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C&C Fan Fiction – Der rote Schein | NOD

Der rote Schein
Frühling 2029

Ächzend krümmte sich Yeremi unter der Last, die er zu tragen hatte. Sein Vater war schon
immer streng gewesen und seitdem sie die Farm umbauten, war es noch schlimmer. Yeremi
trug einen Teil des Motorblocks, den sein Vater heute noch in die Bewässerungsanlage
einbauen wollte. Auf die „neue“ Farm hatten sie Jahre lang gespart.

Neue Bewässerungsanlagen und Treibhäuser sowie eine neue Gemüsearten sollten den Ertrag um
das 100fache steigern. Nun hatten sie begonnen die Farm zu erneuern und Yeremi konnte sich
gar nicht dafür begeistern. Sein Vater trieb ihn immer weiter an.

„Los Sohn, wenn wir heute hier im Tal fertig werden, dann können wir morgen das erste
Treibhaus aufstellen! Und tu nicht so als ob du schwer zu tragen hättest. Damals hatten wir
schwerer Ausrüstung zu tragen als wir ….“

Yeremi schaltete sofort auf Durchzug, als sein Vater vom Tiberiumkrieg zu erzählen begann.
All die Geschichten hatte er schon tausendmal gehört. Die Rekrutierungsprüfungen um in die
GDI aufgenommen zu werden. Die ersten Einsätze gegen NOD Terroristen in Berlin.

Ja sein Vater selbst erwischte den Anführer der NOD-Zelle Berlin – Mitte. Alles Geschichte
… Als es dann richtig los ging, NOD sich in Afrika festsetzte und nach Europa griff, wurde er
dann Kommandeur bei der GDI. Es war ein Krieg geworden, was als Kämpfe gegen
Terroristen begonnen hatte. Yeremi hörte gerade wie sein Vater wieder um die Schlacht um
den Tempel von NOD schwadronierte als er ächzend den Block in die Anlage hievte. „ …. er
war groß und monumental… ich hab ihn durch ein Fernglas gesehen bevor die ersten Raketen Seite 4
unserer Truppen einschlugen. Ich sage dir, da ist keiner mehr raus gekommen. Zum Glück
hmm ja ja… dieser Kane hat es verdient wenn du mich fragst….“. Ein Staubwolke kam aus
dem Gehäuse und sein Vater hustete.

„Aber sie haben seine Leiche nie gefunden oder?“ fragte Yeremi. Sein Vater lachte laut.
„Natürlich nicht, ich bin mit meinem Jeep vorbei gefahren, als sie gesucht haben. Die Raketen
haben alles einstürzen lassen. Sie haben dann Jahre gebraucht um zum Kommandoraum
vorzudringen ohne alles zum Einsturz zu bringen.“

Yeremi horchte auf, eine neue Geschichte, davon hatte er noch nie erzählt. „Sie suchen immer
noch?“ Die Miene seines Vaters verzog sich, während er eine Schläuche befestigte. „Nein,
nicht nach Kane. Sie suchen nach Berichten, Aufzeichnungen der Sekte. Sie wollen immer
noch wissen was die Schweinehunde damals alles vor hatten.“ Yeremi stand auf und
schnaufte: „Fertig!“

„Gut, dann fahren wir jetzt nach Hause. Ich denke das Essen ist auch längst fertig.“
Seine Mutter hatte tatsächlich das Essen schon auf den Tisch gestellt. Der Fernseher quäkte
im Hintergrund etwas von der fortschreitenden Tiberiumverseuchung Deutschlands. Schon
seit Jahren bestand die Standartnahrung aus Sojaprodukten. Yeremi hatte Glück. Seine
Familie produzierte normales Gemüse auf der Farm. So kam bei ihnen auch wenig Soja auf
den Tisch. Das hatte wirklich einige Vorteile und es ging ihnen wirklich nicht schlecht. Vaters
Rente hatte ihnen diese Farm ermöglicht. Sie lebten abgelegen in einem kleinen Tal im
Nirgendwo. Selbst im großen Tiberiumkrieg soll es hier absolut ruhig geblieben sein. Alle
Großstädte waren mindstens 100 Kilometer entfernt und so hatte sich nie ein Kommandeur
für diese Region interessiert.

Die folgende Woche verging schnell und am Sonntag stand auch das letzte der Treibhäuser im
Tal. So konnte Yeremi einen freien Tag genießen. Er musste noch ein Kapitel Geschichte für
die Schule lernen. Ja tatsächlich, er ging noch auf die Schule. In diesen wirren Zeiten ein
Privileg, aber sein Vater hielt gute Schulbildung für sehr wichtig. Und da in dieser Gegend
kein GDI-Bildungszentrum gebaut worden war, hatte das Dorf weiter unten im Tal einen
Lehrer angeworben. Er war kein guter Lehrer, aber immerhin lernten so alle Kinder des
Dorfes genügend um sich durch zu schlagen. Längst waren jegliche Bildungssysteme
zusammengebrochen.

Deutschland als Staat gab es im Grunde nur noch auf den Papier. Einzig
die GDI gab den Ton an, wenn überhaupt. Zumeist kümmerte sich die GDI um die
Eindämmung der Tiberiumseuche und überlies viele Regionen sich selbst. So war es auch
hier. Es gab Gemeindeverwaltungen und eine Regionalverwaltung, aber dort endete es.
Soweit Yeremi das mitbekam, hatten die Länder- und Bundesbehörden alle Befugnisse an die
GDI abgegeben und waren aufgelöst worden. Nur hatte die GDI nicht wirklich für vollen
Ersatz gesorgt.

Nur mit diesem läppischen Kapitel als Aufgabe für den ganzen Tag, machte sie Yeremi auf in
den Wald um dort seine Lieblingslichtung zu besuchen und Geschichte zu lernen. Dort
angekommen setzte er sich ins Gras. Die Sonne schien matt am Himmel. Einige der Wolken
schienen leicht grünlich zu schimmern. Aber Yeremi bemerkte dies nicht und schlug das
Buch auf.

Yeremi begann mit dem Abschnitt: Terroristen 1995. Diesen Abschnitt konnte er im Grunde
fast überspringen. Er kannte alle Details. Sein Vater hatte 1995 kurz vor dem richtigen
Ausbruch des Krieges diese Terroristen gejagt. Seine Anti-Terroreinheit hatte die meisten der
erwähnten Terrorzellen ausgehoben. Auch wenn sie nicht alle Anschläge verhindern konnten.
Der beinahe Einsturz der Reichtagskuppel des Bundestages durch den Beschuß mit zwei
Stingerraketen war als bekanntestes Beispiel genannt.

Nach einer Stunde lesen wurde es düsterer und als Yeremi aufblickte leuchtete der Himmel
matt gelb. Dicke Wolken waren über den Bergen aufgezogen und wirkten zusammen mit dem Seite 5
gelben leuchten sehr bedrohlich. Yeremi konnte sich darauf keinen Reim machen, hatte aber
genügend Geschichten gehört, das so etwas gefährlich sein konnte. Also lief er schnell nach
Hause.

Yeremis Vater stand an der Tür und schaute besorgt zum Himmel auf. Laut fluchend schloss
er dann die Tür und verriegelte sie. „Ein Ionensturm kommt auf uns zu.“
Zuerst wusste Yeremi sich darauf keinen Reim zu machen, doch dann erinnerte er sich an
einen Bericht im Fernsehen.

Ein Sturm der alle Elektronik beschädigt. Vor allem natürlich die
Elektronik, die gerade läuft. Sein Vater hatte schon begonnen die Stromgeneratoren
auszuschalten, als Yeremi seinen Gedankengang schloss. Eben in diesem Moment begannen
die ersten Blitze einzuschlagen. Von einer Minute auf die andere hatte der Sturm den Himmel
in ein infernales Gelb getaucht und die Blitze leuchteten unwirklich. Der Sturm dauerte nur
einige Minuten, doch die Schäden waren gewaltig.

Der Wind hatte eine Baumgruppe gegenüber der Farm entwurzelt. Der gesamte Kamm des
nördlichen Berges brannte. Die Blitze müssen dort mit besonderer Wucht eingeschlagen
haben. Das ganze Tal war verwüstet worden.

Im Dorf sah es noch schlimmer aus. Selbst von der Farm konnte man die Brände sehen.
Offensichtlich hatten nicht alle im Dorf ihren Strom abgeschaltet. Yeremis Vater stand im
Türrahmen und betrachtete das Tal kopfschüttelnd.

„Was ist aus der Welt nur geworden?“ fragte er in Gedanken versunken, dann schreckte er
plötzlich hoch als eine Explosion das kleine Tal erhellte. Kurz flammten die Wälder in
Explosionsfeuer auf um dann wieder in der Nacht zu verschwinden. Doch im Dorf blieb ein
heller Feuerschein bestehen. „Los Yeremi! Wir fahren runter und sehen ob wir helfen
können.“

Sie sprangen in den alten Jeep. Es war ein alter ausgemusterter Wüstenjäger. An den Seiten
waren die GDI-Wappen übermalt worden, aber das Farbschema war immer noch das selbe
und Yeremis Vater achtete sehr darauf das es nicht verändert wurde. Im Dorf hatte man allein
durch das alte GDI Fahrzeug mehr Respekt vor ihm. Viele hatten im Kampf gegen NOD ihr
Leben gelassen und nur wenige kehrten so gesund zurück nachdem sie in Tiberiumfeldern
Grabenkämpfe hatten ertragen müssen. Der Jeep war nur ein weiteres Symbol seiner
Leistung.

Mit grollendem Motor rauschten sie auf dem Feldweg durch den Wald. Sie fuhren eindeutig
zu schnell für diese Nacht. Überall im Wald brannten kleine Feuer welche den Weg erhellten.
Die Scheinwerfer streiften über den Waldweg hinweg und oft holperten sie über Äste und
Zweige. Aber das Glück schien ihnen bei zu stehen, denn kein Baum war auf den Weg
gestürzt und stoppte ihre Fahrt abrupt. So bogen sie auf die geteerten Straßen ein, die zum
Dorf führten. Es hatte damals ein Vermögen gekostet die Versorgungswege wetterfest zu
machen. Leider war das schon Jahre her und die ersten Schlaglöcher zeugten davon, das
niemand Geld hatte so ein Projekt nochmals durchzuführen. Ja die Zeiten waren schlecht,
dachte Yeremi als die Scheinwerfer des Jeeps das Ortsschild erreichten. Der Motor heulte auf,
als sein Vater nochmals Gas gab und Richtung Dorfplatz abbog.

Viele Dorfbewohner waren dort versammelt und halfen dem Löschtrupp der Feuerwehr. Das
Löschfahrzeug schien mit seinen 60 Jahren kaum noch das Wasser des Baches in das Feuer zu
befördern zu können. Die Pumpen des Löschwagens röhrten schrecklich, aber irgendwie
schien es noch zu funktionieren. Viele Bewohner des Dorfes halfen mit Eimern kleine Feuer
zu löschen oder kümmerten sich um Verletzte. Erst jetzt konnte Yeremi sehen was die große
Explosion verursacht hatte. Ein Gastank war explodiert. Yeremi danke seinem Vater im
Stillen, dass er ihre Gastanks unterirdisch angelegt hatte. Der Dorfplatz schien eine Szene aus Seite 6
einem Film zu sein. Überall liefen hektisch Menschen umher.

Verletzte schrieen ihren Schmerz heraus und das Feuer knisterte laut als es einen Holzschuppen verzehrte. Yeremi
stand inmitten dieser Szenerie und schaute nur erschrocken um sich. Sein Vater war längst
irgendwo und half bei den Löscharbeiten. Während er so da stand, bemerkte er nicht wie sich
jemand aus einer Seitengasse heran schleppte.

Erst als der Mann einen Arm auf Yeremis Schulter fallen ließ und sich auf ihn stützte, schrak er auf. Mit einem erstickten Schrei sah er
den Mann von der Seite und versuchte dabei das Gleichgewicht zu halten, als das Gewicht des
Mannes auf ihm lastete.

Es war Sam. Er war etwa im selben Alter wie Yeremis Vater und auch Sam war im Krieg
gewesen. Nur war er nicht so gesund zurück gekehrt. Die Leute im Dorf sagten, das Tiberium
hätte sein Gesicht entstellt, andere erzählten sich von brutalen Grabenkämpfen mit NodTruppen. Als sich nun Sam so auf Yeremi stützte sah man im roten Feuerschein eine große
klaffenden Wunde an Sams linker Seite. Sie zog sich von der Schläfe bis zum Oberschenkel.
Er roch verbrannt. Sams Kleidung schwelte noch. Leise flüsterte Sam: „Sigurd, bist du es?….
haben.. haben wir die Schweine erwischt? Ist der Skorpion erledigt?“

Das verbrannte Fleisch stach Yeremi in die Nase und der Blick von Sam lies ihn erstarren.
Doch Sam flüsterte weiter: „Sigurd! Halt bloß den Kopf unten … halt ihn unten …. NEIN .. „
Sam begann wild um sich zu schlagen und riss sich los. „Nein .. NEEEEIN .. SIGUUURD!!“
Sam klappte ohne die Stütze von Yeremi zusammen und sank auf die Knie. „Nein nein nein.
Der Skorpion lebt. Sigurd .. ich sagte doch, halte den Kopf unten …“

Jemand kam zu Yeremi und half Sam. Yeremi stand nur da und starrte ins Leere. Sie brachten
Sam in ein Notzelt. Aber es kamen immer mehr Verletzte. Auch in den anderen Gehöften die
um das Dorf herum lagen gab es viele Verletzte die nun ins Dorf gebracht wurden.

Brandwunden, Brüche, doch niemand hatte so schlimm ausgesehen wie Sam. Schon immer
war sein Gesicht von Narben durchzogen gewesen. Erinnerungen an den Krieg, wie die
Veteranen oft sagten. Doch es waren viele Geschichten im Umlauf über Sam. Man wusste
nur, das er eigentlich Amerikaner war. Doch dank irgendeiner Spezialeinheit, die ähnliches
wie Yeremis Vater getan hatte, kam er nach Europa.

Dann kam der Krieg und er wurde im Mittelmeer eingesetzt. Später war er in einer Garnison in Kairo stationiert. Es soll die Hölle
gewesen sein. NOD begann in Afrika zum ersten mal ganze Staaten unter ihre Kontrolle zu
bringen und eine richtige Armee aufzustellen. Kairo war schwer umkämpft gewesen. Die
ganze Stadt war in ein Schlachtfeld verwandelt worden. Irgendwann hatte ein Reporter im
Fernsehen die Schlacht als 2. Stalingrad bezeichnet. Die GDI war völlig eingekesselt worden
und NOD setzte ihre Artillerie gnadenlos ein.

Yeremi wurde aus seinen Gedanken gerissen und bemerkte das sein Vater vor ihm stand. Er
legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Ich habe gehört, du hast Sam gefunden. Er ist von
einem Blitz getroffen worden. Aber er scheint ein verdammt zäher Hund zu sein und wird es
überleben.“ sagte er mit ruhiger Stimme. „Er, … er hat mich Sigurd genannt, Vater. Er sagte
etwas von dem Skorpion….Was meinte er damit?“. fragte Yeremi.

„Der Skorpion .. „ begann sein Vater in Gedanken versunken zu murmeln, bevor er kurz
zuckte und dann antwortete:“ Ich denke er hat dich mit einem alten Kriegskameraden
verwechselt. Vielleicht dachte er, er wäre wieder im Krieg. Das kann vorkommen.“
„Denkst du auch oft an den Krieg?“

„Ich träume. Ich sehe meine Kameraden. Aber ich denke nicht daran. NOD ist vernichtet, das
ist was zählt!“ antwortete sein Vater und blickte in den Himmel. Dort zeichnete sich der
Sonnenaufgang ab und erhellte das Dorf mit ersten Sonnenstrahlen die über den rauchenden
Bergkamm leckten.

Die nächsten Tage waren geschäftig. Überall hatte der Aufbau begonnen. Alle Bewohner
halfen zusammen um das Dorf in Stand zu setzten. Trotz der Gasexplosion war niemand Seite 7
getötet worden. Wie durch ein Wunder waren die Bewohner des Hauses gerade bei ihren
Freunden gewesen. Solch ein Glück hat man nur einmal im Leben hatte Yeremis Mutter
gemurmelt als sie vom Markt kam und diese Neuigkeit mitbrachte.

Die neue Farm war inzwischen voll funktionstüchtig. Yeremi studierte gerade eine
Ertragskurve, die er für seinen Vater erstellte, als sein Freund Gregor am Fenster klopfte.
Yeremi sprang auf und öffnete das Fenster. „Hey Gregor, was geht?“ „Nicht viel. Der Sturm
war aber heftig, hat sogar die alte Eiche bei uns halb umgehauen.“

Yeremi speicherte die Ertragskurve auf seinem Datenblock und klettere dann aus dem
Fenster. „Wohin?“ fragte er Gregor. Dieser zuckte nur die Achseln und meinte: „Zum
Bruch..“

So fuhren sie auf Gregors Hoverbike in den alten Steinbruch. Gregors Eltern waren reich.
Nein reich war kein Ausdruck. Sie konnten es sich leisten hier auf dem Land zu wohnen, weil
sie Lust dazu hatten. Daher hatte Gregor auch niemals Probleme damit etwas zu bekommen,
was er wollte. Wie dieses Hoverbike zum Beispiel. Gregor hatte langes braunes Haar, dass
jetzt im Wind wehte. Er trug nie einen Helm, aber es gab auch wenige Hindernisse an die sein
Bike stoßen konnte. Er flog immerhin einen Meter über dem Boden. Gefahren gab es für ihn
kaum. Nur Bäume, um die er mit Vorliebe in unmenschlichen Geschwindigkeit sauste, bargen
Gefahren in sich. Das Hoverbike bog surrend um einen Felsvorsprung und tauchte in den
etwas tiefer gelegten Steinbruch ab. Er war schon fast 200 Jahre stillgelegt, aber dennoch
standen noch einige Gerätschaften herum und es gab dort eine Hütte, die im besten Zustand
war. Kein Wunder, benutzte doch die Jugend und ihre Vorgänger diese Hütte seit der
Stillegung des Bruchs als Partyhaus.

Langsam näherten sie sich auf dem Bike der Hütte um dann davor auf den Boden herab zu schweben. Eine große Staubwolke stieg auf als das Bike
aufsetzte. Ein Jugendlicher aus dem Dorf kam aus der Hütte heraus und stemmte die Arme in
die Hüften. Er war sehr muskulös gebaut und war mindestens zwei Meter groß.

