen
Minen auf die Straße und versteckte sie wieder unter der Tarnpappe. Samuel zog eine
Augenbraue in die Höhe und schaute fragend. Gregor zuckte nur die Achsel. „Vielleicht ist es
doch zu auffällig, wenn wir nur die zwei Kurven verminen, geben wir ihnen das Gefühl die
Straße ist wirklich dicht.“ Samuel nickte. „Das wird ihnen zu schaffen machen. Aber Chris
sollte die Koordinaten der Mine auf unserer Karte eintragen und an das Feldkommando
schicken sobald wir wieder Kontakt haben. Nicht, dass der nächste Konvoi die Mine verfehlt
oder nicht entdeckt und unsere eigenen Truppen haben dann einen Panzer weniger.“ „Hab ich
schon gemacht,“ meldete sich Chris, „aber wir werden noch längere Zeit keine Übertragung
zum Feldkommando hinbekommen. Manchmal wünsche ich mir wirklich einen Satelliten im
Orbit zu haben. Die Berge blockieren die Verbindung für unsere Datenblöcke wirklich
erheblich.“ Gregor nickte und murmelte mehr zu sich. „Bald schon werden unsere Satelliten
im Orbit kreisen und nicht GDI Satelliten.“

Nachdem sie auch die zweite Kurve vermint hatten, machten sie sich auf den Weg nach
Niznebakarskij. Der kleine Trupp von vier Soldaten hielt sich neben der Straße und blieb so
weit wie möglich in Deckung. Große Büsche und kleine Wäldchen, welche bis an die Straße
heran reichten, erleichterten ihnen dies.

Gregor hatte Samuel die Spitze überlassen und blieb bei ihrem Funker. Zwar hatten sie noch
einen weiten Weg vor sich, aber Chris vermutete, dass die Anlagen, welche die Daten über
Funk an die Gefechtsdatenblöcke weiterleiteten, sie erreichen konnte. Neue Informationen
über den Stand der Dinge wären sehr interessant gewesen, aber bisher kam nur ab und zu ein
kurzer Datenfetzen über die Berge. Nichts was Chris hätte wirklich verwenden können.
Gregor wartete aber noch auf ein weiteres Signal. Die Minen, die sie ausgelegt hatten,
sendeten kurz vor der Detonation eine Millisekunde lang ein Signal aus, dass von ihrer
Explosion berichtete. Damit war eine Erfolgskontrolle für NOD wesentlich vereinfacht
worden. Immerhin verfügten sie kaum über Luftaufklärung und Satelliten blieben ihnen
verwehrt.

Sie waren etwa drei Kilometer von der zweiten Kurve entfernt, als der Datenblock kurz ein
rotes Licht auf der Karte aufblinken ließ. Chris hätte es beinahe nicht gesehen, aber sein Gerät
hatte die Möglichkeit zu vibrieren, wenn der Ton ausgeschaltet war. So entging ihm nichts,
auch wenn er gerade mehr auf den Untergrund vor seinen Füßen achtete. Die Idee hatte man
sich von uralten mobilen Telefonen abgeschaut. Das Prinzip war das selbe, lautlos und doch Seite 163
wurde die Meldung bemerkt. Dies war natürlich vor allem für Nachteinsätze ein wichtiger
Pluspunkt.

Chris hob seine Hand und machte so Gregor auf sich aufmerksam. Er lies den ganzen Trupp
stoppen und beobachtete wie eine zweite Mine meldete detoniert zu sein. Diesmal war auch
ein fernes Grollen zu hören. Anscheinend hatte ein Konvoi es wirklich eilig gehabt und hatte
sein Tempo nicht schnell genug verringern können. Das zweite Fahrzeug des Konvois hatte
wohl nicht mehr bremsen können und war durch das Wrack des Ersten hindurch gerauscht
und direkt in die zweite Mine.

Gregor schätze, dass mindestens ein Begleitfahrzeug, welches die Spitze gebildet hatte und
ein Munitionslaster explodiert waren. Zumindest konnte man davon ausgehen, dass die zweite
Mine einen LKW in die Luft gejagt hatte, schließlich war die Detonation bis zu ihnen
gedrungen.

Deutschland, In der Kommandozentrale der Kasian Koalition
Der kleine Aufzug beschleunigte und trug Sander nach oben. Einen Moment lang wurde ihm
flau im Magen, doch dann stellte sich sein Körper auf den schnellen Lift ein. Dieser Lift war
nur für sehr hochrangige Offiziere, denn er endete im Kommandoraum der Zitadelle. Jenem
Symbol von Kasians Macht, dass sich in der Mitte seiner Höhle erhob und bis zur Decke
reichte.

Ein leises Zischen kündigte die Ankunft auf der obersten Ebene an. Zumindest galt sie als die
oberste Ebene der Zitadelle, aber das war sie nicht. Es gab noch ein kleines schmales
Stockwerk über dem Kommandoraum. Kasians Privatgemächer, aber zu dieser führte nur eine
kleine Wendeltreppe und ein Geheimgang, der nur Kasian und Sander bekannt war. Mit
einem weiteren Zischen öffnete sich die Tür und gab den Blick auf den Kommandoraum frei.
In gewisser Weise erinnerte die Szene an alte Filme, in denen man dem Bodenteam der
NASA zuschauen konnte, wie sie ein Spaceshuttle zur ISS steuerten. Der Raum war natürlich
nicht ganz so groß, aber trotzdem ähnelte das Ganze einem summenden Bienenstock. Überall
liefen Nachrichtenoffiziere und Adjutanten mit Mappen, Blättern oder Datenblöcken herum,
eilten zu ihren Vorgesetzten um die neusten Ergebnisse von den verschiedenen geheimen
Basen und den umkämpften Gebieten zu überbringen.

Sander schüttelte in Gedanken den Kopf. Vor ein paar Jahren hatte er diese Arbeit für Kasian
alleine gemacht. Aber damals hatte Kasian auch nur diese Basis besessen und ihr Feldzug zur
Einigung der Bruderschaft hatte gerade erst begonnen. Und nun musste er Kasian von seiner
schwersten Niederlage berichten. Es war keine Militärische, auch die GDI hatte nichts damit
zutun und dennoch war es eine Katastrophe.

Er ging zielstrebig auf die kleine Wendeltreppe zu. Einige Offiziere blieben stehen um zu
salutieren, aber Sander beachtete sie nicht. Die Treppe nahm er im Laufschritt und erreichte
die Eichentür, welche die Gemächer von Kasian vor dem 24 Stundenlärm der
Kommandozentrale abschirmte. Sander glättete seine Uniform und klopfte an die Türe.

Irakische Frontlinie, Bei Suwaylim
Mu-Berek beobachtete auf einem Bildschirm den Mörserangriff der Besahi NOD und
versuchte zu verstehen was er bezweckte. Sie stießen nur vereinzelt vor und zogen sich dann
schnell wieder zurück. Diese Nadelstich Taktik mochte vielleicht gegen die GDI etwas
nützen, aber hier war sie vollkommen sinnlos. Die Mörserangriffe wurden trotzdem
fortgesetzt und zermürbten vorgeschobene Stellungen und seine MG Nester. Vereinzelt
gingen Granaten bei den Panzerstellungen nieder, aber nur einmal war bisher ein Panzer
beschädigt worden. Eine seiner Ketten war durch die Explosion gerissen, aber das war schnell
zu ersetzen. Die Mörsergranaten hatten einfach nicht die Sprengkraft um den Panzer ernsthaft
etwas anzuhaben. Seite 164

Mu-Berek strich sich über seine Wangen und beschloss sich zu rasieren, sobald die Sonne
aufgehen würde. Aber bis es soweit war, würde er versuchen zu verstehen, was der feindliche
Feldhauptmann da ausheckte. Nur zu gern hätte er jetzt einige Aufklärungsflugzeuge,
Drohnen oder einen Helikopter gehabt, um zu sehen was der Feind macht, aber so etwas war
Mangelware und er konnte froh sein, wenn bald seine Maulwurfpanzer ankommen würden.
Die Schienenverbindung nach Al-Amarah war wieder intakt und so würde, so Kane will, die
Waggons mit der Verstärkung bald eintreffen. „Die Verstärkung werden wir auch nötig
haben,“ murmelte Mu-Berek und beobachtete weiter die Bilder seiner Bodenaufklärung.
Das Ablenkungsmanöver schien zu funktionieren. Faisal beobachtete, wie einen halben
Kilometer von seinem geplanten Durchbruch Mörsergranaten niedergingen und den
eingegrabenen Feinden zusetzten. Immer wieder versuchten die Geschützmannschaften ihr
Feuer auf eingegrabene Panzer zu konzentrieren, aber diese wechselten bei zu dichten Feuer
die Stellung und gingen in Ausweichstellungen in Deckung. Bisher schien nicht ein Panzer
kampfunfähig zu sein. Aber das war nicht direkt schlimm, dachte Faisal und richtete seine
Aufmerksamkeit auf die kleine Lücke in der feindlichen Linie.
Dank des Mörserangriffs und den Nadelstichen einiger Schützenpanzer hatten viele Buggys
und Schützenpanzer ihre Patrouillen eingestellt um die Linien dort zu verstärken. Die 30
Soldaten schafften es sich durch die Linie des Feindes zu robben und teilten sich auf. Die
Signale ihrer Datenblöcke war schwach, eine Sprenggruppe hatte Faisal sogar vollkommen
verloren, aber sie schienen nicht entdeckt worden zu sein, denn kein einziger Panzer rührte
sich oder fuhr in die Richtung seiner Soldaten. Faisal bemerkte wie er schwitzte und wischte
sich mit einem sandigen Tuch, welches mehr seine Haut aufkratzte, als den Schweiß zu
entfernen. Er biss sich auf die Lippe und beobachtete wie die erste Gruppe ihr „Ok“ gab um
zu signalisieren, dass sie alle verfügbaren Sprengsätze angebracht hatten.
Er konnte einfach keinen Sinn hinter den Angriffen erkennen. Welchen Grund hatte die
Besahi ihre Munitionsvorräte so aufzubrauchen? „Was übersehe ich,“ fragte er laut und lies
seine Faust wütend auf den Tisch krachen. Einige seiner Nachrichtenoffiziere zuckten
erschrocken zusammen. Jeder von ihnen wusste, was es bedeutete die Wut ihres
Feldkommandanten zu unterschätzen. Genau aus diesem Grund begann in diesem Moment
einer der jungen Offiziere zu schwitzen und prüfte ein drittes Mal ein schwaches Signal, etwa
einem halben Kilometer vom derzeitigen Brennpunkt.

Faisal schwitze ebenso wie der junge Offizier der anderen Seite, nur war er sich relativ im
klaren was gleich geschehen würde. Gerade hatte er das letzte „Ok“ Signal erhalten und hatte
seinen Finger schon über dem roten Knopf zur Fernauslösung. Aber er wollte seinen
Sprengtruppen noch einen Vorsprung verschaffen. Sie sollten die Flanken des Durchbruchs
halten bis die Verstärkung vorrücken konnte. Zwar waren die Minen auf einem schmalen
Weg bereits geräumt und seine durchgerückte Truppe lag bereits in den Dünen vor Suwaylim,
aber es konnte noch eine Menge schief gehen.
Als alle seine Sprengtruppen ihre Positionen erreicht hatten und begannen sich schnell
einzugraben um die Frontstraßen zu sichern, drückte er den Knopf. Einen Moment hielt er den
Atem an. Nichts geschah, aber das war hoffentlich die Verzögerung der schlechten
Funkübertragung. Tatsächlich, dachte Faisal und atmete aus. Auf seinem Bildschirm konnte
er auf einem breiten Stück unzählige Feuersäulen in den Himmel steigen sehen. Zur selben
Zeit begannen seine Stoßeinheiten vorzupreschen und die Lücke zu nutzen. Sie gaben keinen
einzigen Schuss ab. Es war nicht nötig, die Sprengkommandos waren gründlich gewesen und
die vereinzelten MG Nester wurden in diesem Moment mit Mörserfeuer belegt und
ausgeschaltet. Schon setzte sich die zweite Stoßeinheit aus Schützenpanzern in Bewegung
und rückte vor. Seite 165

Kochend vor Wut blickte Mu-Berek auf den, vor ihm liegenden Offizier. Nun würde schon
wieder einen neuen Mann für die Funküberwachung brauchen. Er beschloss in Zukunft seine
Wut etwas zu zügeln und richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf den Durchbruch an der
Front. In diesem Moment stieß eine zweite Gruppe von leichten Panzern durch die Lücke.
Was Mu-Berek allerdings verwunderte, war die Tatsache, dass der Feind nicht versuchte die
Lücke zu sichern. Außer ein paar Kampfbuggys und eingegrabenen Infanteristen schien
niemand die Flanken zu halten. Sie schienen ein anderes Missionsziel zu haben.
Er blickte auf die Karte und runzelte die Stirn. „Was wollt ihr?,“ fragte er laut. Er beorderte
weitere Einheiten an den Durchbruch um die Lücke zu schließen, aber er hatte zu wenige
Einheiten um effektiv gegen die eingegrabenen Truppen vorzugehen. Ebenso wenig konnte er
aber seine schwere Kampfeinheiten aus ihren Stellungen abziehen, dies würde nur einen
weiteren Vorstoß des Feindes provozieren.
Seine Augen wanderten weiter über die Karte und fielen auf Suwaylim. Nun begriff er
welchen Zweck dieser Durchbruch gehabt hatte. Die Einheiten welche den Durchbruch erzielt
hatten, würden sich in Suwaylim eingraben und von dort aus seinen Nachschub angreifen. Er
musste seine Einheiten zurück verlegen, erkannte er, sonst würden seine Linien zusammen
brechen.

Faisal lächelte zufrieden, als ihn die Nachricht von der Einnahme Suwaylims erreichte. Kein
Schuss war gefallen, denn aufgrund des großen Aufmarsches seiner Truppen hatten sich die
wenigen Besatzungstruppen ergeben. Sofort hatten sich seine Verbände in der kleinen Stadt
eingerichtet und Stellung bezogen. Der Feldhauptmann trat an Faisal heran und klopfte ihm
auf die Schulter. „Gut gemacht. Das hat uns Zeit erkauft.“ Er deutete auf ein Display welchen
einen größeren Frontabschnitt darstellte. Trotz der Enge des Kommandowagens gelang es
Faisal sich umzudrehen und das Display nicht nur aus den Augenwinkeln zu beobachten.
„Der Erfolg ist überraschend groß, wir haben Hassans Mittel wohl überschätzt,“ bemerkte der
Feldhauptmann und beobachtete wie die Panzerverbände des Feindes die Linien so
begradigten, dass Suwaylim nicht mehr in ihrem Rücken lag. Ein großer Keil war so
entstanden und spannte die Linien Hassans noch weiter. „Schade, jetzt hätte ich gerne einen
weiteren Panzerverband,“ murmelte der Feldhauptmann. Faisal nickte, denn auch er erkannte
die günstige Gelegenheit, aber es fehlte ihnen genauso an Truppen wie dem Feind.
Auf dem Display wanderten beobachteten die Beiden wie die eigenen Truppen dem Feind
vorsichtig nachrückten und neue Positionen einnahmen. Es war ein Erfolg gewesen, aber
Faisal dachte bereits weiter. Er blickte seinen Vorgesetzten an. „Und nun Feldhauptmann?“
Der Mann blickte müde zu dem jungen Soldaten, der ihm diesen kleinen Erfolg beschert und
etwas Luft verschafft hatte. „Ich fürchte, dass weiß nur Kane, mein Junge.“
Wütend warf Mu-Berek ein Teeglas gegen die Wand. Er hatte sich einen neuen Befehlsstand
einrichten müssen. Die feigen Hunde in Suwaylim hatten sich kampflos ergeben und so dem
Feind wichtige Informationen geliefert. Daten über Versorgungswege, Kommandokette und
auch die Position seines Kommandopostens. Schließlich liefen dort alle Drähte zusammen.
Mu-Berek hoffte den befehlshabenden Soldaten, welcher sich ergeben hatte, noch einmal in
die Finger zu bekommen.

Er blickte sich in dem kleinen Keller um. Wieder in Al-Amarah, dachte Mu-Berek und
schnaubte wütend. Sein Kommandoposten lag nun in einem Keller am Rande der Stadt. So
hatte er sich den Blitzkrieg nicht vorgestellt. Er hatte einfach nicht die Truppenstärke um sich
aufreibende Kämpfe zu liefern. Auf seinem Datenblock scrollten die Verluste des Angriffes
ab. Nein, verbesserte er sich, ich habe nicht einmal genügend Truppen um die Stellung lange
zu halten. Seite 166

Ein junger Soldat betrat vorsichtig den Keller. Der Verschleiß in der Kommandoebene hatten
sich inzwischen herumgesprochen und keiner wurde beneidet, wenn er in der Nähe von MuBerek dienen durfte. Aber die Nachricht, welche der junge Soldat überbringen sollte, war gut
deshalb wagte er sich trotz des Wutanfalls seines Vorgesetzten zu ihm. „Sss .. Sir? Eine
Meldung.“ Der junge Soldat hielt sichtlich nervös einen Datenblock. „Was ist das?“ fragte
Mu-Berek barsch. „Die Nachrichtenzentrale hat es gerade entschlüsselt. Es kommt vom
Bahnhof Nord Al-Amarah, Sir,“ antwortete der Soldat und schluckte. Innerlich hörte er sich
immer wieder sagen. „Keine Sorge es ist eine gute Nachricht. Mir passiert nichts….. Eine gute
Nachricht….“
Mu-Berek nahm den Datenblock und aktivierte ihn. Kurz herrschte absolute Stille im Raum,
dann blickte er auf und lächelte kalt. „Danke mein Junge, du kannst gehen.“
Der junge Soldat trat aus dem Keller und erbrach spontan sein Frühstück an der nächsten
Ecke. Die Nachrichtenzentrale war auf der anderen Straßenseite einquartiert und als er sich
auf dem Weg dorthin machte, zitterte er immer noch am ganzen Leib.
Im Keller allerdings lächelte Mu-Berek unentwegt und blickte nochmals auf den Datenblock.
Die ersten Zeilen der Meldung lies ihn regelrecht frohlocken. Er las es noch einmal.
„Nachschubposten Bahnhof Nord (Al-Amarah): Melde gehorsamst das Eintreffen des
Nachschubes an Maulwurfpanzern und kybernetisch aufgerüsteter Infanterie. Verbände
werden umgehend ihrem Befehl unterstellt.“

Deutschland, Die Forschungslabors in der Zentral-Höhle der Koalition
Die Computer im Labor spukten erneut Ergebnisse aus. Karjiditsch kniff die Augen
zusammen und versuchte die Werte zu verstehen. Seine erste Koordinaten-Theorie konnte er
also verwerfen, dachte der Wissenschaftler.
Er hatte einen Kollegen zu Rate gezogen, aber auch dieser hatte sich keinen Reim auf die
Abfolge von Einsen und Nullen am Ende der Übersetzung machen können. Wieder war die
Vermutung gefallen, es könne sich um ein Computerprogramm handeln, aber das glaubte
Karjiditsch nicht. Nicht auf einer so alten Steintafel. Trotzdem musste er alle Möglichkeiten
durchgehen. Was man nicht glaubte musste man wiederlegen. Karjiditsch begann den Code in
den Computer einzugeben, ohne ein Verarbeitungsprogramm geöffnet zu haben. Nur ein
einfaches Programm war geöffnet. Er wusste nicht genau wie es hieß, aber das war auch
unwichtig. Es verarbeitete solche Zahlenabfolgen jedenfalls zu einem Programm, das wusste
er, auch wenn er kein Fachmann auf dem Gebiet war. Kurze Zeit hielt er inne und war
versucht einen Computerexperten hinzu zu ziehen, aber er wollte seine Arbeit nicht in
fremden Händen wissen. Es war seine Übersetzung. Außerdem war die Theorie sowieso
unmöglich. Er würde sie nur wiederlegen und dann eine andere Lösung suchen. Karjiditsch
schüttelte den Kopf und gab weiter die Zahlenabfolgen ein. „Ein Computerprogramm,“
murmelte er, “so ein Schwachsinn.“

Es dauerte lange bis er alles korrekt abgetippt hatte, aber da dieses dumme Programm keine
Importierfunktionen besaß, musste er alles so eingeben. Stunden später blickte er müde auf
den Bildschirm. Viel zu oft hatte er sich vertippt, aber er hatte die Fehler immer gefunden und
sich Zeile für Zeile voran gearbeitet. Er griff nach seiner Tasse Kaffee und stellte beim ersten
Schluck fest, dass der Kaffee inzwischen kalt war.

Karjiditsch startete den sogenannten Compiler des Editors. Dieser würde die Zahlenabfolge
sozusagen fressen und dann nichts ausspucken, da war er sich sicher. Ein Balken zeigte an
wie weit die Verarbeitung fortgeschritten war und schließlich war die gesamte Zahlenabfolge
verarbeitet. Einen Moment geschah nicht, dann wurden alle Bildschirme im Labor schwarz.
Karjiditsch sprang auf und fluchte. Eine Türe öffnete sich und ein Kollegen betrat den Raum.
„Was war das? Warum sind alle Computer tot?“ fragte er. Karjiditsch zuckte die Achseln.
„Keine Ahnung. Ich hatte wohl recht. Ein Computerprogramm ist es wohl wirklich nicht. Hat
wohl den Rechenkern überlastet.“ Der andere Wissenschaftler nickte zustimmend und steuerte Seite 167
auf eine weitere Türe zu. „Ich werde mal nach sehn ob etwas durchgebrannt ist. Wär’ ja nicht
das erste Mal.“

Eine Stunde nach dem Ausfall lief das Netzwerk wieder ohne Probleme. Ein schlichter
Neustart hatte zum Erfolg geführt. Der Computerexperte schloss seine Systemprüfungen ab,
er hatte keinen Fehler finden können. Die Gefahr eines Computervirus bestand nicht und
selbst wenn doch noch etwas auftreten sollte, war die Gefahr gering. Schließlich war das
Computernetzwerk der Labors abgeschottet und mit keinem anderen System der Bruderschaft
verbunden. Er koppelte seinen tragbaren Computer wieder ab und beschloss Mittagspause zu
machen. Zwanzig Minuten später hatte er seinen Computer wieder auf seinem Schreibtisch
stehen und an das Netzwerk der Zitadelle angeschlossen.

6
Deutschland, In den Privaträumen von Kasian
Der Blick auf die Höhle war wie immer erstaunlich und faszinierend. Überall unterhalb der
Zitadelle wurde emsig gearbeitet und alle arbeiteten um des einen Zieles willen. Die
Vereinigung der Bruderschaft. Alle diese Soldaten, Techniker und Arbeiter glaubten an ihren
Anführer, welcher sie aus der dunklen Zeit der GDI Okkupation leiten sollte.
Dieser Anführer bin ich, dachte Kasian und wand seinen Blick von dem großen
Panoramafenster in seinen Privatgemächern ab. Schweigend lies er seinen Blick durch den
großen Raum gleiten. Dies waren zwar seine Privatgemächer, doch ein großer Arbeitstisch
dominierte den Raum und zeigte deutlich, dass die Arbeit immer voran hatte. Dennoch hatte
er nie darauf verzichtet seine Arbeitsräume geschmackvoll einzurichten. Ein schönes Bild
oder eine Skulptur aus antiker Zeit lies Kasian immer sehr entspannen, wenn er von seiner
Arbeit aufblickte und sich ihnen zu wand. Aber in diesem Moment wollten die Kunstwerke,
welche die Wände zierten ihn absolut nicht entspannen und so ging er wieder zurück zu
seinem Schreibtisch um sich nochmals den Bericht seines Adjutanten zu betrachten.
Er lies sich in dem breiten, schwarzen Sessel nieder und nahm den Computerausdruck in die
Hände. Es war, als würde es ihm ein großer Tiberiumklumpen im Hals stecken, aber er las
den übersetzten Text der alten Steintafel nochmals durch.
Vorwort:

Kane sprach in seiner großen Rede vor den Brüdern im Tal der Mihraj von den großen
Dingen, die da kommen sollen, auch wenn es noch lange dauern mag. Von magischen
Pflanzen welche Gold und Edelsteine aus der Erde ziehen werden und die Welt verändern
wird, wie wir sie kennen. Die Bruderschaft würde sich dieser Pflanze annehmen und sie
verbreiten über die ganze Welt. Diese Prophezeiung soll uns leiten, wie Kane sagte. Hiermit
will ich SEINE Worte wiedergeben und an unsere Brüder und neuen Jünger weitergeben.
Sereg Rut’, Kerubim
„Brüder! Es wird eine Zeit kommen, in der die Bruderschaft nicht im Geheimen ihre Taten für
das Wohl aller Völker vollbringt. Ein göttlicher Fingerzeig wird vom Himmel kommen und
uns etwas schenken. Ein Kristall, schön wie Smaragd und doch kein Edelstein. Das
wundersame Kristall. Die grünen Diamanten welche auf dem Wiesen und in den Bäumen
wachsen werden, ist unsere Zukunft. Wie eine Pflanze das Wasser aus dem Boden ziehen
kann, wir es auf magische Weise, Gold und Edelsteine aus dem Boden ziehen können. Es wird
es zu jenen grünen Kristallen geformt sein. Dieses Kristall wird die Zukunft beherrsche meine
Brüder. Ja Brüder und Wir werden mit ihm herrschen. Verbreitet es meine Brüder, sobald es
unter uns ist“. Seite 168

Kasian rieb sich die Stirn und nickte. „Ja soweit haben wir die Tafel übersetzt. Ich war ein
Narr als ich glaubte die Prophezeiung Kanes auszuführen, obwohl ich nur einen Teil des
Textes kannte. Warum habe ich nur die Verbreitung des Tiberiums anordnen lassen.“ Er
fluchte laut und blickte dann auf die neuen Passagen der Übersetzung.
„Ja Brüder! Wir werden die Überbringer dieses Geschenkes sein und es auf der Welt
verbreiten. Die Welt wird dankbar unsere Führung annehmen. Wir werden eine Welt des
Friedens und des Wohlstandes schaffen. Wir, die Bruderschaft werden die Welt leiten!
Aber … aber meine Brüder, ich muss Euch warnen! Denn das grüne Kristall ist nicht
ungefährlich. Es mag ein Geschenk sein, aber es muss kontrolliert werden. Viele Dinge haben
zwei Seiten. Denk an Janus, den Gott mit den zwei Gesichtern. An eine Münze. Auf der einen
Seite sein Wert, auf der anderen das Bild eines Tyrannen. Genauso hat auch das Kristall zwei
Seiten. So kann es Euch töten wenn Ihr es berührt ohne Euch zu schützen. Auch kann es wie
Unkraut wuchern und alles verschlingen was auf dieser Welt unter der Sonne lebt.
Aber meine Brüder. Wir werden es kontrollieren und zum Wohle aller Völker, aller
Königreiche und Staaten einsetzen können. Denn wir werden einen magischen Stein besitzen
und mit jedem werden wir das Kristall kontrollieren. Der Stein nennt sich Tacitus und wird
ein Teil des Himmelsgeschenks sein. Bringt den Tacitus in den Besitz der Bruderschaft und
WIR WERDEN ÜBER DIE WELT HERRSCHEN, BRÜDER!
Kasian sank in seinem Sessel zusammen. Er hatte zugelassen, dass sich das Tiberium
ausbreiten konnte. Schon auf der Tafel stand, es würde sich wie Unkraut ausbreiten und das
hatte es auch getan. „Verdammt, bei Kane,“ fluchte er leise. Nun plagten ihn sein Gewissen.
Wenn er das Tiberium also nur für die Bruderschaft richtig nutzen konnte, hatte er viel
Schaden angerichtet. Tausende Menschen würde wegen seines Fehlers sterben, rief ihm sein
Gewissen immer und immer wieder ins Gedächtnis. „Ja,“ murmelte er, „es ist eine andere
Sache, unschuldige zu töten, als Soldaten in eine Schlacht zu schicken.“
Erschöpft vergrub er das Gesicht in seinen Händen und suchte nach einer Lösung. Natürlich,
er hatte nur versucht sie von der GDI zu befreien und die Bruderschaft zu vereinen. Doch nun
hatte er großes Unheil angerichtet und dessen war er sich mehr als nur bewusst. Aber nicht
nur die Menschen, welche nun unter seinem Fehler zu leiden hatten, machten ihm zu schaffen.
Was würde geschehen wenn diese Nachricht an seine Verbündeten drang? Er würde die
Verbreitung des Tiberium stoppen müssen, da war er sich sicher, aber das würde auch viele
zum nachdenken bringen. In der Bruderschaft blieb im inneren Zirkel, also in den höheren
Kreisen der Führung, nichts lange geheim. Bald schon würde seine Widersacher davon Wind
bekommen und es gegen ihn verwenden. Es ging also in mehrfacher Hinsicht um darum, den
Schaden zu begrenzen.

Kasian stand wieder auf und lief auf und ab. Eine Lösung würde sich finden, dachte er, aber
schon nach wenigen Sekunden konnte er nur noch an die Menschen denken, welchen er das
Tiberium vor die Haustüren gesetzt hatte.
Das Surren in der Kommandozentrale war im Grunde ein dauerhafter Begleiter wenn man
hier Dienst tat und man gewöhnte sich schnell daran es zu ignorieren. Aber an diesem Tag
konnte Adjutant Sander es aus irgend einem Grund nicht ignorieren. Es nervte ihn regelrecht
und so litt seine Konzentration. Zum Glück endete seine Schicht in einigen Minuten und dann
würde ein andere Offizier die Leitung der Kommandozentrale übernehmen.
Sander rieb sich die Augen und fragte sich woran es wohl lag, dass er so gereizt war.
Natürlich konnte es dafür nur eine Erklärung geben und genauso wie Sander derzeit das
Surren nicht aus seinem Gehör verdrängen konnte, musste er auch immerzu an die
Übersetzung der Tafel denken. Seite 169
Sie hatten einen großen Fehler gemacht, stellte er zum tausendsten Mal fest und fragte sich
wie wohl seine Rolle in dieser Tragödie war. Sicherlich hätte ein anderer sein Gewissen
beruhigen können, schließlich hatte er Kasian mehrmals gewarnt und große Zweifel
angemeldet. Aber das sanderische Gewissen schien dies nicht zu beeindrucken, schlimmer
noch, er hörte immer zu in seinem Kopf ein und den selben Gedanken. Du hättest es
verhindern können. Du hättest es verhindern können.
Hättest, hättest, hättest, dachte Sander im Streitgespräch mit seinem Gewissen. Aber er hatte
an Kasian geglaubt, denn bisher hatte er und sein Intuition sich noch nie geirrt. Doch nun war
dies nicht mehr so. Was würde nun geschehen, fragte er sich. Es konnte gut sein, dass die
Koalition um Kasian zusammenbrach wenn dies bekannt würde. Oder viel schlimmer, Hassan
könnte die Situation ausnutzen und die absolute Macht erringen.
Es war lange her, seit er sich einmal wirklich nach dem Ende seiner Schicht gesehnt hatte.
Schließlich war dies seine Lebensaufgabe und er hatte sonst wenig anderes. Er hatte sich
vollkommen den Zielen von Kasian verschrieben und folgte ihm schon seit den Anfängen.
Doch heute wollte sich sein Interesse nicht auf die Bildschirme lenken lassen und auch die
Berichte aus den einzelnen Bezirken, unterirdischen Basen und andere Meldungen überflog er
nur kurz. Wieder blickte er auf die Uhr an der Wand. In diesem Augenblick drang ein leiser
Gong durch alle Lautsprecher und kündigten das Ende der Schicht an. Sander begab sich ohne
zu zögern zu den Aufzügen und verließ den Kommandoraum. Viele ungläubige Blicke folgten
ihm und konnten kaum glauben wie der Adjutant sich heute verhielt. Schon wenige Stunden
später waren die ersten Gerüchte im Umlauf und die Höhle hatte ein neues Gesprächsthema.

CNN-News
„Guten Tag, meine Damen und Herren. Unser erstes Thema in den Nachrichten, der
Bürgerkrieg an am schwarzen Meer. Schon vor einigen Wochen entbrannte auf der Halbinsel
Krim selbst ein kurzer und blutiger Bürgerkrieg und endete mit dem Sturz der dortigen
Regierung. Die neu installierte Regierung hat bereits Wahlen angekündigt und scheint
tatsächlich Anstrengungen zu unternehmen eine funktionierende Demokratie zu errichten.
Nun scheint sich diese Bewegung auf den Nachbarstaat Krijecsk ausgeweitet zu haben. Diese
kleine Volksrepublik östlich der Krim leidet schon lange unter dem brutalen Regime einer
kleinen Oberschicht. Nun hat der Bürgerkrieg auch auf diesen Staat übergegriffen und etwa
die Hälfte des Landes soll sich schon in den Händen der Rebellen befinden.
Wie man aus verschiedenen Berichten entnehmen kann handelt es sich hier nicht um typische
Rebellen. Beobachter sprechen von großen Kampfverbänden und sehr professionellem
Vorgehen. Das Regime von Krijecsk hat bisher keine offizielle Stellungnahme zu dem
Bürgerkrieg gemacht, aber Satellitenfotos zeigen eine schwer umkämpfte Frontlinie bei einer
der größeren Städte des Landes.
Die wenigen Beobachter der Region schließen eine Beteiligung des Krim Staates nicht aus.
Immer wieder wird berichtet, dass große Konvois die Grenze überqueren und die Rebellen
offensichtlich mit Truppen und Material versorgen. Woher die Truppen stammen kann nur
gemutmaßt werden.

Fachleute prophezeien dem Krijecsk Regime ein baldiges Ende, denn die Rebellen verfügen
nach aktuellen Satellitenfotos sogar über Panzerverbände, allerdings wird befürchtet, das
Regime könnte sich in einem blutigen Massaker von den Mitbürgern verabschieden. CNN
Anfragen bei der GDI, ob eine Intervention geplant wird, wurden noch nicht beantwortet.
Allerdings wies die GDI darauf hin, dass es sich hier um einen Bürgerkrieg handle und die
GDI zur Befriedung innerstaatliche Konflikte ein Mandat des Staates selbst benötige. Nur bei
kriegerischen Akten zwischen Staaten habe die GDI sofortiges Eingriffsrecht.
Wir halten Sie natürlich weiterhin auf dem Laufenden.
Unser nächstes Thema beschäftigt sich mit dem 24. Tiberium Fachkonferenz in Genf…..“ Seite 170
Ein Kilometer südlich von Niznebakarskij, auf einem Hügel

Der Zoom des Fernglases zeigte Gregor eine kleine Stadt mit vielleicht fünftausend
Einwohnern. Aber für so eine eher beschauliche Stadt war eine Menge los, fand er und
beobachtete viele Kleinaster und Jeeps welche zwischen verschiedenen Gebäuden verkehrten.
Nun diese Stadt war schließlich der Dreh- und Angelpunkt der Feindabwehr. Hier wurden die
Konvois entladen und das Material an die Frontabschnitte verteilt. Hier ruhten sich die
Soldaten nach einer oder zwei Wochen an der Front aus und setzten ihr Material instand.
Gregor lächelte, als er das Gelände mit den Treibstoffvorräten fixierte. Leise murmelte er:
„Zeit für Euch, zu lernen, was es heißt während des Fronturlaubs Stress zu bekommen.“
Er setzte das Fernglas ab und blickte zu seinen Leuten, welche hinter ihm im Unterholz
warteten. „Wie viel C-4 haben wir dabei?“ fragte er mehr um nochmals sicher zu gehen.
Natürlich hatte er die Bestandslisten vor dem Abmarsch eingesehen, aber man wusste ja nie.
Nichts konnte schlimmer sein, als inmitten eines Einsatzes plötzlich die wichtige letzte
Sprengladung zu vermissen. Samuel kontrollierte das Marschgepäck und zählte alle C-4
Sprengladungen durch. „Da wir nur mit leichten Gepäck reisen müssen, haben wir nur acht
Ladungen.“ Gregor nickte und bestätigte somit die in seinem Gedächtnis verankerte Zahl.
„Das wird auch so reichen. Ich würde vorschlagen wir teilen uns auf und sprengen an zwei
Orten. Schade das wir keine genauen Daten bekommen haben. Aber das was ich bisher
gesehen habe deutet nicht auf starke Bewachung hin. Chris und Samuel, ihr werdet diesen
Sendemast im östlichen Teil der Stadt hoch jagen. Der Funkmast hat wahrscheinlich eine
wichtige Aufgabe bei der Koordinierung der feindlichen Truppen.“ Phillip lächelte und fiel
Gregor ins Wort. „Oder der kleine Herrscher dieser Republik lässt dort die neuesten Erfolge
seiner Truppen verkünden.“ Gregor nickte und lächelte. „Egal, dann ist es genauso ein Ziel
für uns. Phillip, du wirst mit mir dieses Treibstofflager im Norden einen Besuch abstatten.
Wir wollen doch mal sehen wie sie ohne Sprit zurecht kommen. Bei Einbruch der Dunkelheit
brechen wir auf.“

Über die kleine Pause waren alle Vier froh und die Stunden bis zum Einbruch der Dunkelheit
wurde zum ausspannen genutzt. Sie waren seit dem Überschreiten der feindlichen Linien ohne
große Pausen marschiert und langsam machte sich dauerhafte Ermüdung breit. Einzelne
Späße und die üblichen lockeren Sprüche täuschten nur schwach darüber hinweg.
Die meiste Zeit saßen alle schweigen an einen Baum oder Stein gelehnt und streckten die
Beine von sich. Phillip griff als erster in sein Gepäck und machte sich über die Feldrationen
her. Allerdings hielt sich seine Begeisterung in Grenzen und er aß die Ration nur, weil diese
laut Packung „alle wichtigen Nährstoffe, für den Soldaten im Felde“ enthielt. Gregor tat es
ihm nach einiger Zeit gleich und zog eine Plastikpackung mit irgendeinem FleischNudelgericht heraus. Der Hersteller hatte wohl weißlich das Gericht nicht benannt, man hätte
es eh nicht identifizieren können, dachte Gregor und zog an einer kleinen Lasche. Diese löste
in der doppelwandigen Verpackung eine chemische Reaktion aus und erhitzte die Mahlzeit
mehr oder weniger.

Nach diesem Festmahl begaben sich alle auf Beobachtungsposten und nahmen die Stadt ins
Visier. Zu ihrem Glück lag Niznebakarskij auf einer flachen Ebene und man konnte von
diesem Hügel sehr gut in die Stadt hinein sehen. Gregor war bei erreichen des Hügels mehr
als überrascht gewesen keinen Wachposten vorzufinden, aber offensichtlich hielt der Feind
diese Region für sicher.

Bei der Beobachtung konnten sie zwei Patrouillen ausmachen, welche im Uhrzeigersinn in
ihren Jeeps um die Stadt kreisten. Ansonsten gab es eine sichtbare Wache am Funkturm und
mehrere Wachtürme an den Depots. Leider war der Feind in der Stadt nicht so nachlässig,
aber man bekam eben nicht alles umsonst, dachte Gregor. Zumindest schien ihre
Minenblockade immer noch Erfolg zu haben, denn auf ihrem Weg entlang der Straße nach Seite 171
Niznebakarskij war kein Konvoi die Straße nach Norden gefahren. Nur einmal war ein Jeep
nach Süden gefahren, wahrscheinlich um nach den überfälligen Konvois zu schauen.

Ägypten, Kairo – Im Palast von Hassan
Nach dem letzten Schluck schleuderte Hassan sein Glas entnervt auf den Boden und erhob
sich von seinem Sessel. Die Staatsgeschäfte machten in manchmal rasend, wenn die Horde
von Speichelleckern und Bittstellern sich um ihn versammelte. Wieder hatten sie über die
trivialsten Probleme mit ihm sprechen wollen, als ob er für alles sofort eine Lösung parat
hätte. Aber für den heutigen Tag hatte es ein Ende den Vorsitzenden des Staatenbundes
Association zu spielen. Natürlich war es ein raffinierter Schachzug gewesen, die von ihm
kontrollierten Marionettenstaaten auch vor der Welt zu vereinen, aber es brachte auch viel
mehr Arbeit mit sich. Doch Hassan war sich sicher, so konnte er wesentlich besser
verschleiern, dass all diese Staaten in Wirklichkeit der Bruderschaft treu ergeben waren.
Für heute war es zu Ende und Hassan zog sich in seine Gemächer zurück. Er blickte um sich
und erkannte wieder einmal, dass er fast wie ein König herrschte. Die Vorzimmer zu seinem
Arbeitszimmer und den Schlafgemächern waren mit prunkvollen Säulen ausgeschmückt,
teure Teppiche bedeckten die Wände und der Marmorboden glänzte ehrwürdig unter seinen
Füßen. Drei seiner jungen Konkubinen kamen aus einem Seitengang auf ihn zu und lächelten
ihn an. Aber für solche Dinge hatte er jetzt noch keine Zeit. Er schüttelte nur den Kopf und
ging auf die große Türe zu seinem Arbeitszimmer zu.

Die richtige Zentrale und das Hauptquartier lagen natürlich tief unter seinem Palast, aber hier
liefen die Fäden ebenfalls zusammen. Während die Offiziere im Hauptquartier die
Nachrichten filterten und bewerteten, erreichten ihn hier oben in seinem Arbeitszimmer nur
die wichtigsten Meldungen und taktischen Daten. Schließlich hatte er ein kleines Reich zu
regieren und konnte sich nicht mit Einzelheiten herumschlagen.

Er stieß die schwere Eichentüre auf und betrat das Arbeitszimmer. Sofort zog ihn sein großer
taktischer Tisch an und er betrachtete die Weltkarte mit seinen Territorien. Der Tisch war eine
korrekte Nachbildung der Taktiktische in Kanes Tempel von NOD. Ein großes Display war in
den Tisch eingelassen und zeigte die neusten taktischen Daten an. Vom kleinsten
Frontabschnitt bis hin zur Gesamtlage. Hassan trat an den Tisch und gab einige Befehle auf
der Konsole ein. Drei Sekunden später verwischte das Bild der Weltkarte und wurde durch die
Karte des Irak ersetzt. Rote Linien wurden eingeblendet und zeigten die Frontlinie seiner
Truppen.

Noch immer hatten sie keine wesentlichen Fortschritte gemacht und waren sogar ein wenig
zurück geschlagen worden. Aber nachdem er die Truppenstärke seiner Stoßarmee
überschlagen hatte war er sich sicher, dieser Rückschlag konnte nur von kurzer Dauer sein.
Diese Aufmüpfigen Besahi NOD hatten auf Dauer keine Chance und bald würden sie sich
ergeben müssen.

Hassan strich über seine Gewand, er trug solche prunkvollen Gewänder wesentlich lieber als
die langweiligen schwarzen Uniformen der Bruderschaft. Für offizielle Anlässe für die
Verbündeten wurde zwar die Uniform erwartet, aber ansonsten trug er lieber etwas anderes.
Zum Glück rätselte die Weltpresse immer noch wer nun genau Präsident oder Anführer der
Association war. Zwar schwebte der Name Hassan im Raum, aber niemand konnte Beweise
entdecken und so hatte er zumindest vor dem Ausland etwas Ruhe. Leider war die GDI ja
nicht gewillt die großen und wichtigen Nachrichtensender unter ihre Kontrolle zu bringen.
Hassan bedauerte diesen Punkt sehr und nahm sich vor noch einmal mit General Solomon
darüber zu sprechen. Sollte der alte Mann nur glauben, er hätte in ihm einen Werkzeug für die
GDI gefunden, er verfolgte seinen eigenen Pläne. Die Unterstützung der GDI, besser gesagt
ihr wegsehen, ermöglichte es ihm immer größere Teile der Bruderschaft unter sein
Kommando zu stellen und bald würde er über die gesamte Bruderschaft herrschen. Er, Hassan Seite 172
würde es sein, welcher die GDI niederwerfen würde. Aber bis es dazu kommen konnte, gab es
noch viel zutun und so begann Hassan die Berichte seiner Untergebenen durch zu gehen.
Die ersten Berichte waren mehr oder weniger Uninteressant befand Hassan. Mit Berichten
über die einzelnen Verwaltungsgebieten mochte er sich nun wirklich nicht genauer befassen,
für solche Aufgaben bezahlte er einen ganzen Stab von Beratern. Wobei bezahlen wohl der
falsche Ausdruck war. Er sorgte dafür, dass sie ausreichend versorgt waren, mehr musste er
nicht tun. Alle seine Soldaten und Untergebenen glaubten an seine Vision und sie glaubten an
die Bruderschaft. Sie kämpften und arbeiteten aus Überzeugung und nicht um des Geldes
Willen. Während er so in seinen Gedanken schweifte fiel sein Blick auf den nächsten Bericht
und sogleich konzentrierte er sich nur noch auf das Display.
„Ein Bericht aus Deutschland?“ fragte er halblaut sich selbst und öffnete die Datei. Hassan las
den Bericht ein erstes Mal und schaute ungläubig. Erst nachdem er den Spionagebericht ein
zweites Mal gelesen hatte begann er zu lächeln. „Ich wusste diese Tafeln würden die
Bruderschaft beeinflussen,“ murmelte er, „aber ich dachte nicht, dass sie mir helfen würden
die Koalition um Kasian zu zerschlagen.“
Noch ein drittes Mal las er den Bericht und sog jede Einzelheit in sich auf. Kasian hatte sich
laut diesem Bericht geirrt und hatte fälschlicher Weise Tiberium in seinem Einflussbereich
verteilt. Die Ausbreitung hatte die Zivilbevölkerung zurückgetrieben und so auch den GDI
Einfluss geschwächt. Sie hatten viele Basen verlegt und die Bevölkerung evakuiert.
Aber Kasian hatte einen letzten nicht übersetzten Teil des Tafel nicht beachtet und so seine
Pläne ins wanken gebracht. Die Tafel warnte vor der Verbreitung des Tiberiums ohne den
Einsatz eines Geräts oder etwas ähnlichem. Der Spion bezeichnete es als Tacitus, aber Hassan
wusste damit nicht viel anzufangen.