Sein schwarzes Haar war ganz kurz geschnitten und seine Haut war braungebrannt. Er war so
etwas wie der Anführer der Hütte. Nicht wegen seiner körperlichen Kraft sondern wegen
seines Talents wenn es um Organisation ging, hatte er sich diesen Posten erarbeitet. Nun da er
vor den beiden stand wussten sie bereits, dass es Zeit für einen „Rüffel“ war. Er stand nämlich
immer so da, wenn es was aus zu setzten gab. „Wo warst du Gregor? Du hattest heute morgen
Aufräumdienst!“

„Oh Shit! Ich hab es vergessen Mike. Tut mir leid. Echt.“ antwortete Gregor. Mike grinste
breit: „Ah ja und du glaubst echt hier war gestern ne Party während des großen Sturms?
Depp!“. Laut lachend kamen ein paar anderen Jugendliche aus dem Haus. Gregor murmelte
mit säuerlichem Blick etwas davon wie sehr er die Späße von Mike hasste und ging dann in
die Hütte.

Heute waren so ziemlich alle anwesend. Es gab viel zu erzählen und jeder hatte eine kleine
Horrorgeschichte über den Sturm zu erzählen. Mike begann einige Verletzungen zu
beschreiben. „Der alte Reuters hat versucht seine Kühe noch in den Stall zu treiben, aber der
Sturm kam zu schnell. Ein Baum ist direkt auf ihn gestürzt. Er hat so ziemlich alles gebrochen
was man so hat. Ich glaube er wird seinen Hof verkaufen müssen.“

„Das ist noch gar nichts!“ versuchte Gregor Mike zu übertreffen. „Jemand aus dem Dorf soll
vom Blitz getroffen worden sein und hat es überlebt!“

Mike lachte höhnisch: „Wer soll denn das gewesen sein?“ „Sam“ antwortete Yeremi langsam.
Alle Augen richteten sich auf ihn und es trat Stille ein. Jetzt war es an Yeremi seine
Geschichte zu erzählen, das wusste er. „Ich war mit meinem Vater im Dorf. Wir wollten
helfen. Aber ich wusste nicht wo ich hin sollte, also stand ich einfach auf dem Dorfplatz.
Plötzlich stützte sich jemand auf mich.

Er roch verbannt und er stöhnte etwas. Als ich zu ihm
hin sah, erkannte ich Sam. Er hatte eine klaffende Wunde. Die zog sich vom Kopf bis zu
seinem Bein runter. Es war echt grausig.“ berichtete Yeremi langsam und stockend.

Inzwischen war es später Nachmittag geworden und ein paar Wolken verdunkelten die Sonne,
die wieder Richtung Bergkämme zog um dort in ein paar Stunden zu verschwinden. Jemand
hatte leise die Tür geschlossen.

Mike stand auf und ging zu einer Kiste die mit einer Plane
überdeckt war. Er zog diese schwungvoll herunter und es kam eine Kiste Bier zum Vorschein.
Traditionell in Flaschen und nicht in Plastik oder Dosen war das Bier immer noch am Besten
zu genießen. Yeremi wurde aufgefordert weiter zu erzählen und so begann er langsam zu
berichten was Sam alles zu ihm gesagt hatte.

„Der Skorpion?“ fragte einer der Zuhörer. „Was soll denn das sein? Eine Person?“ Mike
antworte für Yeremi: „Ich glaube er meinte damit einfach NOD. Das Wappen von NOD zeigt
doch einen Skorpion oder? Yeremi sagte doch sein Vater meinte Sam hätte ein Kriegstrauma.
Vielleicht benutzte er nur einen Slang der Truppen.“

Während sie so gebannt diskutierten bemerkte keiner das der Sonnenuntergang eine seltsame
Farbe angenommen hatte. Grüngelb leuchten die dicken Wolken die herauf zogen. Erst als der
Steinbruch in ein gelbes Licht getaucht wurde, schreckten alle hoch. „Scheiße!“ begann
jemand zu fluchen. Mike rannte zu dem kleinen Computer der im Nebenraum stand und
schaltete ihn aus. Er rief: „Ein Ionensturm. Schon wieder.“ Macht alles aus was irgendwie
elektronisch ist.“

Gregor wurde plötzlich kalkweiß und fluchte: „Mein Bike ist auf Standby!!!“ Ein lautes
Krachen vor der Tür bestätigte dies. Ein Splitter der von einem ehemaligen Hoverbike
herrührte durchschlug fast die Wand und ragte zur Hälfte in den Raum hinein. „Scheiße,
Scheiße, Scheiße…“ begann Gregor zu schreien „das kann doch nicht wahr sein!“

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Sie brauchten lange um zurück zu kommen. Yeremi und Gregor hatten schließlich den Weg
laufen müssen. Im Wald brannten ein paar Feuer und so konnten sie dank des Sturms den
Weg finden. Aber dieser Sturm hatte nur etwa eine Minute gedauert und hatte dabei kaum
Schaden angerichtet, jedenfalls sah es von der Anhöhe so aus. Das Dorf schien unversehrt und
auch keines der Gehöfte schien zu brennen.

Dieses mal hatten wohl alle ihrer Geräte
ausgeschaltet, als der Sturm begonnen hatte. Es schien als seid der Sturm extra für Gregors
Bike aufgetaucht. Welch eine Ironie dachte Yeremi bei sich.

So standen sie auf dem Bergkamm der etwa auf halben Weg zwischen Steinbruch und Dorf
lag und blickten weiter ins Tal. Drei oder vier kleine Waldbrände fraßen sich durch den
gegenüberliegenden Hang. Sie hatten noch Zeit und so setzten sie sich auf den Stein, der auf
dem Bergkamm aufragte.

Ein Bautrupp hatte ihn wohl weggeräumt als sie die Straße gebaut
hatten. „Was machen wir eigentlich noch hier Yeremi?“ fragte Gregor in die Stille hinein.
„Wir gehen mit 17 Jahren immer noch in die Schule, helfen unseren Eltern und tun nichts
außer hier im dem Tal zu versauern,“ beendete Gregor seinen Satz. „Wo sollten wir denn hin
Gregor?“ entgegnete Yeremi. „Wir können doch froh sein, dass wir es hier relativ ruhig
haben.

Nicht ein Tiberiumkristall in 30 km Umkreis und nicht ein mutiertes Tier. Willst du in
die großen Städte? Dort wirst du höchstens Arbeit bei der GDI finden.“ Gregor lehnte sich
zurück und grübelte: „Die GDI. Nein ich glaube die Typen wären nichts für mich! Dein Vater
war doch auch bei den Streitkräften.“ „Nun ja stimmt, er war im Krieg.

Aber eher zwangsläufig. Er hat einmal erzählt, das er eigentlich in einer Antiterror-Einheit des
Bundesgrenzschutzes war. Ganz harte Jungs wie er immer sagt. Aber als NOD dann eine
richtige Weltmacht wurde und Krieg führte, wurde seine ganze Truppe den GDI Truppen
unterstellt. Immerhin hatten sie besondere Erfahrung im Umgang mit NOD.

Als ob man Terrorbekämpfung mit richtigem Kampf vergleichen konnte.“ berichtete Yeremi. Gregor
grübelte weiter: „Mein Vater sagt oft NOD wäre nicht schlecht gewesen. Weißt du, wir haben
doch früher einmal in Afrika gelebt. Dort war NOD überall präsent und hat den Armen Seite 9
geholfen. Während die GDI nichts besseres zutun hatte als einen Krieg zu beginnen.“ Yeremi
schaute zu Gregor und meinte: „Das haben deine Eltern wirklich gesagt? NOD hat doch das
Tiberium erst verbreitet. Sonst hätte es sich nie so schnell ausbreiten können.“ Gregor
schüttelte den Kopf: „Das glaube ich nicht. Jedenfalls müssen wir weiter, sonst bekommen
wir noch Ärger.“

So standen sie auf und nahmen eine Abkürzung durch den Wald um direkt zu Yeremis Farm
zu kommen. Als sie aus dem Wald traten konnten sie Yeremis Vater sehen. Er machte wie
jeden Abend seine Fitness Übungen. Er war gerade mit einigen Klimmzügen beschäftigt als er
sie sah. Er war wirklich noch sehr agil für sein Alter. Er hing mit einem Arm an der
Stahlstange, die eine Stromleitung in sich barg und macht einige Klimmzüge. Als er sie
erblickte sprang er zu Boden und schaute abwartend in ihre Richtung.

„Dein Vater ist echt noch fit Yeremi, nicht wie meiner, der ist ziemlich fett.“ meinte Gregor
als sie auf ihn zu liefen. „Wo wart ihr denn?“ fragte er die beiden. „Wir waren mit den
anderen oben im Bruch..“ antwortete Yeremi. „Ist Euch was passiert? Oder warum lauft ihr?
Ist deinem Bike der Sprit ausgegangen Gregor?“ fragte er. Gregor schaute nur säuerlich.
Yeremis Vater grinste und nahm dann ein Handtuch um sich ab zu trocknen. „Der Sturm hat
dein Bike unbrauchbar gemacht?“ fragte er.

Gregor nickte nur mit verbissener Miene. „Ok,
dann wird dich Yeremi nach dem Essen mit dem Jeep nach Hause fahren.“ beschloss er.
Yeremi lenkte stolz den Jeep zu Gregors Haus. Nun im Grunde war es mehr ein Anwesen.
Die Familie von Gregor hatte eine Menge Geld aus Afrika mitgebracht.

Es gab natürlich viele, viele Gerüchte im Dorf, aber das gab es in kleineren Dörfern über jeden. Inzwischen
war es Nacht geworden. Sie bogen die Straße zum Dorf ab und fuhren über den Dorfplatz.
Die Scheinwerfer erhellten die Schutthaufen die vom Sturm herrührten und die man zur Seite
geschafft hatte.

Das weiße Licht fiel auf den gut gepflasterten Weg der zu dem Anwesen
führte. Es war etwas außerhalb, am anderen Ende des Dorfes gelegen. Dort brannte kaum
Licht. Es reichte zumindest nicht das große, geweißte Haus ganz sichtbar zu machen, doch
Yeremi wusste wie es aussah. Groß und prächtig.

Säulen trugen den Eingangsbereich und viel Marmor war beim Bau verwendet worden. Als sie ankamen brannte nur in den oberen
Stockwerken gedämpftes Licht. „Mein Vater arbeitet wohl noch. Bin mal gespannt wie ich
ihm das mit dem Bike beibringe“ sagte Gregor. „Na dann viel Glück!“ sagte Yeremi und ließ
ihn aussteigen. Langsam ging Gregor auf den Eingang des Hauses zu. Am oberen
Panoramafenster zeichnete sich eine dicke kleine Gestalt ab die nach unten schaute. Im
Hintergrund leuchteten einige Bildschirme in verschiedenen Farben und umrissen den
Schatten mit einem rötlichen Schein.

Die Säulen am Eingang hatten Sensoren eingebaut und erfassten Gregor schnell. Licht
schaltete sich ein und die Tür schwang automatisch auf. Im Inneren sprangen ebenfalls einige
Lichter an und warfen seltsame Schatten. Die Skulpturen die den Garten und die
Eingangshalle zierten taten ein übriges.

Yeremi legte den ersten Gang ein und gab Gas. Er wollte nach Hause kommen bevor sein
Vater sauer wurde und ihm den Jeep nicht mehr fahren ließ.

Der nächsten Morgen kam viel zu schnell. Yeremi wälzte sich noch im Bett und versuchte
seinen Wecker irgendwelche grausigen Verwünschungen anzuhängen, als sein Vater von
draußen an sein Fenster klopfte. „Wach auf du Faulpelz! Der kleine Sturm gestern hat den
Beta-Kollektor doch ein wenig ramponiert. Ich brauche dich um das Ding wieder aufzustellen
.“
Stöhnend kam Yeremi auf die Beine und zog seine Arbeitskleidung an. Taumelnd erreichte er
das Badezimmer und wusch sich mit einem Schub eiskaltem Wasser das Gesicht. Plötzlich
war er wach. Laut japsend griff er nach einem Handtuch. Yeremi griff in der Küche nach
einem Brötchen und rannte dann nach draußen. Sein Vater stand schon neben dem Jeep und Seite 10
wartete. „Das nächste Mal geht das aber schneller!“ grollte er und schaute auf eine Stoppuhr.
Solche Scherze erlaubte er sich öfters. Irgendwie schaffte er es überall ein wenig militärische
Ausbildung einzubringen. Egal um was es ging. Yeremis Mutter kreidete ihm das immer an.
Sie wollte nicht ihren Jungen als Soldaten sehen.

Doch er hatte immer Wege gefunden
Yeremi ein wenig zu trainieren, auch wenn Yeremi darin wenig Sinn erkannte. Yeremi sprang
auf den Beifahrersitz und schon gab sein Vater Gas. Eine Staubwolke hinter sich herziehend
fuhren sie zum Beta-Kollektor. Es war ein Sonnenkollektor der ziemlich weit oben am Hang
stand. Eine perfekte Position. Das Stück Land dort bekam mehr Sonne ab als der Rest des
ganzen Tales. Sie brauchten 10 Minuten um dort anzukommen. Die Arbeit daran war zum
Glück schnell getan. Ein Ast hatte einen der Stahlfüße verbogen. Aber er ließ sich eben so
leicht zurück biegen und schon stand der Kollektor wieder im richtigen Winkel zur Sonne.
Yeremis Vater rieb sich die Hände und sagte: „Gut das hätten wir ja. Los komm vor dem
Mittagessen haben wir nichts zutun. Wir fahren hoch zum Bergkamm auf den Felsen.“
Yeremi nickte leidig. Es schien als wollte sein Vater wieder einmal einen Kontrollblick
wagen. Alle paar Wochen fuhren sie zu dem kleinen Felsen auf dem Bergkamm, auf dem
Yeremi gestern mit Gregor gesessen war und beobachteten das kleine Dorf und die
Umgebung mit dem elektronischen Fernglas.

Breitbeinig stand Yeremis Vater auf dem Felsen und hob das Fernglas vor die Augen. In der
Morgensonne blitzen die GDI Embleme auf dem Fernglas golden auf. Yeremi schaut ohne
Fernglas auf das Tal. Trotz des Sturms sah fast alles so aus wie immer. Die eine oder andere
Stelle im Wald war verkohlt, aber ansonsten war nichts zu entdecken. „Nach was schaust du
immer wieder?“ fragte Yeremi. „Ich weiß nicht, ich mache das solange ich hier bin. Schon
vor deiner Geburt kam ich hierher und schaute auf das Tal.“ Yeremis Vater schwieg kurz
dann redete er weiter. „Ich glaube, irgendwie befürchte ich, irgendwann taucht NOD wieder
auf, genau vor meiner Nase und ich bemerke es nicht.“ „Das glaubst du wirklich? NOD ist
besiegt, das sagtest du doch selbst.“ sagte Yeremi erstaunt. „Es gibt immer einige die es
überleben. NOD ist tot, ich kann wohl nur nicht vergessen und so halte ich Wache im Tal“
antwortete sein Vater versonnen.

Ein lauer Wind kam auf und verscheuchte einige der letzten
Wolken am Himmel in Richtung Westen. Immer noch blickten sie ins Tal als Yeremis Vater
plötzlich zu fluchen begann. Sein Fernglas war auf das südliche Ende des Tales gerichtet. Im
Süden hatte das Tal keinen Ausgang und steile Hänge begrenzten den Ackerbau dort.

Dennoch hatten einige Bauern dort ihr Vieh stehen. „Schau zum Acker von Reuters! Was
siehst du da?“ stieß er hervor und hielt Yeremi das Fernglas hin. Yeremi nahm es und schaute
hindurch. „Ich sehe nichts außer drei Milchkühe von Reuters“ antwortete er. „Schau genau
hin“ sagte sein Vater barsch „schau auf die Wiese am Waldrand. Yeremi schraubte an den
Knöpfen des Fernglases herum und zoomte noch ein wenig heran. „Da leuchtet etwas grün in
der Sonne. Was soll das sein?“ fragte Yeremi.
„Tiberiumkristalle!“ antwortete sein Vater leise.

Sie waren mit dem Jeep sofort aufgebrochen um zum Acker von Reuters zu fahren. Die
Straßen hier hinten, im letzten Eck des Tales, waren schlecht und so brauchten sie einige Zeit.
Selbst mit dem Jeep, der für solches Gelände gebaut worden war. Die Räder donnerte durch
Schlaglöcher und wirbelten Staubwolken auf. Als sie in die letzten Kurven bogen, musste
sich Yeremi festhalten um nicht aus dem Jeep geworfen zu werden und sein Vater gab noch
weiter Gas. Kleine Steine prasselten gegen den Jeep und Yeremis Vater trat auf die Bremse.
Der Jeep zog eine große Staubwolke hinter sich her und schon sprangen die Beiden aus dem
Jeep.

„Du bleibst am Wagen. Ich möchte dich nicht in der Nähe von dem grünen Zeug sehen. Es ist
hoch toxisch!“ befahl Yeremis Vater während er langsam auf die Wiese ging. Inzwischen
war es früher Nachmittag geworden und die Sonne hatte den Zenit überschritten. Dennoch
schien sie sehr hell und reflektierte sich in den Kristallen. Grünliches Licht ging von der Seite 11
verseuchten Wiese aus und tauchten das Gelände in ein unwirkliches Szenario. Yeremi stellte
sich im Jeep aufrecht hin und versuchte in die Richtung zu sehen in die sein Vater blickte.
Langsam schüttelte sein Vater den Kopf und machte kehrt. Langsam ging er zum Jeep zurück.
„Wir müssen ins Dorf. Ich denke das sollten die Leute wissen,“ sagte er und sprang in den
Jeep.

Die Rückfahrt war ebenso schnell und holprig wie die Hinfahrt. Sie kamen mit quietschenden
Reifen auf dem Dorfplatz zum stehen und stiegen aus. Das Haus des Bürgermeisters war
gleich auf der anderen Seite des Platzes. Im Laufschritt kamen sie vor dessen Türe an und
hämmerten dagegen. Erst nach einigem Rufen wurde die Türe geöffnet. „Mahlzeit, was wird
denn das?“ begrüßte sie der Bürgermeister Kroll mürrisch. Man sah ihm an, das er erst etwas
später zu Mittag gegessen hatte. Besser gesagt sein Bart troff noch vom Fett. Er war wohl
noch beschäftigt gewesen. Die ernste Miene von Yeremi und seinem Vater veranlasste ihn zu
einer etwas freundlicheren Frage. „Also? Was gibt’s denn?“

„Tiberium. Kroll, wir haben Tiberium im Tal gefunden“ antwortete Yeremis Vater leise. Kroll
schaute entsetzt. „Wo?“ fragte er. „Ganz im Süden des Tales. Auf den Wiesen von Reuters
wachsen ein paar Kristalle. Es sind nicht viele, aber in einer Woche ist der hintere Teil des
Tales nicht mehr zu gebrauchen“ berichtete Yeremis Vater. Kroll stand einen Moment starr,
dann schien er kurz zu zucken und lief ins Haus. „Kommt rein, wir berufen eine
Dorfversammlung ein!“ rief er nach draußen Zwei Stunden später war der Großteil des Dorfes im Wirtshaus „Zum Tiberiumteufel“
versammelt. Es hatte seinen Namen bekommen um Gäste an zu locken, nicht aus dem Grund,
dass es hier irgendwelche mutierten Tiere gab. Aber zur Zeit hatte man die Gefahr zu
besprechen, dass es wirklich soweit kommen konnte. Bisher war das Tal sehr behütete
gewesen. Hier ging alles seinen Gang und das Tiberium schien einen Bogen um das Tal
gemacht zu haben. Aber nun war es wohl damit vorbei.

„Zuerst müssen wir mal Reuters Kühe von dieser Wiese holen“ begann einer der Bauern um
die Diskussion auf praktische Dinge zu lenken. Schnell waren sie vom Thema abgekommen
und hatten Fragen gestellt. Vor allem konnte sich keiner Vorstellen woher das Tiberium kam.
Diese Ecke des Tales lag ab abgelegensten von allem. Wenn Tiberium ins Tal kam, dann doch
eher an einer Hauptstraße oder irgendwo am Anfang des Tales. Keiner konnte sich darauf
einen Reim machen. „Ja da hat er Recht“ stimmte Kroll zu, „Die armen Tiere hocken ja direkt
in dem Feld. Aber was machen wir dann? In drei Wochen wird das Tal vollkommen
überwuchert sein.“ sprach Kroll weiter. Yeremis Vater grübelte. „Vielleicht könnten wir es
eindämmen. Ich hab das mal gesehen. Man baut hohe Betonwände um ein Feld. So kann es
nicht weiter wuchern.

Vorausgesetzt die Wände gehen zwei oder drei Meter in den Boden.
Das Tiberium zieht alle Minerale aus dem Boden den es befallen hat und bleibt dann einfach
in seiner Entwicklung stehen.“ beschrieb er den Vorgang. „Gut, gut das könnten wir machen.
Wir haben noch einiges an Beton hier und solange keine Pflanzen zu Tiberumbäumen
mutieren haben wir damit vielleicht eine Chance“ überlegte Kroll. „Außerdem werde ich jetzt
gleich in der GDI Regionalzentrale anrufen. Die sollten doch wissen was zu tun ist.“ fuhr er
fort. Gregors Vater, Kasian brummte: „Die GDI wird uns bestimmt nicht helfen. Das haben
sie doch nie.“ Kroll fixierte Kasian und konterte: „Was sollen wir denn sonst tun? Selbst
deine prallen Konten können das Tiberium nicht aufhalten und was es alles verursacht wissen
wir ja.“

Kasian schwieg, zog allerdings ein Gesicht, das ihn noch seltsamer aussehen lies. Yeremi
dachte spontan an einen Gnom aus einem Film der einmal gelaufen war. Klein, dick und ein
böses Gesicht. Wie Kasian. Aber natürlich war er nur beleidigt, ansonsten war Kasian immer
sehr nett gewesen.

Die Arbeiten liefen an. Alle Dorfbewohner halfen abermals zusammen. Dieses mal ging es
wirklich um alles. Schnell hatte man jeden Betonsack im Tal zusammen gesucht. Es schien
genug um die Wiese von Reuters ein zu mauern. Aber zuerst mussten die Leute ungeschützt
an dem Feld arbeiten. Einige hatten schon nach den ersten Stunden nachdem sie das
Fundament aushoben schwere Atembeschwerden. Nur wenigen schien das Tiberium nichts
auszumachen. Sam zum Beispiel. Noch dick mit Verbänden verpackt stand schon stundenlang
im Graben und schaufelte. Obwohl er sich gerade erst von seinen Verletzungen erholte, half
er schon kräftig mit. Er schien keine Probleme mit dem Tiberium zu haben und auch seine
Verletzungen schien er zu ignorieren. Das war sehr erstaunlich. Dagegen hatte Kasian gleich
nach der ersten Stunde gekeucht wie eine Dampflok und war nach Hause gefahren. Yeremi
und die anderen Jugendlichen durften nicht helfen. Man wollte sie nicht in die Nähe des
Tiberiums lassen. Gregor fehlte vollkommen. Seitdem Yeremi ihn vor seinem Haus abgesetzt
hatte, war er nicht mehr aufgetaucht. Auch die Anderen vom Bruch hatten ihn nicht gesehen.
Mike vermutete, dass er Hausarrest bekommen hatte. Das Bike war schließlich verdammt
teuer gewesen.

Am späten Abend gossen sie den ersten Beton in die Grube. Das Tiberium hatte sich
inzwischen fast bis zum Rand des umgrabenen Stückes Feld ausgebreitet und leuchtete Matt
in der Dämmerung. Das grüne Licht tauchte die Arbeiten in einen dämonischen Schein. Doch
selbst als es Nacht wurde arbeiteten einige Bewohner hartnäckig weiter. Obwohl viele von
ihnen Tiberium Verbrennungen hatten, da sie einen der Kristalle berührt hatten, welche
inzwischen an einigen Stellen am Rand wucherten. Es war zehn Uhr Abends und nur einige
Scheinwerfer erhellten die Baustelle.

Die Kristalle reflektierten das Licht mit einem grünen
Schimmern. Kein Vogel zwitscherte in der Umgebung, was sehr ungewöhnlich war. Die Kühe
standen inzwischen in der Nähe des Dorfes, aber man hörte ihr schmerzerfülltes Blöken bis
hierher. Es schien als ob sie Tiberium zu sich genommen hatten und nun unter inneren
Verletzungen litten. Einige Zeit später hörte Yeremi durch die Stille fünf Schüsse hallen und
es wurde komplett still. Vom Dorf her hörte man ein schweres Fahrzeug näher kommen. Es
dröhnte laut als es sich der Baustelle näherte. Die Scheinwerfer strahlten in hellem Weiß auf
die Arbeiter, die gerade die Wände gossen.

Yeremi hielt sich die Hand vor die Augen um
nicht zu arg geblendet zu werden. Dann schaltete jemand im Fahrzeug das Licht aus. Bei
genauerer Betrachtung erkannte Yeremi das Fahrzeug. Es war ein alter BMT der GDI. Aus
dem inneren sprang ein junger Mann in Kampfanzug. GDI Embleme prangten auf seinen
Schultern und schimmerten grünlich als das Licht des Tiberiums auf sie fiel. Er lief mit
steifen Schritten zu der Baustelle. „Wer ist für diesen Selbstmord verantwortlich?“ fragte er
barsch. Kroll baute sich vor ihm auf und antwortete in selber Weise: „Darf ich fragen wer sie
sind?“.

Er war ein Leutnant des GDI Stützpunktes der einige Kilometer von hier lag. Frisch von der
Akademie und noch voll mit Ausbildungsfloskeln, versuchte er hier den großen GDI
Kommandeur zu spielen. Sein Name war Conner. Was nicht gerade darauf schließen lies, das
er aus der Gegend war. Yeremis Vater musterte den Leutnant mit eisigem Blick, während
dieser vergeblich mit zwei seiner Leute versuchte die Dorfbewohner davon ab zu halten das
Tiberium einzubetonieren. Er erklärte in langen Sätzen, welche Gefahren sie alles auf sich
nahmen und das sie sich lieber in den Norden evakuieren lassen sollten.

Nachdem sie sich das einige Zeit angehört hatten, trat Sam vor und starrte Conner an. Das
brachte ihn aus der Fassung und aus seinem Redeschwall: „Äh ja bitte?“ „Hör mal Kleiner,
warum hilfst du uns nicht?“ fragte Sam barsch. „Wie äh nein das will ich ihnen ja ausreden.
Das ist zu gefährlich. Sie haben gar keine Ahnung ….“ Sam zuckte leicht und auch Yeremis
Vater regte sich, dann begann Sam laut zu werden: „Halt die Klappe du Frischling. Ich habe
mehr Tiberium gesehen als du jemals sehen wirst und nun gebt uns Eure Schutzanzüge.“
„Wie bitte? Beruhigen sie sich doch erst einmal mein Herr.“ versuchte es Conner. „Ihr habt Seite 13
doch Schutzanzüge für solche Fälle?“ bohrte Yeremis Vater nach. „Nun äh natürlich haben
wir einiges an GDI Ausrüstungsmaterial bei uns, aber … „ begann der Leutnant. „Schön
schön. Ich denke die neuen Welsch-Kampfanzüge sind wirklich bestens geeignet.“ sagte Sam
während er in den BMT stieg und in einer Kiste kramte. Der Leutnant starrte nur hilflos
umher und brabbelte: „Das dürfen sie nicht, das ist Eigentum der GDI. Sie vergreifen sich an
Gütern des Militärs!“

Sam kam mit zwei Anzügen und einer Packung heraus auf der ein rotes Kreuz mit einem
grünen Punkt gemalt war. „Schaut mal, sogar die Frischlinge bekommen schon TiberiumBrandsalben ins Gepäck. Das hätten wir damals haben solle“ rief Sam Yeremis Vater zu.
Dieser kratze sich unbewusst an einer seiner Narben und grinste.

Die Anzüge waren relativ neu. Yeremi konnte sie betrachten während Sam und ein anderer
Dorfbewohner sie anlegten. Dicke Platten aus einem Schutzmaterial machten den Anzug
sicher vor der toxischen Wirkung des Tiberiums. Ein Helm mit Atemmaske komplettierte das
ganze. Viel besser als die Standartschutzanzüge des Dorfes ohne Helm und nur mit dicken
Handschuhen. Yeremi hörte Sam sagten: „Ich denke die neuen Modelle werden einige Zeit
länger halten als unsere, aber länger als zehn Stunden bestimmt nicht, dann hat sich das
Tiberium durch die Anzüge gefressen, sollten wir direkt im Feld spazieren gehen.“ „Wir sind
fast fertig. Nur noch die paar Wände da drüben fertig hochziehen. Ihr müsst nicht ins Feld“
sagte Kroll und deutete auf eine Lücken in der Ummauerung des Feldes.

Mit dem ersten Sonnenstrahlen des Morgens stand die Tiberiumeindämmung. Leutnant
Conner war noch in der Nacht erbost abgefahren. Ohne seine Anzüge. Einige der
Dorfbewohner hatten sich leichte Vergiftungen geholt. Es sah nicht gut aus, aber Sam hatte
gut daran getan die Brandsalbe aus dem BMT mit zu nehmen. Einigen Leuten konnte damit
geholfen werden. Aber für zwei Dorfbewohner konnte auch das Medikit nichts mehr tun. Sie
starben am nächsten Nachmittag. Aber dies war nicht die einzige schlechte Nachricht. Gegen
Abend fand ein Dorfbewohner auf der Heimfahrt den BMT von Conner. Er lag im
Straßengraben. Er hatte eine Menge Erde aufgewühlt und er steckte mit den Rädern komplett
im Dreck. Die drei Insassen waren tot. Sie hatten sich das Genick gebrochen, so berichtete
man sich am Abend im „Tiberiumteufel“.

Sommeranfang 2029

Yeremi steht auf dem Felsen und schaut in das südliche Tal. Selbst ohne Fernglas kann er
unter den Staubwolken die Spezial-Lkws sehen. Die Firma Human Tiberium Cors bekämpft
nun seit zwei Wochen das Tiberium. Lange hat das Tal darauf gespart und dann hatten sie die
Firma angeheuert. Die Firma legte erst einmal ein Art Energiefeld um das Tiberium, damit es
sich nicht ausbreitete. Dann begannen sie in dem Eindämmungsfeld die Kristalle und die
Wurzeln abzubauen. Jemand hatte behauptet das dieses Eindämmungsfeld aus der
militärischen Forschung stamme und nur abgespeckt sei. Der große Bruder dieses Dinges soll
alles abwehren können. Von einschlagenden Raketen bis heran rollenden Panzern. Yeremi
glaubte das nicht ganz. Dieses Eindämmungsfeld schaffte es gerade mal die Tiberiumkristalle
vom wachsen abzuhalten. Yeremi vermutete das sie die Kristalle schlicht einfroren um sie am
Wachstum zu hindern.

Gerade stieg wieder eine große Staubwolke auf, als ein LKW voll beladen mit verseuchter
Erde abfuhr. Sie nahmen den kleinen Feldweg zum Dorf. Aber er war nun breit geschottert.
Das war nötig gewesen um das Gebiet für die Lkws zugänglich zu machen. Yeremi schaute
dem LKW zu wie er durch das Dorf polterte und Richtung Talausgang verschwand. In der
Ferne sah man einen GDI Titanen stehen. Der stand nun schon seit einer Woche dort. Seine Seite 14
gelbe Bemalung schimmerte matt in der Abendsonne und harmonierte perfekt mit dem Staub
der Straße. Yeremi wusste das am Fuße des Titanen zwei Zelte aufgebaut waren. Immer noch
versuchten fünf GDI Soldaten heraus zu finden, wie es zu dem Unfall kam, in dem Conner
und seine Leute starben. Anscheinend war es doch kein Unfall gewesen.

Sonst wären sie schon längst verschwunden. Sie suchten nach etwas oder nach jemanden. Erst hatte es zwei
Wochen gedauert bis überhaupt ein GDI Räumkommando kam und den BMT wegbrachte.
Zuerst schien alles wirklich an einen tragischen Unfall zu glauben. Aber irgend etwas musste
dem Räumkommando komisch vorgekommen sein, denn dann rückte der Titan an.
Yeremi schaute auf seine Uhr und sprang dann von dem Felsen. Es war längst Zeit, dass er
nach Hause kam. Vater würde schon auf ihn warten. Seit Tagen versuchten sie zusammen ein
Programm zu schreiben, dass die Sonnenkollektoren effektiver arbeiten lies. Yeremi war
dabei sehr wichtig, konnte er doch besser programmieren als sein Vater. Dennoch wollte die
Leitzentrale das Programm einfach nicht fressen. Es war zum aus der Haut fahren.

Yeremi rannte mit großen Schritten zum Jeep. Er durfte inzwischen regelmäßig mit ihm
fahren und in sogar benutzen um in den Bruch zu fahren. Das war bedeutend besser als mit
dem Bike dort hin zu rauschen und jedes mal um sein Leben fürchten, wenn Gregor am Steuer
saß. Aber von Gregor hatte er schon lange nichts mehr gehört. Schon Wochen lang hatte er
sich nicht gemeldet. So schlimm konnte selbst der Verlust des Bikes nicht gewesen sein.
Immerhin hatten seine Eltern eine Menge Geld. Yeremi beschloss morgen Nachmittag bei
Gregor vorbei zu fahren und endlich nach zu fragen wo er war. Yeremi musste sich
eingestehen, dass er das schon viel früher hätten tun sollen, aber er fuhr nicht gerne zu
Gregors Haus. Yeremi war nur selten im Haus gewesen und es schien auch so, als sei dies
nicht erwünscht gewesen. So hatte Yeremi den Besuch immer weiter hinaus gezögert. Aber er
konnte seinen Freund nicht einfach im Stich lassen. Vielleicht brauchte er ein wenig
Rückendeckung gegenüber seinem Vater. Kasian konnte manchmal sehr Herrisch sei, hatte
Gregor gesagt. Mit diesen Gedanken bog der Jeep in die Farm ein. Ein paar Steine prasselten
gegen die Treibhäuser die am Weg standen, als Yeremi zu stark bremste.

Sein Vater kam aus der Tür als er den Jeep hörte. „Reichlich spät Sohn!“ war die Begrüßung.
„Ich war noch oben am Felsen und hab geschaut was die Firma macht. Die scheinen bald
fertig zu werden“ versuchte Yeremi ablenkend zu antworten. „Ja das sind sie wohl, aber sie
wollen mehr Geld, da sich das Tiberium tiefer in das Erdreich gefressen hat als vermutet.“
antwortete sein Vater in einem besorgten Tonfall. „Wir haben kein Geld mehr und die
anderen aus dem Dorf haben bestimmt auch nichts mehr in ihren Strümpfen. Ich glaube die
Firma wird wieder abziehen und das Tiberium ist noch da, wenn kein Wunder geschieht“
redete sein Vater weiter. Mit diesen Sorgen im Kopf gingen sie nach drinnen und begannen
wieder an dem Programm zu schreiben.

Es wurde bereits Nacht, als Yeremi das neue Programm in den Rechner hoch laden konnte.
Aber dieses mal gab es keinen „Error“ oder etwas ähnliches mit dem sich der Rechner
beklagte. Es schien zu funktionieren. Yeremi war stolz das Programm doch noch gerichtet zu
haben. Er rieb sich müde die Augen und surfte noch ein wenig im Internet. Dort suchte er die
Internetseiten seiner Freunde auf. Nur die Seite von Gregor war nicht aufrufbar. Sogar sein
Server, den er von seinem Vater bekommen hatte, war nicht erreichbar. Yeremi erinnerte sich
an sein Versprechen morgen Nachmittag nach Gregor zu sehen. Yeremi klickte noch auf eine
regionale Newsseite und las dort etwas über die GDI Untersuchungen im Tal. Inzwischen war
es klar, dass es kein Unfall gewesen war. Irgend etwas hatte am Rumpf des BMT
Beschädigungen hinterlassen, die nicht vom Erdboden stammen konnten. Angeblich hatte
man auch einen Verdächtigen. Diese Person wurde bereits unter Arrest gestellt, da man
vermutete, dass die emotionalen Ausbrüche gegenüber Leutnant Conner nicht das einzige
geblieben sind, was er getan hatte. Allerdings gab die Untersuchungsbehörde zu, angesichts
der Verdienste der Person im Tiberiumkrieg Zweifel an seiner Schuld zu haben. Seite 15
Yeremi wusste sofort wer gemeint war. Sie hatten Sam festgenommen. Ausgerechnet Sam. Er
hatte so schwer geschuftet um das Tiberium einzudämmen. Irgendwann in der Nacht ist er tot
müde nach Hause gegangen. Wann wusste Yeremi nicht mehr genau. Jetzt dachte die GDI
also Sam hätte sich an Conner gerächt. Aus welchen Gründen auch immer. Yeremi rieb sich
wieder die Augen und schaltete dann den Computer ab. Er war ziemlich müde von der ganzen
Arbeit an dem Programm.