Hassans Gedanken überschlugen sich und er begann einen Plan zu entwerfen. Er erinnerte
sich an die Rede von Kasian und murmelte: „Die Metapher mit den Skorpionen war wirklich
gut gewählt, mein Freund. Drei Skorpione kämpfen um die Bruderschaft. Die Besahi, Kasian
und ich, aber wir wissen alle wer diesen Kampf gewinnen wird und Kasian wird schon bald
spüren was es heißt von einem Skorpion gestochen zu werden.“

Irakische Frontlinie, Ein Kilometer vor Al-Amarah
Eine weitere Welle von Mörsergranaten wühlte den Sand am Stadtrand von Al-Amarah auf.
Eines der flachen sandgelben Häuser wurde getroffen und eine große Explosion riss die Hälfte
der südlichen Wand heraus. Vier Soldaten flohen aus dem getroffenen Haus und liefen so
schnell sie konnten in die Richtung von Ersatzschützengräben. So brandete der Kampf nun
schon seit gestern Nacht hin und her. Einmal gelang es den Truppen der Besahi vorzustoßen,
ein anderes Mal brachen die Truppen Hassans fast durch die feindlichen Linien. Es war eine
Pattsituation entstanden nachdem die Besahi NOD Suwaylim eingenommen hatten. Von dort
beschossen sie nun den Feind in den Vororten von Al-Amarah. Inzwischen brannten die
gesamte südliche Stadt und dicke Rauchschwaden verdunkelten den Himmel. Der Verlust von
Suwaylim hatte den Truppen von Hassan schwer zu gesetzt und die neuen Linien waren
geschwächt durch den Verlust fast eines Drittels aller Panzer. Diese Spezialkommandos der
Besahi hatten ganze Arbeit geleistet als sie die feindlichen Panzer für den Durchbruch der
eigenen Truppen gesprengt hatten. Nun standen sich auf beiden Seiten hauptsächlich
Fußtruppen gegenüber. Aber den Besahi gelang es nicht in den Vororten Fuß zu fassen.
Immer wieder wurden sie zurückgetrieben, aber im Gegenzug hielten sie auch ihre Linien vor
der Stadt verbissen.

Die Lage schien wirklich nicht gut, grübelte Mu-Berek, wäre da nicht sein Trumpf. Sein
Trumpf bewegte sich derzeit über den Tigris. Eigentlich hätte dieser Verstärkungstrupp schon
gestern Morgen die Front erreichen sollen, aber die wenigen Brücken, welche sie hatten
erobern könne, trugen die schweren Maulwurfpanzer nicht. Eine Pioniereinheit hatte erst eine
Pontonbrücke errichten müssen. Wertvolle Zeit war durch dieses Hindernis vergeudet Seite 173
worden, aber nun würde sein Trumpf, insgesamt 25 Maulwurfpanzer und zusätzlich zwei
große Trupps Cyborgs, doch eintreffen.

Mu-Berek betrachtete eine Karte auf dem wackeligen Tisch in seinem Kommandoposten. Der
Keller hatte inzwischen noch mehr Risse erhalten, als er bei seinem Einzug besessen hatte.
Sollte der Beschuss noch viel länger dauern, würde er sich ein neuen Posten suchen müssen.
Gestern Nacht waren zwei Granaten in das Haus über ihm eingeschlagen und hatten das Haus
fast völlig zerstört.

Er ging in Gedanken noch einmal die Verteilung der neuen Truppen durch. Zwei zehner
Gruppen Maulwurfpanzer würden hinter den Häusern am Stadtrand in Stellung gehen. Die
restlichen fünf Maulwurfpanzer sollten sich verteilen und eingraben. Dies würde in dem
höchst unwahrscheinlichen Falle eines Fehlschlages genügen Rückhalt geben um die Front zu
halten. Es durfte auf keinen Fall geschehen, dass er über den Tigris zurückgetrieben wurde,
dann würde er wirklich festsitzen und alles war zuende. Die zwei Trupps der willenlosen, aber
extrem starken Cyborgs würden hinter den Maulwurfpanzer gegen die feindliche Front
anrennen. Mu-Berek ging davon aus, dass sie die Schützengräben und Stellungen des Feindes
einnehmen würden, während die Panzer bis nach Suwaylim stoßen konnten. Doch bevor die
Offensive starten konnte würde es noch etwas dauern und um diese Zeit sinnvoll zu nutzen,
befahl er über Funk seinen wenigen schweren Geschützen die Linien der Besahi mit
Dauerfeuer zu belegen. Sollten sie ruhig wissen, dass sie bald einen Angriff zu erwarten
hatten, es würde ihnen nichts nutzen. Morgen um diese Zeit würde er wieder in Suwaylim
sein und wenn der Angriff gut lief, würde er die letzte große Verteidigungsarmee der Besahi
vernichtet haben.

Ägypten, Kairo – Im Palast von Hassan
Ein kurzes Klatschen und hinter einem Vorhang traten zwei Dienerinnen hervor. Beide waren
ihn dünne Seide gehüllt welche wenig von ihren Körpern verbarg. Einer der Vorzüge der
Herrscher zu sein, dachte Hassan und lächelte als die Dienerinnen ihm Tee und eine
Silberschale voller Datteln brachten. Die Dienerinnen verneigten sich und stellten den Tee
und die Schale auf ein kleines Tischchen neben dem Taktiktisch. Hassan nickte und scheuchte
sie mit einer Handbewegung wieder davon. Man konnte nie wissen ob nicht eine Spionin
unter den Dienerinnen und Konkubinen war, deswegen aktivierte er das Display auch erst
wieder als die Dienerinnen verschwunden waren.

Es war an der Zeit seinen Plan, Kasian zu stürzen genau auszuarbeiten, aber ihm fehlte immer
noch eine Möglichkeit alle Führer der Splittergruppen von der Schuld Kasians zu überzeugen.
Im Grunde würde man dafür eine Versammlung benötigen, aber welcher Anführer war
verrückt genug sich mit seinen Todfeinden zu treffen, fragte er sich. Dann kam ihm ein
Gedanke. „Oder aus welchem Anlass?“ fragte er sich halblaut und sein Blick fiel auf ein
Dokument, welches er bisher ignoriert hatte. Irgendein kleiner Anführer in der Koalition von
Kasian hatte einen Rat der mächtigeren Führer vorgeschlagen. Natürlich konnte dies auch
eine alte Finte von Kasian gewesen sein, aber in diesem Moment gab sie ihm den Anstoß den
er benötigte.

Nach wenigen Minuten stand das Grundgerüst seines Planes endlich vollkommen fest. Er
würde eine Versammlung der Führer von NOD einberufen und niemand würde ablehnen. Da
Kasian diesen Vorschlag an alle Anführer verschickt hatte und nun ein weitere der drei
großen Führer darauf einging hatte die kleineren Gruppen keine Wahl, sonst würden sie ins
hintertreffen geraten. Hassan lies sich seinen Plan auf der Zunge zergehen und lächelte. Er
würde die Versammlung des inneren Zirkels für seine Zwecke nützen und alle gegen Kasian
aufhetzten. Die Koalition um Kasian, die sogenannte KK würde unter dem Vorwurf des
Tiberium Missbrauchs zerschmettert werden. Schließlich hatte Kane auf den Tafeln davor
gewarnt und Kasian hatte dies missachtet. Hassan lächelte zufrieden und dachte an die vielen
kleinen Gruppen in der Koalition welche sich dann ihm anschließen würden. Dieser Fehler Seite 174
von Kasian würde ihn wesentlich schneller zu seinem Ziel führen als er zuerst angenommen
hatte.

Wieder klatschte er in die Hände und eine Dienerin erschien. Er blickte erfreut auf den
wohlgeformten Körper der Dienerin und lächelte wieder. „Heute Abend wünsche ich meine
Damen zu sehen. Richte ihnen aus, sie sollen sich auf einen gutgelaunten Liebhaber gefasst
machen und sie sollten entsprechend gekleidet sein.“ Die Diener verneigte sich und
antwortete: „Ja Herr, wie ihr wünscht.“ Dann verließ sie den Raum wieder und nachdem sie
den Vorhang wieder zu gezogen hatte verzog sie vor Ekel das Gesicht. „Die armen Frauen,
was wird das Schwein heute wieder mit ihnen anstellen.,“ murmelte sie traurig und dachte an
die vielen unfreiwilligen Konkubinen in Hassans Harem.
7
CNN News – Die Schlacht um Bagdad und Al-Amarah
„Willkommen bei CNN News meine Damen und Herren.
Zu den aktuellen Meldungen. Der Bürgerkrieg im Irak nimmt immer blutigere Züge an. Nach
berichten unserer Korrespondenten welche in Bagdad gefangen sind wurde heute das Feuer
wieder auf die Stadt eröffnet. Die Rebellen, welche die Stadt eingeschlossen haben und die
Aufgabe der Regierung fordern scheinen die Geduld zu verlieren und machen das Zentrum
von Bagdad dem Erdboden gleich. Jede Minute schlagen dort Geschosse ein und zerstören die
Stadt weiter. Von den Regierungsgebäude im Zentrum der Stadt soll nichts mehr übrig sein.
Die Angehörigen der Association-Getreuen haben sich mit ihrer Elite Garde überall in der
Stadt verschanzt. Viele Angriffe wurde abgewehrt, aber auch jegliche Ausbrüche der
regulären Regierung wurde von den Rebellen verhindert.

So blutig und sinnlos dieser erneute Angriff auf die Stadt erscheinen mag, gibt es doch
Hinweise, warum die Rebellen die den Griff der Belagerung plötzlich so eng um Bagdad
schrauben. Bisher ist es den Truppen der Association, welche auf Bitten der Regierung
einmarschiert sind nicht gelungen den Tigris zu überqueren. Ein schneller Vorstoß mit
Panzern, welcher Bagdad hätte befreien sollen, entpuppte sich als blutiger Stellungskrieg. Nur
bei einer Stadt namens Al-Amarah gelang es den Truppen der Association die Rebellen
zurück zu drängen und über den Tigris zu gelangen. Zwar wurden die Truppen in den letzten
Tagen mehrmals zurückgeschlagen und es zeichnete sich ein Stellungskrieg ab, aber es
scheint, als ob sich nun bei der Schlacht um die Vororte von Al-Amarah eine Entscheidung
abzeichnen würde. Beide Seiten scheinen eine letzte Offensive vorzubereiten, aber die
Rebellen sind inzwischen in der Unterzahl und die Niederlage scheint vorprogrammiert.
Vielleicht ist dies der Grund für den plötzlich so heftigen Beschuss auf Bagdad. Es ist
durchaus möglich, dass die Rebellen nun die Aufgabe der Regierung mit allen Mitteln
erzwingen wollen, bevor ihre Linien bei Al-Amarah durchbrochen werden und Panzer zur
Befreiung der Regierung nach Bagdad rollen.“

„Wir haben einen Reporter der Egypth Press in Al-Amarah. Vor einer Stunde haben wir ihn
kurz über sein Satellitentelefon erreichen können, bevor wieder Störsender der beiden
verfeindeten Parteien das Telefonat störten. Er berichtete von einem großen Aufmarsch von
neuartigen Panzertypen, welche er noch nie gesehen habe. Damit dürften sich die Berichte
über neue Waffenentwicklungen der Association bestätigen und weitere Fragen aufwerfen.
Ist die Rebellenorganisation im Irak im Recht? Besteht die Association aus einer Reihe von
machtgierigen Ländern welche den gesamten arabischen Raum unterwerfen wollen. Eine
Stellungnahme aus Israel hatte ebenfalls schon vor längerer Zeit vor so einer Entwicklung
gewarnt. Es sieht so aus, als würden die nächsten Stunden die Entscheidung bringen und Seite 175
zeigen welche Seite die Oberhand gewinnen wird. Wir halten sie auf dem Laufenden, in einer
Stunde berichten wir erneut.“
Irak, Front vor Al-Amarah
Wieder ging ein Hagel von Geschossen auf ihre Stellungen nieder und riss unzählige Soldaten
der Besahi NOD in den Tod. Die Luft brannte regelrecht und dicke Rauchschwaden stiegen
zum düsteren Himmel auf. Faisal schüttelte erschüttert den Kopf und sah zum Himmel. Der
Wetterbericht hatte von einem klaren blauen Himmel gesprochen, aber hier war davon absolut
nichts zu sehen. Dicke Rauchschwaden verdunkelten den Himmel, der Wind trug den Gestank
aus den Stellungen zu ihm. Zu seinem Unglück konnte er die meisten Gerüche erraten, von
verbrannten Treibstoff bis zu dem Gestank von zerfetzten Körpern.
Er schluckte hart und blickte auf die Karte. Sie hatten ihre Frontlinie halten können, selbst der
unaufhörliche Beschuss aus Al-Amarah hatte sie nicht vertreiben können, aber es fehlte an
Material und an Männern. Ihre Linien waren inzwischen ausgedünnt und würden einem
entschlossenen Angriff nicht mehr standhalten können.
Faisal stand auf und griff nach seinem Fernglas. Auf dem kleinen Jeep stehend, lies er seinen
Blick über die feindlichen Linien am Stadtrand schweifen. Inzwischen rechnete er jede
Minute mit einem Angriff und er war sich sicher, ihre Linien würden dann zusammenbrechen.
Aber Faisal hatte mit seinem Feldhauptmann gesprochen und zusammen hatten sie einen Plan
entwickelt, wie feindliche Vorstöße zum Stehen gebracht werden sollten. Deswegen war er
hier an die Front gekommen. Er hatte das legen großer Minenfelder überwacht und an
günstigen Positionen Rückzugsstellungen ausheben lassen. Sie hatten beschlossen jeden
Meter verbissen zu verteidigen und sich nach einer kleinen Niederlage einfach in die nächsten
Gräben zurück zu ziehen. Panzerabwehrgeschütze hatten sie genügend, es fehlte an
Offensivwaffen stellte Faisal erneut fest und verteilte zwei weitere PAK Gruppen auf Hügel
hinter der Front. Danach blickte er wieder auf die brennende Stadt vor ihm. Auch die eigenen
Geschütze mussten dem Feind schwere Verluste beigebracht haben.
Faisal dachte an den Begriff den er im Taktik Doktrin von NOD gelesen hatte als er noch
seine Ausbildung absolviert hatte. Der Name für so eine Taktik war gestaffelte Verteidigung,
aber das Handbuch hatte diese Taktik als sehr blutig und verlustreich für beide Seiten
beschrieben. Es war nicht eine der Taktiken welche die Bruderschaft bevorzugte und die
Vergangenheit hatte dem Doktrin recht gegeben. Bei der großen Schlacht um den Tempel von
NOD bei Sarajevo war die Bruderschaft zu eben dieser Taktik gezwungen gewesen und hatte
damit die Mobilität eingebüßt. Der größte Vorteil in einer Schlacht. Sie waren von den
schweren Panzern und dem Bomben der GDI zermartert worden und hatten schließlich
unterlegen.
Mit diesen Gedanken an eine Niederlage stieg Faisal wieder von der Ladefläche des Jeeps und
befahl seinem Fahrer zurück nach Suwaylim zu fahren.
Die wenigen Kilometer nach Suwaylim legten sie schnell zurück und Faisal stand bald wieder
im Kommandoposten des Frontabschnittes „Al-Amarah“. Die Einschläge der Geschütze war
zu einem fernen Grollen geworden welches unaufhörlich das Unheil ankündigte. Faisal
blickte zu seinem Vorgesetzten. „Alles wurde vorbereitet. Wir haben alle verfügbaren Minen
ausgelegt und die wichtigsten Passagen unpassierbar gemacht, auf jedem Hügel und in jedem
möglichen Hinterhalt stehen Truppen bereit um den Feind aufzuhalten. Aber es fehlt an
Panzern, wir haben nur noch einige Kampfbuggys und Infanterie.“
Der Feldhauptmann nickte langsam und blickte erschöpft auf die Karte vor ihm. „Das weiß
ich. Wir haben kaum noch etwas und sollte die kommende Offensive des Feindes unsere
Linien und die rückwärtigen Stellungen durchbrechen ist es zuende.“
Faisal blickte niedergeschlagen auf die Truppenaufstellungen. Es waren tatsächlich fast nur
noch Symbole für Infanteriegruppen zu sehen. „Haben wir denn gar nichts mehr? Ich dachte Seite 176
mit unserem neuen Anführer sollte die Wende kommen.“ Die Worte klangen enttäuscht und
wütend, doch der Feldhauptmann blickte milde auf seinen Zögling. „Er ist nicht Kane und er
kann uns keine Verstärkung schicken. Woher auch, soll er sie herzaubern. Unsere
Verbündeten im Osten von Russland haben selbst Probleme mit Hassans Truppen oder haben
sich Kasian angeschlossen. Sie werden uns keinen Nachschub schicken können, selbst wenn
es einen Weg gäbe. Aus Afrika habe ich auch nichts gutes gehört. Dort sind wir stark und
haben Hassan wieder viele Gebiete abgenommen, aber sie benötigen alle Truppen um die
Stellung zu halten. Ich fürchte wir stehen auf verlorenem Posten, mein Junge.“ Faisal blickte
entmutigt auf die Karte und fragte sich wie viele dieser Symbole nach der Offensive des
Feindes noch verbleiben würden.
Sie sprachen noch eine Weile über Möglichkeiten den Feind zurück zu schlagen, fanden aber
unter diesen Umständen keine echte Lösung. Den Feind über den Tigris zurückzutreiben war
das Ziel gewesen, aber im Häuserkampf von Al-Amarah waren ihre Truppen aufgerieben
worden und nun warteten sie auf die Gegenoffensive welche alles entscheiden konnte.
Ein junger Offizier betrat den Kommandoposten und meldete: „Sir, das Geschützfeuer hat
soeben aufgehört. Auf dem gesamten Frontabschnitt herrscht plötzlich Totenstille“ Faisal
blickte den Feldhauptmann an. „Ist ihnen die Munition doch ausgegangen?“ fragte er. Der
Feldhauptmann runzelte die Stirn. „Möglich wäre es. Vielleicht haben wir sie doch
überschätzt und sie haben versucht uns zu verwirren.“ Faisal schüttelte den Kopf. „Nein die
Berichte über die Verstärkung haben wir aus mehreren Quellen erhalten. Ein Spion berichtete
von einem großen Güterzug mit Panzern und jetzt hat es auch CNN gemeldet, dass sich neue
Panzer durch Al-Amarah auf die Front zu bewegen.“
Der Feldhauptmann schüttelte verwundert den Kopf. „Aber eine Offensive beginnt man mit
einem Dauerfeuer aus den Geschützen und nicht damit, dass man dem Feind noch einmal eine
Erholungspause gönnt.“
Der junge Offizier verschwand wieder und begab sich in die Funkzentrale. Faisal und sein
Hauptmann blieben zurück und wunderten sich über das Vorgehen des Feindes. Aber es
dauerte keine zwei Minuten, da begann ein lautes Grollen von der Front ihr Grübeln zu
unterbrechen. Das Donnern der feindlichen Geschütze war lauter als je zuvor, einige
Geschosse detonierten sogar am Rand von Suwaylim und ließen die Erde zittern. Der
Feldhauptmann nickte, als e Faisals Blick sah. „Ja jetzt geht es richtig los. Sie haben nur ihre
Geschütze abgestimmt, damit sie alle zusammen feuern. Ich denke durch die vielen
zeitgleichen Einschläge werden unsere PAK Truppen an der Front die feindlichen Panzer erst
sehen wenn sie direkt vor ihnen sind.“ Faisal verstand nun, was einer seiner Ausbilder damit
gemeint hatte, als er sagte, Geschützfeuer könne nicht nur zerstören, sondern auch einen
Sichtschütz bilden. „Soll ich die Truppen sich zurückziehen lassen?“ fragte er, doch der
Feldhauptmann schüttelte den Kopf. „Wir werden sie erst zurückziehen wenn der Feind droht
durchzubrechen. So werden wir immer wieder vorgehen, bis ihre Angriffe zum Stehen
kommen. Wir haben keine andere Möglichkeit, auch wenn es uns viele gute Leute kosten
wird.“
Faisal nickte nur und blickte auf eines der Displays an der Wand, auf dem erste Daten über
Feindbewegungen eingingen.
Den Anfang machte eine der übriggebliebenen Stoßeinheiten der ursprünglichen Armee
Hassans. Die Kampfpanzer der ersten Gruppe versuchten östlich von Suwaylim einen
Durchbruch zu erreichen. Die Gegend war flach und die Wüste an dieser Stelle von der Sonne
zu einer harten betonartigen Schicht verbrannt. Mit Höchstgeschwindigkeit rasten sie auf die
feindlichen Stellungen zu, um der feindlichen Panzerabwehr so wenig Ziele wie möglich zu
bieten. Seite 177
Als die Gruppe auf eine halben Kilometer heran gekommen war, setzte das Abwehrfeuer ein.
Der Panzerkommandant der Gruppe stellte schnell fest, dass die Besahi ganze Arbeit geleistet
hatten und Panzersperren errichtet hatten. Große Betonhindernisse machten seinem Verband
das Leben schwer und hinderten hin daran schnell zwischen die Stellungen des Gegners zu
preschen. Etwas versetzt hinter den Panzersperren lagen tief vergrabene Bunkeranlagen. Der
Panzerkommandant lies die Hälfte seiner Gruppe auf die Panzersperren feuern. Die
Betonhindernisse würden dem Beschuss nicht lange standhalten. Die andere Hälfte nahm die
Bunker und Schützengräben unter Feuer.
Während so der erste Angriff zum Stehen kam und der Panzerkommandant versuchte mit
massivem Feuer die Linien doch noch zu durchbrechen begannen die Geschütze der Besahi
mit dem Gegenfeuer. Die schweren Geschütze belegten den Frontabschnitt mit Granatfeuer
und umhüllten das Schlachtfeld mit feurigem Tod.
Der Panzerkommandant sah seine Gruppe zwischen seinen Händen wie Sand verlaufen und
gab den Befehl zum Rückzug. Seine Panzer verschossen Rauchgranaten um die verbliebenen
PAK Stellungen kein Ziel zu bieten und flohen hinter die eigenen Stellungen.
Doch während der Angriff an jener Stelle vorerst abgeschlagen wurde, marschierten durch die
unübersichtlichen Dünenregionen westlich von Suwaylim die ersten Cyborg Truppen und
griffen die Schützengräben der Besahi an.
Gegen die übermenschlichen Soldaten, verstärkt durch kybernetische Ersatzteile und
ausgerüstet mit einer Mini-Gun als Standartwaffe, hatten die einfachen Schützen der Besahi
nichts entgegen zu setzten. Nach zehn Minuten verzweifelten Gefechten waren die ersten
Linien an dieser Front von den Cyborgs besetzt und warteten auf die Verstärkung durch
reguläre Infanterie, bevor sie weiter vorstoßen sollten.
Immer wieder erloschen grüne Punkte auf dem Display und eine Position wurde mit Rot, also
Feindlich markiert. Faisal blickte erschüttert auf die Darstellung des massiven Angriffes von
Hassans Truppen. Innerhalb der ersten halben Stunde war ein Abschnitt der Front zur Hälfte
in die Hände es Feindes gefallen. Überlebende gab es kaum, nur ein halber Zug Infanterie
hatte es geschafft den Cyborgs zu entkommen, welche die Schützengräben gestürmt hatten.
An anderer Stelle hatten sie die erste Panzeroffensive des Tages abgewehrt, aber dabei über
fünfzig Prozent ihrer Stellungen verloren. Faisal rieb sich die Stirn und gestand sich ein, dass
sie niemals den Angriffen des Feindes überstehen konnten.
Die zweite Panzeroffensive begann zehn Minuten nachdem sich die Erste zurückgezogen
hatte. Ein gemischter Verband aus Überresten der ersten Stoßarmee und den neuen
Maulwurfpanzern begann auf die schon geschwächten Stellungen im Osten vorzurücken. Die
schnelleren Panzer des Verbandes rückten auf die schon fast gänzlich zerstörten
Panzersperren vor und überwanden diese nach einigen Minuten. Das geschwächte
Abwehrfeuer der Besahi wurde immer mehr zum verstummen gebracht und nachdem die
Maulwurfpanzer vor den Panzersperren auftauchten, war es um diesen Frontabschnitt
geschehen.
Die Maulwurfpanzer begannen ihre Spezialfähigkeit ein zu setzten und gruben ihr Heck in die
Erde. Nun waren sie besser geschützt vor dem Beschuss des Feindes und konnten ihrerseits
wesentlich genauer auf feindliche Stellungen schießen. Im Prinzip hatten sie sich zu schweren
Geschützen gewandelt und feuerten nun auf die Bunkerstellungen der Besahi.
Nach fünf weiteren Minuten war alles vorbei und die Besahi hatten sich in die
Ausweichstellungen einen halbe Kilometer hinter der ursprünglichen Front zurück gezogen.
Mu-Berek lächelte zufrieden, als er auf den taktischen Displays beobachtete wie seine
Verbände an zwei Stellen durchbrachen und so Suwaylim in die Zange nahmen. Zwar hatten Seite 178
seine Späher Ausweichstellungen des Feindes entdeckt, aber er war sich sicher, diese
ebenfalls durchbrechen zu können.
Mu-Berek gab seinen verschiedenen Verbänden an anderen Frontabschnitten ebenfalls den
Befehl zum Angriff und lies die durchgebrochenen Truppen Angriffe auf die Flanken des
Gegners führen. Mit einem Lächeln beobachtete er die nächsten zwanzig Minuten wie die
Frontlinie vor Suwaylim völlig zusammenbrach und seine Truppen teilweise bereits die
zweite Verteidigungslinie durchbrachen.
Suwaylim lag nun unter dauerhaften Granatfeuer. Immer wieder wurden wichtige Gebäude
getroffen und inzwischen brannte die Hälfte der Stadt. Faisal verfluchte diese neuen
Panzertypen, welche Geschosse abfeuerten, die dem eines schweren Geschützes in keiner
Weise nachstanden. Sie mussten sich nur eingraben, was offensichtlich nur wenige Minuten
in Anspruch nahm und dann verwandelten sie sich praktisch in ein schweres Geschütz.
Immer wieder zitterte die Erde unter Faisals Füßen und Sand rieselte von der Decke ihres
Kommandopostens. Der Feldhauptmann blickte zu Faisal. „Es ist Zeit Suwaylim zu verlassen,
der gesamte Kommandostab wird nach hinten verlegt,“ befahl er und Faisal hatte angesichts
des Dauerfeuers nichts dagegen einzuwenden. Innerhalb von einigen Minuten rannten überall
Offiziere umher und vernichteten Akten und packten alles nützliche in einen großen LKW.
Faisal stand inmitten dieses Wirrwarrs und blickte starr umher. „Das war es dann wohl,“
murmelte er und ging auf die Straße und bestieg einen der Kommandofahrzeuge.
Die ersten Stoßgruppen standen nun bereit um Suwaylim anzugreifen und den Ort ein für alle
Mal wieder unter die Kontrolle von Hassan zu bringen. Fünf Züge Infanterie und etwas mehr
als ein Zug Cyborgs standen für die erwarteten Häuserkämpfe bereit. Zwei Panzerverbände
würden den Vormarsch in die Stadt unterstützen und die Maulwurfpanzer würden bis zum
Beginn der Offensive die Stadt weiter mit ihrem zermürbenden Dauerfeuer belegen.
Saddam El-Fait, der Feldwebel, der die Verteidigung von Suwaylim leitete, sah sich einer
aussichtslosen Situation gegenüber. Die Hälfte seiner Truppen waren geflohen und die Front
um die Stadt begann zu bröckeln. An manchen Stellen war sie in heilloser Flucht auseinander
gebrochen. Die wenigen, die auf ihren Posten geblieben waren, wurden von El-Fait
eingeschworen bis zum Letzten zu kämpfen und Kanes Lehren zu verteidigen.
Der Anspruch für Kanes Lehren sterben zu dürfen schien den Willen der Verteidiger wieder
zu stärken und man bereitete sich trotz des Dauerfeuers auf den unausweichlichen
Häuserkampf vor. Als nach einigen Stunden das Dauerfeuer abebbte, hatten die Verteidiger
die Stadt bereits in eine Todesfalle verwandelt. Überall in den rauchenden Ruinen hatten sie
sich verschanzt, Panzerabwehrgeschütze versteckt und die Hauptstraßen vermint. Den
Angreifern würde nichts übrig blieben, als ein Haus nach dem anderen zu erobern und nie
würden sie wissen, ob nicht im Dach oder im Keller noch eine Gruppe Verteidiger wartete um
ihnen in den Rücken zu fallen.
Och ließ der Angriff auf sich warten und die Zeit wurde von den Besahi genutzt. Weitere
Fallen wurden errichtet und so war die Stadt nach einigen Stunden mit Sprengfallen und
versteckten Gräben und Bunkern übersät. Nachdem das Artilleriefeuer zwei Stunden lang
verstummt war, begann sich El-Fait zu wundern, führte es aber auf Versorgungsengpässe des
Feindes zurück und dankte Kane für die kurze Verschnaufpause, welche dies seinen Männern
gewährte.
Mit dieser Vermutung hatte El-Fait nicht unrecht gehabt. Zwar standen de Truppen bereit um
die Stadt zu erstürmen, aber es fehlte ihnen an Treibstoff für Panzer und Transportwagen. Für
die Eroberung der Stadt war es nötig mit maximaler Bewegungsfreiheit agieren zu können
und so sollte jeder Panzer mit vollem Tank ins Gefecht gelangen. Aber die Minenfelder, Seite 179
welche die Besahi ausgelegt hatten, behinderten den Vormarsch nun doch noch. Die
Angriffstruppen hatten die Felder unwissentlich umgangen und so einen der Trümpfe der
Besahi zunichte gemacht, doch nun erfüllten die Minenfelder doch noch ihre Aufgabe und
hielten die Versorgungskonvois auf. Einen solch langen Konvoi zu wenden und auf eine
andere Route zu dirigieren erwies sich als sehr schwierig. Da man es zusätzlich mit drei
Konvois zutun hatte, für welche nur eine sichere Route zur Verfügung stand, machte es nicht
gerade leichter.
El-Fait kontrollierte die Befestigungen seiner Truppen und gab hier und da noch Befehle um
sie zu verbessern. Im Großen und Ganzen waren sie vorbereitet. Diese Stadt würde zur Hölle
für Hassans Truppen werden und El-Fait wollte die Stadt halten, nicht nur den Heldentod
sterben.
Aber er sah auch, dass er zu wenige Männer hatte um eine echte Chance zu haben. Doch dies
lies seine Entschlossenheit nicht nachlassen. Mochte er hier sterben, die Stadt würde er nicht
kampflos aufgeben und in Hassans Hände fallen lassen. Der Feind würde einen sehr hohen
Blutzoll zahlen müssen um diese Stadt zu erobern. Immer noch hatte El-Fait vor, die Stadt
lebend zu verlassen. Seine Truppen würden nicht verpulvert werden und wenn die Stadt nicht
mehr zu halten waren, würden sie sich zurückziehen. Auch wenn es sein Auftrag war die
Stadt zu halten und er dazu fest entschlossen war, hatte er doch Verantwortung für seine
Soldaten und er würde sie nicht sinnlos opfern. Suwaylim würde fallen, dies war fast sicher,
aber sie würden dem Feind in dieser Stadt solche Verluste zufügen, dass sich die Front hinter
Suwaylim wieder stabilisieren konnte und sie den Kampf geordnet fortsetzen konnten.
Mit diesen Gedanken an die bevorstehende Schlacht blickte El-Fait, Feldwebel von
Suwaylim, treuer Diener der Besahi NOD auf die auf den Hügeln erkennbaren Truppen
außerhalb der Stadt. Es würde eine blutige Schlacht werden, dies schien bereits für beide
Seiten festzustehen.
5 Kilometer hinter Suwaylim
Die kleine Ortschaft fünf Kilometer hinter Suwaylim sollte also ihr neuer Kommandoposten
werden. Faisal betrachtete die niedrigen Hütten und die schmalen Straßen. Es war ein kleines
Provinznest, aber es passte irgendwie zu ihrer Situation. Wenn man den Berichten trauen
konnte würde Suwaylim bald fallen und die Front endgültig zusammenbrechen lassen. Bisher
waren alle Bemühungen des Oberkommandos, einen geordneten Rückzug zu organisieren,
gescheitert. Fast schien es, als wäre die Besahi einfach zu erschöpft von den vielen blutigen
Schlachten, um noch weiter zu kämpfen.
Viele Offiziere waren inzwischen der Meinung, eine geschlossene Front sei nicht mehr
aufrecht zu erhalten, egal wie weit man sich zurückzog. Sie plädierten für die Bildung kleiner
Guerillaeinheiten um den Feind so zu bekämpfen, aber Faisal war nicht dieser Meinung
gewesen. Was nützte die Taktik der Nadelstiche, wenn man auf sich allein gestellt war?
Natürlich hatte es Rebellen gegeben, welche durch solche Taktiken schließlich befreit oder
erobert hatten, je nach Sichtweise. Aber in den meisten Fällen hatte irgendwo eine Armee auf
die Guerillaangriffe gesetzt und sich diese zunutze gemacht, bis sie schließlich das Land
wieder befreit hatten. Doch woher sollte diese befreiende Armee kommen, wenn der Irak
vollständig wieder unter der Kontrolle der Association und Hassan war. Es würde keinen
Nachschub und kein neues Gerät geben. Für Faisal war diese Option nicht durchführbar.
Während er weiter das kleine Nest, welches nun von ihnen bezogen wurde, betrachtete,
überlegte er fieberhaft nach einer Lösung. „Was ist die Lösung?“ murmelte er immer wieder
und schlenderte niedergeschlagen durch die engen Gassen der Ortes.
Suwaylim, irgendeine Gasse nahe dem Marktplatz Seite 180
El-Fait hechtete in einen der Gräben und feuerte dann eine weitere Salve aus seinem
Impulsgewehr. Wieder fluchte er über die übermenschliche Stärke und Panzerung der
Cyborgs. Sie nahmen eine Stellung nach der Anderen ein und verloren dabei kaum Truppen.
Der erste Angriff der Panzer hatte man vor einer Stunde abwehren können. Mit eine
zufriedenem Lächeln dachte er kurz an den Moment als der komplette Verband in die Stadt
vorstieß, nur um hinter der ersten Kurve in einen Hinterhalt zu gelangen. Bis auf zwei Panzer
war niemand entkommen und alle Panzer waren in Flammen aufgegangen, als die Geschütze
aus ihren Verstecken gefeuert hatten. Aber nun hatte der Feind seine Taktik geändert und
eroberte die Stadt mit Infanterie und diesen verfluchten Cyborgs. Was schwer gepanzertem
Gerät nicht gelungen war, schien der Infanterie recht leicht zu falle. Schon ihr erster Angriff
hatte Erfolg gehabt und El-Faits Truppen hatten sich tiefer in die Stadt zurückziehen müssen.
Er zog eine weitere Handgranate aus seinem Gürtel und aktivierte sie. Im hohen Bogen warf
er sie über die Gasse und lies sie in ein Fenster im ersten Stock fallen. Die dumpfe Detonation
schleuderte einige Teile der Einrichtung aus den Fenstern, aber den Gardinen folgten auch
zwei feindliche Soldaten, was ihn ungemein befriedigte. Nun hatte er ein sicheres Schussfeld
auf die heranrückenden Cyborgs. Diese Mischung aus Mensch und Maschine waren
Teufelswerk, jedenfalls schienen sie direkt dem Höllenschlund entsprungen, fand El-Fait. Die
kleine Gruppe aus vier Cyborgs arbeitete sich gerade die Gasse zu ihm hinauf und feuerte fast
unablässig aus ihren Mini-Guns. Immer wieder schlugen Geschosse um ihn ein, aber El-Fait
hatte keine Lust von irgendwelchen Robotern erschossen zu werden. Das war der große
Vorteil von ihm, er war schlau, diese Cyborgs dagegen hatten einen Intelligenz welcher nicht
größer war als die einer durchschnittlichen Dattel. Aber nun für Datteln trafen sie recht gut,
fand El-Fait und duckte sich erneut unter einer Salve der Cyborgs.
Ein weiterer Soldat sprang in den schmalen Schützengraben und ging hinter den Sandsäcken
auf den Rändern des Grabens in Deckung. El-Fait blickte kurz auf ihn und identifizierte ihn
als einen der Soldaten aus der ersten Linie, welche schon überrannt worden war. „Wie
kommen Sie denn hierher Soldat?“ fragte er. Der noch recht junge Soldat seufzte und
versuchte sich den Schweiß von der Stirn zu wischen. „Ein paar von uns haben sich vor
diesen Teufeln in ein Haus retten können und haben drei Cyborgs erwischt, aber dann haben
unsere eigenen Leute aus der zweiten Linie mit Mörsern auf das Haus geschossen. Nur ich
habe es rausgeschafft, verdammt!“ El-Fait nickte nur. Der Häuserkampf war eine grausame
Sache. Man wusste nie ob der Feind nicht schon im Keller war, während man versuchte das
Erdgeschoss zu halten. Nie wusste man, ob man auch wirklich auf Feinde schoss oder ob die
Granaten die eigenen Leute zerrissen.
Er wies mit der Hand in Richtung der langsam anrückenden Cyborgs. „Wie habt ihr sie
ausgeschaltet?“ fragte er. Der Soldat lächelte und deutete auf seinen Kopf. „Sie mögen ja zäh
sein, aber die Konstrukteure dieser Dinger haben wohl zu menschlich gedacht. Der Kopf ist
anscheinend immer noch sehr wichtig. Ein oder zwei volle Treffer und der Cyborg geht zu
Boden. Manche schießen auch dann noch weiter, aber meist mehr auf eigene Kameraden.“
El-Fait lächelte und legte sein Gewehr an. Er versuchte so wenig wie möglich aus der
Deckung der Sandsäcke zu kommen und feuerte dann sobald einer der Cyborgköpfe im
Fadenkreuz erschien. Das Lächeln verbreiterte sich als der Cyborg zu Boden ging und nur
noch unkontrolliert zuckte.