So dauerte es nicht lange bis Yeremi eingeschlafen war.
Die ersten Sonnenstrahlen fielen gerade auf die Farm als Yeremi erwachte. Neben den Vögeln
die im nahen Wald ihr erstes Morgenlied zwitscherten, konnte Yeremi seinen Vater im
Schuppen rumpeln hören. Natürlich war er schon lange wach. Alte Gewohnheiten wie er
sagte. Allerdings fragte sich Yeremi immer wieder warum er seine Gewohnheiten so gerne
auf ihn übertrug und früh morgens immer an Orten arbeitete, die in Yeremis Hörweite lagen.
Wohl wieder eine neue Trainingsmethode. Immerhin konnte er so nie verschlafen. Inzwischen
hatte er einen eigenen Rhythmus gefunden, der ihn eh immer um diese Zeit aufwachen lies.
Yeremi überlegte sich ob er das seinem Vater sagen sollte um ihm davon ab zu halten ihn
immer durch das laute Klappern von Metall auf Metall zu wecken. Aber er verwarf den
Gedanken schnell wieder. Nicht das Mutter mit bekam was Vater da wieder machte. Yeremi
musste diesen Morgen nichts an der Farm helfen. Anscheinend hatte der Rechner tatsächlich
das Programm gefressen und richtete die Kollektoren noch genauer aus. Obwohl man das erst
heute Abend an der Ertragskurve der Stromproduktion sehen würde, fühlte sich Yeremi gut.
Er konnte sich den Jeep ausleihen, da sein Vater heute scheinbar einen Waldlauf machen
wollte um die Kollektoren sportlich zu kontrollieren. Das konnte Yeremi nur recht sein. Er
drehte den Zündschlüssel um und legte den ersten Gang ein. Mit einem Heulen kam der Jeep
ins rollen und fuhr aus der Farm. Yeremis Mutter rief noch etwas von Tomaten einkaufen
hinter ihm her, aber das hörte er bereits nicht mehr. Dummer Weise hatte der Jeep eine Art
Nachrichtenpad und so kam der Einkaufszettel zwei Minuten später aus einem Schlitz im
Armaturenbrett. Yeremi musste grinsen als er sah wofür die militärische Technik des großen
Tiberiumkrieges heute benutzt wurde. Er beschleunigte als er auf die breite Dorfstraße kam
und musste prompt einem der LKWs ausweichen die hier entlang rollten. Ein lautes
dröhnendes Hupen war die Antwort des Fahrers im Lkw. Angesichts der Geldforderungen der
Firma, hob Yeremi lediglich den Arm um dem Fahrer seinen Mittelfinger zu präsentieren,
sollte er in den Rückspiegel schauen.

Heute war kein Markttag und das bedeutete Yeremi musste 10 Kilometer fahren wegen dem
Einkaufszettel. Er musste in den nächste große Stadt fahren. Nicht das ihn das gestört hätte.
Fahren machte ihm Spaß. Sehr sogar. Er verließ das Dorf und kam an dem Titan vorbei. Er
war schon öfters an dem Metallmonster vorbei gefahren, aber er war immer wieder
beeindruckt über die schiere Größe des Läufers der GDI. Die Untersuchungen schienen
abgeschlossen. Zumindest schien es so. Denn die fünf Soldaten bauten gerade die Zelte ab, in
denen sie die letzte Woche gewohnt hatten. Vielleicht war das ein gutes Zeichen und sie
hatten den Beweis gefunden, dass Sam nicht schuld war. Zumindest hoffte Yeremi das. Er gab
abermals Gas um die lange Gerade auszunutzen die ihn zur Hauptstraße führte. Die Fahrt
selbst verlief ereignislos und so verlor sich Yeremi in Gedanken. Sein schlechtes Gewissen
wuchs immer mehr. Warum hatte er sich nicht früher darum gekümmert was mit Gregor los
war. Er würde gleich nach dem Mittagessen zu ihm runter fahren und nach Gregor fragen. Mit
diesen Gedanken passierte er das Ortsschild und bog in die Straße ab an der ein Supermarkt
lag. Am Ende der Straße lag das GDI Gelände des Landkreises. Eine gelbe Flagge mit dem
Adleremblem wies deutlich darauf hin. Es war ein kleiner Außenposten. Das sah man sofort.
Drei niedrige Gebäude und ein Fuhrpark, der aus zwei oder drei Titanen bestand. Natürlich
plus die Standartcrew. So nannte es jedenfalls Yeremis Vater. Er erzählte einmal, dass jeder
Posten eine gewisse Anzahl an BMTs und Einmannläufern besäße.

Yeremi hatte es eilig und so drängte er sich durch den Supermarkt. Einige ältere Leute riefen
ihm Beschimpfungen hinter her, dass es das früher nicht gegeben hätte, aber Yeremi kannte
das Spiel. Er würde das in einigen Jahrzehnten auch sagen. Aber jetzt hatte er nicht die Zeit
diesen Standpunkt gegenüber dem besonders lauten Opa dort hinten zu vertreten. Schon war
er mit seinem Korb an der Kasse und schob seine Kreditkarte ein. „Ich liebe es … keine
geschwätzigen Kassiererinnen mehr“ murmelte Yeremi als er sich Gedanken darüber machte,
was geschehen würde, falls je wieder eine Kassiererin hier sitzen würde und einen Plausch
mit dem Opa von eben halten würde.

Yeremi kam pünktlich zum Mittagessen an. Er hatte sogar den Einkaufszettel richtig
interpretiert und alles eingekauft. Ein Pluspunkt im Familienleben. Das Mittagessen bestand
hauptsächlich aus Soja. Leider mussten sie sparen. Die Bezahlung der Tiberium
Eindämmungsfirma hatte eine Menge Geld gekostet. Alle Bewohner des Tales hatten ihre
Ersparnisse geopfert und nun sollte es nichts gebracht haben. Aber die Stimmung am Esstisch
entsprach nicht dem was Yeremi angesichts dieser Tatsache erwartet hatte. Dann wurde auch
ihm die gute Nachricht mitgeteilt. Kasian hatte den restlichen Betrag bezahlt, den die Firma
gefordert hatte. Nicht ohne murren und meckern, aber er hatte freiwillig das Geld gegeben.
Niemand hatte ihn darum gebeten und überhaupt daran gedacht, dass er etwas mehr als den
normalen Satz bezahlen würde. Jeder Dorfbewohner hatte einen Satz bezahlt. Einen genau
berechneten Prozentsatz der Rechnung.

Nach dem Mittagessen musste Yeremi noch für seinen Vater einige Feineinstellungen an
einer Ertragskurve vornehmen. Das hatte zwar wenig mit programmieren zutun, aber sein
Vater konnte mit dem ganzen Zeug nicht sehr viel anfangen. Er sagte immer, er wäre Soldat
und kein Tech-Freak. Die automatische Antwort von Yeremis Mutter war dann, dass er nun
Farmer sei und endlich vergessen sollte das er einmal bei der GDI war. Das führte regelmäßig
zu einem kleinen Streit, mit jeweils den selben Argumenten und Vorwürfen. Aber heute war
das nicht der Fall. Also schnappte sich Yeremi den Jeep und fuhr zum Dorf hinunter. Er hatte
wenig zutun in letzter Zeit. Es gab Wochen im Frühling, da war er nicht aus den Treibhäusern
gekommen bis es dunkel war. Ihm war das nur recht und inzwischen war er sehr froh darüber,
dass sie die Farm umgerüstet hatten. Es lief nun sehr vieles Automatisch. Es blieb jetzt soviel
Zeit, dass selbst Yeremis Vater öfters frei hatte und sich mit den Ertragskurven beschäftigen
konnte. Aber er schien nicht nur mit den Farmstatistiken zu arbeiten. Manchmal, wenn
Yeremi ihm über die Schulter schaute klickte er schnell irgendwelche Dateien weg, auf denen
ein GDI Logo zu sehen war. Yeremi grübelte darüber allerdings nicht viel nach. Vermutlich
hatte sein Vater immer noch Kontakt zu ein paar alten Kameraden und die schickten ihm ab
und zu Emails. Diese Emails trugen natürlich dann das GDI Logo im Briefkopf.

Yeremi bog um die Ecke im Dorf die zu Gregors Haus führte. Schon von weitem leuchtete
das Weiß in der Sonne. Es war ein heißer Sommer und die Sonne brannte sich in das Tal.
Staub wirbelte auf, als der Jeep abbremste und vor dem Tor zum Stillstand kam. Yeremi
sprang aus dem Jeep und ging zum Tor. Er drückte auf den roten Knopf der offensichtlich die
Klingel war. Zuerst rührte sich nichts im Haus, doch dann sprang der Videobildschirm neben
dem Knopf an und Kasians Gesicht war zu sehen. „Ja?“ fragte es etwas blechern aus dem
Lautsprecher. „Hallo Kasian. Ich bin’s Yeremi. Ist Gregor zuhause?“ begann Yeremi.
„Gregor? Hat er dich nichts erzählt?“ fragte Kasian. „Äh nein was denn.“ antwortete Yeremi
überrascht. „Nun er ist auf ein Internat gegangen. Komisch, komisch das er dir davon nichts
gesagt hat. So was…“ sagte Kasian. Im Hintergrund hörte man eine andere Stimme. Sie klang
irgendwie mechanisch, sie schien nach Kasian zu rufen. „Oh ein Anruf für mich. Machs gut
Yeremi.“ Beendete Kasian abrupt das Gespräch und der Videobildschirm erlosch.

Lange stand Yeremi verstört am Tor und versuchte zu verstehen, warum Gregor ihm nichts
davon erzählt hatte. Irgendwie konnte Yeremi das nicht glauben. Sollte Gregor gar nicht sein
Freund gewesen sein? Nein es konnte nicht so sein. Aber er war nicht mehr hier. Yeremi Seite 17
drehte sich langsam von dem großen Tor weg. Er stieg in den Jeep und fuhr den Weg weiter.
Normalerweise hätte er drehen müssen um nach Hause zu kommen, aber ihm war nicht
gerade danach jetzt nach Hause zu fahren. So folgte er dem Weg, der zu Gregors Haus führte,
weiter. Er führte in den Wald. Der Jeep hatte eine stattliche Steigung zu meistern.

Aber GDIProduktion war robust und so kam der Jeep mit einigen Jaulen den Hang hinauf. Yeremi
stoppte den Wagen als er unter sich die Lichter des Hauses sah, in dem bis vor einiger Zeit
Gregor gewohnt hatte. Yeremi schaute nach unten. Er konnte es nicht glauben und irgendwie
war er wie gelähmt von der Tatsache, dass Gregor weg war. Er setzte sich auf die Motorhaube
und schaute auf das weiße Haus mit all seinen Statuen im Garten und dem künstlich
angelegten Garten. Es musste ein Vermögen gekostet haben dieses Garten anlegen zu lassen.
Aber scheinbar hatten die Gärtner noch nicht ihre volle Summe bekommen. Dort im hinteren
Teil des Gartens gab es ein großes Erdloch. Nun kein richtiges Loch. Mehr eine Mulde die
mit aufgewühlter Erde gefüllt war. Yeremi schaute in die Abendsonne und grübelte was wohl
in Gregor gefahren war. Er war nun schon den ganzen Nachmittag hier oben, aber er wollte
nicht nach Hause und so starrte er weiterhin ins Tal hinab. Dies war eine gute Stelle. Nicht so
gut wie der Felsen, aber man sah das Tal einmal aus einer ganz anderen Perspektive. Alles
war größer als beim Felsen und man sah mehr Details. Yeremi strecke sich auf der
Motorhaube aus und schaute in den Himmel.

So verging die Zeit. Yeremi schaute dem Tag
zu, wie er zu Neige ging und die ersten Sterne am Himmel erschienen. Yeremi wurde müde,
doch er konnte sich nicht aufraffen nach Hause zu fahren. Er wollte einfach nur verstehen
warum Gregor so gehandelt hatte. Yeremi erwachte aus seinen Gedanken als er ein lautes
Knirschen im Tal hörte. Kurz aber laut. Er stützte und schaute auf die Uhr. Hatte die
Eindämmungsfirma nicht schon mit den Arbeiten fertig sein müssen. Es gab so etwas wie
eine Klausel „Nachtruhe“ im Vertrag.

Yeremi erhob sich und schaute in das Tal Richtung Süden. Dort waren tatsächlich bis auf
einige Warnleuchten alle Lichter erloschen und es war kein Arbeitsgerät zu sehen. Dann sah
Yeremi aus den Augenwinkeln im Garten von Gregor eine Bewegung. Er drehte den Kopf
und schaute in den Garten. Rötliches Licht schien aus einer Kellertür in den Hintergarten. Ein
Mann stand in der Tür und nach den Umrissen zu vermuten war es Kasian. Aber das war nicht
die Bewegung gewesen, die er gesehen hatte. Er sprang auf und holte aus dem Jeep das
Fernglas seines Vaters.

Ein surren kündigte den Autozoom an und Yeremi konnte erkennen, dass tatsächlich Kasian
in der Tür stand. Aber er war anders gekleidet als sonst. Er trug eine nachtschwarze Uniform.
Das rote Licht aus dem Haus umriss seine Gestalt seltsam und verlieh ihm eine Aura der
Autorität. Im Garten bewegte sich wieder etwas und erst jetzt sah Yeremi wirklich, was sich
dort bewegte. Eine Art BMT kam aus dem Loch, das er am Nachmittag bewundert hatte. Das
Fahrzeug sah ungewöhnlich aus. Es war mit großen Bohrern besetzt. Das Fahrzeug hatte sich
direkt aus dem Erdreich gegraben. Ohne jegliche Probleme. Yeremi versuchte noch näher
heran zu kommen, aber der Zoom protestierte mit einem leisen knirschen, also beließ es
Yeremi bei dieser Auflösung.

Er beobachtete wie Kasian mit militärischem Schritt auf das Fahrzeug zu ging und sich dort
aufbaute. Die Luke des Fahrzeugs flog auf und ein stämmiger Mann sprang nach draußen.
Beide begrüßten sich kurz, dann winkte der stämmige Mann, der ebenfalls diese schwarze
Uniform trug nach einem weiteren Mann. Alle bewegten sich sehr präzise. Es schienen
Soldaten zu sein.

Kurze Zeit später trugen zwei der Soldaten flankiert von Kasian einen Behälter aus dem Haus.
Der Behälter schien aus einem transparenten Material zu sein. Aber er war etwa einen Meter
lang und fast einen halben Meter breit. Yeremi konnte nicht genau erkennen was es war, aber
es schimmerte matt im Mondlicht, bevor sie es in das Fahrzeug luden. Yeremi verstand nicht
ganz was dort unten geschah, aber er hatte das Gefühl seinem Vater davon erzählen zu
müssen. Er blieb noch einige Zeit und beobachtete den Garten, doch kaum war das Fahrzeug Seite 18
in der Erde verschwunden, da war auch Kasian nach drinnen gegangen. So packte Yeremi das
Fernglas weg und stieg in den Jeep. Er nahm einen Umweg um nicht am Haus vorbei fahren
zu müssen, aber schließlich kam er daheim an. Sein Vater saß auf einem Lehnstuhl vor der
Tür. Er schien auf Yeremi zu warten.

5
Noch am letzten Abend hatte es einige Überraschungen gegeben. Nicht nur die Geschichte
von Yeremi war beunruhigend. Vor allem angesichts dessen, dass er noch nie Drogen
genommen hatte und nie eine Lüge erfand wenn er zu spät kam. Yeremis Vater hatte auch
einiges zu berichten. Er war in den Dienst zurück beordert worden. Abermals waren seine
Spezialkenntnisse in Bezug auf die Bruderschaft gefragt. Yeremis Mutter war überhaupt nicht
begeistert gewesen als sie all dies erfuhr.

Auch Yeremis Vater wusste nichts mit dem anzufangen was Yeremi da gesehen hatte. „Und
du bist dir ganz sicher, dass das Fahrzeug direkt aus der Erde kam?“ hakte er abermals nach.
„Aber ja doch. Es kam direkt aus der Erde hoch geschossen. Irgendwie hat es sich gegraben“
beteuerte Yeremi. „Hmmm …“ machte sein Vater und kratzte sich den 3-tage Bart. „Ich muss
in den nächsten Tagen nach Sarajevo. Sie wollen mich im Tempel von NOD haben. Sie haben
nicht mehr viele, die ihn damals gesehen haben, bevor er zusammen geschossen wurde. Es
geht um irgendwelche Mosaike. Ich habe sie damals durch mein Fernglas gesehen. Sie waren
an einem Eingangstor angebracht. Vermutlich wollen sie, dass ich sie helfe zusammen zu
setzen“ berichtete er. „Das können sie doch auch machen, in dem sie dir Bilder davon
schicken oder?“ begann Yeremis Mutter an zu setzen, aber er hob nur die Hand und meinte:
„Befehl ist Befehl.

Sie haben mich einfach eingezogen. Sie haben gar nicht erst gefragt.“
Yeremis Mutter murmelte irgend einen GDI-feindlichen Spruch in sich und erntete dafür
einen giftigen Blick. Um von diesem Thema abzulenken, begann Yeremi ein wenig über die
Eindämmungsfirma zu plaudern, doch sein Vater schien irgendwie abwesend. Plötzlich
schaute er auf und sagte: „Sohn! Heute Abend besuchen wir Kasian. Ich wollte mich eh für
seine Spenden bedanken. Vielleicht finden wir heraus, was das für ein Spielzeug ist, das er da
im Garten graben lässt.“

Damit war es also klar. Yeremi würde eine neue Gelegenheit bekommen nach zu forschen,
warum Gregor einfach verschwunden war. Der Tag verging sehr langsam. Es gab nicht viel
zutun und so setzte sich Yeremi vor den Fernseher und schaute CNN – Deutschland.
Hauptthema heute: Tiberium und seine neuste Version.

Schon länger hatte es Gerüchte gegeben, dass es eine neue Version des grünen Tiberiums gab.
Nun war es also sicher. Eine Forschertruppe hatte ein Feld mit blauem Tiberium gefunden.
Noch gefährlicher als sein kleiner Bruder. Aber das schlimme war nicht das blaue Tiberium
an sich, dass kannte man schon länger. Es war ein großer Kristall, der das blaue Tiberium
nachwachsen lies, der so sensationell war. Während die Reporterin in ihrem heile-welt Look
versuchte die Ergebnisse des Forscherteams zu interpretieren schaltete Yeremi um. Ihm war
nach leichter Kost und so sah er sich einen alten Zeichentrick an. Nicht gerade das passende
für Einen, der im Herbst volljährig wurde, aber man konnte es anschauen ohne dauernd an die
Zukunft denken zu müssen. Mit der Zukunft stand es sowie schlecht genug, da musste man
nicht noch darüber nachdenken..

Jedenfalls bemerkte das Yeremi wieder einmal, als er die
regionale Newsseite aufrief. Dort wurde von neuen Tiberiumfeldern berichtet die nicht
einzudämmen waren. Der gesamte Landkreis schien in nächster Zeit verseucht zu werden.
Aber niemand wusste wie das Tiberium es in diese Gegend geschafft hatte. Bis zu Beginn des
Jahres hatte sich der Landkreis noch mit dem Titel: „Tiberiumfreie Zone“ schmücken können.
Nun war das auch dahin. Im Tal war zum Glück die Gefahr gebannt. Fragte sich nur für wie
lange. Aber wieder und wieder nagte Yeremi die Frage im Hinterkopf, wie das Tiberium zu Seite 19
ihnen ins Tal gekommen war. Natürlich kann man sich vorstellen, das ein Lkw ein paar
Kristalle in den Kreis gebracht hatten und die nun dort wuchsen, aber wie in aller Welt kam
Tiberium in die letzte Ecke des Tales. Dort fuhren keine Fahrzeuge herum, die vorher durch
Tiberiumgebiete gefahren waren und die Kühe dort hatten auch selten die Angewohnheit
Tiberium an ihren Hufen zu haben.

Yeremi verfluchte Gregor. Wieder war er an einem Punkt, an dem er nicht weiter kam. Wurde
es Gregor zu langweilig hier? Jetzt da der Lehrer in Urlaub war und man alle Zeit der Welt
hatte? Yeremi verstand das nicht. Schon gar nicht, da Gregor nicht gerade ein sehr
begeisterter Schüler war. „Gregor in einem Internat?“ murmelte Yeremi und schüttelte den
Kopf. Irgend etwas stimmte da nicht, soviel war sicher und Yeremi hatte vor Kasian heute
Abend ein wenig auf den Zahn zu fühlen. Mit diesen Gedanken stand Yeremi von seinem
Schreibtisch auf und ging an die frische Luft.

Dort kam ihm Sam entgegen. Er sah wesentlich
besser aus, als beim letzten Mal als sie sich getroffen hatte. Die Wunde von dem Blitz war zu
einer langen roten Linie geworden die sich über seine Gesichtshälfte den Hals entlang zog,
um dort im Hemd zu verschwinden. „Hallo Yeremi“ begrüßte Sam ihn lächelnd. Während er
lächelte zog sich sein Narbengeflecht im Gesicht zusammen und gab ihm noch ein
seltsameres Aussehen als er sowieso schon hatte. Plötzlich stand Yeremis Vater neben Sam.
Er war aus einem der Schuppen gekommen. „Sam wird Euch ein wenig zur Hand gehen,
während ich in Sarajevo bin“ berichtete er. „Ah freut mich Sam“ sagte Yeremi. „Er kommt
heute Abend auch mit zu Kasian“ begann Yeremis Vater, „Er findet das Ganze auch seltsam
und wir GDIs haben halt doch ein gesundes Maß an Misstrauen.“ Er grinste zu Sam und
dieser lächelte ebenfalls. „Du warst in U-Haft stimmt‘s?“ fragte Yeremi. Sam nickte nur und
sagte dann: „Ja, aber sie haben dann doch gemerkt dass ich es nicht war. Jetzt gehen sie von
einem Anschlag einer Terrorgruppe aus. Irgendetwas soll im Boden gewesen sein und den
BMT von Conner umgeworfen haben. Daher interessiere ich mich so sehr für Kasian, seit
dem dein Vater mir das erzählt hat.“

Im Gespräch mit Sam verging der Nachmittag schnell. Sam und Yeremi verstanden sich
prächtig. Es gab nicht mehr viel zutun seit die Farm automatisiert worden war, aber einige
Sachen mussten Sam noch gezeigt werden. „Und was ist das, Nick?“ fragte Sam Yeremis
Vater. „Das sind die Ventile für die Bewässerung. Stellt den Druck niedriger ein falls das
Wasser knapper wird. Aber ich denke es wird Zeit. Den Rest erklärt dir Yeremi morgen. Ich
habe vorhin einen Brief bekommen. Morgen holt mich ein Jeep ab und bringt mich zum
nächsten Heliport. Sie haben es wohl eilig.“ sagte Nick.
Sie machten sich ein wenig fein und zogen einige bessere Kleider an um ordentlich
auszusehen. „Wir besuchen Kasian und wollen uns für seine großherzige Spende bedanken.
Und nach deiner Geschichte möchte ich auch einmal das Haus von innen sehen“ erklärte
Yeremis Vater was er vor hatte.

Sie fuhren gemächlich mit dem Jeep ins Tal. Inzwischen war die Dämmerung über das Tal
gekommen und die Scheinwerfer des Jeeps waren bereits eingeschaltet. Einige Dorfbewohner
winkten ihnen zu als sie durch das Dorf fuhren. Aber sie waren schnell hindurch und auf der
Straße die zu Kasians Haus führte.

Der Jeep stoppte vor dem Haus. Als die Drei vor dem Tor
standen sahen sie eine Mannschaft Gärtner in den Anlagen um das Haus herum wuseln. Es
musste ein Vermögen kosten so viele Angestellte zu beschäftigen. Einige polierten die
Statuen aus Marmor im Garten und verliehen ihnen einen hübschen Glanz in der
untergehenden Sonne, welche mit den letzten Strahlen ein rötliches Ambiente schufen. Sam
drückte auf dem Knopf und der Videobildschirm erwachte nach einigen Sekunden zum
Leben. „Ja bitte?“ hörte man die Stimme von Kasian blechern aus dem Lautsprecher quäken.
Auf dem Videobildschirm war nur eine dunkle Körpermasse zu sehen. Es schien als sei die
Kamera gerade nicht richtig ausgerichtet. „Nabend Kasian. Wir wollten dich mal besuchen
und unseren Dank für die Spende ausdrücken.“ sagte Nick in Richtung des Videobilds. „Ah Seite 20
fein., fein. Wartet einen Moment“ sagte Kasian und mit einem Surren öffnete sich das Tor.
Die beiden Flügel schwangen auf und ließen die Drei ein. Yeremis Vater voran gingen sie wie
eine Speerspitze über den Kiesweg zum Eingang.

Der Rasen war perfekt geschnitten. Die
Statuen glänzten matt, vor allem jene, die das Personal gerade geputzt hatten. Es fehlte nur
noch, dass einer der Angestellten die Blütenblätter der Rosen bügelte, dachte Yeremi
beiläufig. Aber er konnte keinen solchen Angestellten erblicken. Sie blieben bei den normalen
Tätigkeiten eines Gärtners.

Kasian stand am Eingang zwischen den zwei mächtigen Säulen die das Dach zu stützen
schienen. Aber Yeremi wusste, dass war alles nur Schmuck. Kasian trug einen schwarzen
Anzug der perfekt auf seine etwas anderen Proportionen zugeschnitten schien. „Ah
willkommen meine Freunde. Oh sogar Yeremi ist dabei. Ich soll dir schöne Grüße von Gregor
ausrichten. Er will bald vorbei kommen und dich besuchen.“ begrüßte sie Kasian. In Yeremis
Hals bildete sich ein Klos. Aber er antwortete höflich: „Ah das ist ja schön“ und lächelte
gezwungen. Kasian drehte sich zur Tür und neigte leicht den Oberkörper und winkte
einladend mit der Hand. Die Drei gingen durch die Tür in die Empfangshalle. Eine große
Statue dominierte den Raum. Sie war zentral in der Mitte aufgestellt und wurde von einer
Platte aus schwarzen Gestein getragen.

Die Figur war abstrakt dargestellt. Eine Art göttliches
Wesen. Yeremi versuchte Details zu erkennen, aber die Skulptur war so angelegt, dass man in
diesem Licht wenig erkennen konnte. Alle Drei bestaunten einige Sekunden die mächtige
Skulptur, dann brach Kasians Stimme durch die Stille, die in der Eingangshalle herrschte.
„Nun ich sammle afrikanische Skulpturen. Diese hat mich ungemein beeindruckt. Ich habe sie
schon vor unserem Umzug besessen und sie extra einfliegen lassen.“ erzählte Kasian.
„Beeindruckend,“ sagte Sam, „Ich war damals in Afrika stationiert. Aber so etwas habe ich
dort nicht gesehen. Wo genau kommt das her?“

Kasian schien die Frage nicht zu gefallen, dennoch beantwortete er die Frage: „Das weiß
keiner so genau. Aber ich habe sie aus der Nähe von Kairo. Dort soll sie lange Zeit gestanden
haben. Aber keiner wollte sagen wer oder was die Statue darstellt.“ Yeremis Vater betrachtete
immer noch die Statue und meinte dann: „Hmm irgendwie kommt der Kerl mir bekannt vor.“
Kasian lachte leise und meinte:“ Ja das Gefühl habe ich auch immer wieder. Ich vermute der
Künstler hat das Gesicht so angelegt, dass man immer glaub jemanden wieder zu erkennen.“
„Wäre möglich“ meinte Sam. „Ach aber wenn ihr schon solch ein Interesse an Kunst besitzt
zeige ich Euch jetzt etwas noch schöneres. Ihr müsst wissen, ich habe selten Besuch mit dem
ich meine Leidenschaft für die Kunst teilen kann“ hörten die Drei Kasian sagen, der schon in
eine Tür ab getaucht war. Sie folgten ihm einige Stufen nach unten. Es schien als ob dies ein
Kellergewölbe war. Alles war in mattes Licht getaucht. „Schaut Euch das an!“ rief Kasian
laut aus. „Statuen und eine Steintafel aus Kairo. Keiner konnte mir sagen was es ist. Diese
Schrift scheint niemand zu kennen.“

Mit weit geöffneten Mund starrten die Drei in das
Kellergewölbe. Überall gab es kleine Nischen die mit einer marmorn Statue bestückt war, die
dezent beleuchtet wurde. Viele zeigten die selbe Person die sie in der Eingangshalle gesehen
hatten. Aber im Mittelpunkt des Gewölbes stand eine Schrifttafel. Sie wurde von jeder Seite
durch rote Strahler erhellt. Es schien als ob nur so die Schrift auf dem schwarzen Stein
sichtbar würde. „Mein teuerstes Stück!“ rief Kasian aus und deutete begeistert auf die Tafel
aus Stein. „Es kommt aus dem Iran, Irak oder Israel. Keiner kann das genau sagen. Aber dies
ist die Schrift, die keiner kennt“ berichtete Kasian begeistert und kicherte leise. Die Drei
waren immer noch überwältigt von den Kunstschätzen die sich in ihrem Tal befanden, ohne
dass irgendjemand davon wusste.

„Ach ich denke das Essen sollte fertig sein. Wenn ihr mir bitte folgen wollt“ riss Kasian sie
aus ihrem Staunen. „Das Essen?“ fragte Yeremi überrascht. „Aber, aber Yeremi, du bist doch
schon öfters hier gewesen. Kein Gast geht hier ohne eine Kleinigkeit gegessen zu haben“
sagte Kasian mit einem breiten Lächeln.

Sie gingen wieder die Stufen in die Eingangshalle hinauf. Kasian führte sie auf die andere
Seite der Halle und öffnete eine Türe. Das edle Holz der Türe schwang zur Seite ohne ein
Knarren. Dahinter befand sich ein großer Raum mit einem langen Tisch. Der Tisch war für
vier Personen gedeckt. Kerzen brannten auf dem Tisch in silbernen Ständern. Sam schüttelte
den Kopf. Yeremi wusste was er dachte. Welch eine Verschwendung an Geld. Er war ja
schon einige Male hier gewesen, aber er hatte sich eben eingestehen müssen, dass er fast
immer durch den Seiteneingang gekommen war und noch nie das Haus ganz gesehen hatte.
Jetzt kam es ihm so vor, als ob Gregor ihn immer um all die Kunstschätze und viele Räume
herum gelotst hatte. Im Grunde kannte er vor allem das Zimmer von Gregor und sonst nur den
Eingang und die Treppe. Das brachte Yeremi weiter ins Grübeln während sie sich setzten.
Ein Butler, den Yeremi noch nie hier gesehen hatte, brachte ihnen ein delikates Abendessen.
Yeremi betrachtete den Butler etwas genauer, konnte aber an ihm nicht die Würde und
Ausstrahlung erkennen, die man aus dem Fernsehen von seinen Kollegen her kannte. Er
wirkte mehr wie ein stämmiger Ochse. Breite Schultern, Hände groß wie Teller erschien er
nicht gerade der perfekte Butler. Von seinem Anzug ganz zu schweigen. Dieser schien ihm
überhaupt nicht zu passen, aber dann lenkte Yeremi sein Interesse mehr auf das vorzügliche
Essen. Selten bekam man heut zu Tage noch ein Stück Lamm zu sehen. Ganz zu schweigen
von einem ganzen Tablett.

Alle Drei griffen mächtig zu und das schien Kasian zu gefallen, der die ganze Zeit seltsame
Witze riss und aus seinem Leben in Afrika erzählte ohne wirklich irgend etwas preis zu
geben. Jedenfalls kam das Yeremi so vor. Inzwischen erkannte er auch, dass Gregor ihm nie
etwas von Afrika erzählt hatte. Ein paar Geschichten über das Land vielleicht, aber nie etwas
genaues. „Was haben sie dort unten gemacht Kasian“ fragte Yeremi daher. Die schien Kasian
etwas aus der Fassung zu bringen. Er hörte einen Moment auf zu kauen bevor er den ganzen
Brocken mit sichtlicher Mühe herunter schluckte. „Ach ich war Händler in Kairo und den
umliegenden Gebieten. Ich habe mit Rohstoffen gehandelt“ begann Kasian dann. „Auch mit
Tiberium?“ hakte Sam nach. „Ja gewiss, als es noch selten war, rissen sich ja alle darum. Es
war so wertvoll wie eine Erdölquelle wenn man ein Feld entdeckt hatte“ sagte Kasian. „Und
dann kam NOD und sie mussten fliehen“ stellte Yeremis Vater fest. „Ja so in der Art war es.
Nicht sofort, aber als es in Kairo so schlimm wurde, da ging ich nach Europa. Wir waren
zuerst in Jugoslawien, aber dort war es auch nicht besser. Dann hat mir ein Freund von dieser
Region erzählt. Ich konnte nicht widerstehen“ erzählte Kasian. „Und ihre Frau?“ fragte Sam,
„ich habe sie noch nie gesehen. Aber im Dorf sagt man sie wären verheiratet.“ Kasian schaute
finster ins Leere und antwortete dann. „Sie wurde in Kairo getötet. Die GDI versuchte mit
ihren Orcas eine vermeintliche Stellung von NOD in einem Vorort auszuräuchern. Wir waren
dort….“ Kasians Stimme stockte. „Das tut mir leid“ sagte Sam.

Yeremis Vater schaute auf und sagte. „Ich denke es ist Zeit zu gehen. Ich danke ihnen für die
Gastfreundschaft, aber meine Frau wird uns sicher schon vermissen.“ „Aber natürlich, wir
wollen die Gute doch nicht in Sorge lassen“ antwortete Kasian wieder in seinem gewohnt
überzogen höflichen Tonfall. Er zerknüllte bedächtig seine Serviette und stand dann auf. Er
führte seine Gäste zum Eingang zurück und öffnete die Tür. „Ich hoffe wir sehen uns einmal
wieder“ sagte er lächelnd und verneigte sich leicht. „Warum nicht“ sagte Sam, „wenn Gregor
wieder zurück ist, wird er sicherlich wollen das Yeremi ihn besucht. Das wäre doch eine gute
Gelegenheit.“

„Ah ja sicher, sicher. Ich werde es ihm sagen“ sagte Kasian. Sie bedankten sich nochmals und
gingen dann auf das Tor zu, dass sich schon vor ihnen öffnete.
Es war ein eindrucksvoller Abend gewesen und alle Drei hingen ihren Gedanken nach. So
fuhren sie schweigend zurück zur Farm. Sam bekam das Gästebett zugewiesen. Yeremis
Mutter führte im Haus ein eisernes Regime wie Yeremi immer sagte und so war alles schon
vorbereitet als sie ankamen. Keiner hatte das verlangen sich groß über das Erlebte zu
unterhalten und so ging alles ins Bett. Seite 22

6
Yeremi erwachte früh am Morgen. Ein Wagen war draußen vorgefahren. Yeremi verfluchte
sein offenes Fenster. Er hörte noch wie sein Vater mit jemandem redete. Jemand begrüßte ihn
mit seinem Vornamen. „Morgen Nick. Als ich hörte, da du wieder im Dienst bist, musste ich
dich einfach abholen.“ Sein Vater antwortete: „Ich wollte schon immer mal von einem so
ranghohen Soldaten gefahren werden.“ Beide lachten und man hörte die Türen zuschlagen,
dann fuhr der Wagen ab. Also war sein Vater nun auf dem Weg nach Sarajevo. Er würde noch
einmal den Tempel von NOD sehen. Und zwar aus der Nähe. Mit diesen Gedanken drehte
sich Yeremi wieder um und schlief noch einmal ein.

Nick stand nach einer Stunden Fahrt auf dem Militärflughafen und sah den Orca landen, der
ihn nach Sarajevo bringen sollte. Er grinste begeistert. Er war lange nicht dabei gewesen und
so gab es jetzt viel zu lernen für ihn. Es war auf jeden Fall eine große Abwechslung zum
Leben auf der Farm. Es kam ihm wie ein kleiner Urlaub vor. Sein alter Kamerad, der ihn
abgeholt hatte, war wieder verschwunden. Er hatte noch anderes zutun. Irgend eine
Terrorgruppe. Vielleicht eine Splittergruppe der alten NOD Organisation. Die Terrorgruppe
machte die Region Deutschland Mitte unsicher. Auch der Unfall im Tal soll so ein Anschlag
gewesen sein.

Der Wind wurde stärker und wehte Nick ins Gesicht. Aber er genoss das. Zu lange war es her,
gestand er sich ein. Irgendwie hatte er ein wenig Angst davor mit diesen Orcas zu fliegen. Er
kannte noch die Geschwindigkeit der alten Orca-Jäger, aber diese Dinger waren neue Serien
und um einiges schneller. Einer der Piloten kam geduckt auf ihn zu und salutierte. „Sir? Privat
Tsung. Sie haben einen Trip nach Sarajevo gebucht?“ „So könnte man es sagen“ antwortete
Nick und versuchte den Lärm des Orcas zu übertönen. „Na dann rein mit ihnen. Wir starten
sofort wieder“ sagte Tsung und nahm die Tasche von Nick. Sie liefen geduckt auf den Orca
zu um dem enormen Luftzug wieder stehen zu können und stiegen ein.