Der andere Soldat tat es ihm gleich und schaltete einen weiteren Cyborg aus. Die Gasse
würden sie halten können, dachte El-Fait und hoffte die anderen Soldaten würden die
Schwäche dieser Maschinen ebenfalls erkennen. Es würde lange dauern bis eine Seite in
Suwaylim die Oberhand gewinnen würde. Mit diesen Gedanken gab er einen weiteren
Feuerstoß ab um dann wieder in Deckung zu gehen.
Das kleine Dorf fünf Kilometer hinter Suwaylim Seite 181
Der Feldhauptmann blickte auf die Karte und runzelte die Stirn. In seinen Augen klomm
Verzweiflung auf und er rieb sich über das Kinn. Er fragte sich, wie lange es wohl her sei,
seitdem er sich das letzte Mal rasiert hatte. Faisal beobachtete seinen Vorgesetzten und
erkannte die Verzweiflung.
„Haben wir noch eine Chance, Sir?“ fragte er nach einigen Minuten gerade heraus. Der
Feldhauptmann blickte auf und musterte seinen Zögling. Er hatte Mut und das war ein
weiterer Punkt weswegen er ihn ausgewählt hatte ihn zu unterstützen.
Der Feldhauptmann verschränkte die Arme hinter dem Rücken und begann wie ein Tier auf
und ab zu gehen. „Ich weiß es wirklich nicht. Unsere Linien sind aufgerissen, die Truppen
fliehen kopflos von der Front. Das Oberkommando schweigt sich aus, dabei wäre wohl das
eine Möglichkeit wieder Ordnung zu schaffen,“ erklärte er. Faisal runzelte die Stirn. „Wie
meinen Sie das, Sir?“ fragte er. „Die Truppen haben Angst, ihr neuer Anführer hält sich
bedenkt, sie kennen nicht einmal seinen Namen. Dabei brauchen sie Zuspruch um wieder Mut
zu gewinnen. Es wird immer jemand gebraucht der die Soldaten motiviert, ein Mann der die
Leitfigur ist,“ erläuterte der Feldhauptmann. „Ein neuer Kane?“ fragte Faisal. „Nein, kein
neuer Kane. Eine Figur die man mit Kanes Zielen identifizieren kann. Wir, die Besahi NOD,
haben uns die Verbreitung von Kanes Lehrern auf die Fahnen geschrieben, aber wir brauchen
wohl einen, nennen wir ihn Ersatz-Kane.“ Faisal lächelte matt. „Das klingt amüsant, aber wird
das Oberkommando das verstehen?“ Der Feldhauptmann blieb stehen und blickte ins Leere.
„Ich denke sie wissen es und unser neuer Anführer wird sich seine Gedanken machen.
Denken sie daran, seine Strategien waren es, welche die unsere Linien stabilisiert haben und
ihre kleine Offensive ermöglichten.“ Faisal nickte, auch er glaubte an ihren neuen Anführer.
Diese Person, es konnte genauso gut eine Frau sein, musste viele Fähigkeiten besitzen um die
Besahi zu retten, aber nach allem, was sie bisher davon zu spüren bekamen, war Faisal bereit
an diese Person zu glauben. „Dann hoffen wir also auf unseren ‚Ersatz-Kane’?“ fragte er
schließlich. Der Feldhauptmann nickte langsam und begann dann zu lächeln. „Ja das ist es
wohl. Aber bevor Kanes Licht auf das Oberkommando fällt sollten wir versuchen die Linien
wenigstens etwas zu ordnen.“ Mit diesen Worten trat er an den Kartentisch und blickte dann
auf eines der bereits installierten Displays an der Wand, auf dem sich ständig Symbole
veränderten. Faisal nickte und trat ebenfalls an den Tisch.
In Suwaylim
Wieder hämmerten Granaten in ein Haus und brachten es zum Einsturz. Heißer Staub stieg
von dem zertrümmerten Haus auf und blockierte die Sicht. El-Fait und seine Truppen hielten
immer noch knapp die Hälfte der Stadt und zu ihrem Glück war es dem Feind nicht gelungen
sie einzukesseln. Immer noch wurden die Truppen östlich wie auch westlich der Stadt durch
große Minenfelder behindert und vereinzelte versteckte Stellungen erlaubten es ihnen nicht
die Felder schnell zu umgehen. Die Rechnung war aufgegangen und die Truppen von Hassan
bluteten in der Stadt mehr als es ihnen lieb war.
Eine weitere Explosion riss El-Fait aus seinen Gedanken und er erblickte auf der Gasse vor
ihm eine Gruppe feindlicher Soldaten. Er eröffnete das Feuer und streckte zwei von ihnen
nieder, bevor die restliche Truppe in einen Hofeingang floh. Solche Szenen waren die
vergangenen Stunden immer wieder überall in der Stadt abgelaufen. Die Truppen von Hassan
hatten versucht vorzurücken und waren in eine Falle getappt oder plötzlich aus einer
Seitengassen beschossen worden. Inzwischen mussten die Verluste der Angreifer immens
sein.
Doch auch die Besahi hatten einen hohen Blutzoll zahlen müssen und nur noch wenige
Stellungen waren voll besetzt. Außerdem fehlte es ihnen an Munition und anderen
Versorgungsgütern. El-Fait erkannte, dass es Zeit war aus der Stadt zu verschwinden. Sie
hatten ihren vorangingen Zweck erfüllt und die feindlichen Kräfte stundenlang in der Stadt
gebunden. Suwaylim zu halten war ein Traum gewesen und hatte sich in einen Alptraum Seite 182
verwandelt der nun ein Ende haben würde. El-Fait befahl seinen verbliebenen Truppen sich
zum Rückzug zu sammeln. Sie würden mit einigen Fahrzeugen die Flucht ergreifen,
inzwischen waren sie so wenige, dass sie alle auf den wenigen Fahrzeugen Platz fanden. Ihr
Rückzug würde von einigen Freiwilligen gedeckt werden und natürlich von den
Verwundeten. Für viele von ihnen kam jede Hilfe zuspät und sie waren zu schwer verletzt um
abtransportiert zu werden. Den Verwundeten war dies bewusst und jene die noch halbwegs
aufrecht sitzen konnten, hatten ein Gewehr in die Hand genommen um sich zu verteidigen. So
würden sie zumindest ihren Kameraden während des Rückzuges den Rücken frei halten.
El-Fait dankte ihnen im Stillen für diese Tat und bewunderte sie. Dann war es auch Zeit für
ihn zu gehen und er sprang aus seinem Graben. El-Fait lief so schnell er konnte zu den zwei
Straßen weiter geparkten Transportern. Immer wieder pfiffen ihm Geschossen um die Ohren
und schlugen in den Hauswänden ein. Als er die Transporter erreichte erblickte er die auf eine
kleine Schar zusammengeschrumpfte Truppe, welche Suwaylim verteidigt hatte. Er sprang
auf einen der Jeeps und blickte sich um, nach weiteren Nachzüglern Ausschau haltend. Nur
noch ein Soldat rannte so schnell wie möglich die Straße hinunter und sprang auf einen der
Laster. Dann rief er laut: „Sie kommen bald, wir müssen weg!“ El-Fait nickte ihm zu und gab
den Befehl zum abrücken.
Schnell heulten die Motoren der Fahrzeuge auf und sie rasten nach Süden aus der Stadt
hinaus. Hinter sich ließen sie eine brennende Stadt und einige verwundete Kameraden welche
immer noch Hassans Truppen behinderten. El-Fait blicke zurück auf die Stadt und murmelte:
„Bei Kane, es sind wahre Helden!“
Im neuen Kommandoposten fünf Kilometer hinter Suwaylim
Ein Nachrichtenoffizier brachte die Nachricht vom Verlust Suwaylims, aber niemand hatte
damit gerechnet überhaupt eine Nachricht zu erhalten. Faisal blickte erstaunt auf die
Nachricht. „Es haben sich etwa sechzig Mann retten können, darunter der Befehlshabende ElFait. Und das trotz des massiven Angriffes. Ich glaube sie haben uns wirklich eine
Verschnaufpause erkämpft.“
Der Feldhauptmann blickte Faisal über die Schulter und las die Nachricht. „Oh ja, El-Fait ist
ein guter Mann. Aber mehr als einen kurzen Atemzug haben wir nicht, wir müssen unsere
Linien wieder formieren!“
In diesem Moment rannte ein Rekrut in den Raum. Alle anwesenden Offiziere blickte
überrascht auf und sahen einen aufgeregten Rekruten. „Sir, ich komme aus der Funkzentrale
nebenan, wir werden gleich eine Rede von unserem Anführer empfangen, ich soll ihr Display
auf die Frequenz einstellen.“ Der Feldhauptmann nickte, fragte aber dann: „Warum kommt
der diensttuende Offizier nicht selbst?“ Der Rekrut war sichtlich nervös und fummelte bereits
an der kleinen Konsole des Displays herum. „Äh, er versucht die Sendung aufzuzeichnen,
aber er hat nur ein schlechtes Band auftreiben können. Es gibt irgendwelche Probleme und da
hat er mich geschickt.“ Der Feldhauptmann nickte wieder und lies sich in einem der wenigen
Stühle nieder.
Nach einiger Zeit trat der Rekrut zurück und blickte auf einen schwarzen Bildschirm.
„Eigentlich sollte dies die Frequenz sein,“ sagte er mehr zu sich selbst. Doch bevor er wieder
an die Konsole treten konnte, erschien auf dem Display das Emblem der Bruderschaft von
NOD und eine der inoffiziellen Hymnen der Bruderschaft erklang.
Schließlich verschwand das Emblem und wurde durch einen Mann mittleren Alters ersetzt.
Sein Haar militärisch kurz geschnitten und er trug eine einfache Uniform der Bruderschaft,
ohne jegliche Abzeichen. Ein leises Raunen und Murmeln ging durch den Raum, in dem sich
inzwischen noch mehr Offiziere eingefunden hatten. „Ist er das?“ fragte ein Stimme. Eine
Andere fauchte: „Still!“ Seite 183
Der Mann auf dem Schirm lies sich Zeit bevor er zu sprechen begann. Es schien fast, als ob er
seinen Zuschauern Zeit geben wollte ihn zu mustern. Nach etwa einer halben Minute begann
er zu sprechen.
„Brüder, Anhänger der wahren Lehren Kanes. Besahi!
Wir haben in der letzten Zeit viele Kämpfe bestehen müssen. Viele davon waren nicht mit
Siegen gekrönt! Und oft war es die Schuld des Oberkommandos, JA das Oberkommando hatte
sich geirrt. Das Oberkommando hatte sich falsche Ziele gesetzt und uns in diese Lage
gebracht.
Er machte eine kurze Pause und lies die Worte verklingen. Dann setzte er wieder an und
sprach weiter.
Ich habe das Oberkommando gewarnt. Ich habe ihnen die Gefahren vor Augen geführt, doch
sie wollten nicht hören. Ihre hohen Ziele, ihre eigenen Interessen waren ihnen wichtiger.
Es hat einen Wechsel gegeben. Das Oberkommando wurde ersetzt!
Die letzten Worte sprach er unglaublich hart aus.
Ich, Slavik, bin nun Euer Anführer. Derjenige der führt und leitet. Doch Ihr seit die Kraft, der
Wille und der weg. Wir werden die Lehren Kanes wieder wortgetreu verbreiten. KEINE
verdrehten Wahrheiten mehr. KEINE Lügen wie es Hassans Art ist.
WIR sind die WAHRE Bruderschaft. WIR sind das Licht KANES! WIR werden Kanes
Wiederkehr vorbereiten.
Die Worte hallten irgendwie in den Ohren aller Zuhörer und Faisal war beeindruckt von der
Redekunst ihres neuen Anführers.
WIR sind die Faust von NOD. Wir schlagen zu, treffen hart und ziehen uns wieder zurück.
Dies sind die Lehren des Krieges, welche wir von Kane erlernt haben. Doch wir haben sie
vergessen. Wir haben sie ignoriert. Das darf nicht wieder geschehen, denn was geschehen ist,
wissen wir alle.
Im Irak sind wir auf dem Rückzug, anstatt in Bagdad unseren Sieg zu feiern. In Russland
kämpfen unsere Truppen gegen Verräter. Nur hier in Afrika, wo ich mich aufhalte, konnten
wir uns halten. WIR sind seit gestern Abend die Herrscher über ganz Zentral Afrika.
Doch dieser Erfolg wiegt die Niederlagen nicht völlig auf. Der Irak ist für uns verloren. Aber
bedenkt meine Brüder, eine Faust schlägt nicht nur zu. Nein Brüder, eine Faust muss es auch
verstehen zu parieren, abzuwehren und eine Finte zu schlagen. Ja Bruder auch der Rückzug,
das zurückziehen gehört zu den Tugenden der FAUST von NOD.
DOCH HÖRET MEINE WORTE BRÜDER. UND MÖGEN SIE AUCH UNSERE FEIDNE
HÖREN. DIE FAUST VON NOD ZIEH SICH NUR ZURÜCK UM ERNEUT KRÄFTE ZU
SAMMELN. WIR, die Besahi NOD, die Kreuzritter Kanes, werden zurückkehren und die
FAUST wird all unsere Feinde zerschmettern.
Im Namen von Kane!
Nach diesen letzten Worten wurde der Bildschirm schwarz.
Faisal fühlte sich seltsam. Einerseits hatte er nun endlich erfahren wer ihr Anführer war und
die Rede hatte ihn mehr als nur motiviert. Er war wieder bereit in den Kampf zu gehen. Für
Kane und die Besahi. Aber dennoch waren die Worte von Slavik nicht ein Ruf zu den Waffen
gewesen. Es war ein Ruf die Ordnung zu wahren und ein Rückzugsbefehl. Er blickte zu
seinem Feldhauptmann, der noch immer in seinem Stuhl saß und auf den Bildschirm blickte.
„Wir ziehen uns also zurück?“ fragte Faisal. „Ja, das werden wir.“ Die Antwort kam von der
Tür, die zur Funkzentrale führte. Seite 184
Alles anwesenden Offiziere drehten sich um und unterbrachen ihre Gespräche über Slaviks
Rede. Der diensthabende Nachrichtenoffizier trat durch die Türe und hielt ein Stück Papier in
den Hand. Er steuerte auf den Feldhauptmann zu und übergab ihm das Papier. Dieser
überflog es kurz und nickte dann. „Das Oberkommando hat neue Befehle für uns. Geordneter
Rückzug. Wir werden in geheime Tunnels evakuiert und nach Afrika gehen,“ erläuterte er den
Befehl. Faisal schaute überrascht drein. „Alle?“ fragte er. Der Feldhauptmann lächelte matt.
„Aber nein, nur speziell ausgewählte Verbände und Offiziere. Der Rest hat den Befehl ihre
Ausrüstung zu verstecken und sich unter die Bevölkerung zu mischen oder sich dem Feind
anzuschließen, damit wir mehr Agenten in ihren Reihen haben.“
Faisal und die anderen Offiziere nickten zustimmend und verließen den Kommandoraum.
Auch der Nachrichtenoffizier verließ den Raum um die einzelnen Befehle an die Verbände zu
verteilen. Nur Faisal und der Feldhauptmann blieben zurück. „Also nach Afrika,“ murmelte
Faisal und blickte auf eine der Karten.
In Suwaylim

Die Truppen der Association hatten noch eine ganze Stunde benötigt um die letzten
Wiederstandsnester auszulöschen, bevor sie Suwaylim als erobert erklären konnten. Die
zurückgebliebenen Verwundeten hatten sich verbissen gewehrt, auch nachdem ihre
Kameraden schon weit von der Stadt entfernt waren. Nun eine weitere Stunde später fuhr der
Befehlshaber des Irak Feldzuges in die Stadt ein und lies sich von seinen siegreichen Truppen
feiern.
Mu-Berek stand auf der Ladefläche seines Jeeps und winkte den Soldaten zu, die auf den
Ruinen und am Straßenrand standen und jubelten. Er lächelte und reckte die Faust als Zeichen
des Sieges in den Himmel, aber innerlich war er wütend, so viel Zeit mit diesem kleinen
Vorort verschwendet zu haben. Seine Truppen hatten schwere Verluste erlitten, als sie die
Stadt gestürmt hatten. Nie hatte er mit so verbissenem Wiederstand gerechnet und nun musste
er seinen Truppen eine Ruhepause gönnen. Eine Pause die er sich im Grunde nicht leisten
konnte, da der Feind sie ausnutzen würde.
Der Jeep hielt vor dem neuen Befehlsstand in der Stadt und Mu-Berek von der Ladefläche.
Der Befehlsstand war in einem kleinen Keller eingezogen. Eines der wenigen Häuser, welche
den Angriff halbwegs heil überstanden hatten. Im Befehlsstand wurde bereits hektisch
gearbeitet, Kabel verlegt und Geräte installiert.
Mu-Berek überflog die eingegangenen Meldungen, welche auf einem Tisch für ihn bereit
lagen. Sie waren nach Dringlichkeit geordnet und so meldete das erste Papier eine große Rede
des Besahi Anführers. Mu-Berek griff sofort nach dem Papier und las die Worte des neuen
Anführers, Slavik.
Er legte das Blatt Papier wieder auf den Tisch und starrte ins Leere. „Ziehen sie sich nun
zurück?“ fragte er sich selbst. Aber natürlich konnte es genauso eine Finte sein um den Feind
in Sicherheit zu wiegen. Mu-Berek musste sich sicher sein und daher beschloss er sofort
mehrere Spähkommandos auszuschicken um die Stärke des Feindes zu überprüfen. Dann
erinnerte er sich an sein primäres Ziel. Natürlich sollte er die Besahi NOD vernichten, aber
dies würde weitaus leichter sein, wenn Bagdad nicht mehr eingekesselt sein würde und er die
Elite Truppen der irakischen Regierung zur Seite haben würde. Er gab einem seiner
Adjutanten den Befehl die Reserven, zwei Panzerverbände und eine mobile Infanterieeinheit
nach Nordwesten vorstoßen zu lassen. Sie sollten ihm den Weg nach Bagdad ebnen, während
er hier die Reste der Besahi zerschlagen würde.
8
Am Stadtrand von Niznebakarskij 
Der Abend war kühl und der Himmel von dicken Wolken verhangen. Es sah aus, als könnte
es jeden Moment einen Ionensturm geben. Gregor beobachtete die Stadt durch sein Fernglas
und suchte nach neuen Patrouillen. Letzte Nacht waren sie kurz vor dem Aufbruch in die
Stadt auf eine weitere Einheit gestoßen, welche in und um die Stadt ihre Runden drehte.
Zuerst war sie ihnen nicht aufgefallen, da ihr Weg nicht sehr regelmäßig zu verlaufen schien,
doch letztendlich war ihnen doch ein Muster aufgefallen. Der Zeitraum, in dem diese
Wacheinheit ihre Runde machte war einfach nicht so eng. Gregor hatte den Abmarsch um
einen Tag verschoben um nach weiteren ähnlichen Wachtrupps zu suchen, aber weitere waren
nicht aufgetaucht.
Aber sie hatten den erste Konvoi aus dem Süden eintreffen sehen, was natürlich bedeutete,
dass die Straße wieder geräumt worden waren. Doch der Konvoi schien den Bedarf nicht
decken zu können. Selbst auf der Ferne konnte man sehen, wie die meisten Versorgungsgüter
direkt an die Front weiterfuhren. Nur Treibstoff schien in rauen Mengen vorhanden zu sein.
Gregor blickte nochmals auf die Stadt und beschloss nun doch diese Nacht loszuschlagen. Es
war wichtig dem Feind, noch geschwächt durch den Versorgungsausfall, noch größere
Schäden zuzufügen. Vor allem die Treibstoffreserven schienen verlockend und würden die
Bewegungsfreiheit des Feindes enorm einschränken, sollte man sie verringern.
Mit einigen Handgriffen verstaute Gregor das Fernglas und verlies seinen
Beobachtungspunkt. „Abmarsch!“ bellte er seinen Kameraden zu, als er das kleine Lager
zwischen einer Baumgruppe erreichte. Die Drei standen augenblicklich auf und schulterten
ihre Ausrüstung, auf diesen Befehl warteten sie schon seit Stunden. Doch erst jetzt war die
Sonne hinter den Horizont verschwunden und die Nacht brach herein. „Der Plan bleibt
bestehen. Samuel und Chris nehmen sich den Sendemast vor, Phillip und ich werden das
Treibstofflager hochnehmen. Ich wünsche gute Unterhaltung!“ Mit diesen Worten teilten sie
sich auf und gingen in zwei Gruppen den Hügel hinunter. Phillip und Gregor bahnten sich
ihren Weg durch das Unterholz am westlichen Hang, Samuel und Chris näherten sich der
Stadt von östlicher Richtung. Dies hatte den Sinn, bei Entdeckung einer Gruppe nicht auch
noch die zweite Gruppe einer Gefahr auszusetzen, schließlich konnte es gut sein, dass es nur
eine der beiden Gruppen schaffte das Ziel zu sprengen.
Die flache Ebene vor der Stadt schien für beide Gruppen das größte Problem zu sein. Nur
wenige Büsche und Baumgruppen schirmten sie vor den Patrouillen ab. Zum Glück waren
sowohl der Sendemast als auch die Treibstoffdepots am Rande der Stadt gelegen und es
würde nicht nötig sein, tief in die Stadt vorzudringen. Mit jedem Schritt, den sie tiefer in die
Stadt marschierten, setzten sie sich größerer Gefahr aus, das war allen klar.
Die Möglichkeiten, was alles schief gehen konnte, waren unendlich, stellte Gregor fest und
verbannte diese Gedanken aus seinem Kopf. Er musste sich konzentrieren und möglichst
vorsichtig bewegen um mit der Umgebung zu verschmelzen. Ein falscher Schritt, ein falsches
Geräusch würde ihnen den Tod bringen. Langsam robbten Gregor und Phillip auf den
Stadtrand zu. Gregor schmeckte die dunkle Erde dieser Region als sie abermals flach auf den
Boden pressten um nicht entdeckt zu werden. Erst als die Patrouille außer Sichtweite war,
bewegten sie sich wieder.
Es war schon eine Ironie des Schicksals, dass die Deckung direkt am Stadtrand besser war als
auf der Ebene. Die Straße am Rand der Stadt war erst vor kurzem entstanden und überall gab
es Schutthaufen, Baumaschinen und ähnliche Deckung. In diesem Wirrwarr aus Schatten
würde es den Wachen sehr schwer fallen einen Feind zu erkennen. Als sie noch etwa fünfzig
Meter vom Stadtrand entfernt waren, standen sie auf und liefen geduckt auf die Straße zu. Mit
einem Lächeln hielt Gregor auf einen großen, breiten Schutthaufen zu und kniete sich
dahinter. Beide kontrollierten ihre Waffen und horchten nach Geräuschen, aber es war nicht
zu hören. Nach etwa einer Minute des Horchens, gab Gregor mit einem Handzeichen zu Seite 186
verstehen, dass sie weiter schleichen würden. Sie setzten sich leise in Bewegung und liefen
geduckt von Deckung zu Deckung.
Die Überquerung der Eben hatte sich auch für Samuel und Chris als langwierig herausgestellt.
Doch auch die zweite Gruppe erreichte schließlich den Stadtrand und suchten im Schatten
einer Seitengasse Deckung. Hier, in der Nähe des Sendemastes fehlte es an guter Deckung
wie es Gregor und Phillip ausnutzen konnten. Es gab keine neugebaute Straße, der Stadtrand
wurde durch die ersten Häuser und die angrenzenden Gärten markiert. Natürlich gab es hier
auch nicht so viele Wachen, aber die Bewohner der Häuser konnten sich auch als Gefahr
entpuppen.
Leise schlichen sie auf das flache Gebäude zu, auf welchen der Sendemast errichtet worden
war. Nachdem Samuel das Gebäude einige Zeit beobachtet hatte, schienen tatsächlich nur
zwei Wachen für den Mast abgestellt zu sein. Vielleicht war der Sendemast doch nicht so
wichtig, vermutete Samuel, als er die Wachen beobachtete wie sie miteinander plauderten.
Samuel zuckte die Achsel. Diese Unaufmerksamkeit der Wachen würde ihnen sehr helfen.
Langsam glitten sie durch die Schatten und bewegten sich auf das Gebäude zu. Nur wenige
Straßenlaternen warfen Licht auf die Asphaltstraßen, die meisten waren offensichtlich
zerstört. Nach einigen Minuten hatten Samuel und Chris das Gebäude umrundet und näherten
sich der fensterlosen Rückwand. Chris zog eine C-4 Ladung aus dem Gürtel und schaute
fragend zu Samuel. Dieser nickte zustimmend. Es sollte genügen die tragenden Außenwände
des Gebäudes zu sprengen. Die Sprengladungen waren so ausgerichtet, dass die gesamte
Wucht nach innen getragen würde. Natürlich, der Sendemast könnte die Explosionen
überstehen, sollte er zusätzlich tragende Elemente im Gebäude haben, aber dann wäre er
trotzdem vorerst nutzlos, da alle Installationen zur Bedienung des Mastes zerstört sein
würden. Chris setzte die C-4 Ladung an die Wand und drückte eine Taste um die Ladung
scharf zu machen. Mit einem weiteren Knopfdruck deaktivierte er die visuelle
Countdownanzeige um das C-4 nicht zu verraten. Ein dauerhaftes Aufblinken eines roten
Lichtes an einer sonst immer leeren Wand wäre sicherlich etwas zu auffällig gewesen. „Auf
Fernsteuerung umgeschaltet,“ wisperte Chris und beendete seine Einstellungen an der
Ladung.

Samuel zog sein Kampfmesser aus dem Gürtel und bedeutete Chris das Selbe zu tun. Sie
trennten sich und umrundeten das Gebäude je von einer Seite. An den Flanken des Gebäudes
brachten sie jeweils eine Sprengladungen an, bevor sie weiter schlichen. Sie benötigten etwa
die selbe Zeit und lugten dann um die Ecke zu den Wachen. Die Wachen standen im matten
Schein einer kleinen Lampe, welche über der Eingangstüre zum Gebäude hing. Samuel
musste lächeln als er sah, auf was sie ihre Aufmerksamkeit gerichtet hatten. Sie hatten sich
zur Türe gedreht um das Licht voll auszunutzen und die Fotos eines einschlägigen Magazins
besser erkennen zu können.
Das Kampfmesser von Samuel war dank seiner mattschwarzen Beschichtung kaum in der
Dunkelheit zu erkennen. Wie eine Einheit glitt er mit der Waffe in der Hand auf die Wachen
zu. Auf der anderen Seite tat es ihm Chris gleich. Es war eine Sache des Timings, aber
schließlich waren sie ein eingespieltes Team und auch diesen Auftrag würden sie erfüllen.
Kane würde über ihre Taten wachen, dem war sich Samuel sicher.
Die kleine Lampe warf nur einen kleinen Lichtkegel und so erkannten die abgelenkten
Wachen nicht die drohende Gefahr. Leise, in geduckter Haltung näherten sie sich den
Wachen. Chris sprang eine Millisekunde früher aus dem Schatten und fiel die Wache einem
Raubtier gleich, an. Auch Samuels Messer zuckte vor und rammte es der Wache direkt in den
Kehlkopf. Die Wachen starrten sich mit weitaufgerissenen Augen an und suchten verzweifelt
nach den Angreifern. Doch sie konnten nicht Alarm schlagen, kein Laut entfuhr ihrer Kehle,
als sie vor den beiden lautlosen Angreifern zusammensanken. Samuel zog sein letztes C-4
Packet aus dem Rucksack und befestigte es über der Tür. Seite 187
Die Bewachung war relativ lasch, bemerkte Gregor und suchte aus der Deckung eines
Bulldozers nach versteckten Wachposten. Trotzdem war das Treibstoff gut gesichert. Ein
zwei Meter hoher Zaun sicherte das Gelände und fünf Wachen umrundeten das Gelände
hinter dem Zaun in einigen Abstand.

Die Wachen schienen nicht besonders Aufmerksam und unterhielten sich lautstark. Scheinbar
erwartete niemand einen Angriff oder einen Überfall. Dennoch stellte sich die Frage wie zwei
Soldaten dort eindringen konnten um dann auch wieder lebend davon zu kommen.
Gregor drehte sich um und rutschte leise von dem Bulldozer hinunter. Er blickte Phillip
fragend an. „Vorschläge?“ wisperte er. Phillip zuckte die Achseln und runzelte die für den
Einsatz geschwärzte Stirn. „Still und leise kommen wir da auf jeden Fall nicht rein,“ meinte
Phillip und wagte einen Blick auf das Depot, indem er an dem Bulldozer vorbei lugte.
Dann blickte Phillip auf den Bulldozer und grinste. „Aber müssen wir überhaupt selbst
hinein?“ fragte er. Gregor zog eine Augenbraue in die Höhe. „Schau mal,“ flüsterte Phillip
und deutete auf den Bulldozer, „der steht doch genau in Fahrtrichtung zum Zaun.“ Gregor
begriff und grinste breit. Wenn man den Bulldozer zum fahren brachte, würde ihn so schnell
nichts aufhalten und konnte bis zu den Treibstofftanks fahren. Die C-4 Ladungen konnte man
an den Seiten des Bulldozers anbringen und so direkt an die Tanks bringen.
„Mal sehn ob das funktioniert,“ meinte Gregor und zog sich langsam an dem Bulldozer hoch.
Zum ihrem Glück befand sich der Bulldozer nicht in den Lichtkegeln der vereinzelten
Straßenlaternen und den Scheinwerfern des Depots. Als Gregor das Führerhaus erreicht hatte,
untersuchte er die Zündung des Bulldozers. Es war offensichtlich ein altes Modell, denn es
gab kaum Elektronik im Führerhaus. Um das Fahrzeug zu starten benötigte man noch einen
echten Schlüssel und nicht nur eine Plastikkarte. Aber das machte die Sache in diesem Fall
leichter, stellte Gregor fest. Man konnte das Fahrzeug wesentlich leichter kurzschließen als
mit einer elektronischen Sicherung.
Phillip reichte einen schweren Stein nach oben, mit dem Gregor das Gaspedal festklemmen
konnte. In einem Anflug von Übermut erinnerte Gregor sich an alte Filme, welche er einmal
gesehen hatte. Bei vielen dieser Filme hatten die Helden Autos klauen müssen um ihren
Häschern zu entkommen und fast immer war der Autoschlüssel im Fahrzeug selbst versteckt
gewesen. Er zuckte grinsend die Achseln und klappte die Sonnenblende auf der Fahrerseite
herunter. Gregor hätte fast laut losgelacht als ihm leise klirrend ein kleines Bündel Schlüssel
in den Schoß fiel.

Phillip hatte inzwischen alle verfügbaren C-4 Ladungen am Bulldozer angebracht, möglichst
so, dass diese bei Beschuss nicht sofort detonieren würden. Als er wieder nach oben blickte
grinste in Gregor an und zeigte ihm die Schlüssel. Dieser rollte die Augen und lächelte
ebenfalls. Doch nun würde die heikle Phase ihrer kleinen Aktion beginnen. Das erste
Aufheulen des Motors würde die Wachen auf den Bulldozer aufmerksam machen und Gregor
musste unter Beschuss das Fahrzeug unbemerkt verlassen. Schließlich durfte niemand
erkennen was sie vorhatten und sie im Anschluss verfolgen. Wenn sie Glück hatten, würde es
zuerst wie ein Selbstmordanschlag aussehen und ihnen die Möglichkeit geben zu entkommen.
Die Leichen der zwei Wachen hatten sie in eine Seitengasse geschleppt und hinter einem Berg
von alten Kisten versteckt. Bisher war das fehlen der beiden Wachposten vor dem Gebäude
nicht aufgefallen, aber das würde sicherlich nur eine Frage der Zeit sein. Spätestens die
Ablösung oder ein Arbeiter aus dem Inneren, welcher eine Zigarette rauchen wollte, würde
das Fehlen der Wachen bemerken.
Chris und Samuel entfernten sich so schnell wie möglich wieder von dem Sendemast und
schlichen durch die zwischen zwei kleinen Häusern dem Stadtrand entgegen. Als sie die
letzten Häuser hinter sich gelassen hatten und in einer kleinen von Büschen bewachsenen
Mulde Deckung gefunden hatten, zog Chris den Fernzünder aus der Tasche. Samuel nickte Seite 188
knapp und sah Chris zu wie dieser einen kleinen Deckel entfernte und einen roten Knopf
freilegte. „Wir unterbrechen unsere Sendung wegen einer technischen Störung,“ murmelte
Chris und drückte den Knopf. Eine Sekunde lang geschah überhaupt nichts, doch dann
durchbrach eine vierfache Detonation die Nacht und eine große helle Feuersäule stieg um den
Sendemast in den Himmel, gefolgt von dicken Rauchschwaden. Samuel zog sein Fernglas aus
der Tasche und lies seinen Blick über den Platz um den Sendemast schweifen. „Volltreffer,“
kommentierte er, als der Sendemast leicht zu einer Seite abknickte.
Die Detonation am Sendemast war in der ganzen Stadt zu hören. Auch Gregor und Phillip
zuckten bei dem Donnergrollen der Sprengladungen zusammen. „Oh, die Anderen waren
wohl schneller,“ meinte Phillip und beobachtete die Wachen die nun alle zusammenliefen und
in Richtung der aufsteigenden Rauchschwaden blickten. Vielleicht sind sie jetzt abgelenkt,
dachte Gregor und startete den Bulldozer. Das Brummen des Motors war ohrenbetäubend,
aber keine der Wachen schien darauf zu achten. Vermutlich hielten dachten sie, das Brummen
rührte von gestarteten Panzer her, welche zum Ort der Explosion ausrückten.
Gregor legte den Stein auf das Gaspedal und der Bulldozer setzte sich rückartig in Bewegung.
Langsam rollte der Bulldozer über die Straße auf den gegenüberliegenden Zaun zu. Gregor
kletterte hinter das Führerhaus und sprang schnell von dem Bulldozer. Offensichtlich hatte
noch immer keine Wache die anrollende Gefahr entdeckt. Alle Augen waren auf die
aufsteigenden Wolken gerichtet. Die Wachen schienen lebhaft darüber zu diskutieren was
dort wohl geschehen war und deuteten immer wieder in die Richtung des Sendemastes.
Gregor sprintete inzwischen in Richtung einiger Schotterhaufen und ging wieder in Deckung.
Phillip wartete bereits und winkte ihm zu, schnell zu verschwinden. Gregor gab das Zeichen
für „Ok“ und die Beiden entfernten sich so schnell wie möglich von den Depots.
Erst jetzt bemerkte ein Leutnant den anrollenden Bulldozer, der sich gerade anschickte den
Zaun einzureißen und auf die Depots zuhielt. Mit einem lauten Brüllen machte er seine
Untergebenen darauf aufmerksam und alle Wachen eröffneten das Feuer auf das Führerhaus.
Schnell war der Aufbau des Führerhauses über und über mit Einschusslöchern übersät, doch
das Fahrzeug rollte weiter.

Der Leutnant begriff wie aussichtslos die Lage war und begann zu laufen, als der Bulldozer
noch einige Meter vom ersten Treibstofflager entfernt war. Seine Untergebenen schienen
nicht so schnell begriffen zu haben und feuerten weiter auf das Fahrzeug. Schließlich krachte
das Bulldozer in den Tank und riss mit seinem Schieber ein breites Loch in den Tank. Sofort
strömten viele hundert Liter aus dem Leck und bildeten einen kleinen See.
Der Leutnant hatte damit gerechnet, dass der Bulldozer explodieren würde, musste nun aber
feststellen, wie sehr er sich vor seinen Untergebenen blamiert hatte. Schnell rannte er zurück
zu dem Bulldozer und ignorierte das hämische Grinsen seiner Untergebenen. Grimmig blickte
der Leutnant auf das große Leck im Tank und dann auf den Bulldozer, welcher immer noch
mit Vollgas versuchte weiter voran zu kommen. Dann sah er ein kurzes Aufblinken unter
einem der Seitenverkleidungen des Bulldozers und seine Augen weiteten sich erschrocken.
Phillip hatte gerade den Deckel für die Fernzündung entfernt und blickte zurück auf das
Treibstofflager, dann zu den dicken Rauschwaden beim Sendemast. „Ok, sie waren schneller,
aber unser Bums is’ größer!“ murmelte er und lächelte versonnen.
Die Explosion zerriss die gesamte Wachmannschaft in einem großen Feuersturm und fegte sie
wie Puppen von dem Bulldozer weg. Dieser hob sich durch die Explosionen in die Höhe und
krachte auf einen weiteren Tank etwa zwanzig Meter entfernt. Nun griff das Feuer über die
Leitungen auf die anderen Tanks über und Einer nach dem Anderen verwandelte sich in eine
fünfzehn Meter hohe Feuersäule. Die Stadt war plötzlich hell erleuchtet und zu den
Rauchschwaden am Sendemast gesellten sich die Rauchschwaden des Treibstofflagers.
Gregor lächelte zufrieden und lief geduckt über die Ebene zurück zum Treffpunkt. Um die Seite 189
Wachen mussten sie sich nun keine Sorgen mehr machen, niemand achtete mehr wer wohin
ging. Die wenigen organisierten Truppen versuchten die Feuer zu löschen, aber inzwischen
breitete sich das Feuer durch den Wind auch auf weitere Lagerhäuser in der Umgebung aus.
Deutschland, In den Privaträumen von Kasian
Berge von Papier und Datenblöcken stapelten sich auf dem Schreibtisch vor Kasian. Wie
immer mussten lange Listen und endlose Berichte der einzelnen Basen gelesen werden.
Niemand, außer Kasian selbst, konnte diese Arbeit tun, denn die Daten auf zu viele
Untergebene zu verteilen würde auch bedeuten viele Daten an den Feind zu verlieren. Überall
hatten seine Widersacher Spione sitzen und Kasian wusste von mindestens einem Spion in
seinem Oberkommando. Noch hatte er ihn nicht gefunden, doch solange musste er sich wohl
oder übel noch mehr Arbeit machen um die sensiblen Daten zu schützen.
Es gab nur zwei Personen denen er blind vertraute, dachte Kasian. Da wäre zum Einen
natürlich sein Sohn Gregor. Gregor würde sein Nachfolger sein und so Kane wollte, einmal
die gesamte Bruderschaft gegen die GDI führen. Die zweite Person war sein Adjutant Sander.
Kasian runzelte die Stirn. Nein, Freunde waren sie nicht, Kasian konnte den Grund nicht
bestimmen, aber bestand eine gewisse Verbundenheit zwischen ihm und seine Adjutanten.
Die absolute Loyalität, mit der ihm Sander diente war eines der Zeichen dafür. Kasian dachte
noch eine Weile in dieser Richtung nach, kam aber zu keinem Ende. Wem konnte man schon
in dieser Welt trauen, fragte er sich. Die Bruderschaft war von Neid, Lügen und Machthunger
zerrissen worden und er sah sein Ziel darin diese schwarzen Schafe aus der Bruderschaft zu
tilgen. Welche Ironie war es doch, dass er sich dazu genau den selben Mitteln bedienen
musste wie die schwarzen Schafe es taten. Als seine Gedanken an diesem Punkt angekommen
waren, entlockten sie ihm ein grimmiges Lächeln, doch es verschwand sofort wieder als es an
der Türe klopfte.
Ohne auf eine Antwort zu warten betrat Adjutant Sander den Raum, ein weiteren Stapel
Papiere in der Hand. Kasian rieb sich erschöpft die Augen und musterte dann seinen
Adjutanten. Verwundert stellte er wieder einmal fest wie frisch Sander wirkte, obwohl er
bereits acht Stunden Dienst tat.
„Was gibt es diesmal Sander?“ fragte Kasian erschöpft und deutete auf die Papiere. Adjutant
Sander straffte sich und blickte auf die Papiere. „Nun, ähm … hier haben wir eine Meldung
aus Portugal. Es gab zwei Gefechte nahe einer Basis von uns, aber die GDI hat die getarnte
Basis nicht entdeckt. Der Kommandeur der Basis hat alle Aktivitäten einstellen lassen und
stellt sich erst einmal tot. Wollen sie daran etwas ändern?“ Kasian schüttelte den Kopf. „Der
Mann versteh sein Handwerk, geben sie nur eine Bestätigung raus. Was noch?“
Sander blickte auf das nächste Blatt Papier. „Der Feldzug am schwarzen Meer scheint
erfolgreicher zu verlaufen. Die Truppen kommen wieder voran, ihr Sohn scheint eine
Kommandoaktion durchgeführt und den Feind schwere Verluste zugefügt zu haben. Scheint
sehr beachtlich gewesen zu sein. Zumindest ist das Kommando dort hell auf begeistert.“
Kasian lächelte zufrieden und nickte. „Schön mal von ihm zu hören. Weiter!“
„Nun,“ Sander reichte das letzte Blatt Papier an Kasian weiter, „dies ist eine Vorladung für
Sie, Sir. Ich habe Sie noch nicht gelesen, kam vor wenigen Minuten herein.“ Kasian nahm im
wirsch das Blatt aus der Hand. „Eine Vorladung? Wer will MICH denn vorladen?“ fragte er
zornig. Sander trat von einem Fuß auf den Anderen und strich dann über seine Uniform als
wollte er sie glätten, während er wartete bis Kasian zuende gelesen hatte. Während Kasian die
Vorladung las begann er die freie Hand zur Faust zu ballen. Schließlich zerknüllte er das
Papier wütend und schnaubte regelrecht. „Der innere Zirkel, den ich selbst ins Leben gerufen
habe, will mich vorladen,“ fauchte er wütend.
Sander blickte überrascht auf. „Der innere Zirkel? Bisher gab es doch noch keinerlei
Versammlung, oder irre ich mich, Sir?“ fragte er. Kasian nickte langsam. „So ist es Sander.
Bisher hatten sich zwar viele für eine Versammlung ausgesprochen, aber niemand hatte dem Seite 190
Ganzen richtig getraut. Es hätte schließlich auch eine Falle sein können,“ erwiderte er. Der
Adjutant runzelte die Stirn. „Aber warum der Sinneswandel, Sir?“ fragte er dann. Kasian
schwieg für einen Moment und starrte auf das zerknüllte Papier mit der Vorladung. „Jemand
hat die kleineren Gruppen mehr oder weniger gezwungen würde ich vermuten,“ beantwortet
er die Frage schließlich. Sander schien noch immer nicht die Tragweite der Vorladung
begriffen zu haben und blickte auf seinen wütenden Anführer.
Kasian strich sich über das Kinn und blickte ins Leere. Sein Adjutant wartete geduldig und
blieb neben Kasian stehen. Schließlich hob Kasian den Kopf und blickte Sander an. „Sie
wollen mich vorladen um mich anzuklagen Sander,“ sagte er leise. Der Adjutant spannte vor
Überraschung alle Muskeln seines Körpers und öffnete den Mund. „Sie haben die Sache mit
dem Übersetzungsfehler spitz bekommen, Sander. Dafür wollen sie meinen Kopf!“
N-TV – Das Thema: „Der Ende eines Bürgerkrieges!“

Willkommen zu N-TV Das Thema.
Vor wenigen Stunde erreichte uns eine offizielle Meldung der irakischen Regierung. Der
Premierminister des Iraks lies verlauten, alle Kampfhandlungen seien eingestellt, die
Belagerung Bagdads durch Rebellen aufgelöst. Nach schweren Schlachten bei Al-Amarah
hatten Panzerverbände der von der Association entsendeten Unterstützungstruppen die
Rebellen in die Flucht geschlagen. Die offizielle Meldung der Regierung spricht nur von der
Beendigung des Bürgerkrieges und geht auf keine weiteren Details ein.
Doch N-TV liegen Berichte vor, nach denen sich große Teile der Rebellen nur zurück
gezogen haben. Während die irakische Regierung von einer völligen Zerschlagung der
Rebellen spricht, gehen Experten davon aus, dass die Rebellen nur zurückgewichen sind. Ein
Augenzeugenbericht aus Bagdad erreichte uns über das Internet. Darin ist von großen
Massakern unter der Zivilbevölkerung die Rede. Offensichtlich entledigt sich die Regierung
vermeintlichen politischen Feinden in einem Rundumschlag. Ebenso sollen viele hundert
angebliche Helfer der Rebellen hingerichtet worden sein. Es gibt noch keine klaren Berichte
aus anderen Regionen des Iraks, aber man kann davon ausgehen, dass es dort zu ähnlichen
Blutbädern gekommen ist.
Eine Stellungnahme zu diesen Vorwürfen konnten wir bisher nicht herhalten, auch die
Association hat jegliche Stellungnahmen abgelehnt. Zumindest die GDI hat sich zu einem
knappen Kommentar verlauten lassen. Der Pressesprecher, zuständig für den arabischen
Raum begrüßte das Ende des Bürgerkrieges, mahnte aber die irakische Regierung die
Menschenrechte nicht zu verletzten. Angesicht der uns vorliegenden Berichte wohl eher eine
schwache Warnung.
Nach der Werbung beschäftigen wir uns damit, warum die GDI in diesen Bürgerkrieg nicht
eingegriffen hat und welche Rolle die Association inzwischen im arabischen Raum spielt.
Bleiben Sie dran!