Als sich der Orca hob, hatte Nick ein komisches Gefühl im Magen. Ob es am Abheben des
Helikopters lag oder daran, dass er bald den Tempel von NOD wieder sehen würde, wusste er
nicht. Er schaute aus dem Fenster und nach einiger Zeit sah er unter sich ein Tal, dass so
aussah wie ihr Tal. Aber es war vollkommen von Tiberium überwuchert und einige
Erntemaschinen einer GDI Raffinerie pflügten durch das Tal. In der Mittagssonne leuchtete
das Tal in einem grünem Licht, das von einer anderen Welt zu stammen schien. Nick
schüttelte den Kopf und kratzte sich unbewusst an seiner Hand, an der er einige Narben von
Tiberium davon getragen hatte.

Sie waren schon lange verheilt, aber immer noch waren die
Erinnerungen frisch und während der Orca mit hämmerten Motoren seinem Ziel entgegen
flog, verlor sich Nick in seinen Gedanken. Er war wieder im Jahre 1995. Das hämmern des
Orcas wurde zum Hämmern eines Maschinengewehrs in seiner Hand. Er stand in mitten eines
Tiberiumfeldes und mit ihm seine Kameraden. Sie waren in einen Hinterhalt geraten. Von den
Hügeln rechts schoss ein Geschütz auf sie. Eindeutig ein Panzerabwehrgeschützt. Ihr Glück.
Eine Artillerie hätte sie schon längst erledigt. Zur Linken gab es nur eine hohe Steilklippe.
Vor ihnen endete das Feld. Aber kurz hinter dem Feld lagen Schützengräben. Diese waren mit
NOD Soldaten nur so vollgestopft. Von dort wurden ihnen andauernd Liebesgrüße in Form
von Blei und Feuer geschickt.

Als ob es nicht genug war, dass die Schweinehunde dort ein
Stand-MG hatten, nein sie hatten auch noch einen Flammenwerfer. Beides setzten sie äußerst
geschickt ein. Sie hatten sich mitten im Feld hinwerfen müssen. Zum Glück hatte er Mann
hinter dem Flammenwerfer zu hoch gezielt und so gingen die Flammen über sie hinweg und
versenkten ihnen nur die Uniform. Abermals mussten sie sich hinwerfen. Nick spürte wie sich
das Tiberium durch seine Handschuhe fraß und seine Haut angriff. Er fluchte laut und suchte Seite 23
nach einem Ausweg. Das Geschütz auf dem Hügel hatte auf gehört zu schießen. Sie mussten
wohl nach laden.

Er hob die Hand und gab seinen Leuten den Befehl den Hügel zu stürmen. Das würde Blutig
werden, dass wusste Nick, aber besser als hier im Feld langsam vergiftet zu werden. Wie auf
Kommando kam in diesem Augenblick wieder ein Flammenstoß von den Gräben herüber und
einer von Nicks Männern sprang schreiend auf. Er brannte lichter loh. Nick schaute weg und
hörte nur das Stand-MG hämmern. Er wusste worauf die Noddies gezielt hatte. Sofort
nachdem das MG aufgehört hatte zu schießen, stand er auf und rief seinen Leuten zu, sie
sollten ihm folgen. Sie stürmten den Hügel. Die Mannschaft des Geschütztes war nicht allein.
Dort oben gab es auch Gräben, aber diese waren schwächer besetzt. Nick riss eine
Handgranate von seinem Gürtel und war diese in ein Schützenloch, dass von Sandsäcken
umgeben war. Die Antwort war ein lautes Krachen und ein schreiender Soldat, der soeben
mehr als nur ein Körperteil verloren hatte.

Einer von Nicks Jungs sprang in das Loch und beendete das schreien des Mannes. Das
Krachen der Handgranate hatte die restlichen Noddis auf Nick fixiert. Ihm schlugen einige
Salven eines Sturmgewehrs um die Ohren, so dass er sich in den Matsch werfen musste.
Irgendwo rechts von ihm hörte er einen seiner Leute aufschreien. Es lief nicht gut, aber das
Krachen und die kurzen Detonationen danach machten Nick Hoffnung. Das Geschütz hatte
seinen Grenadieren keinen Widerstand leisten können. Blieb noch der Graben vor ihnen. Dort
hatten sich drei Mann mit Sturmgewehren festgesetzt. Aber sie hatten keine Granaten wie es
schien.

Nick griff an seinen Gürtel und warf abermals eine Handgranate. Eine Detonation und eine
spritzende Fontäne Dreck aus dem Graben bestätigten Nicks Treffsicherheit. Eines der
Sturmgewehre war verstummt. Auch die anderen Gewehre verstummten und plötzlich zerrte
etwas an Nick.

Er schreckte hoch und bemerkte, dass er geschlafen hatte. Er war wieder im Orca und dieser
war bereits gelandet. „Guten Morgen, Sir“ sagte der andere Pilot grinsend. Er hatte Nick ein
wenig geschüttelt um ihn zu wecken. „Willkommen in Sarajevo.“

7
Yeremi drehte sich gerade zum dritten Mal im Bett um, als er plötzlich aus dem Bett rutschte
und auf den Boden krachte. Mit einem lauten Schrei öffnete er die Augen und starrte in das
breit grinsende Gesicht von Sam. „Raus aus dem Federn. Was glaubst du wo du bist? Im
Urlaub?“
Yeremi hatte plötzlich die Befürchtung, dass Sam noch schlimmer sei als sein Vater. Wo war
das angenehme Klappern im Schuppen? Leise fluchend stand Yeremi auf und ging ins Bad.
Sam hörte gerade Yeremis Mutter zu, die gerade ihren Standpunkt in Bezug auf das Wecken
klar zu stellen versuchte. Yeremi war bereits wach ohne das kalte Wasser, dass er sonst immer
brauchte, aber die war nicht gerade ein Vorteil wie er fand. Sein Hinterteil stimmte dem zu
während es im Einklang mit seinem Rückgrad gegen solche Weckaktionen wild protestierte.
Als er sich dann mit einem Stöhnen an den Frühstückstisch setzte, war die Diskussion beendet
und Yeremi konnte nur hoffen in Zukunft sanfter geweckt zu werden. Aber nun begann Sam
ein Gespräch über Kasians Haus und all die Kunstgegenstände im Keller. Yeremis Mutter
hörte dem nur gerne zu. Das war ihr Futter für den Markt. Man konnte nicht ohne Neuigkeit
zum Markt gehen. Jedenfalls erschien das Yeremi manchmal so.
Sam hatte eine Menge Arbeit gefunden, dafür das die Farm automatisiert worden war. Das
gefiel Yeremi nicht gerade. Aber immerhin konnte er so ein wenig mehr über Sam erfahren.
Gleich nach dem Frühstück brachen sie zu einer Kontrollfahrt der äußeren Kollektoren auf.
Während der Fahrt bot sich die beste Gelegenheit Sam ein wenig auszufragen. Seite 24
„Du warst auch im Krieg oder?“ begann Yeremi. „Natürlich, ich denke das weiß das ganze
Dorf.“ antwortete Sam. „Woher hast du all diese Narben?“ bohrte Yeremi ein wenig. Sam
schwieg einige Zeit und Yeremi dachte schon, er wäre zu weit gegangen, als Sam antwortete.
„Wir waren ein Aufklärungsteam. Der Krieg stand kurz vor seinem Ausbruch und in New
York gingen gerade ein paar wichtige Gebäude in die Luft. Unser Auftrag war es ein Gebiet
in Nord-Israel zu erkunden. Es wurde behauptet dort wäre ein Trainingslager der
Terrorgruppe NOD.“ Sam schwieg einige Zeit und sie kamen am ersten Kollektor an, als sie
ausgestiegen waren, setzte Sam seine Geschichte fort. „Wir starteten von einem
Flugzeugträger im Mittelmeer. Es war kein offizieller Einsatz. Die GDI führte keine Einsätze
gegen irgendwelche Terroristen. Das kam erst einen Monat später. Wir sollten aber versuchen
zu erkunden was dort ablief. Das Gebiet erkunden hieß im Klartext: Truppenstärke erkunden,
wichtige Gebäude ausfindig machen und vermutliche Anführer bei Entdeckung eliminieren.“
Sam ächzte als er einen Metallfuß des Kollektors etwas besser ausrichtete, dann fuhr er fort.
„Wir sprangen aus einem Helikopter ab. Das heißt keine Fallschirme, sondern an einem Seil
ablassen und die letzten Meter springen. Da war kein Problem für uns, wir waren die Besten
und wir wussten, dass wir einen Krieg vorbereiteten. Solche Aufklärungen bedeuteten immer
einen Militärschlag.“ Sam wischte sich die öligen Hände an einem Lappen ab und schaute ins
Tal bevor er sich in Gras setzte und fortfuhr. „Wir hätten das Lager fast übersehen. Es war in
einem kleinem Bergtal in den Golanhöhen versteckt. Wir waren schon eine Woche unterwegs
gewesen und hatten nur kleine Bergdörfer entdeckt. Aber dieses Tal war anders. Zuerst sahen
wir gar nichts. Wir wollten gerade weiter gehen, da leuchtete kurz ein rotes Licht in der
Dunkelheit auf. Wir bezogen Position um nach zu sehen was dort unten vor sich ging. Noch
in der Nacht fanden wir eine Art Höhle, in die wir uns verkriechen konnten. Es war der ideale
Aussichtspunkt und gut getarnt durch einige Büsche.“ Während Sam so erzählte verging die
Zeit. Er war so in seiner Erzählung vertieft, dass er scheinbar die Zeit vergaß und die Arbeit
noch dazu, was Yeremi besonders gefiel. „Am nächsten Morgen sahen wir dann, was sich
dort unten befand. Eine kleine Zeltstadt. Getarnt bis auf das Letzte. Eine Luftaufklärung hätte
das Lager glatt übersehen. Flache Gebäude wurden errichtet und auf einer Flagge in der Mitte
des Tales sah man das Emblem von Nod. Den Skorpion.

Natürlich war auch die Flagge getarnt, aber bei Tage konnte man sie erkennen, wenn man wusste wo nach man suchte. Wir
sondierten das Gelände und entdeckten ein kleines Tiberiumfeld am Nordhang. Die Gebäude
die gerade angelegt wurden schienen Kasernen zu sein. Auch eine Werkstatt wurde errichtet.
Wir gaben unserer Bericht per Funk an die Zentrale ab. Dann hieß es warten. Drei Tage lang
hörten wir nichts von ihnen, dann flog ein Aufklärer über das Tal. Unten im Tal schien das
keinen zu stören, sie wussten, dass sie niemand sehen konnte. Dann kam der Befehl das Lager
mit C4 zu zerstören.“ Sam schnaufte und stand auf. Er setzte sich in den Jeep und winkte
Yeremi heran. „Es warten noch ein paar Kollektoren.“ Yeremi nickte nur und setzte sich
ebenfalls in den Jeep. Während der Fahrt erzählte Sam weiter: „Wir schlichen uns in der
nächsten Nacht in das Lager hinein. Die Wachen waren kein Problem. Sie waren nicht
aufmerksam. Überall legten wir unsere C4-Zeitbomben und nach einigen Minuten waren wir
fertig. Wir waren schon auf dem Rückzug als uns jemand sah. Dann brach die Hölle los. Ein
Kampfbuggy stand oben über dem Tal. Genau dort wollten wir uns zurück ziehen. Der
Kampfbuggy war uns vorher nicht aufgefallen. Nun mussten wir uns durch das Lager
kämpfen. Wir konnten also unsere Ladungen nicht zünden.

Dort sahen wir ihn zum ersten Mal. Einen Kämpfer, ganz in Schwarz. Er erledigte in der ersten Sekunde, da er hinter uns aus
einem Zelt trat, gleich einen von uns. Wir waren wie gelähmt. Er bewegte sich geschmeidig
und schnell. Er war ein Killer.“ Sam stoppte vor dem nächsten Kollektor und warf aus dem
Jeep ein Auge auf ihn. Aber er schien perfekt zu laufen, also blieb er sitzen und fuhr fort.
„Später nannte man ihn den Skorpion. Aber in diesem Moment hatte er keinen Namen. Er war
einfach der schnelle Tod. Wir rannten um unser Leben. Zwei von uns erledigte der Skorpion
im Lager. Dann kamen wir in das Tiberiumfeld. Wir wurden von MG Salven gezwungen uns Seite 25
zu ducken. Mitten in den Feld hinein. Dann versuchten wir aus dem Tal aus zu brechen. Ein
paar Nod Soldaten hatten Raketenwerfer und schickten uns nun davon eine Ladung rüber.
Mich schleuderte eine Explosion zurück ins Feld. Aber das war mein Glück, auch wenn ich
diese Narben vom Tiberium erhielt. Sie zweite Rakete schlug oben bei meinem Trupp ein und
erledigte bis auf Zwei alle. Wir drei schafften es raus zu kommen und uns zurück zum
Treffpunkt zu schlagen. Ich hatte so starke Verbrennungen, dass ich nicht mehr gehen konnte.
Meine Kameraden haben mich mitgeschleppt.“ beendete Sam die lange Erzählung um dann
nochmals an zu setzen. Er lachte und meinte: „Ich glaube soo genau wolltest du es gar nicht
wissen was?“ Yeremi grinste darauf nur, sagte aber nichts.

Während sie so weiter fuhren, lenke Sam das Gespräch auf den vergangenen Abend. „Kasian
hatte eine Menge seltsamer Dinge in seinem Haus. Aber er war so verdammt Gastfreundlich,
dass es schon weh tat.“ „Ja das stimmt“ antwortete Yeremi. „Ich denke wir hätten ihn ein
wenig mehr ausquetschen müssen.“ „Er ist geschickt ausgewichen“ meinte Sam. „Aber das er
in Kairo gelebt hat, wusste ich nicht. Dort war ich auch einige Zeit. Bevor NOD kam.“
Yeremi bereitete sich innerlich schon auf eine weitere Geschichte vor, aber sie kam nicht. Zu
gern hätte Yeremi etwas über die Schlacht um Kairo erfahren. Doch nur der Motor des Jeeps
gab seinen monotones Tuckern von sich. Sam blieb still. So verging der restliche Tag recht
schnell und es wurde schnell Nacht.

In Sarajevo wurde Nick erst einmal in ein Hotel gebracht. Es war nett und komfortabel. Nick
hatte nicht mit soviel Luxus gerechnet. Aber es hatte den Anschein, dass sich die GDI das
Hotel vollkommen gemietet hatte um seine Ausgrabungsteams ein gute Quartier zu bieten.
Nick konnte dies nur begrüßen.

Auf allen Gängen standen GDI Wachen. Hohe Tiere waren im Haus, dessen war sich Nick
sicher. Überall wurde er schief angesehen. Er hatte keine richtige Uniform, nur eine alte
ausrangierte Uniform aus seiner Zeit und diese war nicht gerade sehr aktuell geschnitten. Nick
hoffte nur, dass man ihn nicht für einen selten dummen Attentäter hielt, der eine zu alten
Uniform als Tarnung benutzte.

Es war inzwischen Abend und kein Konvoi fuhr an diesem Tag noch zur Ausgrabungsstätte,
also machte es sich Nick bequem und schaltete den Fernseher ein. Nicht das er verstand was
dort geredet wurde, aber er konnte zumindest gut dabei einschlafen.

8
Diesen Morgen wurde Yeremi weitaus freundlicher geweckt. Nur den lauten Brüller, den Sam
ihm ins Ohr geschrieen hatte, nahm er ihm ein wenig übel. Seine Mutter hatte händeringend
versucht Sam zu erklären, dass er nicht hier sei um ihren Sohn zu einem Soldaten zu machen.
Aber in dieser Beziehung waren sich Sam und Yeremis Vater zu ähnlich. Nach dem sich
Yeremi von diesem morgendlichen Weck-Schock erholt hatte, hatte Sam schon eine Menge
Arbeit gefunden. Yeremi fand das inzwischen erstaunlich. Im Grunde gab es nichts, was zur
Zeit an der Farm gemacht werden musste. Damit waren sie gestern schon fertig geworden. Sie
fuhren zum Dorf um dort einige Ersatzteile zu kaufen. Als sie über den Dorfplatz fahren
wollten, mussten sie stoppen. Ein GDI BMT stand dort mitten auf dem Dorfplatz. Eine
Menschenmenge drängte sich vor dem BMT. Irgend etwas war offensichtlich im Gange.
Kroll, der Bürgermeister versuchte die Menschenmasse zu beruhigen. Er begann zu reden als
Sam und Yeremi ausstiegen und sich dem ganzen Rummel näherten. „… ich sagte schon. Die
GDI hat es bei einem Aufklärungsflug entdeckt. Wir sind in einer sehr ernsten Lage…“ hörten
sie Kroll reden. Sam fragte einen der Leute die dabei standen worum es ginge. Der schaute
traurig zu Sam. „Blaues Tiberium wurde im Tal gefunden!“

Yeremi war wie erstarrt als er dies mitbekam. Es war schon schlimm genug gewesen, als sie
das grüne Tiberium gefunden hatten. Aber nun auch noch Blaues? Keiner hatte das Geld sich
die Eindämmung nochmals zu leisten. Höchstens Kasian, aber der war nicht anwesend. Kroll
setzte eine Bürgerversammlung am Abend im Wirtshaus an und es kamen tatsächlich alle.
Nun fast alle. Der alte Reuters konnte immer noch nicht gehen nach all seinen Verletzungen
die er im Sturm erlitten hatte und Kasian war nicht anwesend.

Das machte alle noch unruhiger. Für viele stand fest, dass er die letzte Hoffnung für sie war. Doch keine wusste wo
er war. Zu Hause meldete sich keiner. Kroll war extra zu ihm gefahren, aber dort hatte keiner
geöffnet. So begann die Versammlung also fast mit allen Bewohnern des Tales. Yeremi hörte
gar nicht richtig zu. Erst als es direkt um das Tiberium ging hörte er genauer hin. „…. Es ist an
einem extrem steilen Berghang. Im Grunde kann dort kein Fahrzeug hin. Ich habe versucht
mit einem GDI Soldaten dort hin zu gelangen. Wir kamen nicht ganz heran, aber ich sage
Euch, dass will man auch nicht. Das Feld ist noch recht frisch, aber man kann zusehen wie es
wächst. Der Soldat meinte es wäre erst einige Tage alt“ berichtete Kroll. „Aber warum wächst
es denn so schnell?“ fragte einer der Dorfbewohner. „Das liegt an diesem Kristall. Ja ein
Tiberium Kristall. Ein verdammt Großer. Er scheint wie eine besondere Wurzel zu fungieren.
Das Ding ist so etwa eine Meter hoch und einen halben Meter breit. Dieses Teufelsding lässt
das Tiberium so schnell wuchern“ antwortete Kroll. „Dann haben wir also keine Chance
oder?“ fragte ein anderer Bewohner. „Ich denke wir sollten das Angebot der GDI annehmen.
Sie evakuieren die Leute nach Norden, die ihnen ihr Land überlassen. Sie wollen sehen wie
sich das blaue Tiberium ausbreitet. Dagegen tun kann man nichts, aber sie wollen wissen wie
der blaue Kristall funktioniert. Ihre Wissenschaftler sind schon auf dem Weg.“ Nun brach ein
großer Tumult aus, den selbst Kroll nicht beenden konnte. Fürsprecher für die Evakuierung
gegen Heimatverbundene. Dies zog sich den Rest des Abends hin, aber nur wenige
entschieden sich endgültig. Ein kleiner Konvoi brachte drei Familien die nahe dem neuen
Feld wohnten zum Flughafen. Sie hatten sich entschieden zu gehen und in die Städte im
hohen Norden zu ziehen.

Es war ein grauer Morgen. Das Wetter war Nick nicht freundlich gesonnen. Ein Nieselregen
ging nieder als er von einem Leutnant Kricov abgeholt wurde. Kricov führte ihn zu einem
anderen Aufzug der direkt in das Parkhaus unter dem Hotel führte. Dort unten stand der
obligatorische Wüstenjäger zur Abfahrt bereit. Die GDI produzierte diesen Typ Jeeps im
Grunde schon lange nicht mehr, aber seit den Tagen des Tiberiumkrieges waren die Jeeps die
erste Wahl geblieben um höher gestellte Offiziere von einem Ort zum anderen zu bringen.
Vor allem die robuste Bauweise des Wüstenjägers 4WD hatte ihm seinen guten Ruf
eingebracht. Angeblich fuhr der Wüstenjäger selbst dann noch wenn er im Grunde schon reif
für den Schrott war.

Der Leutnant lenkte den Jeep durch die Straßen von Sarajevo und versuchte durch den
morgendlichen Stau zu gelangen. Nick schaute sich um und erkannte das eine oder andere
Gebäude wieder. Sarajevo hatte sich natürlich inzwischen total verändert. Die Spuren des
Krieges waren längst getilgt worden, obwohl nach dem Ende des Krieges, Sarajevo eine
einzige Trümmerstadt war. Als Nick so seinen Gedanken nach hing, gelangten sie auf eine
Ausfallstraße. Schon bald nach dem sie eine Abfahrt genommen hatten, kamen sie an ein
Wachhäuschen. Zwei Panzer flankierten die Durchfahrt mit seinem rot-weißen Schlagbaum.
Als sich der Jeep näherte trat ein Wachmann vor den Schlagbaum.

Er hatte eine Maschinenpistole in der einen Hand und hob die andere um den Jeep zu stoppen. Angesichts
dieser Bewachung war sich Nick sicher, dass Leutnant Kricov anhalten würde. Es war also
immer noch alles ein Sperrgebiet. Das Areal um den Tempel von NOD schien besser bewacht
als das UN-Hauptgebäude. In gewisser Weise hatte Nick erwartet, dass irgendwann eine
Firma einen Park oder ein Museum daraus machen würde. Aber es schien, als ob die GDI
nach all den Jahren immer noch Interesse an den Ruinen hatte. Als Nick das letzte Mal an Seite 27
dem Tempel vorbei gefahren war, da hatte er noch vom Einschlag des Ionenwerfers gedampft.
Die Raketen hatten ihr übriges getan, doch nun sah er ihn wieder und er war gespannt, ob er
in die Ruinen hinein durfte.

Kricov hielt dem Wachmann einen Ausweis hin. Der Wachmann nickte und drückte einen
Knopf. Der altmodische Schlagbaum hob sich und sie konnten passieren. Sie mussten noch
einige Kilometer fahren, bevor sie überhaupt etwas erkennen konnten. In der Ferne ragten
zwei Kräne in den Himmel. Als sie näher kamen, sah man, dass vom Tempel wenig übrig
geblieben war. Zumindest oberirdisch. Das Hauptschiff und der Turm des Tempels waren nur
noch Gerippe aus Stahlträgern. Sie flachen Seitenschiffe und die Stahlbögen, die das Gebäude
malerisch zur Seite abstützen, schienen komplett in Takt zu sein. Die Kräne waren so postiert,
dass sie Stahlträger und Schuttmassen aus dem Hauptschiff heraus ziehen konnten. Aber Nick
konnte nichts genaues erkennen.

Der Leutnant stoppte den Wagen vor einem Fertighaus. Eindeutig ein Plattenbau. Einige
Leute traten heraus. Sie waren in weiße Kittel gekleidet und waren wohl Wissenschaftler oder
so etwas in die Richtung. Nick murmelte: „Oh toll. Die Weißkittel sind bestimmt meine neuen
Kollegen.“ Das Grinsen von Kricov bestätigte ihm das.

„Sie sind also Commander Nick Cavallo. Freut mich sie kennen zu lernen“ begrüßte einer der
Weißkittel ihn. „Mein Name ist Grehn, Hans Grehn. Ich leite das Projekt hier“ stellte er sich
vor. „Meine beiden Kollegen hier werden sie in ihre Aufgaben einweisen. Tut mir leid, aber
ich muss gleich wieder weg. Wir haben ein Problem mit einigen mutierten Tieren in der
Sperrzone.“ Mit diesen Worten lief er zum Jeep und lies sich von Kricov weg fahren. Nick
richtete seine Blicke auf seine neuen Kollegen. Beide waren groß und hager. Man konnte sie
kaum unterscheiden, als wären sie Brüder.

Nick hoffte, dass dies keine Auswirkung der Arbeit hier war und grinste die Beiden an. Der Eine hieß Lazaridis. Einen Vornamen schien er
nicht zu besitzen. Zumindest wurde er von seinem Kollegen nur Lazaridis genannt. Der
Andere hieß Joseph Carter. Er war etwas freundlicher als Lazaridis, der kaum ein Wort mit
Nick gewechselt hatte und gleich wieder an die Arbeit gegangen war.

Carter war es dann auch, der Nick ein wenig durch die Anlage führte. „.. und dort sehen sie
die Büros. Wir haben sie mit aller Technik ausgestattet, die nötig ist um den Tempel zu
analysieren. Wir gehen da mal hin, dort liegen die Fragmente des Mosaiks, bei dem sie uns
helfen sollen. Ich bin wirklich froh, dass wir sie ausfindig machen konnte. Es hat Monate
gedauert sie zu finden.“

Nick schwieg und folgte dem Wissenschaftler. Er hatte gehofft in den Tempel zu dürfen. Im
Grunde hatte er sich das verdient, aber nun würde er in ein Büro gehen. Wirklich interessant.
Mit diesen Gedanken betrat er den Plattenbau und folgte Carter. Der Wissenschaftler bog in
einen langen Gang ein, der in hübschen Grau gehalten war. An einer Stahltür blieb er stehen
und schaute in einen Sensor in Augenhöhe. Wahrscheinlich ein Irisscanner. Irgendwo in der
Tür hörte man ein Klicken und dann einen Ton der eine Bestätigung zu sein schien. Die Tür
öffnete sich mit einem Zischen, nur um den Blick auf eine weitere freizugeben. Doch
zwischen den beiden Türen befand sich ein kleiner Raum. Durch die Glasscheiben die den
Raum einrahmten konnte man ein Labor erkennen. Die Lampen im Labor leuchteten nur matt.
Gerätschaften standen auf vielen Tischen verteilt. Ein waschechtes Labor eben.

Die innere Tür öffnete sich nicht sofort. „Eine reine Sicherheitsmaßnahme“ sagte Carter. „Sie
werden gescannt um sicher zu gehen, dass sie keine lebende Bombe sind. Wir wollen doch
nicht unsere wertvollen Ausgrabungsstücke an einen Terroristen verlieren“ erklärte er mit
einem breiten Grinsen. Nick fühlte sich unwohl, bei dem Gedanken durchleuchtet zu werden.
Plötzlich ertönte eine weibliche Stimme: „Scann beendet. Kein Gefahrenpotenzial.“ Nick
vermutete dass es sich hierbei um ein Modul des Gefechtscomputers EVA handelte. Nun
öffnete sich die Tür und durch das Zischen hob im Inneren jemand den Kopf hinter einer der
Gerätschaften. Es war Lazaridis, der dort werkelte. „Ah schön. Sie kommen gerade recht. Seite 28
Schauen sie, ich habe zwei der Splitter des Mosaiks zusammen setzen könne. Aber es fehlen
uns eben jegliche Bilder des Originals.“

Nick grinste und hob den Finger zum Kopf. „Das Original ist hier drin!“
Yeremi und Sam waren zur Farm zurück gekehrt. Es war Zeit zum Abendessen, aber keinem
war im Grunde danach etwas zu essen. Noch zwei Familien aus dem Dorf hatten sich zur
Evakuierung gemeldet. Yeremis Mutter hatte sich geweigert zu gehen. Sie wollte zuerst mit
ihrem Mann darüber reden, aber ein großer Ionensturm fegte gerade über einige
Kommunikationszentralen und legten so große Teile des GDI Nachrichtennetzes lahm. Sie
konnte ihn nicht erreichen, auf keinem Kanal.

Es war eine gespannte Stimmung im Haus. Keiner konnte schlafen. Selbst Sam war unruhig.
Das wurde nur noch schlimmer als gegen Mitternacht ein lautes Jaulen durch das Tal ging.
Gefolgt vom Röhren einiger Hirsche. Aber das hörte sich nicht nach der Brunftzeit an, für die
es eh noch viel zu früh war. Sam ging nach draußen, konnte aber nicht erfahren woher es
kam. Erst am nächsten Morgen erfuhren sie im Dorf was geschehen war. Eine kleine Herde
Rehe aus dem Wald war offensichtlich von einem GDI Fahrzeug aufgeschreckt worden und in
das Feld gelaufen. Das Tiberium hatte sie sofort vergiftet und sie starben noch im Feld. Sie
hatten nicht die Möglichkeit zu flüchten oder aus dem Feld zu kommen. Schlimmer noch als
das, war aber das Gerücht, dass nicht alle Rehe im Tiberium gestorben seien.

Einige sollen sich verändert haben. Einer der Dorfbewohner wollte gesehen haben, wie zwei Rehe zu einem
Klumpen Fleisch schmolzen und weiter lebten. Einer der GDI Soldaten gab eine Meldung bei
Kroll ab. Die GDI hatte einen Kommandostand auf dem Dorfplatz eingerichtet. Inzwischen
waren zwei BMTs mit Soldaten eingetroffen. Ein Helikopter evakuierte die beiden Familien
die sich gestern gemeldet hatten. So einen Trubel hatte das Dorf noch nie gesehen, dachte
Yeremi. Man konnte kaum glauben, dass das gesamte Tal vor seinem Untergang stand.
Nick, Carter und Lazaridis hatten die ganze Nacht gearbeitet. Mit der Hilfe von Nick hatten
sie das Mosaik fast zur Hälfte rekonstruieren können. Nun hatten sie sich in eine Ecke zurück
gezogen. Dort waren vier Feldbetten aufgestellt. Es war erstaunlich für Nick. Hier ging es
genau so spartanisch zu wie in einem Feldlager. Dabei umgab ihn Technik im Wert von
Millionen Credits.

Sie schliefen nur ein paar Stunden, bevor sie geweckt wurden. Das laute Zischen der Türe lies
sie erwachen. Zwei Soldaten trugen eine schwere Kiste in den Raum. Sie ächzten laut als sie
die Kiste auf den Boden nieder ließen. Dann kam Grehn durch die Tür und ging auf die drei
müden Gestalten auf ihren Feldbetten zu. „Nun? Haben sie etwas?“ fragte er in die Runde.
„Uhg“ brachte Carter nur heraus. Grehn richtete seinen Blick auf Nick doch der rieb sich nur
die Augen, also blickte Grehn zu dem letzten der Drei um doch noch eine Antwort zu
erhalten. Lazaridis schien plötzlich hellwach und begann sofort mit einem kleinen Bericht.
„Es ist erstaunlich. Commander Cavallo erinnert sich noch an viele Details. Wir haben einen
großen Teil der Tafel zusammen setzen könne. Schauen sie hier…“ berichtete er und sprang
vollends auf um zu einem Tisch zu laufen. Dort zog er ein Tuch von einem Kasten und
deutete darauf. „.. es fehlen auf einer Seite nur noch einige Fragmente. Leider wurden auch
einige Teile des Mosaiks von Splittern zerstört.“ „Oh ich sehe, sie haben große Fortschritte
gemacht. Das ist wirklich ein Erfolg. Aber das ist auch gut so. Wir haben etwas neues für sie.“
sagte Grehn. Nun waren alle auf den Beinen und starrten auf die Kiste. „Was ist da drin“
fragte Carter. „Gestern hat ein Team versucht tiefer in einen der Tunnel vor zu dringen, der
neben dem Eingang liegt. Dabei stießen sie auf eine Steintafel.“ Die beiden Soldaten begann
die Kiste zu öffnen und einiges an Verpackungsmaterial zu entfernen. Es kam eine schwarze
Steintafel zum Vorschein. „Und?“ fragte Lazaridis. „Ja ich weiß was sie sagen wollen. Es
sieht aus wie eine einfache Platte aus Marmor.“ antwortete Grehn. „Aber schauen sie es sich
an, wenn sie es schräg ins Licht halten“ sagte er und schaltete eine Tischlampe ein. Matt Seite 29
erschienen einige Symbole auf der Tafel. „Unglaublich“ keuchte Carter. Auch den anderen
Anwesenden stand der Mund offen. Nur Nick runzelte die Stirn und murmelte „Das kenn‘ ich
doch.“

Alle Blicke richteten sich auf ihn und Nick schaute verlegen in die Runde. „Wie meinen sie
das?“ stieß Grehn hervor. „Nun erst einmal sollten sie die Tafel unter rotes Licht legen. Sie
werden überrascht sein“ begann Nick. Die Soldaten hoben die Platte auf einen anderen Tisch
und Carter schaltete eine andere Lampe an.. Plötzlich leuchtete die Tafel nicht mehr matt. Die
Symbole leuchteten auf dem schwarzen Grund in einem blutigen Rot. „Unfassbar“ keuchte
Grehn und sah Nick an. „Also, was wissen sie noch?“

„Ich habe die selben Schriftzeichen in einem Haus in meinem Dorf gesehen. Ein
Kunstliebhaber hatte dort so eine Steintafel“ berichtete Nick knapp. Carter schaute verstört
und auch die anderen Wissenschaftler schauten irgendwie seltsam. „Äh tut mir leid, aber das
halte ich für nicht möglich. Dies ist die Schrift von NOD. Nur NOD Anhänger besitzen solche
Tafeln und nur sehr hoch gestellte Personen. Sie sind sehr selten und ich kann mir keinen
Sammler vorstellen, der an so etwas kommen könnte“ sagte Carter.
Nick stand wie erstarrt da und starrte die Tafel an. „Heißt das, ich habe vor einigen Tage mit
einem NOD Anhänger zu Abend gegessen?“ fragte Nick gepresst. „Es sieht so aus Cavallo.“
antworte Grehn.

Es war noch nicht einmal 10 Uhr, da hatte Grehn mittels einer Spezialleitung ein
Sonderkommando alarmiert. Dies Spezialleitung funktionierte selbst wenn ein Ionensturm
wütete. Und dies war derzeit der Fall. Das Kommando erhielt die Befehle nicht von Grehn,
aber er gab ihnen wichtige Detailinformationen die er von Nick erhalten hatte. Noch an
diesem Tag sollten sie ausrücken und das Gelände stürmen. Man wollte diesen offensichtlich
hochrangigen NOD Anhänger lebend, aber trotzdem schien eine halbe Armee anzurücken.
Jedenfalls hörte es sich so an als Nick im Hintergrund dem Gespräch folgte.

9
Es war inzwischen Abend geworden und im Tal war immer noch hektisches Treiben. Eine
weitere Familie ließ sich aus dem Tal bringen, nachdem ihre Kuhherde im Stall von einem
mutierten Wesen angriffen wurden. Einer der GDI Soldaten nannte das Wesen einen
„Visceroiden“ und bezeichnete es als äußerst aggressiv. Yeremi war zusammen mit Sam an
die Stelle gefahren an der das Tiberiumfeld wuchern sollte, aber sie wurden schon hunderte
Meter vorher gestoppt. Einige GDI Soldaten verlegten gerade ihren Beobachtungsposten nach
hinten. Das Feld musste enorm gewachsen sein, denn sogar von hier aus sah man blaue
Kristalle in der Abendsonne glänzen. Der gesamte Hang schien inzwischen von den Kristallen
überwuchert und das Feld hatte den Waldrand erreicht. Sam hörte man nur laut fluchen, dann
drehte er den Wagen und fuhr ins Dorf zurück. Dort geschah etwas seltsames. Noch mehr
GDI Truppen waren eingetroffen, aber es kreisten auch zwei Jagt-Orcas über dem Tal. Zwei
Truppentransporter neue Bauweise rauschten durch das Dorf in Richtung Kasians Haus. Als
Sam das sah, gab er Gas und hängte sich an die Fahrzeuge. Die Straßensperre konnte ihn nicht
aufhalten. „Sieh dir das an Yeremi. Die Wappen da auf den BMTs. Die Hell Fist. Meine alte
Einheit“ rief Sam über den Motorenlärm. „Was wollen die denn hier? Das ist doch eine
Spezialeinheiten“ rief Yeremi. „Was glaubst du, warum ich hinter her fahre. Ich will wissen
was die bei Kasian wollen. Vielleicht hattest du doch recht mit deinem Misstrauen, Yeremi.“
Yeremi schaute nachdenklich. Im Grunde war er nicht Misstrauisch gewesen. Er hatte nur
dieses komische Treffen im Garten von Kasian beobachtet und hatte dies erzählt. Sollte er
Misstrauisch sein? Er wusste es nicht, aber das laute Rumpeln der BMTs riss in schnell
wieder aus seinen Gedanken. Sie waren bereits vor dem weißen Haus angekommen und die
BMTs stoppten abrupt.

Eine Sekunde später flogen die Türen der BMTs auf und jeweils fünf Seite 30
Soldaten stürmten heraus. Einer der Soldaten sprang mit gehobenen M16 Mk II
Impulsgewehr auf den Jeep zu, der den BMTs gefolgt war. Die anderen Soldaten begannen
wie in einem eingespielten Tanz in Richtung des Hauses vor zu rücken. Einen Moment später
lag das Tor hinter ihnen. Sie waren bereits nach 30 Sekunden auf dem Gelände. Dann
begannen Schüsse zu fallen. Das Fensterglas des Arbeitszimmers splitterte und jemand entließ
einen Feuerstoß nach unten in den Garten. Von unten antworteten einzelne Salven und
hämmerten in das Fenster hinein. Während ein Teil der Soldaten vorrückten, gaben ihnen
andere Feuerschutz. Die Statuen im Garten dienten dabei als Deckung. Irgendwann
verstummte das Maschinengewehrfeuer aus dem Fenster. Einer der Soldaten warf eine
Handgranate nach oben. Die aerodynamischen Handgranaten flog in einer sanften Kurve in
das Fenster und detonierte dann. Eine schwarze Rauchwolke quoll aus dem Fenster und ein
Regen aus rauchenden Splittern bedeckte den Garten.