Deutschland, In den Privaträumen von Kasian
Immer noch stapelte sich eine Unzahl von Papieren und Akten auf dem Schreibtisch von
Kasian, aber er verschwendete daran keine Gedanken. Ihn beschäftigte die Vorladung des
inneren Zirkels. Bisher hatten sich die einzelnen Führer der Splittergruppen noch nicht einmal
soweit vertraut um sich zu einer ersten Sitzung zu treffen, geschweige denn irgendetwas
durch den Rat zu beschließen. Der innere Zirkel als Instrument der Schlichtung und
Kooperation gegen die GDI war mehr ein Traum gewesen. Niemand hatte damit gerechnet,
jemals zu einer Sitzung des inneren Zirkels eingeladen zu werden.
Doch Kasian war nicht nur eingeladen, er wurde vorgeladen. Jemand hatte es nicht nur
geschafft alle Führer an einen Tisch zu bringen, er hatte auch gleich die Ächtung eines
Mitgliedes als erste Tagesordnung fest setzen können. In Gedanken ging Kasian die Personen
durch, die zu so einem Kraftakt fähig waren. Letztendlich blieb nur eine Person übrig und Seite 191
diese Person war niemand anderes als Hassan. Keine andere Gruppierung, außer Kasian
selbst, hätte soviel Einfluss gegenüber den anderen Gruppen geltend machen können. Selbst
dies hatte wahrscheinlich nur funktioniert, weil Hassan ihnen ein Stück von Kasians Macht
angeboten hatte.
Kasian rieb sich die Augen und stützte dann sein Kinn auf die Hände. Es war ihm immer klar
gewesen, irgendwann fand sich immer ein Hebel mit dem man einen Gegner vom Sockel
stoßen konnte und genauso hatte Hassan nun einen Hebel gegen ihn gefunden.
Die Übersetzungsfehler der Tafeln von NOD waren eine Sache, aber Kasian hatte vorschnell
gehandelt und nach der vermeintlichen Prophezeiung das Tiberium verbreitet. Damit hatte die
GDI und die freie Presse auf die Reste der Bruderschaft aufmerksam gemacht oder zumindest
stellten man nun Vermutungen an. Außerdem hatte er das Leben vieler Menschen zerstört. All
diese Menschen hätten nach Auffassung der anderen Führer treue Diener der Bruderschaft
abgegeben. Zumindest würde dies in der Anklageschrift so stehen, was die Führer selbst
dachten war sicherlich weit weniger warmherzig.
Kasian lies seinen Blick ziellos durch den Raum schweifen und suchte nach einem Ausweg.
Seine Koalition, mit der er die vielen kleinen Gruppen vereint hatte, war eine wacklige
Konstruktion. Nur der andauernde Erfolg und der Neuanfang unter seiner Leitung hatte die
Koalition zusammen gehalten. Was würde geschehen, wenn man Anklage gegen ihn erheben
würde, fragte er sich.
Natürlich konnte er fliehen, untertauchen oder einfach die Anklage ignorieren und weiter
versuchen seine Koalition zu führen. Aber vermutlich würde dann sein Lebenswerk zu Staub
zerfallen und die Mühen vieler Jahre wären dahin. Es war wirklich ein langer Weg gewesen,
bis er fast ein Drittel der Splittergruppen der Bruderschaft unter seinem Banner vereint hatte
und nun sollte all dies wegen eines Fehlers zerbrechen.
Kasian war nicht bereit das zu akzeptieren und so kam eine Flucht nicht in Frage. Aber er
konnte die Anklage auch nicht einfach ignorieren, denn dann würden sich seine Untergebenen
fragen, was wirklich hinter all dem steckt. Er würde sicherlich viele Verbündete verlieren und
dies würde sie direkt Hassan in die Hände treiben. Es musste eine andere Lösung geben,
dachte Kasian und blickte weiter ins Leere.
Ägypten, Kairo – Im Palast von Hassan
Die privaten Gemächer waren regelrecht kühl, stellte Hassan überrascht fest. Es hatte
manchmal wohl auch seine Nachteile über so eine effiziente Klimaanlage zu verfügen, dachte
er lächelnd. In der Stadt selbst flimmerte die Hitze und eine dicke Staubwolke lag in der Luft.
Aber Hassan plante nicht etwas für die hitzegebeutelte Stadt zu tun. Auch wenn die letzten
zehn Jahre eine große Dürre gebracht hatte, sah Hassan keinen Handlungsbedarf. Im
Gegenteil, diese Not im Land und auch in der Stadt machte ihm das Volk nur noch gefügiger.
Die Engpässe konnten auf die GDI geschoben werden und dies schürte den Hass auf den
großen imperialistischen Feind nur noch mehr.
Es entwickelte sich alles zu seiner Zufriedenheit, dachte er und schlenderte über einen
Kreuzgang zu seinem privaten Garten. Manchmal half es ihm, wenn er einen Plan schmiedete,
unter den kleinen Bäumen des Gartens etwas Luft zu schnappen. Gerade weil der zu
entwerfende Plan so wichtig war, hielt Hassan an dieser kleinen Tradition fest und begab sich
in den Garten. Dort angekommen setzte er sich auf eine Bank und schaute auf das grüne Gras
zu seinen Füßen. Es musste Unmengen an Wasser gekostet haben um diesen Garten so zu
gestalten, dachte er. Aber für solche Gedanken hatte er keine Zeit. Schließlich würde er bald
die Bruderschaft vereinen und gegen die GDI losschlagen können. Es war nur noch ein
kleiner Schritt bis dahin. Das erste Ziel hatte er fast erreicht, stellte er fest. Die Besahi NOD,
seine ärgsten Feinde in der unmittelbaren Umgebung, hatte er besiegt. Natürlich gab es noch
versprengte Reste, aber er war sich doch sicher, dass selbst Slavik aus den Trümmern keine
neue, Macht zimmern konnte. Die Besahi NOD waren nur noch eine kleine unwichtige Seite 192
Gruppe, welche bald völlig ausgelöscht sein würde. Der nächste Schritt würde die
Zersplitterung der Koalition sein und eben zu diesem Zweck würde er die unwichtigen,
kleinen Gruppen benutzen.
Schon jetzt waren sie auf die Einladungen eingegangen und erhofften sich davon mehr Macht
gegenüber den großen Gruppen. In Wirklichkeit würden sie seinem Urteil nur mehr Gewicht
verleihen. Er allein würde das Urteil über Kasian fällen und sich dann die Reste seiner
Koalition einverleiben. Aber so eine Anklage musste gut geplant sein, dachte Hassan. Viele
Faktoren waren von Bedeutung um die Versammlung zu einem Erfolg zu machen. Sollte ihm
hier ein Fehler unterlaufen und Kasian würde die Anklage überstehen, womöglich lebendig
und gestärkt daraus hervor gehen, konnte dies seine Position gefährden. Alles war wichtig,
der Ort, die Anklagepunkte, Beweise die er vorlegen musste. Doch seine Gedanken formten
bereits ein Bild und Hassan begann wieder zu lächeln. Offensichtlich beflügelte ihn dieser
Garten tatsächlich.
CNN News – Schwere Kämpfe in der Volksrepublik Krijecsk
Guten Abend meine Damen und Herren,
unser erstes Thema am heutigen Abend ist wieder einmal der Bürgerkrieg in der
Volksrepublik Krijecsk. Der kleine Staat, östlich der Krim gelegen ist seit einiger Zeit
Schauplatz eines blutigen Bürgerkriegs. Nun sieht es so aus, als ob die Rebellen die
strategisch wichtige Stadt Niznebakarskij eingenommen hätten. Nachdem es den Rebellen in
den letzten Tagen offensichtlich immer wieder gelungen war die Versorgung der
Regierungstruppen zu stören oder auszuschalten, griffen letzte Nacht schwere Panzerverbände
die Stadt selbst an. Nach stundenlangen Häuserkämpfen und Dauerbeschuss von
Granatwerfern fiel die Stadt in die Hände der Rebellen.
Der Einsatz von einer so großen Anzahl Panzerfahrzeugen zeugt nun endgültig von einer
Beteiligung des Nachbarstaates. Dennoch beharrt die GDI weiter darauf, es handle sich
hierbei um einen regionalen Bürgerkrieg. Eine Intervention ist nicht vorgesehen, auch wenn
man alle beteiligten Parteien zu einer friedlichen Lösung auffordert.
Nach aktuellen Meldungen scheinen die Rebellen weiter gegen die Hauptstadt der
Volksrepublik vorzurücken, während sich dort die Regierungstruppen eingraben. Derzeit sieht
es so aus, als ob die Rebellen die Oberhand gewonnen hätten und es nur noch eine Frage der
Zeit ist, bis der Bürgerkrieg zu ende ist. Auch dies mag ein Grund für die Nichteinmischung
der GDI sein, denn wozu Intervenieren, wenn sich das Problem schon bald von selbst lösen
wird.
Wir halten sie natürlich auf dem Laufenden, sollte sich die Lage verändern.
9
Vor der Stadt Novorossijsk, Hauptstadt der Volksrepublik Krijecsk
Die feindlichen Truppen hatten sich zwischen einer Ansammlung von Hügeln eingegraben
und nutzen die Deckung des Waldes. Immer wieder gelang es ihnen kurz vorzustoßen und
Schaden anzurichten. Diese Hügelkette war das letzte Hindernis vor der Stadt und die
Verteidiger kämpften verbissen um jeden Meter. Direkt hinter den Hügel begannen die
Vororte von Krijecsk und dort warteten weitere feindliche Truppen, offensichtlich durften sie
in den Kampf um die Hügel nicht eingreifen.
Der Kommandeur dieses Angriffes war mit seinem Kommandowagen an die Front gefahren
um die Lage selbst zu beurteilen. Er war nicht umsonst von Kasian ausgewählt worden und
hatte bisher alle Feldzüge zur Einigung der Bruderschaft erfolgreich ausgeführt. Während er
seinen Blick über die Hügelkette vor ihnen schweifen lies, erkannte er, wie schwer es werden
würde, das gesamte Gebiet zu erobern. Überall konnten sich unterirdische Tunnels, Seite 193
Bunkeranlagen und Verstecke befinden. Der Feind würde mit Sicherheit diese Möglichkeit
ausnutzen und ihnen beim Vormarsch immer wieder in den Rücken fallen. Sie würden
verbissen kämpfen, erkannte er, als er einem Vorstoß seiner Panzer zusah. Die Panzer nahmen
den ihnen am nächsten liegenden Hügel unter Feuer und ließen ihn in einer Wolke der Todes
verschwinden. Der gesamte Wald schien zu brennen und ein dicker Teppich aus Staub und
Rauch lag über dem Hügel. Es schien als ob dort nichts mehr überlebt haben konnte und doch
gab es immer noch massives Gegenfeuer.
Der Kommandeur stieg von seinem Kommandowagen und wünschte sich nichts mehr als ein
Geschwader der GDI Bomber um diese Hügel dem Erdboden gleich zu machen. Überhaupt
schien es ihm, als ob die Bruderschaft die Luftwaffe und ihre Stärken fast gänzlich ignorieren
würde. Natürlich operierte die Bruderschaft weitestgehend unter der Erde, verborgen vor den
Augen der GDI, doch eine kleine Luftstreitmacht wäre sicherlich ein Vorteil gewesen.
Vielleicht konnte er doch einige Luftstreitkräfte anfordern, überlegte er. Sicherlich gab es
noch Restbestände im Nachbarland, dass sie vor nicht langer Zeit befreit hatten. Einige
Kampfhelikopter, welche die nun „demokratische“ Regierung den Rebellen zur Verfügung
stellte dürften nicht all zu sehr auffallen. Die GDI würde sowieso nichts unternehmen, die
hatten die nächsten Truppen 200 Kilometer nördlich stationiert und diese reichten auf keinen
Fall aus um die Gegend zu befrieden. Mit diesen Gedanken begab er sich in den
Kommandowagen und schickte eine Anfrage zu seinem Versorgungsoffizieren.
Gregor und seine Kameraden waren heil aus der Stadt herausgekommen. Sie selbst wussten,
wie leicht es bei dem großen Aufruhr während der Brände gewesen war, zu fliehen. Aber die
Soldaten an der richtigen Front hatten sie als Helden gefeiert, konnten gar nicht verstehen wie
sie es alle wieder lebendig zurück geschafft hatten. Nun, dachte Gregor, der Mythos der
Skorpione schien Früchte zu tragen. Doch nun steckten sie schon wieder fest, stellte Gregor
verärgert fest. Der Feind hatte die Hügel vor Krijecsk in eine Festung verwandelt und bisher
war jeder Angriff gescheitert. Das der Feind mit dem Rücken zur Wand stand und keine
Möglichkeit mehr hatte zu weichen, erschwerte die Lage nur noch.
Der letzte Angriff der eigenen Panzer war sehr verlustreich gewesen, musste aber auch dem
Feind schwer zugesetzt haben. Doch mit Panzerkräften schien man hier nichts erreichen zu
können, dies hatte der Kommandeur des Angriffes offensichtlich begriffen. Inzwischen
marschierten mehrere Abteilungen Infanterie an die Front. Alles sah nach einem Kampf,
Mann gegen Mann aus und dieser würde in den dichten Wäldern äußerst blutig werden.
Gregor blickte noch einmal auf die bewaldeten Hügel und hoffte, nicht auch dort hinein
geschickt zu werden. Zum Glück hatten sie diesen und den nächsten Tag frei bekommen um
sich von ihrem Einsatz zu erholen. Bis dahin konnten, mit etwas Glück, die Hügel längst
genommen sein.
Der Kommandeur lächelte, als er die Bestätigung in den Händen hielt. Morgen früh würden
vier Harpyen, schwere Kampfhelikopter neuer Typs, hier eintreffen. Die Nacht würde
genügen um die Landefelder vorzubereiten um die ankommenden Harpyen aufzutanken.
Sogleich gab er die entsprechenden Befehle an einen seiner Leutnants weiter. Morgen
Vormittag, um 10 Uhr würden die Helikopter damit beginnen die inzwischen fast völlig
verbannten Wälder zu überfliegen und alles unter Feuer zu nehmen was sich dort unten noch
rühren würde. Sollten ihnen Bunkerstellungen unter kommen, würden diese mit Luft-Boden
Raketen ausgeschaltet werden, ansonsten würden die schweren M60b Impulskanonen
genügen um dem Feind die Hölle heiß zu machen.
Nach den ersten Luftangriffen, etwa eine Stunde später, würden zwei Abteilungen frischer
Infanterie die ersten beiden Hügel angreifen und hoffentlich auch einnehmen. Er hatte jeder
Gruppe der zum Angriff abgestellten Truppen einen erfahrenen Veteranen beigefügt, damit Seite 194
die Frischlinge nicht den Kopf verlieren würden. Im Grunde konnte der morgige Tag nur ein
Erfolg werden. Noch nie hatte er über so schlagkräftige Truppen an einem Ort verfügt.
Noch die Bestätigung in der Hand ging er aus dem Kommandozelt um noch einen Happen zu
essen, morgen würde er sicherlich nicht dazu kommen.
Der Tag begann wieder einmal sehr früh, stellte Gregor fest und wälzte sich auf seinem
Feldbett. Erst nach einigen Minuten begann er zu realisieren, was ihn aufgeweckt hatte. Das
laute Dröhnen von Helikopterrotoren hatte ihn aus dem Schlaf gerissen. Schnell war er
aufgesprungen und schlug die Zeltplane zur Seite. Östlich der Zelte, etwa einen halben
Kilometer entfernt, setzte gerade ein Kampfhelikopter auf ein scheinbar in der Nacht
errichtete Landefeld auf. Zwei weitere Helikopter standen bereits auf den Landefeld und
waren von einer kleinen Schar Techniker umringt.
Gregor rieb sich die müden Augen und blickte blinzelnd in den heller werdenden
Morgenhimmel. Eine vierte Maschinen drehte gerade bei und schwebte über den
Landeflächen. Offensichtlich hatte der Kommandeur tatsächlich eine neue Taktik
ausgeknobelt und sogar das Material dazu erhalten.
Neben ihm tauchte Phillip aus dem Zelt auf und murmelte etwas von Ruhestörung, bevor sein
Blick auf die Helikopter fiel. „Heilige Scheiße, heißt das wir werden sogar in die Stadt
geflogen?“ fragte er grinsend. Gregor lachte und ging ins Zelt zurück. „Ich glaube eher diese
Helikopter sollen den bevorstehenden Angriff auf die ersten Hügel unterstützen, obwohl ich
nichts gegen einen kleinen Ausflug mit diesen Dingern hätte,“ meinte er, während er seine
Uniform anzog.
Zwei Minuten nach zehn hoben die vier Harpyen ab und schlugen einen Kurs auf die beiden
ersten Hügel ein. Es dauerte keine Minute, bis sie über den ausgebrannten Wäldern waren und
nach Zielen Ausschau hielten. Der Feind hatte den Helikoptern nichts entgegen zu setzten.
Die letzten Boden-Luft Raketen und Stinger-Raketen waren bei dem Angriff auf die Depots in
Flammen aufgegangen. Nun waren die Truppen in ihren Bunkern und Schützengräben
wehrlos gegen den Beschuss der Harpyen. Immer wieder hämmerten die schweren M60b
Impulskanonen und sendeten tödliche Salven auf den Feind herab. Die Harpyen kreisten über
den Hügel wie Raubvögel und selbst aus der Ferne konnte man sehen, wie sich die
leuchtenden Energiegeschosse in die feindlichen Stellungen fraßen.
Hin und wieder tauchte ein weißer Schweif unter einem der Helikopter auf und zeigte an, dass
eine Luft-Boden Rakete abgefeuert worden war. Im Anschluss daran ging zumeist ein
weiterer der schwerer befestigten Bunkeranlagen in Flammen auf. Der Angriff dauerte fast
eine ganze Stunde an und die noch auf den Hügeln verbliebenen Wälder waren in Flammen
aufgegangen. Unter den Helikoptern erstreckte sich eine brennende Hölle aus der niemand zu
entkommen schien.

Erst als die Harpyen abdrehten um aufzutanken und aufzumunitionieren, setzte Granatfeuer
ein. Bisher hatte der Kommandeur das Feuer auf die Hügel nicht eröffnet um den Helikoptern
nicht die Sicht zu erschweren. Außerdem konnte er es nicht riskieren einen der eigenen
Harpyen abzuschießen. Für sie gab es in der ganzen Region keinen Ersatz und über ihren
Nutzen in diesem Feldzug brauchte man nach diesem Angriff nicht mehr debattieren.
Die Granaten zerrissen die Hügel entgültig und verwandelten sie in eine Mondlandschaft.
Dem Kommandeur erinnerte sich bei diesem Anblick an einen Ausdruck den er in einer
Ausbildung gehört hatte. Im Vietnamkrieg hatte es auch einen solchen Kampf gegeben. Die
Amerikaner hatten den Hügel Hamburger Hill genannt, da jeder der dorthin ging zu
Hackfleisch verwandelt wurde. Dem Feind musste es in diesem Moment ähnlich ergehen,
dachte er. Nach zehn Minuten lies er das massive Granatfeuer einstellen und gab seinen
Infanterietruppen den Befehl zum Vormarsch. Nun würde sich herausstellen, wie sehr sich der
Feind eingegraben hatte und ob noch genügend von ihnen übrig war um wirklich Widerstand Seite 195
leisten zu können. Der Kommandeur verschränkte nachdenklich die Arme vor der Brust und
blickte auf die Mondlandschaft der vor ihnen liegenden Hügel.
Irgendwo in Zentral Afrika
Faisal erschauderte wieder als er die unendlichen grünen Wände zu beiden Seiten der Straße
betrachtete. Er war die Wüste oder zumindest eine karge Vegetation gewöhnt, aber dies war
für ihn wie die Hölle. Links und recht von der Straße begann augenblicklich der Dschungel
und schien ihn mit seinem undurchdringlichem Grün verschlingen zu wollen.
Sie waren schon so lange unterwegs, dass Faisal nicht mehr wusste welchen Tag sie heute
hatten. Es war noch nicht lange her, da waren sie aus den unterirdischen Tunnels ausgestiegen
und hatten einen großen Konvoi bestiegen. Nun steuerten sie auf ihre neue Heimatbasis tief
im Dschungel zu. Niemand schien zu wissen wohin es ging und niemand konnte sich
vorstellen wie es nun weiter gehen sollte mit den Besahi. Aber ihr Anführer hatte im ersten
Jeep platz genommen und allein die Anwesenheit von Slavik schien ihnen Mut zu machen.
Doch der schlammige Feldweg schien sich in die Unendlichkeit zu erstrecken. Das Schaukeln
der Transporter war zu ihrem Wegbegleiter geworden und nicht selten war davon einem
Soldaten übel geworden. Faisal blickte auf seine Ausrüstung. Irgendwie hatte man es
geschafft fast alle Soldaten eine Dschungelausrüstung zukommen zu lassen. Faisal hoffte,
dass ihr Anführer wusste was er tat, indem er die überlebenden Soldaten des Irakkrieges
soweit nach Afrika schleppte. Aber irgendeinen Sinn musste es schließlich haben, dachte
Faisal und schloss die Augen wieder halb. Viel konnte er so oder so nicht tun und da schien es
am Besten zu sein, sich von dem Schaukeln der Laster in den Schlaf gewiegt zu werden. So
musste er zumindest nicht dauern auf die bedrohlichen grünen Wände des Dschungels
blicken.

In den Vororten von Krijecsk
Die Mörsergranaten hämmerten wieder auf die nächste Häuserreihe und riss große Löcher in
die Gebäude. Staub und dicker Qualm legte sich über den Straßenzug und erschwerte die
Sicht noch mehr. Gregor duckte sich und zog Samuel am Ärmel mit sich. Kaum eine Sekunde
später schlug über ihnen eine Salve aus einem Maschinengewehr ein. Der Putz der Wand
brach dieses Mal völlig von den Steinen und viel knirschend zu Boden. „Autsch, das war
knapp,“ meinte Gregor und wagte einen Blick auf dem zerschossenen Fenster. Auf der
anderen Straßenseite schienen sich immer noch einige Soldaten des Feindes auszuhalten. Es
war ihm rätselhaft wie sie dem Dauerbeschuss der Mörser entgangen waren und nun noch die
Nerven besaßen zu feuern. Seine Kameraden hockten nun seit einer Stunde in einer kleinen
Wohnung im Erdgeschoss eines Hauses und warteten auf eine Gelegenheit die Straße zu
überqueren. Bisher war dies an keiner Stelle gelungen, der Straßenzug hatte sich zur
Frontlinie entwickelt und beide Seiten wichen keinen Meter zurück.
Wieder schlugen Granaten ein und zerrissen ein weiteres Haus auf der anderen Seite. Gregor
wagte erneut einen Blick und sah wie ein Soldat auf die Straße geschleudert wurde. Irgendwie
hatte er überlebt, aber ihm fehlten beide Beine und er schrie wie am Spieß. Gregor zog sich
zurück und schluckte den bitteren Geschmack wieder hinunter, der sich in seinem Mund breit
machte. Samuel hörte die Schreie des verwundeten Feindes auch und schoss aus einem
weiteren Fenster auf den schreienden. Kurz darauf verstummte das grausige Schreien,
offensichtlich hatte Samuel ihn erlöst.

Gregor schüttelte den Kopf und wischte sich den Staub aus dem Gesicht. Ihre Helme hatten
sie schon lange zurücklassen müssen um bessere Sicht in den verwinkelten Häusern zu
erhalten. Erst gestern Abend waren die Hügel vor der Stadt erobert worden und sie hatten
einen ersten Blick auf Krijecsk werfen können, doch der Kommandeur hatte sie schon früh
am morgen in die Stadt geschickt um den Feldzug endlich zu beenden. Natürlich hatte der
Feind schon die Vororte in eine Hölle verwandelt und sie kamen nur langsam voran. Es war Seite 196
der Horror pur, manchmal war der Feind ein Stockwerk über ihnen, während sie schon
glaubten das Haus erobert zu haben. Oder der Feind schlich sich durch Tunnels oder die
Kanalisation wieder in ihren Rücken und plötzlich waren sie umzingelt. Gregor versuchte
immer noch wenigstens einen Teil des Drecks aus seinem Gesichts zu bekommen, als er an
seine Worte von vor zwei Tagen dachte. Er hatte gehofft nie in den umkämpften Wald der
Hügel geschickt zu werden, dich inzwischen dachte er, dass dies wohl noch die bessere Wahl
gegen diese Hölle gewesen wäre.

Wieder hämmerten Geschosse gegen die Außenwand ihres Hauses. Sie konnten Kane danken,
dass der Feind offensichtlich keine schweren Geschütze mehr besaß, sonst hätten sie
sicherlich nicht so lange überlebt. Aber das Katz und Maus Spiel in den Häusern war schlimm
genug. Die Verluste waren unglaublich hoch hatte ihm ein Sanitäter gesagt. Gregor fand ein
Loch in der Wand, welches von einem umherfliegenden Granatsplitter geschlagen worden
war. Es war nicht sehr groß, doch als Guckloch genügte es. Vor allem war es wesentlich
sicherer als aus dem Fenster lugen zu wollen.
Gregor beobachtet die Häuserfront auf der anderen Straßenseite, oder zumindest das, was
davon übrig geblieben war. Ab und an glaubte er einen Schatten durch die Ruinen huschen zu
sehen oder eine Bewegung wahr zu nehmen. Es war ihm unerklärlich wie sich die Soldaten
auf der anderen Seite so zäh wehren konnten. Gerade als er zu dem Schluss gekommen war,
niemals diese Straße überqueren zu können, hörte er das rumpeln eines Panzers. Kurz darauf
donnerte das Geschütz eines Panzers, begleitet von MG Salven.
Chris hatte offenbar einen Blick riskiert und berichtete nun. „Da kommen einige Panzer die
Straße runter. Scheinen unsere zu sein und die zerschießen die Häuser auf der anderen Seite
regelrecht zu Klump, sobald sich was rührt.“ Gregor nickte. „Unser Kommandeur will die
Sache zu ende bringen. Er macht Druck und will nicht im Häuserkampf stecken bleiben.“ In
diesem Moment ertönte das Dröhnen von Rotoren über den Vororten der Stadt und kündigte
die Harpyen. Samuel lächelte und sagte: „Der Kommandeur macht in der Tat Druck wie es
scheint. Da kommt die Luftunterstützung.“
Der Einsatz der Panzer und der Helikopter hatten schließlich die Entscheidung um die Vororte
gebracht. Es hatte auf der beiden Seiten viele Tote gegeben und nur wenige feindliche
Soldaten hatten sich ergeben. Viele Truppen hatten sich tiefer in die Stadt zurück gezogen und
warteten nun auf erneute Vorstöße. Somit war der Kampf mehr verschoben worden und die
Eroberung der Vororte war kein echter Sieg gewesen.
Als die Nacht herein brach, erreichten die Truppen der Koalition die Altstadt und erneut
entbrannte ein blutiger Kampf um jedes Haus. Gregor und seine Kameraden hatten den
Auftrag erhalten eine kleine Gasse vor Gegenangriffen zu verteidigen und wenn möglich
weiter vorzurücken. Aber der Auftrag hatte leichter geklungen als er in Wirklichkeit war. Die
Gasse war sehr eng und somit gut zu verteidigen. Das mochte ein Pluspunkt sein, aber da die
alten Häuser um die Gasse teilweise Ausgänge zu anderen Straßen hatten, konnte man nie
sicher sein, nicht plötzlich den Feind im Rücken zu haben. Die Gasse selbst erstreckte sich
über die Länge von etwa sechshundert Metern, bevor sie einen scharfen Knick machte. An
diesem Knick hatte der Feind eine Stellung eingerichtet und Barrikaden aufgestellt. Nun
schoss er bei jeder sich bietenden Gelegenheit die gerade Gasse hinunter auf die Stellung von
Gregors Trupp. Dieses Sperrfeuer verhinderte sowohl einen Vormarsch von Gregors Truppe,
als auch des Feindes. Es war eine Patt Situation entstanden und keine Seite hatte eine Idee wie
sie das Blatt für sich wenden konnten.
Gregor hatte sich hinter einen Stapel Sandsäcke gelehnt und ruhte sich ein wenig aus.
Inzwischen war die Nacht herein gebrochen und absolute Schwärze lag über der Stadt. Irgend
ein schlauer Stratege auf einer Seite hatte den Strom offensichtlich abgestellt und so jegliche
Beleuchtung der Stadt ausgeschaltet. Nun waren die einzigen Lichter, welche den Himmel
erleuchteten, fehlgeleitete Impulsgeschosse oder Signalraketen. Ab und an erschien eine Seite 197
gleißende weiße Leuchtkugel am Himmel und tauchte einen Straßenzug in unheimliches
Licht. Immer dann wusste man, dass wieder eine Seite einen Vorstoß unternommen hatte und
die Gegenseite sich bessere Sicht verschaffte indem sie Leuchtkugel in den Himmel schossen.
Gregor kontrollierte sein Impulsgewehr und wechselte das Magazin. Es war sowieso fast
völlig leer gewesen und so tauschte er es lieber gleich aus, als später im Gefecht damit
belästigt zu werden. Nachdenklich blickte er ins Leere und dachte über ihre Möglichkeiten
nach. Er hatte den Befehl diese Gasse zu erobern, aber die lange Gerade der Gasse machte es
ihm unmöglich vorzurücken. Nicht ohne seine Leute einem großen Risiko auszusetzen.
Natürlich gab es die Möglichkeit von Hauseingang zu Hauseingang zu spurten, aber
angesichts der bedrückenden Enge dieser Gasse schien das keine Lösung zu sein. Nachdem er
einige Möglichkeiten durchgegangen war, kam er zu dem Schluss, dass man diese Stellung
nicht von hier aus knacken konnte. Wenn man wirklich Erfolg haben wollte, würde man sich
durch die Hinterhöfe und die verwinkelten Verbindungswege vorarbeiten müssen. Erst wenn
man hinter der feindlichen Stellung angelangt war, konnte man den Feind aus Fenstern oder
vom Dach unter Feuer nehmen. Gregor beschloss per Gefechtsdatenblock einen zusätzlichen
Trupp Soldaten anzufordern um diese Stellung zu festigen, dann würde er versuchen das eben
durchdachte in die Tat umzusetzen.

Sie hatten noch das Morgengrauen abgewartet und sich ein wenig ausgeruht. Natürlich hatte
niemand von ihnen wirklich schlafen können, denn überall wurde geschossen. Immer wieder
wurde eine Salve auf den Feind abfeuert oder eine Leuchtkugel erhellte den Himmel. Aber
niemand schien in der Nacht wirklich seine Position verändern zu können oder geschweige
denn einen Erfolg zu verbuchen.
In ihrem Abschnitt war es relativ ruhig und es schien, als ob beide Seiten den Morgen
abwarten wollten. Kurz bevor die ersten Sonnenstahlen auf die Dächer der umkämpften Stadt
fielen, tauchte die Verstärkung an ihrer Stellung auf. Die Männer und Frauen der Verstärkung
sahen müde aus und man sah ihnen an, dass sie eine nicht so geruhsame Nacht gehabt hatten.
Offensichtlich hatte man sie von einem umkämpfteren Straßenzug abgezogen und durch
frischere Truppen ersetzt.
Gregor hatte allen erklärt was er vor hatte und schließlich auch noch die Verstärkung, welche
ihren Posten einnahmen eingeweiht. Sollte der Flankenangriff funktionieren, würden die
Soldaten er Verstärkung vorrücken und die neue Stellung besetzten. Um die umliegenden
Häuser machte sich Gregor relativ wenig Sorgen. Der Feind hatte sich scheinbar weiter
zurück gezogen und die Häuser der Gasse mehr oder weniger aufgegeben. Wie es in den
Hinterhöfen und Verbindungsgassen aussah war natürlich eine andere Sache.
Der erste Hofeingang von ihrer Gasse aus lag etwa zwanzig Meter hinter ihrer Stellung und
war sicherheitshalber Verbarrikadiert worden. So war man überall vorgegangen, wenn es an
Leuten fehlte um die Häuser komplett abzusichern und man einen Angriff aus den Höfen
nicht ausschließen konnte.
Nun schoben Samuel und Phillip die Barrikaden zur Seite und öffneten das schwere Tor zum
Hof. Gregor und Chris waren in die Knie gegangen und hatte eine Feuerposition
eingenommen um auf alles schießen zu können, was sich hinter dem Tor bewegte. Zu ihrem
Glück schien der Hof verlassen dazuliegen und auch in den kleinen Fenstern der Häuser
schien sich nichts zu rühren. Langsam rückten sie durch den Torbogen vor, die Gewehre im
Anschlag. Gregor musterte die Fenster über ihnen, aber die meisten waren leere Höhlen und
in keinem bewegte sich etwas. Viele der Häuser waren nur noch ausgebrannte Ruinen und die
Fenster waren vom Ruß schwarz gefärbt. Dennoch konnte sich hinter jedem dieser Fenster ein
Schütze verbergen und sie unter Feuer nehmen. Gregor übernahm die Führung und sie
schlichen langsam, sich nach allen Seiten umschauend auf die enge Gasse zu, welche den Hof
mit dem nächsten Innenhof verband. Seite 198
Im Grunde waren es keine richtigen Gassen, mehr ein Durchgang oder ein Flur, der Höfe
verband. Aber sie bargen immer neue Gefahren. In jedem Seitengang, welcher in ein Haus
oder eine Garage führte erwartete Gregor einen Feind anzutreffen. Doch sie erreichten den
zweiten Hof ohne auf irgendjemanden zu stoßen. Im Schatten der engen Verbindungsgasse
sondierten sie den nächsten Hof, soweit ihnen das möglich war, aber auch hier schien alles
ruhig zu sein.
Gregor trat zuerst ins Licht und versuchte alle Fenster über ihm gleichzeitig im Auge zu
behalten. Immer wieder lies er sein Gewehr über die Fenster schweifen und suchte nach
einem Anzeichen eines Hinterhaltes. Aber es rührte sich nichts und so gab er seinen
Kameraden durch ein Handzeichen zu verstehen, dass sie vorrücken konnten.
Sie versuchten von einer Deckung im Hof zur anderen zu sprinten und ein kleines Ziel
abzugeben. Man konnte schließlich nie sicher sein, ob ein Schütze nicht erst noch auf eine
bessere Gelegenheit wartete. Alte Müllcontainer und gestapelte Kisten dienten ihnen Als
Deckung als sie sich auf den nächsten Durchgang vorarbeiteten. Gregor war im Begriff für
den letzten Spurt zum nächsten Durchgang aufzuspringen, als das Rattern eines alten
Maschinengewehrs erklang. Schnell hatten sie sich auf den schmierigen Boden des Hofes
geworfen und hinter der wenigen Deckung verkrochen. Doch nirgends um sie herum schlugen
Kugel ein oder zerfetzte eine Energiesalve ihre Deckung. Es dauerte eine Minute bis sie
begriffen, dass die Schüsse aus einem der gegenüber liegenden Straßen kamen. Also befanden
sich in manchen Häusern doch noch feindliche Soldaten, von nun an würden sie noch
wachsamer sein.
Gregor und Samuel sondierten noch einmal die Fenster des Hofes, während Phillip und Chris
in den nächsten Durchgang spurteten. Als auch Gregor und Samuel in den Schatten des
Ganges untergetaucht waren, erklangen wieder Schüsse. Nach der ersten Salve aus einem
alten Maschinengewehr, es klang wie ein Ak74, antworteten andere Gewehre darauf.
Offensichtlich war in der breiteren Straße, welche ihrer kleinen Gasse gegenüber lag, ein
Feuergefecht ausgebrochen. Nun mussten sie damit rechnen früher oder später auf den Feind
zu treffen.

Chris blickte auf sein Datenblock und rief die Stadtkarte auf. „Noch zwei Höfe, dann sind wir
da,“ murmelte er leise. Gregor hob den rechten Daumen und wies dann mit der Hand Samuel
und Phillip an, die Spitze zu übernehmen. Er selbst blickte auf den eigenen Datenblock und
rief die neusten Befehle des Oberkommandos ab. Aber die Funkübertragung wurden
offensichtlich von den vielen Häusern gestört und so galt immer noch der Befehl in das
Stadtzentrum vorzustoßen. Gregor konnte sich den Grund denken. Im Stadtzentrum lagen die
Kommandoposten des Feindes und sollten diese erst erobert sein, würde der Feind den
Häuserkampf wesentlich schneller aufgeben. Deswegen versuchte der Kommandeur ihrer
Truppen auch einen Keil in die Stadt zu stoßen. Die Kämpfe welche neben diesen Keil aus
Panzern und massiver Infanterie geführt wurden, waren nicht wichtig. Sie waren an so einem
unwichtigen Punkt und dennoch würde es schlimme Folgen haben, wenn sie nicht den Keil
die Flanke decken konnten. Zu diesem Zweck mussten sie weiter vorrücken und eben auch
diese Gasse vollständig erobern. Aber für solche Gedanken hatte er jetzt keine Zeit. Er folgte
seinen Kameraden, die inzwischen den Hof vor ihnen gesichert hatten. Chris bildete den
Schluss und hielt die durchquerte Gasse im Auge.
Wieder ratterte ein altes Ak74, aber diesmal schlugen die Kugel wirklich über ihnen ein.
Samuel und Phillip eröffneten sofort das Feuer auf das Fenster aus dem sie das
Mündungsfeuer gesehen hatten. Ihre Impulsgewehre zerfetzten die Mauer um das Fenster und
rissen große Brocken Mörtel und Steine aus der Mauer. Gregor zog eine Handgranate aus
dem Gürtel, riss den Sicherungsring ab und warf sie in das Fenster. Die dumpfe Explosion
und die dicke Qualmwolke die aus dem Raum hinter dem Fenster quoll sicherte ihnen Seite 199
zumindest diesen Raum. Dort würde kein Feind mehr stehen und schon gar nicht auf sie
Feuern.

Chris zog eine Rauchgranate aus seinem Gürtel und war sie in die Mitte des Hofes. Der gelbe
Rauch hüllte den Hof schnell vollständig ein und verwandelte Gregor und seine Kameraden
zu gelben Schatten. Nun würde der Feind kein klares Ziel mehr haben und höchstens noch
blind in den Rauch feuern können.
Schnell bewegten sie sich auf den nächsten Durchgang zu und verschwanden in den Schatten
des selbigen. Keine Sekunde zu früh wie sie feststellten, als im Hof hinter ihnen zwei
Handgranaten detonierten und das Pflaster aufrissen. Splitter und Staub flogen durch den
Durchgang, aber sie hatten es alle geschafft dem Hinterhalt zu entkommen. Gregor schnaubte
wütend, es lag noch ein Hinterhof vor ihnen und nun war man sich sicher, auch dort auf
Schützen zu treffen. Es gab nur die Möglichkeit sich schnell durch den Hof zu arbeiten und
wieder im nächsten Durchgang zu verschwinden.

Samuel warf eine Rauchgranate und hüllte so den vor ihnen liegenden Hof in den selben
schwefelgelben Rauch wie den Letzten. Schon hörten sie erste Schüsse rattern, offensichtlich
schoss jemand auf gut Glück in den Rauch und hoffte etwas zu erwischen. Gregor lugte aus
dem Durchgang, konnte das Mündungsfeuer jedoch nicht entdecken. Aber das war bei dem
dicken Rauch auch kein Wunder. Somit hatte der Rauch auch seine Nachteile, wie Gregor
feststellte. Zu ihrem Unglück hatte dieser Durchgang auch keine Abzweigungen, welche in
ein Haus führten. Es wäre sicherlich einfach gewesen über eines der Häuser den Hof zu
umgehen, aber nun schien es so, als hätten sie keine Wahl, als den Weg durch den Hof.
Gregor übernahm wieder die Spitze und blickte zum nächsten Durchgang hinüber. Er war
inmitten des gelben Rauches nur ein dunkler Schatten, aber für Gregor stellte es
gewissermaßen ein goldenes Tor dar. Langsam sondierte er den Qualm und hoffte eine
Bewegung zu erkenne, doch kein Schatten schien sich zu rühren. Er gab ein Handzeichen und
sie begannen zu laufen. Irgendwo über ihnen setzte ein Stakkato aus Maschinengewehrfeuer
ein und um sie herum schlugen die Kugeln gegen die Wände und auf das Pflaster des Hofes.
Doch ihr Spurt war zu überraschend gewesen und schon hechtete Gregor mit einem großen
Sprung in die Deckung des nächsten Durchganges. Erst als er dort schwer atmend
angekommen war, realisierte er wie gefährlich diese Aktion gewesen war. Keiner von ihnen
hätte überlebt, wenn sie jemand in diesem Durchgang erwartet hätte. Nachdem ihm dieser
Gedanke durch den Kopf geschossen war und ihm einen kalten Schauer über den Rücken
laufen lies, war auch Chris als die Nachhut in die Deckung des Durchganges gelangt.
Neben ihnen lag die Treppe zu ihrem Ziel. Das Haus direkt hinter der Stellung, die sie
knacken wollten. Wieder übernahm Gregor die Spitze und betrat die erste Stufe der alten
Holztreppe. Knarrend gab sie ein wenig nach, hielt aber stand. Er blickte das Treppenhaus
nach oben, konnte aber keine Gefahr erblicken. Langsam stieg er, die Waffe im Anschlag, die
Treppe nach oben. Als er das erste Stockwerk betrat lauschte er angestrengt nach
verräterischen Geräuschen, doch nur die Tritte der Anderen, auf der Holztreppe, waren zu
hören.

Ein leerer, trostlos erscheinender Flur verlief rechts und links von ihm. An vielen Stellen
konnte man Wasserschäden und bröckelnden Verputz sehen und diese rührten nicht von den
Kämpfen um die Stadt. Ähnliches hatten im Verlauf ihres Vormarsches schon öfters gesehen.
Die Regierung und die im Hintergrund agierende Splittergruppe, die sie bekämpften, schien
seine Bevölkerung mit eiserner Hand regiert zu haben und alles aus ihnen herauszupressen.
Um so mehr wunderte es Gregor wie sehr sich der Feind zur Wehr setzte. Unter den Soldaten
die dem Feind dienten musste es doch auch viele unzufriedene geben, die aus solchen
Verhältnissen stammten.

Gregor bewegte sich langsam nach rechts und näherte sich leise der ersten Wohnungstür auf
diesem Stockwerk. Mit einer knappen Geste wies er seine Kameraden an ihm Deckung zu Seite 200
geben. Die Wohnungstüre war nicht geschlossen und als Gregor vorsichtig hinein blickte, sah
alles danach aus, als wären die Bewohner Hals über Kopf geflohen. Er wies Phillip und
Samuel an die Wohnung zu durchsuchen. Es war gut möglich, dass irgendwo ein Feind hinter
einer Ecke verborgen hielt. Die Beiden glitten leise an ihm vorbei und suchten die Wohnung
ab. Nach drei Minuten gaben sie ihr OK für die Wohnung und Gregor schlich zur nächsten
Wohnung. Wenn sie von hier aus die unter ihnen liegende Stellung angreifen wollten,
mussten sie sicher sein, dass nicht irgendwo noch jemand versteckt auf seine Chance wartete.
Chris war zurück geblieben und sicherte die Treppe ab um unliebsame Gäste zu empfangen.
Auch die nächste Wohnung zeigte das selbe Bild der Flucht und war sauber. Gregor entschied
sich nicht auf das Dach zu steigen, es würde zu lange dauern alle Stockwerke zu sichern nur
um dann von einem Scharfschützen vom Dach geschossen zu werden. Was sie vor hatten
konnte man ebenso gut von den Fenstern über der feindlichen Stellung erreichen. Samuel und
Phillip hatten inzwischen auch die andere Hälfte des Flurs gesichert und waren zu Chris
zurückgekehrt. Gregor ging ebenfalls zur Treppe zurück. Sie mussten immer noch leise sein,
denn es war gut möglich, dass ein Stockwerk über ihnen doch noch der Feind wartete. Um sie
konnte man sich später kümmern, beschloss Gregor und wies Phillip und Samuel an ihm zu
folgen. Sie betraten die Wohnung, deren Fenster direkt über der Stellung lagen. Sie wagten
einen kurzen Blick und konnten die Zahl der Feinde abschätzen. Hinter den dicken
Sandsäcken verbargen sich etwa zehn Soldaten, die meisten rauchten momentan oder
beschäftigten sich anderweitig. In diesem Abschnitt war es seit letzte Nacht ruhig gewesen
und so war die Aufmerksamkeit der Soldaten auf einem Tiefpunkt gesunken. Von den zwei
schweren Stand-MGs, welche die Stellung hatte so schwer angreifbar machte, war nur eines
besetzt und auch diese Mannschaft schien wenig auf die Gasse vor ihnen zu blicken.
Zufrieden stellte Gregor fest, dass die Fensterscheiben in der ganzen Wohnung bereits fehlten
und sie so nicht unnötig Lärm machen mussten bevor sie losschlagen konnten. Er bedeutet
seine Kameraden auf die Gewehre zu verzichten und deutete auf die verbliebenen
Handgranaten an seinem Gürtel. In der engen Gasse unter ihnen würde die Wirkung der
Handgranaten verheerend sein. Samuel und Phillip nickten und nahmen ihre Handgranaten
ebenfalls vom Gürtel. Jeder von ihnen nahm zwei Handgranaten so in eine Hand damit die
Sicherheitsringe zwischen den Fingern herausschauten. So konnten sie beide Ringe zugleich
herausreisen und dann die tödliche Fracht mit einem Wurf nach unten befördern. Gregor
blickte auf seine Kameraden und nickte. Im Stillen zählten sie leise bis drei, dann traten sie
fast zeitgleich an das Fenster, rissen die Ringe von den Handgranaten und ließen sie durch das
Fenster nach unten fallen. Schnell waren die Drei wieder zurückgetreten und hielten sich die
Ohren zu.

Die sechsfache Detonation war ohrenbetäubend und Gregor wusste sofort, dass die gesamte
Stellung unter ihnen keinen lebenden Soldaten mehr barg. Er nickte und nahm sein Gewehr
wieder in die Hand um auf den Gang hinaus zu treten. Die überraschende Explosion schien in
den umliegenden Häusern sowohl Freund als auch Feind geweckt zu haben. Überall flammten
Feuergefechte auf und Gregor ahnte, dass eines der Gefechte von den vorrückenden Soldaten
ihrer Stellung herrührte.
Gerade als er auf den Gang heraustrat erklang im Treppenhaus ein mehrfaches Stakkato alter
Maschinengewehre und Gregor sah Chris an der Treppe zusammensinken. Wie angewurzelt
blieb er stehen und starrte auf Chris, dann auf die Blutspur an der Wand. Erst als Phillip sich
an ihm vorbeidrängte, rührte sich Gregor wieder und griff wieder fester nach seinem Gewehr.
Sie konnten jetzt keinen Gedanken daran verschwenden, dass gerade einer ihrer besten
Freunde gestorben war, sie saßen hier in der Falle, sollte jemand das Treppenhaus besetzt
halten. Dennoch spürte Gregor wie sich in seinem Magen ein eisiger Klumpen formte. Soeben
war der erste Soldat unter seinem Kommando gestorben. Soeben war ein guter Freund vor
seinen Augen gestorben und er hatte nichts dagegen tun können. Wut und Trauer stieg in ihm
auf, doch es gelang ihm sie zu unterdrücken. Seite 201
Langsam bewegten sie sich auf die Treppe zu und auf den Körper von Chris. Eine große
Blutlache hatte sich inzwischen um den Körper ausgebreitet und sickerte langsam in den
rissigen Boden des Flurs. Gregor schluckte hart und setzte den ersten Fuß in die Blutlache. Ihr
Kamerad und Freund war tot, daran gab es keinen Zweifel. Sein Kampfanzug wies unzählige
Einschusslöcher auf und dies am ganzen Körper. Sie mussten sich alle Drei zwingen den
Körper ihres Kameraden nicht anzustarren und sie waren alle heilfroh, dass er auf den Bauch
gefallen war. Zumindest würden sie nicht in sein Gesicht sehen müssen.
Gregor hörte von der Gasse, wie ein Soldat einen lauten Siegesschrei von sich gab. Also war
die Stellung inzwischen genommen worden, aber das half ihnen derzeit auch nicht. Angeekelt
davon, durch das Blut seines Freundes zu gehen, blickte er in das Treppenhaus und versuchte
den Feind auszumachen. Phillip hatte sich inzwischen überwunden und nahm dem gefallenen
Freund die Munition und Handgranaten aus dem Gepäck. Über ihnen rührte sich nichts, aber
der Feind musste immer noch über ihnen sein, denn es gab keinen anderen Weg nach unten.
Erst als Gregor die erste Stufe auf die Treppe nach oben setzten wollte, hämmerte erneut ein
Maschinengewehr los. Die Kugel schlugen knapp neben Gregor ein und veranlassten diesen
mit einer Hechtrolle wieder in den Flur zurück zu springen.
Es war ein Patt entstanden, erkannte Gregor. Beide Parteien waren gefangen, hinderten aber
zugleich den Anderen am Rückzug. Samuel nahm Phillip eine von den Handgranaten aus der
Hand und wies auf die Treppe. Gregor bezweifelte, dass Samuel es schaffen würde die
Handgrante nach oben zu werfen, aber offensichtlich wollte sein Kamerad es versuchen.
Gregor nickte und zog sich zusammen mit Phillip tiefer in den Flur zurück. Es bestand
durchaus die Möglichkeit, dass die Handgranate wieder zurückrollte. Gregor hoffte, dass die
Treppe durch die Detonation nicht völlig zusammenbrechen und ihnen den Weg nach unten
versperren würde.
Samuel trat noch einen Schritt weiter in das Treppenhaus, gerade soweit damit er eine gute
Position zum werfen hatte. Er war sich selbst nicht sicher ob es funktionieren würde, aber
angesichts dessen, was mit seinem Freund geschehen war, wollte er es versuchen.
Er wog die Handgranate in seiner Hand und nahm sich die Zeit abermals seine Schritte zu
planen. Die Treppe endete oben genauso wie in diesem Stockwerk und natürlich war die
Bauweise im ganzen Haus die Selbe. Mit großer Wahrscheinlichkeit stand der Feind, in
seinem Stockwerk, an sehr ähnlichen Positionen wie sie selbst. Ein gut gezielter Wurf und die
Handgranate würde in den Flur rollen. Um das zu erreichen würde er allerdings schräg nach
oben werfen müssen und außerdem dabei so kurz wie möglich ein Ziel abgegeben. Diese
Gedanken waren innerhalb von wenigen Sekunden durch seinen Kopf gerast und nun trat er
noch einen Schritt weiter in die Gefahrenzone. Zumindest befand sich kein Feind auf dem
oberen Teil der Treppe und nahm ihn sofort unter Feuer. Offensichtlich hoffte der Feind
darauf sie alle beim Sturm auf das Stockwerk zu erwischen und lauerte darauf, dass ein erster
Soldat die Treppe hinauf kam. Ich schick Euch was, dachte er und zog den Sicherungsring
von der Granate. Er zählte bis drei, dann holte er aus und warf sie nach oben. Bei dem Wurf
musste er sich mehr oder weniger drehen um den richtigen Winkel zu erwischen, aber er hatte
Glück und der Wurf landete im nächsten Stockwerk. Ein lauter Fluch war alles was er hörte,
bevor die Handgranate detonierte und einen Staubregen von der Decke löste. Die Anderen
waren kurz nach der Detonation aufgesprungen und zogen Samuel nun mit sich. Sicherlich
hatten einige der Feinde im oberen Stockwerk die Explosion überlebt, aber die Gelegenheit
zur Fluch war günstig da der Feind mit Sicherheit verwirrt und desorientiert war. Schnell
rannten sie die Treppenstufen hinab und flohen aus dem Haus. Ihren Auftrag hatten sie erfüllt.
Ägypten, Kairo – Im Palast von Hassan
Seine Konkubinen waren letzte Nacht wieder eine große Freude gewesen, dachte Hassan und
ging in einen seiner unzähligen Besprechungsräume. Heute war es ihm danach den etwas Seite 202
gemütlicheren Raum zu benutzen, da er noch etwas müde von den Anstrengungen der Nacht
war. Viele würde es heute sowieso nicht zu tun geben, vermutete er und betrat den Raum.
Einer der Nachrichtenoffiziere wartete bereits auf ihn und Diener hatten sowohl Tee als auch
frischen Kaffee bereitgestellt. Hassan ignorierte den Offizier und ging an ihm vorbei.
Nachdem er sich auf einem der Kissen niedergelassen hatte lies er sich eine Tasse Kaffee
einschenken. Er atmete den Duft des frischen Kaffees tief ein und winkte dann einmal um die
Dienerschaft hinauszuschicken.
Erst nachdem er die halbe Tasse getrunken hatte und genüsslich ein Stück Orange gegessen
hatte, nickte er dem Offizier zu. Der Mann straffte sich und zog einen Datenblock hervor um
die neusten Nachrichten vorzulesen.
Hassan hatte richtig gelegen, es war tatsächlich nicht viel wichtiges geschehen. Nun es gab
schließlich auch ruhige Tage und dieser schien so ein Tag zu sein. Der Bericht des Offiziers
war schnell vorüber und Hassan entließ ihn. Heute wollte er gemütlich frühstücken und dann
erst an die Arbeit gehen. Es entwickelte sich schließlich alles wie er es geplant hatte und da
konnte er sich eine kleine Auszeit nehmen.
Nachdem er gemütlich sein Frühstück genossen hatte, überdachte er seine vergangenen Pläne.
Nicht alle waren so glatt verlaufen wie dieser. Immer noch schmerzte ihn die misslungene
Anlandung bei Gibraltar. Natürlich, es war seinen Truppen gelungen zu landen und einen
Brückenkopf zu schlagen. Doch Hermandes, der Anführer der spanisch, portugiesischen
Bruderschaft hatte schnell regiert und seinen Vormarsch einige Kilometer hinter der Küste
zum Stillstand gebracht. Letztendlich hatte er sich zurückziehen und so seine Niederlage
eingestehen müssen. Die Tatsache, dass Hermandes der engste Verbündete von Kasian war,
machte die Sache nicht unbedingt leichter verdaulich.
Wenn dies bloß die einzige große Niederlage gewesen wäre, aber es gab da noch viele andere
Niederlagen die ihn immer noch ärgerten. Seine Gedanken wanderten zu den unzähligen
Kongo Expeditionen zu dem verschollenen Tempel von NOD. Er versuchte zu verstehen
warum ein paar Halbwilde und eine kleine Splittergruppe so viele Expeditionen abwehren
konnten. Nur der letzten Expedition war es überhaupt gelungen die Basis und den
vermeintlichen Tempel zu finden. Plötzlich schien Hassan wie vom Blitz getroffen und sprang
von seinem Kissen auf. Endlich wurde ihm klar, wer hinter der angeblich so kleinen und
schwachen Splittergruppe beim Tempel steckte. Es konnten nur die Besahi NOD sein, denn
genau in die Richtung des Kongo waren ihre Überreste geflohen, nachdem sie die Niederlage
im Irak eingesteckt hatten. Der Entschluss war schnell gefasst und mit einem Klatschen rief er
einen Diener herein.
Der Diener verneigte sich ehrfürchtig vor seinem Herrn. „Was wünscht ihr Herr?“ fragte er
und verneigte sich dabei noch mehr. Hassan blickte abschätzig auf den Unterwürfigen und
sagte: „Ist der Kommandeur des Irak Feldzuges schon zurück gekehrt?“ Der Diener schien zu
schlucken, antwortet aber dann: „Ich weiß nicht Herr, aber ich …“
„Dann bring es in Erfahrung und wenn er bereits eingetroffen ist, schick ihn zu mir,“
unterbrach ihn Hassan ungeduldig. Eine weitere Handbewegung reichte und der Diener eilte
aus dem Raum.
Der Kommandeur des Irak Feldzuges war tatsächlich bereits eingetroffen und hatte gerade
gefrühstückt, als ihn ein Diener die Nachricht von Hassan überbrachte. Mu-Berek spürte
augenblicklich wieder seine künstliche Hand und erinnerte sich daran wie Hassan ihn mit dem
Abschlagen der Hand für sein Versagen bestraft hatte. Ein Phantomschmerz jagte seinen Arm
hinauf und behauptete seine Hand würde gerade in ein Nadelbett gedrückt. Ärgerlich
schüttelte Mu-Berek den Arm und verfluchte die kybernetische Chirurgie. Zwar hatte sie ihm
eine neue Hand mit allen normalen Fähigkeiten und noch ein paar netten Zusätzen beschert,
aber von diesen Phantomschmerzen war nie die Rede gewesen. Seite 203
Nachdem er sich auf den Weg zu dem ihm angewiesenen Raum begeben hatte, grübelte er
beim durchschreiten der langen Palastflure darüber nach was Hassan wohl von ihm wollte. Es
hatte schließlich einige Hoch und Tiefs in seiner bisherigen Karriere gegeben und er war
gespannt wohin dieser Besuch bei Hassan führen würde.
Als Mu-Berek in den gemütlich eingerichteten Besprechungsraum eintrat, wurde er von
Hassan freundlich empfangen. Nach einigen freundlichen Floskeln bot Hassan ihm an mit
ihm eine Tasse Kaffe oder Tee zu trinken. Nachdem sie sich gesetzt hatten lobte Hassan
seinen Kommandeur nochmals ausdrücklich für seine Erfolge im Irak. Mit einem Klatschen in
die Hände orderte er bei einem Diener frischen Kaffe und kam schließlich zur Sache.
„Mu-Berek, sie erinnern sich sicherlich noch die Kongo Expedition, nicht wahr?“ fragte er
lächelnd. Mu-Berek nickte und schwieg einen Moment. „Ja natürlich, es war eine immense
Verschwendung an Material.“
Hassan nickte und blickte in seine Kaffeetasse aus der aromatische Dämpfe aufstiegen. Einige
Sekunden später blickte er wieder auf. „Glauben sie man könnte den Tempel, nun da wir
seinen Standort kennen, erobern?“