Der Soldat, der Sam und Yeremi in Schach gehalten hatte, wurde von einem Trupp
nachrückender Kameraden abgelöst, die als Verstärkung den Rücken sichern sollten. Der Jeep
versperrte natürlich den Weg für einen eventuellen Rückzug. Sie holten Sam und Yeremi aus
dem Wagen und warfen sie auf den Boden, nur um sie gleich wieder auf die Beine zu holen
und zu einem der BMTs zu schleifen. Yeremi fand das gar nicht so schlecht. Von dort aus
konnte er die Soldaten wieder sehen. Sie brachten gerade eine C4 Ladung an der Türe an. Mit
einem lauten Krachen explodierte die Türe dann und brach nach innen aus dem Rahmen.
Wieder hämmerten Schüsse. Sie kamen aus der Eingangshalle. Dann hörte man jemanden
Schreien und die Soldaten rückten in das Haus vor und damit aus dem Blickfeld von Yeremi.
Sie waren Gefangene. Sam und Yeremi waren als Verdächtige in ein Gefängnis gekommen.
Sie waren allerdings nicht getrennt worden. Sie waren noch nicht lange in der dunklen Zelle,
da öffnete sich die Tür. Ein Leutnant kam herein. „Es tut mir furchtbar leid. Wir haben erst
jetzt erfahren wer sie sind. Mister Cooper, es ist mir eine Ehre sie kennen zu lernen. Auch
wenn es sehr widrige Umstände sind.“

Mit diesen Worten kam er auf Sam zu und schüttelte ihm die Hand. „In unserer Einheit sind
sie eine Legende.“ sagte er strahlend. Sam brummte nur etwas vor sich hin, was wie eine
Begrüßung klang. Es dauerte nicht lange, da fuhren sie wieder zurück in das Tal. Nicht ohne
von dem eifrigen Leutnant so ziemlich alles erzählt bekommen zu haben, was bei diesem
Einsatz geschehen war. Die Hell Fist Einheit hatte das Haus nach Plan gestürmt. Es sollte sich
nur ein NOD Anhänger im Haus aufhalten. Also keine große Gefahr. Aber es kam schon im
Garten zum Feuergefecht.

Der Schütze aus dem oberen Fenster hatte sich in das Treppenhaus
zurück gezogen und war so der Granate entgangen. Er hatte versucht in der Eingangshalle die
Truppe zu erwischen, aber die Hell Fist zielten besser. Nach der Beschreibung des Mannes
handelte es sich um den Butler von Kasian. Ansonsten war angeblich keiner im Haus. Der
Gesuchte, Kasian, war scheinbar schon geflohen. Sie hatten das gesamte Haus abgesucht, aber
keinerlei Material gefunden, das auf NOD schließen lies. Erst ein Taschencomputer im
Arbeitszimmer verriet mehr. Darin war eine Statistik über blaues Tiberium aufgeführt.
Wachstum, Ausbreitung und Mutationsgrad. Das Dokument trug eine digitale Signatur, die
auf eine NOD nahe Terrorgruppe hin wies, die in Deutschland aktiv war.
Yeremi schien wie gelähmt. Kasian war laut dem Leutnant ein NOD Anhänger gewesen. Der
Leutnant hatte erzählt wie sie die Informationen erhalten hatten. Es wäre ein Tipp aus
Sarajevo gekommen. Sam und Yeremi wussten sofort wer diesen Tipp gegeben hatte. Sie
wussten nur nicht wie Yeremis Vater darauf kam, dass Kasian ein NOD Anhänger war. Das
hatte ihnen der Leutnant nicht verraten wollen.

Sie machten die Nacht über in einer Kaserne Rast. Die Fahrt zurück dauerte länger als
erwartet. Eine Herde Tiberium Teufel versperrte eine Straße. Sie sahen das Gebiet
offensichtlich als ihr Revier an und dies hatten eine Autos zu spüren bekommen. Bis das Seite 31
Militär das Gebiet frei geräumt hatte, war die Straße gesperrt. Sie waren daher zu einem
Aufenthalt gezwungen. Yeremi rief seine Mutter an um ihr zu erzählen was passiert war und
um sie zu beruhigen. Sie hatte sie große Sorgen gemacht, das wusste Yeremi. Von seiner
Mutter hörte er dann auch Neues aus dem Tal. Das Tiberium hatte inzwischen einen großen
Teil des Berges überwuchert. Es wuchs noch schneller, da einige Bäume im Wald mutiert
waren und nun Tiberiumsporen ausspieen. Viele Tiere im Wald waren mutiert und selbst die
GDI hatte sich ins Dorf zurück gezogen. Sie hatten zwei Soldaten zum Schutz der Farm
abgestellt, da Yeremis Mutter nicht die Farm verlassen wollte.

Sie brachen gleich am nächsten Morgen auf. Als sie die Straße entlang fuhren, die gestern
gesperrt gewesen war, sahen sie an beiden Straßenrändern Autowracks. Eine ganze Anzahl
dieser Autos musste von gestern stammen. Viele von ihnen waren ausgebrannt oder mit
Tiberiumkristallen gespickt, die von den Tiberium Teufeln verschossen worden waren. Das
ganze Gebiet um die Straße war verseucht von Tiberiumfeldern. In der Morgensonnen sahen
sie viele mutierte Bäume die Tiberiumsporen in die Luft spieen. Diese kleinen Wolken ließen
die Straße wie einen grünen Tunnel erscheinen. Das Licht brach sich in den kleinen Kristallen
in der Luft und lies die Luft leicht flirren. Yeremi schaute in das Feld und sah einen einsamen
Tiberium Teufel hinter einem Stein weg tauchen. Gestern musste eine ganze Herde hier
gewesen sein. Die GDI war mit Titanen angerückt um sie zu vertreiben, aber es sah so aus, als
wäre der Erfolg nur von kurzer Dauer. Nach einer Stunde fuhren sie an der größeren Stadt
nahe dem Tal vorbei. Auch hier schien Aufbruchstimmung zu herrschen. Transporthelikopter
hoben ab und brachten Flüchtlinge in nördliche Regionen. Für Yeremi schien eine Welt
zusammen zu brechen. Die Region war so friedlich gewesen und nun schien die Apokalypse
ausgebrochen zu sein. Überall flohen die Menschen vor dem Tiberium und niemand konnte
etwas tun. Yeremi fühlte sich schlecht und in diesem Moment vermisste er seinen Vater sehr.
„Commander Cavallo!“ rief jemand vom zerfallenen Eingangstor des Tempels und Nick
drehte sich in diese Richtung. Grehn stand neben der Person die ihn gerufen hatte, aber Nick
kannte sie nicht. Grehn winkte ihm und bedeutete ihm zu ihnen zu kommen. Inzwischen
hatten sie die Tafel komplett zusammen gesetzt. Das Mosaik stellte eine biblische Szene dar.
Jedenfalls behauptete Grehn das. Carter hielt es für eine Vor-Christliche Darstellung, wobei
das Mosaik natürlich eine Nachbildung war.

Bei der Schrifttafel mit den Symbolen und Runen dagegen kamen die Weißkittel überhaupt
nicht weiter. Sie fanden keinerlei Verwandtschaft mit anderen Schriften. In keiner Epoche
hatte es solche Zeichen gegeben. Carter mutmaßte schließlich es handle sich um einen Code.
Einen computergenerierten Code. Grehn dagegen blieb auch hier bei seiner Ansicht es handle
sich um etwas Biblisches.

Nick schlenderte also zum Tor des Tempels und schaute den beiden zu. Sie machten sich
gerade bereit für einen Gang in die Tunnels unter dem Tempel. „Ich habe gehört, sie möchten
mitkommen. Carter sprach davon. Ich denke jetzt haben sie ihre Chance.“ Sagte der
Unbekannte. „Nun äh ja ich reise heute morgen Abend wieder ab, so wie es aussieht. Das
wäre sicherlich ein Erlebnis“ antwortete Nick. „Mein Name ist Sekura. Vladimir Sekura. Ich
bin für die Tunnelsicherheit zuständig“ stellte sich der Unbekannte vor. „Freut mich“ sagte
Nick und schüttelte seine Hand.

Nach einigen Minuten hatte Sekura einen Overall für Nick organisiert und ihn auch sonst mit
allem ausgerüstet, was er im Tempel brauchte. Eine Handtaschenlampe plus eine Lampe auf
dem Schutzhelm. Dicke Handschuhe, die vor den vielen Splittern schützen sollten, die es
angeblich dort unten geben sollte. Laut Sekura waren die Gänge unter dem Tempel mit viel
rotem Glas ausgeschmückt gewesen. Nach weiteren zehn Minuten traten sie in den Tempel in
gingen nach rechts. Da das Dach fehlte ragten die Säulen im inneren des Tempels ins Leere,
trotzdem wirkte der Bau sehr monumental. Sekura steuerte auf eines der Seitenschiffe zu und
stoppte vor einem Schacht. Eine dünne Leiter aus Stahl führte viele Meter nach unten in die Seite 32
Schwärze.

Sekura drückte einen Knopf an der Wand und im Tunnel weiter unten flammten
Neonröhren auf. „Dieser Eingang ist nicht original. Wir haben ihn in den Boden gegraben,
nachdem wir mit Sensoren die Hohlräume da unten entdeckt hatten. Den Zugang haben wir
noch nicht gefunden. Es ist eine Menge verschüttet worden.“ erklärte Sekura. Nick blickte
sich um und erst jetzt sah er im Tempel viele Mulden im Boden die auf Einstürze hin
deuteten. Während dessen war Sekura bereits in den Schacht abgestiegen. Nick folgte ihm.
Die Führung war langweilig. Sie krochen durch ein paar Gänge und kamen durch Schächte,
aber es gab nicht viel zu sehen. Ab und zu ein Nod Symbol auf einer Wand. Viele
zerbrochene Glasverzierungen. Doch die Geheimnisse der Bruderschaft waren hier nicht zu
sehen. Sekura berichtete, dass er und sein Team die wichtigen Anlagen noch viel tiefer
vermuteten. Doch es würde noch einige Jahre dauern bis sie in diese Regionen vorstoßen
konnten.

10
Als sie im Dorf ankamen, waren noch mehr Soldaten anwesend als bei ihrer erzwungenen
Abfahrt. Es war inzwischen Mittag und die Sonne stand hoch über dem Tal. Der Dorfplatz
war noch staubiger als sonst. Zwei Titanen standen neben der Dorfkirche. Einige Jeeps des
alten Typs Wüstenjäger standen vor dem Kommandoposten der GDI. Yeremi sah gerade wie
die Reuters mit einigem Hab und Gut in einen BMT einstiegen. Auch die Reuters flohen vor
dem Tiberium oder vor den Mutationen.

Ein GDI Soldat hielt den Wagen an und sie wurden gebeten in den Kommandoposten zu
kommen. Dort saß ein älterer Soldat hinter einem Klapptisch. Er studierte eine Karte des
Tales und schüttelte den Kopf. Yeremi konnte einige rote Punkte erkennen und eine blaue
Linie die sich durch ovalförmig auf der einen Seite des Tales abzeichnete. Einer der roten
Punkte befand sich genau auf ihrer Farm.

Der Soldat blickte auf und schaute Yeremi mit traurigen Augen an. „Junge. Ich habe leider
eine sehr schlechte Nachricht für dich.“ Es dauerte Stunden bis Yeremi überhaupt im Stande
war zu realisieren, was der Soldat gesagt hatte. Während ihrer Abwesenheit hatten Tiberium
Teufel die Farm angegriffen. Die zwei Soldaten konnten nicht viel ausrichten. Die gesamte
Farm war verwüstet. Als Yeremi nach seiner Mutter fragte, schüttelte der Soldat nur den
Kopf.

Sam und Yeremi wurden in das Haus von Kasian gebracht. Das Haus wurde inzwischen von
der GDI als Nachtlager genutzt. Alle Bewohner der äußeren Gehöfte wurden hier unter
gebracht. Es waren gut und gerne zwanzig Leute im Haus verteilt. Einige GDI Soldaten
kümmerten sich um die Leute oder bewachten das Areal. Man hatte ihnen gesagt, das sie auf
jeden Fall aus dem Tal weg müsste. Es gäbe keine Wahl. Alle würde evakuiert werden. In den
Morgenstunden würden drei Transporthelikopter erwartet um die Leute zu evakuieren.
Es war ein groteskes Bild. Das weiße Haus, welches so edel in der Abendsonne strahlte war
nun ein Auffanglager für Flüchtlinge geworden. Das Haus hatte trotz all der Einschlaglöcher
durch das Feuergefecht seine Würde behalten und strahlte immer noch den Glanz des
Reichtums aus.

Aber in den Räumen, waren Matratzen und Feldbetten aufgestellt. Kinder weinten.
Plastiksäcke mit Kleidung standen herum. Das Wenige was die Flüchtlinge zusammen
gepackt hatten. Einige der Flüchtlinge saßen an dem lange Tisch, an dem Yeremi noch vor ein
paar Tage zu Abend gegessen hatte. Sie berieten wie es wohl nun weiter gehen sollte. Auch
Kroll war gekommen um sich die Probleme der Leute an zu hören. Er würde nicht mehr lange
Bürgermeister sein, aber er nahm seine Pflicht jetzt noch ernster. So brach in dem Haus die Seite 33
Nacht herein und alle versuchten zu schlafen. Doch es gelang den Meisten nicht. Draußen im
Wald hörten sie das Brüllen eines Tiberium Teufels, der sein Revier absteckte.

Mitten in der Nacht wachte Yeremi aus seinem unruhigen Schlaf auf. Im Garten hörte er ein
lautes Grollen. Ein ähnliches Geräusch hatte er schon einmal gehört. Er erinnerte sich nicht
sofort daran woher er es kannte und bevor er darauf kam, begannen vor der Türe Schüsse zu
fallen. Andere MG Salven antworteten. Einige der Flüchtlinge waren bereits aufgesprungen
als plötzlich ein GDI Soldat in das Zimmer taumelte. Seine Uniform war rot von seinem Blut.
Er war kaum durch die Türe gekommen, da brach er zusammen. Sam sprang zu ihm, konnte
aber offensichtlich nichts mehr für ihn tun. Yeremi lief in die Eingangshalle. Er wollte sehen
was da geschah. Langsam schlich er sich an ein Fenster heran und lugte nach draußen. Aber
er konnte dort nur ein paar Schatten vorbei huschen sehen. Es war stockdunkel im Garten und
Yeremi konnte nichts genaues erkennen.

Plötzlich hörte er ein lautes Knirschen hinter sich
und fuhr herum. Die große Statue die in der Eingangshalle dominierte schwang zur Seite und
aus der Steinplatte die als Sockel für die Statue diente wurde eine Luke. Ein schwarz
gekleideter Mann sprang heraus und hielt Yeremi seine Pistole vor die Nase. „Keinen
Mucks!“ stieß er hervor. Yeremi trat langsam einen Schritt zurück und hob die Hände. Die
anderen Flüchtlinge kamen auch in den Raum. Auch sie hatten die Hände gehoben. Bei ihnen
befanden sich auch zwei GDI Soldaten. Beide hatten ebenfalls die Hände gehoben. Hinter den
Flüchtlingen kamen drei Soldaten in Sicht. Alle tiefschwarz gekleidet und Maschinengewehre
im Anschlag.

Plötzlich ertönte eine Stimme aus dem Schacht unter der Statue. „Ah. So, so. Hat die GDI
also während meiner Abwesenheit aus meinem schönen Haus ein Lager für Flüchtlinge
gemacht. Ich bin erschüttert wie diese Organisation mit dem Schutz von persönlichen Gütern
umgeht.“ Yeremi wusste bereits wer nun aus dem Schacht klettern würde.

Es war Kasian. Er trug die Uniform, die einer Commander Uniform ähnelte. Allerdings war die Uniform
tiefschwarz. Einzig ein roter Streifen am Kragen und auf den Schultern durchschnitten die
Einheitsfarbe. Ein NOD Emblem prangte auf der rechten Schulter der Uniform. „Ah Yeremi,
schön dich zu sehen. Ich dachte mir schon dich hier zu sehen. Wirklich eine Tragödie was auf
der Farm geschah. Mein Beileid zu diesem tragischen Verlust.“ Hörte Yeremi die schmierige
Stimme sagen, die Kasian aufgesetzt hatte, während er sich gänzlich aus dem Schacht
zwängte. „Ich war im Grunde nur auf Geschäftsreise und schon wird einem das Haus
gestürmt. Ich bin entrüstet,“ fuhr er fort. Yeremi stieß hasserfüllt eine Beleidigung hervor.
„Aber, aber mein Junge. Wo sind denn unsere Manieren geblieben“ fragte Kasian künstlich
empört. „Sie haben das Tiberium im Tal ausgesetzt. Sie Mörder!“ stieß Yeremi aufgewühlt
hervor. „Natürlich. Wir verbreiten Kanes Willen.“ antwortete Kasian. Damit schien die
Unterredung beendet. Kasian ging in sein Arbeitszimmer und kam mit einem Stapel
Minidisks wieder zurück. „Ich bin froh, dass die GDI mein Geheimfach nicht entdeckt hat.
Das wäre sehr unvorteilhaft gewesen.

Das können Sie mir glauben“ sagte Kasian mit einem Lächeln. „So nun können wir gehen“ sagte Kasian. „Sollen die Gefangenen liquidiert werden,
Sir?“ fragte einer der Soldaten. Kasian drehte sich um und schaute in die Runde. „Hmm ich
habe nicht mit Gefangenen gerechnet.“ Er schwieg kurz und schaute dann zu Yeremi, bevor
er sich an alle wandte. „Sie haben unglaubliches Glück meine Freunde. Danken sie Yeremi.
Ich denke mein Sohn würde es mir übel nehmen, wenn ich seinen Freund erschießen würde.
Wir werden sie mitnehmen. Ich denke einige von ihnen werden sich gut in den Fabriken
machen.“ Er schwieg wieder kurz und schaute zu den Kindern. „Und ihre Kinder. Nun sie
werden von nun an die Lehren Kanes in sich auf nehmen.“ Mit diesen Worten drehte er sich
um und stieg in den Schacht.
Epilog Seite 34