Mu-Bereks Miene versteinerte augenblicklich, aber nach einigen Sekunden des Schweigens
antwortete er. „Aber sicher, es gibt nichts, was man nicht erobern könnte. Vorausgesetzt man
verfügt über die entsprechenden Mittel und Wege.“ Hassan lächelte und nickte. „Gut
gesprochen. Wissen Sie, heute morgen ist mir ein Licht aufgegangen. Haben Sie sich noch nie
gefragt, warum es so schwer war einer kleinen Splittergruppe den Tempel zu entreißen?“
Mu-Berek hatte sich inzwischen auch eine Tasse Kaffee eingeschenkt und nippte daran.
„Doch, ich habe oft über diese Niederlage nachgedacht,“ antwortete er und rieb unbewusst die
Nahtstelle, die seinen Armstumpf mit der künstlichen Hand verband. Hassan nahm ebenfalls
einen Schluck aus seiner Tasse und lächelte. „Heute morgen würde es mir klar,“ begann er
und machte dann eine kurze Pause bevor er fortfuhr.
„Der Tempel und die Basis dort, gehören zu den Besahi NOD,“ sagte er dann und stellte seine
Tasse wieder auf den kleinen Tisch vor ihm. Wieder schien sich die Miene von Mu-Berek zu
versteinern, aber dieses Mal fiel der Gesichtsausdruck gleich wieder von ihm ab und er blickte
neugierig zu Hassan. „Tatsächlich? Heißt das wir haben schlicht unterschätzt, wer den
Tempel bewacht?“
Hassan kicherte leise und nickte wieder. „So könnte man sagen. Wir rechneten immer
entweder mit einem Stamm wilder Eingeborener oder einer kleinen Splittergruppe. Nie haben
wir aber bedacht, dass sie in der Lage sein könnten unsere Aktionen zu beobachten oder gar
gegen uns koordiniert vorzugehen.“ Er griff erneut nach der Tasse, nippte daran und schluckte
hörbar.
„Und wissen Sie was das Beste ist? Was glauben Sie wohin die Reste der Besahi geflohen
sind?“ fragte er lächelnd.
Mu-Berek sah man an, dass er verstanden hatte worauf sein Anführer hinaus wollte. Er stellte
die Tasse auf den kleinen Tisch vor ihren Kissen und blickte Hassan an. „Ich soll wohl noch
einmal den Tempel angreifen, oder sehe ich das falsch?“ fragte er.
Sein Gegenüber lächelte und nickte. „Mu-Berek, ich schätze ihre schnelle Auffassungsgabe
sehr. Es verbinden sich durch diese Wende zwei Ziele. Ich will diesen Tempel, sie wissen das.
Aber was noch wichtiger ist, die Besahi NOD müssen unbedingt vernichtet werden. Ihr neuer
Führer Slavik könnte gefährlich für uns werden. Wir wollen schließlich nicht, dass er die
Rolle von Kasian übernimmt wenn dieser vernichtet ist.“
„Sie haben also etwas gegen Kasian vor?“ fragte Mu-Berek in einem Anflug von mutiger
Neugier. Hassan schien die würdige, schweigsame Gestik zu gefallen und nickte erneut, aber
nach einer kurzen Pause erwiderte er: „Kasian soll Sie im Moment nicht beschäftigen,
bereiten Sie einen Großangriff auf die Besahi vor.“ Hassan beendete mit einer Handbewegung Seite 204
das Gespräch und Mu-Berek verließ den Besprechungsraum um seinen neuen Auftrag in
Angriff zu nehmen.

10
Raumstation Philadelphia, Hauptquartier der GDI
General Solomon blickte aus einem der Bullaugen auf die unter ihm liegende Erde. Vor
langer Zeit hatte einmal einer der ersten Astronauten gesagt, erst wenn man die Erde von
Oben betrachtet hat, versteht man wie zerbrechlich sie ist. Immer noch war die Erde der blaue
Planet, dachte Solomon, aber wenn sie kein Mittel gegen das Tiberium fanden, würde es nicht
mehr lange dauern bis aus der Erde der grüne Planet geworden war. Er schüttelte traurig den
Kopf und wand sich zu seiner Kommandozentrale um.

Es herrschte geschäftiges Treiben vor den Konsolen und über alle Displays wanderten neue
Daten von den Basen auf der Erde. Unzählige beschäftigten sich mit den überall
aufgeflammten Bürgerkriegen und Solomon war klar, was hinter diesen sogenannten
regionalen Konflikten steckte.
Die Kämpfe zwischen den Nachfolgern der Bruderschaft waren im letzten Jahr immer
heftiger geworden und nun kristallisierten sich erste Gewinner heraus. Er musste wieder den
Drang unterdrücken einfach eine Interventionsstreitmacht zu entsenden um der Sache ein
Ende zu machen. Im Grunde war ihm dieses Spiel zuwider, aber durch seine Zurückhaltung
unterstützte er seinen Handlanger Hassan und dieser Handlanger war auf dem besten Weg die
Bruderschaft zu vereinen.

Natürlich würde dies einige Vorteile für die GDI bringen. Alle Daten aus dem privaten
Netzwerk Hassans flossen direkt zur Spionage-Sonderabteilung und wurden ausgewertet.
General Solomon war über jeden Schritt Hassans im Bilde und das würde er ausnutzen sobald
die Bruderschaft vereint war.

Die einzelnen Splittergruppen auszulöschen hatte sich als sehr schwer erwiesen. Diese
Gruppen hatten die große Verfolgung im ersten Jahrzehnt nach dem Tiberiumkrieg überlebt
und kannten inzwischen alle Tricks um der GDI zu entgehen. Dagegen würde es viel leichter
sein die Bruderschaft endgültig zu vernichten, wenn er auf die Daten von Hassan
zurückgreifen konnte und von jeder Basis die Position kannte.

Wieder blickte Solomon aus dem Bullauge und blickte auf die unter ihm vorüber ziehenden
Kontinente. Natürlich war ihm klar, wie gefährlich dieses Spiel war. Hassan hatte längst
begonnen geheime Basen zu errichten und diese aus seinem Computernetzwerk aufgegliedert.
Doch die Chance die Bruderschaft auf diesem Wege zu vernichten, bedeutete vielen GDI
Soldaten das Leben zu retten. General Solomon hatte als junger Mann oft genug selbst einen
Säuberungstrupp angeführt und hatte gegen die fanatischen Anhänger der Bruderschaft
gekämpft. Inzwischen war der religiöse Wahnsinn und der Kult um Kane noch schlimmer
geworden, es war nicht auszudenken was dies alles anrichten konnte.

General Solomon richtete seinen Blick wieder auf das große Display im Zentrum der
Kontrollwand. Über dieses Display liefen die wirklich wichtigen Nachrichten und
Informationen. Derzeit liefen Berichte über den Bürgerkrieg an der Krim ein. Natürlich war
auch dieser Bürgerkrieg hintergründig ein Kampf zwischen zwei NOD Gruppen und es sah so
aus, als würde die Gruppe um Kasian gerade den Sieg erringen. Satellitenbilder zeigten eine
schwer umkämpfte Hauptstadt. Die Bilder wurden vom Computer bearbeitet und analysiert.
General Solomon stellte erschrocken fest, dass Kasians Truppen sowohl Helikopter als auch
schwere Panzerverbände einsetzten um das Stadtzentrum zu erobern. Sie versteckten sich
offensichtlich nicht mehr vor der GDI sondern gingen offen gegen ihre Feinde vor.
Kasian war ganz eindeutig eine Gefahr für den Plan, den er mit Hassan hatte, dachte
Solomon. Soweit er wusste gab es noch drei große Gruppen in der Bruderschaft und alle drei
kämpften um die Vorherrschaft. Seite 205

Die fanatischen Besahi NOD waren im Irak fast vernichtet worden und flohen nun vor
Hassans Truppen. Doch unter der Führung dieses neuen Mannes, Slavik war sein Name,
hatten sie es geschafft ihre Position wieder zu festigen. Immer noch hatten sie genügend
Einfluss um ihre Interessen geltend zu machen. Verärgert dachte er daran wie sehr er sich im
Irak hatte zurückhalten müssen und von der Presse Kritik eingesteckt hatte. Diese Aktion war
nicht gerade gut für den Ruf der GDI gewesen und dann hatte sie nicht einmal den
gewünschten Erfolg gebracht. Gerade die enorm fanatischen Teile der Bruderschaft mussten
ausgelöscht werden, dem war sich General Solomon sicher.
Die Koalition um Kasian war dagegen mehr ein Zweckbündnis und Solomon schätze die
Gefahr weniger hoch ein. Natürlich war es erschreckend über welche Technologien und
Mittel sie offensichtlich verfügten. Allein die Stealthtechnologie machte ihre Basen
unsichtbar und nahm der GDI so die Möglichkeit effektiv gegen die vorzugehen. Dennoch
war sich der General sicher, Hassan würde mit Kasian fertig werden. Der neue Plan, Kasian
für seine Taten vor ein hohes Gericht der Bruderschaft zu zerren war geradezu genial und
würde sicherlich erfolgreich sein. Ohne die Führung Kasians würde diese Gruppe zerbrechen
und Hassan konnte die Scherben aufsammeln. Die Besahi waren von da an nur noch ein
lästiger Störfaktor.

General Solomon begab sich in die Offizierskantine um einen Tee zu trinken. Er beschloss
noch einmal über seine Pläne nachzudenken. Ein ungutes Gefühl sagte ihm, dass er sich geirrt
haben könnte und der GDI noch einiges bevor stand, wenn die Bruderschaft wieder vereint
sein würde.
Deutschland, In den Privaträumen von Kasian
Als Adjutant Sander den Raum betrat erwachte Kasian wieder aus seinen Gedanken. Er hatte
seit Stunden darüber gebrütet wie er auf die Vorladung des inneren Zirkels reagieren sollte,
war aber zu keinem Ergebnis gekommen. Sander brachte neue Nachrichten über den Krim
Feldzug und Kasian las die Botschaft erfreut laut.
„Krijecsk in den Händen der Koalition. Das Regime wurde abgesetzt und durch
„demokratische“ Kräfte ersetzt. Die aufgegriffenen Offiziere des feindlichen Oberkommandos
wurden wie befohlen hingerichtet. Die verbliebenen Truppenverbände haben bereits auf die
Koalition ihre Treue geschworen. Erwarte weitere Befehle.
Gez. Oberkommando, Krim Feldzug“
Kasian rang das erste Mal seit langem ein Lächeln ab und legte das Blatt Papier auf seinen
Schreibtisch. „Ich denke wir sollten den Truppen erst einmal eine Pause gönnen. Was halten
Sie von einer kleinen Siegesfeier?“ fragte er. „Es würde sich sicherlich gut machen für die
Propagandaabteilung, Sir,“ antwortete Sander. Kasian nickte zustimmend. „Ja, das denke ich
doch auch. Lassen Sie den Kommandeur und eine Auswahl von ausgezeichneten Soldaten für
die Siegesfeier herbringen,“ befahl er. Nach einem Augenblick fügte er hinzu: „Ach und
lassen sie meinen Sohn auch kommen, ich habe mit ihm unter vier Augen zu sprechen.“
Adjutant Sander nickte knapp und verließ die privaten Räume seinen Anführers.
Irgendwo im Bergdschungel des Kongo
Dicke schlammige Erde spritze in die Höhe und zwang Faisal sich noch tiefer zu ducken. Als
die Erde wieder zu Boden kam wurde er wieder von einem Schwall davon eingedeckt.
Langsam begann er diesen Dschungel wirklich zu hassen und sehnte sich wirklich nach den
einfachen Strukturen, die er aus Wüstenkämpfen kannte. Irgendwo rechts von ihm hämmerte
ein Impulsgewehr und zerfetzte dort Büsche wo sie den Feind vermuteten.
Seit zwei Tagen hockten sie nun in einem kleinen Vorposten und kamen nicht weiter. Ihr
gesamter Konvoi hatte gestoppt um aufzutanken und erste Kommandos abzustellen. Slavik
hatte einen Teil seiner Männer ausgeschickt um Vorposten zu bemannen, da er befürchtete,
Hassan könnte sie verfolgen. Ihr Anführer hatte Recht gehabt. Eine Hassan treue Gruppe Seite 206
dieser Region hatte versucht ihnen den Weg abzuscheiden und eine Brücke gesprengt. Nun
versuchten sie die Reparatur der Brücke zu behindern und griffen immer wieder aus dem
Dschungel an. Aber gestern Nacht hatten die Späher endlich das Lager der Feinde ausfindig
gemacht und herausgefunden wie schwach diese Gruppe in Wirklichkeit war. Hassan hatte
wenig Verbündete in dieser Region und so opferte er wohl diese kleine Gruppe bis
Verstärkung eintraf. Dies war natürlich noch ein Grund schneller voran zu kommen und
endlich den Tempel zu erreichen.
Eine weitere Explosion riss ihn aus seinen Gedanken und lies ihn wieder nach seinem Gewehr
greifen. Er gab ebenfalls eine Salve auf das Dickicht vor ihnen ab und sprintete dann aus seine
Deckung. Schnell war er wieder hinter einem Baumstumpf verschwunden, verfolgt vom
wütenden Pfeifen einige Kugel die hinter ihm einschlugen.
Der Feind war umzingelt und ihm ging die Munition aus. Trotzdem hielt seine Verteidigung
um das Lager und selbst die hartnäckigen Anstrengungen von Faisals Truppe hatte den
Widerstand noch nicht brechen können. Immerhin schienen ihnen inzwischen die
Mörsergranaten ausgegangen zu sein und so gelang es Faisal näher an den Feind heran zu
kommen. Viele seiner Leute waren im tödlichen Sperrfeuer der Granaten umgekommen, aber
Faisal trieb seine Leute weiter an um den Feind endlich zu schlagen. Er lugte an dem
Baumstumpf vorbei und erhaschte durch die Blätter einen ersten Blick auf die feindliche
Basis. Es war nicht mehr als eine kleine Basis aus Zelten und einigen Schützengräben. Drei
hohe Bäume hatte man auf der gerodeten Fläche stehen lassen, die Kronen gestutzt und sie zu
Türmen umfunktioniert.
Faisal überdachte die Lage und entschloss sich das Lager nicht offen zu stürmen. Die Türme
zu beseitigen würde mit Sicherheit vielen seiner Soldaten das Leben kosten. Aber es gab
schließlich noch andere Möglichkeiten des Dschungelkampfes, soviel hatte in der letzten Zeit
gelernt. Nun da der Feind wie sie zuvor in einer Basis hockte, konnte er den Spieß umdrehen
und immer wieder aus dem Dschungel hervorstoßen. Über Funk forderte er
Unterstützungsfeuer seiner wenigen Mörser an. Es dauerte eine Minute bevor er das Pfeifen
der Granaten zu hören war.
Während die ersten Granaten im Lager des Feindes einschlugen kam einer seiner
Untergruppenführer zu ihm und berichtete ihm. Faisal zog solchen Rapport immer noch vor.
Die kurzen schriftlichen Berichte per Datenblock mochte sicherer sein und man musste seine
Deckung nicht verlassen, aber dabei ging so manches verloren. Der Anführer eines
Kommandos musste den Überblick behalten.
Der Untergruppenführer berichtete von den Verlusten die sie erlitten hatten und bat um neue
Anweisungen. Faisal befahl ihm am Rande des Dickichts Position zu beziehen und von dort
einen ersten Angriff durchzuführen. Er blickte noch einmal kurz aus der Deckung auf das
Lager. Inzwischen hatte dieses schwer unter den Einschlägen der Granaten gelitten und einer
der drei Bäume war sogar umgestürzt. Die Hälfte der Zelte schien zerstört und auch das
Grabensystem schien nicht mehr intakt. Er gab seinem Untergebenen den Befehl einen der
Bäume und seine Besatzung in Brand zu setzen. Sie sollten dazu einen Flammenwerfer
verwenden und sich dann schnell wieder zurückziehen. Der Untergruppenführer nickt und
verschwand wieder.
Faisal wischte sich den Schlamm aus den Gesicht und versuchte auf dem verschmierten
Display seines Gefechtsdatenblock die Meldungen zu lesen. Er stöhnte müde und bete zu
Kane, dass sie hier bald fertig sein würden.
Deutschland, In der Zentralhöhle der Koalition
Gleich würde die Siegesfeier beginnen, dachte Kasian und glättete noch einmal seine
Uniform. Er trug eine schlichte schwarze Uniform der Bruderschaft und verzichtete bewusst
auf jegliche Rangabzeichen. Man hätte ihn für einen Rekruten halten könne, wäre da nicht
sein Alter gewesen. Dieser Gedanke brachte Kasian zum lächeln. Ja er war Alt geworden, Seite 207
aber noch nie war er seinen Zielen so nah gewesen. Auch wenn ihm derzeit die Vorladung
einen großen Stein in den Weg gelegt hatte.
Die Höhle in der die Feier stattfand, war direkt aus dem dunklen Fels gehauen worden und für
den heutigen Tag mit langen leuchtenden Bannern der Bruderschaft geschmückt. Die Banner
hingen von der hohen Decke hinab und wallten langsam in einem schwachen Luftzug.
Ein großes schwarzes Podium hatte man ebenfalls aufgebaut und dahinter eine großes Display
installiert. Gerade strömten die Gäste und Zuschauer herein, alle in schwarzen Galauniformen
der Bruderschaft gekleidet. Es war eine große Ehre für die Gäste an so einer Veranstaltung
teilnehmen zu dürfen und sie waren aus vielen Bewerbern ausgewählt worden. Eine Reihe aus
den neuen Elitetruppen der Koalition, der sogenannten Skorpione, bildete eine Sperre
zwischen dem Podium und den Anhängern der Bruderschaft. Nachdem Ruhe eingekehrt war,
trat Kasian auf das Podium und wurde mit tosendem Jubel empfangen. Breit lächelnd reckte
er eine Faust in die Höhe und ging auf das Rednerpult zu. Er baute sich hinter dem Pult auf
und lächelte in das Publikum. Im Hintergrund zeichneten mehrere Kameras den Jubel der
Masse und Kasian auf.
Nach einiger Zeit ebbte der Jubel ab und Kasian räusperte sich.
„Meine Brüder, wir sind heute hier zusammen gekommen um einen Sieg zu feiern,“ begann er
seine Rede. „Unsere Kämpfer haben viele Entbehrungen auf sich genommen um die
unterjochten Länder am Schwarzen Meer zu befreien. Und ich kann Euch sagen, sie
WURDEN befreit!“

Wieder hallte großer Jubel durch die Höhle und Kasian hob beschwichtigend die Hände.
„Ja, wir haben Grund zum feiern. Wir haben dem armen Menschen dieser Länder das Licht
Kanes zurück gebracht. Wir brachten ihnen Frieden, Sicherheit und verjagten ihre
Unterdrücker!“ Er machte eine kurze Pause und lies die Worte wirken, dann rief er lauter als
zuvor: „Das göttliche Licht Kanes hat uns auf diesem Feldzug begleitet.“
Der Jubel war Ohrenbetäubend und schien nicht enden zu wollen. Die Höhle und ihr Hall
verstärkte die Wirkung noch und es schien als ob Kasian vor Zehntausende sprach. Wieder
hob er die Hände um die Menge um Schweigen zu bringen.
„Aber lasst uns die Männer feiern, die diesen Sieg erst möglich machten,“ rief er und zeigte
auf eine Seite des Podiums. Die Worte von Kasian waren das Signal gewesen und eine Reihe
von Soldaten in einfachen Kampfanzügen betraten das Podium. Sie bauten sich links und
rechts um Kasian auf und regten unter dem Jubel der Menge ebenfalls die Fäuste in die Höhe.
Kasian deutete auf einen der Soldaten und er trat vor. „Dies hier, meine Brüder, ist der
Kommandeur des Feldzuges. Seht ihn Euch an und betrachtet einen Soldaten der von Kanes
Licht berührt worden ist.“
Jubel brandete über das Podium und der Kommandeur hob lächelnd die Arme zu einer
Siegerpose. Kasian trat an ihn heran und steckte ihm einen Orden an die Brust. Nach und nach
stellte er die anderen Soldaten vor und zeichnete sie mit einem Orden aus. Schließlich wand
er sich wieder ganz dem Publikum zu.
„Kanes Licht hat uns berührt, Brüder!“ begann er erneut. „Seht diese Krieger vor mir,“ und
er deutete auf die Reihe Elitekämpfer vor dem Podium. „dies sind unsere Skorpione. Dies
sind Kanes Kinder und sie tragen das Licht in die Welt. Sie sind die Vollstrecker der Visionen
die einst Kane hatte.“
Kasian ballte die Hand zur Faust und hob sie in die Höhe. „Seht diese Faust und wisset. Diese
Faust wird alle Feinde dieser Visionen zerschmettern und in den Staub werfen,“ wieder
deutete er auf die Elitesoldaten vor ich.
„Sie sind meine verlängerte Faust, diese Skorpione werden die GDI und ihre Verbündeten zu
Staub zermahlen.“ Die Menge, von der Rede mitgerissen, jubelte im blinden Fanatismus und
begann das Leitmotto von Kasian zu brüllen.
„Eine Bruderschaft! Ein Wille! Eine Vision! Im Namen von Kane!“ erklang es tosend aus der
Menge. Kasian ging darauf ein und antwortete: „Kane lebt im Tode!“ Seite 208
Damit war die Rede beendet und Kasian regte wieder die Fäuste in die Höhe. Die Menge
feierte ihn und verehrte ihn gar als Propheten der Kanes Willen verkündete. All dies wurde
von den Kameras aufgezeichnet und an alle Basen der Bruderschaft verschickt.
11
Deutschland, In den Privaträumen von Kasian
Gregor hatte in einer kleinen Sofaecke Platz genommen und musterte seinen Vater. Es war
lange her seit sie sich gesehen hatten und beide hatten sich verändert. Während Gregor seinen
Vater betrachtete, bemerkte er die tiefen Augenringe und die neuen Falten in seinem Gesicht.
Die Bruderschaft zu vereinen war immer sein größtes Ziel gewesen, doch nun zeigte sich, was
ihm dies abverlangte, dachte Gregor und wartete darauf, dass sein Vater etwas sagte.
Kasian blickte müde auf den kleinen Couchtisch in der Mitte der Ecke und griff nach etwas
Gebäck, welches in einer Schale darauf stand. Adjutant Sander hatte die Schale zusammen
mit einer Kanne Tee herein gebracht und war dann wieder verschwunden. Schließlich blickte
Kasian auf. „Warum wolltest du nicht bei der Siegesfeier auf das Podium?“ fragte er. Gregor
griff nach seiner Tasse Tee und nippte daran. „Soll ich mich als Sieger feiern lassen, nachdem
unter meinem Kommando ein guter Freund gestorben ist?“ entgegnete er bitter. Sein Vater
nickte und legte das angebissene Gebäck auf seinen Teller. „Ich habe davon gehört. Aber ihr
habt gute Arbeit geleistet und das verdanken sie auch deinem Kommando.“ Gregor stellte
seine Tasse klirrend auf den Tisch. „Heißt das ich soll kein schlechtes Gewissen haben?“
fragte er barsch. Kasian schüttelte den Kopf. „Nein, Sohn. Genau das ist es was einen guten
Anführer auszeichnet. Er sorgt sich um seine Leute. Aber Soldaten sterben und es sind immer
irgendjemandes Freunde dabei. Diese Tatsache muss man ebenso akzeptieren.“
Gregor nickte langsam und sank tiefer in die Couch. „Ich glaube ich hätte es verhindern
können, Vater. Hätte ich ihn nicht direkt an der Treppe postiert, würde er mit uns feiern
könne.“ Sein Vater schüttelte den Kopf und nahm einen weiteren Schluck Tee. „Glaub mir
Sohn. Die Frage, ob man es hätte verhindern können, wird dich lange quälen. Aber denke
daran, dass du Verpflichtungen hast, die du erfüllen musst.“
Gregor musterte die Züge seines Vaters und stellte eine Veränderung darin fest. Nach einigen
Augenblicken des Schweigens fragte er nach. „Was hast du, irgendwas stimmt nicht oder?“
Die Miene seines Vaters verhärtete sich einen Augenblick, dann nickte er. „Ich habe in letzter
Zeit viel über meinen Nachfolger nachgedacht,“ sagte er dann. Gregor hob überrascht eine
Augenbraue. „Nachfolger? Du wirst die Koalition noch lange anführen. Oder hast du vor in
Rente zu gehen?“
Kasian lächelte matt und schüttelte den Kopf. „Ich bin noch fit, glaub mir Sohn. Aber es gibt
auch andere Faktoren die nicht von uns gesteuert werden können.“ Er machte eine kurze
Pause und stellte eine Tasse auf den Tisch. Dann faltete die Hände über dem Bauch und lies
sich ebenfalls tiefer in die Kissen sinken, bevor er fortfuhr. „Auch ich habe Fehler gemacht
und das Leben meiner Leute aufs Spiel gesetzt, mein Sohn.“ Gregor überdachte die Worte
seines Vaters, wusste aber damit nichts anzufangen. „Du hast selbst gesagt, dass so etwas im
Krieg geschieht. Was hat das mit deinem Nachfolger zutun.“ Kasians Falten schienen tiefer zu
werden und er wirkte alt. „Es ist der Grund, warum ich einen Nachfolger benötige,“ erwiderte
er.

Überrascht blickte Gregor seinem Vater in die Augen. „Wie meinst du das?“ fragte er. Kasian
lies den Kopf ein wenig sinken und blickte auf seine gefalteten Hände. „Erinnerst du dich an
die Tafeln in unserem Haus?“ Gregor nickte und erwiderte: „Natürlich, du wolltest sie immer
übersetzten, aber irgendwie bist du nie voran gekommen.“ Kasian lächelte erneut matt und
setzte sich ein wenig auf. „Ich habe sie übersetzt, Sohn.“ Er machte eine kurze Pause und
holte tief Luft. „Aber ich habe sie falsch verstanden und das war mein Fehler.“ Eine bittere Seite 209
Miene zog nun über sein Gesicht und er blickte zu Boden. „Die Tafel schien mich anzuweisen
das Tiberium zum Wohle der Bruderschaft zu verbreiten und das habe ich getan. Im Namen
von Kane und seinen Visionen.“ Gregor blickte erschrocken auf seinen Vater. „DU hast das
Tiberium in Europa verbreitet?“ fragte er schockiert. Sein Vater nickte nur und vermied es
seinem Sohn in die Augen zu blicken. Gregor überdachte dies einen Augenblick, dann straffte
er sich. „Aber deswegen benötigst du keinen Nachfolger,“ stellte er fest.
„Nein, deswegen benötigte ich keinen Nachfolger, es ist nur der Auslöser,“ antwortete Kasian
und beantwortet damit Gregors Frage nur halb. „Jetzt sag Vater, was ist los,“ stieß Gregor
ungeduldig hervor. Sein Vater hob die Hände, als ob er Gregor beschwichtigen wollte und
holte Luft.
„Der innere Zirkel, die Versammlung aller wichtigen Anführer der Bruderschaft, will mich
vorladen. Sie wollen mich vor ein hohes Gericht der Bruderschaft stellen und für das
Vergehen zur Rechenschaft ziehen,“ erklärte Kasian. „Einigkeit in der Bruderschaft? Das ist
aber was Neues,“ meinte Gregor und wunderte sich über die Vorladung. „Ja, das ist neu und
wurde mit Sicherheit von Hassan inszeniert. Ich hatte gehofft ich könnte den Fehler geheim
halten, aber wir haben wohl einen Spion im Hauptquartier. Jedenfalls klingt dieses Gericht
mehr wie ein Witz.“ Gregor stimmte diesen Vermutungen zu und nickte. „Aber warum bist du
dann besorgt? Du willst doch nicht auf diese Vorladung eingehen, oder?“ Kasian schüttelte
den Kopf. „Ich muss, sollte ich dort nicht erscheinen würde man mir vorwerfen, nicht um die
Einigkeit der Bruderschaft bemüht zu sein. Damit würde mein Leitspruch, die von mir
entworfenen Ziele in sich zusammen fallen und mit ihr die Koalition.“ Gregor stand auf und
schaute auf seinen Vater. „Aber die wollen dich doch dort eh absägen. Wahrscheinlich
würdest du direkt im Anschluss daran hingerichtet werden. So eine Chance lässt sich Hassan
sicher nicht entgehen,“ protestierte er.
Sein Vater stand ebenfalls auf und blickte zu seinem Sohn auf. Wieder einmal stellte er fest,
dass sein Sohn ihn doch um mehr als einen Kopf überragte. „Aber ich werde trotzdem gehen
müssen um mein Erbe zu erhalten. Verstehst du nun war ich einen Nachfolger brauche?“
fragte er.
Gregor verstand nun was sein Vater vorhatte und war damit gar nicht einverstanden. Aber er
wusste auch, dass sein Vater nicht von diesem Vorhaben abzubringen war. Sein Vater schien
das Gespräch für beendet zu halten und verließ den Raum.
Gregor blieb allein im Raum stehen und blickte einen Moment ins Leere. Dann beschloss er
den Gedanken an das, was sein Vater vorhatte erst einmal zu verdrängen und nach seinen
Freunden zu schauen. Zwar stellte sich für Gregor nur noch die Frage, wen sein Vater als
Nachfolger ausgewählt hatte. Aber er vermutete es würde Sander sein, der den Posten
übernahm. Er beschloss seinen Vater beim Abendessen danach zu fragen und verließ
ebenfalls den Raum.
Er durchquerte einen Korridor und stieg die kleine Treppe in das Kommandozentrum hinab.
Es war später Nachmittag und dies war schon immer die Zeit gewesen, wo es etwas ruhiger
wurde. Adjutant Sander war als ranghöchster Offizier anwesend und las einen der Berichte,
die man ihm übergeben hatte. Genauso wie seine Untergebenen hatte auch er eine Tasse
Kaffee an seinem Platz stehen und nippte ab und an daran. Irgendwo in einem Nebenraum des
Kommandoraums konnte man das leise Gurgel einer Kaffeemaschine hören. Es war
offensichtlich wirklich ein ruhiger Nachmittag, stellte Gregor fest und durchquerte den Raum.
Sander blickte kurz auf und nickte im freundlich zu, bevor er sich wieder seinem Bericht
zuwandte.

Gregor hatte den Kommandoraum zur Hälfte durchquert als einer der Nachrichtenoffiziere
genervt fluchte und auf eine Konsole hieb. Er blieb stehen und sah dem Offizier zu wie er
verzweifelt auf der Tastatur herum hämmerte. Sander stand bereits kurz darauf neben ihn und
bedachte den fluchenden Offizier mit einem tadelnden Blick, nicht aber ohne auch ein wenig Seite 210
zu schmunzeln. Gregor trat heran und fragte: „Was ist denn los?“ Sander zuckte die Achseln.
„Seit einiger Zeit haben wir ab und an Ausfälle an den Geräten. Muss an einer Leitung liegen
oder so. Es fällt immer nur eine Konsole aus und der Hauptrechner verbraucht laut den
Protokollen dann Unmengen an Speicherkapazität, obwohl gar keine Rechenaufträge
vorliegen. Die Techniker grübeln immer noch über den Grund und suchen nach einer
Lösung,“ erklärte Sander. Gregor runzelte und blickte auf den Bildschirm auf dem die
Anzeigen eingefroren waren. „Ein Virus oder ein Wurm vielleicht,“ fragte er und blickte
Sander an. Dieser zuckte die Achseln. „Das wäre dann aber ein verdammt komischer Wurm.
Er nimmt uns nur Rechenkapazität wenn nichts ernstes zutun ist, zerstört nichts und ist auch
sonst kaum zu sehen, außer wenn mal eine Konsole auffällt. Ein Spionagevirus oder etwas
ähnliches kann es auch nicht sein. Die Techniker haben nichts finden können was darauf
hindeutet. Ich glaube wir haben ein Problem mit den Leitungen. Heute Abend schicke ich ein
Team raus, die sollen in den Schächten mach Tiberiumratten suchen, wäre nicht das erste
Mal, dass diese Mutanten unsere Leitungen anknabbern.“
Gregor schüttelte den Kopf. „Computer sind schon eine Wissenschaft für sich,“ meinte er
lächelnd und verabschiedete sich.
Es war Abend geworden und er hatte mit seinem Kameraden den Rekruten bei der
Ausbildung zugesehen. Natürlich hatten sie vieles belacht und mit ihrer Ausbildung bei Terag
verglichen. Hier und da hatten bemängelten sie etwas und murrten über nachlässige
Ausbilder. Aber dann tauchte ihr alter Ausbilder und Gruppenführer Terag auf dem
Übungsgelände auf und scheuchte eine Schar Rekruten herum. Nun wussten sie endlich wo
ihr Gruppenführer ab geblieben war. Er bildete die Elitesoldaten für die Koalition aus und
machte aus ihnen die berühmten Skorpione. Nach einiger Zeit bemerkte Terag die Beobachter
und schritt auf sie zu. Zuerst wollte er, dem Gesichtsausdruck nach, die unverschämte
Schaulust der Soldaten bestrafen, doch dann hellte sich sein Gesicht auf, als er seine erste
Ausbildungsgruppe erkannte. Sie begrüßten sich herzlich und sprachen über alte Zeiten. Die
Rekruten blickten auf die Soldaten, als wären sie die leibhaftigen Söhne Kanes. Offensichtlich
waren sie zum Einem unendlich dankbar für die Verschnaufpause und zum Anderen sahen sie
zum ersten Mal Soldaten die Terags Ausbildung offensichtlich überstanden hatten ohne
geistigen Schaden zu nehmen. Terag schien das nur zu amüsieren und scheuchte seine
Rekruten in die nächste Schlammgrube, damit er sich weiter unterhalten konnte.
Erst als Gregor aus die Uhr sah, bemerkte er, dass er zu spät zum Essen mit seinem Vater
kam. Schnell verabschiedete er sich und rannte durch einen Tunnel zum nächsten
Transportwagen der in der Höhle pendelte.
Auf dem Weg zur Zitadelle im Zentrum der Höhle fuhr er an den Gefangenenlager vorbei.
Sofort waren seine Gedanken wieder bei Yeremi, seinen alten Freund. Er beschloss heute
beim Essen seinen Vater dazu zu bringen, seinen Freund endlich frei zu lassen. Auf so eine
Gelegenheit hatte er schon lange gewartet und nun bot sich ihm die Chance. Während der
restlichen Fahrt überdachte er die Möglichkeiten seinen Vater zu überreden, Yeremi
freizulassen.
Das Essen war natürlich vorzüglich und war von Kasians persönlichen Koch gezaubert
worden. Es waren keine weiteren Gäste im Speisezimmer, also wollte Kasian ein Gespräch
mit seinem Sohn. Nicht einmal Sander war in der Nähe und wartete auf Befehle. Das
Überraschte Gregor dann doch sehr, als Kind war Sander immer wie ein älterer Cousin
vorgekommen und war von ihm auch so behandelt worden. Irgendwie gehörte Sander zur
Familie, dachte Gregor und nahm mit der Gabel noch ein Stück Wild.
Sein Vater schien so wenig Appetit zu haben wie er selbst. Zu sehr wurde das erste
Familienessen der letzten Monate von der Vorladung des inneren Zirkels überschattet. Seite 211
Dennoch hatte sich Gregor dazu entschlossen seinen Vater darum zu bitten seinen Freund
Yeremi frei zu lassen.
Als sie das Abendessen beendet hatten machte Gregor den ersten Anlauf. Er holte tief Luft
und sagte: „Wie geht es eigentlich Yeremi?“ Kasian blickte überrascht auf und runzelte die
Stirn. „Er lebt und leistet im Lager seinen Beitrag für die Bruderschaft. Warum fragst du
Gregor?“
Gregor blickte auf den leeren Teller vor ihm. „Ich will nicht einen meiner Freunde im
Gefangenenlager besuchen,“ erwiderte er. Sein Vater schüttelte den Kopf. „Ich werde ihn
nicht frei lassen können. Er weiß zuviel. Dein Freund hat unsere Höhle gesehen und vergiss
nicht sein Vater ist immer noch bei der GDI.“ Gregor blickte wütend seinen Vater an.
„Yeremi stellt mit Sicherheit keine Gefahr für uns dar. Gut er weiß das diese Höhle existiert.
Aber die GDI wird nicht den ganzen Untergrund Deutschlands umgraben um diese Höhle zu
finden, nur weil ein Gefangener von einer großen unterirdischen Basis berichtet.“
Kasian griff nach seinem Weinglas und schwenkte den Inhalt im Glas. „Bist du dir da so
sicher?“ fragte er schließlich. Gregor nickte nur.
Sein Vater seufzte und schüttelte den Kopf. „Nein mein Sohn. Solange ich hier die Führung
habe wird Yeremi im Lager bleiben. Was du tun wirst, wenn du das Kommando übernimmst,
ist deine Sache.“ Gregors Kopf schnellte überrascht nach oben. „Wie meinst du das, wenn ich
das Kommando übernehme?“ fragte er sichtlich verblüfft. „Was glaubtest du wer mein
Nachfolger sein würde?“ entgegnete Kasian und begann zu lächeln. „Ah Sander, ich verstehe.
Nein,“ er schüttelte den Kopf. „Sander ist ein guter Adjutant, aber er ist ausgebildet zu dienen,
nicht zu führen. Du allerdings…“ er brach ab und blickte seinem Sohn in die Augen. „Du
allerdings hast eine andere Ausbildung durchlaufen. Sander wird dich morgen früh
einweisen.“ Gregor, der gerade seien trockenen Mund befeuchten wollte, verschluckte sich an
seinem Getränk. „Morgen?“ hustete er heraus. Sein Vater nickte. „Ich werde heute Nacht
abreisen und mich dem inneren Zirkel stellen.“ „Das kannst du nicht tun,“ platzte Gregor
hervor. Sein Vater schüttelte den Kopf. „Ich habe keine Wahl. Es muss sein.“ Mit diesen
Worten stand er auf und verließ den Raum. Gregor blieb wie betäubt sitzen und starrte auf den
leeren Platz seines Vaters.
Kasian ging gleich im Anschluss an das Abendessen zu seinen Koffern, die er schon am
Nachmittag hatte packen lassen. Es hatte ihn dann doch überrascht, dass sein Sohn nicht
damit gerechnet hatte seinen Posten zu übernehmen. Aber das war mit Sicherheit nicht
schlecht. Jemand der zu sehr auf die Macht aus ist, würde Fehler begehen und seine
Organisation gefährden. Die Bescheidenheit und auch das schlechte Gewissen über den
Verlust eines Untergebenen, von dem Gregor berichtet hatte, machten seinen Sohn erst zu
einer Person die seine Organisation übernehmen konnte. Zumindest erschienen ihm diese
Attribute wichtig, den Rest musste Sander erledigen und seinen Sohn einweisen.
Kasian nahm seinen Koffer in die Hand und blickte noch einmal durch ein Fenster auf seine
Basis. Vermutlich würde er dies zum letzten Mal tun, aber er hatte vorgesorgt und so schnell
würde Hassan die Koalition nicht loswerden. Er lächelte grimmig und betrat seinen Aufzug,
der ihn direkt zum Bahnhof bringen würde. Er erinnerte sich, wie viel Mühen es gekostet
hatte, das geheime unterirdische Bahnnetz zu errichten um alle Basen zu versorgen ohne von
der GDI entdeckt zu werden. Inzwischen waren die Tunnels soweit ausgebaut, dass er selbst
sein weit entferntes Ziel recht schnell erreichen konnte ohne umzusteigen.
Er dachte an sein Ziel und gratulierte Hassan insgeheim für die Wahl. Das Treffen des inneren
Zirkels würde auf Zypern stattfinden. Im Grunde war es neutrales Gebiet, da es dort keine
aktive Gruppe der Bruderschaft gab. Bisher hatte alle Gruppen die Tatsache abgeschreckt,
dass die GDI dort sowohl einen großen Marinestützpunkt, als auch ein Ausbildungslager
unterhielt. Doch trotz dieser Präsenz hatte die GDI nie die versteckte Basis in den Bergen
entdeckt und genau in dieser würde das Treffen stattfinden. Es würde sicherlich interessant Seite 212
sein, einmal alle Widersacher auf einem Fleck zu sehen. Dieser Gedanke amüsierte Kasian
ungemein. Jeder der Führer würde eine Anzahl an Leibwächtern mitbringen um die eigene
Sicherheit zu garantieren, es würde sicherlich eine groteske, von misstrauen bestimmte
Versammlung sein.
Kongo, auf einem Berg über dem Tal des Tempels von NOD
Der Anblick war irgendwie atemberaubend, dachte Faisal. Unter ihm im Tal erhob sich die
Tempelanlage und die darum errichtete Basis. Er kannte aus vielen Abbildungen den Tempel
von NOD, der in Sarajevo gestanden hatte, aber die Bauweisen unterschieden sich völlig. Der
Tempel unter ihm im Tal, erinnerte an die alten Ausbildungsanlagen der NOD Infanterie.
Diese Anlagen hatten über ihrem Tor eine große Hand aufragen lassen. Die Hand von NOD
hatte sie Kane einmal genannt und es war ein Symbol für die Schlagkraft der NOD Infanterie
gewesen.
Der Tempel dort unten im Tal schien eine größere Version dieser Hand von NOD zu sein.
Wenn auch bei genauerer Betrachtung auffiel, dass der Tempel wesentlich älter sein musste.
Faisal und seine Truppe hatten gestern den Feind geschlagen und waren dann als
Rückendeckung hinter dem Konvoi her marschiert. Es war ein langer und beschwerlicher
Weg gewesen, aber der Anblick des Tales schien alle zu entschädigen. Im Tal selbst hatte sich
die kleine Rumpfmannschaft und die neu eingetroffenen Truppen bereits organisiert. Überall
war man geschäftig dabei LKWs auszuladen und Material einzulagern. Einige Trupps gingen
auch an die Ausbesserung von Gebäuden und Verteidigungsanlagen. Man rechnet also mit
weiteren Angriffen, dachte Faisal und machte sich an den Abstieg ins Tal.
12
Zypern, Versammlung des inneren Zirkels
Kasian war sichtlich überrascht über den guten Zustand der Basis. Mit großer
Wahrscheinlichkeit hatten Hassans Leute hier noch renoviert bevor die Versammlung
einberufen wurde. Alles schien perfekt organisiert zu sein. Ein weiterer Hinweis auf eine
längere Planung und nicht etwa auf die angeblich so plötzlich und dringend einberufenen
Versammlung. Kasian lächelte grimmig und nickte anerkennend. Hoffentlich würde sein
eigener Plan gelingen, dachte er und betrat das ihm zugewiesene Zimmer. Jeder der Anführer
hatte einen bestimmten Abschnitt des Wohnbereiches zugeteilt bekommen, um seine
Leibwachen und sich selbst unterzubringen. Die erzwungene Enge zu den Erzfeinden lies vor
allem die Leibwachen nervös werden und es war schon mehrmals zu Reibereien gekommen,
aber Kasians Leibgarde, eine Abordnung der Skorpione, hatte sich zum Glück zurück
gehalten. Kasian hatte sich in dem kleinen Quartier bereits eingerichtet und einige der
Spionageeinrichtungen unschädlich gemacht. Inzwischen lagen fünf Wanzen und eine kleine
Kamera auf dem Schreibtisch und mit Sicherheit waren das noch nicht alle. Trotzdem setzte
er sich und ging einige Notizen durch mit denen er sich verteidigen wollte.
Einige Stunden später trat der innere Zirkel zu seiner ersten Versammlung zusammen. Hassan
hatte zu diesem Zweck extra die alte Kommandozentrale entfernen lassen und noch ein paar
andere Wände einreißen lassen. Doch nun gab es einen großen, sonst in einer Basis unübliche
Versammlungssaal. Der gesamte Raum war in Schwarz und Rot gehalten und nur das alte
Skorpionbanner der Bruderschaft war an den Wänden abgebildet. Die neuen Wappen der
einzelnen Führer waren verboten, um die Einigkeit des Zirkels zu demonstrieren.
Ein Ring aus schwarzem Granit umfasste den Raum und diente als Tisch. Auf der einen Seite
war der Ring etwas erhöht und gab dem Vorsitzenden des Zirkels einen erhöhten Blick auf die Seite 213
Runde. Gegenüber dieses erhöhten Platzes befand sich die einzige Lücke im steinernen Ring,
welche es einer Person ermöglichte in die Mitte des Ringes zu gelangen.
Nach und nach kamen die einzelnen Führer durch den Eingang und verteilten sich auf die
ihnen zugewiesenen Plätze. Kasian betrat den Raum zusammen mit seinem Freund Antonio
Hermandes, dem Anführer der spanisch, portugiesischen Bruderschaft. Zwar waren sie enge
Verbündete, aber Hermandes war nicht völlig Teil der Koalition und so stand ihm auch ein
Platz im Zirkel zu. Kasian, als Vertreter der mächtigen Gruppe der Koalition nahm gegenüber
von Hassan Platz. Hermandes hatte den Platz gleich neben ihm zugewiesen bekommen, was
natürlich kein Zufall war. Ihr Widersacher Hassan und Initiator dieser Versammlung hatte die
Plätze nach Fraktionen verteilt.
Zur Überraschung aller war auch der neue Besahi Führer Slavik gekommen. Ihm hatte man
einen Platz bei den neutralen und kleineren Gruppen zugewiesen, was natürlich eine schwere
Provokation darstellte. Aber Slavik schien sich davon nicht beeindruckt und nutzte die
Gelegenheit sich mit einigen Führern der kleinen Gruppen aus Russland zu unterhalten.
Kasian blickte in die Runde und versuchte alle Gesichter einer Gruppe zuzuordnen. Links von
Kasian saß Pakuin, ihn zählte man ebenfalls zur Kasian Fraktion und dies stimmte wohl auch.
Von Pakuin hatte Kasian den Ausbilder Terag ausgeliehen und dies war ein wirklich
Wertvoller Handel gewesen, wie Kasian fand. In einigem Abstand, um das Ende der Fraktion
zu markieren folgten ein weiterer Russe, den Kasian nicht kannte. Dann ein Asiat namens Te
Fuji Hang vertrat China.
Also war es Hassan sogar gelungen die wenigen asiatischen Führer zu mobilisieren. Es war
wirklich erstaunlich, dachte Kasian, denn normalerweise kochten die Asiaten ihr eigenes
Süppchen und dies war schon seit dem Tod von Kane so. Viele der Asiaten waren mehr
Kriminelle als wahre Anhänger Kanes und das verwunderte auch nicht. In Asien hatten immer
noch die alten Organisationen das Sagen. Ob Triaden oder Yakuzza, ihre Macht war
ungebrochen und hatten schon zu Lebzeiten Kanes nur Probleme bereitet. Nie war es
gelungen dort richtig starke Gruppen zu etablieren.
Slavik thronte in der Mitte der neutralen Bank wie deren Vorsitzender und unterhielt sich mit
den kleinen Gruppen. Hassan blickte bereits nervös auf die Gespräche und es war
offensichtlich, dass er neue Bündnisse befürchtete.
Nach Slavik folgte ein Amerikaner, Vega war sein Name. Von ihm wusste Kasian sicher, dass
er ein Drogenbaron war und die Bruderschaft nur ein Deckmantel war. Aber aufgrund der
starken GDI Präsenz war er der einige noch verbliebene Brückenkopf der Bruderschaft in
Amerika. Das war auch der einzige Grund, warum er noch am Leben war und von den
anderen Gruppen geduldet war.
Den Abschluss der neutralen Bank bildete ein Afrikaner. Er saß richtig passend, bemerkte
Kasian und erinnerte sich daran, dass das Gebiet des Afrikaners direkt zwischen Hassans und
Slaviks Einfluss Spähern lag. Vermutlich würde er im Laufe der Versammlung zu einer Partei
wechseln oder sie zumindest unterstützen um zu verhindern, zwischen den zwei Großen
zerrieben zu werden.
Nach der obligatorischen Lücke begann die Hassan Fraktion. Diese Bank war mehr eine
Farce, denn die zwei Araber die rechts und links von Hassan saßen waren Vertreter von
einzelnen Association Länder oder Gruppen. Damit war natürlich klar, wessen Marionetten
sie waren und Kasian verzichtete auf eine genaue Beobachtung der Araber. Sein Blick
schweifte weiter zum Vorsitzenden der Versammlung und zumindest hier schien Hassan nicht
seine Intrige hatte spinnen können. Er hatte den Forderungen der kleinen Gruppen
nachgegeben und einen völlig Neutralen als Vorsitzenden eingeladen. Ein Neuseeländer, Herr
über eine kleine Insel vor der Küste Neuseelands, hatte den Vorsitz übernommen. Er schien
absolut kein Interesse daran zu haben irgend etwas für die Bruderschaft zu bewegen oder gar
selbst an die Spitze selbiger zu treten. Damit schien er prädestiniert für die Aufgabe die
Sitzungen zu leiten. Seite 214
Die Sitzung wurde durch das Läuten einer alten Handglocke begonnen. Schnell kehrte Ruhe
ein und alle blickten Erwartungsvoll auf den Vorsitzenden.
„Hiermit eröffne ich die erste Sitzung des inneren Zirkels. Im Namen von Kane und für die
Einigkeit der Bruderschaft!“ begann der Vorsitzende. Alle Anwesenden antworteten
automatisch: „Kane lebt im Tode!“ Der Vorsitzende nickte zufrieden, als ob er auf die
Antwort gewartet hätte und ansonsten die Sitzung vertagt hätte. „Die heutige Versammlung
des inneren Zirkels wurde maßgeblich von unserem Bruder Hassan initiiert. Dafür verdient er
unseren Dank. Des weiteren danke ich Kasian und der Koalition, aus dessen Lager die Idee
für den inneren Zirkel kam. Doch kommen wir zum ersten Punkt unserer Versammlung.“ Der
Vorsitzenden machte ein Pause und blickte auf ein in den Stein eingelassenes Display.
„Erster Punkt der Tagesordnung ist der Antrag von Slavik, Vertreter der Besahi NOD, um ein
koordiniertes Vorgehen gegen die GDI,“ las er von seinem Display ab und blickte dann in die
Runde.
Kasian stellte belustigt fest, dass Hassan vor Wut zu kochen schien. Offensichtlich hatte er
geplant, seine Anklage zum einzigen Punkt der Tagesordnung zu machen. Aber nun hatte ihm
Slavik einen Strich durch die Rechnung gemacht und noch dazu ein sehr sensibles Thema
angesprochen. Hassan hatte sich bisher immer nachhaltig gegen gemeinsame Angriffe auf die
GDI ausgesprochen. Doch wollte er später überzeugend die Anklage an die einzelnen
Vertreter bringen, würde er hier nun seine Meinung ändern müssen. Kasian nickte Slavik
anerkennend zu und dieser lächelte verschlagen. Die Fronten waren also gezogen und es sah
weit weniger gut für Hassan aus, als er es geplant hatte.
Es dauerte einige Zeit bis man sich auf eine Verlautbarung geeinigt hatte, die besagte, dass
von nun an größere Aktionen gemeinsam geplant werden sollte. Außerdem vereinbarte man,
Truppen für solche Einsätze auch über den inneren Zirkel anfordern zu lassen. Das hieß im
Klartext, plante eine kleine Gruppe einen Einsatz der sehr wichtig war, aber ihre
Möglichkeiten überstieg, konnten sie von den großen Gruppen Soldaten und Material
ausleihen. Ein Mehrheitsbeschluss des Rates genügte. Auch Hassan hatte dem Schriftstück
zähneknirschend zugestimmt um seine Glaubwürdigkeit nicht zu untergraben.
Der Vorsitzende schien mit dem Ergebnis zufrieden und läutete die Glocke für eine kurze
Pause. Schnell waren rege Diskussionen in den einzelnen Lager im Gange und die Vertreter
der kleinen Gruppen gratulierten Slavik zu diesem Schachzug. Dieser nutzte die Gelegenheit
um weitere Kontakte zu knüpfen und Treffen außerhalb der Sitzungen abzusprechen. Hassan
schien dies nicht zu gefallen, aber nach dieser Pause würde seine Stunde schlagen. Er hatte
den Vorsitzenden während der Pause über einen seinen Handlanger unter Druck gesetzt und
lies seinen Punkt, die Anklage, vorziehen.
Als die Pause beendet wurde und der Vorsitzende wieder seinen Platz eingenommen hatte,
war die Tagesordnung geringfügig geändert worden. „Nächster Punkt auf der Tagesordnung,
die Anklage im Falle der mutwilligen Tiberiumverseuchung Europas durch Kasian. Ich erteile
Hassan das Wort,“ eröffnete er blickte wütend auf sein Display. Kasian konnte nur rätseln mit
welches schmutzige Geheimnis Hassan auf die Schnelle ausgegraben hatte um den
Vorsitzenden unter Druck zu setzen, aber offensichtlich war das Geheimnis recht delikat.
Hassan stand auf und ging durch die Lücke im Steinring in die Mitte. Er hatte weder Notizen
noch einen Datenblock bei sich. Kasian schloss daraus, dass Hassan lange an seiner Rede
geübt hatte und sie in vieler Hinsicht schwer auszuhebeln sein würde. Hassan nickte dem
Vorsitzenden zu und postierte sich dann direkt unter dem erhöhten Platz des Vorsitzenden.
„Brüder! Alle von Euch haben die Nachrichten aus Europa verfolgt. Ihr alle wisst wie schwer
dort inzwischen die Tiberiumverseuchung fortgeschritten ist und genauso wisst Ihr wer dafür
verantwortlich ist.“ Hassan machte eine Pause und blickte auf Kasian. Dann zeigte er auf ihn.
„Ja Kasian ist dafür verantwortlich. Er hat sich angemaßt Kanes Werk zu verändern. Nur Seite 215
Kane allein wusste um die Geheimnisse des Tiberiums, doch Kasian wollte es unserem
großen Anführer gleichtun.“ Wieder legte er eine Pause ein und lies die Worte im Raum
wirken. Kasian überdachte diese Worte und musste sich eingestehen, dass die Rede perfekt
verfasst war. Der Vorwurf der Tiberiumverbreitung war allein nicht ausreichend um ihn zu
stürzen. Aber ihm nachzuweisen, er wollte ein neuer Kane werden, würde sehr wohl seine
Wirkung haben.
„Doch nun stellt sich natürlich die Frage, wie Kasian, nachdem er so lange treu und
erfolgreich der Bruderschaft diente, diesen wahnsinnigen Vorstellungen verfiel. Einst treue
Diener Kasians haben sich an mich gewendet um diesen Missstand aufzudecken und ich stellt
ihnen die selbe Frage. Warum tat er dies, fragte ich.“ Hassan holte Luft und blickte in die
Runde, bevor er wieder ansetzte. „Sie berichteten mir von seiner Sammlerwut nach Relikten
aus den alten Zeiten der Bruderschaft. Kasian hat einen großen Schatz gefunden, die Tafeln
von NOD. Ja, sie waren doch nicht nur eine Legende unter vielen, die es in unseren Reihen
gibt. Diese Tafeln gibt es wirklich und sie enthalten die Worte Kanes in einer uralten Sprache.
Aber ich sprach bereits von der Sammlerwut antiker Schätze die Kasian schon lange befallen
hatte. Aus purer Gier und Böswilligkeit hielt er uns die Tafeln vor und versuchte sie auf
eigene Faust zu übersetzen. Ja meine Freunde, er versuchte die heiligen Worte Kanes in
unsere Sprache zu übersetzen.“ Als schien es keine Hoffnung mehr für ein altes Haustier zu
geben, schüttelte Hassan den Kopf. „Ein wahnsinniger Versuch wenn ihr mich fragt. Doch
Kasian hielt an seinem Plan fest und bediente sich hierbei allen Mitteln. Er veranlasste treue
Diener der Bruderschaft zum Verrat an ihren Anführern um an Informationen für seine
Übersetzung zu kommen.“ Bei dieser Ausführung musste Kasian unwillkürlich lächeln. Er
erinnerte sich noch zu gut, wie er einige Untergebenen von Hassan bestochen hatte und diese
ihm dafür eine Menge Material überlassen hatten. Hassan war also auch noch richtig
nachtragend. Ein schlechter Wesenszug, dachte Kasian und wunderte sich über seinen
schwarzen Humor. Doch Hassan sprach bereits weiter.
„Kommen wir nun zu dem Punkt an dem Kasian wohl wirklich wahnsinnig wurde. Dank
neuer Computerprogramme gelang es ihm einen Teil der Tafeln in unsere Sprache zu
übersetzen. Aber er schien nicht wirklich an den Worten interessiert zu sein, denn er
verbreitete nicht den gesamten Text unter seinen Anhängern. Nein, er lies Kane nur zitieren
als er über das Tiberium sprach und ein goldenes Zeitalter berichtete. Aufgrund dieser Worte
lies er einen ganzen Kontinent mit Tiberium verseuchen und machte sich zum Überbringer
von Kanes Prophezeiungen.“ Ein Raunen der Empörung ging durch die Reihen. Allerdings
schienen Hassans Handlanger den meisten Krach zu machen um die Show noch echter
erscheinen zu lassen.
„Ja Kasian wollte sich Kane gleichstellen. Dies ist eine große Schande für die Bruderschaft
und diese muss getilgt werden meine Brüder. Nicht nur wegen der Schande allein, manche
von Euch mögen vielleicht glauben, man könnte ihm die Verseuchungen nachsehen. Ja, man
könnte es vielleicht in Anbetracht seiner großen Taten gegen die GDI.“ Hassan riss
urplötzlich die Hände in die Höhe und symbolisierte so ein Stopp. „Aber HALT BRÜDER.
Ich habe noch nicht alles berichtet. Tatsächlich hat Kasian die direkten Warnungen Kanes in
den Wind geschlagen um seine Pläne zu verwirklichen. Dank den treuen Brüdern in der
Koalition habe ich die Worte gelesen und sie werden im Anschluss an diese Versammlung an
alle Brüder verteilt. Kane warnt uns ausdrücklich vor dem Tiberium! Ja, auch wenn er es
benötigte um den leuchtenden Pfad zu beschreiten, so warnt er auch davor. So sagt Kane in
der geheiligten Inschrift, dass nur wer den Tacitus besitzt, die Kontrolle über das Tiberium
besitzt.“ Er machte wieder eine Pause und lies die Worte wirken. Dann blickte er wütend in
die Menge. „Hat Kasian diesen Artefakt namens Tacitus?“ rief er aus. „Nein Brüder, er hat
diesen Artefakt nicht und doch will er es Kane gleichtun, indem er das Tiberium verbreitet.“
Er schüttelte wieder den Kopf und blickte in dir Runde. „Ich halte Kasian für Wahnsinnig. Ja Seite 216
für eine Gefahr! Aber möge der innere Zirkel über sein Schicksal entscheiden,“ beendete er
seine Anklage und kehrte zu seinem Platz zurück.
Gemurmel und heftige Diskussionen brachen sofort aus und mussten vom Vorsitzenden durch
mehrmaliges Läuten der Glocke zum Schweigen gebracht werden. Nachdem Ruhe eingekehrt
war, vertagte der Vorsitzende die Versammlung, um jedem die Möglichkeit zu geben die
übersetzten Inschriften der Tafeln zu lesen.
Es wehte ein warmer Wind auf dem felsigen Berg, der den Versammlungsort verbarg. Slavik
strich sich durch das kurzgeschorene Haar und genoss einen Moment die Sonne. Nach der
langwierigen Versammlung des inneren Zirkels war es eine Wohltat wieder an der frischen
Luft zu sein. Aber eigentlich war er nach oben gekommen um in Ruhe einigen Gedanken
nach zu gehen.
Es war noch nicht lange her, seitdem er bei den Besahi NOD die Führung übernommen hatte,
doch es schien ihm, als ob alles immer schneller ablaufen würde. Die Machtkonstellationen
änderten sich inzwischen fast jede Woche und auch sonst schien alles darauf hinaus zu laufen,
dass es bald nur noch eine Bruderschaft geben würde. Gegen diese Entwicklung hatte er im
Grunde nichts und er war auch bereit sich einem anderen Führer unterzuordnen, wenn es der
Bruderschaft dienen sollte. Aber leider sah alles so aus, als ob Hassan bald weiter an Macht
gewinnen würde und gerade ihn würde Slavik auch nach tausend Jahren der GDI Verfolgung
nicht ans Ruder lassen. Hassan war ein machtgieriger Bastard und keinen deut am Wohle der
Bruderschaft interessiert.
Slavik hatte während den Pausen den ersten Schritt zu einem Bündnis mit den Russen
gemacht. Jetzt überdachte er diesen Schritt noch einmal und war mit sich zufrieden. Durch
dieses Bündnis würden die Besahi fast wieder die alte Stärke erlangen. Grimmig blickte er in
den Himmel und dachte an die Niederlage im Irak. Man hätte ihm früher die Führung
übergeben solle, dachte er. Oxana die Tochter des alten Besahi Führers hatte ihn mehr oder
weniger aus seinem Versteck geholt um die Besahi zu führen. Es war eine Tragödie für Oxana
gewesen, erinnerte er sich. Ihr Vater war, so vermutete man zumindest, von einem Toxin
vergiftet worden. Slavik vermutete Hassan hinter diesem Anschlag und es schien auch
tatsächlich zu passen. Das Toxin hatte Oxanas Vater nicht etwa getötet, sondern zu
wahnwitzigen und sinnlosen Aktionen verleitet. Seine sinnlosen Befehle hatten die Besahi
viele Truppen gekostet und erst als Oxana ihren Vater entmachtete, hatte sich die Lage etwas
gebessert. Doch für die Basen im Irak war es zu spät gewesen und nun waren sie auf die
wenigen Posten im Kongo angewiesen. Oxana hatte sich zum Schein ergeben müssen und in
den Dienst Hassans getreten. Sie leitete jetzt eine Propaganda Abteilung der Association und
versorgte Slavik nebenbei mit Informationen. Hassan schien tatsächlich zu glauben sie wäre
ihm loyal ergeben, nachdem sie ihren Vater eigenhändig entmachtet hatte. Der Schachzug war
den Besahi vorzüglich gelungen, dachte er und lächelte.
Langsam drehte Slavik sich im Wind und dachte an Kasian. Irgendwie bewunderte er Kasian,
auch wenn die Vorwürfe schwer gegen ihn wogen. Natürlich war klar, dass Hassan auch in
diesem Fall etwas verdreht hatte. Die Spione der Besahi hatten von Übersetzungsfehlern oder
etwas ähnlichem gesprochen, nicht von Größenwahn. Es würde sicherlich spannend werden,
wie sich Kasian bei der nächsten Sitzung verteidigen würde.
Aber Slavik erinnerte sich an den Ausdruck auf Kasians Gesicht und vor allem auf dessen
Augen. Kasian wusste, dass er am Ende dieser Verhandlung sterben würde. Slavik war
überrascht über den großen Mut den der Mann aufbrachte. Er war dem Ruf des inneren
Zirkels ohne zu zögern gefolgt und stellte sich der Anklage, als ob seine Koalition nicht am
Verlust seiner Person zerbrechen würde.
Bei diesem Gedanken runzelte Slavik die Stirn und begriff den Plan, den Kasian haben
musste. Natürlich, dachte er, Kasian kannte sein Schicksal und hat jemand anderes längst die
Führung der Koalition übergeben. Er wird sich hier für die Koalition opfern und zu einem Seite 217
Märtyrer werden, während sein Nachfolger den Sturz von Hassan verfolgt. Als Slavik dies
durchschaut hatte, musste er über die Verschlagenheit des alten Führers der Koalition lächeln.
Hassan würde verdammt dumm aus der Wäsche schauen, wenn er das erfuhr. Nach einigen
Minuten blickte Slavik auf seine Uhr und stellte fest, dass bald die nächste Sitzung beginnen
würde. Er beschloss mit dem Nachfolger Kasians nach der Versammlung Kontakt
aufzunehmen, vielleicht würde man gemeinsam gegen Hassan vorgehen können. Natürlich
kam es darauf an, wer der neue Anführer der Koalition war, aber das würde er früh genug
herausfinden.
Das Läuten der Glocke kündigte die Fortführung der Versammlung an. Der Vorsitzende hatte
wieder Platz genommen und schien sich von der Schmach, erpresst worden zu sein, halbwegs
erholt.
„Im Anschluss an die Anklageschrift welche Hassan vorgetragen hat, wurde noch die
Forderung des Strafmaßes nachgereicht,“ führte er aus. Kasian blickte grimmig drein, denn
Hassan hatte es in seiner Rede geschickt darauf verzichtet eigene Forderungen über das
Strafmaß zu verkünden. In der Rede hatte er das dem inneren Zirkel überlassen. Doch nun
reichte er über seine Handlanger so eine Forderung nach. Das war sehr geschickt und würde
wahrscheinlich Wirkung zeigen, stellte Kasian fest. Der Vorsitzende fuhr fort: „Die
Forderung lautet wie folgt: Kasian soll als Führer der Koalition abgesetzt werden. Die
einzelnen Teile der Koalition sollen selbst entscheiden welcher Gruppierung sie von nun an
angehören. Für Kasian wird der Tod durch Gift gefordert, aber angesichts seiner großen Taten
im Verlauf seines Lebens soll ein schmerzloses Gift verabreicht werden.“ Der Vorsitzende
machte eine kurze Pause und fügte dann hinzu: „Dies ist nur eine Forderung, hören wir nun
Kasian zu den Vorwürfen. Die Entscheidung wird morgen Abend vom Rat gefällt.“
Kasian nickte dem Vorsitzenden zu und erhob sich um in den Kreis zu treten. Mit einem
Lächeln blickte er Hassan an und verunsicherte diesen damit sichtlich. Kasian breitete die
Arme aus und begann seine Verteidigungsrede.
„Ihr Jünger Kanes, meine Brüder! Es hat einige der hier Anwesenden anscheinend überrascht,
dass ich hier erschienen bin. Aber ja, ich bin hier und stelle mich dieser Anklage Hassans. Ja
es ist eine Anklage von Hassan, nicht des inneren Zirkels.“ Es wurde unruhig im Saal, vor
allem die Handlanger Hassans protestierten lautstark. „Aber, aber Brüder. Ich bitte Euch, lasst
mir die Chance mich zu verteidigen. Wir sind hier schließlich nicht bei einem fingierten
Gericht der GDI.“ Ein Lächeln lief Kasian über das Gesicht und niemand im Raum konnte die
Andeutung missverstehen. Kasian hatte gerade Hassan des Verrats bezichtigt. „Ich muss zu
meiner Schande gestehen, Brüder. Hassan hat einen Punkt aufgedeckt, der wahr ist.“ Er
machte eine kurze Pause um Luft zu holen. „Ja, ich habe diese Tafeln gefunden und
übersetzten lassen. Aber ich beging einen schweren Fehler und war ungeduldig. Die Worte
Kanes verleiteten mich das Tiberium zu verbreiten und darauf zu hoffen der Bruderschaft den
leuchtenden Pfad zu bereiten. Nie und nimmer habe ich daran gedacht, mich Kane
gleichzustellen. Personen die dies behaupten ohne einen Beweis zu erbringen kann man nicht
gelten lassen. Nein schlimmer noch, man muss sich fragen, woher haben sie diese Ideen?
Etwa aus ihren eigenen Plänen?“ Lautstark begann Hassan zu protestieren und auch seine
Handlanger verlangte das Ende von Kasians Rede. Doch andere Anführer lehnten dies ebenso
lautstark ab. Sie schienen die Worte zu amüsieren und einige wenige erkannten auch den
wahren Kern des Angriffes. Kasian fuhr ungerührt mit seiner Rede fort.
„Ja, ich war ungeduldig. Ich glaube den Worten Kanes zu folgen und seinen Auftrag
auszuführen. Auf meine Anweisung hin haben meine Männer sogar das Tal vor meinem Haus
mit Tiberium bepflanzt. Meine Heimat, mein Haus habe ich aufgegeben um den Worten
Kanes zu folgen. Aber …“ Kasian blickte beschämt zu Boden. „Aber ich habe einen Fehler
gemacht. Erst später hatten die Übersetzer eine letzte Passage der Tafel übersetzt und diese Seite 218
warnte, eben so wie Hassan es beschrieb, vor dem Tiberium. Als ich meinen Fehler erkannte,
stellte ich sofort alle Aktionen ein, aber es war nicht mehr rückgängig zu machen. Ja, ich
bekenne mich schuldig für das Wohle der Bruderschaft vorschnell gehandelt zu haben. Ja, ich
bekenne mich schuldig einen Fehler begangen zu haben. Doch hört mir zu Brüder, ich habe
nie versucht Kane gleich zu kommen. Ich diene nur der Bruderschaft und dem Ziel sie wieder
zu vereinen. Dies versuche ich ohne Konflikte zu erreichen, durch Verhandlungen und
Bündnisse, nicht etwa durch große Schlachten in der Wüste.“ Wieder wollte Hassan
protestieren, schwieg dann aber doch, denn die Mehrheit der Anwesenden lauschte Kasian
inzwischen gespannt.
„Nun wurde auch schon die Forderung nach meiner Hinrichtung gestellt.“ Er wand sich zu
den Handlangern und Vertretern der Association und verneigte sich. „Meinen Dank für die
blitzschnelle Ausarbeitung.“ Gelächter schallte durch den Raum. Kasian lächelte zufrieden
und holte erneut Luft. „Die Forderung mich schmerzfrei einschläfern zu lassen, nun gut, da
möge der Rat entscheiden.“ Wieder erklang kurz Gelächter als Kasian sich selbst mit einem
Haustier verglich. „Aber meine Brüder, die Forderung nach der Neugruppierung der Koalition
macht mich nachdenklich. Will da jemand Kapital aus dem Tod eines treuen Dieners der
Bruderschaft ziehen? Nun ich lasse diese Vermutung im Raum stehen, da ich hier wohl etwas
klarstellen muss. Glauben die Antragsteller wirklich, die Existenz der Koalition wäre an mich
gebunden und sie würde mit meinem Tod untergehen? Wie naiv muss man sein meine
Brüder?“ Kasian machte ein Pause und lies das Schweigen, welches entstanden war, wirken.
Es war klar, dass Kasian nun eine Bombe platzen lassen würde und jede Fraktion war auf ihre
Art darauf gespannt.
„Mag man mich bestrafen, aber die Koalition wird weiter bestehen. Warum? Nun, ich bin
schon seit einigen Tagen nicht mehr der Anführer dieser Gruppe,“ erklärte Kasian lächelnd
und blickte zu dem zornroten Hassen. Wieder füllte Gemurmel den Saal und der Vorsitzenden
musste Ruhe schaffen.
„Ich möchte hier bekannt geben, dass mein Sohn Gregor inzwischen die Führung
übernommen hat. Er hat sich in vielen Kämpfen als echter Soldat erwiesen und wird nun die
Koalition nach seinen Vorstellungen leiten.“ Kasian vermied es absichtlich zu erwähnen, dass
er seinem Sohn eine Menge Tipps und Anweisungen hinterlassen hatte. Nun würde es
aussehen wie ein kompletter Neuanfang bei der Koalition und niemand konnte eine
Zersplitterung erwirken. „Ich hoffe der Rat entscheidet weiße. Ich danke Euch meine
Brüder!“ Mit diesen Worten trat er aus dem Kreis und nahm wieder Platz. Sofort gratulierte
ihm sein Freund Hermandes zu diesem Schachzug, der Hassans Plan so zerschmetterte.
Kongo, Im Tempel von NOD
Das Knirschen von Sand erklang unter seinen Sohlen und lies ihn inne halten. Einem Moment
lauschte er, dann ging er weiter den fast dunklen Gang entlang. Faisal hatte es gewagt die
gesperrten Sektionen des Tempels zu betreten. Natürlich war es normalerweise nicht seine
Art, Befehle zu missachten, aber die Tempelanlage schien ihn auf eine seltsame Art zu reizen.
Es gab eine Menge Gerüchte, warum diese Sektionen gesperrt waren, aber dennoch mit
Energie versorgt wurden.
Während Faisal den Gang entlang ging, schloss er eines der Gerüchte aus. Einsturzgefahr war
nicht der Grund für die Sperrung gewesen. Alle Räume die er bisher gesehen hatte waren
zwar verstaubt, teilweise war auch ein wenig Putz von der Decke gebröckelt, aber nie waren
sie wirklich beschädigt. Bisher war er hauptsächlich auf alte Quartiere gestoßen, aber auch
zwei Versammlungsräume hatte er entdeckt. Über allem lag eine dicke Staubschicht und nur
die spuren vereinzelter Insekten waren zu sehen. Faisal blickte wieder um sich, als er den
nächsten Raum betrat. Hier schien eine neue Sektion zu beginnen, denn alles war plötzlich
von beleuchteten Runen bedeckt und das Skorpionwappen war allgegenwärtig. Dies schien
also einer der Gründe zu sein, dachte Faisal. Man schütze Räume die wirklich wertvoll waren, Seite 219
vermutlich war dies der Kern des Tempels. Faisal blickte auf den Boden vor ihm und
entdeckte frische Spuren im Staub. Hier schien vor nicht all zu langer Zeit jemand vorbei
gekommen zu sein. Nervös blickte er um sich, konnte aber keine Anzeichen erkenne, dass er
beobachtet wurde. Zumindest schien sich das Gerücht, nicht einmal Slavik betrete diese
Sektionen als falsch zu erweisen, wer sonst außer dem Anführer würde sich hier
herumtreiben. Faisal lächelte bei diesem Gedanken und antwortet sich selbst. Nur er selbst
natürlich. Zum Glück war Slavik bei einer Versammlung des inneren Zirkels auf Zypern, also
konnte Faisal getrost weiter den Tempel erforschen. Inzwischen unterstand er zusammen mit
einem weiteren Kommandeur direkt Slavik. Die alten Kommandeure waren alle bei der
Flucht aus dem Irak getötet worden und so war Slavik nach seinen Leistungen schnell
aufgestiegen. Es war schon überraschend wie schnell man vom einfachen Rekruten zum
Kommandeur werden konnte, aber die Wege Kanes waren schließlich unergründlich.
Faisal beschloss ein anderes Mal die Räume des Tempelkerns zu erforschen, für heute hatte er
genügend gesehen und außerdem stand noch eine Sitzung des Generalstabes an. Es schien
Truppenbewegungen am Rande ihres Territoriums zu geben und das deutete auf einen
baldigen Angriff Hassans hin. Er machte kehrt und begab sich zurück in die offenen
Sektionen.

13
Zypern, Sitzung des inneren Zirkels
Alle Anführer hatten sich zur abschließenden Versammlung eingefunden und nun stand der
Entscheid über Kasian an. Slavik hatte Kasian große Anerkennung gezollt, die Rede hatte fast
das Blatt gewendet und Hassan ins wanken gebracht, aber die Vergehen waren zu schwer als
dass man drüber hinweg sehen konnte. Er hatte darüber nachgedacht gegen die Hinrichtung
zu stimmen, aber das würde ihm nur noch mehr Ärger einhandeln. Es war offensichtlich, dass
sich zumindest die asiatischen Gruppen und deren Vertreter Hang sich für die Hinrichtung
aussprechen würde. Aber gerade die Asiaten würde Slavik für seine weiteren Pläne mit
einbinden müssen und so konnte er sie nicht verstimmen. Die Fraktion der Koalition hatte
sich nach langen Streit mit Kasian geeinigt auch für die Hinrichtung zu stimmen. Zuerst hätte
man denken können, Kasian wolle sie überzeugen, gegen die Hinrichtung zu stimmen, aber in
Wirklichkeit hatten Kasian seine Verbündeten Hermandes und Pakuin dazu mehr oder
weniger zwingen müssen für die Hinrichtung zu stimmen. Kasian hatte alles genau geplant
und in diesem Plan war sein Tod längst als Tatsache anerkannt. Die Koalition sollte diese
Krise überstehen und dafür opferte sich Kasian.
Als Slavik dies mitbekam entschied er sich auch für eine Hinrichtung zu stimmen. Es fiel ihm
nicht leicht, aber Kasian schien sein Ende akzeptiert zu haben und nun würde sein Tod
instrumentalisiert werden. Der Vorsitzende läutete die Glocke und es kehrte Ruhe im Saal ein.
„Brüder, wir schreiten nun zur Abstimmung über das Schicksal von Kasian. Zur Abstimmung
steht nur, ob Kasian dem Tod durch Gift übergeben werden soll. Die Aufteilung der Koalition
steht hier nicht zur Debatte. Der neue Anführer der Koalition, Gregor Panterre, wird sich uns
mit Sicherheit bei der nächsten Sitzung vorstellen.“ Er schwieg einen Moment und lächelte in
dir Runde. Der Vorsitzende schien die Tatsache zu gefallen, dass Hassans Pläne dermaßen in
die Hose gegangen waren. Sein Feind mochte eine Leitfigur verlieren, aber es war längst eine
Neue nachgewachsen.
„Schreiten wir nun zur Abstimmung. Ich bitte um ein einfaches Handzeichen von jedem der
für die Hinrichtung ist. Bitte JETZT.“ Alle Anführer hoben die Hände. Die Fraktion Hassans
natürlich sofort und mit einem seligen Lächeln auf den Lippen, die neutralen Gruppen folgten
und zögerlich, langsam die Koalition. Kasian sah man nun die Angst an, er schwitzte und
schien auch sonst blass. Slavik beobachtete ihn und stellte fest, dass er trotz all dem Mut Seite 220
wirkliche Panik verspüren musste. Aber sein Plan ging auf und selbst durch seinem Tod
würde er Hassan ein letztes Mal schlagen.
Der Vorsitzende nickte und verkündete: „Hiermit ist das Urteil des inneren Zirkels
einstimmig angenommen. Im Namen von Kane, im Namen der Bruderschaft wird Kasian dem
Tod überantwortet. Das Urteil wird in einer Stunde vollstreckt. Hiermit beende ich die
Versammlung.“ Der Vorsitzende erhob sich schnell von seinem Stuhl und schien regelrecht
aus dem Saal zu fliehen. Ihm missfiel seine Rolle als Urteilsverkünder wohl sehr. Auch die
meisten anderen Führer verließen den Saal schnell ohne Kasian anzublicken.
Deutschland, In den Privaträumen von Gregor
Adjutant Sander hielt einen großen Stapel Papier unter dem Arm und beobachtete Gregor.
Dieser stand vor einem großen Fenster und blickte auf die Höhlenstadt unter der Zitadelle
hinab. Sander wartete schon eine Weile, wagte aber nicht seinen neuen Anführer zu stören. Es
war noch nicht lange her, da war die Nachricht über das Urteil des inneren Zirkels
hereingekommen. Gregor hatte bitter bemerkt, dass alles nach dem Plan seines Vaters
verlaufe und war dann in seinem Büro verschwunden. Aber es war an der Zeit, dass Gregor
sich mit seinen Aufgaben vertraut machte und vor allem die Anweisungen seines Vaters
befolgte. Viele Dinge wollten erledigt werden und einige Projekte waren auch noch nicht
abgeschlossen.
Sander wunderte sich in diesem Moment über sich selbst. Er selbst war zu Kasian gekommen,
da war er etwa so alt wie Gregor jetzt. In den folgenden Jahren hatte er treu gedient und war
zur rechten Hand von Kasian geworden. Im Grunde hätte ihm der Posten zugestanden, doch
es machte ihm nichts aus, weiter nur die Nummer zwei zu sein. Vielleicht lag es ihm mehr zu
dienen, als wirklich den Oberbefehl zu besitzen. Sander beneidete Gregor nicht im geringsten.
Doch es war Zeit an die Arbeit zu gehen und so räusperte er sich.
Gregor wand sich zu seinem neuen Adjutant um und nickte. Immer noch hatte er einen
eisigen Klumpen im Magen, doch Sander hatte ihn daran welche Verpflichtungen er nun zu
erfüllen hatte. Er ging zu seinem Schreibtisch und lies sich zum ersten Mal in dem großen,
schwarzen Sessel seines Vaters nieder. „Gut Sander, fangen wir an,“ sagte Gregor und wartete
darauf zum ersten Mal mit Problemen der Koalition überschüttet zu werden, so wie er es all
die Jahre bei seinem Vater beobachtet hatte.
Sander kramte auch direkt in seinem Stapel Papier und zog einige zusammengeheftete Blätter
heraus. „Ihr Vater hat einige Anweisungen hinterlassen und ich empfehle ihnen sie zu
befolgen. Es gehört wohl zu seinem Plan,“ begann er und legte die Blätter auf den
Schreibtisch. Gregor überflog die ersten Seiten und runzelte die Stirn. „Die Koalition soll sich
neue Verbündete suchen heißt es hier und Vater beschreibt die Vorteile, wenn man Hassan
von zwei Seiten bedrohen könnte. Was meinen Sie dazu Sander?“ Der Adjutant schwieg
einen Moment bevor er antwortete. „Ihr Vater hatte mit Sicherheit die Besahi im Auge, aber
er wusste bis vor kurzem nicht wer dort der neue Anführer ist. Den Amerikaner Vega können
wir vergessen, wer mit ihm Geschäfte macht ist so gut wie Tod. Niemand würde es
akzeptieren, wenn eine Gruppe um die Einheit der Bruderschaft ringt und gleichzeitig Drogen
verschachert. Die restlichen Gruppen sind entweder zu klein oder auch kriminell. Es bleibt
wohl nur Slavik als Partner.“
Gregor nickte. „Slavik also. Mit ihm zusammen könnten wir Hassan schlagen. Doch ich halte
es für unklug, so kurz nach meiner Amtsübernahme gleich ein Bündnis anzubieten.“ Adjutant
Sander nickte zustimmend. „Ja, das würde mit Sicherheit als Zeichen der Schwäche
angesehen.“
„Gut, warten wir erst einmal in dieser Sache ab und konzentrieren uns darauf meine Führung
zu festigen. Vater schreibt hier, dass einige Untergruppenführer mit Sicherheit protestieren
werden.“ Sander zog ein weiteres Blatt aus seinem Stapel. „In der Tat, hier haben wir die
Namen der vier Männer, die Veto eingelegt haben.“ Gregor überlegte einen Moment. „Es sind Seite 221
mit Sicherheit gute Leute, die mir eher misstrauen weil ich noch so jung bin. Neid wir
weniger dahinter stecken. Sie hinrichten zu lassen wäre bestimmt ein Fehler. Hm…,“ machte
Gregor und holte Luft. „Laden Sie die vier Männer zu einem Arbeitsessen ein. Ich will sehen
ob man sie überzeugen kann. Aber wenn sie nicht einlenken wollen, müssen wir andere Mittel
anwenden. Sander, bereiten Sie entsprechende Maßnahmen vor, um im schlechtesten Fall ihre
Rückkehr zu verhindern.“ Der Adjutant nickte und machte sich eine Notiz. Ja, dachte Sander,
sein neuer Anführer war gut ausgebildet worden und schon jetzt mit allen Wassern
gewaschen.
Zypern, Der Hinrichtungsraum
Die Skorpione, seine Leibgarde waren zum Ehrengeleit geworden. Sie hatten nur sich wieder
willig gefügt und zuerst versucht ihren Anführer zu befreien, doch nun folgten sie den
Befehlen ihres Anführers und geleiteten ihn zum Hinrichtungsraum.
Der innere Zirkel hatte die gängige Hinrichtungsart gewählt und zusätzlich den Einsatz von
Drogen gewährt. Kasian ärgerte sich im Grunde darüber. Er wäre lieber schnell und ohne
zögern erschossen worden, so wie es in der alten Zeit üblich gewesen war. Aber es galten
inzwischen andere Regeln und schließlich benötigte Hassan auch gutes Fernsehmaterial für
seine Propaganda. Eine einfache Erschießung machte weit weniger her als eine langsame
Hinrichtung durch Gift. Natürlich würde man nicht verschweigen, dass man Schmerzmittel
und Drogen hinzugefügt hatte um dem einst so großen Kämpfer der Bruderschaft zumindest
nicht leiden zu lassen.
Kasian erinnerte sich wieder an seinen Vergleich aus der Rede. Wie einen Hund würde man
ihn einschläfern, aber letztendlich würde doch Sieger bleiben. Er lächelte grimmig bei dem
Gedanken, aber auch dieser kleine Triumph verhinderte nicht, dass sich kalter Angstschweiß
auf Kasians Stirn bildete.
Die Türen zum Hinrichtungsraum öffneten sich zischend und Kasian schritt hinein. Eine
getönte Scheibe verbarg die Zuschauer und Kameras. Mit Sicherheit würde Hassan sich dieses
Schauspiel nicht entgehen lassen. Es war auch sein letzter Trost, nun da die Zersplitterung der
Koalition dermaßen misslungen war.
Ein Arzt schnallte Kasian auf den Stuhl und bot ihm eine letzte Zigarette an. Dumm nur, dass
Kasian Nichtraucher war. Nachdem der Arzt mit einer Nadel eine Armvene angestochen und
die Ampullen mit Drogen und Gift kontrolliert hatte, kamen die abschließenden Worte. Der
Arzt bat Kasian wie jedes seiner Hinrichtungsopfer um Vergebung und die Regeln geboten es,
dass Kasian ihm antwortete, er vergebe ihm. Er lächelte und sagte: „Bitte nicht mich um
Vergebung, sondern Kane.“
Der Arzt zögerte einen Moment, schluckte dann und betätigte den Kopf, der die erste
Ampulle in den Blutkreislauf beförderte. Kasian wurde schon Sekunden später müde und er
erkannte, dass die Drogen zu wirken begannen. Als der Arzt ein zweites Mal auf den Knopf
drückte und das Gift in den Körper entließ, rief Kasian zum letzten Mal seinen Leitspruch.
„Eine Bruderschaft! Ein Wille! Eine Vision! Im Namen von Kane! … Bald wird die
Bruderschaft wieder eins sein!“ Dann zuckte sein Körper einige Male und es war vorbei.
Hassan wand sich ab und blickte auf die Kamera. Das Material war nicht so gut wie erhofft.
Auch hier hatte Kasian ihm einen Streich gespielt. Nun es war sein Letzter gewesen, aber
dennoch war Hassan verärgert. So einen Ausruf, konnte man schlecht als letzte Worte eines
wahnsinnigen Verräters verkaufen. Auch die Vergebungsformel an den Vollstrecker hatte
Kasian vollkommen verdreht. Er ballte die Faust und fluchte innerlich. Diese Hinrichtung
würde für ihn nutzlos sein, aber die Koalition zimmerte sicherlich das Bild eines Märtyrers.
Zumindest ist er tot, sagte sich Hassan. Mit dem unerfahrenen Sohn von Kasian würde er
wesentlich einfacher fertig werden. Dieser Gregor war mit Sicherheit ein guter Soldat, die Seite 222
Berichte bestätigten dies, aber gute Soldaten waren in der Regel keine Anführer, schloss er
und verließ den Zuschauerraum.

NOD-TV, Ausgestrahlt über das Cabal-Net
Ein braungebrannter Moderator lächelte in die Kamera und wartete bis die Einführungsmusik
beendet war.

„Eine Vision, ein Wille, in Namen von Kane. Willkommen bei NOD TV. Wie wir soeben
erfahren haben ist die große, erste Versammlung des inneren Zirkels zu ende gegangen.“ Der
Nachrichtensprecher blickte rechts. „Oxana, was können Sie uns berichten?“
Eine blonde Frau lächelte zuckersüß in die Kamera und blickte dann auf ihre Notizen. „Der
innere Zirkel hat in einer Verhandlung beschlossen den wahnsinnig gewordenen Führer der
Koalition hinrichten zu lassen. Uns liegt derzeit kein Bildmaterial vor, aber unser
Korrespondent an dem geheimen Versammlungsort berichtet uns, die Hinrichtung sei
inzwischen vollzogen worden. Kasian starb durch Gift, durfte aber einen schmerzlosen Tod
sterben. Der innere Zirkel gewährte ihm Schmerzmittel vor dem Gift um seine großen Taten
im Kampf gegen die GDI zu würdigen…….“
Deutschland, In den Privaträumen von Gregor
Gregor hatte gar keine Zeit sich Gedanken über seinen Vater zu machen. Es musste ein letzter
Streich seines Vaters gewesen sein, dachte er verärgert. Auf seinem Schreibtisch stapelte sich
die gesamten Berichte der letzten Wochen. Aber es war auch ganz nützlich wie Gregor nach
einiger Zeit erkannte.

Indem er sich durch alle Berichte der Basen arbeitete, lernte er auch die speziellen
Gegebenheiten der Regionen und deren Probleme kenne.
Die Basis in der Nähe von Brüssel wurde zum Beispiel in letzter Zeit öfters von GDI
Aufklärern überflogen, aber bisher waren sie noch nicht entdeckt worden. Diese Basis war
laut den Berichten auch der Hauptlieferant von Untergrund BMTs. Zumindest wusste er jetzt,
wo die Konstrukteure herkamen, denen er so viele blaue Flecken verdankte.
Die anderen Berichte waren ähnlich aufschlussreich und langsam gewann Gregor ein Bild von
der Lage. Sander hatte ihm außerdem empfohlen von allen Untergruppenführern die Akten zu
studieren um ihre Macken kennen zu lernen. Es lag ein hartes Stück Arbeit vor ihm, doch so
konnte er sich zumindest ablenken. Immer wieder spukten die Bilder von der Hirnrichtung in
seinem Kopf. Es hatte ihm große Überwindung gekostet zuzustimmen, das Material für die
Propaganda zu verwenden. Aber die Fachleute seines Stabes hatten ihm erklärt, dass die
Worte seines Vaters perfekt für ihre Zwecke zu nutzen seien und wohl eben deswegen
ausgesprochen worden waren. Gregor hatte darauf nur den Kopf schütteln können, denn sein
Vater hatte scheinbar jedes Detail geplant. So etwas wäre ihm nie in den Sinn gekommen,
stellte er fest und fragte sich nicht zum ersten Mal, ob er der richtig für diesen Job war.
Plötzlich klopfte es und Sander kam herein. „Sir, wir haben einen Anruf für Sie.“ Gregor
schaute überrascht auf. „Wie meinen Sie das, Sander?“ Der Adjutant lächelte zufrieden und
drückte auf einen Knopf. Aus der Holzvertäfelung der Wand schob sich einige Sekunden
später ein großes Display. „Der Anführer der Besahi NOD, Slavik möchte sie sprechen. Ich
glaube es war klug mit dem Bündnisgesuch zu warten.“ Gregor glätte überrascht seine
Uniform und betätigte einen weitere Knopf. Das Display flackerte auf und zeigte dann das
Gesicht eines Mannes, den Gregor anhand seiner Akte als den Anführer der Besahi NOD
identifizierte.
Gregor nickte zu dem Display. „Ich grüße Sie Slavik. Sie wollen mich sprechen?“ Slavik
zeigte die Zähne und lächelte. „Ja so ist es Panterre. Ich möchte mein Beileid zum Tod ihres
Vaters aussprechen. Ich glaube wir hatten ähnliche Ziele.“ Seite 223
„Ich danke ihnen für ihr Mitgefühl, Slavik,“ erwiderte Gregor. „Sie haben in der Tat recht,
einige Ziele meines Vaters glichen den Ihren. Vor allem das Problem Hassan“ Gregor spuckte
den Namen regelrecht aus.
„Nun Panterre, Ihr Vater hat sich für seine Organisation geopfert. Ich bewundere ihn für
diesen Heldenmut, aber sie erwähnten das Problem Hassan. Dieses nun, Problem muss bald
gelöst werden. Im Interesse der Bruderschaft,“ antwortete Slavik.
„Sie schlagen ein Bündnis zwischen der Koalition und den Besahi vor?“ fragte Gregor und
lächelte verschlagen.
„Nun Panterre, ich halte dies für einen logischen Schritt. Nur zusammen können wir diesen
Bastard besiegen und ich glaube Sie haben allen Grund dazu auf ihn sauer zu sein.“
„Da haben Sie wohl recht. Ich möchte Rache an Hassan üben,“ sagte Gregor und schwieg
einen Augenblick. „Gut, aber ich habe eine Forderung,“ sagte er dann.
Slavik nickte langsam und musterte seinen Gegenüber erwartungsvoll. „Und das wäre?“
„Ich will, dass Hassan vor der ganzen Bruderschaft bloß gestellt wird. Ich möchte eine seiner
Konkubinen aus seinen privaten Gemächern entführt haben.“
Slavik blickte einen Moment erstaunt auf Gregor, dann lächelte er. „Das gefällt mir. Ja, das ist
zwar eine ungewöhnliche Forderung und klingt sehr verrückt, aber ich werde sie erfüllen. Die
genauen Modalitäten unseres Bündnisses können sicherlich unsere Adjutanten aushandeln,
nicht wahr?“

„Aber natürlich, Sander wird mit ihrem Adjutanten Kontakt aufnehmen und mir dann den
Vertrag vorlegen,“ sagte Gregor. Slavik nickte und sagte: „Schön, dann werde ich mich mal
um Hassans Konkubine kümmern.“
Das Display erlosch und schob sich selbständig in die Wand zurück. Gregor blickte zu Sander
und sagte: „Ich glaube wir haben den ersten Schritt getan um Hassan endgültig zu erledigen.“
„Der Meinung bin ich auch. Nicht mehr lange und es wird wieder eine Bruderschaft geben,“
antwortete Sander und verließ den Raum um mit dem Adjutanten von Slavik Kontakt
aufzunehmen.
Raumstation Philadelphia, Hauptquartier der GDI
General Solomon las zufrieden die neuesten Berichte. Hassan hatte es also geschafft einen
seiner Widersacher auszuschalten und dies richtig offiziell in einem Gericht der Bruderschaft.
Natürlich war der Bericht wie immer lückenhaft, denn Hassan versuchte so viel wie möglich
im Dunkeln zu lassen. Aber nun schien es nur noch eine große Gefahr zu geben, bevor die
GDI zuschlagen konnte. Slavik war als Einziger noch in der Lage die Bruderschaft gegen
Hassan anzuführen. Diese Gefahr musste gebannt werden, wenn die GDI die Bruderschaft
endgültig auslöschen wollte.
Doch Solomon war sich sicher, seinem Verräter Hassan würde auch in diesem Fall etwas
einfallen. In der Bruderschaft wechselte die Führung recht schnell, wie die Vergangenheit
gezeigt hatte. Derzeit hatte er keine genauen Informationen, was aus der Koalition von Kasian
geworden war. Einige seiner Annalisten vermuteten, Hassan würde sie wie es üblich war,
seiner Organisation einverleiben. Doch er hatte darüber kein Wort in seinem Bericht
verloren, so konnte es also auch möglich sein, dass die Koalition sich einen neuen Anführer
gesucht hatte. Dies würde den von Hassan angestrebten Prozess noch etwas länger
herauszögen, als geplant.
General Solomon dachte daran sich ein Glas Wein zu gönnen. Der Tod eines der großen
Feinde der GDI sollte ihm schon eine kleine Feier wert sein. Mit diesen Gedanken ging er an
seinen Wandschrank um nach einer passenden Flasche Rotwein zu suchen.

14
Irgendwo in Kairo, geheimes Versteck der Besahi NOD
Es war eine dreiste Aktion gegen Hassan, aber Slavik konnte der Herausforderung nicht
widerstehen. Wie sehr würde Hassan blamiert sein, wenn sein Erzfeind in seinem Palast eine
seiner Geliebten entführte. Slavik lächelte bei diesem Gedanken und stellte sich vor wie
Hassan ausrasten würde. Er blickte sich in dem kleinen Versteck um und inspizierte die
Gerätschaften. Alles war auf engstem Raum installiert worden um so wenig Aufmerksamkeit
wie möglich zu erwecken. Die gesamte Anlage lag unter der Erde und war nur über die alten
Kanalisationstunnels der Stadt zu erreichen. Zwar gab es noch einen direkten Weg an die
Oberfläche, aber diesen nutze man nur im Notfall zu Flucht. Über die Kanalisation konnte
man auch recht schnell eine der Haupttunnels erreichen wo die Flucht-BMTs warten würden.
Die kleinen Räume waren durch Tunnels verbunden und durch Luken abgetrennt. Alles
erinnerte irgendwie an ein U-Boot, aber das hatte auch seinen Sinn. Sollte der Feind einen
Weg in die Basis finden, würde die bedrohte Sektion einfach abgeschottet. Dies gab dann den
Personal dann genügend Zeit die Basis zu verlassen und sich in der Stadt zu verstecken.
Gregor hatte ihm einige seiner besten Kämpfer geschickt um die Befreiungsaktion zu
unterstützen. Slavik hatte bereits von der Elitetruppe der Koalition gehört und wusste auch,
dass Gregor in dieser Truppe ausgebildet worden war. Laut seinem neuen Verbündeten hatte
diese Gruppe Skorpione sein vollstes Vertrauen. Zwei von ihnen hatten angeblich sogar unter
Gregor gedient. Slavik erinnerte sich an die Namen die er auf der Liste gesehen hatte. Ihre
Namen waren Phillip und Samuel und sie waren vor kurzem hier mit drei weiteren
Angehörigen der Skorpione eingetroffen. Gleich nach ihrer Ankunft hatten sie sich an die
Baupläne des Palastes gesetzt und hatten versucht einen Weg hinein zu finden. Sie hatten
allerdings auch noch eine weitere Nachricht mitgebracht. Gregor wollte eine bestimmte
Konkubine befreien und das machte die Sache doch etwas schwerer. Offensichtlich hatte
Gregor auch private Gründe für die Aktion, aber Slavik interessierte das nicht. Der Plan
Hassan so eine Kriegserklärung zu überbringen war einfach zu dreist um sie nicht
wahrzunehmen. Er grinste und freute sich endlich wieder einmal so etwas unternehmen zu
können. Es war lange her seit er dem Feind solche Streiche gespielt hatte und damals war es
auch noch der wahre Feind, die GDI, gewesen.
Slavik ging in den engen Besprechungsraum und machte sich ebenfalls über die Baupläne her.
Es stellte sich schon jetzt heraus, dass es einige Wege hinein gab. Problematischer würde das
hinaus sein.

Deutschland, Gefangenlager in der Koalitionshöhle
Das immerwährende Scheinwerferlicht von der Höhlendecke, brachte Yeremi langsam um
den Verstand. Hier wurde es nicht dunkel, nie Nacht. Die Gefangen hatte lernen müssen bei
hellem Licht zu schlafen, denn an ihren Baracken gab es keine Rollläden. Einige wenige
schafften die Umstellung, aber die meisten hatten sich immer noch nicht daran gewöhnt.
Wie lange waren sie schon hier, fragte sich Yeremi und versuchte sich an ihre
Gefangennahme zu erinnern. Er wusste es nicht, stellte er fest. Um eine bestimmte Zeit
wurden sie in die Fabriken der Höhle gefahren und durften dort ihren Beitrag für die Koalition
leisten. Jedenfalls drücken die Wärter das so aus. Yeremi spuckte verärgert aus und hoffte
irgendwann einen Weg aus dieser Höhle zu finden. Aber die Wachen waren aufmerksam und
die wenigen die es gewagt hatten einen Fluchtversuch zu unternehmen, waren kurzerhand
erschossen worden. Der Freund seines Vaters, Sam, der mit ihm gefangengenommen worden
war, hatte den anderen geraten erst einmal abzuwarten. Sam war Soldat bei der GDI gewesen
und wusste normalerweise von was er sprach. Wenn er sagte, es gäbe keine Chance zu
entkommen, dann stimmte das auch.
Während Yeremi so seinen Gedanken nach hing und die Aktivitäten der Höhle beobachtete,
fiel sein Blick wieder auf die im Zentrum stehende Zitadelle. Sie ähnelte in der Bauweise dem
Tempel von NOD, den er schon auf Fotos gesehen hatte. Von dort im Zentrum der Höhle Seite 225
wurde also eine große Gruppe der Bruderschaft von NOD kontrolliert und was noch
schlimmer war, der Anführer dieser Gruppe war Kasian. Kasian war der Vater seine, ehemals
besten Freundes Gregor. Yeremi fragte sich was aus ihm geworden war. Er hatte nichts mehr
von ihm gehört, seit er hier interniert worden war. Ein schöner Freund war das, dachte er und
stand auf um wieder in die Baracke zu gehen.
In diesem Moment hielt ein Jeep vor dem Lager und das gesamte Personal des Lagers war
plötzlich in heller Aufruhr. Irgend jemand rief: „Der Chef kommt!“. Viele der Wachen liefen
am Tor zusammen und auch die Gefangen traten aus den Baracken um zu sehen was los war.
Auch Yeremi ging auf das Tor zu. Vielleicht konnte er Kasian in einer günstigen Gelegenheit
anspringen und als Geisel nehmen. Er lächelte bei diesem Gedanken, natürlich war dies bei all
den Wachen unmöglich, aber allein der Gedanke gefiel ihm ungemein.
Aber aus dem Jeep war nicht Kasian gestiegen. Der Chef, wie ihn eine Wache genannt hatte,
war wesentlich größer und jünger. Er trug eine schwarze Uniform ohne Rangabzeichen und
bewegte sich wie ein Soldat. Erst als er auf einige Meter an das Tor herangekommen war,
wurde Yeremi stutzig. Zwar war der Mann wesentlich durchtrainierter und das Haar war
militärisch kurz geschnitten, aber er kam Yeremi bekannt vor. Eine Sekunde später fühlte er
sich, als hätte ihn der Blitz getroffen. Da kam sein alter Freund Gregor auf das Tor zu und alle
schienen ihn wie den Anführer zu behandeln.
Gregor trat durch das Tor und blickte sich um. Die Wachen hatten einen Korridor gebildet um
ihn vor den Gefangen abzusperren. Die Masse der Gefangen war groß und er konnte Yeremi
nicht finden. Er hatte sich vor einigen Stunden entschlossen die Arbeit liegen zu lassen und
endlich seinen Freund hier raus zu holen. In den Anweisungen seine Vaters war zwar
ausdrücklich noch einmal gestanden, sein Freund müsse hier bleiben, aber schließlich war er
nun der Anführer. Auch der Einspruch von Sander hatte ihn nicht abhalten können und so war
er hier her gefahren.
Im Grunde kosteten die Gefangen sie mehr als die leisteten, das war aus den Unterlagen des
Lagerleiters hervor gegangen. Sie arbeiteten natürlich nur widerwillig und man konnte ihnen
auch keine sensiblen Werkstücke anvertrauen. Sabotage war schon mehrfach aufgetreten.
Gregor hatte sich entschlossen die Gefangenen in Schüben frei zu lassen. Vorher mussten sie
aber noch eine Aufgabe erfüllen, wenn sie freikommen wollten. Sie sollten einen weiteren
Tunnel aus dem Fels brechen. Die Basis musste unbedingt erweitert werden und für so eine
Aufgabe waren die Gefangenen mit Sicherheit geeignet. Außerdem würde man ihnen ein
Toxin spritzen, welches eine klare Erinnerung an diese Höhle verhinderte. Gregor wusste
nicht genau wie das funktionierte, aber seine Wissenschaftler hatten ihm versichert, dass es
einwandfrei funktionierte. Yeremi wollte er allerdings diese Prozedur, welche nicht gänzlich
ungefährlich war, ersparen. Deshalb blickte er nun suchend um sich. „Wo ist Yeremi
Cavallo?“ rief er dann und blickte um sich.
An einer Stelle öffnete sich die Menge, als einige der Gefangen zur Seite traten und einen
jungen Mann anblickten. Ein Wächter zog ihn unsanft aus der Menge und schob ihn vor
Gregor.
„Du siehst ja schrecklich aus,“ meinte Gregor und musterte seinen Freund. Yeremis blickte
böse auf seinen alten Freund. „Ach tatsächlich. Oh tut mir leid, ich habe ganz vergessen mich
heute in die Sonne zu legen,“ antwortete er bissig. Eine der Wachen holte bereits aus, um en
Gefangen zu bestrafen, doch Gregor hob die Hand. „Halt! Er kommt mit mir, ich habe mit
ihm zu reden.“ Damit drehte er sich um und ging zu dem Jeep. Eine Wache schob Yeremi
hinterher.
Kairo, ein Tunnel unter dem Palast von Hassan
Das Einsatzkommando hatte einen alten Fluchttunnel gewählt, der direkt in die Nähe der
privaten Gemächer Hassans führten. Da der Palast auf einem alten Gebäude der ehemaligen Seite 226
Regierung fußte, gab es solche Tunnels zu duzenden. Zwar lagen Teile dieser Palastebene
ebenerdig, doch die Architekten schienen auch alte Gemäuer eingebunden zu haben und
konnte man über abfallende Flure auch den Raum mit dem Tunnel erreichen. Dieser Tunnel
war genauso unbewacht wie viele andere und die wenigen Sensoren waren schnell
ausgeschaltet gewesen.
Dabei hatten sich die Skorpione als echte Experten erwiesen. Slavik musste im Zuge ihres
Bündnisses unbedingt einmal ihre Ausbildungslager besuchen. Es interessierte ihn wirklich
brennend, wer für die Ausbildung dieser jungen Soldaten verantwortlich war.
Der Tunnel endete vor einem verschweißten Schott, welches nach Angaben von Spionen auf
Palastseite von einer dünnen Kachelwand verborgen war. Slavik brachte eigenhändig einen
speziellen Sprengstoff an. Er drückte die graue Masse auf die Schweißnaht und legte eine
Zündschnur. Der Sprengstoff würde nicht explodieren sondern nur unglaubliche Hitze
entwickeln. Im Prinzip war es ein Einwegschweißer und kein richtiger Sprengstoff. Sie
würden ohne großen Lärm die Luke überwinden können und dann die Kacheln einreißen.
Natürlich würde das auffallen, aber laut den Plänen war der Raum hinter den Kacheln nur ein
Lagerraum für die vielen verschiedenen Sessel und Kissen von Hassan.
Slavik schüttelte den Kopf. Einen Lagerraum für Kissen konnte wirklich nur Hassan besitzen.
Vermutlich hatte er auch extra einen Raum für seine Unterhosen einrichten lassen. Mit einem
grinsen auf den Lippen ging er zurück und zog die Zündschnur nach. Hinter der nächsten
Biegung machte er halt und verband die Zündschnur mit seinem Datenblock. Ein Tastendruck
genügte und ein helles Glühen war aus dem Tunnel vor ihnen zu sehen. Schnell erreichte sie
ein Schwall heißer Luft und lies sie schwitzen. Doch schon nach einer Minute war es vorbei
und das Kommando rückte wieder vor.
Slavik hatte zusätzlich zu den fünf Skorpionen noch zwei eigenen Männer mitgenommen. Die
Anzahl an Soldaten war das Maximum für einen Einsatz dieser Art. Gern hätte er noch den
einen oder anderen Spezialisten mitgenommen, aber so reichte es auch. Vor allem weil die
Skorpione regelrechte Allroundtalente zu sein schienen, hielt Slavik die Sache für
durchführbar.

Nachdem sie die Metallluke weggezogen hatten durchbrachen sie die Kacheln. Tatsächlich
wurden unter anderem in dem dahinter liegenden Raum Kissen gelagert. Diese hatten den
Lärm der herunterbrechenden Kacheln fast gänzlich gedämpft. Sie sicherten den Raum und
öffneten dann die Türe zum Flur. Wie der Spion berichtet hatte, hielt sich um diese Zeit selten
jemand in diesen Gängen auf und so war der Flur vor ihnen verlassen. Als Slavik den Raum
verlies, hätte er fast laut aufgelacht. Während auf der einen Seite des Raumes Kissen gelagert
wurden, befanden sich auf der anderen Seite Regale mit Wäsche. Na immerhin benutzte
Hassan einen Raum für Kissen und Unterwäsche zusammen, er hatte ihn wohl überschätzt,
dachte Slavik und grinste.

Die ersten Flure, welche sie auf den Weg zum Quartier ihrer Zielperson durchquerten waren
menschenleer. Erst als sie einen kleinen Garten erreichten, hob Slavik die Hand und brachte
das Kommando zum stehen. Die Waffe ihm Anschlag rückten sie von nun an Meter für Meter
einen Kreuzgang entlang vor. Sein Gefühl hatte Slavik recht gegeben und im Garten befanden
sich tatsächlich Leute. Es war ein Pärchen und sie schienen wenig von ihrer Umgebung
wahrzunehmen. Die Spione im Palast hatten von mehreren solcher Örtchen berichtet,
offensichtlich hielt es Hassan für besonders großzügig einige seine Lustdamen an treue
Offiziere zu verschenken. Die meisten dieser Damen schienen das Palastleben zu genießen,
das so im Gegensatz zu dem Tiberium verseuchten Regionen um Kairo stand und so fügten
sie sich in ihr Schicksal. Slavik überprüfte mit einem kurzen Blick durch eine Miniversion
eines Fernglases, ob die Dame im Garten ihrer Zielperson entsprach, aber sie hatte keine
Ähnlichkeit mit der Abbildung die sie erhalten hatten. Es hätte Slavik auch gewundert, wenn
ihre Informationen falsch gewesen wären. Sie hatten solche Mengen an Credits fließen lassen,
dass sich die Hälfte ihrer Informanten vermutlich zur Ruhe setzten. Seite 227
Sie verließen schnell den recht offenen Bereich der Kreuzgänge um den Garten und wanden
sich nach rechts in einen weiteren Flur. Aus einigen Räumen drang das kehlige Lachen
betrunkener Wachen, ansonsten schien alles still zu sein. Immer wieder trafen sie auf
Überwachungskameras, welche sie ohne große umstände außer Funktion setzten. Ab diesem
Zeitpunkt konnten sie auf Heimlichkeit verzichten, jetzt hieß es so viele Kameras wie möglich
ausschalten um den Feind den überblick zu nehmen. Die Gefahr bestand natürlich darin, dass
eine Wache die fehlenden Bilder von den Kameras bemerkte, aber mit Sicherheit gab es eine
Rundschalte auf drei oder vier Überwachungsbildschirmen und bei diesen unzähligen
Kameras würde so schnell keine der ausgeschalteten Kameras ins Bild kommen.
Sie legten etwa eine Strecke von fünfzig Metern zurück und passierten dann die letzten
Quartiere der Wachen, welche für die Privatgemächer zuständig waren. Zumindest schien die
Aufmerksamkeit der Wachen hier im tiefsten Inneren des Palastes nicht die Beste zu sein,
denn bisher waren sie auf keine Wachen im Dienst gestoßen. Erst als sie sich auf den Trakt
der Konkubinen zu bewegten trafen sie auf erste Wachen. Die Erste stand vor der Türe,
welche diesen Bereich vom Rest des Palastes klar trennte. Hier gab es nur zwei Wege hinein
und wieder hinaus. Der Eine lag hinter einer Ecke rechts von ihnen und wurde von einem
Soldaten in voller Montur bewacht, die Andere war der direkte Zugang von Hassans
Schlafzimmer zu dem Lusttrakt.

Slavik gab mit vier Handzeichen zu verstehen, dass die Wache leise sterben sollte und
sogleich bewegte sich Phillip nach vorne. An der Ecke machte er halt und zog eine spezielle
Pistole aus dem Halfter. Dann hielt er die Hand auf und Samuel gab ihn ein Gerät, dass es
praktisch erlaubte das Auge um die Ecke zu biegen. Es war ein dünner Draht auf welcher auf
der einen Seite eine Minikamera angebracht war, das andere Ende steckte in einem
Datenblock und zeigte das Bild, welches die Kamera aufnahm. Phillip nahm den Draht und
schob ihn vorsichtig um die Ecke, auf dem Datenblock, den Samuel hielt erschien die Wache.
Nun konnte Phillip die Position richtig einschätzen und sein Ziel beobachten. Nach vielleicht
einer halben Minute gab er den Draht an Samuel zurück und spannte seine Muskeln. Er
machte einen Satz und sprang direkt in das Blickfeld der Wache. Diese war so perplex, dass
sie im ersten Moment vergaß die Waffe hochzureißen. Dies genügte Phillip und er jagte mit
der Pistole zwei Toxinpfeile in den Hals und die Brust. Das Toxin wirkte innerhalb von einer
Sekunde und die Wache klappte zusammen. Phillip steckte die Pistole weg und ging auf die
Wache zu. Mit einigen Handgriffen hatte er sie entwaffnet, denn man wusste nie ob die
Wache nicht gerade gegen dieses Toxin geimpft war, außerdem machte er das Funkgerät
unbrauchbar.
Der Rest des Kommandos war inzwischen nachrückt und machte sich an der Tür zu schaffen.
Es dauerte eine Minute bis die Türe sich auch ohne echten Zugangscode öffnete. Slavik gab
wieder ein Handzeichen und zwei Männer sprangen vor um den Korridor zu sichern. Er selbst
stampfte siegessicher zur dritten Türe auf der linken Seite und blickte auf ein kleines goldenes
Namenschild. Er nickte zufrieden und danke den Spionen die dieses mal ihr Geld wirklich
wert gewesen waren. Er klopfte einmal leise an und wartete.
Die Türe öffnete sich nach einiger Zeit und eine junge Frau blickte verstört auf Slavik. Slavik
lächelte und sagte: „Entschuldigen Sie die späte Störung. Sind Sie Dyszara?“ Die Frau hatte
inzwischen das Gesicht von Slavik einem Namen zugeordnet und wurde etwas blass.
Dennoch holte sie Luft und antwortete: „J..ja, warum?“ Immer noch lächelnd machte Slavik
eine Verbeugung und sagte: „Ihr Freund Gregor Panterre schickt mich. Er sagte, Sie würde
sich freuen ihn einmal in Deutschland zu besuchen.“ Dyszara blickte mit offenen Mund auf
Slavik, dann auf das bewaffnete Kommando hinter ihm. „Äh, ja schon aber…,“ brachte Sie
nur heraus. „Machen Sie sich keine Sorgen. Sie können Hassan morgen anrufen und ihm alles
erzählen. Und jetzt werfen Sie sich was über und lassen Sie uns verschwinden,“ drängte
Slavik und trat in das Zimmer. Dyszara hatte inzwischen halbwegs begriffen was das Ganze
sollte und griff nach einem leichten Morgenmantel. Schnell war Sie auf dem Gang und blickte Seite 228
auf die bis an die Zähne bewaffneten Soldaten. Phillip grinste. „Schönen Gruß von Gregor.“
Er schüttelte den Kopf und setzte hinzu. „Der Kerl scheint auch überall Glück zu haben.“
Slavik führte den Trupp erneut an und sie erreichten schnell wieder den Garten mit seinen
Kreuzgängen. Auch auf dem Rückweg war ihnen niemand begegnet. Als Phillip, der ihnen
den Rücken deckte die ersten Schreie von Wachen hörte, murmelte er: „Toll und Gregor hat
natürlich nix von dem Glück übrig gelassen.“ Einige Sekunden später schien die Hölle
loszubrechen. Laute Alarmglocken läuteten jede Wache im Palast aus dem Schlaf. Schon gab
Slavik die erste Salve aus seinem Impulsgewehr ab und streckte eine heranstürmende Wache
nieder.
Noch war das Durcheinander ihr Vorteil. Niemand wusste wo der Feind war und da viele
Kameras offensichtlich außer Funktion waren, hatten die Palastwachen von zwei Bereichen
einer Etage keine genaue Übersicht. Im Laufschritt passierten sie nun den Kreuzgang und
Slavik fiel zurück um seinen Leuten den Rücken zu decken. Seiner Meinung nach war das die
Aufgabe eines Anführers und auch die Prosteste von Phillip konnten daran nichts ändern.
Slavik schlug eine große Türe hinter sich zu, welche den Garten bei schlechtem Wetter vom
Gang trennte. Er hatte dies kaum getan, als erste Geschosse darauf einschlugen und sich durch
das Holz brannten. Mit großen Sprüngen folgte er den anderen. Als er um die nächste Ecke
bog, warf er eine Handgrante hinter sich und verwüstete damit den Flur. Die Wachen blieben
nach dieser Handgrante erst einmal vorsichtig zurück, doch Samuel, der die Spitze
übernommen hatte, traf bereits auf Wachen, welche den Flur von der anderen Seite betreten
hatten.
Es waren drei Wachen die mit gezückten Pistolen den Flur herunter rannten. Sie hatten eine
Sekunde vorher eine Schwingtüre aufgestoßen und waren hereingestürmt. Samuel und den
Anderen hatte dies genügen Zeit gelassen sie mit einem tödlichen Sperrfeuer zu belegen.
Dyszara schrie erschrocken auf, als einer der Skorpione, getroffen von einem Glückstreffer
der Wachen, zusammen sank.
Aber sie hatten bereits den Seitengang zu ihrem Tunnel erreicht. Schnell schob Samuel
Dyszara hinein und die anderen Soldaten folgten. Phillip stand noch am Anfang des Ganges
und feuerte auf die Seitentüre. Erst als Samuel nach ihm rief, rannte er zur Türe. Außer Atem
sagte er: „Aber Slavik fehlt noch, wir können ihn doch nicht zurück lassen.“ Samuel riss das
Gewehr hoch und feuerte auf eine weitere Wache die um die Ecke bog. Sie sank zusammen
und hinterlies an der gegenüberliegenden Wand einen großen roten Fleck. „Wir können nicht
warten. Er wusste um die Risiken dieses Streiches. LOS,“ schrie Samuel über das Krachen
einer Granate. Phillip nickte und beide stolperten in das Zimmer.
Slavik rannte in diesem Augenblick den Flur entlang und feuerte auf zwei Wachen an der
Drehtüre. Sie hatten gerade eine Handgrante in den Flur werfen wollen, diesen aber halb
verfehlt. Slavik trafen einige Holzsplitter am Arm, aber er rannte weiter. Eine der Wachen
streckte er nieder, doch die Zweite warf sich auf den Boden und erwiderte das Feuer. Slavik
musste sich zur Seite rollen um den Energiegeschossen aus dem Impulsgewehr der Wache zu
entgehen. Diesen Augenblick nutze eine weite Wache aus um durch die Drehtüre zu treten
und auf Slavik zu schießen.

Die Rolle endete an der Wand des Flurs und er versuchte seine Waffe ruhig zu halten. Mit
einem weiteren Feuerstoß zerbarst der Kopf der auf dem Boden liegenden Wache. Das
Gewehr zog nach dem Treffer nach oben und riss ein Loch in das rechte Bein der stehenden
Wache. Aber während Slavik sich mit den Wachen vor ihm gekämpft hatte, waren aus dem
Flur hinter ihm weitere Wachen gekommen. Als er sie hörte schaffte er es noch sich
umzudrehen, aber eine Wache schoss auf ihn. Zuerst merkte Slavik gar nichts, doch dann
blickte er auf seine Schulter und sah einen roten Pfeil dort stecken. Die Wachen in seinem
Gesichtsfeld verdoppelten sich bereits und er sackte zusammen. Sein letzten Gedanken
stellten die Vermutung an, dass dieses Toxin nicht giftig sein würde. Eine Wache hatte ihn Seite 229
sicherlich durch eine der versteckten Videokameras erkannt und so wurde er lebend gefangen
werden. Sein Gesichtsfeld verengte sich mehr und mehr, dann wurden seine Muskeln
vollkommen schlaff. Es folgte Schwärze.
Deutschland, In den Privaträumen von Gregor
Der Teelöffeln klirrte leise in seiner Tasse, als Gregor umrührte. Er hob den Löffeln aus der
Tasse und legte ihn auf das Tablett. Er nippte an dem Tee und musterte Yeremi. Sie saßen in
der kleinen Couchecke, in der Gregor erst vor kurzem mit seinem Vater gesessen war.
„Ich werde dich freilassen,“ durchbrach Gregor die Stille. Yeremi nahm sich einen Keks und
biss gierig hinein. Im Lager hatte es so etwas natürlich nicht gegeben. „Tatsächlich? Warum
auf einmal?,“ fragte Yeremi dann.

Gregor zuckte die Achsel. „Zuerst war ich nicht hier. Ich wurde Ausgebildet und hatte einen
Einsatz. Ich erfuhr erst von deiner Gefangennahme als ich zurückkam. Aber mein Vater
wollte dich nicht frei lassen. Er meinte du wüsstest zuviel über dies.“ Er hob die Hand und
vollführte eine Geste um die Höhle zu umschreiben. „Ist das so?“ fragte Gregor. Yeremi
zuckte die Achseln. Sein Freund hatte sich sehr verändert. Er war nicht mehr der Gregor aus
dem Tal, Yeremi erkannte eine tödliche Kampfmaschine in ihm und wusste nicht was er
sagten sollte. Am liebsten hätte er ihn angesprungen und erwürgt, aber etwas hielt ihn davon
ab. Irgendwie war er doch noch sein Freund. Schließlich antwortete er. „Was erwartest du?
Ich würde natürlich von dieser Höhle erzählen.“

Gregor nickte. „Natürlich würdest du. Dein Vater ist immerhin bei der GDI.“ Yeremi lächelte.
„Oh ja, ich glaube er würde ausrasten, wenn er wüsste was hier so unter der Erde vorgeht.
Aber viel kann ich ihm leider nicht sagen. Was habe ich schon gesehen, außer einem Lager
und einer Fabrik.“ Gregor nickte erneut. „Ja ich denke du kannst ruhig deinem Vater von
dieser Höhle erzählen. Die GDI soll ruhig danach suchen. Sie würde sie doch nicht finden.
Die GDI soll wissen, die Bruderschaft von NOD ist immer da gewesen und sie wird auch
noch lange der GDI bestehen.“ Yeremis Miene veränderte sich bei diesen Worten leicht, aber
er sagte nichts. Gregor nahm einen weiteren Schluck Tee. „Ich denke meine Untergebenen
werden es verstehen. Nach den letzten Aktionen wissen sie, dass es kein Akt der Schwäche
ist,“ sagte er dann. Yeremi blickte verächtlich auf seinen Freund. „Wenn du das sagst. Aber
was ist mit Sam?“ Gregor runzelte einen Moment die Stirn, dann lächelte er. „Oh der alte
Sam. Hm na gut, du kannst ihn mitnehmen, aber …“ In diesem Moment stürmte Adjutant
Sander in den Raum. „Sir, Nachricht aus Kairo,“ platze er hervor.
Yeremi blickte verstört auf den Mann in Uniform. Er hatte den Mann einmal als Großcousin
von Kasian vorgestellt bekommen, doch nun stellte sich heraus, dass dies wohl auch ein NOD
Soldat war. Im Grunde schade, dachte Yeremi, er war auf der Grillparty damals sehr nett
gewesen und hatte mit ihnen Fußball gespielt. Gregor las derweil die Nachricht auf den Blatt.
Als er zuende gelesen hatte sprang er auf und fluchte laut. „Verdammt, das darf ja wohl nicht
wahr sein. Slavik in den Händen von Hassan.“ Er blickte auf Yeremi und schwieg kurz, dann
sagte er: „Ich glaube du gehst jetzt besser. Es gibt hier eine Menge zutun und wir wollen ja
nicht, dass du doch noch zuviel erfährst.“ Er drehte sich zu Sander um. „Bringen Sie Yeremi
und seinen Freund Sam zu einem Ausgang. Aber möglichst so, dass niemand gleich den
Ausgang findet.“ Sander nickte und machte einen Schritt auf Yeremi zu. Dieser stand auf und
blickte Gregor böse an. „Aus dir ist ein Monster geworden und ich verspreche dir, dass wir
uns wieder sehen werden,“ spie er Gregor förmlich an. Gregor wedelte nur mit der Hand und
Sander schob Yeremi aus dem Raum.
Kongo, Im Kern des Tempels
Wieder war er auf einer Entdeckungstour im Tempelinneren. Faisal hatte sich einen Tag frei
genommen, nachdem er die Errichtung weiterer Panzersperren beaufsichtig hatten.
Inzwischen würde jeder Angriff auf das Tal für den Feind zu Todesfalle werden. Die Hügel Seite 230
um das Tal waren durchsiebt von Tunnels und Gängen. Viele endeten in verborgenen
Bunkern und Stellungen. Schwere Flakstellungen zwischen den flachen Gebäuden der Basis
würden es sogar mit einem ernsten Luftschlag der GDI aufnehmen und mit feindlichen NOD
Truppen allemal. Die Panzersperren blockierten die einzige Zufahrtsstraße die es schwerem
Gerät erlaubte in das Tal zu gelangen. Rechts und Links der Strecke waren unzählige Bunker
errichtet worden und in vielen standen Panzerabwehrgeschütze. Da Faisal selbst Panzer
kommandiert hatte, wüsste er wie schwer es für den Feind sein würde hier voran zu kommen.
Er passierte einen weiteren Raum und staunte über die prunkvollen Verzierungen. Dicke
Säulen waren mit NOD Ornamenten und einer uralten Sprache übersät. Alles war in rot und
schwarzem Marmor gehalten und der Farbeffekt wurde durch die Notbeleuchtung noch
verstärkt. Am Ende des Raumes erreichte Faisal einen Aufzug der nach unten zu führen
schien.

Niemand hatte bisher von noch einem Stockwerk berichtet und nun wurde er richtig
neugierig. Er betätigte die Taste und rief den Aufzug. Ein Summen erklang und lies Faisal
zusammen zucken, aber es war nur das Summen eines sehr leisen Aufzuges, welcher sich nun
öffnete. Als er die Kabine betrat und sich umblickte schien er im schwarzen Nichts zu stehen.
Der gesamte Aufzug war mattschwarz gehalten und absorbierte alles Licht. Das helle
Rechteck der Türe und das Licht dahinter wirkten wie ein Portal in eine andere Welt. In der
schwarzen Kabine leuchtete kein Licht, außer an zwei Stellen. Rechts von der Türe leuchteten
matt zwei rote Symbole auf. Faisal drückte kurzentschlossen auf das untere und die Türen
schlossen sich fast lautlos.
Anstatt im Dunkeln zu stehen, sprangen mit dem Schließen der Türen plötzlich in der Decke
zwei rote Lampen an und tauchten alles in ihr Licht. Der Aufzug setzte sich bereits eine
Sekunde nach dem schließen der Türe in Bewegung und fiel nach unten. Einen Moment
protestierte Faisals Magen, doch dann stoppte der Aufzug bereits. Eine Sekunde später
öffneten sich die Türen und Faisal blickte in eine große Halle.
Dicke Marmorsäulen stützten die Decke ab und schimmerten rötlich im Schein mehrere
Lampen. Überall hingen Bildschirme über die Daten und Bilder liefen. Als Faisal aus dem
Fahrstuhl trat konnte er noch Zugänge zu Seitenräumen entdecken. Als sein Blick auf das
Ende der Säulenhalle fiel, klappte ihm regelrecht der Kiefer herunter. Ein überdimensionales
Wappen der Bruderschaft prangte dort über einem kleinen altarartigen Stein. Überall an
Säulen und an den Wänden hingen Displays und Bildschirme und strahlten ihr eigenes Licht
ab.

Faisal machte zwei weitere Schritte und legte den Kopf in den Nacken. Die Höhe der Halle
war unglaublich und beeindruckte ihn ungemein. Dies also war einer der alten
Versammlungsräume, von denen die alten Veteranen sich fasziniert erzählten, wenn sie sich
an eine der Reden von Kane in seinem Tempel erinnerte.
Er ging zwischen den ersten Säulen hindurch auf den Kopf des Saales zu und blickte sich
weiter staunend um. Ein Surren neben ihn erregte schnell seine Aufmerksamkeit und er
versuchte durch das Dunkel zu erkennen was dort surrte. Aber als er darauf zuging blinkten
zwei Lichter auf und ließen Faisal erschrocken stehen bleiben. Plötzlich wurde das Surren
lauter und zwei rote Strahlen schossen auf ihn zu. Bevor er daran denken konnten ihnen
auszuweichen tasteten sie über seinen Körper und verschwanden wieder. Einige der
Bildschirme flackerten dann und es erschien ein flaches, weich gerendertes Gesicht. Ein
künstlich klingendes Lachen erklang aus verborgenen Lautsprechern und hallte unheimlich in
der Halle wider.
Faisal schluckte erschrocken, er bemerkte wie sein Mund trocken wurde. Nervös blickte er
sich um, aber nicht war zu sehen. Nur die kalten Augen auf dem Bildschirm und sie schienen
ihn zu beobachten. „Hallo? Ist hier jemand?“ fragte er dann in die Stille hinein und fasste an
seinen Gürtel. Das Gefühl, die Hand auf seiner Waffe zu haben, beruhigte ihn ungemein und
er blickte wieder mutiger in die Dunkelheit. Seite 231
„Hallo?“ rief er noch einmal. Aber nur ein weiteres unheimliches Lachen der Bildschirme war
die Antwort. Plötzlich bewegte sich ein Schatten hinter eine Säule. Faisal erstarrte und
versuchte die Dunkelheit dort zu durchdringen. Wieder erklang das Lachen aus den
Lautsprechern und lies ihn zusammen zucken. Als das Lachen verklungen war hörte Faisal
eine Stimme sagen.
„Ach Cabal, treib nicht solche Späße mit unserem Gast. Ich freue mich immer über Besuch.“
Faisal versuchte die Herkunft der Stimme zu lokalisieren, aber die Halle und ihr Widerhall
verhinderte dies. Doch dann trat eine Gestalt ins Licht und Faisal glaubte, dass die Stimme zu
ihr gehörte. Die Gestalt war in eine schwarze Kutte gehüllt und diese war tief ins Gesicht
gezogen. Nur die untere Hälfte des Gesichtes war zu erkennen. Die Gestalt, nach dem
Körperbau handelte es sich um einen Mann, vermutete Faisal, trat näher an ihn heran. „Ah
einer der Besahi Kommandeure. Sehr mutig, das muss man sagen,“ sagte die Gestalt im
Plauderton. Der Timbre der Stimme kam Faisal bekannt vor, doch ihm war zuerst nicht klar
woher er sie kannte.
Erst als die Gestalt noch einen Schritt auf ihn zu machte und ein Lichtstrahl auf das Gesicht
fiel, begann er zu ahnen, wen er da vor sich hatte. Der nun sichtbare Kinnbart war ein
weiteres Zeichen für seine Vermutung. Als ob ein Alien vor ihm stehen, glotzte Faisal die
Gestalt an und sagte keinen Ton.

Im Hintergrund lachte Cabal erneut mit seiner unheimlichen Stimme. Doch die Gestalt winkte
ab. „Ach Cabal, du weißt doch, die übliche Reaktion.“ Dann wand er sich wieder zu Faisal.
„Ich vermute Sie erkennen mich,“ sagte er und blickte ihn an. Faisal konnte nun mehr von
dem Gesicht sehen und stotterte: „.. unmöglich.. er ist damals … aber..“ Die Gestalt hob
abwehrend die Hände. „Ja ja natürlich. Ich lebe im Tode.“ Ein ironisches Lächeln kam über
seine Lippe. „Ich fühle mich aber auch recht lebendig.“ Er musterte den jungen Besahi
Kommandeur und sagte: „Hm wie heißt du?“ „F.. Faisal, Sir“ Die Gestalt lächelte erneut.
„Gut, gut Faisal. Dann komm mal mit. Ich habe eben erfahren, dass Slavik gegenwärtig
gefangen genommen wurde. Er war etwas übermütig, aber wir haben bereits
Gegenmaßnahmen unternommen. Bis er zurück ist, werde ich die hier brauchen.“ Die Gestalt
wand sich um und ging auf einen Nebenraum zu. Faisal blieb noch einen Moment wie
angewurzelt stehen, dann lief er der Gestalt nach und murmelte: „Bei Kane, es ist Kane…“
Die Gestalt vor ihm lachte laut. „Meine Promotion war wirklich gut, aber ich hätte nie
geglaubt damit Gott zu ersetzen.“
Kairo, Gefängnis- und Hinrichtungseinrichtungen Hassans
Slavik war vor vier Stunden aufgewacht und hatte sich inzwischen von dem Betäubungsmittel
erholt. Er saß in einer kleinen, modrigen Zelle und verfluchte seinen Übermut. Die Aktion
hatte ihn so sehr gereizt, dass er seine Verantwortung gegenüber den Besahi NOD außen acht
gelassen hatte. Nun würde er dafür zahlen müssen und seine Besahi ebenso.
Mit Sicherheit hatte Hassan längst seine Hinrichtung angeordnet, denn in diesem Fall
benötigte er keinen Beschluss des inneren Zirkels. Slavik war wie ein Einbrecher im Palast
aufgegriffen worden und so wurde er nun auch behandelt. Das Essen welches er vorhin
bekommen hatte, sah nicht schmackhaft aus. Eine Schale voller Hirsereis von letzter Woche,
deutete er den Klumpen auf dem Tablett, aber er zog es vor mit gesundem Magen hingerichtet
zu werden.

Wieder hielt er sich vor, diesen Einsatz persönlich angeführt zu haben. Es war schlicht ein
Fehler gewesen und machte es nun Hassan möglich vielleicht zwei Fliegen mit einer Klappe
zu schlagen. Zum Einen würde sich das Bündnis zwischen Koalition und Besahi hinauszögern
oder ganz ins Wasser falle, zum Anderen erledigte er einen seiner Kontrahenten elegant mit
einer guten Erklärung. Er trat wütend gegen das Tablett und feuerte es gegen die Türe.
Erstaunt beobachtete er wie der Hirseklumpen an der Holztüre hängen blieb und sich weigerte
der Schwerkraft zu folgen. Jetzt war er wirklich froh das Zeug nicht gegessen zu haben. Seite 232
Von draußen klang die Stimme eines Fernsehsprechers herein. Einer der Wachen musste wohl
Langeweile haben. Seine Verhaftung wurde gerade in einem langen Bericht breitgetreten und
seine Hinrichtung war ebenfalls angesetzt. Er sollte durch eine Giftspritze sterben, jedoch im
Gegensatz zu seinem Vorgänger Kasian ohne Schmerzmittel und Drogen. Das Gift sollte sich
langsam und schmerzvoll durch seinen Körper fressen um Hassans Schmach zu lindern.
Immerhin war es bis auf Slavik allen gelungen zu entkommen, zumindest redete man nur von
einem Einbrecher und nicht von mehreren. Also war es wohl den Anderen gelungen die
Zielperson aus dem Palast zu bringen. Das befriedigte Slavik ein wenig und lies ihn über
einen Fluchtversuch nachdenken.
Er dachte immer noch nach, als sich plötzlich Schlüssel klapperten und sich die Türe öffneten.
Ein schmieriger Wächter stand in der Türe und warf ihm eine frische Uniform zu. „Zieh die
hier an, wir wollen ja eine schöne Hinrichtung,“ rief er und warf die Türe wieder ins Schloss.
Auf dem Weg zurück hörte ihn Slavik laut lachen. Der Wächter schien eine Menge Spaß an
solchen Hinrichtungen zu haben. Slavik griff nach der Uniform und zog sie an. Ihm würde
sowieso keine Wahl bleiben.
Einige Stunden später betrat Oxana das Gebäude. Sie hatte sich persönlich den Auftrag in der
Propagandaabteilung besorgt um die Hinrichtung zu filmen und kommentieren. Allerdings
hatte sie ihr Kamerateam durch erfahrene Soldaten ersetzt.
Oxana dachte an ihren Vater. Auch an seinem Ende war Gift beteiligt gewesen. Hassan hatte
ihrem Vater, dem alten Führer der Besahi ein schleichendes Gift verpasst. Noch immer wusste
kein Mensch wie er das getan hatte und wie der Attentäter an den Giftsensoren vorbei
gekommen war. Nach einiger Zeit hatte sich das Gift durch Paranoia und plötzlichen
Ausbrüchen bemerkbar gemacht. Ihr Vater hatte plötzlich Fehlentscheidungen getroffen und
die Besahi an den Rand des Abgrundes geführt. In letzter Minute hatte sie das Ruder herum
gerissen und ihren Vater abgesetzt. Es war etwas aufwendig gewesen an diesen Slavik heran
zu kommen, aber er war die Mühen wert gewesen. Um so schlimmer war nun seine
Gefangennahme. Wie sich heraus gestellt hatte, war die Kommandoaktion von jemandem aus
Slaviks Stab an Hassan verraten worden. Der Mann war inzwischen ausfindig gemacht
worden. Ohne diesen Spion hätte Slavik wohl Hassans Palast einfach wieder verlassen
können, aber nun hatten sie wirklich ein Problem.
Sie würden ihn befreien, so lauteten ihre Befehle aus dem Tempel und eben für so einen
Notfall hatte sie sich zum Schein, Hassan unterworfen. Sie hatte manche Erniedrigung
erleiden müssen, aber sie hatte durchgehalten. Jetzt, dachte sie, ist die Zeit der Abrechnung.
Oxana blickte noch einmal in den Hinrichtungsraum, dann gab der Kameramann ein Zeichen.
Gleich würde sie auf Sendung sein. Auf einem kleinen Bildschirm sah sie, wie das NOD
Logo erschien und der Hassan Sender eine Live Exekution ankündigte. Der
Nachrichtensprecher, einer von Oxanas schmierigen Kollegen lächelte in die Kamera.
„Guten Abend.
Mit General Hassans persönlicher Erlaubnis präsentieren wir ihnen voller Stolz die nun
folgende Liveexekution.“ In einem Fenster rechts erschien Oxana und lächelte. „Eine Vision,
ein Prophet Oxana!“
Sie lächelte und antwortete: „Eine Vision, ein Prophet May J.“
„Ich weiß aus unserem Vorgespräch, dass die heutige Hinrichtung etwas ganz spezielles ist.“
Oxana nickte lächelnd.
„Ja etwas ganz besonders. Die Mischung heute Abend besteht aus hundert Prozent Toxin
ohne Schmerzmittel. Wenn alles nach Plan läuft, sollte unser Verräter bis zum scherzhaften
Ende bei vollem Bewußtsein bleiben.“
Der Nachrichtensprecher lächelte fröhlich und sagte: „Wir alle drücken die Daumen!“
Oxana griff sich an ihr Ohr und bekam eine Meldung. „General Hassan ist jetzt bereit.“ Sie
lächelte noch einmal, dann verschwand sie und machte Platz für einen großen Saal. Treue Seite 233
Anhänger Hassans hatten sich hier versammelt und blickten auf ein großes Display an der
Wand. Hassan Gesicht war dort erschienen und blickte auf sie herab.

„Eine Vision, ein Prophet,“ intonierte er. Die Menge antwortete: „Für die Technologie des
Friedens!“ Er nickte. „Bitte setzten.“ Die geladenen Gäste nahmen Platz und wartete gebannt
auf Hassans Worte. „Ein Tod ist nicht genug für Anton Slavik. Für den Versuch uns an den
Feind zu verraten verdient der GDI Spion vielmehr tausend Tode.“ Er machte eine Pause und
lies die Worte wirken. Schließlich rief er: „Im Namen von Kane!“ Die Menge antwortete ihm
wie erwartete: „Kane lebt im Tode!“

Hassan blickte auf einen seiner Bildschirme und eine Kamera übertrug seinen Blick direkt in
den Hinrichtungsraum. Hassan lächelte. „Schlaf gut, Slavik!
Slavik blickte panisch umher und versuchte irgendwie seinem Schicksal zu entkommen. Er
wollte nicht einsehen, dass so sein Ende aussehen sollte. Ein Hauptmann trat an die Konsole
und drückte einen Knopf. Slavik spürte wie das Toxin in seinen Körper strömte. Es fühlte sich
wie Eis in seinen Adern an und er fühlte wie seine Glieder erstarrten. Sein Blick schwamm.
Im Zuschauerraum tauchte plötzlich Oxana auf, doch Slavik sah nur noch ein
verschwommenes Bild. Er hörte wie sein Herz immer langsamer schlug. Dann wurde es
schwarz.

Oxana gab ihren Männern ein Zeichen und zog selbst ihre Glock 2010. Sie streckte die Wache
neben sich mit einem Kopfschuß nieder. Ihre Männer erledigten zur selben Zeit die anderen
Wachen und geladenen Gäste im Raum. Oxana war bereits auf dem Weg zur Schleuse,
welche in den Hinrichtungsraum führte. Zwei ihrer Männer folgten ihr und deckten ihr den
Rücken.

Die zwei Wachen im Raum wurden schnell ausgeschaltet und Oxana griff in ihre Tasche. Sie
holte eine große Spritze heraus und zog die Verpackung ab. Sie rammte die Spritze mit dem
Gegengift direkt in Slaviks Brust. Die zwei Soldaten offneten die Fesseln und zogen ihn vom
Stuhl. Seine Lebenszeichen waren schwach, aber das Toxin war neutralisiert worden. So
schnell sie konnten verließen sie die Hinrichtungsräume.

Eine Stunde später erwachte Slavik. Er öffnete die Augen und blickte in das Gesicht von
Oxana. „Zurück von den Toten? Willkommen an Bord,“ sagte sie lächelnd. Slavik stöhnte
nur, doch nach zwei Minuten schaffte er es von seiner Liege aufzustehen. „Wo, wo bin ich?“
fragte er.

Oxana setzte wieder ihr typischen Lächeln auf und schob sich eine blonde Strähne aus dem
Gesicht. „Wir sind auf dem Weg zu ihrem Kommandofahrzeug. Die Montauk wird derzeit
von einem Mann kommandiert, der sie verraten hat. Nur deswegen wurden sie geschnappt.“
Slavik blickte grimmig drein. „Wann kommen wir dort an?“
15
Kongo, Einen Kilometer vor dem Tempeltal
Ein weiterer Panzer war im Schlamm stecken geblieben und brachte die Aufmarschkolonne
wieder ins stocken. Die engen Schlammpisten brachten Mu-Berek an den Rand der
Verzweiflung. Er hatte schon gestern alles bereit haben wollen um das Tal anzugreifen und
nun fehlten noch immer Truppen. Zumindest kam die Infanterie gut durch den Dschungel
voran und stand inzwischen breit das Tal anzugreifen. Auch das vorgeschobene Basislager
war eingerichtet und fünf Harpyen standen bereit.

Mu-Berek war natürlich klar, die Streitmacht die er hier zusammengezogen hatte, war schon
lange von den Besahi NOD entdeckt worden. Mit Sicherheit hatten sie sich eingegraben und Seite 234
hofften so die Angriffe zurück schlagen zu können. Aber für diesen Fall hatte Mu-Berek ein
Ass im Ärmel. Die neu entwickelten Artilleriegeschütze kamen selbst in diesem Gelände
zurecht. Die ersten Prototypen waren recht robust und so hatte er sich fünf Geschütze direkt
aus den Labors geschnappt und hier her gebracht. Einen Nachteil hatten die Geschütze
allerdings. Man musste sie erst mit großen Haken in der Erde verankern, denn ohne dieser
Verankerung konnten die großen Geschützrohre nicht feuern. Aber da die Geschütze eine
enorme Reichweite besaßen, konnte man dieses Manko akzeptieren, entschied Mu-Berek.
Der Panzer war inzwischen wieder frei gekommen und rollte den Weg entlang. Noch ein paar
Stunden, entschied Mu-Berek, dann konnte er angreifen. Der Nachschub, der noch auf der
Straße war, konnte auch während dem Gefecht ankommen.

Er blickte auf seinen Datenblock und machte sich erneut ein Bild von der Aufstellung. Seine
Infanterie hatte das Tal am Füße der darum liegenden Hügel umstellt soweit dies möglich
war. Die Panzer und Fahrzeuge würden sich zusammen mit seiner Hauptstreitmacht über die
einzige Straße nähern. Er rechnete mit schweren Verlusten bei seinen Stoßtrupps. Aber
schließlich hatte er nie behauptet, dass es leicht sein würde.

Kleine Gruppen Infanterie würden den Anfang machen und versuchen einen Keil in die
Linien der Besahi zu schieben. Sie sollten die Straße frei räumen und Bunker, wenn möglich
knacken. Mit Sicherheit würden die ersten Gruppen schnell aufgerieben sein, aber er hatte
etwa viertausend Mann zusammengezogen, während er die Besahi NOD im Tal etwa tausend
Mann besaßen. Dieses Mal würde man den Feind nicht unterschätzen, dachte er und lächelte.
Kongo, Kommandozentrale des Tempeltals

Die taktischen Bildschirme waren gefüllt mit roten Punkten. Jeder Punkt stellte eine entdeckte
feindliche Einheit oder Infanteriegruppe dar. Faisal rieb sich das unrasierte Kinn und
beobachtete die Truppenbewegungen um das Tal. Man kesselte sie ein und Hassan hatte dazu
eine Menge Truppen zusammen gezogen. Auf jeden der Verteidiger kamen dreimal so viele
Angreifer schätzte Faisal.

Er hatte das Kommando übernommen nachdem Slavik gefangen genommen wurde und die
letzten Vorbereiten überwacht, die Basis und das Tal zu einer Festung zu machen. Kane hatte
ihn genau instruiert und seine Aufgabe war es nun dieses Tal zu halten. Er fühlte sich
beflügelt seitdem er Kane gegenüber gestanden war und irgendwie war er stolz in die
verbotenen Stockwerke gegangen zu sein. Kane hatte gesagt, er sei genau zur rechten Zeit bei
ihm aufgetaucht und er werte das als Zeichen. Slavik hatte sich ein wenig überschätzt, aber
inzwischen war er längst von Agenten der Besahi befreit worden. Nun ging es darum Hassan
zu schlagen und darum kümmerte sich Slavik. Er war bereits dabei Truppen aufzustellen um
Hassan anzugreifen und endgültig zu vernichten.

Doch hier ging es um noch mehr, hier im Tempel verborgen, war Kane und bereitete sich auf
seine Wiederkehr vor. Dieser Tempel durfte den Truppen des Feindes nicht in die Hände
fallen.

Faisal blickte wieder auf die Bildschirme und verfolgte wie sich mehrere Punkte schnell dem
Tal näheren. „Oh sie haben sogar Helikopter,“ murmelte er überrascht und blickte auf einen
anderen Bildschirm der die Basis zeigte. Kaum war der erste Helikopter über den
Baumkronen in Sicht gekommen, sah Faisal wie sich an einer Flak-Stellung zwei Raketen
zündeten und auf das feindliche Ziel zuflogen. Der Helikopter versuchte ein
Ausweichmanöver, aber er flog bereits so tief wie möglich über den Baumkronen und so riss
er mit dem Manöver die Flanke seines Helikopter auf. Er taumelte und stürzte in die Bäume,
gefolgt von den zwei Raketen, welche in dem Wrack detonierte. Der zweite Helikopter setzte
aus maximaler Entfernung eine Clusterrakte ab und drehte wieder ab. Die Rakete wurde nicht
von der Flugabwehr erfasst und flog direkt in die Basis. Über ihrem Zielpunkt zerfiel sie in
zehn kleine Raketen und schlugen wie kleine Bomben überall ein. Die anderen Helikopter
taten es dem Zweiten gleich und versuchten den selben Trick. Aber dieses Mal erfasste die Seite 235
Flak die Raketen und sie wurden vom Himmel geholt. Der Schaden war gering geblieben,
stellte Faisal fest. Ein paar Risse in zwei Bunkern und eine brennende Kaserne.
Doch nun begann auch der Bodenangriff. Ein Donnergrollen kündigte Geschützfeuer an.
Kaum zwei Sekunden später schlugen der große Granaten ein und zerrissen einen der Bunker
im Tal völlig. Faisal blickte verdutzt zu. Damit hatte er nicht gerechnet und nun saßen sie fest.
Wieder grollten die Geschützrohre und eine neuer Hagel an Granaten schlugen am Rande der
Basis ein.
Auch die Infanterie ging nun zum Angriff über. Von allen Hügel um das Tal würden Angriffe
gemeldet und überall schien der Feind in der Überzahl. Die Soldaten der Besahi hielten sich
verbissen in ihren Schützengraben und schlugen jeden Vorstoß zurück. Doch dann verlegte
sich das Feuer der Geschütze auf die Hügel und versuchte die Besahi aus ihren Stellungen zu
treiben. Immer wieder kam es zu harten Nahkampfgefechten als die Truppen von Hassan
versuchten die Gräben zu stürmen. Hin und wieder gelang dies auch, aber kaum glaubten die
Truppen von Hassan die Stellung genommen zu haben, tauchten in ihrem Rücken aus
versteckten Tunnels wieder Soldaten der Besahi auf und stürmten die Stellungen.
Mu-Berek war bei der dritten Panzerabteilung seiner Hauptstreitmacht. Die Säuberungstrupps
kamen trotz Flammenwerfer nur schwer voran. Die Bunker waren gut getarnt und schon vier
Trupps waren ausradiert worden, bevor sie überhaupt den Feind entdeckt hatten. Inzwischen
hatten sie zumindest die erste Verteidigungslinie durchbrochen und Panzer der ersten
Abteilung hielten dort die Stellung. Mit ihren Geschützen belegten sie die Umgebung mit
Dauerfeuer, aber durch den dichten Dschungel war wenig zu erkennen und so beschränkten
sich die Panzer darauf Brandgranaten zu verschießen. An vielen Stellen stand der Dschungel
bereits in Flammen und Mu-Berek fragte sich spontan, was wohl die GDI Satelliten davon
halten würden.
Erste Verlustmeldungen trafen ein und die waren weit schlechter als erwartet. Die erste
Angriffswelle hatte ihn sechshundert Mann, zwei Panzer und einen Helikopter gekoste und
dabei waren seine Truppen noch nicht einmal überall durch die erste Linie gebrochen.
Außerdem meldeten die restlichen Helikopter, sie hätten keine Chance das Tal anzufliegen
und sofort abgeschossen zu werden. Nur die Artillerie schien Erfolge zu verbuchen und legte
die Basis des Feindes in Schutt und Asche. Allerdings hing der Nachschub wieder im
Schlamm fest und daher hatten die Geschütze nur noch für höchstens zwei Stunden Munition.
Nun es würde genügen hoffte Mu-Berek und befahl weiteren hundert Mann vorzurücken um
Bunker auszuräuchern. Seine erste Panzerabteilung sollte bald die nächste Stellung
einnehmen, sie konnten sich schließlich nicht ewig im Kampf vor der Basis aufreiben.
Die Basis brannte an vielen Stellen. Ein Kraftwerk war getroffen worden und so litt die
Versorgung der Laserkanonen. Die Notstromaggregate lieferten gerade genügend Strom um
alles am Laufen zu halten. Faisal verfluchte die Geschütze hinter den Bergen. Er hatte noch
nie solche Monster gesehen und ihre Wirkung war verheerend. Zumindest wurde seit einigen
Minuten der Abstand zwischen den Salven größer. Er schloss daraus, dass Munition knapp
war.
Die erste ihrer Linien war inzwischen komplett zusammengebrochen, aber man hatte dem
Feind herbe Verluste beigebracht. Die eigenen Verluste waren im Vergleich minimal. Zumeist
hatten sich die Besahi Soldaten einfach zurückfallen lassen und die Stellungen vor ihnen
vermint. Stolperdrähte und Fallgruben tat ihr übriges, der Feind kam kaum voran. Selbst an
der Straße, wo sich die Truppen massierten, war der Angriff ins Stocken geraten. Stoßtrupps
des Feindes versuchten mittels Flammenwerfer die Bunker auszuräuchern, aber das klappte
nicht immer und ein einziger Treffer auf die Tanks und der ganze Trupp flog in die Luft. Ein
Vorstoß von Panzern war ebenfalls abgewehrt worden. Die Stoßtrupps von Hassan hatten
gleich zwei PAK Bunker übersehen und die Besatzung hatte sich todgestellt. Die Panzer Seite 236
waren wieder einige Meter vorgerückt und hatten eine Breitseite aus den Bunker erhalten.
Nun musste der Feind erst einmal die Wracks von der Straße räumen um wieder voran zu
kommen.

Um die Straße herum war es für die Infanterie kaum noch möglich sich zu bewegen. Der
Dschungel brannte inzwischen lichterloh und dicke Rauchschwaden stiegen von dort auf.
Diesen Rauch nutzen die Helikopter um wieder einen Angriff zu starten. Die Flak Sensoren
wurden durch den Rauch soweit behindert, dass sich die Helikopter sozusagen einen blinden
Fleck zunutze machen konnten. Zwei der Harpyen kamen durch den Rauch geschossen und
gaben eine Salve Raketen auf die Basis ab. Natürlich wurden ihre Sensoren genauso gestört
und so waren die Raketen nicht gezielt. Zwei gruben sich einfach in die Erde am Rand der
Basis und hinterließen zwei große Krater. Eine Rakete schlug in den Tempel ein und riss der
großen Hand einen Finger ab. Eine weitere zerriss die kleine Waffenfabrik der Basis in einem
großen Feuerball. Die restliche Raketen wurden rechtzeitig von der Flak erfasst und
abgeschossen. Außerdem schaffte es ein mutiger Besahi Soldat mit einer tragbaren Rakete
einen der Helikopter zu beschädigen und fast zum Absturz zu bringen.
Faisal versuchte all diese Details in seinem Kopf zu sortieren und eine Gegenstrategie zu
entwickeln, aber sein größtes Problem lag eigentlich außerhalb seiner Reichweite. Wieder ein
Grollen und dieses Mal traf eine Granate den linken Trakt des Kommandobunkers. Einige
Konsolen explodierten als die Decke an einer Stelle herunterkam. Der Offizier der in dieser
Ecke gesessen hatte war nicht mehr zu sehen, vermutlich war er erschlagen worden. Aber
dennoch hielt die Bunkerdecke und sie waren immer noch geschützt. Ein weiterer Treffer der
Kraftwerke lies das Licht flackern.
In diesem Moment öffnete sich eine Türe zum Bunker und ein Mann in schwarzer Uniform
betrat den Raum. „Ich übernehme ab hier, Faisal. Gute Arbeit, aber sie werden jetzt da
draußen gebraucht.“ Die Offiziere wendeten alle überrascht den Kopf und erstarrten. Aber nur
einen Moment, denn dann brach lauter Jubel aus und eine Welle von Euphorie überkam den
Stab.
Sie hatten ihn alle erkannt. Auch wenn er eine lange Kutte trug und sie tief ins Gesicht
gezogen hatte. Die Stimme, das Auftreten. Jeder wusste, nur ER konnte es sein.
Der schwarz gekleidete Mann hob die Hände. Er lächelte. „Keine Meldung nach draußen.
Noch ist die Zeit nicht reif um die Rückkehr zu verkünden.“ Dann wand er sich an Faisal.
„Und Sie gehen nach draußen, nehmen sie die Reserve mit und greifen sie die Panzer direkt
an. Damit rechnen sie nicht.“ Faisal nickte, blieb aber noch stehen. „Was ist mit dieser
schweren Artillerie?“ fragte er. „Da habe ich schon eine Idee,“ meinte er lächelnd und trat ein
eine Konsole heran. Dann blickte er wieder auf Faisal. „Na los! Worauf warten Sie?“
Eine weitere Salve Granaten schlug in die Basis ein und rissen tiefe Krater in die eine Flanke
der Verteidigungslinien. Faisal stürmte, angefeuert von Kane mit den Reservetruppen durch
die Basis in Richtung der Straße. Er hoffte Kane hatte wirklich noch ein Ass im Ärmel um das
Dauerfeuer zu beenden. Faisal blickte auf seinen Trupp, er bestand aus fünfzig jüngeren
Soldaten. Man hatte sie in die Reserve gesteckt, weil sie noch keinerlei Kampferfahrung
besaßen. Nun würden sie eben ins kalte Wasser springen müssen, aber manchmal war die
harte Tour, die Beste.
Sie errichten eine Minute später die vierte Verteidigungslinie und Faisal befahl der Hälfte der
Besatzungen ihm zu folgen. Sie nahmen einige tragbare Panzerabwehrraketen mit und teilten
sich in vier Gruppen zu je dreißig Mann. Je zwei Gruppen marschierten links und rechts am
Straßenrand. Die dritte Linie lag noch nicht unter Feuer und wartete, dass sich die Soldaten
der zweiten Linie zu ihnen zurück zogen. Aber Faisal hatte nicht vor darauf zu warten, bis die
zweite Linie entgültig zusammen brach. Er befahl den Soldaten der dritten Linie ihnen zu
folgen und die zweite Linie zu verstärken. Seite 237
Von nun an wurde die Lage ernst. Um sie herum schlugen erste Panzergranaten ein und sie
konnten bereits die Flammen einiger Stoßtrupps des Feindes sehen. Als sie schließlich die
zweite Linie erreichten, war diese kurz vor dem Zusammenbruch. Nur noch vereinzelt wurde
dem Feind widerstand geleistet und die Panzer rückten langsam vor. Faisals Soldaten
besetzten schnell die Stellungen neu und begann die Panzer frontal anzugreifen. Schnell war
die Luft von Panzerabwehrraketen erfüllt die auf die Spitze der Panzerabteilung zu schossen.
Der massive Gegenangriff der Besahi überrollte die ersten Stoßtrupps des Feindes innerhalb
kürzester Zeit und auch die vier Panzer brannten schon nach wenigen Minuten. Nun drängten
die Besahi in die Linien der Feinde und es kam zu blutigen Nahkämpfen.
Mu-Berek warf einen seiner Datenblöcke wütend in den Matsch und zerstrampelte es. Er war
zu den Artilleriestellungen zurück gefahren um die dortige Munitionsknappheit zu
kontrollieren. Nach seinen Hochrechnungen musste hier etwas schief gegangen sein, denn er
hatte noch mit Munition für eine weitere Stunde gerechnet. Wütend über den Bericht über den
Gegenangriff der Besahi hieb er auf einen weiteren Datenblock um sich abzuregieren. Die
Kraft seiner künstlichen Hand zerschmetterte den Datenblock wie eine leere Blechdose.
Seine Adjutanten hielten sicheren Abstand um nicht Ziel seines Wutausbruches zu werden
und warteten auf neue Anweisungen. Wieder erreichte den Stab eine neue Meldung. Die
Besahi hatten die erste Panzerabteilung zerschlagen und trieben die zweite Abteilung wieder
zurück. Die Verluste waren unglaublich hoch gewesen. Doch keiner der Adjutanten wagte es
in diesem Moment die Nachricht zu überbringen.
Mu-Berek stampfte wütend durch den Match der Stellung und blickte auf eine weitere
Nachricht, welche im Kommandowagen auf einem Bildschirm zu sehen war. Wütend brüllte
er seine Adjutanten zusammen und packte den erst Besten an der Kehle. Er packte mit der
künstliche Hand hart zu und lies das Genick wenige Sekunden später knacken. Der Adjutant
klappte tot zusammen und fiel in den Matsch. Mu-Berek wand sich an einen anderen
Adjutanten und befahl die Artillerie auf die Straße zu richten. Der Adjutant lief so schnell er
konnte zu den Geschützen um den Befehl weiter zu geben.
Im Kommandobunker der Besahi war immer noch die Euphorie zu spüren, welche
ausgebrochen war als Kane sich ihnen offenbart hatte. Alle arbeiten so schnell sie konnten
und es gab nun gar keinen Zweifel mehr, dass sie siegen würden. Kane stand im Hintergrund
und beobachtete Lächelnd den Stab der Besahi.
Aber es wurde Zeit sein Ass auszuspielen und so trat er an eine Konsole heran. „Soldat, geben
sie diesen Aktivierungscode ein.“ Kane drückte dem Nachrichtenoffizier eine Plastikkarte mit
einer Zahlenabfolge in die Hand. „Na.. natürlich, Sir,“ antwortete er und gab den Code ein.
Kurz flackerten die Lampen des Bunkers, dann erschien auf dem Bildschirm die Darstellung
des großen Exerzierplatzes der Basis. Dieser lag direkt vor dem Tempel und war mit dicken
alten Steinplatten belegt. Wie durch Geisterhand hoben sich nun diese Platten und es öffnete
sich ein überdimensionale Luke auf dem Platz. Kane nickte. „Gut, nun geben sie ein
Leitsignal ab. Da unten steht der erste Prototyp der neuen NOD Luftwaffe. Leider gibt es
noch keine Piloten dafür. Aber für diesen Einsatz kann man ihn sicher auch fernsteuern.“ Der
Nachrichtenoffizier schluckte. „Und wer soll ihn steuern?“ fragte er unsicher. „Nun Sie
natürlich,“ antwortete Kane und lächelte wieder. „Aber keine Sorge der Cabal Rechner wird
sie unterstützen.“
Wie als ob Cabal auf diesen Kommando gewartet hätte, erschien in einem kleinen Fenster im
Bildschirm das Gesicht von Cabal. „Ich grüße Sie. Keine Sorge Offizier, wir werden effizient
zusammen arbeiten.“ Der Nachrichtenoffizier nickte nur und glotzte auf den Bildschirm.
Irgendwie war das zuviel für ihn. Zuerst kehrte in der größten Not Kane wieder auf und
übernahm das Kommando, dann öffnete sich der Platz mitten in der Basis und ein Lift schob
ein seltsames Flugzeug an die Oberfläche. Er war nun schon lange hier stationiert, aber noch Seite 238
nie hatte er davon gehört, dass der Platz nur eine Luke war. Schließlich nun ein scheinbar
intelligent sprechender Cabal Rechner. Der Offizier verdrängte all das und konzentrierte sich
auf seine Arbeit. Erste Schweißperlen bildeten sich auf seine Stirn als er mit dem Leitsignal
das Flugzeug erfasste.
Eine Risszeichnung des Flugzeuges erschien auf dem Schirm und erklärte Details der
Maschine. Der Name des Kampfflugzeuges war Banshee und es war mit einer schweren
Plasmakanone ausgerüstet. In einigen weiteren Diagrammen, welche offensichtlich der Cabal
Rechner einspielte wurde die Fernsteuerung erklärt. Die Feinsteuerung würde Cabal
übernehmen, aber zum rechten Zeit die Kanone abfeuern, musste er. Vermutlich war Cabal
nicht dazu programmiert eigenständig eine Maschine zum Feuern zu bringen. Aber seine
Gedanken blieben nicht lange bei diesen Vermutungen, nun hieß es den Banshee zu starten.
Wieder schlug eine Granate nahe ihres Bunkers ein. Dreck und Splitter regneten auf ihre
Stellung herab und Faisal atmete erleichtert auf. Noch einmal waren sie davon gekommen,
aber lange würden sie dem konzentrierten Feuer nicht mehr wiederstehen können. Die
schweren Geschütze hinter dem Berg hatten sich nun voll auf sie konzentriert um ihren
Gegenschlag zum stehen zu bringen.
Inzwischen war ihnen das auch vollends gelungen und sie hatten sich in Bunker und Gräben
verkrochen. Immerhin wagten sich auch die Truppen von Hassan nicht mehr weiter nach vorn
und so war ein Patt entstanden. Es fragte sich nur wie lange das Patt bestehen blieb. Bald
schon würden Spähtrupps die genaue Position ihrer Bunker ermittelt haben und an die
Geschütze weitergeben. Dann würden die Panzer von Hassan wieder vorstoßen und auf wenig
Gegenwehr stoßen.
Eine weitere Granate schlug neben ihrem Bunker ein und feuerte eine Schlammfontäne durch
die Sehschlitze des Betonbunkers.
Faisal betete inzwischen, dass Kane bald seine Wunderwaffe oder was auch immer einsetzte.
Nicht mehr lange und es würde zu spät sein, dachte er. Er spähte durch die Sehschlitze und
machte einige feindliche Soldaten aus. Mit einem Rück drehte er das Stand-MG der Stellung
in diese Richtung und gab zwei Salven auf die Feinde ab. Zwei Soldaten sackten zusammen,
ein dritter wurde von den Beinen gerissen als ein andere Bunker das Feuer mit einer
Impulskanone eröffnete.
Während so die Maschinenkanonen und Gewehre hämmerten übertönte plötzlich ein lautes
Rauschen den Schlachtenlärm. Faisal versuchte nach oben zu blicken und erhaschte einen
Blick durch das inzwischen löchrige Blätterdach auf einen vorbeizischenden Schatten.
Entweder war es ein neuer Helikopter von Hassan, oder hierbei handelte es sich endlich um
Kanes Wunderwaffe. Faisal blickte wieder in den Dschungel und sah einige Schatten
zwischen den Bäumen. „Verfluchte Schweine,“ rief er und lies wieder sein Stand-MG
ertönten.

Der Banshee flog sanft über den Baumwipfeln, als ob er nur segeln würde. In Wirklichkeit
war er wesentlich schneller und würde es bei vollem Schub mit jedem Orca-Jäger aufnehmen
können. Das Flugzeug hob und senkte sich über den Baumkronen. Der Cabal Rechner hielt
eine genauen Abstand von zwei Metern zu den Baumkronen. Der Offizier im
Kommandobunker konzentrierte sich ganz darauf die Stellungen der Artillerie auszumachen
und anzuvisieren. Ihm standen drei Plasmaentladungen zur Verfügung, die er abfeuern
konnte. Kane hatte empfohlen das Munitionslager zu beschießen und dann entweder die
Geschütze selbst oder wenn auffindbar den Kommandostand zu vernichten.
Der Offizier entdeckte nach kurzer Zeit die großen heißen Geschützrohre zwischen dem
Blätterdach. Cabal hatte auf Infrarot umgeschaltet und machte es so möglich die kleinste
Wärmequelle ausfindig zu machen. Aber die Geschütze waren wie große Leuchtfeuer im
Wald und als eines dann auch noch feuerte, war das Ziel markiert. Das Flugzeug steuerte auf Seite 239
die Geschütze zu und überflog die Stellung einmal. Sensoren am Rumpf zeichneten die Lage
der einzelnen Geräte auf. Cabal errechnete den vermutlichen Standort des Munitionslagers.
Außerdem machte der Offizier einen Kommandowagen aus, den er für wichtig hielt. Er
markierte sowohl das Munitionsdepot als auch den Wagen, dann noch eines der Geschütze.
Der Banshee wendete in einer kurzen Kurve und flog auf das erste Ziel zu. Der Offizier
feuerte auf das Depot und ein grünblau leuchtender Feuerball löste sich von dem Flugzeug.
Mu-Berek warf sich in voller Länge in den Schlamm als das Flugzeug sie überflog. Doch es
gab keinen Beschuss der Stellung und er ballte die Faust. Ein Schwall Schlamm trat aus seiner
Faust hervor. Verärgert über diese Blamage wollte er gerade aufstehen, als plötzlich das
Munitionsdepot in einem großen Feuerball verschwand.
Mit aufgerissenen Augen starrte Mu-Berek in den Himmel und suchte nach dem Feind. Er sah
den Schatten über dem Blätterdach erst, als sich ein weiterer Schuss gelöst hatte. Er blickte
direkt in die Feuerkugel, welche direkt auf ihn und den Kommandowagen zuraste. Mu-Berek
öffnete ein letztes Mal den Mund um zu fluchen, doch der Plasmaball verschlang ihn und
seinen Stab bevor er dazu kam.
Zwei Stunden später, Im Kommandobunker des Tempeltales
Noch immer trug Faisal den schlammbeschmierten Kampfanzug, den er bei der
Gegenoffensive getragen hatte. Alle im Bunker stießen auf den Sieg an und niemand
kümmerte sich um die Kleiderordnung im Bunker.
Der Schatten über den Blättern war tatsächlich die Waffe von Kane gewesen und hatte dann
auch glatt den Kommandowagen des feindlichen Kommandeurs erwischt. Natürlich war es
reines Glück gewesen, sagte der Offizier der den Banshee ferngesteuert hatte. Doch schon
machten Gerüchte die Runde von Kanes göttlicher Hilfe bei der Vernichtung des Feindes.
Nachdem der gesamte Stab der Angriffarmee in einem Feuerball verschwand, war der Angriff
schnell ins stocken geraten. Viele Soldaten hatten sich ergeben und der Rest war in den
Dschungel geflohen. Diese wurden bereits von Kommandos verfolgt um sie einzufangen.
Niemand sollte den Besahi NOD entkommen um von dieser Schlacht zu berichten. Der Feind
sollte einfach verschwunden bleiben und Hassan so eine eindeutige Nachricht zukommen
lassen.
Kane war kurz nachdem feststand, dass sie siegen würden, wieder verschwunden. Aber allein
seine Anwesenheit hatte alle Offiziere unglaublich beflügelt. Nur der Befehl noch nichts von
seiner Wiederkehr zu berichten, verstörte sie. Aber es gab laut Kane noch einige Dinge zutun,
bevor die Bruderschaft wieder geschlossen gegen die GDI marschieren konnte.
Mitten in der Feier erschien eine Meldung, dass Slavik eine Rede über das Cabal-Net
ausstrahlen würde. Alle Anwesenden blickte gespannt auf die Bildschirme. Schließlich
verschwand das NOD Logo und Slavik erschien.
„Brüder!
Ich habe Euch von einer folgenschweren Wendung zu berichten, welche die Bruderschaft
zurück auf den leuchtenden Pfad bringen wird. Hört mir zu, denn ich handle in Kanes Willen.
Es ist noch nicht lange her, da wurde Kasian, Anführer der Koalition hingerichtet. Der innere
Zirkel der Bruderschaft verurteile ihn dazu. Dies aber war eine Intrige des Verräters Hassan.
Dieser Verräter versuchte damit endgültig die Macht in der Bruderschaft zu übernehmen und
sich Kane gleichzusetzen. Er, der sich mit der GDI eingelassen hat!
Doch die Zeiten haben sich geändert. Der neue Führer der Koalition ist ein Bündnis mit den
Besahi NOD eingegangen. Zusammen werden wir den GDI Günstling Hassan in den Staub Seite 240
werfen. Ja meine Brüder, das heilige Licht Kanes wird uns leiten. Wir werden die Vision
Kanes in die Welt tragen und eine leuchtende Zukunft erschaffen.
Von nun an wird es keine Koalition, keine Besahi mehr geben. Wir sind nur noch die
Bruderschaft von NOD. Und die kämpfenden Truppen, die Krieger welche unsere Feinde im
nahmen Kanes in die Flucht schlagen, werden die Faust von NOD sein.
Die Faust von NOD wird hart und unerbittlich zuschlagen. Erst zerschmettern wir Hassan.
Dann wird die GDI unter unseren unerbittlichen Angriffen in die Knie gezwungen werden.
Für die Visionen Kanes, Für die leuchtenden Zukunft der Bruderschaft.
Einigkeit, Brüderlichkeit, IM NAMEN VON KANE!“

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CNN-News + + + SONDERMELDUNG + + +
„Guten Tag, wir unterbrechen die laufende Sendung für eine wichtige Meldung.
Überall im Territorium des Staatenbundes der Association scheinen Kämpfe aufgeflammt zu
sein. Der Irak ist besonders schwer umkämpft. Die Hauptstadt Bagdad steht in Flammen. Die
ersten detaillierten Berichte sind vor wenigen Minuten eingetroffen. Wir können ihnen
allerdings kaum Bilder aus der Region zeigen. Alles scheint wie ein Flächenbrand zu sein.
Menschen gehen auf die Straße und schließen sich den Rebellen an. Die Regierungstruppen
der Association werden aus den Städten vertrieben und überall wo man ihnen habhaft wird,
gelyncht.

Oh äh es kommt gerade eine weitere Meldung herein. Eine Quelle in Bagdad spricht von
Massenaufmärschen. Überall heißt es der vor dreißig Jahren getötete Anführer der
Bruderschaft von NOD, Kane sei zurück gekehrt. Die Rebellen scheinen ebenfalls davon
überzeugt und kämpfen laut dem Bericht mit schäumenden Fanatismus gegen die
Regierungstruppen ohne auf eigene Verluste zu achten.
Damit wäre wohl die Frage geklärt, ob es noch Gruppen der Bruderschaft im Nahen Osten
gibt. Dieser Ausbruch von Gewalt schein eindeutig das Werk der Bruderschaft von NOD zu
sein. Wir versuchen derzeit ein Statement von der GDI zu erhalten, aber bisher hat sich
niemand auf unsere Anfrage reagiert. Wir halten sie auf dem Laufenden.“

Deutschland, Höhle der Bruderschaft von NOD
Er blickte auf das Treiben unterhalb der Zitadelle. Alles war in Aufbruchstimmung und die
Truppen rüsteten sich für den offenen Kampf gegen die GDI. Gregor lächelte zufrieden als
eine Kolonne Maulwurfpanzer das Depot verließen und an der Zitadelle vorbei fuhren.
Die Gebiete von Hassan waren inzwischen fast alle unter der Kontrolle der wahren
Bruderschaft. Nur noch Teile von Ägypten wurden von Hassans Truppen gehalten. Slavik
bereitete gerade die entscheidende Offensive gegen die Verräter vor und marschierte bei
Kairo auf. Gregor hatte sich eine Zigarette angezündet und zog genüsslich daran. Von diesem
Laster war er seit dem Krim Feldzug nicht mehr losgekommen. Irgendwie schien alles schon
so lange her zu sein, dabei war gar nicht viel Zeit vergangen. Die Dinge hatten sich schnell
entwickelt und nun war die Koalition eine der stützenden Säulen der wahren Bruderschaft
geworden. Sein Vater wäre stolz darauf gewesen. All die Jahre hatte er auf dieses Ziel
hingearbeitet und kurz nach seinem Tod erfüllte sich sein Traum. Nein, mehr noch. Kane war
zurückgekehrt um die Bruderschaft und sie in eine leuchtende Zukunft zu führen. Gregor
hatte Kane noch nicht getroffen, doch das Treffen war bereits anberaumt. Euphorie machte
sich in ihm breit. Seite 241

Aber diese rührte auch von etwas Anderem her. Er blickte nervös auf seine Uhr und zog noch
einmal an der Zigarette. In einer Stunde würde Dyszara endlich, nach vielen Verzögerungen
hier eintreffen. Er freute sich schon darauf sie wieder zu sehen. Sie wurde von Phillip und
Samuel begeleitet. Hoffentlich benahmen sich seine Freunde, dachte er lächelnd. Die Witze
von Phillip waren in der Regel nichts für Damen.
Gregor wand sich um und sein Blick fiel auf die Steintafel von NOD. Sie war nur ein
Exemplar von mehreren Tafeln gewesen, aber diese hier hatte sein Vater über viele Jahre mit
sich geschleppt. Er hatte gehofft sie eines Tages übersetzten zu können und somit Kanes
Anweisungen zu folgen. Gregor musterte die kryptischen Schriftzeichen darauf und fragte
sich ob diese Tafeln der Auslöser für all dies gewesen waren. Sie spornten seinen Vater an,
leiteten die große Vereinigung der Bruderschaft an. Diese Tafel kostete seinen Vater das
Leben. Gregor trat an sie heran und lies seine Finger über die matt glänzenden Schriftzeichen
gleiten. Die Schrift war nur zu sehen wenn man ein spezielles rotes Licht darauf fallen lies,
aber spüren konnte man sie immer. Er befingerte eine Passage und erkannte die
Schriftzeichen. Sie waren inzwischen allgemein bekannt und erschienen unter vielen
Dokumenten der Bruderschaft. Er formte sie in Gedanken nach als er darüber strich …
„Im Namen von Kane“

Epilog
EVA – Datenübermittlung
„Sie haben Post!“
An: mailto:[email protected]
Von: [email protected]
Betreff: Hallo Dad, melde mich mal wieder
Nachricht versand am 27. Januar 2030
„Hallo Dad,
ich wollte mich wieder melden. Schade, dass wir uns nicht so oft sehen können. Wir haben
uns seit meiner Rückkehr ja erst zweimal getroffen.
Aber ich wollte dir von meiner bestandenen Prüfung berichten. Gestern habe ich den letzten
Test bestanden. Ich bin jetzt 2nd Leutnant der GDI Streitkräfte und das mit einer
Auszeichnung. Man hat mir gesagt ich hätte deinen Rekord beim Dauerlauf gebrochen. Ich
hoffe du nimmst mir das nicht übel ☺.Aber ich bin mächtig stolz drauf!
Ich habe gestern wieder Gerüchte gehört, dass Kane mit General Solomon gesprochen hat
und ihm den Krieg erklärt hat. Was ist da alles dran? Wir erfahren hier absolut nichts und
langsam macht man sich Sorgen. Gestern hat jemand gesagt, NOD würde inzwischen sogar
in den USA offen unsere Basen angreifen.

Na egal. Nächste Woche bekomme ich mein erstes Kommando und werde wohl nach Holland
versetzt. Sie schicken derzeit die Neulinge in sichere Gebiete, aber ich glaube es geht auch
bald in Europa los. Gregor traue ich das zu und dann will ich dort sein.
Ich kann immer noch nicht verstehen warum er bei der Bruderschaft ist. Vielleicht finde ich
irgendwann die Höhle wieder und dann gnade ihm Gott.
Mist der Ausbilder hat uns zu einer Zusatzlektion gerufen. Ich mach dann Schluss.. schreib
mir bald!“
Yeremi
Ende der Nachricht … Seite 242
EVA Shutdown